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Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Faustus Decimus Serapio

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Tag 5 – Vier, drei, zwei, eins 09.11.2019 22:24 Forum: Italia


Am nächsten Morgen brachen wir auf. Wir verschlossen die Hüttentüre und schlugen zu Pferd den Weg ins Tal ein. Zum Abschied beschenkten uns die Montes Lucretili mit einem milden Herbstmorgen. Hinter uns schob sich die Sonnenscheibe über die Gipfel, und das bunte Laub der Bäume säumte unserem Pfad mit blassem Gold. Wir ritten unseren langen Schatten hinterher und sprachen wenig.
Der vergangene Tag erschien mir unwirklich. Vier waren wir gewesen auf dem Hinweg. Jetzt nur noch drei. Ich hatte miserabel geschlafen in der letzten Nacht, und geträumt der rachsüchtige Geist des mörderischen Sklaven wäre aus der Schlucht herausgestiegen, um mich zu erdrosseln. Schaurig! In Wahrheit jedoch ging es meinem Hals wieder viel besser, zwar prangten an ihm fette blaue Würgemale wie eine besonders ausgefallene Halskette, aber meine Stimme war wieder zu gebrauchen, wenn auch heiser. Manius führte in sich gekehrt die Zügel seines Rosses. Liebevoll sah ich ihn, und zugleich mit anderen Augen. Ohne Zögern hatte er den irren Sklaven – der zugleich sein langjähriger... länger als wir uns kannten... Vertrauter gewesen war – in den Abgrund gestoßen. Für mich. Und ich sah, wie ihn das erschütterte, aber zugleich fand ich es ungeheuer romantisch! Ja, es war so ziemlich das Romantischste, das jemals jemand für mich getan hatte... (Wobei man bei sowas wohl keine Vergleiche anstellen sollte.) Wie in aller Welt sollten wir jetzt einfach zum Alltag zurückkehren?

Ich hatte keine Ahnung. Aber bei einer anderen Sache war ich mir ganz sicher: ich musste Armastan loswerden. Er wußte zu viel. Viel zu viel! Nicht nur kompromitierendes, damit war ja zu rechnen gewesen, auch peinliches... Undenkbar, ihn in die Casa Decima wieder mitzunehmen.
Am schlausten wäre es gewesen ihm die Kehle durchzuschneiden, aber dafür war ich nicht der Typ. Auch die sizilianischen Schwefelminen, mit denen ich gerne mal drohte, waren, nun ja, doch eher eine leere Drohung, in Wirklichkeit hatte ich noch nie jemanden dorthin geschickt. Und wenn ich ihn als Gladiator verkaufte... bestand die Gefahr, dass er siegreich überleben und berühmt wurde, und irgendwann seine Memoiren veröffentlichen würde, gewürzt mit einer pikanten Anekdote von den amourösen Eskapaden eines gewissen F.D.S., Prätorianer, mit einem gewissen M.F.G., Pontifex.

"Armastan." Ich trieb mein Pferd an, neben seines. Wir ritten auf einem Weg mit tiefen Karrenspuren und sahen am Horizont schon den Rauch der Herdfeuer von Tibur. Das Bergparadies lag hinter uns.
"Ja Herr?" Mein Custos erschien wie immer recht unbeteiligt. Ich hätte ja schon etwas Zerknirschung erwartet, schließlich hatte ein Leibwächter, der meinen Leib nicht bewacht hatte, nicht unbedingt einen Lorbeerkranz verdient. Aber Sciurus hatte uns alle hinters Licht geführt.
"Was würdest du tun, wenn du ein freier Mann wärst?"
"Frei? Heimkehren. Und wiederfinden... zurückerobern... mein... Tlwarysan... Wie sagt ihr..."
Oase? Kamelherde? Mandeläugige Herzallerliebste?
"Seele."
Aha. Na dann.
"Ich lasse dich frei, unter der Bedingung, dass du Italia auf schnellstem Wege verlässt. Ich schenke dir das Pferd, für deine treuen Dienste. Du kannst damit deine Schiffspassage bezahlen. Wenn du aber jemals zurückkehren solltest, lasse ich dir die Kehle aufschlitzen, von hier..." Ich zeigte auf sein eines Ohr. "... bis hier." Ich zeigte auf sein anderes Ohr. "Verstanden?"
Nun kam doch eine Bewegung in seine stoische Miene, Überraschung, Freude, ungläubiges Erstaunen. Er schien etwas fragen zu wollen... sprach dann aber nur:
"Ich habe verstanden. Mein Schweigen... es wäre dir auch ohne dies sicher."
"Tja, manchmal hat man eben Glück im Leben."
Verkündete ich, und zwinkerte dem edlen Barbaren gönnerhaft zu. Es war schon sehr schade, meinen Garamanten, der sich in meiner Sammlung exotischer Schöner so gut machte, so schnell wieder loszuwerden... aber ich könnte mir ja einen neuen kaufen. Er war mir nicht mal einen Bruchteil so unersetzlich, wie es das Rabenaas Sciurus für Manius gewesen war.
In Tibur rasteten wir, und dort besorgte ich mir auch Schreibzeug und setzte eine Freilassungsurkunde für Armastan auf. Er nahm sie, führte sie an sein Herz und ritt davon. Nun waren Manius und ich nur noch zu zweit, auf dem weiteren Weg zurück nach Rom.

Aus Geheimhaltungsgründen wäre es wohl besser gewesen, sich vor der Stadt zu trennen, aber nach all dem Durchgestandenen... und da es schon sehr spät war, ritten wir einfach zusammen weiter, nebeneinander auf der Via Tiburtina. Ich band mir ein Tuch um den Hals, wie ein Focale, bevor wir im letzten Licht des schwindenden Tages die Porta Viminalis durchquerten. Wir stiegen ab und führten die Pferde hinter uns. Am Fuß des Quirinal war es Zeit, auseinander zu gehen. Wie gerne hätte ich meinen Geliebten noch einmal in meine Arme geschlossen und mit Küssen überschüttet, aber dafür war hier zu viel Öffentlichkeit. Wie wir es uns geschworen hatten, gingen wir nicht auseinander, ohne das nächste Treffen zu verabreden, leise und schon jetzt wieder sehnsüchtig. In einer Woche, in der Villa Eutopia.
Berauschend schön und unvermittelt mörderisch war diese unsere "Jagdpartie" gewesen, und nun war sie zu...

