Prudentischer Rotschopf zu Besuch

  • http://www.kulueke.net/pics/ir…ia/villa_atrium_klein.pngAlbin führte Titus Prudentius Burrus von der Pforte hinein ins Atrium der Villa. Hatte man bei der Bodengestaltung sämtlicher Räume auf Marmor verzichtet und auf hiesigen Stein zurückgegriffen, bildeten die Säulen des Atriums die einzige Ausnahme: sie waren aus dem Marmor der familieneigenen Brüche in Raetia gearbeitet worden. In der Mitte des Atriums befand sich ein durch eine niedrige Buchsbaumhecke eingefasstes Kiesbett, in dem ein kleiner, in schlichtem Stein gehaltener Springbrunnen das Atrium dominierte. Gemächlich plätscherte dort das Wasser und ein hölzernes Klangspiel bewegte sich in einer spätherbstlichen Brise. Zwar waren die Außentemperaturen schon merklich abgekühlt, aber es war auch noch nicht dermaßen ungemütlich, als dass man sich nicht längere Zeit im Innenhof aufhalten konnte. Albin bedeutete Burrus daher mit einer Geste, im Atrium zu warten.


    "Wenn du dich etwas gedulden möchtest. Ich lasse dir etwas warmen Würzwein bringen." Sprachs und ließ den jungen Mann im Atrium stehen, um den Hausherrn zu informieren. Während der Wartezeit konnte der Gast weiterhin die Pracht der Villa bestaunen.

  • Titus folgte Albin in das Atrium und schaute sich dabei sehr interessiert, aber auch versucht unauffällig um. Das Haus war, soweit er das bisher beurteilen konnte, wirklich sehenswert und der junge Mann dachte wehmütig an das Haus seiner Jugend zurück.


    Der junge Prudentier nickte auf Albins Worte und blickte sich im Atrium um. Die sparsame Verwendung von Marmor war, gemessen an manch anderen Haus, das Titus in seinem Leben von innen gesehen hatte, erfrischend zurückhaltend, passten seiner Meinung nach aber ganz gut ins Gesamtbild, das er sich bisher gemacht hatte.

  • Witjon war über alle Maßen überrascht gewesen, als Albin ihm den Namen des unverhofften Besuchers nannte. Ein Prudentius, wahrhaftig? Witjon hatte alles stehen und liegen gelassen (was ihn nicht schmerzte, es handelte sich bloß um Bilanzen seiner Schmiedestätte) und eilte ins Atrium hinunter. Kurz bevor er allerdings in den Innenhof trat, verlangsamte er seinen Schritt und mühte sich um einen Auftritt, der dem eines Hausherrn entsprach. Würdevoll, gemächlich, mit kritischem Blick für den vermeintlichen Prudentier. Bei Donar, hatte dieser Wicht rote Haare! Amüsiert nahm Witjon diese Tatsache zur Kenntnis.


    "Salve, Fremder", begrüßte Witjon eben diesen dann auch höflich, als er ins Atrium trat. "Mein Vilicus teilte mir mit, dein Name sei Titus Prudentius Burrus, ist das wahr? Ich bin Numerius Duccius Marsus, Herr dieses Hauses." Er reichte dem jungen Mann die Hand, der Siegelring und der Rittering waren dabei deutlich sichtbar. Gekleidet war Witjon in eine einfache Tunika.

  • Titus befasste sich gerade mit der Frage, ob das Kiesbett, dass den zentralen Springbrunnen umgab, an einem regnerischen Tag eine ähnliche Funktion erfüllte wie ein klassiches Impluvium und das anfallende Wasser zu einer Zisterne verbrachte, oder ob es sich schlicht um eine Sickergrube handelte, durch den der Regen ungenutzt in den Boden entfleuchte. Seine Gedanken wurden allerdings durch nahende Schritte unterbrochen, denen er sich, mit einem freundlichen Lächeln, zu wand.


    Der Mann, der das Atrium betrat, machte einen freundlichen Eindruck und entsprach weitestgehend dem, was er, nach den Erzählungen des prudentischen Hausverwalters, erwartet hatte.
    "Salve..." erwiderte er und ergriff die dargebotene Hand mit festem Griff und fuhr fort: "...Ja, ich bin Prudentius Burrus, Sohn der Prudentia Viola. Ich stamme aus der Colonia Agrippinensium."
    Titus wusste nicht, ob sein Gegenüber etwas mit dem Namen seiner Mutter anfangen konnte, aber so präsentierte er sich zumindest nicht vollkommen als verlorene Seele.
    "Es ist mir eine Ehre dich kennenzulernen und ich danke dir, dass du etwas Zeit für mich erübrigen kannst."

