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Thema: culina
Grian

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RE: Kannste was, biste was.... Gestern, 05:35 Forum: Casa Decima Mercator


Ich war auf einem guten Weg. Zumindest glaubte ich das. Nein, ich war davon überzeugt, als er sich noch einmal kurz zu mir umdrehte. Ich lächelte ihn engelsgleich an und sah mit Sicherheit so aus, als ob mich kein Wässerchen trüben könnte. Oh ja, ich hatte es schon oft gespielt, das Dummerchen vom Lande. Gerade bei Männern seines Schlages konnte das helfen.

Anscheinend hatte ihm jemand gesteckt, womit ich mich in den letzten Tagen, seitdem ich hier war, beschäftigt hatte. Na klar, ich konnte hart arbeiten, doch wie jeder andere normale Mensch, schätzte ich den Weg des geringsten Widerstandes. ‚Was du heut´ nicht kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen!‘ war meine Devise.
Dann sagte er etwas wirklich Gutes! Es sei sein Wunsch, meine Talente und mein Können nicht bei diversen Diensten zu vergeuden. Das war doch mal eine Ansage! Oh ja, mein neuer Dominus war davon überzeugt, dass ich in gewisser Hinsicht wertvoll war. Ich wusste zwar nicht so genau, in welcher, aber… schauen wir mal! Na ja, in Sachen Handarbeit war ich eine echte Niete, weil ich einfach zu wenig Geduld aufbrachte und mir ständig die blöden Fäden rissen. Heilerisches Wissen? Äh, lieber nicht! Dafür wollte ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Als Gesprächspartner sah ich mich da schon eher. Also je nachdem worum es in der Unterhaltung ging. Dann konnte ich eine richtige Plaudertasche sein. In der Vergangenheit aber hatte ich auch hier nicht immer ins Schwarze getroffen, was dazu führte, dass ich mich schneller auf dem Sklavenmarkt wiedergefunden hatte, als mir lieb sein konnte. Aber mal ehrlich, sollte ich irgendeinen Stuss erzählen, der gar nicht stimmte oder der an den Haaren herbeigezogen worden war? Oder sollte ich klar damit rausrücken, was ich dachte?

„Oh, da findet sich bestimmt etwas, Dominus!“, meinte ich, weil ich mich hier auf dem Flur noch nicht festlegen wollte. Dann endlich erreichten wir des Cubiculum meines Dominus. Noch einmal blieb er stehen und sah mich an. Vielleicht um festzustellen, ob ich auch wirklich würdig war, sein Allerheiligstes zu betreten. Natürlich interessierte es mich brennend, was sich hinter dieser Tür verbarg. Nach all den Tagen in der blöden Culina hatte ich nun endlich den Olymp erklommen. So kam es mir zumindest gerade vor. Wenn ich erst einmal da drinnen war, dann konnte nichts mehr schief gehen, vorausgesetzt dass ich keinen Blödsinn machte. Also lächelte ich noch einmal hoffnungsschwanger. Bestimmt fuhr er voll darauf ab, wenn ich mich willig zeigte und ihm signalisierte, dass es mir Freude bereitete, ihm dienen zu dürfen.
Thema: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas
Grian

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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 04.11.2019 22:11 Forum: Roma


Der blöde Hund machte alles, nur hörte er nicht auf meine Befehle. Zum Glück hatte Silas noch vor mir den armen Kerl erreicht. Ich hoffte nur, dass die Hunde ihn nicht schon zu Hackfleisch verarbeitet hatten.

Völlig aus der Puste erreichte ich schließlich auch das Opfer der Molosser. „Lebt er noch? Atmet er noch? Hat er Schmerzen?“ Meine bangen Fragen prasselten auf den armen Silas ein, der ähnlich wie ich völlig fertig mit der Welt war. Was, wenn die Viecher dem Typen da auf dem Boden etwas Schlimmes angetan hatten? Dann konnten wir beide einpacken! Dann hieß es „Schwefelmienen auf Sizilien ohne Wiederkehr“ für uns beide.

Wenigstens war es Silas gelungen, die Viecher mit seinem Speck abzulenken, so dass sie von dem armen Kerl am Boden abließen. Igitt, der war von oben bis unten voll mit Sabber! Aber so wie es aussah, war er noch heil. Äußerlich. Die Hunde hatten ihn nicht angeknabbert. Und falls sie ihn durchgekaut hatten, dann blutete er nicht. Nach einer Weile rührte er sich sogar, keuchte und wälzte sich herum (hoffentlich nicht vor Schmerzen!) Dann begann er, wie ein Irrer zu lachen. Er lebte! Ein Stein fiel mir vom Herzen!
„Oh Mann! Hey, das tut uns furchtbar leid! Ehrlich! Die Viecher sind sonst lammfromm. Können wir irgendwas für dich tun?“ Ja, ich weiß, diese Frage war saublöd. Aber vielleicht half sie ja dabei, die Wogen etwas zu glätten.
Thema: culina
Grian

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RE: Kannste was, biste was.... 04.11.2019 21:40 Forum: Casa Decima Mercator


Genau DAS wollte ich hören! JA! Er wollte mich sehen! Ich gehörte zu ihm! UND, was so ziemlich das ALLERWICHTIGSTE war: er wollte meinen WAHREN Fähigkeiten auf die Schliche kommen. Na ENDLICH! Das ich das noch erleben durfte! Wenn ich mich nicht total dämlich anstellte, dann musste ich NIE WIEDER in der Küche ackern!

„Wie du wünschst, Dominus!“ antwortete ich in einer leicht lasziven Art und Weise. Aber Vorsicht, nicht zu lasziv! Noch immer befand ich mich in der Culina! Nicht das hinterher der halbe Haushalt mich für ein Flittchen hielt, das sich so ins Bett ihres Dominus schleichen wollte.

Nichtsdestotrotz, meine Augen leuchteten auf und ich strahlte über das ganze Gesicht. Auch wenn meine Klamotten dreckig und mein Gesicht staubig war, wusste ich doch, wie man Typen wie ihn um den Finger wickelte. Zum Glück hatten die Götter mich mit einer ansehnlichen Figur, strohblondem Haar und einem liebreizenden Gesicht ausgestattet. Wenn mein Dominus also nicht völlig aus der Art schlug, dann musste auch er unweigerlich meinem süßen Gift verfallen. Voraussetzung dafür war natürlich, dass ich ihn nicht zu langweilen begann oder irgendwelchen Müll erzählte. In der letzteren Disziplin war ich zugegebenermaßen nicht immer erfolgreich gewesen, was auch die hohe Fluktuation meiner Vorbesitzer erklärte. Aber auch ich war lernfähig und zum Glück hatte ich bisher immer etwas Neues dazulernen können.

