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Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Iulia Phoebe

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RE: Der fünfte Kandidat: 05.11.2019 15:00 Forum: Roma


Nach dem totalen Reinfall des Luscus folgte der nächste Redner, einer von den Decimern. Iulia kannte ihn nicht und sah ihn heute zum ersten Mal. Was er wohl auf dem Kasten haben mochte?
Jedenfalls begann er zu sprechen und so lauschte sie interessiert. Diese Rede gefiel ihr wieder besser, auch fiel ihr auf, dass Decimus Scapula das gleiche rhetorische Stilmittel wie ihr Vetter verwendete, als er drei Eigenschaften für Rom direkt hintereinander verwendete. Auch das direkte Ansprechen der Zuhörer war ein Pluspunkt. Zwei oder drei Mal ließ er zwar Satzenden bzw. Hauptwörter weg, was den Stil etwas minderte, jedoch alles in allem eine ordentliche Rede. Autsch, was war das jedoch am Schluss? Ganz schlimme Wortwiederholung mit „weiterhin“. Iulia klatschte wie die anderen Zuseher jedoch auch. Dann kam ein ganz besonders exotischer Teilnehmer, ein Nichtrömer!
Anscheinend war der Kerl sehr nervös, denn er rückte nicht sofort mit der Sprache heraus. Dann aber klappte es. Der Peregrinus berichtete von seinem bisherigen Leben und was er darin nicht alles Rom zu verdanken hatte. Eine für sie doch sehr ungewöhnliche Weise Rom zu preisen, aber andererseits war es doch wieder irgendwo passend. Diese Rede stimmte sie auf jeden Fall nachdenklich über die gesagten Worte und über ihren eigenen Status als Römerin und ihre Beziehung zu Rom. Vieles was für sie immer selbstverständlich da gewesen war, hatten Menschen ohne Bürgerrecht nicht, nur bedachte man das im Alltag nicht. Norius Carbos Rede jedoch hatte ihr diesen Aspekt wieder in Erinnerung gerufen. Genauso wie bei Scapula klatschte sie auch hier natürlich hinterher.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Iulia Phoebe

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RE: Der dritte Kandidat: Servius Quintilius Luscus 20.10.2019 21:17 Forum: Roma


Gespannt darauf was als nächstes kommen würde, erwartete Iulia den nächsten Rhetor. Der auftretende Mann war ihr völlig unbekannt. Er begann zu sprechen und nach den Darbietungen von Iulius Caesoninus und Valerius Flaccus hatte sie größte Erwartungen an ihn. Doch leider wurde sie enttäuscht.
Schon ab der Hälfte war für Iulia klar, dass dieser Kandidat mit den beiden vorigen nicht mithalten konnte. Seine Rede hatte nicht die Wortgewalt eines Caesoninus, aber auch die Technik eines Flaccus fehlte. Insgesamt kam ihr die Rede ein wenig "altbacken" vom Gefühl her vor. Wo sonst man außer in Rom auf großer Bühne Reden halten konnte? Ganz klar in Griechenland in den großen Poleis wie Sparta und Athen. Selbsterniedrigung, indem man sich selbst unnötigerweise als "unbekannten Mann" bezeichnete, ebenfalls ein Minuspunkt. Wenn man schon auf der Rostra am Forum Romanum war, hatte man ja die Chance genau diesen Umstand zu ändern und ihn nicht auch noch in die Breite zu treten! Apropo Forum Romanum, hatte der Kerl in seiner Rede gerade ernsthaft den ehrwürdigsten und ruhmreichsten Platz dieser Stadt beleidigt und als "unschön" abgestempelt? Das wurde ja immer besser! Die folgenden endlosen dankenswerten Aufzählungspunkte fand sie ehrlich gesagt ein wenig ermüdend, was nicht alles toll an ihnen, den Römern war und wer nicht schon alles an ihre Tür geklopft hatte (also von den "Bösen" jetzt).

"Die Worte meiner Rede werden schnell verhallen"
Oh ja, das war ein wahres Wort, mein Freund, dachte sie sich. Das Beste kam dann natürlich noch am Schluss, als der Redner jetzt schon einmal den Tod aller heute hier anwesenden Zuhörer rhetorisch vorweg nahm. Egal ob ihr Typen da seid oder nicht, ob ihr alle längst Staub seid, Roma wird trotzdem groß sein, denn dazu braucht es euch nicht. Schöne Aussage.
Ganz klar die schwächste der drei bisherigen Reden. Doch wie sah das wohl der Rest der Familie? Interessiert beugte sie sich zu Iulia Graecina hinüber und fragte sie: "He du! Sag mal, welche Reden haben dir bislang am besten und am schlechtesten gefallen?"
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Iulia Phoebe

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RE: Der zweite Kandidat: Tiberius Valerius Flaccus 18.10.2019 08:23 Forum: Roma


Genauso wie die anderen Zuseher klatschte auch Iulia Beifall für Valerius Flaccus. In der Art und im Aufbau seiner Rede war ihrer Meinung nach wieder klar der Jurist herausgestochen. Flaccus‘ Rede war weniger mitreissend und prägnant gewesen als die von Caesoninus, auch ihr Ton war viel nüchterner und eher an eine Beweisdarlegung vor Gericht erinnernd, als dafür da um die Massen mitzureissen, andererseits erschien sie Iulia technisch gesehen ein wenig vielseitiger und ausgefeilter, als die ihres Vetters. Die beiden Reden des ersten Tages bildeten somit gleich einen Gegensatz, der größer nicht sein könnte. Auf der einen Seite nüchterne Technik und auf der anderen packende Emotion. Was würden wohl die Richter davon bevorzugen? Entsprechend deren Präferenzen hätte dann der eine oder andere Kandidat die besseren Chancen auf den Sieg. Doch mochte diese Frage wohl eine eigene philosophische Debatte sein, worauf es an einer guten Rede mehr ankam, darauf dass sie Leute mitriss und von ihrem Inhalt überzeugte, oder dass sie technisch ausgereift war und möglichst viele verschiedene Register der Rhetorik bot, wenn dies auch ihrer Kraft ein wenig abträglich sein mochte.