~ Ende ~





Thema: Hin und wieder zurück – Das Officium des Gardetribuns Decimus Serapio
Faustus Decimus Serapio

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RE: Einladung vom Urbi 09.11.2019 22:20 Forum: Principia


Gerade hatte ich einen unscheinbaren Speculator zu den neuesten Nachrichten aus Caesarea angehört, und mein Beneficiarius ließ soeben einen Stapel höchst geheimer Berichte auf meinen Schreibtisch gleiten, auf dem es langsam eng wurde, neben diversen Karten und dem hölzernen Modell einer innovativen Carroballista mit optimierter Durchschlagskraft (Optio Quinctius' kühne neueste Erfindung, bisher nur in Miniatur existierend).
Da klopfte es, Gavius öffnete, und meldete mir einen Urbanercenturio. Ich ließ ihn eintreten.
"Salve Centurio." grüßte ich den markigen Soldaten und sah ihn fragend an.
Thema: Mons capitolinum (capitolum) - Templum Claudii
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tatortbesichtigung 03.11.2019 19:56 Forum: Templa Urbis


Gütiger Serapis, hatte ich gerade tatsächlich in meinem Übermut dem Patriziermädchen zugezwinkert? Es war wohl die Freude, endlich wieder meinen Dienst tun zu können, unterwegs in den Straßen von Rom, die mir etwas zu Kopfe gestiegen war. Reiß dich mal zusammen, Faustus. Aber Ermittlungen waren schon immer mein Steckenpferd gewesen, das Zusammensetzen des großen Ganzen spannender Fälle aus vielen kleinen Mosaiksteinchen erfüllte mich seit meiner Urbanerzeit mit Leidenschaft... ganz im Gegensatz zu der Ernüchterung, die dann aufkam, wenn keiner die Ergebnisse glauben wollte, weil sie politisch gerade nicht opportun waren, oder wenn die Gerichte die Übeltäter wieder laufen ließen, weil irgendein Rechtsverdreher sie bequatschte, oder die Kriminellen sie bestachen...
Die Claudia ging jedenfalls mit Contenance über alles hinweg und betrachtete aufmerksam unser Stückchen Indiz, zur Missbilligung ihrer Sklavin.
Stimmt, die eine Seite war viel dreckiger.
"...als wäre jemand darauf getreten."
Aber mehr verriet der Lappen, im Augenblick jedenfalls, nicht, und ob er wichtig war... würde die Zeit zeigen.
"Wir werden sehen. Einen Moment."
Ich übergab den Fetzen an meinen Beneficiarius, der diesen mit bedeutsamer Miene in Empfang nahm. Außerdem wies ich ihn an, etwas von der Graffitifarbe abzuschaben, und sich mit dieser... Probe, könnte man sagen... mal etwas genauer bei den Farbhändlern der Stadt umzuhören.
Darauf nahm ich die junge Claudia zur Seite.
"Unter uns, Claudia. Sowohl die Wortwahl, als auch der Umstand, hier einen vergöttlichten Kaiser zu lästern, werfen den Verdacht auf die Sekte der Christianer. Es könnte sich also primum tatsächlich um blasphemische Sektierer handeln, secundum um jemanden, der ein Interesse daran hat, die Christianer anzuschwärzen, tertium um jemanden, der deiner Gens ans B... - will sagen, dem daran gelegen ist, deine Gens zu brüskieren. Zum letzten Punkt, ist dir da etwas zu Ohren gekommen in der letzten Zeit? Gab es Auseinandersetzungen, oder ließ vielleicht dein Großonkel etwas verlauten?"
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 03.11.2019 19:52 Forum: Italia


Wie ein kranker Vogel lag ich in dem Nest, dass Manius uns vor dem Kamin gebaut hatte, lag in seinen Arm geschmiegt, einen kalten Lappen um den malträtierten Hals. So schrecklich das alles gerade auch gewesen war – es war ganz schön, so zu liegen. Es war schön, mal nicht so tun zu müssen, als könne einen Prätorianer rein gar nichts erschüttern. Ich fühlte mich erschöpft aber geborgen, heilfroh dass Manius rechtzeitig aufgetaucht war. Die Hüttentüre hatte ich trotzdem verriegelt und mein Jagdmesser lag griffbereit neben dem Kamin. Nur so.

Tröstend streichelte ich seine Hand. War es das erste mal, dass er – eigenhändig – wen getötet hatte? Und dazu der Verrat! Mein armer Geliebter. Und wieder hörte ich die gehässigen Worte an meinem Ohr: 'Manius wird froh sein, dich los zu sein.' Was für ein durchgeknallter Irrer. Und dann noch zu behaupten, er tue es um Manius zu schützen. Das war doch blanke Eifersucht gewesen! Sciurus hatte ihn geliebt, das war doch sonnenklar (und auch leicht zu verstehen), hatte Manius auf hündische Art geliebt, und es nicht verkraftet, dass ich ihm seinen Platz in Manius' Bett streitig gemacht hatte. Gut, dass er tot war! Mochte sein Leib am Grunde der Schlucht verrotten. Von oben hatte man keine Leiche sehen können, aber das war kein Wunder in dem Felsenwirrwarr, und vielleicht hatte auch der Fluss sie mit sich getragen, den Fischen zu Fraße. Mochte seine tote Seele im Tartaros ewige Marterqualen erleiden.