Dass ich diesmal wieder ordentlich Eindruck bei meinem neuen Dominus gemacht hatte, bewies die Tatsache, dass er mir die Küchentür aufhielt, aus der ich dann auch sogleich hinausschwebte. Adios Culina, du elendes Drecksloch! Von nun an warteten nur noch Arbeiten in unmittelbarer Nähe meines Dominus! „Danke Dominus!“ hauchte ich ihm sinnlich entgegen und folgte ihm schließlich.
Thema: cubiculum | Titus Decimus Scapula
Grian

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RE: Titus Decimus Scapula 03.11.2019 23:01 Forum: Casa Decima Mercator


Wieder veränderte der Schönling seine Haltung. Anscheinend hatte ich ihn ein kleines bisschen in seinen Grundfesten erschüttert, als ich ihn wegen Rahel, äh... ich meinte natürlich Rhea, bloßstellte. Mit verschränkten Armen versuchte er immer noch einen auf dicke Hose zu machen. Mit dieser Tour konnte er Timaia vielleicht erschrecken, mich allerdings nicht. „Moment mal! Wie meinst du das denn, wir sind noch nicht so weit gekommen?!“
Auch ich hatte meine Körperhaltung verändert und stemmte nun meine beiden Hände in die Hüften. Wenn der Scherzkeks hier Ärger wollte, dann konnte er den gerne auch bekommen.

Timaia, die gerade auf einem guten Weg gewesen war, sich von ihrem ersten Schock zu erholen, stand nun wieder kurz vor dem nächsten Zusammenbruch. Dieser fremde Sklave konnte auf ein so unbedarftes Mädchen wie Timaia ganz schön einschüchternd wirken. „Alles wird gut, Timaia!“, beruhigte ich sie und widmete mich dann wieder Nereos, der gerade noch so die Kurve bekam und sich nun anbot, uns zu helfen. Gegen so viel Hilfsbereitschaft konnte ich mich natürlich nicht querstellen. Ich räusperte mich und entspannte mich wieder, so dass ich meine Arme wieder sinken ließ. „Na klar! Gerne doch! Oder was meinst du, Timaia?“ Als die Sklavin wieder ihren Namen vernahm, schaute sie ein wenig verängstigt zu mir und meinte dann mach einer Weile nur „Ähä…“ Das arme Ding war echt ein hoffnungsloser Fall.

Nereos machte nun ein paar Schritte im Raum. Ich beobachtete jede seiner Bewegungen. Schließlich wandte er sich an Timaia und gab ihr eine Anweisung, sich schon mal um das leibliche Wohl von Dominus Scapula zu kümmern. Dies war für sie die Chance endlich aus dem Cubiculum zu kommen. Sie nickte stumm und bewegte sich, anfangs etwas hölzern, zur Tür hin und war kurze Zeit später hinter der geschlossenen Tür verschwunden.

Ich atmete erleichtert auf. Timaia war echt speziell. „Hey, das war echt ein toller Zug von dir, sie fortzuschicken! Timaia ist… na ja manchmal ein bisschen… anders“, meinte ich fast schon entschuldigend. Ich grinste doch dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich jetzt alleine mit dem fremden Sklaven im Cubiculum seines Dominus war.
Nereos hatte sich sofort eine Tunika gegriffen und legte sie ziemlich stümperhaft zusammen. Dann reichte er sie mir und lächelte mich an. Oh Mann, was sollte ich denn jetzt davon halten? Sollte ich jetzt die pedantische Haussklavin spielen, die ihm vorhielt, dass er die Tunika nicht akkurat genug zusammengelegt hatte oder sollte ich sein Spielchen mitspielen? Ich entschied mich für Letzteres, wohlweißlich dass Nereos für mich irgendwann noch nützlich sein konnte. Also schmunzelte ich ebenfalls, nahm die Tunika und legte sie achtlos in die Truhe, während meine Augen auf seinen ruhten.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Grian

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RE: Der zweite Kandidat: Tiberius Valerius Flaccus 03.11.2019 17:19 Forum: Roma


Zitat:
Original von Quintilia Valentina


Voller Erwartung hafteten meine Augen an Domina Valentina. Aber wenn ich darauf gehofft hatte, recht zeitnah eine Antwort zu bekommen, dann war ich in dieser Hinsicht schief gewickelt. Gekonnt ignorierte sie mich und hörte stattdessen den Redenschwingern zu. Mich interessierte es nicht die Bohne, was diese Wichtigtuer von sich gaben. Na ja, die einzige Ausnahme war natürlich Dominus Scapula.
Dann kam mir mein eigener Dominus noch in die Quere. Huch, woher kam der denn? Na ganz egal, er hatte es irgendwie doch noch geschafft, zu dem Wettbewerb zu kommen. Nun becircte er seine Verlobte. Doch alldem zum Trotz, wandte sie sich nun doch mir zu. Sie hörte sich an, worum ich sie bat. Allerdings wurde mir bei ihrer Antwort ziemlich schnell klar, wie naiv ich gewesen war. Natürlich gab sie mir nicht ihr Wort, Silas helfen zu wollen. Aber wenigstens wollte sie ihn anhören, wenn er wieder da war. Wenn er denn jemals wieder kommen sollte. Vielleicht war es ja besser, wenn er niemals gefunden wurde. Dann war Silas frei. Vielleicht hatte er es ja in ein fremdes Land geschafft, fernab von Rom, wo niemand ihn je wieder habhaft werden konnte. ‚Ja, Silas, hoffentlich hast du noch ein schönes Leben‘, dachte ich und konnte es nicht verhindern, dass mir eine einzelne Träne über die Backe lief. Boa, jetzt bloß nicht losflennen, ermahnte ich mich. Dann nickte ich Domina Valentina zu und lächelte. Wahrscheinlich hatte sie selbst gemerkt, dass ihre Antwort für mich nicht der Brüller gewesen war. Das war dann wohl auch der Grund, weshalb sie mir eine der letzten Erdbeeren schenkte. „Danke, Domina!“, sagte ich brav, nahm die Erdbeere und biss genüsslich hinein. Wahnsinn, diese Süße… dieser Geschmack! Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Schließlich bekam man nicht alle Tage so etwas Leckeres geschenkt.
Thema: An- / Abwesenheiten
Grian

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28.10.2019 19:45 Forum: Allgemeines


Mich hat´s erwischt. traurig Das Rotznasen-Virus hat mal wieder zugeschlagen!
Thema: Rufos Elysium
Grian

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21.10.2019 07:41 Forum: Allgemeines


Zitat:
Original von Marcus Helvetius Commodus

Und vielleicht ist die Teilnahme an der WiSim das letzte was diese drei ID´s davon abhält das IR komplett zu verlassen und diese drei dann versuchen dort ein halbwegs funktionierendes "Leben" zu simulieren durch Nachfrage usw.


Das ist sehr schade, dass du das so siehst! Letztendlich ist eine Sache (ein Forum) nur so gut, wie die Leute (Spieler), die daran arbeiten (spielen). Jeder Spieler, der hier aktiv mitspielt, ist eine Bereicherung für das Spiel.

Ok, im Spiel kann man nicht besetzte Stellen durch NSCs ausfüllen. Das ist zwar hilfreich aber nicht immer förderlich für den Spielspaß. Besonders gut lässt sich das an der Situation in der WiSim beobachen, in der es momentan an allen Ecken fehlt. Hier gibt es leider keine NSCs, die man mal so aus der Kiste zaubern kann.
Thema: Rufos Elysium
Grian

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20.10.2019 22:06 Forum: Allgemeines


Vielleicht liegt es nur am schnöden Mammon. Solange die ID nicht im Exil ist, kann sie noch an der WiSim teilnehmen. Also, hoch die Tassen! großes Grinsen
Thema: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas
Grian

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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 20.10.2019 20:24 Forum: Roma


Tja, Einohr blieb völlig unbeeindruckt von meinen Herumgebrülle. Er rannte munter weiter und ich konnte sehen, wie ich dem Viech wieder habhaft werden konnte. Auch Silas‘ Strategie schien eher suboptimal aufzugehen. Verdammt, was zum Tartaros war denn verlockender als Speck für so einen Köter?! Diese Viecher waren einfach zu verwöhnt!

