Syene – Die Rückkehr der XXII.

  • Blitzblank und kampfeslustig war die Armee gewesen, die von Syene aus in die Wüste marschiert war. Nun kehrten die Soldaten zurück, staubig und abgekämpft. In den sonnenverbrannten Gesichtern standen schwere Strapazen geschrieben. Viele trugen Verbände, wurden von Kameraden gestützt, andere mussten auf Trosswägen transportiert werden. Viele fehlten.


    Die Nachricht des Sieges über die Blemmyer war den Männern vorausgeeilt. Die Straßen wimmelten von Menschen, alle drängten sich, um einen Blick auf die heimkehrenden Krieger zu werfen. Die grausamen Wüstenreiter waren geschlagen, und die Karawanenwege, die Lebensadern der Handelsstadt Syene, endlich wieder sicher (so hieß es jedenfalls), darum wurden die Soldaten mit Erleichterung und Freude empfangen, man jubelte ihnen zu und winkte aus den Fenstern. Die gefangenen Feinde dagegen, versklavt und für die Arena bestimmt, wurden mit Flüchen bedacht und mit Dreck beworfen.


    Der Legionsadler, stolz vorneweggetragen, schwebte die Hauptstraße entlang, zum Hafen. Dort warteten bereits die Schiffe, die die XXII. wieder stromabwärts, nach Nikopolis bringen sollten.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Dragonum ritt nur wenige Meter hinter dem Legionsadler, äußerlich war er nach wie vor der glorreiche Anführer der XXII. Legion Rom's, innerlich hingegen war er müde und ausgelaugt. Die jubelden Menschen am Straßenrand nahm Dragonum schon garnicht mehr wahr ... sie freuten sich sicher schon genauso sehr darüber das die Legion wieder abrückte wie sie sich freuten das die Blemmyer geschlagen waren.


    Dragonum's Blick haftete am goldenen Adler der sanft hin und her wankte während ihm die Legion folgte ... der Adler symbolisierte die Allmacht Rom's, starr und unverändert war er aus der Schlacht zurückgekehrt und so wie dieser Adler von einem Legionär getragen wurde, so lastete das Gewicht Rom's auf den Schultern der Legionen. All der Fortschritt, Reichtum und Luxus den man sich in Rom und überall anders im Imperium leistete war ursprünglich mit dem Blut einer Legion bezahlt worden ... und dieses Mal war bei der XXII. Zahltag gewesen ...

  • Während es durch die Wüste ging, hatte ich auf einem Karren gelegen, der mit Verwundeten vollgestopft war. Kurz vor Syene packte mich der Ehrgeiz. Ich wollte nicht wie ein Leichnam durch die Straßen kutschiert werden! Mittlerweile hatten die Medici meinen Arm in eine leichtere Schiene verpackt, und ihn mir fest an den Körper geschnürt, so konnte ich wenigstens aufstehen. Aber ich war noch immer völlig kraftlos. Als hätten sich alle meine Knochen in weiches Wachs verwandelt, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten.
    Ravdushara wusch mich, so gut das mit dem bisschen Wasser ging, und kleidete mich in eine frische Eques-Tunika, die er dafür an der Seite aufgeschnitten hatte. Meine Rüstung konnte ich vergessen. Dafür drapierte er mir mein Paludamentum um die Schultern – das allerdings auch schon mal besser ausgesehen hatte, bevor es die Risse und Blutspuren erworben hatte.
    Derweil organisierte mein Beneficiarius mir ein Pferd, einen knochigen Braunen – das dritte Pferd auf diesem Feldzug... es tat mir leid um den feurigen Noctifer, und um den braven Fuchs.
    Meine beiden Helfer halfen mir aufsteigen, beziehungsweise, sie hievten mich in den Sattel. Oben angekommen klammerte ich mich mit der linken am Sattelhorn fest und mußte erst einmal wieder zu Atem kommen. Verdammte Schwäche!! Ich fühlte mich wie ein gebrechlicher Greis...


    Ravdushara führte mein Pferd, als wir in die Stadt einrückten. Ich war vollkommen damit beschäftigt, mich im Sattel zu halten. Der ganze Trubel um uns herum, die zivile Menschenmenge in bunten Gewändern, die Häuser, das Grün der Gärten, war, nach der langen Zeit in der Wüste, sehr merkwürdig. Es überforderte die Augen, die nur noch an Ödnis und staubige Soldaten gewöhnt waren.
    Es schien mir eine Ewigkeit zu dauern, bis wir endlich am Hafen waren. Aber auch dort lauerten uns haufenweise Zivilisten auf, die örtlichen Honoratoren bestürmten uns mit Einladungen zur Cena, die Huren und Lustknaben lockten mit ihren Reizen, die Sklavenhändler machten uns 'unschlagbare Angebote' für die Kriegsgefangenen.
    Ich hatte genug für heute! Schweißgebadet rutschte ich aus dem Sattel, darauf gaben erst mal meine Beine nach, aber Ravdushara fing mich auf. Auf ihn gestützt schleppte ich mich auf den Kahn, der diesmal das "Flaggschiff" war. Es gab sogar ein paar Decksaufbauten mit Kabinen für den Stab – der reine Luxus. Erschöpft sank ich auf mein Lager und schloß die Augen. Aber die Schmerzen ließen mich nicht zur Ruhe kommen.