Ich solle nicht annehmen, dass er hochmütig sei? Überrascht.... und noch immer beschämt über den Schwall der Vorwürfe, die da heute morgen aus mir rausgebrochen waren... sah ich zu ihm auf. Der rote Schein des Kaminfeuers huschte über seine edlen Züge, das Spiel von Licht und Schatten hob die markanten Linien hervor, wie bei einer Kaiserbüste.
'Es gibt Dinge, die du selbst tust, und solche, welche du ausführen lässt.'
Natürlich. Ich nickte andeutungsweise. Schanzen zum Beispiel.
Ganz leicht lehnte ich meinen Kopf gegen seine Hand, die mir so zärtlich durchs Haar strich, und hörte aufmerksam, dann sehr erschrocken, wie er mir das Geheimnis offenbarte, das erklärte, warum er seine Sandalen binden ließ... Meine Augen weiteten sich. Erst kam nur ein Hüsteln, aber dann gelang es mir, leise flüsternd Worte zu formen.
"kchkch......ich.. chatte.. ja.. kcheine... Ahnung...!"
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Ich erinnerte mich, dass es mich anfangs maßlos irritiert hatte, dass er die wundervollen, tiefempfundenen Liebesbriefe, die uns über das Mare Nostrum hinweg verbunden hatten, dass er diese nicht selbst zu Papyrus brachte. Auch seine Unterschrift war seltsam unschön gewesen. Später hatte ich einfach nicht mehr darüber nachgedacht, hatte mein Bild seiner Perfektion durch nichts trüben lassen. (War es damals schon Sciurus gewesen, dem er diktiert hatte? Was für eine unheimliche Vorstellung, dass dieser Irre die ganzen Jahre schon unsichtbar Teil unserer Liaison gewesen war, und jede Regung unserer Herzen gekannt hatte. Nochmal: wie gut dass er tot war!)
"kchkch... verzeih... mir...!" bat ich zutiefst zerknirscht. "...ichkch... war... ein dummer... schrecklich... kchch... eifersüch..kch..tiger... zorniger... Narr..." flüsterte ich. "Ich... kchkck... liebe dich... ich bin... kchkch... dein... auf immer dein... lass uns... unsere Welten... unsere Leben... teilen... kchch... miteinander..."
Mit einer kleinen Drehung des Kopfes fanden meine Lippen seine... - 'Ich lasse nicht zu, dass du ihn in Schande stürzt.' hörte ich wieder und dachte: Schnauze, du Leichnam! - ... und wir küssten uns zart und innig.
Wenn das überhaupt möglich war, so liebte ich ihn um so mehr, nach diesem Geständnis seiner Versehrung und Verletzlichkeit, und genauso wie er keine Sonne sein wollte, so wollte ich im übrigen auch kein Heroe sein, ob Hephaistion oder Meleagros, die starben alle viel zu früh den Heldentod. Ich wollte lieber weniger heroisch leben, und das mit Manius zusammen. Möglichst viel mit Manius zusammen. Nein, zum Hades mit dem 'möglichst', ganz mit Manius zusammen. Und was, wenn ich wirklich das Undenkbare tat und den Dienst ganz quittierte? Und was, wenn wir uns wirklich einfach zusammen nach Achaia aufmachen würden?!
Dort in seinen Armen in der kleinen Hütte im tiefen Wald in den lucretilischen Bergen, im Schein des Kaminfeuers wie zwei Schiffbrüchige auf einem Floß, fern den Ufern der Welt dahintreibend... kam mir das gar nicht mehr so abwegig vor.




Thema: Rufos Elysium
Faustus Decimus Serapio

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28.10.2019 18:26 Forum: Allgemeines


@ Commodus
Meine Erfahrung als Wieder-Einsteiger ist, dass man mit aktivem Spiel auch jetzt noch problemlos genug Postingpartner und jede Menge interessante Spielmöglichkeiten findet.
Thema: Hin und wieder zurück – Das Officium des Gardetribuns Decimus Serapio
Faustus Decimus Serapio

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Hola! 28.10.2019 18:23 Forum: Principia



Mit einem satten 'Klonk' öffnete sich die Türe meines neuen Officiums, das rein zufällig genau das war, welches ich vor Jahren schon mal gehabt hatte. Zwiespältig besah ich mir das kaum veränderte Interieur. Es war absolut nichts auszusetzen daran, es war eines Stabsoffiziers würdig, militärisch schlicht, angemessen streng und düster genug um unserem Ruf gerecht zu werden... aber ich kam gerade vom Präfekten, der jetzt mein anderes altes Officum innehatte, welches ungleich imposanter war. Der alte Heius Vibulanus hatte sachlich und kalt auf mich gewirkt. Ich nahm an, dass er annehmen würde, dass ich an seinem Stuhl sägen würde, was ich allerdings (zumindest in nächster Zeit) gar nicht vorhatte, schönes Officium hin oder her. Mein Bericht über Nabataea und die Befehle des Imperators dazu hatten ihn hoffentlich davon überzeugt, dass mir deutlich mehr daran gelegen war, diese Schwachstelle in unserer östlichen Peripherie auszubessern, bevor der tückische Erzfeind uns dort zuvorkam.
Die Kohorte, die ich übernommen hatte, war tadellos in Schuss, die Centurionen hatten ihre Männer hervorragend gedrillt. Es war gut, zu sehen, dass die Garde zu alter Stärke und Schlagkraft zurückgekehrt war. Meinen Eid hatte ich im Sacellum erneuert. Schon am ersten Tag nach Dienstantritt gab es einen interessanten Fall, der nach Christianerblasphemie roch.
Ich war auf der Hut, hier zurück im Nest der Skorpione, und forderte sogleich diejenigen meiner ehemaligen getreuen Prätorier unter den Prätorianern, die noch da waren, erneut an, bedachte sie auch mit einem guten Donativum. Außerdem trug ich stets, auch in Zivil, ein rasiermesserscharfes Stilett in einem Futteral verborgen und griffbereit, denn noch immer hielt ich es für nicht unwahrscheinlich, dass ein elender Maulwurf seine Finger mit im Spiel gehabt hatte, beim Verrat meiner Route nach Mampsis an die feindlichen Agenten. Am ehesten verdächtigte ich Tantasius, der alten Groll und unersättliche Geldgier genug hatte. Beweise hatte ich aber (noch) keine.
Thema: Mons capitolinum (capitolum) - Templum Claudii
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tatortbesichtigung 28.10.2019 18:17 Forum: Templa Urbis