Natürlich nahm ich auch meine Beine in die Hand und rannte den Hunden und Silas hinterher. Die Hunde bellten wie wild. Kein Wunder, sie freuten sich, endlich mal frei herumtollen zu können und nicht ständig an der blöden Kette im Hof liegen zu müssen.
Bald konnte ich auch erkennen, warum die Viecher dermaßen aus dem Häuschen waren. Sie waren auf der Jagd und rannten einem Läufer hinterher, der augenscheinlich gerade um sein Leben lief. Mal sehen, wer die größere Ausdauer besaß. Wenn das mal keine gut Trainingsmethode war, dachte ich ein wenig gehässig. Die massigen Hunde waren ihm ganz dicht auf den Fersen. Ob es Fluch oder Segen war, dass er so gut wie nackt war? Es war bestimmt nicht angenehm, wenn es einem solchen Fleischberg auf vier Pfoten gelang, ein Bein seines Opfers zu erhaschen. Ich wusste nicht genau, ob die Hunde abgerichtet waren. Doch eines war mir klar, wenn ein Molosser zubiss, dann ließ er nicht mehr locker.

„EINOHR AUS!!!“, schrie ich ‚meinem‘ Hund hinter. „SOFORT HIER HER, DU BLÖDES VIEH!“ Und dem flüchtenden Athleten: „Keine Sorge, die wollen nur Spielen!“ Hoffentlich! Genau in dem Moment schnappte sich Stumpfnase den Läufer und auch Einohr tat es ihm nach und stürzte sich auf das Opfer. „Oh Scheiße!“, rief ich und sah ängstlich zu Silas hinüber. Entweder fraßen die beiden den armen Kerl nun oder sie schlabberten ihn von Kopf bis Fuß ab. Beides war keine schöne Vorstellung, nur letztere war weniger schmerzhaft.
Thema: culina
Grian

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RE: Kannste was, biste was.... 20.10.2019 17:34 Forum: Casa Decima Mercator


Eile mit Weile! Gemäss diesem Motto, lief ich gemächlich über den Hof, denn ich wusste, ich käme früher wieder in die Culina, als mir lieb sein konnte. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen. Schon gar nicht von Rhea. Ich war zwar noch nicht lange hier, aber das hatte ich sofort gelernt: Leg dich bloß nicht mit Rhea an! Am Ende war man immer der Verlierer.

Zum Glück war es aber nicht Rhea, sondern der Küchengehilfe Philodemos, der aus der Culina gelaufen kam und mich rief. Ich stellte den Mistkübel ab und bat das lange Elend doch selbst die Abfälle zum Stall zu bringen. Klar, dass Philodemos total begeistert war. Aber da ich ihm mit meinen schönen Augen zuzwinkerte, verzichtete er diesmal darauf, sich zu beschweren und kam meiner Bitte nach.

Wie man sich vorstellen konnte, war ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, meinem neuen Dominus zu begegnen. Meine Klamotten waren ziemlich dreckig, ein paar Strähnen meines zurückgesteckten Haars hatten sich selbständig gemacht und hingen nun wahllos herum und in meinem schmutzigen Gesicht standen die Schweißperlen. Naja, wenigstens das Gesicht konnte ich mir schnell waschen. Da drüben stand die Regentonne. Ich lief schnell hin, ließ meine Hände in das kalte Wasser sinken und schöpfte etwas mit meinen Händen heraus, um damit mein Gesicht zu schrubben. Der schlimmste Schmutz war damit beseitigt. Notdürftig richtete ich mein Haar und strich über die Tunika, bevor ich wieder die Küche betrat.

Ich sah mich um und erblickte ihn dann. Er war ja auch kaum zu übersehen. Alle anderen Sklaven sahen ihn andächtig an oder waren einfach nur gespannt, was nun passierte.
Ich trat näher zu ihm heran. er lächelte. Na, wen das kein gutes Zeichen war! vielleicht waren die Tage in der Culina nun gezählt.
„Du wolltest mich sehen, Dominus“, sagte ich mit einer aparten, leicht koketten Stimme. Schließlich wollte ich hier raus. Da musste ich mich so gut es ging verkaufen.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Grian

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RE: Medea – Das Stück ist aus 20.10.2019 15:04 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Faustus Decimus Serapio
Sofort war eine Schar Menschen um uns, ein blonder Jugendlicher, der dem armen Mädchen, Graecina nannte er sie, die Stirn fühlte und nach ihr fragte - "Einfach umgekippt." sagte ich – dann ein brünettes Mädchen, das ebenfalls besorgt nach ihr fragte, die Dame mit dem Schirm, die mich anfuhr, das Mädchen loszulassen... ja, das wollte ich gern, aber fallenlassen war vielleicht nicht die beste Option. Ich beschloss, sie vorsichtig auf der Stufe, auf der sie gesessen hatte, abzulegen, aber bevor ich das in die Tat umsetzen konnte, ward sie schon wiederbelebt, die Augenlider bebten, der Wimpernschleier hob sich von zarten Wangen und mich traf ein verschleierter Blick aus großen blauen Augen.
"Keine Sorge junge Dame." sprach ich im beruhigenden Tonfall für verängstigte Zeugen oder kranke Pferde. "Du warst nur kurz weggetreten."
Kurz stützte ich sie noch am Rücken, bis sie sich wieder gefangen hatte, überließ es ihren Begleitern, sich weiter um sie zu kümmern, und machte erleichtert einen Schritt zurück. Verstohlen rieb ich mir das Kreuz, wo ich ein unangenehmes Ziehen verspürte. Die kleine Nymphe stand hinter mir und schaute ganz elend drein.

Nachdem die erste Aufregung um das Mädchen abgeklungen war, räusperte ich mich, und versuchte es noch einmal mit der Entschuldigung:
"Verzeihung die Damen." sprach ich, wobei ich erst das Mädchen Graecina, dann die Schirm-Dame sittsam anblickte, "Decimus Serapio ist mein Name. Ich möchte euch beide in aller Form für das ungehörige Verhalten, will sagen den schlechten Scherz, den sich meine Sklavin vorhin erlaubt hat, um Entschuldigung bitten. Sie ist noch ganz neu, hat einen, ähm, kruden barbarischen Humor und es tut ihr unendlich leid." behauptete ich. Und auffordernd zischte ich ihr zu: "Nicht wahr, Cynthia?"
Ihre Fähigkeit Zerknirschung zu heucheln hatte ich schon kennenlernen dürfen. Bühne frei.