    "Ravdushara..." Der Sklave, den ich mir damals mehr als Spielzeug gekauft hatte, war mir inzwischen unentbehrlich. Meine rechte Hand sozusagen.
    "Nimm Dir Geld, geh in die Stadt, und kauf mir Opium. Einen Vorrat für die Reise." Endlich war ich nicht mehr von diesen geizigen Valetudinariumsärzten abhängig, die mir die Dosis immer viel zu gering bemassen! "Und mach eine Steinmetzwerkstatt ausfindig, für die Gedenksteine, ja? Ausserdem... sag Massa, dass ich ihn gerne sprechen würde."
    Er zog los. Ich lag still und wartete ungeduldig auf seine Rückkehr. Eine leichte Brise wehte durch das Fenster, trocknete den Schweiß. Sie brachte den Geruch von Wasser, Schlamm und Schilf. Der Kahn schwankte sacht... An irgendetwas erinnerte mich das, aber ich kam gerade nicht drauf an was genau...

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    Klient - Decima Lucilla

  • Die Schiffe wurden beladen. Ich hatte mit meinen zwei Kameraden zu tun, das Maultier auf’s Schiff zu bringen. Unsere Ausrüstung und Verpflegung war bereits an Bord. Einen Moment hinsetzen und einen Schluck trinken. Ich hatte mir eine Ecke gesucht, die Flasche angesetzt, als mich wer antippte. „ Nicht mal hier....“ Ich sah nach oben. Ravdushara. Mit leicht unterkühlter Stimme, teilte er mir mit, das Serapio mich sprechen wolle. Meine Arbeit hatte ich erledigt und zu anderer hatte man mich noch nicht eingeteilt. Ich beeilte mich zu Serapio zu kommen, eh der Centurio Ideen entwarf, die mich davon abhielten.



    Wir hatten uns Tage nicht gesehen. Diensttauglich, war mein Platz in der Centurie. Der Rückmarsch durch die Wüste verlangte mir alles ab. Ich merkte, dass ich noch nicht ganz auf dem Posten war. Die Nächte schlief ich unruhig und traumlos, die Sonnenaufgänge in der Wüste fing ich an zu hassen. Der Zug durch die Straßen in Syene. Die Menschen die uns feierten. Das alles lief wie im Nebel an mir vorbei.


    Da stand ich nach zweimaligem Fragen vor der Kabine des Tribuns. Nach dem sinnlosen Versuch mit den Händen die Müdigkeit und Erschöpfung aus dem Gesicht zu wischen, klopfte ich an und trat ein, ohne auf ein herein zu warten. Er hatte Ravdushara beauftragt, dass hatte die Annahme in mir bestärkt, dass es sich nicht etwas dienstliches handeln konnte. Suchend sah ich mich um und entdeckte ihn in auf seinem Lager. Leise schloss ich die Tür. Meinen Galea hatte ich abgesetzt und auf eine Truhe hinter der Tür gelegt. Es war außer Serapio keiner in der Kabine. „ Aquila?“ sagte ich leise, mit schuldbewußtem Unterton. Eigentlich freute ich mich ihn zu sehen. Wenn er wüsste, was mich auf dem Marsch hierher für Fragen gequält hatten. „ Serapio? Wie geht’s?“ Wenige Schritten und ich war neben sein Lager gelangt.

  • Eine Weile schon war da von ferne so ein Singsang zu hören gewesen.... Nun näherte sich das Lied, begleitet von Plätschern und Rauschen. Ich stützte mich vorsichtig etwas auf und blickte durch die Fensteröffnung. Draussen im offenen Fahrwasser glitt eine ägyptische Barke vorbei. Die Ruderer hatten lehmbraune Haut, sie trugen lediglich weiße Lendentücher und sie sangen fortwährend vor sich hin, während sie sich in die Riemen stemmten. Monoton und schwermütig klang es über das Wasser.


    Dann ein Klopfen. Massa trat ein. Ich richtete mich weiter auf, lehnte den Oberkörper zurück, gegen die grob gezimmerte Wand, und musterte ihn. Er sah unglaublich erschöpft aus. Das 'Aquila' ließ meine Brauen zusammenrücken. Ich hätte nicht damit gerechnet dass er diesen Namen noch benutzte...
    "Salve Massa." begrüßte ich ihn eher zurückhaltend. "Geht besser. Aber du siehst heute aus wie ein Lemur. Setz dich doch."
    Ich zog die Beine an, um ihm Platz zu machen.
    "Hast du auch das Lied gehört, von den Schiff das da eben vorbeigekommen ist? Diese Ägypter singen so merkwürdig......"
    Nachdenklich rieb ich mir über die Stirn.
    "Ähm... zwei Dinge gibt es. Zum einen – du warst doch mit Artorius Menas in der selben Ausbildungseinheit, nicht wahr? Kanntest du ihn einigermassen? Ich überlege nämlich was auf seinen Gedenkstein soll. 'Dulce et decorum est pro patria mori...'? Oder lieber etwas... individuelleres vielleicht?"

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    Klient - Decima Lucilla

  • Ein kühler Empfang. Ich konnte es verstehen. Hatte mich nicht einmal blicken lassen, seit dem Tag als ich aus dem Zelt gerannt war um Neriman...... Heute sahen wir uns das erste Mal wieder. Das es ihm besser ging war gut. Ich setzte mich an den Rand, legte mein Gesicht in die Hände seufzte, faltete und beließ sie vor meinem Mund, starrte auf den Fußboden der Kabine. Ich wischte mir mit einem Ende des grauen Focale übers Gesicht. Ein Kamerad hatte es mir besorgt. Nerimans Tuch war im hintersten Winkel meiner Tasche für die Ersatzsachen verstaut. Ich brauchte Zeit, war ausgelaugt und Müde.