Eine Claudia am Tempel der Claudier. Sieh an.
"Angenehm. Bist du verwandt mit dem Stadtpräfekten?" erkundigte ich mich interessiert, um sie einordnen zu können.
Für gewöhnlich wirkten junge patrizische Damen auf mich mehr wie blasierte Anziehpüppchen, diese hier stellte jedoch mein Vorurt.... - will sagen meine Erfahrungswerte – mit ihrer klaren und höflichen Art zu antworten auf eine harte Probe. Außerdem hatte sie scharfe Augen.
Ich folgte ihrer Bewegung und begutachtete den Fetzen, den sie entdeckt hatte. Anhänger der deduktiven Methode hätten jetzt wahrscheinlich aus diesem Stück Stoff eine komplette Beschreibung des oder der Täter erstellen können... oder diese herbeifantasiert.
Der Fetzen lag halb zusammengeklappt im Rinnstein. Mit spitzen Fingern fischte ich ihn heraus.
"Es ist das gleiche Zinnoberrot. Also ja, anzunehmen."
Ein Rand war ausgefranst, ausgedünnt und dreckverkrustet.
"Vielleicht haben sie sich damit die Hände abgewischt, oder den Pinsel. Nein, es sieht eher besprenkelt aus.." überlegte ich halblaut. Oder war der Lumpen das Rotztuch eines der Übeltäter? Was tat man nicht alles im Dienste von Imperator und Patria. Ich befühlte das Gewebe, es war Wolle, grau, dicht im Fischgrät gewebt. Zum schalen Geruch aus dem Rinnstein kam nun eine andere Note. Nachdenklich furchte ich die Stirn und roch an dem Fetzen. Komisch. Oder kam das vom Tempel?
"Was meinst du, Claudia, was kann uns dieser Fetzen erzählen?" fragte ich mit einem kleinen Augenzwinkern das Mädchen mit den scharfen Sinnen, denn es konnte nie schaden, die eigenen Eindrücke zu überprüfen, und außerdem war es der Tempel ihrer Gens, der hier geschändet worden war.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Faustus Decimus Serapio

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RE: Der vierte Kandidat: Titus Decimus Scapula 28.10.2019 17:52 Forum: Roma


Ja! Alle liebten wir Rom. Ja! Die Stadt konnte man gar nicht nicht lieben! Ja! Sie war die großartigste der Städte.
Ich grinste beifällig in mich hinein, als mein Vetter so kundig die Menge in seinen Bann schlug. Schlag auf Schlag ging es weiter, und nach den nachdenklichen Worten seines Vorredners leuchtete die schöne patriotische Begeisterung in Scapulas Rede um so heller. Nur bei dem Exkurs zu Alexandria wurde mir kurz etwas bang für ihn – denn ja, Alexandria schlug, rein ästhetisch gesehen, unser Rom um Längen, und das hörte kein stolzer Stadtrömer gern - aber er kriegte die Kurve mit einem klassischen Dreiklang und verortete die gepriesene Größe in uns, den Bürgern Roms.
Ich nickte energisch. Er sprach mir aus der Seele. Prägnant und wahr. Es lag an jedem Bürger, seinen Beitrag zu leisten.
"Genau so ist es!" rief ich und stimmte überschwänglich in den donnernden Applaus ein. Der Claqueure hätte es gar nicht bedurft. Schade dass sich keiner getraut hatte, mit mir zu wetten, ich sah Scapula ganz vorne, Kopf an Kopf mit dem Valerier.

Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus

Wie einen siegreichen Gladiator empfing unser Trupp den zurückkehrenden Scapula.
"Großartig, Vetter! Du hast uns alle Ehre gemacht."



Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 28.10.2019 17:41 Forum: Italia


Um mich war alles schwarz. Dann ein rötliches Pulsieren, das langsam größer wurde, rot bis zu den Rändern meines Blickes. Luft! Ich sog sie ein, mit einem furchtbaren Röcheln rang ich um das Lebenselixier. Verschwommenes Grau erschien, mit zwei helleren Flecken, die langsam die Form meiner Hände annahmen, eine blutig, auf dem Felsen, wo ich zusammengebrochen war. Die Schlinge war fort, aber meine zerschundene Kehle ließ kaum genügend Luft ein, jeder Atemzug pfiff wie ein Blasebalg, langsam, langsam... versuchte ich mich zu beruhigen, dann kam wie ein Schlag die Erinnerung an den Angriff zurück, und mit blutunterlaufenen Augen sah ich gehetzt um mich.
Manius. Da war Manius. Wie der Zorn der Götter stieß er den Sklaven in den Abgrund.
'Mein Hephaistion.' hatte er gesagt. 'Teil meiner Seele.'
Dann war er bei mir, seine Arme um mich, zitternd, und sagte mir all die Sachen, nach denen ich schon immer gehungert hatte, sie von ihm zu hören, es mir aber gar nicht zu wünschen gewagt hatte, weil ich immer gedacht hatte, dass so einfache und kitschige und wunderbare und heißersehnte Allerweltsworte unter seiner Würde seien.
Auch mein Körper begann zu beben, als die Furcht und die Schmerzen, die während des Kampfes weit weg gewesen waren, sich verspätet einstellten. Es war nicht gerade das erste Mal, dass einer versuchte, mich zu töten, aber das machte es nicht besser. Oh ihr Götter, wie hatte ich nur so leichtsinnig sein können, hier ohne Waffe herumzuspazieren, obgleich es doch bereits Verdachtsmomente gegen den Sklaven gegeben hatte. Liebe machte blind! Wenn Manius nicht gekommen wäre... Und gleichzeitig kam mir das alles so unwirklich vor, dass mir so was passierte, als wäre ich mit einem Mal von den Zuschauerrängen im Theater mitten auf die Bühne geworfen, mitten hinein in eine blutige Tragödie... nein, eine Tragödie war es nur für Sciurus... für Manius und mich hingegen ein glückliches Ende. Oder? Er wolle Manius beschützen, hatte der elende Würger immer wieder gerufen, beschützen vor mir. 'Ich lasse nicht zu, dass du ihn in Schande stürzt'

Vollkommen fertig lehnte ich mich an meinen Geliebten, meinen Retter, mein Alles, in seine Umarmung, umschlag ihn selbst mit aller Kraft, ließ meine Stirn an seine Schulter sinken. Wenn ich langsam atmete, ging es wieder einigermaßen, aber als ich versuchte, etwas zu sagen – denn ich wollte ihm ganz viel sagen, und erklären und um Verzeihung bitten und bekennen und beschwören und versprechen – brannte meine Kehle wie Feuer und es kam nur ein Krächzen heraus.
"...chchkchch... chikch... kchkchbe...chkchich... chauchkch..."