Iulia jedenfalls hatte auch Flaccus‘ Rede sehr gefallen. Um ihren Vetter zusätzlich noch ein wenig zu ärgern beugte sie sich zu Caesoninus hinüber und rief ihm über den Lärm der Menge zu:
Tja, sieht so aus als wars das mit deinen Chancen auf den Sieg!
Ob Flaccus sich überhaupt noch an sie erinnern konnte?
Ein wenig hatte er Iulia ja schon gefallen.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Iulia Phoebe

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RE: Der zweite Kandidat: Tiberius Valerius Flaccus 17.10.2019 13:42 Forum: Roma


Natürlich war heute auch Iulia Phoebe im Tross der Familie dabei, um ihren Verwandten anzufeuern und so fand man sie neben Iulia Graecina stehend, ihre Leibwächterin und Freundin Callista direkt hinter ihr stehend.
Was war das nur für eine Freude in so einer Menschenmenge zu stehen! Und erst die ganzen Frauen, die perfekte Gelegenheit für sie, sich ein paar besonders schöne Frisurmodelle abzukupfern. Immerhin liebte sie es immer wieder mal etwas neues mit ihren Haaren auszuprobieren. Das ausgefallendste, was sie bislang versucht hatte war, als sie anlässlich einer Feier einmal eine kleine Trireme in ihr Haar flechten hatte lassen und ihre leichten Locken darum herum wie Wellen mit Nadeln fixiert drapiert worden waren. Servilia Gemina hatte dieser „anrüchige Firlefanz von der Arroganz eines Pfaus“ (wie sie diese Frisur benannt hatte) eher weniger gefallen. „Denkst du dein Vetter hat eine Chance zu gewinnen?“ raunte ihr Callista von hinten zu. Amüsiert hob Iulia eine Braue. „Wenn es etwas gibt, das dem lieben Gaius liegt, dann sich selbst reden zu hören, natürlich wird er gewinnen!
Keine Frage. Doch nicht lange und sie könnten sich selbst von seiner Kunst überzeugen, denn schon wurde ihr Vetter angekündigt.
Dann trat er auch schon höchstselbst in Erscheinung. Iulia hatte die Rede zuvor nicht gekannt, also war es auch für sie das erste (und einzige) Mal, aber sie musste zugeben, dass Caesoninus seine Sache gut machte! Sogar eine Art roter Faden wollte sie darin erkennen, alles in allem eine gelungene Rede. Nachher applaudierte sie genauso wie der Rest der Menge auch. „Gar nicht so schlecht, oder?“ meinte sie zu Graecina neben ihr.
Dann wurde auch schon der nächste Sprecher angekündigt. Valerius Flaccus! Den kannte Iulia ebenfalls von einer früheren Begegnung her, mal sehen, ob er ihrem Verwandten das Wasser reichen konnte. Eigentlich musste er sich ja gut im Reden schwingen auskennen, wo er sich ja viel mit Gesetzestexten auseinandersetzte und selbst Kommentare zu ihnen schrieb. Doch einmal sehen.
Caesoninus fand seinen Weg zu der Stelle unter den Zusehern, wo die Vertreter der Gens Iulia standen und erkundigte sich nach der Güte seiner Darbietung. „Zumindest für den vorletzten Platz wird es schon reichen. Aber nein im Ernst, du warst gut!“ meinte Iulia vergnügt. Sie liebte es ihn zu necken. Doch jetzt Bühne frei für Valerius Flaccus.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Iulia Phoebe

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 17.10.2019 13:12 Forum: Panem et Circenses


Eigentlich hatte Iulia gedacht nach ihrem Platzwechsel mit Caesoninus hätte sie endlich genug Ruhe, um die traurigen Geschehnisse auf der Bühne angemessen mitverfolgen zu können, doch denkste.
Die beiden unterhielten sich so laut und ungezwungen, dass sie Mühe hatte sich vollauf auf das Stück zu konzentrieren. Am liebsten hätte sie die rechte Hand an ihr Ohr und vors Gesicht gelegt, um die beiden Turteltäubchen völlig auszublenden, aber natürlich ging das in der Öffentlichkeit nicht, wie würde das nur aussehen?
Geistiges Ausblenden musste ausreichen. Verbissen versuchend ihren schwatzenden Vetter nicht wahrzunehmen, verfolgte Iulia das Ende des Stücks und auch der fliegende Drachenwagen war atemberaubend gut gemacht. So traurig das Ende von Medea auch sein mochte, die wahre Tragik spielte sich zeitgleich plötzlich hier direkt neben ihr ab! Denn Iulia Graecina links von ihr war ohnmächtig geworden.
Gleich als sie es bemerkte wandte auch sie sich der lieben Verwandten zu. „Graecina! Was ist mit dir!“ Sie wollte sie auffangen, doch ein fremder Mann war schneller. Wohl noch mal Glück gehabt. Jetzt hatte auch ihr lüsterner Vetter bemerkt, dass etwas nicht stimmte und war seinerseits herbeigeeilt, um sich beim Unbekannten nach Graecinas Wohl zu erkundigen. Bei all ihrer Angst konnte sich Iulia ein paar ironische Gedanken einfach nicht verkneifen. Was denkst du wohl du Held, ohnmächtig ist die Gute geworden!
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Ein Fest den Göttern würdig - Das Ende 17.10.2019 12:58 Forum: Domus Iulia