Ja, ja! Schon gut! Ich hatte es kapiert! So zischend, wie er Cynthia ausgesprochen hatte. Oh Mann, ich hasste diesen Namen! Dominus Serapio bestand darauf, dass ich mich bei den beiden Damen entschuldigte. Das eine Dämchen war ja schon wieder auf dem Damm, obgleich es ihr anscheinend in den Armen des Decimers ganz gut gefiel. Sie faselte irgendwas davon, sie könne kein Blut sehen. Was für ein Blut denn? Die rote Soße etwa, die sie dort unten auf der Bühne herumgespritzt hatten? Waren wir etwa bei einem Gladiatorenkampf, bei dem gerade so armes Würstchen abgestochen wurde?! Wahrscheinlich hatte sie ihre Ohnmacht eh nur vorgetäuscht und Dominus Serapio checkte es einfach nicht!

Der Begleiter der Kleinen, die eben abgetaucht war, sie wollten jetzt langsam gehen! Das war doch eine super Idee! Allerdings ließ sich Dominus Serapio davon nicht wirklich beeindrucken. Nein, er hatte seine helle Freude dran, mir die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben, obwohl ich doch genau das gemacht hatte, was er wollte. Ich war eben sehr kreativ dabei vorgegangen. Er nannte das meinen ‚kruden barbarischen Humor‘. Mal ehrlich, lieber einen kruden barbarischen Humor als ein verschluckter Stock im Arsch! Aber da ich eh schon die A-Karte des Tages gezogen hatte, gehorchte ich und trat vor. Ein schnödes „Tschuldig…“, wollte ich sagen, besann mich dann eines Besseren und räusperte mich. „Ich bitte um Entschuldigung! Äh, vielmals um Entschuldigung! Es war nicht böse gemeint.“ Eigentlich war es genauso gemeint, wie ich es gesagt hatte, weil mich die eine Tante mit ihrem dämlichen Schirm mindestens genauso genervt hatte, wie Dominus Serapio. Aber das durfte ich ja nicht sagen. „Ehrlich! Ich konnte ja nicht wissen, dass Dominus Serapio tatsächlich mal Chef von den Schwarzröcken war!“, sagte ich dann noch zu meiner Verteidigung, ob es ihm passte oder nicht.
Thema: culina
Grian

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RE: Kannste was, biste was.... 20.10.2019 13:14 Forum: Casa Decima Mercator


Nach allem, was ich in meinem bisherigen Leben erlebt hatte, hatte ich keine großen Erwartungen an das, was diesmal nach dem Sklavenmarkt kommen sollte. Meinen neuen Dominus hatte ich nicht so richtig einschätzen können. Er hatte sich komisch verhalten und chaotisch. Aber irgendwas hatte mir gesagt, dass er gut zu mir sein würde. Zu meiner Überraschung hatte ich es diesmal in eine ganz passable Hütte geschafft.
Seitdem ich nun hier war, hatte ich ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nachdem ich mich Gelegenheit bekommen hatte, mich zu waschen und neue Klamotten bekommen hatte, war meine erste Aufgabe gewesen, mich in der Culina zu melden. Rhea, die Vilica, hatte mir eine ganze Latte von Aufgaben zugewiesen, damit ich auch wirklich den ganzen Tag (und darüber hinaus) beschäftigt war. Da Rhea nicht dumm war, hatte sie mich an nichts arbeiten lassen, was später noch jemand essen sollte. Ich durfte mich um die Küchenabfälle kümmern und den Boden wischen. Na toll!
Inzwischen waren ein paar Tage vergangen. Mein Kreuz tat mir weh, die Arbeit kotzte mich an und meine Freude über die tolle Hütte, in der ich nun lebte, war bereits wieder Schall und Rauch. Vielleicht sollte ich irgendwas Blödes machen, damit man mich so schnell wie möglich wieder zum nächsten Sklavenmarkt schleppte.
Philodemos, seines Zeichens langes Elend, Küchenhilfe und Dauernörgler hatte mir gerade einen weiteren Schweineeimer mit Küchenabfällen in die Hand gedrückt, damit ich ihn raus brachte und ihn an die Stallknechte weiterreichte. Ein paar vergammelte Äpfel, Essensreste von gestern sowie Karotten- und Zwiebelschalen befanden sich darin. Ein richtig leckere Mischung, wenn man auf vier krummen Beinen lief und grunzte.

| Philodemus

Keine Minute später nachdem die neue Sklavin mit den Küchenabfällen aus der Küche verschwunden war, schwebte Dominus Casca herein. Frisch rasiert, in seiner feinen Tunika, dem edlen Umhang und dem ihm umgebenden Duft seines Parfums, welches er aufgetragen hatte, glich er einer Lichtgestalt, die in der tristen Eintönigkeit der Culina erstrahlte. Philodemos, der sich gerade über das stumpfe Küchenmesser in seiner Hand ärgerte, sah erstaunt auf und legte sein Küchenwerkzeug beiseite. „Sie bringt gerade die Küchenabfälle nach draußen. Dominus. Wenn du willst, kann ich sie schnell holen.“
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Grian

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RE: Der erste Kandidat - der Decimische Fanblock 18.10.2019 22:44 Forum: Roma


Zitat:
Original von Quintilia Valentina
Auch Valentina war verwundert einen bekannten Namen zu hören. Doch es war niemand aus ihrer näheren Familie. Vielleicht Verwandtschaft vom Land? Auf Serapios Frage schüttelte sie deswegen den Kopf. "Nein, der Name sagt mir überhaupt nichts." Auch wenn sie für jemand anderen jubelte, so würde sich Valentina diesen Redner ganz genau ansehen.
Und neben ihr rief Serapio auch schon eine Wette aus. Sie schmunzelte amüsiert, biss von einer neuen Erdbeere ab und sah sich neugierig um, ob jemand auf diese Wette eingehen würde. Da wurde sie plötzlich angesprochen, von jemandem, von dem sie es überhaupt nicht erwartet hatte. Verwundert, jedoch nicht abweisend, wandte Valentina den Blick in die Richtung von Cascas Sklavin. Seit sie im Haus weilte, hatten sie kaum ein Wort miteinander gewechselt und nun stand sie direkt vor ihr? Abwartend sah die blonde Quintilia die Frau vor sich an, doch dann wurde ihre Aufmerksamkeit unterbrochen, denn der erste Redner trat vor.
Valentina stellte sich ein bisschen auf die Zehenspitzen. Um sicherer Stehen zu können legte sie eine Hand auf Serapios Schulter. Gebannt hörte sie dem Sprecher zu. Wie konnte man nur so viele Worte auf einmal sprechen? Fast trat es in den Hintergrund, dass er nicht der favorisierte Teilnehmer war. Valentina war schlichtweg beeindruckt. Als dann jedoch der Jubel aufbrandete, hielt sie sich dezent zurück. Statt dessen trat sie zurück und wandte sich wieder der Sklavin zu die immer noch neben ihr stand. "Ja?"


Ich wusste sofort, dass es eine große Dummheit war, Domina Valentina anzusprechen. Aber jetzt war es zu spät. Nachdem sie ihren Blick auf mich gerichtet hatte, sah sie mich nur kurz an, um sich dann wieder von mir abzuwenden. Der erste Redner hatte begonnen, seine Rede zu schwingen und erzählte jetzt den Leuten, wie toll doch Rom war. Oh Mann, was für eine Neuigkeit! Mich interessierte das Geschwafel überhaupt nicht. Ich wollte einfach nur dieses ganze Gedöns hinter mich kriegen und dann wieder ab nach Hause gehen.