Thema: tablinum
Faustus Decimus Serapio

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RE: Casca und Serapio 28.10.2019 17:33 Forum: Casa Decima Mercator


Leider wusste Casca auch nicht mehr, erbot sich aber, nachzufragen. Sein Rivale/Freund Caesonius war also ein Vetter des Dives. Ich hatte kein Interesse daran, dass mein Interesse sich rumsprach – Dives würde mir am Ende auch daraus wieder einen Strick drehen... und winkte ab.
"Ach nein, ist nicht so wichtig."
Ob ich ihm einfach nochmal schreiben sollte... auf die Gefahr hin, aufdringlich zu wirken? Aber wenn Casca ihn zur Hochzeit einlud, wäre das ja auch eine Gelegenheit, ihn mal wieder zu sprechen.
"Aber ja!" bestärkte ich Casca darin, seine hochedle Patrona einzuladen. "Unbedingt. Mal wieder etwas Glanz für unsere Hütte... hm... wobei, traditionellerweise geht es ja in der Casa Quintilia los. So wirklich repräsentativ ist die nicht... sehr hübsch natürlich, keine Frage! Aber um die Augusta zu empfangen – falls sie kommt – vielleicht doch etwas... bescheiden. - Nun ja, es gibt auch Alternativen zu einer Haus-Hochzeit. Mein ehemaliger Centurio bei der Prima... er war Patrizier und ein bisschen exzentrisch... der hat zum Beispiel seine Braut in einem Privatpark mit vielen wilden Bestien geheiratet, sogar Krokodile gab es da, ein todschickes Fest!"
Das riesige Purpur-Sonnensegel, das mir noch intensiv in Erinnerung war, erwähnte ich gegenüber Casca mal lieber nicht, denn so unerschöpflich waren unsere Mittel dann doch nicht. (Meinen Vorsatz mit dem Nicht-Reinreden einzuhalten, war gar nicht so leicht. Aber schließlich hatte er gefragt.)

Wir unterhielten uns noch ein wenig, und ich erzählte ihm unter anderem von meinen 'Ausflugsplänen'.
"In den nächsten Tagen werde ich übrigens nicht da sein. Ich habe eine Fahrt nach Ostia und einen Jagdausflug in die Berge vor. Gleich kommt noch der Schneider mit meiner neuen Jagdkluft." Hoffentlich stimmte jetzt alles, er hatte nochmal nachbessern müssen, weil mir die Clavi zu eintönig gewesen waren. Gerade holte ich Luft, um Casca zu instruieren, wie er in meiner Abwesenheit das Haus führen sollte, dann fiel mir ein, dass er das jahrelang auch so hingekriegt hatte. Ich atmete aus. Tempus fugit.



Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 26.10.2019 17:31 Forum: Italia


Ein Luftzug, eine Bewegung aus dem Augenwinkel – viel zu spät nahm ich liebeskummervernebelter Traumtänzer dies wahr, da zog sich schon die Würgeschlinge zu, ich rang um Luft, krallte die Hand gegen den Lederriemen, rammte einen Ellbogen spitz nach hinten gegen die Magengrube des Angreifers, traf aber nur Rippen, versuchte vergeblich, den Mann von mir zu stoßen, mich rücklings gegen den Fels zu werfen, das Rabenaas war zu stark.
Sciurus, die elende Kanaille! Sciurus hatte mich kalt erwischt. Er begann mich vollzuquatschen, während um mich herum schwarze Flecken tanzten, immer mehr sich zusammenballende, immer höher wallende Schwärme schwarzer Flecken, verzweifelt kämpfte ich um Luft, hörte ein ekelerregendes Röcheln aus meiner abgeschnürten Kehle, dann nur das hämische Lachen des mörderischen Sklaven... hatte ich nicht von Anfang an gedacht, dass mit einem Typen mit so scheelen Fischaugen was nicht stimmen konnte? - Salz! Und dass mein Bogen gebrochen war! Doch Sabotage!
Die Füße in jede Ritze im Fels grabend, stemmte ich mich gegen ihn, Steine rieselten über die Kante des Felsabbruches in die Tiefe, und während alles in mir einfach nur panisch nach Luft und Überleben schrie, erinnerte sich zumindest mein Körper an eingeschliffene Bewegungen, meine Hand griff nach hinten, fand tastend seinen Schädel, umkrallte ihn seitlich und mit aller Wucht meines Ich!Will!!Leben!!! bohrte sich mein Daumen brutal in seine Augenhöhle hinein.



Thema: Mons capitolinum (capitolum) - Templum Claudii
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tatortbesichtigung 24.10.2019 14:00 Forum: Templa Urbis


"Schön, schön." meinte ich zu dem Aedituus, der mir meldete, dass ein Vigintivir zum Richter gelaufen war. Es war immer gut zu hören, dass die jungen Leute sich engagierten. Auch wenn natürlich die jährlich wechselnden Amateure und Grünschnäbel des Cursus honorum bei der Verfolgung ernsthafter Verbrechen recht nutzlos waren und meiner Erfahrung nach meist vor allem auf die nächste Wahl schielten. Die Kollegen von den Stadtkohorten hätten eher pikiert darüber sein können, dass ich das hier an mich zog, da gab es ja die ein oder andere sorgsam gepflegte Rivalität, doch die Urbaner hatten, soweit ich wusste, derzeit mit der neuesten Welle von Bandenkriminalität mal wieder so viel zu tun, dass sie sich wahrscheinlich nicht darüber beschweren würden wenn sie weniger Arbeit hatten.
"Lass das mal unsere Sorge sein." schnitt ich dem Tempelverwalter das Wort ab."Blasphemie nehmen wir sehr ernst." Der Mann schien mir ob des Anschlages ziemlich durch den Wind zu sein und ich verschwendete keine weitere Aufmerksamkeit auf ihn. Blasphemie mit Majestätsbeleidigung verknüpft war das Markenzeichen der Christianer, aber diesen Verdacht musste ich nicht herumposaunen.
Ein Miles wies mich auf eine weitere Farbspur, ein paar Tropfen auf dem Pflaster, hin. Messerscharf war daraus zu schließen, dass die Täter, oh Wunder, wohl die Straße entlanggegangen waren... Ich ließ meine Leute weiter nach Spuren und potentiell nützlichen Zeugenaussagen suchen und wandte mich selbst dem Dreiergrüppchen von eben zu.