    „ Was sagtest du?....Ach das Lied ....Sie besingen ihr Schicksal ewig den Nil befahren zu müssen. Nicht mal im Tod läßt der Nil sie gehen.“


    Ich hatte die Augen geschlossen. Diese Ruhe hier außer den Wellen, die gegen das Schiff liefen. Er hatte also zwei Dinge, die er mit mir besprechen musste. Sie konnten nicht sehr persönlich sein, so wie er mich empfangen hatte. Seit dem Zusammentreffen mit den Nomaden, war alles anders. Vielleicht war es gut so. Er war Tribun und konnte sich keinen Fehltritt leisten. Ich akzeptierte es stillschweigend, hatte momentan nicht die Kraft dagegen aufzubegehren, ihn zur Rede zu stellen. Als mein Vorgesetzer, konnte er mit meiner Loyalität rechnen. Als Freund, wenn er es wollte, stand ich ihm weiter zur Seite. Als Decimer musste ich meinen Platz erst noch finden.



    Der erste Punkt kam zur Sprache und bestätigte meine Annahme. „Ja...“ ich nickte. Für mich war heute alles mit einer gewissen Mühsal verbunden. Nach Worten suchend sah ich zu Serapio. „ Über ihn etwas zu sagen, dazu waren wir zu kurz zusammen. Ein ruhiger, in sich gekehrter Mensch. Wir saßen am Abend zusammen am Feuer und am nächsten Tag starb er in meinen Armen. Bis heute habe ich es nicht geschafft seiner Familie einen Brief zu schreiben.“ Meinen Kopf in die Hände gestützt, vergrub ich meine Finger in meinen Haaren. Da war es, Menas fragendes, ungläubiges, um Hilfe bittendes Gesicht. Seine blutverschmierten Hände, die sich an mir festklammerten, abrutschten. Wie er vor mir zusammensackte..... „ Nimm es, es ist gut so für Rom's Ruhm und Ehre. Für ihn und seine Familie gibt es keine Worte, die seinen Tod in diesem Augenblick rechtfertigen würden.“ sagte ich tonlos.

  • Der Hafen versprach endlich Erleichterung für Dragonum, endlich würde er sich auf dem Flagschiff in ein gezimmertes Bett legen können und endlich würde er wieder ein paar Stunden Schlaaf bekommen ohne das gleich wieder mit einem Angriff zu rechnen war ... doch vorher mussten wieder edliche Tabulae überprüft werden, Lagerlisten und wieder die Listen mit den Verletzten und den Verstorbenen ... außerdem schienen kurz vor Seyene noch zwei Legionäre desertiert zu sein, außerordentlich merkwürdig wie Dragonum fand immerhin wanken doch nun Sold und Auszeichnungen ...


    "Warum sind diese zwei Legionäre desertiert die Kämpfe sind doch vorbei!"


    "Vielleicht wollten sie nicht zurück ins langweilige Castellum wo Geld und Wein auf sie warteten und stattdessen lieber noch die Schönheit der Wüste genießen!"


    Dragonum warf seinem Adjutanten einen missbilligenden Blick zu, Sarkasmus war er aus dieser Richtung zwar gewöhnt, aber in diesem speziellen Fall meldete sich sein Bauchgefühl und das konnte nichts gutes bedeuten ...


    "Ich will eine Untersuchung! Zu welcher Kohorte gehöhrten die beiden?"


    "Das ist doch nicht dein Ernst? .. Praefectus? ... hach also gut, 3 Kohorte ein Optio Memmius Ovius Ticida ... das passt ja, der wurde schon zweimal bei der Beförderung zum Centurio übergangen weil er dazu neigt seine Jungs etwas zu hart ranzunehmen, hab ihn selbst vor dem Feldzug erst verwarnt gehabt!"


    Dragonum grübelte kurz dann nickte er ...


    "Ich will das der junge Decimer das übernimmt, er ist vielversprechend und so kann er gleich seine Eignung beweisen! Und das du mir keine voreiligen Schlüsse ziehst, hart muss nicht notwendigerweise schlecht sein! immerhin haben alle seine Jungs den Feldzug überlebt!"




    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



    Caius Messius Sacrativir, seines Zeichens Adjutant des Legionskommandanten der XXII. Legion Roms, nickte als der Kommandant ihn mit einem neuen Auftrag betraute. Wiedereinmal galt es sauber zu machen nachdem jemand anders Mist gebaut hatte, wiedereinmal sollte er dabei jemand anderem auf die Finger sehen. Aber immerhin konnte er so den vermalledeiten Tabulae entfliehen und der ermüdenden Arbeit die sich mit ihnen verband. Aber nun musste er erstmal ein paar vertrauenswürdige Männer zusammentrommeln und den jungen Decimus finden ...





  • Angesichts seiner Trauer, und sicher nicht nur deswegen, wollte ihm die Hand auf den Rücken legen... den Arm um die Schultern... meine Hand zuckte schon, aber dann legte ich sie doch nur auf mein eigenes Knie. Ich richtete den Blick auf meine Fingerknöchel, sie traten hell hervor, Zeugnis einer Anspannung, die ich nicht nach außen dringen lassen wollte.
    "Mhm. Ich weiß noch genau wie er seinen Eid schwor... das war noch bei den Stadtkohorten. Er war so entschlossen... das hat mich beeindruckt. Die Artorier sind ja auch so eine Soldatenfamilie wie wir... Sein Vater war Primus Pilus bei der Prima, und sein Onkel Prätorianerpräfekt. Aber er wollte trotzdem als einfacher Soldat anfangen."
    Ehrenwert. Und sein Verhängnis. Ich hatte ihn gemocht, den gutaussehenden, vielversprechenden Artorier, und es hatte mir geschmeichelt dass er mein Klient werden wollte. Aber der Krieg machte eben keinen Unterschied.
    "Wir werden ihn nicht vergessen. Ihn, und das Opfer, das er gebracht hat. Das sind wir ihnen schuldig. Wenigstens das..."
    Dabei dachte ich nicht nur an Menas ... auch an Lucullus, Camerinus, Verax, Rusticus ... und die Gefallenen meiner Kohorte. Nicht dass ich mich irgendwie an das Sterben um mich herum gewöhnt hätte – aber im Vergleich zu damals in Parthien war meine Trauer weniger wild und verzweifelt und erschütternd... sie war eher dumpf. Krieg war nun mal so. Dulce et decorum est pro patria mori.


