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Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Manius Flavius Gracchus

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RE: Der sechste Kandidat: Philo von Amastris 10.11.2019 20:36 Forum: Roma


Äußerliche stoisch saß Gracchus auf der Tribüne der Richter, doch in seinem Innersten erfreute er sich wieder und wieder an den Reden, welche auf der Rostra dargeboten wurde. Die jungen Talente Roms überboten sich an Lobpreisung, ebenso wie an Finesse und Tiefgang ihrer Reden. Kurzum - der Flavier hatte größtes Vergnügen an diesem Tage, welches bereitwillig alles andere ihn vergessen ließ, und schärfte vor dem letzten Redner er noch einmal seine Aufmerksamkeit. Dass mit einem Male eine Frau sich auf der Rostra präsentierte, wurde ihm erst gewahr als sie ihre Stimme erhob und er nicht nur den Worten, sondern auch ihrer Präsenz Beachtung bot. Ein wenig derangiert blickt er nach rechts und nach links, insbesondere auch zur Augusta hin. Wer hatte dies erlaubt, wer hatte die Frau zugelassen? Immerhin begann sie mit einer durchaus passablen Rede, dass er einen Augenblick fasziniert war von ihrer Redegewandtheit, abgelenkt war von Ihrer Person und beinahe vergaß, dass ihr Auftritt nicht statthaft war. Sodann jedoch wandelte sich ihre Ansprache, mit einem Male sprach regelrechter Zorn aus ihr und sie begann Rom und seine Bewohner zu beleidigen. Noch immer verwirrt blickte der Flavier zu Calpetanus, denn jener war durchaus bekannt dafür, sich seine eigenen Scherze im Ablauf des Programmes zu erlauben, doch dieser stand nur mit staunend, offenem Mund und weit geöffneten Augen vor dem Aufgang zur Rednertribüne. Wie eine Flutwelle schwappte die Anklage der Frau über die versammelte Menge hinweg, welche gebannt zu ihr empor starrte und nicht recht zu wissen schien, wie dieser Beitrag einzuordnen sei. Erst als sie begann die Götter zu verunglimpfen, ging ein Ruck durch Gracchus. Wer auch immer sich dies hatte ausgedacht, dies war zu viel des Guten!
"Calpetanus, beende diese Rede"
, zischte er diesem zu. Doch der dicke maitre de plaisir blickte noch immer wie ein Schaf zum Schlachter und rührte sich keinen Fingerbreit.
"Calpetanus!"
Auch unter den Zuschauern begann sich Entsetzen und Unmut zu regen, und als Philotima die gesamte Menge verdammte, schlug Gracchus mit der Faust auf den schmalen Tisch vor den Richtern und erhob sich.
"Genug!"
donnerte er, doch Philotima ließ sich nicht beirren, erhob ihre Stimme weiter und brandete an gegen alle Widrigkeiten. Hilfesuchend blickte der Flavier sich um, ein solcher Zwischenfall war nicht vorgesehen, und darob auch keine Vorbereitungen dafür getroffen. Zwei Soldaten indes standen hinter der kleinen Tribüne der Richter, um die Prominenz darauf zu schützen, die Gracchus nun anherrschte:
"Holt diese Verrückte ver..dammt noch eins von der Bühne! Sofort!"
Aufgebracht drehte er sich um zurück zur Rostra, wo nun Worte über den HERRN fielen, Worte, welche in Gracchus das Blut der Rage in Wallung brachten, mehr noch als jede Beleidigung Roms.
Thema: Ihr Kinderlein kommet ...
Manius Flavius Gracchus

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RE: Ihr Kinderlein kommet ... 09.11.2019 16:52 Forum: Villa Flavia Felix


Flavius Gracchus war dieser Tage, respektive seit er aus den Montes Lucretili alleine war zurückgekehrt, gänzlich neben sich. In jeder noch so kleinen Handlung wurde ihm beständig gewahr, wie sehr er sich stets auf Sciurus hatte verlassen können, welcher oft noch vor ihm selbst hatte gewusst, was er als nächstes hatte tun wollen. Kein Sklave war ihm nun gut genug, ein jeder nur ungenügend, so dass es im flavischen Haushalt lauter war als gewöhnlich und eine Spannung vorherrschte, welcher die übrigen Bewohner suchten auszuweichen. Hinzu kam, dass Ali, der maior domus, rasch die frei gewordene Position des Sklaventreibers übernahm, und die Verfehlungen, welche der Hausherr den unfähigen Sklaven beständig verargte, in dessen bisweilen von Furor durchzogenen Sinne maßregelte. Gracchus selbst schwankte beständig zwischen Gram über den Verlust, Rage über den Verrat, Schuld ob seiner Tat, Jähzorn über die Dreistigkeit, Zweifel ob der Beweggründe. Das Dräuen des Fluches aus vergangenen Tagen hatte sich wieder über ihn gelegt, in jedem Schatten konnte er seinen Leibsklaven entdecken, vermisste und verfemte ihn zugleich, schrak aus argen Träumen empor und weinte sich zurück in den Schlaf, da kein Sciurus kam, ihn zu trösten. Nach einer solch grausamen Nacht hatte er bereits den Tonsor geohrfeigt und dem Frühstückssklaven eine Schüssel hinterhergeworfen, dass der junge Phoebus vollkommen eingeschüchtert war, als er Gracchus den Brief des Tisander überbrachte und vorlesen musste.
"Zwei Kinder!"
lachte der Flavier indes nur erleichtert und sprang auf.
"Ich werde sofort zu meiner Gemahlin reisen! Lasse alles vorbereiten!"
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 09.11.2019 16:41 Forum: Italia