Zitat:
Original von Claudia Aquilina

Eine junge Dame, die sehr erschüttert aussah, war offensichtlich deren Hauptperson, und ich konnte nicht umhin zu bemerken, wie frisch ihre violette Palla mit dem gedeckten Grün ihrer Tunika kontrastierte, eine sehr aparte Kombination war das. Zudem wies der Halbmond an ihrem Knöchel auf patrizischen Stand hin.
"Salve." grüßte ich sie mit höflichem Abstand, auch um den Custos nicht in Alarm zu versetzen. "Ich bin der Gardetribun Decimus Serapio. Wie ist dein Name? Wann bist du hier eingetroffen und was hast du gesehen?"
Thema: [Sacellum] Fahnenheiligtum
Faustus Decimus Serapio

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Und noch einmal, für Imperator und Patria 24.10.2019 13:58 Forum: Cohortes Praetoriae


Frisch retribunisiert suchte ich das Fahnenheiligtum auf, um meinen Eid zu erneuern. In voller Montur, deren Gewicht nach der langen Zeit ungewohnt war. Der Altar, die Feldzeichen, die Trophäen und Ehrenabzeichen, alles an diesem Ort war mir zutiefst vertraut, und zugleich lastete nicht nur mein Harnisch, auch die Ehrfurcht vor dieser unvergleichlichen Einheit, der ich mich einst mit Haut und Haar ergeben hatte, und in deren Reihen ich nun wieder stehen würde, deren gnadenlosem Anspruch ich erneut gerecht werden müsste.
Einmal, bei der Weihe der Imagines, hatte ich gemeint, den Genius der Garde zu sehen... aber vielleicht hatte ich auch nur beim Opfern zu viel Adlerholzrauch abbekommen. Ich trat zu den Feldzeichen und betrachtete die Imago-Scheiben, mit den Abbildungen des Kaisers, der Augusta und des Caesar. Dass wir auch deren Abbilder aufnahmen, und sie explizit in das Band zwischen dem Kaiser und der Garde miteinbezogen, war mein Werk gewesen. Nun, wo die Augusta selbst einen kleinen Sohn hatte, war natürlich mit dem Risiko zu rechnen, dass sie irgendwann versuchen würde, diesen ihrem Stiefsohn vorzuziehen. Ein kleiner Krieg, in dem der junge Caesar sich beweisen könnte und die Loyalität der Truppen erringen könnte, das wäre jetzt genau das richtige gewesen, um seine spätere Herrschaftsübernahme zu festigen.

Erneut sprach ich meinen Treueeid.
"Iurant autem milites omnia se strenue facturos quae praeceperit Imperator Tiberius Aquilius Severus Augustus, numquam deserturos militiam nec mortem recusaturos pro Romana republica!"
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Faustus Decimus Serapio

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RE: Der dritte Kandidat: Servius Quintilius Luscus 24.10.2019 13:55 Forum: Roma


Auch der nächste Redner, Quintilius Luscus, hatte einen wortgewaltigen Auftritt, zugleich war seine Rede... weniger pompös hätte ich gesagt, feinsinniger als die vorherigen.
"...nicht nur vor den Mauern..." murmelte ich leise, mehr zu mir selbst, als er von den ausgestandenen Bürgerkriegen sprach. Wie schnell war die letzte Schändung des Pomeriums in allgemeine Vergessenheit geraten.
Kunstvoll beschwor er zuletzt das Ewige und das Vergängliche. Dies rührte mich auf eine melancholische Weise an, so dass ich, nachdem er verstummt war, selbst einen Augenblick still stand, bevor ich bewegt und lange Applaus spendete.

Harte Konkurrenz für Scapula, der nun seinen großen Auftritt hatte. Ich war wirklich gespannt darauf und stimmte lautstark in den Begrüßungsapplaus ein, als er die Rostra betrat. Auch die strategisch übers Forum verteilten Klienten machten sich schon mal warm.



Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 24.10.2019 13:55 Forum: Italia


Meine Bewegungen waren fahrig, als ich meine Sachen zusammensuchte und in den Mantelsack stopfte, als ich meine Reitklamotten anzog, meine Decke zusammenrollte und mit Riemen zu einem festen Bündel schnürte. In meinem Kopf herrschte ein einziges Durcheinander, und innerhalb eines Herzschlages kippte alles von Genug ist genug! hin zu Wenn ich jetzt hier wegreite, dann war's das! und wieder hin zu Ich hab die Schnauze sowas von voll von seiner Geringschätzung und zurück zu Aber es war doch so schön und wieder hin zu 'Unsere Welten sollen getrennt bleiben' sagt er... gesteh es dir ein, Faustus, das wird nichts mehr...'
Welche Worte waren dem Gehege meiner Zähne entflohen, hatten ihm nicht wieder gut zu machende Kränkung zugefügt, was hätte ich dafür gegeben sie wieder einfangen zu können, oder noch besser, die Zeit wieder zurückdrehen zu können, bis zurück vorhin am Bach, vor diesem vermaledeiten Frühstück, als ich mir noch gedacht hatte, dass ich es diesmal nicht vermasseln würde.
Überwältigt von der Angst... das wird nichts mehr, das wird nichts mehr, das wird nichts mehr echote es in meinem Kopf... von der Angst, ihn ganz zu verlieren... sank ich auf einen Schemel, die Ellbogen auf den Knien, das Gesicht in den Händen vergraben.

Beim Eintreten von Sciurus richtete ich mich rasch auf, ich wollte ihm nicht die Genugtuung geben mich so zu sehen. Seine Miene war so ausdruckslos wie immer.
Eine Entschuldigung?? Dass Manius sowas wie entschuldigen in seinem Repertoire hatte, das war mir neu... "Aha..."... aber ich wollte es für mein Leben gern glauben.