    Vor solchen Themen war mein persönlicher Groll auf einmal sehr klein. Ich hatte Massa nicht wirklich was vorzuwerfen, verdankte ihm aber eine ganze Menge. Und ich wusste was er durchmachen musste, schließlich hatte ich Ähnliches erlebt. Also beschloss ich spontan, ihm seine nubische Romanze zu gönnen, und das in Zukunft ganz abgeklärt und locker zu sehen!
    "Massa. Ich muss mich entschuldigen, dass ich dir gegenüber so... unausstehlich war. Ich weiß, dass es... unpassend war." Verlegen schlug ich die Augen nieder. "Lag an der ganzen Anspannung und so. Außerdem..." - ich rang mir ein schiefes Grinsen ab, zuckte die Schulter und dämpfte meine Stimme – "...hab ich noch nie verstehen können, wie man ernsthaft Geschmack an solchen Wesen finden kann. Also... sei mir bitte nicht böse, ja? Es kommt nicht wieder vor, versprochen."
    Besonders dass ich ihn im Nomadenlager so angefahren hatte, war mir im Nachhinein äußerst unangenehm. - Ob das Mädchen ihm gefolgt war? Ach herrje, am Ende war's die große Liebe und sie kam mit nach Nikopolis, und quartierte sich im Vicus ein... Nein, also bei aller Großmut, und eigentlich ging es mich ja auch nicht an, aber ich hoffte echt, dass dem nicht so war! (Um Massas Willen. So eine stumme Wilde. Die passte doch gar nicht zu ihm.) Mit Wohlgefallen bemerkte ich, dass er das Tuch des Anstoßes nicht mehr trug.

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    Klient - Decima Lucilla

  • Die Worte, ich verstand ihren Sinn nicht. Langsam dämmerte es, er meinte seine ganze Art und Weise, die er mir gegenüber in der Wüste an den Tag gelegt hatte. „ Es war alles so....“ ich suchte nach den passenden Worten. „Du hast doch gewusst, dass ....“ Hatte er das? So wie er sich bei mir entschuldigte, hatte er das nicht. „ ....das es nicht geht.“ Sagte ich leiser und sah auf meine Hände. „ Ich habe versucht es ihr zu erklären und mich von ihr verabschiedet. Ob sie es verstanden hat, ich weiß es nicht.“ Mit etwas festerer Stimme um mir selber einzureden, dass es richtig war, „ Sie gehört in die Wüste, es ist ihr zu Hause. Ich gehöre in die Legion.“ Es musste so richtig sein. „Du hattest Recht, ich hätte auf dich hören sollen.“


    Konnten wir nicht von etwas anderem Reden? Ich musste mich von dem Thema ablenken. Es beschäftigte mich immer noch zu sehr. „Decimus Verus scheint einigen Einfluss in Rom zu haben. Durch ihn hätte ich vielleicht auch als Centurio in der Legion anfangen können. “ sagte ich nachdenklich. Es war bei einem Brief geblieben. „ Hast du Post von ihm bekommen? Ich hatte ihm geantwortet aber...“ ich zuckte mit den Schultern. Es konnte die unterschiedlichsten Ursachen haben, dass er nicht antwortete. „ Vielleicht hat er viel Arbeit und bisher keine Zeit gefunden zu antworten.“ So konnte es noch zig tausend andere Gründe geben, warum er nicht schrieb. „ Ich könnte ja noch einen Brief schreiben und ihn mal indirekt Fragen...“ ich schüttelte den Kopf ohne den Satz zu beenden. Alleine der Gedanke, einen Rang durch betteln beim eigenen Onkel zu erhalten widerstrebte mir. Hätte ich es nicht anders gekannt, wäre das normal für mich gewesen. So wie es jetzt aussah, musste ich ein bisschen was tun dafür. Warum nicht, hatte noch keinem geschadet. „ Hast du überhaupt von jemandem was gehört.“ Mich dürstete nach Neuigkeiten. „ Du hast doch eine Schwester in Rom. Seiana, heißt sie, glaube ich.“ Ich konnte mir das bei Serapio nur schwer vorstellen. Er und eine Schwester.

  • Gewusst, dass es nicht geht – im ersten Augenblick dachte ich, er meine das zwischen uns... aber er sprach von der Frau. Trotz meiner Vorsätze (abgeklärt, locker, unkompliziert), versetzte es mir einen Stich zu sehen, dass er sie offenbar sehr vermißte. WARUM? Was war an so einem dunklen, mit Tüchern umwickelten Wüstenweib, mit dem man kein einziges Wort wechseln konnte, auch nur im Entferntesten interessant? Die gute Nachricht: sie war nicht mitgekommen. Ich verbarg meine Genugtuung unter einer neutralen Miene, und nickte zu seiner Einsicht.
    "Es sind verschiedene Welten."
    Klar hatte ich recht! Wahre Leidenschaft gab es doch eh nur unter Männern. Aber irgendwie tat es mir schon leid, dass ihn zu allem Überfluß nun auch noch der Liebeskummer quälte. Wäre ich nicht so schmerzgeplagt und abgezehrt gewesen, ich wäre sicherlich in Versuchung gewesen, ihm etwas Trost zu spenden.