Ohne die ganzen Missgeschicke hätte sie sich bestimmt sehr gut amüsiert, da war sich Iulia sehr sicher. Denn man musste schon zugeben ihr Vetter hatte das ganz große Programm aufgefahren. Sie konnte sich nicht erinnern schon einmal auf einer schöneren Feier gewesen zu sein. Der Ort, die Leute, die Musik und natürlich das Essen, alles stimmte einfach haarklein.
Wenn da nicht ihre persönlichen Unglücke an diesem Abend gewesen wären, aber das tat jetzt nichts mehr zur Sache. So also ließ sie ihren Bericht der heutigen missglückten Ereignisse links liegen und antwortete bloß: „Ja, du hast dich selbst übertroffen! Mein Kompliment an den Organisator!“ Sie schenkte ihm noch einmal verschmitzt lächelnd ein Zwinkern, ehe Iulia auch schon weiter schwebte. Sie hatte eine Verabredung mit einem ordentlichen Becher Wein.
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Ein Fest den Göttern würdig 16.09.2019 22:07 Forum: Domus Iulia


Da Cerretanus nach ihren letzten Worten weiterhin schwieg, beschloss Iulia es fürs erste gut sein zu lassen. „Na dann Germanicus Cerretanus, es war nett deine Bekanntschaft gemacht zu haben. Ich hoffe dir wird es gut ergehen in Germania. Vale bene.
Und mit diesen Worten schwebte sie davon. Das was sie jetzt brauchte war ein großer Becher verdünnten Weines. Vielleicht auch unverdünnt, wenn sie den Cellarius dazu brachte (oder besser noch, er gar nicht am Weinstand war). Auf dem Weg dahin kam sie am Buffet vorbei und erblickte dort Caesoninus. Lächelnd blieb sie bei ihrem Vetter stehen. „Na wie läuft die Feier bislang? Alles zu deiner Zufriedenheit?

Der kurze Plausch mit Caesoninus sollte sie ihrer Ansicht nach nicht lange aufhalten. Nach all dem mehr schlecht als recht erlebtem heute, rief jede Faser ihres Körpers nach einem ordentlichen Schluck Wein.
Thema: [Cubiculum] Iulia Stella
Iulia Phoebe

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RE: Zwei Mädchen und ein Stoff 16.09.2019 22:00 Forum: Domus Iulia


Iulia erötete über Stellas Lob: „Dankeschön, dankeschön, aber dir passt er bestimmt auch gut!
Sie befühlte ihrerseits eingehender den Stoff. Was man wohl daraus alles machen konnte? Am besten gleich die beste Freundin und Cousine fragen! „Hm, ich kann mich nicht so recht entscheiden, was ich mir jetzt daraus schneidern soll. Was würdest du tun? Vielleicht gehen sich ja zwei Kleider aus dem Stoff aus, dann könntest du dir auch eines aus dem Rest machen!“ meinte sie begeistert.

Dann fiel ihr ein, dass sie das beste noch gar nicht erzählt hatte. „Achja, Stella! Weißt du, was der Händler mir noch gesagt hat? Dass das Volk aus Serica auch als die Seidenleute bezeichnet werden. Jedes Baby soll dort direkt nach der Geburt in seidene Windeln gekleidet werden und Serica überhaupt ein gewaltiges Kaiserreich am anderen Ende der Welt sein, ja sogar eine Art zweites Roma! Kannst du dir das vorstellen? Ich wüsste gerne wie wohl diese Leute so im Detail sind“, meinte sie verträumt.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Iulia Phoebe

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RE: Medea – noch immer erste Szene – Kreon, König von Korinth, und der Ausweisungsbeschluss 16.09.2019 21:31 Forum: Panem et Circenses


Iulia versuchte so gut es ging sich auf das Stück zu konzentrieren, trotz all des Lärms und der Ablenkung rund um sie herum. Einfach die geistigen Scheuklappen angelegt und stur den Blick auf die Bühne gerichtet halten, dann würde es schon klappen. So verfolgte sie Medeas dramatischen Werdegang und das anschließende geistige Duell mit dem hehren Kreon, während sie ganz hingerissen war von des Pantomimen Schauspielkunst. War er in einem Moment noch Medea gewesen, so reichte schon ein Augenblinzeln (so kam es Iulia vor), dass er daraufhin auch schon wieder Kreon war nach einem blitzschnellen Maskenwechsel, während der Chor das Spielgeschehen wortgewaltig mit Gesang begleitete und den kulturellen Genuss nochmal immens steigerte.