  • "Oh, keine Ursache", erwiderte Witjon freundlich auf den Dank des Prudentiers. "Für einen Prudentier habe ich immer Zeit." Während er sprach, begann er gemächlichen Schrittes das Atrium im Kreise abzuschreiten. Burrus bedeutete er mit einer dezenten Geste, es ihm gleichzutun. "Meine erste Frau war Prudentia Callista, Enkelin des Gaius Prudentius Commodus. Bist du näher mit ihm verwandt?" Witjon hatte freilich keine Erinnerung mehr daran, ob Callista ihm einmal von einer Prudentia Viola erzählt hatte. Besonders eng verwandt sein konnten sie wohl nicht, denn sonst hätte er ihren Namen präsenter im Gedächtnis. Und während sie so einige Schritte taten, musterte Witjon den jungen Mann verstohlen von der Seite. Höflich war er jedenfalls und hatte offenbar eine angemessene Erziehung genossen. Mit den roten Haaren und der blassen Haut wirkte er allerdings nicht wie der typische italische Spross aus prudentischem Hause. Auch wenn Witjon sich bei dem Gedanken sogleich eingestehen musste, dass seine liebe Callista ja ebenfalls rotbraune Haare gehabt hatte.

  • Der dezenten Aufforderung Folge leistend setzte sich Titus ebenfalls in Bewegung und glich seine Schritte dem Duccier an. Titus wusste, dass es eine eheliche Verbindung zwischen beiden Familien gab, hatte jedoch den Namen seiner Verwandten nicht ganz präsent, doch bei der Erwähnung von Callistas Namen klingelte etwas in seinem Gedächtnis. Noch mehr klingelte es allerdings bei dem anderen Namen, den der Duccier fallen liess. Er nickte daher leicht.


    "Auf jeden Fall nicht näher, als es deine Gemahlin war." sagte er und fuhr dann fort: "Der Consul war einer der Onkel meiner Mutter. Ich habe ihn selbst nicht persönlich kennengelernt, da ich viel zu jung war und er ja die meiste Zeit in Rom verbrachte. Ich hatte jedoch das große Glück mit meiner Mutter auf seinem Landgut in der Nähe der Colonia Agrippinensium leben zu dürfen. Die dortigen Angestellten sprachen stets voller Achtung und Bewunderung von ihm, so dass ich es bedaure meinen Grossonkel nie kennengelernt zu haben."


    Normalerweise war Titus ein Mensch, der es vermied zu viel von sich selbst, seine Herkunft oder das, was ihn bewegte, preis zugeben. Doch irgendetwas vertrauenerweckendes hatte der Duccier, der an seiner Seite schritt, an sich, auch wenn Titus nicht wusste, was es war. Von jenem 'ewigen, starken Band der Freundschaft' zwischen Ducciern und Prudentiern, das sein Gesprächspartner vor langer Zeit durch seine Heirat geknüpft hatte, hatte Titus schliesslich nur eine wage Ahnung.

  • Interessiert hörte Witjon den Ausführungen des jungen Fremden zu. Hier und dort nickte er. Auf die Erklärungen über Burrus' Heimatort sagte Witjon: "Ich selbst bin beim Oppidum Brogilus aufgewachsen, südlich von Colonia Agrippinensium." Mittlerweile hatte er genug gehört, um die Möglichkeit auszuschließen, dass er es hier mit einem Betrüger zu tun haben könnte. Also schadete es nicht, wenn er auch etwas von sich selbst preisgab.