    Statt dessen war es meine Aufgabe, ihm eine weitere herbe Enttäuschung zu bereiten.
    "Verus!" wiederholte ich abfällig, bestürzt auch nur diesen Gedanken zu hören. "Nein, ich glaube kaum! Und selbst wenn... sowas muß man sich doch erarbeiten! Wir sind doch nicht im Cursus 'Honorum'! Die Centurionen sind das Rückgrat der Legion!"
    Dass Beziehungen genutzt wurden, um einen Immunis-Posten, oder vielleicht eine Versetzung zur Reiterei zu ergattern, war ja nicht so selten... Aber ein Centurionat war ganz was anderes! Klar war es mir nicht unbekannt, dass selbst diese Positionen manchmal verschachert wurden, aber ich fand das skandalös.
    "Du bist ein guter Soldat, und dein Name wird dafür sorgen, dass deine Leistung nicht übersehen wird. Solche Schleichwege hast du nicht nötig."


    Hm... Heute schien es kaum möglich zu sein, sich normal zu unterhalten. Seitdem die Frau aufgetaucht war, war alles anders, es fehlte die Unbefangenheit, das natürliche Verständnis zwischen uns, das den Umgang mit ihm so leicht und angenehm gemacht hatte.
    "Ja, ich habe ein paar Dinge gehört. Ziemlich beunruhigende Dinge, um ehrlich zu sein. Verus, er hat sich von der Familie abgewandt. Es tut mir leid dir das sagen zu müssen. Er hat uns schon früher viel Schande gemacht, immer wieder. Und nun... nein, ich muß weiter ausholen... Hast du in der Acta von dem Prozess gegen meinen Vater gelesen? Das ganze war eine Intrige, eine bodenlose Gemeinheit. Livianus hat in Folge dessen sein Kommando niedergelegt und sich nach Tarraco zurückgezogen. Und Verus... er hat nicht davor zurückgeschreckt, sich unter das Patronat des Mannes zu stellen, der für dieses Schurkenstück verantwortlich war. Und als meine Schwester ihm ins Gewissen reden wollte, hat er ihr offen gedroht, und sie eine Gegnerin Roms genannt!"
    Vor Empörung ballte ich die Hände zu Fäusten – nein, die Linke zur Faust, mein rechter Arm quittierte den Versuch mit einem flammenden Schmerz.
    "Autsch!! Wo bleibt nur dieser Nichtnutz von Sklave... - Jedenfalls haben wir Verus klargemacht, dass er zu weit gegangen ist. Für uns ist er kein Decimer mehr. Ich weiß, dass dich das in ein Dilemma bringt, aber... Er ist ein Verräter."
    Forschend blickte ich Massa ins Gesicht, wollte sehen wie er es aufnahm. Und natürlich schwang die stumme Frage mit: Hältst du zu uns? Schlimmstenfalls könnte das ganze zum Bruch zwischen dem hispanischen und dem achaischen Familienzweig führen!

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    Klient - Decima Lucilla

  • „ Sehr verschiedene und ich will in nächster Zeit nichts von dieser anderen Welt hören oder sehen. Frauen im speziellen. Man hat nur Probleme. Ich drängte die Gedanken an Neriman zur Seite. Es gab wichtiger Dinge, die meine Zukunft betrafen, wie ich dann hören musste. Ich brauchte einen klaren Kopf.


    „ So eine Bitte hätte ich nie in Erwägung gezogen. Wie stünde ich dann vor dir und der Familie da. Der Familie die ich nicht kenne. Es bedrückte mich, dass ich keinen Bezug zur Familie hatte. Serapio war der einzige Anhalt. Seine Anschuldigungen gegenüber Verus waren enorm. Wie sollte ich mich dahingehend verhalten. Ich wusste nichts von der Vergangenheit Verus, von Serapio oder irgendeinem aus der Familie. Hätte ich nicht selber nach dem Tod meiner Mutter in die Familien-Rolle gesehen, ich wüsste nicht mal, dass es einen Onkel gibt.
    Die Acta, gelesen? Verschlungen hatte ich sie. Das mit seiner Schwester, ich hatte gemischte Gefühle. Warum tat Verus so etwas? Trotzdem hatte ich nicht das Recht ihn zu verurteilen, ohne seine Seite gehört zu haben.


    2 Fakten waren mir bisher aufgestoßen. Er wohnte nicht in der Familien-Villa und er hatte kaum Interesse an mir , seinem Neffen, gezeigt. Er war erstaunt, dass ich existiere. Hatten mein Vater nie mit ihm gesprochen? Ich kam mir wie ein Fremder vor.


    „ Das sind schwere Anschuldigungen und sie treffen vielleicht zu. Trotzdem kann ich nicht über ihn urteilen, ohne seine Seite gehört zu haben. Ein Brief wird nicht viel bringen, er hat auf meinen letzten schon nicht geantwortet. Ich stecke wirklich in einem Dilemma.“Meine Finger vergruben sich in meinen Haaren. Eins spürte ich deutlich, heute musste ich eine Entscheidung fällen. Egal wie sie ausfiel, sie würde meine Zukunft bestimmen. Ich sah Serapio an. „ Die Vergangenheit kenne ich nicht. Das was jetzt ist, ich nehme es als gegeben hin. Die Zukunft der Familie findet mit mir statt. Du kannst auf mich zählen, auch wenn ich mich damit gegen Verus entscheide.“ Ich hielt Serapio meine linke Hand hin.

  • Sim-Off:

    Nach Abschluss der Suche!