Doch als dann Caesoninus zu ihrer linken und die unbekannte Frau zu ihrer rechten, bei der sie sich zuvor entschuldigt hatte, quasi über ihrem Schoß hinweg ein Gespräch begannen, war ihr das dann doch zu störend. So stand Iulia auf und („Rutsch einmal!“) quetschte sich zwischen Iulia Graecina und Caesoninus wieder auf die Sitzbank, sodass die beiden Gesprächspartner jetzt direkt nebeneinander saßen und sich unterhalten konnten, während Iulia ihrerseits wiederum ihre Ruhe beim Verfolgen des Stücks haben würde. Doch noch war sie einen Moment abgelenkt. Amüsiert beobachtete sie das angeregte Gespräch der beiden anderen, bis sie Graecina anstieß und ihr mit dem Kopf in Richtung Caesoninus nickend zuraunte: „Der Löwe jagd wieder.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Iulia Phoebe

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 05.09.2019 00:03 Forum: Panem et Circenses


Nein, was war Iulia entzückt über die Kunst des Polychares! Es war genauso wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte den Atem angehalten, als Medea das erste Mal auf der Bühne erschienen und der Chor zu singen begonnen hatte. Zu welch fließenden Bewegungen dieser Schauspieler in der Lage war, man konnte ja beinahe schon denken, dass man selbst Teil des Stückes war, so sehr fesselte die Pantomine Iulias Aufmerksamkeit.

Umso unerfreulicher war daher dann, als Caesoninus neben ihr seinem Ärger wieder Luft machte. Das ließ auch Iulia etwas schnippisch werden. „Psst, was machst du nur. Sei leise!
An ihre dunkelblonde Sitznachbarin zu ihrer rechten gewandt sprach sie mit gesenkter Stimme: „Ich bitte um Vergebung, falls mein Vetter dich gestört haben sollte. Es kommt nicht wieder vor.
Noch ein drohender Blick mit gesenkten Augenbrauen in Richtung ihres Vetters und dann wandte auch Iulia wieder den Blick hinunter zum Schauspiel, dabei jetzt schon Caesoninus verfluchend, weil sie ein Stück der Darbietung verpasst hatte.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Iulia Phoebe

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 01.09.2019 00:24 Forum: Panem et Circenses


Iulia liebte die Stücke des Euripides!
Andromeda, Antigone, Kyklops und Elektra und wie sie nicht alle hießen. Jedes von ihnen war sehr unterhaltsam und genau das, was Iulia nach einem langen Tag entweder im Theater sehen, oder zuhause im Bett lesen wollte. Doch nicht nur das, auch eine weitere Kunstform verehrte sie; die Pantomine.
Wie faszinierend es war dabei Zeugin zu sein, wie ein einzelner Mann alle Rollen bediente und so völlig neue Ausdrucksformen der bekannten Geschichte erzeugen konnte. Die einprägsamen Lieder, die das szenisch dargestellte begleiteten und erst die Masken!

Daher verwunderte es kaum, dass Iulia ganz aus dem Häuschen war, als sie eines Tages beim Einkaufen am Argiletum mitbekam, dass der große Polychares wieder nach Rom kommen und eine Pantomine zu Euripides‘ „Medea“ zum Besten geben würde! Zwei ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigungen vereint zu einer Darbietung das MUSSTE sie einfach sehen! Doch natürlich nicht alleine so als Frau. Deshalb hatte sie sehr lange und sehr intensiv ihren Vetter Gaius Iulius Caesoninus angebettelt, dass sie sooo gerne dieses Stück sehen wolle und dafür eine Begleitung brauche, mit dem Ergebniss, dass sie jetzt hier im Pompeiustheater sitzen und sich auf Polychares freuen konnte.
Ja, das Leben war schön.
Thema: [Cubiculum] Iulia Phoebe
Iulia Phoebe

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Die Sorgen einer Mutter 30.08.2019 10:59 Forum: Domus Iulia


Iulia war an diesem Morgen ganz guter Dinge. Die Vöglein sangen, sie hatte wohlige Träume gehabt und war früh aufgewacht, gekitzelt von der Sonne. So lag sie jetzt da und sah aus dem Fenster in Gedanken daran zu überlegen, was sie heute so alles anfangen wollte. Sollte sie mit Iulia Stella einkaufen gehen? Oder besser einmal wieder die Bäder besuchen? Sie war schon seit Ewigkeiten nicht mehr dort gewesen. So ganz heißes Wasser würde ihr bestimmt gut tun. Gähnend streckte sie sich kurz, ehe sie sich auch schon wieder aufs Bett zurückfallen ließ, hinein in die kuscheligen Laken. Darüber nachdenkend, ob sie wirklich heute in eine Therme gehen sollte, legte sie ihre rechte Hand auf ihre Brust und streichelte sie etwas. Zu schade nur, dass Männer und Frauen getrennt zu baden hatten. So konnte man gar niemanden kennenlernen. Die Frauen redeten sowieso alle immer nur das gleiche Zeug von heiraten, wer von den Männern der erfolgreichste, größte, stärkste und süßeste Typ war und was sie wo gekauft hatten, oder demnächst kaufen wollten. Nicht gerade Themen, die sie im Moment interessierten.

So lag sie also da auf ihrem Bett, als ihre Leibsklavin Callista kurz klopfte und das Zimmer betrat. Iulia (unbekleidet wie sie war) wandte ihr den Kopf zu, beließ ihre Hand jedoch, wo sie war.


Callista, Leibsklavin und -wächterin der Iulia Phoebe

Guten Morgen, Domina.
Morgen, Callista.