    Und weil er den jungen Mann nicht mehr länger über seine Herkunft ausfragen wollte, ging Witjon daraufhin zum Kern des Besuchs über. Burrus war gewiss nicht für ein nettes Pläuschchen hergekommen. "Dein Großonkel war ein großer Mann. Es ist nur recht und billig, dass man von ihm voller Achtung und Bewunderung spricht. Ebenso wie sein Sohn, Tiberius Prudentius Balbus. Seit meiner damaligen Eheschließung mit Prudentia Callista fühle ich mich deiner Familie eng verbunden. Leider verstarb Callista im Kindbett bei Geburt meines ersten Sohnes." Witjon erläuterte diesen Zusammenhang zunächst, wollte Burrus aber nicht in die Verlegenheit bringen auf den Todesfall näher eingehen zu müssen. Sowas fiel niemandem leicht, erst recht nicht jungen Leuten. Deshalb fuhr er sogleich fort: "Und bedauerlicherweise bin ich seitdem nicht mehr in den Genuss eines prudentischen Besuchers gekommen. Sei mir also herzlich willkommen in meinem Hause. Darf ich dich bei dieser Gegelenheit fragen, was dich herführt?"

  • Titus wusste natürlich von Callisatas Tod, denn auch auf dem Landgut war diese Nachricht mit einiger Trauer aufgenommen worden. Doch lag dieses Ereignis nun auch schon in einer etwas ferneren Vergangenheit und fand zu einer Zeit statt, als Titus selbst sich noch nicht für viel mehr als sein Kinderspielzeug und Süßspeisen interessiert hatte. Daher ging er auch gar nicht auf die Erwähnung dieses Ereignisses ein, denn er wäre sowieso nicht in der Lage gewesen ein großes Maß an sentimentalen Reaktionen auf den Tod einer, für ihn völlig unbekannten, Verwandten aufzubringen.


    Die Fortsetzung des Gesprächs war an dieser Stelle aber sowieso das, was ihn mehr interessierte. Denn die Tatsache, dass der Duccier ihn in seinem Haus willkommen hieß, sorgte dafür, dass ein kleiner Stein von seinem Herzen purzelte. Im Vorfeld seines Besuches hatte er sich bereits ausgemalt, dass er im schlimmsten Fall einfach wieder vor die Tür gesetzt würde, da der Duccier die Nase voll hatte von den Prudentiern. Doch dem war zu Titus Erleichterung offenbar nicht so.


    "Dann ist es mir eine Freude dir hoffentlich wenigstens den Hauch jenes Genusses zu bereiten, den ein Besuch jener großen, dahingeschiedenen Männer meiner Familie dir bereitet hätte." erwiderte Titus, ehe er auf die in den Raum gestellte Frage einging. "Wie du dir sicherlich denken kannst, bin ich nicht nur hierher zu dir gekommen, um Erinnerungen an meine Familie mit dir zu teilen." begann er und blickte dabei kurz rüber zu jenem Springbrunnen, um den die beiden sich während des Gesprächs langsam bewegten, ehe er den Duccier anblickte und dann fortfuhr: "Ich habe mein bisheriges Leben fast vollständig auf dem erwähnten Landgut verbracht. Ich wurde dort nach dem Tod meiner Mutter durch einen Vormund aufgezogen, unterrichtet und darauf vorbereitet zu meiner Familie nach Rom zu gehen, wenn ich alt genug bin."


    Titus hatte zwischenzeitlich den Blick fort vom Duccier und auf den Weg zu seinen Füßen gelenkt. Er wollte vermeiden, dass sein Gesprächspartner etwaige Traurigkeit, die bei den Gedanken an seine Kindheit und den Tod seiner Mutter manchmal auftauchte, in seinem Blick erkannte. Nun hob er den Blick wieder und schaute zu seinem Gesprächspartner.


    "Da meine bedeutenden Verwandten in Rom, die mich auf meinem weiteren Weg hätten führen sollen, nun leider stark dezimiert und meine Familie ein Stück weit in die Bedeutungslosigkeit versunken ist, ist an eine Übersiedlung nach Rom derzeit jedoch nicht mehr zu denken. Mein Vormund, der Verwalter des Landguts, war jedoch der Meinung, dass es trotzdem an der Zeit sei, dass ich beginne einem Weg zu folgen, der mich zu einem nützlichen Mitglied des Gemeinwesens macht. Da ich ihm in diesem Punkt durchaus zustimme, habe ich mich von meinem bisherigen Leben verabschiedet und mich auf den Weg nach Mogontiacum gemacht."
    Einen kurzen Moment schwieg er.
    "Der Verwalter gab mir als Ratschlag auf den Weg, dich aufzusuchen, da du ein bedeutender Mann bist. Und weil er der hoffte, dass du dich an die guten Beziehungen, die immer zwischen unseren Familien herrschten, erinnerst mir daher wohlgesonnen bist. Denn, werter Duccius, ich möchte dich um deine Unterstützung bitten. Wie du dir denken kannst, kenne ich niemanden in der Stadt und habe bisher auch nicht viel mehr als das vergangene Ansehen meiner Familie, auf das ich mich berufen kann und dies ist, da wirst du mir sicherlich zustimmen, ein eher dürftiges Fundament."