    Nachdem nun auch die letzten Kisten an Bord der Schiffe gebracht worden waren und Dragonum sich zweimal hatte versichern lassen das sie niemanden vergessen hatten, machten sich die Schiffsbesatzungen daran die Schiffe für das Auslaufen vorzubereiten. Wieder führten zwei große Flussschiffe der Classis Alexandria die kleine Flotte aus Handels und Transportschiffen an, doch dieses Mal musste Dragonum sich wenigstens keine Sorgen um das vorankommen machen, denn das würde ja nun die Strömung erledigen ... blieb nur zu hoffen das nach der Verwundung von Dragonums navalem Berater, dem Optio Septimius Palaemon, die Besatzungen dennoch ihre Arbeit ordentlich verrichteten und die Legion nach all den Strapazen Alexandria ohne weitere Zwischenfälle erreichen würde ...


    Kaum das die Schiffe abgelegt hatten und Dragonum sich von der Reeling gelöst hatte, begab er sich in sein Quatier und wies seinen Adjutanten an vorerst niemanden zu ihm durchzulassen ...

  • Zitat

    Original von Appius Decimus Massa


    Nur Probleme, wohl wahr. Und anscheinend hatte ich ihn im Bezug auf die Ränge schon wieder falsch verstanden, und mich umsonst aufgeregt.
    "Ach so." Ich nickte verträglich, und hätte mich für dieses Mißverstehen nochmal entschuldigt, wenn ich mich nicht schon vorher zu Genüge entschuldigt hätte. (Sich entschuldigen wirkt nun mal schwach, und wer steht schon auf Schwächlinge?) Nein, wir waren beide nicht gerade in glänzender Form...
    Ich fuhr mir über den Nacken, ließ ihn knacken, rutschte unruhig ein Stück zur Seite, weg von der Wand, zog die Beine unter den Leib, auf der Suche nach einer weniger unangenehmen Position. Wie lange wird Ravdushara noch brauchen... verdammt, ich hätte ihm sagen sollen, dass er mir erst das Opium bringt, und danach den Steinmetz sucht... das kann ja noch ewig dauern...


    Treffen vielleicht zu? Traute Massa mir etwa nicht? Nun ja, eigentlich hatte er recht, beide Seiten hören zu wollen, bevor er ein Urteil fällte. Aber ich fürchtete, Verus dem Schwätzer, könnte es gelingen, dem gutgläubigen Massa das Blaue vom Himmel weiszumachen. Angespannt musterte ich ihn, sah, wie sich eine Entscheidung auf seinen Zügen abzeichnete. Und erleichtert schlug ich ein, und drückte seine Hand – wie zartfühlend von ihm, mir die Linke zu reichen.
    "Ich bin sehr froh das zu hören. Die Familie braucht uns nötiger denn je. Wir haben so lange von Meridius' Ruhm gezehrt, und Livianus', und den anderen Großen, aber... jetzt ist es an uns. Und wir haben... bei der derzeitigen, ähm, politischen Lage, einen schweren Stand."
    Als stünde man unversehens in der ersten Schlachtreihe.
    "Ich will mich nach Rom versetzen lassen. Also..." falls "...sobald ich wieder diensttauglich bin." schloß ich stur. In der Hinsicht hatte die Predigt des Präfekten doch Früchte getragen. "Wie steht es mit Dir? Schon mal über die Stadtkohorten nachgedacht? Du wärst im Zentrum des Imperiums, und nahe an der Familie."
    Allerdings, der Gedanke kam mir erst einen Wimpernschlag später, auch unter dem Kommando Vescularius'.

  • Das er sich nach Rom versetzten lassen wollte, war zu erwarten. War es das? Es berührte mich unangenehm, versetzte mir einen Stich. Die Familie brauchte ihn in Rom, daran gab es keinen Zweifel. „ Je schneller du gesund wirst um so eher kommst du nach Rom.“ Bestätigte ich sein Ansinnen. „ Wird der Praefect dich gehen lassen?“ ein leiser Zweifel lag in meiner Stimme. Plötzlich ging es um mich. Die Stadtkohorten. Mein Gesicht schien alles auszustrahlen nur keine Begeisterung. Bisher war ich offen zu Serapio gewesen, warum sollte ich es ändern. Ich sah zur Luke hinaus. „ Man sagt, eine Versetzung zu den Stadtkohorten kommt einer Degradierung gleich.“ Mehr als ein verkrampftes Lächeln brachte ich nicht zustande. „ Nach der Sache mit Livianus. Wird es schwer. Ich habe dann vielleicht das Glück nach 20 Jahren treuem Dienst an Rom als einfacher Legionär, als der ich dort hin versetzt wurde, in den Ruhestand zu gehen. Falls mir nicht vorher ein Dieb den Schädel einschlägt.“ Mit der Hand auf die Bettkante aufgestützt sah ich Serapio an. „ Meinst du ich nütze der Familie als einfacher Legionär bei den Kohorten?“



    Wiederum im Zentrum des Imperiums, in Rom zu sein, das war etwas, was sich viele wünschten und nie erreichten. In der Nähe MEINER Familie. Alexandria gegen Rom tauschen, obwohl ich dort schlechtere Aussichten auf meine angestrebte Laufbahn hatte? Weg vom Meer, von Vertrautem? Weg von..... ich biss die Zähne zusammen. Meine Kieferknochen traten vor. Warum musste ich plötzlich so viele Entscheidungen treffen, deren Tragweite ich heute, schon in Anbetracht dessen, das ich erst 19 war, nicht abschätzen konnte.