Die Sklavin durchquerte den Raum zu einem kleinen Kästchen an der anderen Wand und zog eine Schublade auf. Darin befand sich ein mittelgroßer Kamm aus Elfenbein, den sie herausnahm. Iulia setzte sich im Bett auf und wandte ihr den Rücken zu. Callista ließ sich hinter ihr nieder und begann ihr das Haar zu kämmen.
Schon eine Idee, was du heute machen willst?
Iulia seufzte, während sie das leichte Ziehen an ihren Haarwurzeln genoss, wann immer die Sklavin den Kamm durch ihre Strähnen gleiten ließ.
Noch nicht so wirklich...ich hätte an Einkaufen gedacht, oder an einen Besuch in den Thermen. Was sagst du dazu?
Das sind gute Ideen.
Iulia (mit Blick zur Wand am oberen Bettende) verzog ihr Gesicht zu einer ironischen Miene, doch Callista lieferte noch einen Nachsatz: „Aber ich denke, du willst heute etwas anderes machen, oder?
Das brachte Iulia dann doch wieder zum grinsen, Callista kannte sie einfach zu gut.
Wann hast du dich zuletzt im Waffentraining geübt?“ fragte Iulia auf einmal, um von ihrer noch planlosen Tagesgestaltung abzulenken.
Jetzt war es an Callista etwas den Mund zu verkneifen (was ihre Herrin natürlich nicht sehen konnte).
Es ist eine Weile her.
Das hatte Iulia sich schon gedacht.
Dabei waren Dolche und Klingen früher dein Leben.
Das ist lange her, wie du weißt.
Ja...
Eine Weile lang herrschte Stille.
Willst du es mir heute beibringen mit einem Dolch umzugehen?
Callista lächelte sanft.
Nein Iulia. Du weißt doch, dass deine Familie nicht sehr erfreut darüber wäre, solltest du dabei verletzt werden.
Und wenn ich es dir befehlen würde?
Auch dann würde ich mich weigern. Es ist unschicklich für eine Römerin von deinem Geblüt.
Iulia verdrehte die Augen, während Callista jetzt die Haare an der rechten Seite kämmte. Es stimmte ja was sie sagte, aber das wäre bestimmt ein unterhaltsamerer Vormittag geworden, als der übliche Frauenkram.
Was ist mit Kampfstöcken?
Domina?
Na du hast doch früher auch viel mit Kampfstöcken gegen die Römer gekämpft. Lehre mich einfach deren Handhabung? Klingen hätten die keine.
Auch das, fürchte ich, würde Senator Iulius Centho oder sonstwer keinesfalls erlauben. Kampfstöcke machen auch bei leichter Handhabung schon blaue Flecken.
Leicht frustriert schnaubte Iulia. Heute wollte aber auch gar nichts klappen bei ihrer Tagesplanung. Einkaufen und Badengehen waren ihr zu langweilig und etwas Waffentraining verboten, „weil sie ein Mädchen war“. Es war zum Schreien.
Was soll ich sonst machen? Sterben vielleicht?
Callista lachte ihr ganz eigenes, sanftes Lachen.
Nein, ich denke soweit musst du nicht gehen. Wir sind fertig.
Sie reichte Iulia einen Spiegel. Zufrieden besah sie ihre frisch gekämmten Haare darin. Dann stand sie auf und lief hinüber zu einer Truhe, um sich endlich etwas überzuziehen. Heute wollte sie etwas blaues tragen. Anziehen erledigte Iulia grundsätzlich alleine.
Vollständig bekleidet kehrte sie wieder zum Bett zurück und ließ sich darauf nieder, damit Callista ihr die Haare alltagstauglich hochstecken konnte. Wieder herrschte Stille zwischen den beiden.
Da pochte es nach einer Weile an der Tür.



Servilia Gemina, Witwe des Kaeso Iulius Iuvenalis

Juhuu, kleiner Sperling, bist du schon wach? dröhnte es von der anderen Seite der Tür hindurch.
Komm rein, Nana.
Die Tür sprang auf und schon schwebte Iulias Mutter, Servilia Gemina, mit der Grazie eines vollgefressenen Nilpferds über die Schwelle.
Gute Morgen ihr beiden! Ich... so willst du heute außer Haus gehen?
Kritisch begutachtete sie die Frisur, die Callista ihrer Herrin gerade machte. Iulia besah sich die Haarschnecken im Spiegel.
Ja? Wo ist das Problem?
Mit zweifelnder Miene schüttelte Servilia Gemina leicht den Kopf.
Also mit diesem Gekröse auf dem Haupt wirst du keinen Mann finden. Callista, lass mich doch einmal ran.
Und schon hatte sie die Sklavin aus dem Weg geschubst und machte sich selbst ans Werk.
Iulia war genervt. „Nana! Lass Callista das machen! Mir gefiel es so, wie es war!
Nichts da! Meine Tochter geht mir nicht mit einem Packen Weinbergschnecken am Schädel außer Haus! Callista! Du kannst gehen!
Die Angesprochene neigte kurz das Haupt und zog sich zurück.
Kindchen, ach Kindchen, was soll ich nur mit dir machen? Wieso strafen dich die Götter nur so bei der Heirat?
Ja, dieser Tag versprach plötzlich doch nicht mehr so der ihre zu werden...
Sich ihrem Schicksal ergebend seufzte sie und ließ ihre Mutter machen.
Sind wir mit dem Hochzeitsgerede jetzt fertig? Ich...
Ach Liebes, ich fange doch gerade erst an!
Thema: [Cubiculum] Iulia Stella
Iulia Phoebe

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RE: Zwei Mädchen und ein Stoff 30.08.2019 09:36 Forum: Domus Iulia


Auch wenn sie von der gleichen Familie waren und im selben Haus wohnten, wartete Iulia geduldig das Einverständnis von Stella ab, ehe sie durch die Tür stürmte, voller Freude über ihre Erlebnisse am Markt.

