Handelsschifffahrt

Aus Theoria Romana

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Im Gegensatz zu Griechen, Phönikern und Karthagern, waren die Römer, trotz der dafür prädestinierten Lage ihrer Heimat, ursprünglich kein Volk von Seefahrern. Erst in den Punischen Kriegen wurden sie gezwungen, Kriegsschiffe in nennenswertem Umfang zu bauen und einzusetzen. Während in der römischen Classis Romana, der Kriegsflotte, von da an größtenteils Römer Dienst taten, blieb die Handelsschifffahrt weiterhin eine Domäne der Nordafrikaner, Ägypter, Orientalen und vor allem der Griechen. Auch die meisten Schiffseigner im Mittelmeerraum blieben Griechen und das römische Ritter (equites) ihr Kapital in die Handelsseefahrt steckten, war eher selten. Den Senatoren war durch ein Gesetz aus dem Jahr 218 v. Chr. die Reederei sogar verboten. Sie durften lediglich kleine Schiffe bis zu einem Fassungsvermögen von 300 Amphoren besitzen, um die Erzeugnisse ihrer süditalienischen, sardinischen oder sizilianischer Landgüter nach Rom, bzw. Ostia zu bringen.
Dem Kapitän (trierarchus) stand, zumindest bei größeren Schiffen, gewöhnlich ein Steuermann (gubernator), manchmal auch ein Navigator und ein Beauftragter der Reederei (supercargo) zur Seite. Letzterer war dann für die Ladung verantwortlich und konnte auch Einfluss auf die Reiseroute nehmen.
Navigiert wurde tagsüber nach dem Sonnenstand oder anhand bekannter Landmarken, denn vor der Zeitenwende fuhr man, wenn es ging, immer in Sichtweite der Küste. Nachts dienten die Sternbilder der Orientierung. Größere Reisen wurden von Frühjahr bis Herbst unternommen, im Winter ruhte der überregionale Schiffsverkehr praktisch zur Gänze.
Es gab bereits in der Antike Seekarten. Die bekanntesten stammten von Marinos von Tyros, welcher als erstes Breitenparallelen und Meridiane als gerade Linien einzeichnete, die sich im 90°-Winkel schnitten. Es gab auch Werke, in denen Kursvorgaben enthalten waren, sowie genaue Beschreibungen der Küsten, Untiefen, Ankerplätze und Häfen. Diese waren gewöhnlich als ‚Meilenweiser’ (stadiasmos) oder Rundfahrt (periplus) angelegt. Die Römer kannten bereits das Lot, verwendeten es aber ausschließlich zur Tiefenmessung und nicht zur Geschwindigkeitsbestimmung.
Antike Handelsschiffe erreichten bei gutem Zustand ca. 4 – 5 Knoten (Seemeilen per Stunde, 1 Knoten = 1,852 km/h), wobei sie jedoch sehr von günstigen Strömungen (die nochmals ein oder zwei Knoten bringen konnten) und gnädigen Winden abhängig waren.
Die Verpflegung auf Handelsschiffen war eher kärglich und nur bei entsprechend gutem Wetter konnten warme Speisen zubereitet werden. Mehr als eine solche Mahlzeit am Tag war aber auch bei idealen Bedingungen unüblich. Die normale Kost bestand aus Weizenhartbrot, Käse, geräuchertem oder gepökeltem Fisch oder Fleisch, dazu Zwiebeln und Öl, aber kaum frisches Gemüse oder Obst.
Das typischste Handelsschiff dieser Zeit war die Corbita, ein dickbäuchiger Handelssegler. Es gab aber auch Spezialschiffe für bestimmte Güter. So zum Beispiel das naves lapidariae, ein besonderst solide gebautes Schiff für den Transport von Marmor, oder das naves vinariae, eine antiker ‚Tanker’ mit bis zu 3.000 l fassenden Fässern zum Transport von Wein. Spezielle Passagierschiffe waren unbekannt. Einfache Reisende mussten mit der Besatzung an oder unter Deck schlafen und für ihren Proviant selbst sorgen. Reiche oder bedeutende Passagiere kamen in den Kajüten des Kapitäns oder der Offiziere unter.

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