Eigentlich hätte ich mich jetzt verdünnisieren können. Stattdessen blieb ich schön dort stehen und wartete. Worauf eigentlich? Dass sich die Domina doch herabließ, um mit der Sklavin ihres Verlobten zu plaudern?

Der erste Redner war gerade fertig geworden, als sich die Domina dann doch besann und sich meiner annahm. Vielleicht hätte ich die Wartezeit nutzen sollen, mir zu überlegen, was ich denn eigentlich sagen wollte. Klar ich wollte sie bitten, für Silas ein gutes Wort einzulegen, falls man ihn erwischte. Aber was würde sie denken, wenn ich einfach so drauflosplapperte?
„Ähm, Domina. Ich äh wollte dir nur sagen, äh…“ Dass sie sich keine Sorgen machen müsse, weil ihr Verlobter und ich…äh ziemlich viel Zeit…. oh Scheiße! Was ging mir denn da im gerade im Kopf herum. Wenn ich noch ein Wort sagte, brachte ich mich um Kopf und Kragen. Dann lieber doch um Nachsicht für Silas bitten!

„Domina, bitte entschuldige, wenn ich dich hier anspreche. Aber ich mache mir große Sorgen. Du weiß ja sicher, dass Silas, der junge Mundschenk, einfach verschwunden ist.“ Ich atmete tief ein und wieder aus. „Ich wollte dich nur bitten…. wenn man ihn wieder findet… Könntest du dann ein gutes Wort für ihn einlegen?“ So, jetzt war es raus. Keine Ahnung, wie sie reagieren würde. Wenn Silas Recht hatte, dann würde sie mich jetzt nicht in die Wüste schicken.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Grian

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RE: Medea – Das Stück ist aus 18.10.2019 21:45 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Faustus Decimus Serapio, Iulia Graecina und Matinia Marcella


Es hatte jetzt keinen Sinn, bockig zu sein, denn sonst war die Kacke richtig am Dampfen. Also tappte ich hinter Dominus Serapio her, wenn auch etwas widerwillig. Ich rechnete mit einer ordentlichen Standpauke. Als die beiden Dämchen dann in Sichtweite kam, senkte ich verschämt meinen Blick zu Boden und versuchte, mich hinter dem Dominus zu verstecken, so gut es eben ging. Da ich aber so furchtbar neugierig war, musste ich immer mal verschämt zu den beiden linsen.
Dann blieb er stehen und mir wurde es richtig elend im Bauch. Ich schämte mich so. Was sollte ich den beiden nur sagen? Dass es mir Leid tat und ich mich im Ton vergriffen hatte? Das wäre sicher die vernünftigste Lösung gewesen, allerdings auch die Schwierigste!

Er richtete das Wort an die beiden Damen. Aber dann passierte etwas, womit garantiert alle beteiligten am wenigsten gerechnet hätten. Die eine junge Dame (nicht die mit dem blöden Schirm), kippte doch glatt aus den Latschen, als sie Dominus Serapio sah. Ich fand, dass sie ziemlich blass ausgesehen hatte.
„Daran bin ich aber jetzt nicht schuld!“, murmelte ich hinter Dominus Serapios Rücken, der sofort vorpreschte, um das junge Ding aufzufangen, bevor sie auf den Boden knallte. Nun stand ich da und wirkte ziemlich unbeholfen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, um abzuhauen. Aber natürlich machte ich das nicht, denn sonst hätte ich mir eine neue Bleibe suchen können. Also blieb ich stehen und wartete geduldig ab, die das Dämchen wieder zu sich kam, damit sie und ihre Freundin mir danach ordentlich den Kopf waschen konnten. Zunächst aber musste erst der Ohnmächtigen geholfen werden.

Dominus Serapio hatte offensichtlich nicht mit der Giftigkeit des anderen Dämchens gerechnet, denn die wollte anscheinend gar nichts von einer Entschuldigung hören. Na dann konnten wir ja gehen!
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Grian

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RE: Das Spektakel beginnt - der Decimische Fanblock 15.10.2019 08:47 Forum: Roma


Dominus Serapio schien heute bester Laune zu sein. Doch das änderte sich schlagartig, sobald ich in sein Blickfeld rückte. Zum Glück schien ich gerade nicht von Belang zu sein, denn Dominus Scapula war heute die große Hoffnung der Familie. Also stand ich alleingelassen und traurig so herum. Zumindest fühlte ich mich alleingelassen, denn der einzige (und auch dazu noch der beste!) Freund, den ich hatte, war fort. Wohin, das wusste niemand. Ich fragte mich, ob Dominus Serapio ihn auch zur Strafe Dreck schaufeln lassen würde, so wie mich, wenn man Silas finden sollte. Oder schickte er ihn doch lieber in die Schwefelmienen nach Sizilien? Daran wollte ich erst gar nicht denken, denn das machte mich noch mehr traurig. Da dachte ich lieber an unseren gemeinsamen Spaziergang mit den Hunden zurück und wie er rot geworden war, als ich ihm auf die Backe geküsst hatte.
Was hatte er damals gesagt? Ich müsse mir keine Sorgen mehr machen, denn Domina Valentina könne mich immer retten. Ob sie auch Silas retten konnte, wenn sie ihn fanden? Wieder sah ich zu ihr hinüber. Mittlerweile stand sie bei Dominus Serapio. Ob ich sie mal ansprechen sollte? Vielleicht sogar jetzt?
Angetrieben von meinem Aktionismus, pirschte ich nach vorne, in der Hoffnung, dass mich die kleine Ägypterin nicht in der Luft zerriss. Nein, das tat sie nicht. Sie schaute mich nur mit abschätziger Neugier an, als ich an die Domina herantrat.

Obwohl ich sonst immer eine große Klappe hatte, wusste ich jetzt nicht, was ich sagen sollte. „D-Dominia Valentina? Darf ich… .“ Mehr brachte ich nicht hervor.Ich hoffte nur, dass meine Aktion nicht wieder neuen Ärger hinter sich herzog.
Thema: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas
Grian

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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 14.10.2019 21:57 Forum: Roma


Tja, in meinem recht kurzen Leben hatte ich schon eine ganze Menge erlebt. Nach den nicht so schönen Ereignissen in meiner Kindheit und Jugend, hoffte ich doch, dass nun die besseren Zeiten anbrachen. Dabei fand ich es gar nicht so schlimm, nicht frei zu sein. Denn mal ehrlich gesagt, so eine tolle Hütte, wie ich sie nun hatte, hätte ich mir nie im Leben leisten können, wenn ich frei gewesen wäre. Dennoch steckte mir immer die Angst im Nacken, einen Fehler zu begehen, der für mich, da ich ja nicht frei war, fatale Folgen haben konnte. Das war eben der Nachteil, wenn man auf die Gunst seines Dominus angewiesen war. Als Silas dann erzählte dann, dass die Casa früher noch vornehmer gewesen war, konnte ich mir das gar nicht vorstellen. „Echt?! Na ja, wenn die Chefin des Hauses die Nichte des Kaisers gewesen war…“, dann ging es wahrscheinlich schon. „Und warum wohnt der Consular und seine Frau nicht mehr in der Casa?“, wollte ich dann noch wissen, denn es musste ja irgendeinen Grund dafür geben. Und da sich Silas ja so prima mit allem auskannte, wusste er auch bestimmt eine Antwort darauf.