Hallo Stella! Sieh dir das an!“ Stolz breitete sie den den zuvor gekauften Seidenstoff auf Iulia Stellas Bett aus. „Das ist Seide aus Serica! Wahnsinn, nicht? Der Händler sagte mir Serica soll sogar noch hinter Parthien und Alexanders Indien liegen. Ich kann mir das kaum vorstellen und du? Wie findest du den Stoff?“ sprudelte es aus ihr in ihrer ganzen Freude hervor.

Stella war doch -im Gegensatz zu Iulia- auch schon auf Reisen gewesen, vielleicht hatte sie dabei schon mal was von diesen Seidenleuten gehört? Ooh Iulia würde soo gerne einmal dieses mysteriöse Serica sehen!
Thema: [Flure und Gänge] Zwischenräume
Iulia Phoebe

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RE: Hic et Nunc 27.07.2019 14:53 Forum: Domus Iulia


Iulia war wieder auf großer Einkaufstour auf Roms Märkten gewesen. Alles schon mal angehabt, nichts passte mehr und jeder hatte alles von ihr schon mal gesehen. Man kannte das ja. So also war es das Los der Iulierin, getreu den Erwartungen der Gesellschaft loszulaufen und das Forum Traiani und die anderen Orte mit Tuchgeschäften unsicher zu machen. Sie trommelte eine Schar von Sklaven zusammen und scheuchte sie vom hohen Rosse ihrer Sänfte aus überwachend durch die Gassen der Ewigen Stadt, um als treue Träger zu fungieren. Am ersehnten Ziel angekommen und zwei Stunden später trat eine vollbeladene Karawane den Rückweg an.
Als ihnen zuhause der Ianitor die Porta öffnete, staunte er nicht schlecht. Gleich Gliedern der römischen Legion marschierte ein Sklave hinter dem amderen einher, vollbeladen mit Kleidung. Stolz auf ihren Beutezug schwebte Iulia hinter dem letzten hinterher in Richtung Cubiculum. Auf den Fluren kam diese Karawane an jemanden im Flur vorbei. Jeder ignorierte ihn, außer die Herrin selbst. Iulia erkannte Maahes und blieb vor ihm stehen. „Was hast du da?
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Cerretanus et Phoebe 18.07.2019 15:40 Forum: Domus Iulia


Cerretanus machte den Versuch eines Scherzes, den Iulia registrierte. Danach ging es um die Germaniengeschichte im Detail. Also Stationarius war er, interessant. Das erklärte natürlich, was er dort wollte, wenn dort die Stelle vakant war. Allerdings war es schon irgendwie komisch, dass man zur Nachbesetzung einer so unbedeutenden Stelle am Rande der zivilisierten Welt exctra jemanden aus Rom wegholen musste, wo doch gewiss ebenso geeigneter Ersatz in näherer Umgebung, wie Rätien, oder Gallien, oder Germanien selbst sein musste. Aber was wusste Iulia schon vom imperialen Postwesen...

Seine Aussagen über fehlende Freunde, ließ Iulia aber dann doch wieder stutzig wirken und dass er sie auch dafür brauche, um wenigstens irgendjemanden hier in Rom zu haben, dem/der er schreiben konnte. "Was ist mit meinem Vetter Iulius Caesoninus? Seid ihr keine Freunde? Ich hatte gedacht das wäre gerade der Grund, wieso du heute hier auf dieser Feier bist? Oder schreibt ihr euch nicht?" Sie mussten ja anscheinend befreundet sein, ansonsten wäre der Germanicer heute nicht in der Domus Iulia.
Iulia wäre froh, wenn sie einige Freunde mehr hätte und gewiss würde sie sie nicht bei erstbester Gelegenheit in Stich lassen.
Thema: [Cubiculum] Iulia Stella
Iulia Phoebe

Antworten: 8
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Zwei Mädchen und ein Stoff 15.07.2019 20:34 Forum: Domus Iulia


Nach ihrer kleinen Einkaufstour am Trajansmarkt wollte Iulia den Stoff natürlich gleich herzeigen und wer kam da besser in Frage, als ihre liebe Cousine Stella?

So lief sie zuhause angekommen gleich schnurstracks durchs Haus und zu der Tür ihres Cubiculums und klopfte, in der Hoffnung, dass sie zuhause war.

*Poch*

*Poch*

*Poch*
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Cerretanus et Phoebe 15.07.2019 19:36 Forum: Domus Iulia


Iulia horchte auf. Cerretanus wollte nach Germanien?
Diese Neuigkeit schaffte es sogar den Hauch von Überraschung in die zuvor gut gehütete neutrale Mimik, bzw. ihrer "Maske" zu bringen. "Darf ich fragen was deine Gründe sind, Rom zu verlassen? Also falls es dir nicht zu persönlich ist?" Konnte ja sein, dass es so war. "Du musst wissen, Germanien fasziniert mich ungemein. Leider jedoch hatte ich noch nie die Chance, es einmal mit eigenen Augen zu Gesichte zu bekommen, auch wenn ich mir das sehnlichst wünschen würde." Iulia wusste jedoch selbst nur zur Genüge, dass es das jedoch nicht spielen würde. Was sollte auch eine edle Römerin wie sie (und dazu noch mit einem Hausdrachen als Mutter) für einen gesellschaftsfähigen Grund haben in den wilden Norden zu fahren? Was Cerretanus' Angebot anging, so kam sie tatsächlich ins Überlegen. Sie interessierte es schon wie es dort so war und auch obwohl er ein völlig fremder Mann war, er hatte ihr angeboten, es ihr erzählen zu wollen. Ob es wohl schicklich war, Briefe von ihm zu erhalten?
Doch andererseits wieso auch nicht. Iulia hatte in letzter Zeit genug Trübsinn geblasen, Zeit einmal wieder etwas verwegenes und aufregendes zu machen (worunter sie auch verstand, als Unverheiratete Briefe von einem fremden Mann zu erhalten mit dem sie keinerlei Bekanntschaft hatte und ihre Mutter das herausfinden könnte, ok dann würde es wirklich brenzlig werden)!
So also klimperte Iulia mit den Wimpern und tatsächlich stahl sich das erste Mal im Laufe dieses Gesprächs ein Lächeln in ihr Gesicht, als sie sagte: "Es wäre mir eine Freude von deinen germanischen Abenteuern zu hören."
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Cerretanus et Phoebe 17.06.2019 23:14 Forum: Domus Iulia