Den restlichen Tage verbrachten sie gemütlich in ihrem kleinen Nest, erst später wagten sie sich wieder hinaus in den milden Nachmittag, als Armastan mit den Lebensmitteln zurückkehrte. Sie sandten den Custos hinab in die Schlucht, doch außer einer blutigen Spur auf den Felsen am Wasser konnte er nichts entdecken. Sciurus' Leichnam war von den kühlen Wogen des Flusses verschluckt worden. Gracchus war durchaus erleichtert über diese Tatsache, entband ihn dies doch von der Entscheidung, was mit dem toten Körper zu tun sei - hatte doch einerseits Sciurus schweren Verrat geübt, für welchen es keine Entschuldigung gab, doch andererseits hätte es ihn durchaus belastet, dem langjährig treuen Sklaven die Bestattung zu verweigern. Gleichwohl würde auf diese Weise auch die notwendige Erklärung über den Verbleib des Sklaven zurück in Rom eine einfachere sein - er war schlichtweg abgestürzt in die Schlucht und im reißenden Flusse versunken, denn auch hier hätte die Wahrheit viel zu viele Fragen aufgeworfen, und zu viele Erklärungen über Hintergründe, welche besser im Verborgenen blieben, eingefordert. Befreit indes von all solchen Entscheidungen - wenn auch in Gracchus' Falle nicht von unterschwellig brodelnden Gefühlen - widmeten die beiden Liebenden unter der leisen Anweisung Serapios sich der Zubereitung eines Abendessens und begannen für den nächsten Tage des Aufbruchs ein wenig ihr Gepäck zusammenzupacken. Während der Flavier die Bedeutsamkeit Sciurus' Verlustes den Tag über hatte von sich geschoben, wurde ihm erstmalig zum Abend hin gewahr, wie essentiell der Sklaven für sein Leben gewesen war, als es ihm unmöglich schien seine Güter in die vorhandenen Taschen zu verpacken. Glücklicherweise war Serapio darin geübt, Reisegepäck auf den Rücken eines Pferdes zu lasten, und gemeinsam konnten sie durchaus über die Situation lachen. Der Schlaf indes bis zum nächsten Morgen war unruhig, auf beiden Seiten - auf der einen ob der Geschehnisse eines vergangenen Lebens, auf der anderen ob der Geschehnisse des vergangenen Tages.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Manius Flavius Gracchus

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Der sechste Kandidat: Philo von Amastris 09.11.2019 12:47 Forum: Roma


| Calpetanus

Calpetanus trat zu Norius Carbo und nickte ihm freundlich zu. Sein Beitrag hatte sich auf jeden Fall von den anderen abgegrenzt.
"Applaus für Norius Carbo! Auch dir vielen Dank für deine Rede!"

Der letzte Beitrag kam ebenfalls von einem Peregrinus, dass es noch einmal spannend würde werden, wie dieser Rom würde würdigen.
"Beinahe sind wir am Ende der Reden angelangt, aber nur beinahe. Denn noch erwartet uns der letzte Kandidat! Dafür, dass er so lange ausharren musste, einen extra Applaus für Philo von Amastris!"
Thema: [Forum Boarium] Templum Mercuri
Manius Flavius Gracchus

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RE: Ein Fall für Zwei 04.11.2019 19:55 Forum: Templa Urbis