  • "Ich hoffe es! Ich habe ihn schon drauf angesprochen, aber das war auf eine, ähm, etwas unglückliche Weise... und da wurde er echt grantig. Aber ich denke er versteht schon, dass ich einfach nach Rom muss..."
    Mein Vorschlag riss Massa nicht gerade vom Hocker.
    "Was?! Wer sagt denn so was?!" fragte ich verblüfft. "Nein nein, Stadtkohorten, nicht Vigilen. Der Dienst bei den CU hat einiges Prestige! Man ist ja sogar mit den Praetorianern in der selben Castra untergebracht. Ich bin von der Prima dorthin gegangen, aus der ersten Kohorte der Prima wohlgemerkt, und ich kann Dir versichern, es war keine Degradierung!" Ne, das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.
    "Aber das Du es dort schwer haben könntest... hmm... kann schon sein." musste ich zugeben. "Als ich dort war, habe ich von diesen Auseinandersetzungen allerdings nichts zu spüren bekommen. Dabei gab es da schon Differenzen. Und auch Flavus..." - bei seiner Erwähnung verzog ich unwillkürlich das Gesicht, als hätte ich etwas unangenehmes gerochen – "... Livianus leiblicher Sohn, konnte dort problemlos sein senatorisches Tribunat ableisten." Ich konnte mich heute noch drüber aufregen, als was für ein stinkfaules Senatorensöhnchen sich der Kerl gebärdet hatte! Nicht den kleinen Finger krumm gemacht...
    "Ich weiß natürlich nicht, wie es jetzt aussieht. - Mittlerweile frage ich mich sowieso, ob der Stadtpräfekt mich womöglich gerade wegen des Konfliktes mit besonders wohlwollender Aufmerksamkeit bedacht hat...." überlegte ich leise. "Um mich Livianus abspenstig zu machen... Keine Ahnung." Kein schöner Gedanke. Ursprünglich hatte ich gedacht, es läge daran, dass der PU meine Arbeit schätzte. Aber sobald man mal anfing zu hinterfragen...
    "Bestimmt! Alleine schon ein Auge auf die Vorgänge dort zu haben... könnte sehr wertvoll sein...." - mir kamen gerade die verrücktesten Gedanken – "und, nur mal als Gedankenspiel, wenn du dort als Verus' Neffe auftreten würdest, und unseren Zusammenhalt verbergen würdest... Hmm... Nein, ich glaube das wäre zu riskant." Besser wir fingen gar nicht erst selbst mit Intrigen an, die anderen hatten da einfach einen unschätzbaren Erfahrungsvorteil.


    "Ich will Dich nicht beschwatzen, der Dienst hier macht der Familie genauso Ehre. Mein Vorschlag war....." Ich stockte verlegen, und tippte mit den Fingern der Linken - den Fingern, die es danach verlangte, sich in braunlockiges Haar zu wühlen, den Fingern, die liebkosend über die schönen Achilleszüge fahren wollten, allen Zwiespalt hinwegstreichen, alle Bedenken zerstreuen... - tippte mit diesen Fingern unschlüssig auf meinem Knie herum. ... kann das denn sein, dass so etwas wirklich nichts bedeutet...
    "... nicht ganz selbstlos." schloß ich endlich.
    Warum brachte ich diese Dinge schon wieder durcheinander?
    Sachlich bleiben, Faustus, bleib sachlich." Ich stählte meine Stimme, richtete den Kopf auf und verzog die Lippen zu einem munteren Lächeln.
    "Es gibt übrigens auch gute Neuigkeiten. Meine Schwester will heiraten, einen Eques von den Quintiliern."

  • Nervosität ? Seine linke Hand, unruhig, rastlos auf seinem Knie. Sein Eingeständnis mir gegenüber, dass er mich in seiner Nähe haben wollte. Deswegen der Denkanstoß? Ich legte meine linke Hand auf seine, hielt sie fest. „ Nicht ganz selbstlos......dann wird es dir nichts ausmachen, wenn ich ein Versetzungsgesuch zu den CU schreibe? Muss ich es direkt an den Praefecten richten?“ ich lächelte verschmitzt. „Vergiss nicht, ich BIN Verus Neffe. Alleine das es zutrifft wird reichen. Ich muss mich nicht Mal verstellen. Ich sehe schon, ein hartes Brot werde ich da haben.“ Leicht wurde es nicht, hatte er nie behauptet. Und einen gewissen Reiz hatte es, ein paar Steine in den Weg gelegt zu bekommen.



    Seine Hand fühlte sich warm an. Ich dachte an unser letztes nächtliches Zusammentreffen. Sein Lächeln lenkte mich von meinen Gedanken ab. Was hatte er denn noch, das ihn so aufmunterte.


    „ Deine Schwester will heiraten?“ es klang gespielt entrüstet. „ Kann sie nicht warten, bis ich mir ein Bild von ihr gemacht habe?“ ich schüttelte sichtlich empört den Kopf, zog die linke Augenbraue hoch. „ Bist du sicher, dass der Quintilier gut genug für sie ist?“ dann lachte ich. „ Du hast sicher Erkundigungen über ihn eingeholt und bist zufrieden. “ Ich rutschte etwas mehr auf sein Bett, lehnte mich seitlich an die Wand. „ Rom.“ Flüsterte ich und sah verträumt vor mich hin.