Zitat:
Original von Paullus Germanicus Cerretanus
" Ich bin Römer. Hier geboren und aufgewachsen." Cerretanus nippte nun von dem Becher und blickte Phoebe über dessen Rand an.
Der maskenhafte Ausdruck in ihrem Gesicht ließ den jungen Germanicer schon etwas stutzig werden aber er war sich keiner Schuld bewusst etwas fasches gesagt zu haben. Und getan hatte er ja schon gar nichts.

" Mein Vater hat sich aus Rom zurück gezogen. Er ist nun auf unserem Gut und auch viel auf Reisen."
" Meine Mutter ist bereits verstorben. Die Gründe dafür sind nicht wirklich bekannt. Sie hielt sich jedenfalls auch nicht in Rom auf und....und...." Cerretanus zog die Mundwinkel nach unten..." ich hatte auch nicht mehr die Gelegenheit...." Jetzt bedauerte er dass er dieses Thema begonnen hatte. Er nippte erneut vom dem Becher.

" Ja...das wars dann wohl über mich. Vermute du wirst nun nicht sonderlich beeindruckt sein. Ich hege eher den Wunsch die Laufbahn meines Vaters einzuschlagen. Senatoren haben wir genug in der Familie."

" Und seit wann lebst du nun in Rom? Misenum muss ja recht interessant sein. Eine Stadt am Meer und dazu noch einer der großen Stützpunkte für unsere Flotte. Das wäre ein kurzer Ausflug wert."


Cerretanus erzählte ihr ein wenig etwas über seine Familie. Iulia hörte aufmerksam zu. Der Vater entweder zurückgezogen, oder auf Reisen und die Mutter bereits tot...das waren nicht gerade die besten Familienangelegenheiten die man haben konnte. Andererseits war Cerretanus ja schon erwachsen, da war das wieder eine andere Sache, als wenn von Kindern die Rede gewesen wäre. Die brauchten ja durchaus möglichst beide Elternteile für eine gesunde Entwicklung. Doch obwohl ihr Gegenüber bereits erwachsen war, schien ihn seine Verlassenheit immer noch ziemlich zu bedrücken. Würde sie ihn kennen, Iulia hätte, begleitend zu ihren folgenden Worten, ihre Hand zum Trost auf die seine gelegt. So jedoch beließ sie sie in ihrem Schoß gefaltet und sprach nur ein höfliches: „Mein Beileid“, aus. Eigentlich sollte sich ein Römer nicht eine solche Blöße in der Öffentlichkeit leisten, doch sah Iulia in diesem Fall darüber hinweg. Sie war zu gutherzig dafür, trotz all ihren Dornenkönigin-Gebahrens in letzter Zeit. Gerade in diesem Moment wurde sie ein wenig mutlos. Sollte sie überhaupt nie den richtigen kennenlernen? Oder noch schlimmer, eines unschönen Tages als alte Jungfer sterben?

Süß und ehrenvoll ist‘s in die Fußstapfen seiner Väter zu treten“ wandelte Iulia prompt gekonnt ein bekanntes Zitat um, bzw. lieh sich deren Anfang, als Antwort auf Cerretanus‘ Antwort, er wolle seinem Vater nachfolgen. „Es sollten schon bald zwei Jahre sein, die ich in Rom zubringe. Und ja es stimmt, Misenum ist wirklich herrlich. Manchmal gibt es Zeiten, da vermisse ich es ungemein.
Thema: Einkaufen für den Kleiderschrank
Iulia Phoebe

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RE: Einkaufen für den Kleiderschrank 07.06.2019 08:32 Forum: Mercatus Urbis