"Das ist überaus erfreulich zu hören"
, erwiderte der Flavier.
"Überaus erfreulich."
Die Bekräftigung des Aedituus, dass viel geopfert wurde, konnte einerseits bedeuten, dass er Tagen mit wenigen Spenden keine Beachtung schenkte, oder aber es war dies ein Indiz dafür, dass die Kasse stets gut gefüllt war und die Ausreißer in den Tageseinnahmen daher tatsächlich willkürlicher Natur waren. Es reizte Gracchus dem Didier schlichtweg die Frage zu stellen, ob sonstig etwas auffällig war, doch würde dies ihrer Taktik zuwiderlaufen.
"Wir würden uns gerne ein wenig umsehen, könntest du uns die Nebenräume zeigen? Sofern du uns öffnest, können wir diese, und hernach den Vorplatz und die Cella beguta'hten, ohne dich weiter von deinen Pflichten fernzuhalten."
Dies bedeutete selbstredend, dass sie für etwaige Fragen erst einmal nur noch wenig Zeit hatten. Doch Gracchus wollte sich die Nebenräume gerne ansehen ohne das Beisein des Aedituus, um sie auf etwaige verräterische Spuren zu untersuchen. Gleichwohl würde der Didius ohnehin auch hernach noch am Tempel für Fragen zur Verfügung stehen.
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 03.11.2019 10:02 Forum: Italia


"Wir müssen dich zur Hütte bringen"
, schaffte Gracchus es halbwegs sich einen Plan zu überlegen, was zu tun sei. Bis auf den Bürgerkrieg hatte er keinerlei Erfahrung mit den Folgen von Gewalt, und auch damals schon war er dem hilflos gegenüber gestanden. Er stützte Serapio und ließ diesen die Geschwindigkeit bestimmen, rief von weitem schon nach dem Custos, der einzigen Hilfe, welche im Umkreis zu erwarten war. Glücklicherweise hatte Serapio in seinem Leben bereits weitaus schlimmeres erlebt und war bald in der Lage, leise Anweisung zu geben, was ihm Linderung verschaffte. Obgleich Gracchus am liebsten noch am gleichen Tage zurück geritten und den Geliebten in die fachkundigen Hände eines Medicus hätte übergeben, konnte Serapio ihn davon abbringen und die Reise auf den nächsten Morgen vertagen, was der Flavier nur deswegen akzeptierte, da dem Decimer nicht wohl war in seiner Verfassung allzu schnell auf ein Pferd zu steigen. Einzig Armastan sandten sie nach Tibur, um einige Kräuter und Lebensmittel für den Abend zu besorgen, denn auch an eine Jagd war nicht mehr zu denken.
"Ich kann es noch immer nicht fassen"
, räumte Gracchus schlussendlich ein als sie in der Hütte ein wenig Ruhe fanden, in einem provisorischen Lager, das er aus Fellen, Kissen und Decken vor dem Kamin hatte aufgeschichtet. Faustus lag in seinem Arm und war noch immer schweigsam, um seine Kehle zu schonen. Gracchus indes flüchtete um so mehr in Worte, um die dräuende Stille zu vertreiben.
"Sciurus war ... mehr Teil meiner selbst als mein eigener Schatten. Stets konnte ich mich auf ihn ver..lassen, ihm vertrauen. Ich ... ich hätte ... ich habe ihm alles anvertraut. Alles."
Resigniert, ein wenig verloren dazu blickte er in die Flammen.
"Wie konnte er nur mich derart hintergehen? Nicht auszu..denken, hätte er seinen Plan in die Tat umgesetzt! Wie konnte er nur annehmen, dein Tod ... dies... dies würde mich nicht tan..gieren!"
Allein die Vorstellung derangierte ihn erneut derart, dass er noch näher an Serapio heran rückte und das Thema suchte von sich zu schieben, gleichsam aber auch keine Stille mochte aufkommen und damit den Gedanken freien Lauf zu lassen.
"Faustus? Ich möchte nicht, dass du annimmst, ich sei ho'hmütig"
, schnitt er jenes Thema an, das ihn seit ihrem Streit am Morgen schon umtrieb. Hochmut war die Umkehr einer Tugend, und obgleich es Gracchus im Laufe seines Lebens durchaus bisweilen schwer gefallen war, alle Tugenden in sich zu vereinen, so mühte er sich doch, nicht in ihr Gegenteil zu verfallen.
"Dies sei zugestanden, es mag einiges geben, das ich nicht selbst auf mich nehme, schli'htweg da es nie notwendig war, es dafür andere gibt, welche es gelernt haben und deren Dasein es ist, während es das meine nicht ist. Doch letztlich ist es doch bei dir nicht anders, nicht wahr, es gibt Dinge, die du selbst tust, und solche, welche du ausführen lässt."
Er begann über Serapios Schopf zu streichen, vermied jedoch die Nähe seines Nackens, an welchem das Würgemal sich dunkel abzeichnete.
"Schuhe indes ..."
Ein Seufzen echappierte seiner Kehle.
"Einige Jahre bevor wir uns kennenlernten"
, deutlich noch erinnerte Gracchus sich an diesen bezaubernden Hephaistion, welchem er damals wie heute verfallen war,
"hätten die Parzen mich beinahe ins Elysium gesandt. Ich ... war sehr schwach danach, wie gefangen in meinem Leibe, und es dauerte lange bis dass meine Kraft zurückkehrte, gleichwohl meine Rechte mir lange noch ihren Dienst ver..sagte. Ich lernte mit der Linken zu agieren, und mit viel Geduld und Mühewaltung nach Jahren die Rechte wieder zu nutzen. Doch ... das Aufbringen übermäßiger Kraft, aber auch diffizile Fingerübungen enervieren mich auch heute noch und ... nun, das Binden von Knoten und Verschließen kleiner Schnallen gehören zu jenen Dingen, gegenüber welchen ich schli'htweg irgendwann kapitulierte. Aus diesen Grunde lasse ich meine Sandalen noch immer schnüren und ... zugegeben gebe ich wohl eher dem Anschein von Hochmut den Vorzug gegenüber dem Eingeständnis der Schwäche."
Gleichwohl seine Vergangenheit kein Geheimnis war, so würde ein Senator und Pontifex Roms, welcher eine halbe Ewigkeit nach dem Thermenbesuch an seinen Sandalen herumnestelte, zweifelsohne eher für Belustigung oder Gerüchte sorgen als für Verständnis.
"Dass ich selten mehr schreibe als meine Unterschrift ist dem ebenso geschuldet."
Zwar hatte Gracchus gelernt mit der Linken zu schreiben, doch war seine Schrift derart krakelig und unansehnlich, dass er sie keinem Auge mochte zumuten.
"In deinem Falle jedoch möchte ich nicht dem Hochmut Vorzug geben, sondern der Wahrheit - auch auf die Gefahr hin, dass vor deine strahlende Sonne sich graufarbene Wolken schieben. Doch auch die Sonne kann nicht stets nur brennen ohne dass die Welt darunter würde leiden."
Er drehte sich zur Seite und suchte mit seinen Lippen Serapios Wange.
"Und mit Ver..laub, ich wollte ohnehin nie eine Sonne sein, ich möchte bei dir sein auf dem Boden der Welt, Teil deiner Welt. So war es und ... daran hat sich nichts geändert."
Thema: [Forum Boarium] Templum Mercuri
Manius Flavius Gracchus

