Griechisches Priestertum

Aus Theoria Romana

Wechseln zu: Navigation, Suche


Inhaltsverzeichnis

Das Priestertum

Die griechische Religion war nicht von einer institutionellen Organisation geprägt, wie es in Rom der Fall war. Es gab keinen Priesterstand als eine geschlossene und fest organisierte Gruppe, die durch eine reglementierte Ausbildung, durch Weihegrade oder einer Hierarchie geprägt war. Es waren mehr der Brauch – nómos - und Traditionen, die eine wichtige Rolle spielten.

Somit war es jedem Griechen, Mektöken und Sklaven, egal ob Mann oder Frau, möglich selber den Göttern zu opfern. Obwohl die Religion jedem die Möglichkeit zur Ausübung bot, waren die Standesunterschiede innerhalb einer Gemeinschaft nicht zu leugnen. Zudem musste es jemanden geben, der die Opfer und Kultveranstaltungen anleitete – den Opferherrn. In einer Familie oder Gemeinde konnte es das Oberhaupt von Familie oder dem Dorf sein. In einer Stadt der Vorsitzende des Rats, der gewählte Vorsteher der Stadt, der in Athen zum Beispiel 'Archon' genannt wurde. In Athen gab es auch einen gewählten 'König', den basileús, der für ein Amtsjahr gewählt wurde und für das alte Sakralwesen verantwortlich war und die Opfer zu leiten hatte.

Dem Heiligtum der Götter, vom Tempel bis zum Altar, wurde auch bei den Griechen große Bedeutung beigemessen. Um über den Tempel und der Ordnung in den Heiligtümern zu wachen bedurfte es der Priester. Dem hiereús, den männlichen Priester, und der hiéreia, der Priesterin. Die Priester dienten jeweils für einen Gott in einem bestimmten Heiligtum und waren nicht ein Priester für das gesamte Pantheon. Jedoch war es möglich, dass eine Person verschiedene Priestertümer auf sich vereinte. Meist lebten sie im Tempel, dem sie dienten.

Priestertum ist keine Lebensform, mehr ein Ehrenamt, was jedoch ein hohes Prestige einbringen konnte. In Theatern erhielten die Priester die Ehrensitze und wurden mancherorts „wie ein Gott im Volk geehrt“ (Ilias)

Es ist oft üblich, dass für die Götter Priester und für die Göttinnen auch Frauen als Priesterinnen dienten, doch gibt es auch Ausnahmen davon. Im Demeterkult sind Priester zu finden, dagegen bei der Verehrung von Dionysos, Apollon und dem Zeus von Dodona auch nicht selten Priesterinnen.

Priester konnte jedoch „jeder“ werden.


Ernennung der Priester

Priester wurden in der Regel von der Bürgerschaft ernannt. Das Amt konnte auf Zeit, aber auch für ein Leben lang verliehen werden. Manche Priestertümer wurden sogar in Familien vererbt, wie es bei den Eteobutaden in Athen der Fall war, die den Priester des Erechtheus–Poseidon und die Priesterin der Athena Polias stellten. Es gibt noch zahlreiche andere Beispiele von solchen Erbämtern bei griechischen Familien.

Die politische Gemeinde entscheidet es, und das Los wurde als göttlicher Wille anerkannt. An mancherorts wurden die Ämter sogar gegen Geld versteigert. Und es kam auf den nómos darauf an, für wie lange das Amt von dem Erwählten besetzt wurde. Ein Jahres-Priester waren nicht selten, was man anhand der Zeitrechnung erkennen kann, die sich an diesen Priestern orientierten.


Einkünfte

Das Amt brachte auch Erträge für den Träger ein. Dem alten Brauch nach war es Nahrung, die der Priester mitsamt des Opfertieres und der Nahrungsbeigaben erhielt. Denn einen Teil des Opfers konnte der Priester für sich behalten, den Ehrenanteil – géras genannt. Meist war das ein Schenkel vom Braten, zudem die auf den Tisch aufgestellten Speisen und manchmal auch die Haut des Tieres. Mit der Zeit veränderte sich aber die Entlohnung der Priester und es wurden Gebühren fest gesetzt, die für jedes Opfer zu entrichten waren. Im Heiligtum stand ein Opferstock – thesaurós, in dem das Geld eingeworfen werden konnte. In Gegenden, die dem Orient näher nagen, gab es für die Tempel teilweise auch Wirtschaftsbetriebe, die eine große Priesterschaft ernähren konnten.


Aussehen

Der Priester trägt meistens seine Haare lang und mit einem Haarband, dem stróphion, einen Kranz, dazu kostbare Gewänder in weiß oder purpurn, zudem einen besonderen Gürtel. In der Hand hält er einen Stab. Die Priesterin wird auf vielen Darstellungen als Trägerin der großen Tempelschüsseln dargestellt, den kleidûchos.


Weitere Tempeldiener und religiöse Bezeichnungen

archiereús – Hohepriester

megábyzoz – Oberpriester und ein Eunuch der Artemis-Upis von Ephesos

neokóros – der Hauswart, der die Organisation vom Opfer- dem Einkauf der Tiere bis zum Verkauf der Häute- übernahm

hierepoioí – Opfer- Durchführer

epimeletaí – Kommissionen zur Überwachung der Finanzen der Heiligtümer

dadûchos – Fackelträger

hierokéryx – heiliger Herold

Literaturangabe

Literatur: Walter Burkert, Griechische Religion, Verlag W. Kohlhammer, 1977

Persönliche Werkzeuge