    Titus hatte das Gefühl, dass er viel zu viel gesagt hatte und viel zu ausschweifend war, daher biss er sich ein wenig auf die Zunge und wartete erst einmal ab, was der Duccier sagen würde.

  • Eine Magd kam und brachte den Würzwein, den sie dem Prudentier anreichte. Auf ihren fragenden Blick hin winkte Witjon ab. Die hoffnungsvollen Worte des Rothaarigen darüber, dass sein Besuch wenigstens ein klein wenig Anlass zur Freude bot, ließen Witjon dann schmunzeln. Reden hatte er offensichtlich gelernt.


    "Ich unterstütze dich gern", erwiderte Witjon schlussendlich. "Nicht nur der guten Beziehungen wegen." Hier hielt er kurz inne und schien einen Augenblick nachzudenken, bevor er fortfuhr: "Was stellst du dir denn vor, wie du ein nützliches Mietglied des Gemeinwesens sein kannst? Und weshalb möchtest du dies in Mogontiacum sein und nicht in Colonia?"
    Ihn störte es nicht, dass Burrus sich lieber in Mogontiacum engagieren wollte, aber die Beweggründe des jungen Mannes wollte er schon gerne wissen. Oder war der einzige Grund tatsächlich der, dass er hier in den Duccii eine befreundete Familie vor Ort hatte?

  • Titus nahm den Würzwein entgegen und dankte der Magd dabei mit einem freundlichen Lächeln. Er war auf einem Landgut voller Sklaven und Bediensteter aufgewachsen und hatte bereits in frühester Kindheit von seiner Mutter gelernt, dass selbst der geringste Sklave stets ein freundliches Wort des Dankes verdient hatte. Er nahm einen Schluck und die Wärme des Weins verbreitete ein wohliges Gefühl in seinem Inneren.


    Dieses wurde dann noch verstärkt, als der Duccier ihm dann auch tatsächlich die erbetene Unterstützung zusagte. Der Fels, der dabei von Titus Herz fiel, war riesig und hätte die Erde sicherlich noch in Lilybaeum erzittern lassen. Er nahm noch einen kleinen Schluck des Weins, ehe er auf die, absolut berechtigte, Frage des Ducciers einging.
    "Nun, da ich von meinem Vater zwar die Farbe meines Haars, nicht aber sein Geschick mit Waffen geerbt habe, weiss ich zumindest schon mal sehr genau, dass ich dem Gemeinwesen sicherlich nicht dadurch sinnvoll dienen kann, dass ich mich der Armee anschliesse." sagte er und strich sich dabei versonnen durch das erwähnte Haar. "Meine Mutter hätte mich sicherlich am liebsten in den Fußstapfen meines Großonkels gesehen, doch fehlt es mir, zumindest meiner Meinung nach, für die große Politik noch sehr an echten Erfahrungen. Daher glaube ich, dass ich für den Anfang sicherlich viel dabei gewinnen könnte, wenn ich Erfahrung in der Verwaltung sammele. Wobei ich da natürlich auch mit großer Freude etwaige Vorschläge oder Anregungen von dir hören möchte."


    Nachdem er die erste Frage mit soviel Antwort versehen hatte, holte Titus dann zur Antwort auf die zweite Frage aus. "Warum ich mich lieber hier in Mogontiacum in die echte Welt hinaus trauen möchte, ist ziemlich einfach zu beantworten." sagte er und meinte damit tatsächlich nicht die schlichte Tatsache, dass er hier die Beziehungen zu den Duccii nutzen konnte, denn auch in Colonia gab es noch immer die ein oder andere Familie, die einem prudentischen Spross ein wenig helfen konnte, auch wenn die Hilfe, die die Duccii bieten konnten vermutlich bedeutend umfangreicher sein konnte.
    "Wäre ich nach Colonia gegangen, so hätte ich meine Heimstatt direkt vor den Toren liegen und könnte bei jeden noch so kleinen Rückschlag oder Hindernis meine Sachen packen und nach Hause laufen. Hier in Mogontiacum bin ich weit genug weg um dieser Versuchung zu widerstehen." erklärte er offen und ehrlich und gab damit auch preis, dass er einerseits ein Junge war, der dazu tendierte bei Problemen das Weite zu suchen, aber andererseits auch, dass er ein Mann sein wollte, der dies nicht tat.