Natürlich fand er es auch nicht so toll, dass ich in den Cubicula der Herrschaften herumgeschnüffelt hatte. Mittlerweile wusste ich ja selbst, dass es eine ganz dumme Idee gewesen war. Aber was konnte ich denn gegen meine Neugier machen? Als Dominus Serapio angekommen war, hatte ich einen Blick auf seine Sachen werfen können. Danach hatte ich einfach nicht mehr an mich halten können. Und als mir nun Silas erzählte, dass der Dominus ihn einmal mit in den Serapis-Tempel mitgenommen hatte, in dem er die Flügelsonne gesehen hatte, wurde die Sache noch mysteriöser. Natürlich war mir klar, dass der Name des Dominus vom Gott Serapis abgeleitet worden war. Aber nun fragte ich mich, worum es in seinem Kult ging. Doch eine Antwort auf diese Frage bekam ich nicht. Zumindest nicht heute. Denn Silas meinte plötzlich, ich solle mir keine Sorgen machen. Wie er das wohl meinte? Dachte er vielleicht, vom Dominus hätte ich keine Strafe zu erwarten? Wenn er das dachte, dann war er ziemlich naiv. Wobei ich ja noch ziemlich glimpflich davongekommen war. Aber was Silas dann sagte, brachte mich dann doch zum Erstaunen.
„Aha“, meinte ich zu seinem Geheimtipp. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, was ich davon halten sollte. Zwar hatte ich mit Domina Valentina noch nichts zu tun. Aber ich hatte immer den Eindruck, sie sei eifersüchtig auf mich, weil ich die Sklavin ihres Verlobten war. Obwohl es da überhaupt keinen Grund dafür gab. Mein Dominus war so beschäftigt, dass er für mich sowieso keine Zeit hatte.
„Meinst du wirklich?“, fragte ich schließlich, denn wie hätte ich sie überzeugen können, dass es keinen Grund für ihre Befürchtungen gab. Vielleicht sollte ich sie einmal ansprechen. Allerdings war das wohl auch nicht die feine Art, wenn Sklaven einfach so die Herrschaften anquatschten.

Zugegeben, mit meinem Küsschen hatte ich Silas ganz schön aus dem Konzept gebracht. Dabei wollte ich mich doch nur bedanken. Ob ich ihn mochte? Na klar, nach diesem Tag war er auf jeden Fall mein bester Freund, denn einen anderen hatte ich ja nicht. Und ob da mehr war? Das wusste ich selbst nicht so genau, da ich gar nicht so genau wusste, was Liebe ist, denn ich war noch nie richtig verliebt gewesen. Bevor ich noch länger darüber nachdenken konnte, riss mich Silas‘ Geschrei aus dem Moment heraus. Mist! Die Hunde waren weg! Erst jetzt merkte ich auch, dass Einohr sich ebenfalls klammheimlich davongemacht hatte. „Einohr! Wo bist du? Sofort hierher!!!“, schrie ich, aber Einohr ließ sich davon wenig beeindrucken. Ob Silas‘ Speck-Trick Wirkung zeigte?
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Grian

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RE: Das Spektakel beginnt - der Decimische Fanblock 12.10.2019 17:57 Forum: Roma


Zitat:
Original von Faustus Decimus Serapio

… Dass Renenet sie begleitete und offenbar in Valentinas Gunst stand, sah ich gern, da hatte mein Mitbringsel sich wohl gut gemacht. Im Gegensatz zu gewissen Haussklaven in unserer Casa, die auf ganz dünnem Eis gingen. Zum Beispiel Cascas freches Blondchen, das heute auch wieder mit dabei war. Bei ihrem Anblick wurden meine Augen schmal. Über der Fahrt nach Ostia, dem Wirbel um Silas' Verschwinden und den Vorbereitungen meiner heiß ersehnten Jagdpartie in den lucretilischen Bergen, hatte ich doch glatt vergessen, sie für die Blamage im Theater angemessen zu sanktionieren.
Heute. Keinen. Ärger. versuchte mein strenger Blick ihr stumm mitzuteilen. Na mal sehen. ...


Eigentlich hätte ich jetzt ausgelassen sein sollen, wie alle anderen, die heute Morgen die Domus verlassen hatten. Aber von Freude konnte überhaupt keine Rede sein! Immer wieder erwischte ich mich, wie ich in Dominus Serapios Richtung schaute. Sobald er den Blick in meine Richtung wechselte, versuchte ich schnell woanders hinzuschauen. Dummerweise gelang mir das einmal nicht rechtzeitig, so dass sich unsere Blicke unweigerlich treffen mussten. Oh Mann, dieser Blick hätte töten können! Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken, ging aber leider nicht. Wäre ich doch bloß zu Hause geblieben! Ja, ja, ich hatte es begriffen! Heute keinen Ärger machen. Ich wollte mir ja Mühe geben!
Nein, heute hatte ich definitiv keinen Spaß! Das lag nicht alleine nur an Dominus Serapio´s strengen Blick. Ich war auch wegen Silas seit Tagen ziemlich durch den Wind. Dieser dumme Kerl! Wieso war er nur abgehauen? Er hatte sich doch so auf diesen Ausflug nach Ostia mit Dominus Serapio gefreut!

Zitat:
Original von Quintilia Valentina

Verlegen aß Valentina den Rest der Erdbeere und folgte dann Serapios Blick. Er sah zu Cascas Sklavin. Valentina hatte noch nicht viele Berührungspunkte mit ihr. Es war nicht einmal Absicht, auch wenn sie ein seltsames Gefühl befiel, jedes Mal wenn sie die blonde Frau sah. Sie war jung und sie war hübsch. Und sie gehörte Casca, was bedeutete, dass sie sich viel in seiner Gegenwart aufhielt, wenn er in der Casa war. Valentina vertraute Casca und doch war selbst sie nicht frei vom unschönen Gefühl der Eifersucht. Da war es ihr ganz recht, wenn sie mit Serapio unterwegs war. Auch wenn sie keine Ahnung über deren Verfehlungen in letzter Zeit hatte. Irgend etwas musste vorgefallen sein, Serapios Blick sprach Bände. Doch jetzt und hier war nicht der passende Ort nachzufragen.


Tja, und dann war da noch Domina Valentina, die es Dominus Serapio nachmachte und mich nun auch anschaute, als wäre ich ein Fremdkörper, der hier nicht hingehörte. Dabei hatte ich mit ihr doch noch gar nichts zu tun. Was konnte ich dafür, dass Dominus Casca mich gekauft hatte?
Schließlich starrte ich zu Boden, weil ich merkte, wie die Tränen in mir aufsteigen wollten. Verdammt, Silas hatte es doch richtig gemacht! Er hatte die Faxen dicke und war einfach abgehauen. Vielleicht sollte ich das auch machen.