Darum marschierte ich kurz darauf mit hastigen Schritten den Pfad hinter der Hütte hinauf. Der Wald war so lieblich wie in den Tagen zuvor, Sonnenflecken tanzten auf dem Moos, Efeu rankte sich um knorrige Eichen. Armastan kam mir entgegen mit einem Bündel Reisig. Er trat an den Rand des Pfades, um mich passieren zu lassen, und erst als ich schon eine Serpentine weiter war, fragte ich mich in meinem konfusen Kopf, warum er Holz sammelte, statt die Pferde zu satteln.... ging er denn davon aus, dass Manius und ich uns wieder versöhnen würden? Vielleicht war es ein gutes Zeichen, wenn zumindest mein Custos daran glaubte.

Das Gestrüpp zerschrammte meine Waden, als ich mir achtlos den Weg zur Schlucht bahnte. Dann hörte ich das Wasser in der Tiefe rauschen, und trat auf den felsigen Rand, die atemberaubende Naturkulisse vor mir. Magnifik hatte er gerufen, als wir sie entdeckt hatten... hatte sich fast nicht losreißen können.... es stimmte gar nicht, dass ihm nichts gut genug war...
Aber jetzt war kein Manius in Sicht, und auch keine große Geste. Ich ging um die mannshohen Felsbrocken herum, die aufgetürmt am Rande des Abgrundes lagen. Ein Thymianstrauch hatte seine Wurzeln in einen Riss im Fels gegraben, dort an der Kante, und geistesabwesend pflückte ich ein Zweiglein davon, zerrieb die Blätter zwischen den Fingern und roch den würzigen Duft.




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Faustus Decimus Serapio

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RE: Casca und Serapio 24.10.2019 13:51 Forum: Casa Decima Mercator


Mit einem zustimmenden und zuversichtlichen Nicken quittierte ich seine kämpferische Geste, wobei mich dieses seltsame Lächeln, das er dabei zeigte, mich schon wieder stutzig machte. Er hatte so was doppelbödiges, Cousin Casca.

Doch dies wich einem ganz anderen Gefühl, als er von seinem großen Coup erzählte, ganz bescheiden, so als wäre nichts dabei.
"Bona Dea, Casca! Respekt! Das ist ja fabelhaft. Was für eine Ehre."
War das Neid in meiner Stimme? Ich hoffte nicht!
'Vortrefflich unterhalten und einen guten Eindruck gemacht'... Ich staunte. Dass Casca charmant sein konnte war mir klar, er bezauberte ja zum Beispiel auch Großtante Drusilla wie kein anderer, aber dass er aus einer Festbegegnung mit der Augusta gleich ein Klientelverhältnis herausschlug – sehr beeindruckend.
'Sollte sie öfter mal aufsuchen' – wie jetzt? Vernachlässigte er etwa schon seine Klientenpflichten?
"Ja, hegen und pflegen solltest du diese Verbindung. Sie hält keine regelmäßigen Salutationes, nicht wahr?" Zumindest früher war das so gewesen, was wohl auch an der Vielzahl der Klienten lag. "Du solltest zu den Anlässen erscheinen, auf die sie Wert legt, und du solltest dich einmal im Jahr bei ihr in Erinnerung bringen. Zum Beispiel wenn sie Geburtstag hat mit einem kleinen Lobgedicht oder etwas in der Art. Na, dann kann es ja nicht mehr lange dauern bis zu deinem kometenhaften Aufstieg im Cultus Deorum."
Dies bemerkte ich freundlich lächelnd und im Tonfall einer Selbstverständlichkeit, auch wenn ich mir denken konnte, dass es nicht sein Lieblingsthema war. Auch unsere verehrte Valentina würde ihn hoffentlich auf Zack bringen, sein Talent weiter zu entfalten und den glücklichen Umstand dieses Patronates zu nutzen, anstatt ewig als Tempelvorsteher sein Licht unter den Scheffel zu stellen.

"Sag mal," meinte ich dann einen Moment später, "vorhin erwähntest du Iulius Dives. Ich habe gehört, dass es einen großen Skandal um seine Frau gab, diese starb, und er sich aufs Land zurückgezogen hat." Der Tod seines Eheweibes, dieser elenden Kriminellen, konnte ihn ja wohl kaum so erschüttert haben, das musste ja eher eine Befreiung für ihn gewesen sein. Dachte ich mir zumindest so, wobei man bei Dives ja nie wissen konnte.
"Weißt du, was da los war?



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Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 22.10.2019 13:03 Forum: Italia


Diese Vorwürfe trafen mich zutiefst. Mir sowas elendes wie Neid zu unterstellen, auf seine degenerierte dünkelhafte Welt. Faszination vielleicht, eine gewisse morbide Faszination, so wie wenn man in einer ägyptischen Grabkammer stand, wo im modrigen Halbdunkel die Schätze längst in die Unterwelt gegangener Herrscher sich abzeichneten, während der schimmlige Leichengeruch sich beklemmend auf die Brust legte... Ich zuckte zusammen, als seine Faust auf den Tisch krachte, mir platzte der Kragen und ich brüllte zurück.
"Neid?! Geht's noch??!! Wohl eher... ungläubiges Mitleid für jeden, der glaubt, er sei zu fein, um sich selbst die Schuhe zu binden! Ich sehe dich Manius, ich sehe dich Sonnengott, niedergestiegen zu den Sterblichen. Du verachtest meinen Stand, du verachtest mich!! Ich habe mir das lang genug schöngeredet und es runterschluckt und mich kleingemacht, weil... weil ich ein liebeskranker Idiot war... aber im Grunde ist doch ganz klar - du willst gar keinen Geliebten, niemand Ebenbürtigen, du willst nur Sklaven um dich.
Überraschung: Ich bin nicht dein Sklave!! Und ja, ganz recht, es war Wahnwitz! Den wir jetzt beenden! Werde glücklich mit deinem speichelleckenden Lakaien! Adios!!!"

Wutentbrannt machte ich auf dem Absatz kehrt und marschierte in die Hütte, warf die Türe hinter mir mit einer solchen Wucht zu, dass die Wände wackelten und der Staub von den Balken rieselte. Mit zornbebenden Händen und iberisch unflätig vor mich hinfluchend begann ich meine Sachen zu packen. Genug war genug!