  • Da war ich erst mal sprachlos. Ungläubig senkte ich den Blick auf unsere Hände, hob ihn wieder und musterte Massa mit großen Augen. Dann stieg ein strahlendes Lächeln in mir auf, ich lachte leise und schüttelte sacht den Kopf.
    "Nein, das würde mir ganz und gar nichts ausmachen."
    Mit den Fingerspitzen fuhr ich langsam über die Innenfläche seiner Hand, und war für den Augenblick viel zu hingerissen um mir weiter Gedanken zu machen, ob, was, was genau dies denn nun bedeutete.
    "Am besten Du gehst direkt zu Octavius. Aber warte damit besser bis wir wieder in Nikopolis sind."
    Endlich war das Eis gebrochen. "Oh wenn du wüßtest! Das mit ihrem vorigen Verlobten, das war so ein Trauerspiel... Dagegen kann es mit dem Quintilier nur besser werden. Ich kenn ihn flüchtig, hab ihn mal verhaftet – aber nur aus einem Mißverständnis heraus. Er ist ein kluger Kopf. Kann ich dir mal den Brief zeigen, den er mir geschrieben hat, um um Seiana anzuhalten? Mich würd interessieren wie du ihn findest. Er ist in der Kiste da, ganz oben drin. - Livianus ist auch einverstanden. Aber ob er wirklich die richtige Wahl ist... meine Schwester ist nun mal eine ganz herausragende, wunderschöne, gesittete und gebildete Frau, da ist es echt schwer jemand passenden zu finden."
    Ich seufzte, war im Moment aber zu froh, um mich wirklich zu sorgen.
    "Mhm... Rom...." stimmte ich mit ein, "... ach ich freu mich schon so darauf Dir alles zu zeigen...!! Die Thermen und die Rennbahnen, und die Theater und Tavernen, und wir müssen unbedingt mal an einem Sommerabend auf das Marsfeld gehen, da ist immer eine tolle Stimmung... und die Feste erst... und wir können doch auch selbst eines machen, zur Feier unserer Ankunft..."

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Rom, ich schwankte wieder. Vor den Praefecten treten und ihm mein Anliegen vortragen. Eine Hürde, schwer, aber nicht unüberwindbar. Bis Nikopolis waren es noch ein paar Tage. Genügend Zeit darüber nachzudenken, wie ich es anfing. Hier, heute und jetzt nicht.


    Ein Brief, der Quintilier hatte einen Brief geschrieben. In der Kiste. Ich fand ihn nach nicht allzu langem Suchen. Lesend setzte ich mich wieder zu Serapio. „ Er klingt vernünftig, abgeklärt, gebildet, weiß was er will. Wie alt ist er eigentlich? Zurzeit hält er sich in Germania auf. Ob er der Richtige ist, kann man nur anhand des Briefes schlecht feststellen.“ Ich rollte den Brief zusammen und legte ihn zurück. „ Herausragend, Wunderschön, gesittet......sie würde eher zu mir passen.“ Ich lächelte ihn, mit einem Funkeln in den Augen, an. „Aber leider...... Nein, eine Frau würde mich nur von meinem Weg abhalten.“ Ein Abwinken unterstrich das Ganze.


    „ Lieber lasse ich mich von und mit dir durch Rom treiben...Es muss fantastisch sein...Am Abend, bei untergehender Sonne........das warme Wasser der Thermen, was den Körper wohlig umspült......der Wein in geselliger Runde...trunken vor Glück. Ach was träume ich schon wieder.“ Es war nicht mal sicher, dass ich nach Rom kam. Abwarten bis Nikopolis. „Du, was denkst du über einen Patron für mich? Wann sollte ich das in Angriff nehmen?“

  • "Den Eindruck hab ich auch gewonnen... er ist etwa... - He! Denk nicht mal dran!" Bei meiner Schwester verstand ich keinen Spaß! Ich zog eine halb scherzhafte bedrohliche Grimasse, und fletschte die Zähne, aber dieses Lächeln, und dieser Blick nahmen mir sogleich wieder den Wind aus den Segeln.
    "Du bist aber nicht sittsam!" neckte ich Massa, "Also, soweit ich mich erinnern kann... Glücklicherweise."
    Und einen Augenblick lang schwelgte ich in den aufregenden Erinnerungen, die uns verbanden, war ganz sorglos und träumte davon, gemeinsam mit Massa die Vergnügungen Roms auszukosten. Ich genoß die Bilder, die er mit seinen schwärmerischen Worten vor meinem inneren Auge entstehen ließ...
    "Hm... das würd ich an Deiner Stelle dann machen, wenn Du weißt, wie genau es weitergeht. Was ist eigentlich Dein Ziel? Die Militia Equestris? Die Garde?"
    Eigentlich könnte doch Massa es übernehmen, ein glorreicher Feldherr zu werden.

  • „ Wir und sittsam? Die Frau sollte sittsam sein. Ist sie so, wie du deine Schwester beschreibst, dann wird der Mann von Fortuna reich beschenkt, der sie bekommt.“ Ich sah in nachdenklich an. „ Dir liegt sehr viel an ihr. Die einzige Frau, der du etwas abgewinnen kannst.“
    Meine Finger spielten unablässig mit meinem cingulum. Er sah krank aus. Es war sein Arm. Er war für ihn ein Makel, der ihm schwer zu schaffen machte. Was konnte ich für ihn tun? Nicht sehr viel. Als Legionarius waren die Möglichkeiten eng gesteckt.ich musste mit ihm nach Rom. Weiter kam ich nicht mit meinen Gedanken.


    „ Für die Militia Equestris hätte ich mich nicht bei der Legion verpflichten dürfen und die Garde. Mein Wille zählte da wenig. Die Garde nimmt nur Leute, die sie selber ausgesucht hat. Mir bleibt als einziges die Laufbahn über die Mannschaftsränge.“ Als ich die Entscheidung getroffen hatte zur Legion zu gehen, hatte ich nichts außer meinem Namen. Keiner half mir den richtigen Weg zu finden. „ Du siehst, viel Auswahl ist da nicht, aber ich wäre nicht der Sohn meines Vaters, das Beste daraus zu machen.“ Das trug Konsequenzen mit sich. Zwei davon lagen mir schwer im Magen, sollte alles so verlaufen wie geplant.

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