    Er war nun gespannt, wie sein Gesprächspartner reagieren würde und trank noch einen Schluck des wohlschmeckenden Weins.

  • Mit Wohlwollen nahm Witjon die Wertschätzung zur Kenntnis, die Burrus der Magd entgegenbrachte. So etwas war nicht selbstverständlich, erst recht nicht bei (recht jungen) Mitgliedern altehrwürdiger Familien. Etwas überrascht registrierte Witjon sodann, dass der Prudentier soeben eine Karriere im Militär ausgeschlossen hatte. Durch Tiberius Prudentius Balbus' einstig stete Präsenz hatte er den Eindruck gehabt, dass die Prudentii dem Exercitus Romanus besonders zugewandt waren. Allerdings traf dies wohl nur in begrenztem Maße auf die ganze Familie zu.


    "Die Verwaltung soll es also sein", fasste Witjon kurz zusammen und nickte bedächtig. Mit Burrus' Antworten gab er sich zufrieden. "Nun, dann sei mir willkommen in Mogontiacum. Vorschläge für eine Tätigkeit in der Verwaltung habe ich so einige. Du kannst einerseits in der Verwaltung des Municipium eine Anstellung als Scriba suchen. Wenn du dagegen höhere Positionen anstrebst, wäre auch eine Absolvierung der Ämterlaufbahn in der Stadtverwaltung denkbar. Oder aber, als dritte Alternative, könntest du eine Anstellung in der Provinzverwaltung anstreben. Hast du denn eine vage Vorstellung davon, wohin es dich in der Verwaltung verschlagen soll?" Und, weil Burrus zuvor von der großen Politik gesprochen hatte, schob Witjon noch hinterher: "Als Vorbereitung für die große Politik, du meinst sicherlich den senatorischen Cursus Honorum, könnte die städtische Ämterlaufbahn sicherlich am ehesten dienen, meine ich."

  • Das Titus eine militärische Karriere für sich selbst so kategorisch ausschliess war eigentlich sogar weniger ungewöhnlich für einen Sproß der Prudentii als man denken mochte. Während einige Männer der Familie erfolgreich ihren Dienst in den verschiedenen Rängen des Exercitus absolviert hatten, gab es immer auch jene, die sich stattdessen zivileren Aufgaben zugewandt hatten. Und auch Prudentius Balbus hatte zwischen seinen verschiedenen Positionen im Militär eine Zeit lang als Procurator a libellis in der kaiserlichen Verwaltung gearbeitet.


    Titus hörte den Worten des Ducciers zu und nahm sich einen Moment Zeit, ehe er zu einer Antwort ansetzte. "Den Weg in die städtische Politik als Vorbereitung einer möglichen Übersiedlung nach Roma hatte ich auch bereits in Betracht gezogen. Allerdings sagte der Maiordomus unseres hiesigen Domus mir, dass die Einschreibung in die Bürgerliste erst nach einem Jahr möglich ist. Daher sehe ich den Weg in die Politik eher als mittelfristiges Ziel."
    Es mochte natürlich sein, dass der Duccier Mittel und Wege kannte die Jahresfrist auszuhebeln, doch Titus war auch gewillt erst einmal das Jahr zu nutzen um die Stadt etwas kennenzulernen.


    "Ich denke, dass eine Anstellung als Scriba in der Stadtverwaltung oder der Provinzverwaltung für den Anfang passend wäre. Je nachdem, in welchem der beiden Verwaltungsapparate es eine freie Position für einen unerfahrenen Anfänger wie mich gibt. Da wirst du aber sicherlich einen besseren Einblick haben."

  • "Das ist korrekt", bestätigte Witjon die Worte des Maiordomus. "Du würdest dich ein wenig gedulden müssen."