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Faustus Decimus Serapio

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 20.10.2019 20:18 Forum: Italia


"Ja, manche verbringen Zeit zwischen Sand und Fels, damit andere in der Zeit in Rom sicher und gemütlich auf dem Hintern sitzen und ihrem gehobenen Lebensstil frönen können!" versetzte ich beißend. "Hörst du dich eigentlich mal selbst reden? 'Ein Anspruch an das Menschsein', dass ich nicht lache. Du bist vollkommen abgehoben, wirklich VOLLKOMMEN ABGEHOBEN!"
Es war nicht nur das von eben, was sich da Bahn brach, bei weitem nicht. Ich war aufgesprungen und sagte ihm meinen Zorn ins Gesicht, wobei meine Hände ausladend gestikulierten.
"Ach zum Cerberus, ich habe wirklich die Schnauze voll davon, dass du ständig so auf mich herabblickst. Dein Hochmut ist un-er-träg-lich! Du gebärdest dich wie der König der Könige! Wir sind hier in einer Jagdhütte, Mensch, nicht bei Hofe, aber nichts, wirklich nichts machst du selbst, nichts, dein Sklave muß dir ja sogar die Sandalen schnüren..."




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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 20.10.2019 13:52 Forum: Italia


Das Gesicht in die Sonne gedreht, die Wärme genießend, wartete ich auf ihn, bis auch er seine langwierige Prozedur des sich frisch machens absolviert hatte und zum Frühstücken kam.
Einen prächtigen Hirsch – ich schmunzelte in mich hinein bei diesem kühnen Plan.
"Dein Wort in Dianas Ohr."
Schließlich hatte er die besten Verbindungen. Aber wenn ich Armastan nachher nach Tibur schickte, zum Vorräte kaufen, würde ich ihm sagen, dass er uns auch eine fette Gans mitbringen sollte. Für alle Fälle.
Mein kühner Plan für heute war es, einer weiteren Vergil-Tortur zuvorzukommen und Manius mit einem meiner Lieblingsbücher vertraut zu machen. 'Gitons Memoiren', ein pikanter Pseudo-Petronius, den ich immer wieder sehr anregend fand, und inspirierend... Vielleicht könnte ich ihn damit auch dafür begeistern, unser Liebesspiel mal etwas variationsreicher zu gestalten.

Ich stützte den Kopf in die Hand und sah ihm erwartungsvoll zu, wie er zum Löffel griff und probierte und... ausspuckte....? Schimpfte...? Degoutant...?
Ungläubig starrte ich ihn an. Nein, ich hatte mir keine Lobeshymnen erwartet, aber das... war ja wohl nicht die Möglichkeit!
"Entschuldige mal! Wenn ich eines bei der Prima gelernt habe, dann wie man Puls kocht!" setzte ich mich irritiert zur Wehr. Sowie andere haushaltliche Qualitäten, sogar Nähen hatte mir mein Optio damals beigebracht. Es hatte sich noch nie jemand über meinen Puls beschwert. Eine hilflose Frustration stieg in mir auf.
Tief durchatmen, Faustus.
Das tat ich, die Stirn verkrampft auf die Finger gestützt, und sprach mühsam aber noch halbwegs beherrscht. "Es ist... Manius, du machst es nicht gerade leicht... ich ... - Du weißt, ich würde alles für dich tun, ich tue alles für dich! Aber... dir kann man ja wirklich überhaupt nichts recht machen! Immerzu rümpfst du die Nase, oder... sowas." Gekränkt blickte ich auf den ausgespienen Bissen und sein harsches 'degoutant!' klang noch in meinen Ohren.
"Nichts ist dir gut genug!"




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Faustus Decimus Serapio

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RE: Casca und Serapio 20.10.2019 13:50 Forum: Casa Decima Mercator


Offenkundig war mein lieber Cousin mehr als über beide Ohren verliebt, da machte es keinen Sinn zu diskutieren. Begeistert sprach er von der geplanten Verlobungsreise.
"Vorgezogene Flitterwochen, hm, ja, das klingt..." ... überkandidelt... "... nett."
Valentina würde es bestimmt zu schätzen wissen. Sie hatte es verdient, nach Strich und Faden verwöhnt zu werden. Zumindest konnte ich mich als spendablen Gönner für das junge Glück fühlen.
Aber bei seinen Glückwünschen zum Tribunat, die ganz ehrlich klangen, da lächelte ich dankbar. Wie jedes Mal bei dem Thema hatte ich den Impuls, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich nicht sogleich wieder nach den allerallerhöchsten Höhen der Militia equestris strebte, aber ich verbiss mir das.
Aufmerksam hörte ich ihm zu, als er vom Tempeldienst erzählte, von der Societas, und von seinem Rivalen, und bemerkte wohlgefällig, dass auch bei ihm mittlerweile der familiäre Ehrgeiz zum Vorschein gekommen war. (Dass Dives der Magister war, war mir gar nicht geläufig. Voll und ganz zurückgezogen aus dem öffentlichen Leben hatte er sich also nicht.)
"Ja, erobern ist oft leichter als halten." stimmte ich ihm zu. "Du machst das schon, wir Decimer wissen zu kämpfen."

Von meinem Besuch auf dem Palatin zu hören, schien ihn auch nicht ganz unbeeindruckt zu lassen. Ja, ich gehörte vielleicht zum alten Eisen, zu den Relikten einer martialischeren Zeit, die in unserer neuen Friedensära nicht mehr so ganz zum Ambiente passten... aber eine Audienz war schon noch drin.
"Bestens. Huldvoll, scharfsinnig, mit dem Blick für Details sowie das große Ganze, umsichtig wie eh und je. Mögen die Götter ihm hundert Jahre schenken."
Das erinnerte mich an etwas, was mir unsere Köchin ganz stolz erzählt hatte, wo ich mich aber gefragt hatte, ob sie das wirklich richtig verstanden hatte...
"Sag mal. Candace meinte zu mir, du hättest es geschafft, Klient der Kaiserin zu werden, ist das wahr?!"



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