Man merkte schon, dass diese Leute nicht von hier waren. Ihre Waren waren nicht zu vergleichen mit z.B. den groben und filzigen Sachen der Italikerin von vorhin. Hier sah alles teuer und exquisit aus. Der Stoffhändler der Karawane hatte schnell bemerkt, dass sich da jemand für sein Gut interessierte, also winkte er Iulia näher heran. „Kommt nur, gute Frau! Kommt näher! Wir haben die beste Ware des Ostens im Angebot! Persische Stoffe mit eleganten Stickereien, feinste ägyptische Baumwolle und nur die beste Seide direkt aus Serica!
Das hörte sich doch in der Tat fabelhaft an! Also ließ sich Iulia nicht zwei Mal bitten und kam schnell heran. Die angebotene Ware war in der Tat erstklassig. Während sie die einzelnen Stoffe betrachtete, fragte sie den Händler: „Ich habe noch nie von einem Land namens Serica gehört. Wo liegt das? Hinter Parthien?
Der Händler winkte leicht amüsiert ab. „Ach, sogar noch hinter Indien! Serica ist das Land der Seidenleute und liegt ganz am anderen Ende des Kontinents, ja sogar außerhalb der bekannten Welt! Die Händler, die uns die Seide nach Parthien bringen erzählen davon, dass sie von ihren Zulieferern wiederum gehört haben, dass Serica eine Art zweites Rom sein soll. Ein gewaltiges Kaiserreich, das den ganzen fernen Osten beherrscht und sagenhaft reich. Jedes Kind soll dort direkt nach der Geburt in seidene Windeln gewickelt werden und sogar die ärmste Bettlerin soll ebenfalls in Seide gekleidet sein. Jeder dort trägt es!
Das klang wirklich sehr interessant für sie! „Bitte, kannst du mir mehr über dieses ferne Land erzählen?“ bat sie. Urplötzlich hatte Iulia ihr Interesse für dieses mysteriöse Serica entdeckt. Doch der Händler winkte ab. „Tut mir leid, das ist alles was ich darüber weiß. Doch wenn du willst, so erwirb doch diese Seide hier, dann hast du immer etwas von diesem Land bei dir zuhause!
Ob das jetzt Händlerpsychologie gewesen war, oder nicht, jedenfalls klang das nach einer fabelhaften Idee! Also kaufte Iulia den Seidenstoff zusammen mit ein paar anderen festeren (mitunter auch gefärbten) Geweben, um sich daraus später ein sagenhaft schönes Kleid schneidern zu wollen. Mit ihren Einkäufen mehr als zufrieden bezahlte und bedankte sich Iulia und übergab die neuen Sachen Callista zum tragen. Dann wandte sie sich langsam in Richtung Ausgang, während eine neue fixe Idee in ihrem Verstand Platz genommen hatte; das weit entfernte Land der Seidenleute.
Thema: [Hortus] Ein Fest den Göttern würdig
Iulia Phoebe

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RE: Cerretanus et Phoebe 07.06.2019 08:04 Forum: Domus Iulia


Zitat:
Original von Paullus Germanicus Cerretanus
" Ach. Also das introvertierte Persönchen?" Cerretanus winkte ab und lachte kurz auf.

" Mein Faible Menschen kennen zulernen hält sich auch in Grenzen. Zumal und ich vermute jetzt nur Mal so, willst du nicht ein politisches Amt bekleiden. Wie auch ich nicht daran interessiert bin" Jetzt rollte er gespielt genervt mit den Augen.

" Ständig mit irgendwem Kontakt halten ob man will oder nicht. Immer dafür sorgen dass einen die anderen kennen bzw. nicht vergessen." Cerretanus schüttelte den Kopf. " Was für ein Aufwand." Den ironischen Unterton könnte man nicht überhören was auch mit einem bekustigten Zwinkern unterstrichen wurde.

" Also introvertierte Iulia Phoebe. Was macht nun eine junge Frau ohne Bekanntschaften in Rom? Obwohl du ja nun bekannt bist. Zumindest mir. Und....es ist mir ein großes Vergnügen."


Nahm dieser Abend denn überhaupt kein gutes Ende für sie? Hatte sie sich vielleicht darauf gefreut ein nettes Gespräch mit diesem Fremden führen zu können und womöglich auch eine neue längere Bekanntschaft zu schließen, so wurde sie schnell eines besseren belehrt.
Wie sprach dieser Kerl mit ihr?! Die Würde einer fremden römischen Dame einfach so mit Füßen zu treten, indem man sie in aller Öffentlichkeit als „introvertiertes Persönchen“ und „introvertierte Iulia“ ansprach! Das steigerte ihren Groll schon sehr. Und wie um alles in der Welt sollte sie ein politisches Amt anstreben wollen, oder können, wo sie doch eine Frau war??
Denn auch die negative Einstellung ihres Gegenübers zur Politik sagte ihr, dass sie so schnell wohl keine Freunde werden würden, wo sie doch aus einer Familie mit Senatoren kam und Iulias Meinung nach ohnehin jeder wahre Römer so wie immer schon sich um die Politik kümmern sollte, um den Ruhm und die Macht des Imperiums zu mehren. Dies wollte er anscheinend ja auch nicht.

Sie musste ihre ganze Kraft aufbieten, um ihren Ärger über die Beleidigungen und komischen Aussagen ihres Gesprächspartners nicht nach außen hin sichtbar werden zu lassen, sondern die von ihrer Mutter gelernten „Maske“ eines neutralen, interessierten Gesichtsausdrucks weiterhin aufrecht zu erhalten, den jede wohlerzogene Römerin beherrschen sollte, um die Männer nicht wissen zu lassen, was man selbst dachte.
Alleine schon aus Trotz würde Iulia jetzt nicht weggehen! Nicht schon wieder davonlaufen, nach dem Fiasko mit Florus Minor! So antwortete sie nach außen hin höflich mit neutralem Ton: „Auch mir lässt deine Bekanntschaft diesen Abend in besonderer Erinnerung behalten. Ich lebe hier in Rom, seit ich von Misenum hierher gezogen bin. Was ist mit dir? Kommst du auch von außerhalb?

Iulia war nämlich ein Gedanke gekommen. Womöglich war ja auch Cerretanus gar nicht von hier? Als Landei wäre ihm sein ungebührliches Verhalten auf jeden Fall eher zu verzeihen, wenn man dann sagen konnte, er wusste es eben nicht besser, es würde in ihren Augen auch eher erklären, wieso er nicht an Politik interessiert war. Und überhaupt, „Germanicus“, das klang nicht allzu römisch. Eher germanisch.
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