    "Als Procurator Rationis Privatae könnte ich dir eine Anstellung in der Provinzverwaltung sicherlich vermitteln", überlegte Witjon nun laut. "Die Stadtverwaltung kann dir allerdings auch eine gute Basis für eine Laufbahn in der Verwaltung bieten." Witjon sah den Prudentier unverwandt an und erläuterte: "Ich selbst habe als Scriba Provincialis begonnen, musst du wissen. Nach einiger Zeit habe ich damals dann als Magistrat kandidiert. Als ich später Duumvir war, bin ich nach der Amtszeit wieder in die Provinzverwaltung gewechselt, diesmal als Büroleiter des Statthalters. Das hat mich später wiederum nicht daran gehindert, noch einmal längere Zeit als Duuvmir Verantwortung für Mogontiacum zu übernehmen." Witjon lächelte bei dem Gedanken an jene Zeiten. "Was ich damit sagen will: Dir stehen alle Möglichkeiten offen, junger Mann. Du musst nur wissen, welchen Weg du beschreiten willst."


    Sim-Off:

    Ohne aktive Amtsträger könnte es als Stadtschreiber womöglich recht wenig zu tun geben. Norius Carbo ist ja momentan auch völlig unterbeschäftigt. In der Provinzverwaltung dürfte hingegen mittelfristig mehr los sein, wenn es auch momentan nicht so scheint.

  • Titus hörte aufmerksam zu und nickte dabei leicht. Der Duccier hatte offenbar eine bewegte Karriere hinter sich und für einen Moment bereute der junge Mann es, sich im Vorfeld nicht genauer informiert zu haben. Er nahm sich allerdings vor, dies später nachzuholen.


    Nachdem sein Gesprächspartner geendet hatte, folgte eine kurze Phase des Schweigens, ehe Titus etwas sagte. "Sofern mich meine Erinnerung nicht trübt, war mein Großonkel hier in Germania auch mehr in der Provinzverwaltung tätig. Und sollte es mir wirklich vergönnt sein, auf lange Sicht gesehen, auf seinen Spuren zu wandeln, so kann ich das ja auch am Beginn schon tun."


    Das Gaius Prudentius Commodus nicht in der Provinzverwaltung, sondern in der damals noch existenten Regioverwaltung tätig war, war an dieser Stelle natürlich nur eine kleine Spitzfindigkeit.


    Titus setzte einen zuversichtlichen und hoffentlich auch überzeugt wirkenden Gesichtsausdruck auf und sagte dann mit einem leichten Nicken: "Wenn du mir zu einer Anstellung in der Provinzverwaltung verhelfen kannst, so verspreche ich dir, dass du dies nicht bereuen wirst. Ich werde jede mir zugewiesene Aufgabe so erfüllen, dass es für dich zu keiner Zeit eine Schande sein soll, mich empfohlen zu haben."
    Es mochte etwas übertrieben und vielleicht etwas aufgesetzt wirken, aber Titus meinte es so, wie er es sagte. Er würde alles daran setzen, dass er die Unterstützung und das Vertrauen, die der Duccier ihm angedeihen liess, nicht enttäuschte oder verspielte.


    Sim-Off:

    Da hast du vermutlich recht.

  • "Es spricht nichts dagegen", erwiderte Witjon auf Burrus' Einschätzung. Dass sein Großonkel bereits in der Provinzverwaltung tätig gewesen war, würde womöglich bei dem einen oder anderen Alteingesessenen noch positive Erinnerungen an alte Zeiten wecken. Natürlich war auf den höheren Ebenen von den einstigen Akteuren keiner mehr da - tot oder versetzt - aber Schreiber, städtische Magistrate und womöglich der eine oder andere alte Pontifex.


    Was dann folgte waren die üblichen Beteuerungen eines jungen Mannes, der etwas übermütig seinen möglichen Förderer bekräftigen wollte. Witjon zeigte ein feines Lächeln ob dieser Worte. "Gewiss wirst du das. Sonst blüht dir der berühmtberüchtigte Furor Germaniae." Dies sagte er staubtrocken und in seiner Miene regte sich nichts, während er Burrus ansah. Freilich trieb er einen Scherz mit dem Burschen, was dieser hoffentlich nicht gleich erkannte.

  • Der junge Prudentier hatte in seinem bisherigen Leben bereits einigen Kontakt zu Germanen gehabt, sowohl in Form einiger Angestellter und Wachen auf dem Landgut, als auch in Form von dort immer wieder auftauchenden germanischen Händlern, so dass er jenen berühmtberüchtigten Zorn nicht nur aus Erzählungen kannte, sondern tatsächlich bereits den einen oder anderen sehr zornigen Germanen gesehen hatte.