Inzwischen hatte der dicke Mann auf der Tribüne zu reden begonnen. Jetzt ging es also gleich los. Mir war das mittlerweile ziemlich Schnuppe. Doch ich versuchte, mich einfach zu entspannen und den Decimer und die Quintilia beiseite zu schieben, auch wenn das schwerlich möglich war. Also wischte ich mir etwaige Tränen ab und zog meine Nase hoch.
Jetzt merkte ich auch, dass es hier um gar kein Rennen, sondern um Dichtkunst und Reden schwingen ging. Mir blieb auch nichts erspart! Was hatten mir die Blödies in der Domus nur erzählt?! Na egal, ob rennen oder reden, Hauptsache ein Wettstreit! Und einen tollen Preis gab es auch noch. Ein Stück Land irgendwo in JWD (janz weit draußen). Besser als gar nix, sagte ich da nur.
Schließlich fiel mein Blick auch auf die Kaiserin, als der Ansager sie begrüßte. „Hoch lebe sie!“, rief ich brav, damit man mir nichts vorwerfen konnte. Denn eigentlich kannte ich sie ja gar nicht.
Thema: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas
Grian

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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 12.10.2019 07:44 Forum: Roma


Ich sah Silas fragend an und wunderte mich ein wenig, als er meinte, er würde auch gerne was Tolles können. Tat er das nicht schon bereits? Er hatte einen festen Platz, an dem er bleiben konnte, eine Familie, die ihn liebte und eine Aufgabe, in der er mit der Zeit noch weiter wachsen konnte, so dass sein Dominus mit ihm voll zufrieden sein konnte. „Du kannst doch schon viele tolle Sachen! Und du wirst garantiert noch mehr dazulernen mit der Zeit.“ Wie das allerdings bei mir aussah und überhaupt, wie lange ich noch Zeit hatte, stand in den Sternen. Der Gedanke an den Sklavenmarkt hing immer wie ein Damoklesschwert über mir. Wahrscheinlich ging auch deshalb immer alles schief.

„Ja, ich wurde schon ziemlich oft verkauft. Und ich kann dir sagen, es ist echt ein mieses Gefühl, dort oben stehen zu müssen. Das Schlimmste ist dann, wenn du bei so einem miesen Drecksack oder einem Totalversager landest, der dich schlägt, weil er die Wahrheit über sich nicht vertragen kann.“ Oh ja, ich hatte schon sehr viele Facetten der Gattung Mensch kennenlernen dürfen. Ein paar weniger, wären auch ausreichend gewesen. „Mein erster Dominus war eigentlich ganz nett gewesen. Er lebte mit seiner Frau und seinen Kindern in Colonia Agrippinensum in Germanien und hatte es im Laufe seines Lebens zu etwas gebracht. Ich war für ihn wie ein weiteres eigenes Kind. Ich durfte sogar mit seinen Kindern Lesen und Schreiben lernen und ich bekam immer reichlich. Dumm nur, dass er so ein paar krumme Geschäfte am Laufen gehabt hatte, von denen nicht mal seine Frau wusste und er dann richtigen Ärger mit der Obrigkeit kriegte.“ Dumm für mich, denn was dann kam, war alles andere als Schön. „Danach wurde ich an einen fahrenden Händler verhökert, der den Leuten eine selbstgebraute Wundermedizin andrehte. Klar, es war toll, mit ihm so durch die Lande zu tingeln. Aber als ich seinen Kunden erzählte, wofür sie in Wirklichkeit ihr Geld ausgegeben hatten, wurde er richtig sauer.“ Der Typ hatte mir das richtig übel genommen. besonders dann, als er unter Androhung von Waffengewalt aus einem norischen Kaff hinauskomplimentiert wurde. „Na ja, was danach kam, war auch nicht viel besser. Eher schlechter. Als ich so ungefähr dreizehn oder vierzehn war, wollte mir mein damaliger Dominus an die Wäsche. Ich hab mich gewährt. Dabei ist dann dummerweise eine Kanne zu Bruch gegangen, die ich ihm über den Schädel gezogen hatte. Schade nur, dass der Dreckskerl nicht auch den Löffel abgeben hatte. Mein lieber Schwan, danach hatte ich was erleben können!“ Ein paar meiner Narben auf meinem Rücken rührten davon her. Ich hätte ihm sicher noch stundenlang von meinen zweifelhaften Begegnungen mit meinen zahlreichen Vorbesitzern erzählen können, aber das hätte Silas sicher irgendwann gelangweilt. Zumal das alles Schnee von gestern und vorgestern war. „Aber jetzt kannst du dir sicher vorstellen, wie froh ich bin, bei den Decimern gelandet zu sein. In so‘ nem vornehmen Haus war ich vorher noch nie. Und klar, Dominus Casca und Dominus Serapio sind tausendmal besser als die ganzen Vollpfosten, denen ich vorher gehört habe. Doch genau darin liegt das Problem, denn manchmal mach ich richtig dumme Sachen. Bei Dominus Serapio zum Beispiel. Letztens im Theater hab ich was ganz Dummes gesagt und damit zwei fremde Damen erschreckt. Seitdem bin ich, glaube ich, bei ihm unten durch. So ein bisschen jedenfalls. Na ja, und als wir uns kennenlernten, hab ich auch was Blödes gemacht. Ich hatte mich in sein Cubiculum geschlichen, weil mich das Zeugs so interessierte, was bei ihm so rumsteht. Aber ich hab nichts geklaut! Ehrlich!“, betonte ich.
Ob Silas auch schon mal in Dominus Serapios Cubiculum war? Wenn ja, konnte er sicher verstehen, was mich dorthin getrieben hatte. „Hast du schon mal ´ne geflügelte Sonne gesehen? Warte mal, wie hieß das gleich nochmal? Orisis-Serapio, oder so.“ Diese Truhe und die Einlegearbeit darauf, die ich bei ihm entdeckt hatte, ließen mich noch immer nicht los. Außerdem hatte mir Dominus Serapio noch immer nicht diese Geschichte erzählt. Würde er wahrscheinlich auch nicht mehr, nachdem, was im Theater gelaufen war. Hätte ich mich nur so verhalten, wie Silas, dann stünde ich noch immer in seiner Gunst!

Als der Junge mir von Dominus Serapios Versprechen erzählte, lächelte ich anerkennend. Das war schon eine tolle Sache! „Ja, ich denke, er kann auch voll nett sein. Nur wenn man sich so dämlich benimmt, wie ich, dann eben nicht!“ Auf jeden Fall freute ich mich für Silas, denn er würde es nicht bei dem Decimer verkacken, so wie ich es getan hatte. Wenn es jemand verdient hatte, für etwas belohnt zu werden, dann Silas! Er war richtig nett und lieb. Wie sehr er sich Mühe gab, mich zu trösten. Schade, dass er noch so jung war! Aber das hielt mich nicht davon ab, ihm meine Dankbarkeit zu zeigen. „Weißt du was? Du bist echt süß!“, sagte ich, trat auf ihn zu und küsste ihn auf die Backe.
Thema: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas
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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 09.10.2019 20:41 Forum: Roma


Ja, ich war auch traurig! Nicht umsonst versuchte ich so wenig wie möglich an damals zu denken, als ich noch meine Eltern hatte und alles noch gut war. Aber es gab einfach Dinge, die man nie vergisst, ganz egal, wie lange sie schon her waren. Der Tag, an dem Papa mir einen Welpen mitgebracht hatte zum Beispiel. Der Tag, an dem Mama mit mir geschimpft hatte und ich vor lauter Wut davongelaufen war oder der Tag, an dem mir unsere Nachbarin sagte, meine Eltern seien bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Tag an dem mich fremde Männer gepackt hatten und mich aus unserem Haus gezerrt hatten, nachdem sie mir gesagt hatten, es sei nicht mehr unser Haus und ich müsse die Schulden meines Vaters begleichen. Mist, jetzt kam das alles wieder hoch und auch der Schmerz, der mein Inneres ergriff und meine Augen feucht werden ließ.