    Dementsprechend zuckte er leicht zusammen und für einen kurzen Moment verflüchtigte sich die Farbe aus seinem Gesicht. Er stammelte ein klein Wenig vor sich hin, ehe er sich wieder weitestgehend fasste und mit fast schon wieder sicherer Stimme erwiderte: "Dazu wird es sicherlich nicht kommen müssen."

  • Witjon konnte sich durchaus einige Lidschläge lang beherrschen, dann musste er ein schmales Grinsen zulassen. Burrus schien tatsächlich beeindruckt zu sein. Witjon nickte nun einfach und ging dann ein paar Schritte schweigend neben dem jungen Burschen her. Einzig das hölzerne Klapperspiel und das plätschernde Wasser durchdrangen die Stille des Innenhofs.


    Schließlich erlöste Witjon seinen Besucher, indem er abrupt das Thema wechselte: "Wirst du in der Casa Prudentia unterkommen? Ich meine mich zu erinnern, dass deine Familie hier ein Haus ihr Eigen nennt, nicht wahr?"

  • Als der Duccier Titus' Worte mit einem Grinsen quittierte, fielen diesem so einige Felsen von der Brust. Die Stille, die anschliessend herrschte, kam Titus sehr gelegen, denn sie gab ihm die Gelegenheit sich erst einmal wieder richtig zu fassen.


    Der folgende thematische Wechsel führte das ganze Gespräch dann wieder in etwas seichtere Gewässer. Er nickte leicht und sagte: "Ja, die Casa Prudentia soll mir erst einmal als Heimstatt dienen. Ich habe sie gestern, nach meiner Ankunft in der Stadt, bezogen. Sie ist zwar, da dort jahrelang nur ein Verwalter und ein paar Sklaven lebten, insgesamt etwas eingestaubt, aber das werde ich mit der Zeit sicherlich ändern können."
    Vor allem, wenn er in die Politik einsteigen wollte, blieb ihm da auch nichts anderes übrig, das wusste er, schliesslich brauchte es dann ein gewisses Maß an Repräsentationspotential.

  • "Gut, gut.", nickte Witjon verstehend. Er hatte schon die Notwendigkeit in Betracht gezogen, ein Gästezimmer herrichten zu lassen. Aber da Burrus ein ganzes Haus sein Eigen nennen konnte, war die Frage der Unterkunft ja kein Problem.


    "Dann werde ich mal sehen, was ich in der Verwaltung für dich erreichen kann. Ich werde mich umhören. Du wirst in den nächsten Tagen Nachricht von mir erhalten, ob du zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen kannst." Tatsächlich freute Witjon sich darauf, einem jungen Mann mal wieder einen Gefallen tun zu können. Es war schon länger her, dass er jemandem in Mogontiacum Starthilfe gegeben hatte. Zuletzt war das Titus Petronius Marcellus gewesen, soweit er sich erinnerte. Der war bald sein Klient geworden und als Eques zur Ala Secunda Numidia berufen worden. Seitdem hatte er nicht mehr viel von dem Burschen gehört.


    "Du wirst dich sicherlich erstmal in deinem neuen Heim einleben wollen und die Stadt erkunden.", fuhr Witjon fort. "Ich würde mich aber freuen, wenn du nach kurzer Eingewöhnung mal zum Abendessen vorbeikämst. Wir haben hier immer einen vollen Saal und Gäste sind gern gesehen. Fühl dich also stets eingeladen." Er lächelte Burrus freundlich an. Es war nur eine kleine Geste, die einem jungen Mann wie Burrus aber gewiss viel bedeutete. Und irgendwie meinte Witjon, es seiner verstorbenen Frau schuldig zu sein, sich um einen versprengten Prudentier zu kümmern.

  • Titus nickte, als Witjon sagte, dass er bereits in den folgenden Tagen mit einer Nachricht und hoffentlich auch einem nutzbaren Einstiegspunkt erhalten würde. "Ich werde deine Nachricht erwarten." kommentierte er das ganze und hoffte bereits, dass alles glatt laufen würde.


    "In der Tat ist mir die Stadt bisher noch völlig unbekannt und ich freue mich bereits darauf sie kennenzulernen. Was ich bisher gesehen habe unterscheidet sich schon ein Bisschen von dem, was ich aus Colonia kenne." bestätigte er. "Ich werde deine Einladung sehr gern annehmen und freue mich bereits darauf."

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