„Ja, bin ich“, sagte ich knapp mit belegter Stimme und versuchte nicht wieder loszuheulen. „Wir hatten einen Hof in der Nähe von Augustonemetum in Gallien. Aber das ist schon so lange her.“ Nur noch spärlich konnte ich mich an die wilde Landschaft erinnern und an die grünen Berge. Immer wenn ich nachts weinend auf meinem Lager gelegen hatte als ich noch jünger war, versuchte ich die Bilder in meinem Kopf wachzuhalten. Doch allmählich begannen meine Erinnerungen zu verblassen.

Silas‘ Einwurf brachte mich dann wieder aus meinen Gedanken zurück. Ja, das stimmte wohl, was er da sagte. Das hatte ich schon an meinem ersten Tag begriffen, das Dominus Casca ein guter Dominus war. Deswegen war ich ja auch immer so bemüht, nicht unangenehm aufzufallen. Nur schaffte ich es einfach nicht. Immer wieder scheiterte ich an mir selbst. Vielleicht weil mich nie jemand an die Hand genommen hatte und sich um mich gekümmert hatte und weil ich nie wirklich etwas Richtiges gelernt hatte.

„Ich würde auch gerne mal so was Tolles machen können“, warf ich plötzlich ein, als er so anerkennend von seiner Schwester sprach. „Aber alles, was ich anfange, geht schief. Und irgendwann passiert dann das, was bisher jedes Mal passiert ist, wenn ich zu viel Murks gemacht habe: Ab zum Sklavenmarkt!“ Das letzte Wort untermalte ich mit einer passenden Handbewegung – Daumen nach unten. „Mich wundert es echt, dass man mich noch dahin zurück verfrachtet hat, nach allem, was ich mir mit Dominus Serapio geleistet hab.“ Bestimmt hatte Silas davon gehört. Wahrscheinlich hatte es sich schon überall herumgesprochen. Genauso wie die blöde Sache mit dem blöden Philomenus.

Anscheinend hatte ich mich geradewegs bereits zum nächsten Fettnäpfchen aufgemacht, als ich mich nach Silas‘ Beziehungsstatus erkundigt hatte. Das Thema war ihm sichtlich unangenehm, so rot wie er plötzlich wurde. Und natürlich hatte er nichts Festes. Wahrscheinlich hätte er auch nichts erzählt, wenn es anders gewesen wäre. Da war es nur fair, dass er mir dieselbe Frage stellte. „Och, bei mir ist es genauso. Ich hab nix am Laufen. Oder meinst du, ich fang mit was mit dem Volldepp Philodemus was an?“
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RE: Molosserspaziergang - Einohr, Stumpfnase und Reißzahn mit Grian und Silas 08.10.2019 08:16 Forum: Roma


Auch Einohr zog nicht minder an seiner Leine. Die Schnauze hielt er knapp über dem Boden gestreckt und begann zu schnüffeln. Es schien so, als habe er eine Witterung aufgenommen. Vielleicht war an der Stelle kurz zuvor ein Kaninchen entlang gehoppelt oder eine Maus lang getippelt. Aber vielleicht suchte er sich auch nur die passende Stelle, um sein Geschäft zu verrichten, was er dann auch prompt tat. Ich hielt notgedrungen an, um auf den Hund zu warten, während Silas schon ein Stück weiter gezogen wurde.

„Paulinus, aha!“, meinte ich dann, was ja auch logisch war. Schließlich war er ja auch Stallbursche. Einohr hatte sich wieder in Bewegung gesetzt, so dass ich Silas bald wieder einholen konnte. Diesmal war es Reißzahn, die schnüffelte und zu graben begann. Ich zog an Einohrs Leine, um ihm zu signalisieren, dass er kurz stehenbleiben sollte, denn ich wollte nicht, dass meine Unterhaltung mit Silas abbrach.
„Also dann hilfst du Paulinus nur mal gelegentlich aus, weil er dein Kumpel ist. Verstehe.“ Na klar, wenn seine Hauptaufgabe nur die des Mundschenks war, dann hatte er doch jede Menge „freie Zeit“, die er mit anderen Arbeiten füllte. Anscheinend kam er dabei nicht auf so dumme Ideen, wie ich sie gelegentlich hatte.
Ich erwiderte sein Lächeln und musste leise kichern, als ich sein Erröten bemerkte. Anscheinend hatte er noch nicht so viel Erfahrung mit Mädchen oder überhaupt mit Frauen. Mal abgesehen von seinen Schwestern. Aber das war ja auch etwas völlig anderes.

„Deine Mama hat vollkommen Recht!“, antwortete ich, denn ich merkte, wie es ihm peinlich war, über seine Mama zu sprechen. „Sei froh, dass du noch eine hast! Eine Mama, meine ich.“ Es lag ein wenig Wehmut in meiner Stimme. Zwar konnte ich mich kaum noch an meine Eltern erinnern, doch ich wusste genau, wie es war, wenn man auf sich allein gestellt war.

„Na ja, ein bisschen kenne ich mich mit ihnen aus. Mein Papa hatte auch welche. Zur Jagd.“ Es war bestimmt eine gefühlte Ewigkeit her, seit ich meinen Vater Papa genannt hatte. „Damals war ich noch klein. Ich habe oft mit den Hunden gespielt. Ja und später war ich bei einem Dominus, der auch Hunde hatte.“ Die hatte er genauso schlecht behandelt, wie mich. Manchmal hatte ich mich mit ihnen um das Essen streiten müssen. Zum Glück waren diese Zeiten längst vorbei!

„Ach na ja, eigentlich soll ich mich um meinen Dominus kümmern. Du weißt schon, sein Cubiculum sauber halten, mich um seine Wäsche kümmern und seinen Bedürfnissen entsprechen.“ Was das auch immer heißen sollte. „Aber du hast sicher schon selbst gemerkt, dass er in letzter Zeit kaum zu Hause ist.“ Also hatte ich auch jede Menge ‚freie Zeit‘, die meist Rhea zu füllen wusste.

„Und, hast du schon eine Freundin?“ Ein so hübscher Kerl wie Silas konnte sich garantiert kaum vor den Mädels retten. Ich dachte gar nicht daran, dass ihm meine Frage vielleicht peinlich sein könnte. Dummerweise sprach ich eben immer alles laut aus, was ich dachte, ohne vorher nachzudenken. Auch so ein Fehler von mir.
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