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RE: Ein Fall für Zwei 03.11.2019 09:15 Forum: Templa Urbis


Selbstredend hatte Curiatianus ihm den Namen des zuständigen Priesters im Tempel des Mars genannt, doch hatte Gracchus bei der Nennung kein Bild mit diesem verbinden können. Als der Aedituus auf sie zutrat wurde indes auch er sich dessen gewahr, dass er ihm bekannt war, gleichwohl er in diesem Augenblicke dies schlichtweg auf diverse kultische Angelegenheiten schob, welche jeden Aedituus ab und an zu den Pontifices führten.
"Salve, Aedituus Didius! Dies ist Pontifex minor Valerius Flaccus, wir kommen zu einer Beguta'htung des Tempels. Befinden sich Gebäude und Ausstattung in gutem Zustand, mangelt es an irgendetwas? Du weißt, wir sind bemüht stets auch Kleinigkeiten auszubessern, dass es den Göttern an nichts mangeln soll."
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Manius Flavius Gracchus

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Der fünfte Kandidat: 03.11.2019 08:57 Forum: Roma


| Calpetanus

Noch während die Zuschauer applaudierten zog sich Calpetanus am Geländer der Treppe wieder auf die Rostra und verschnaufte nur kurz.
"Dieser Applaus gebührt dir, Titus Decimus Scapula! Vielen Dank für deine Rede!"

Der Wettbewerb war näher an seinem Ende denn seinem Beginn, doch noch erwarteten die Menge zwei weitere Beiträge, welche das Potential hatten die bisherigen Favoriten der Richter, aber auch der Menge auf die hinteren Plätze zurückzuweisen.
"Als nächster Kandidat, werte Zuhörer, erwartet euch Norius Carbo! Einen donnernden Applaus für den Mann aus dem Norden!"
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 27.10.2019 13:48 Forum: Italia


Mit einem Male waren Sciurus' Augen verschwunden. Sciurus war verschwunden. Ein Ruck durchzog Gracchus' Leib, er drehte sich hektisch um nach Serapio.
"Faustus!"
Mit wenigen Schritten war er bei seinem Geliebten und schlang seine Arme um ihn.
"Faustus! Geht es dir gut? Bei allen Göttern, ich hatte sol'he Angst um dich! Er ... er wollte dich umbringen! Ich ... ich hatte solche Angst, dich erneut zu ver..lieren!"
Er konnte seine Worte nicht unterbinden, sie flossen aus ihm heraus als können nur seine Worte die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen.
"Bitte ver..zeih mir, Faustus! Ich war so ein Narr! Ich liebe dich, Faustus! Ich liebe dich mit allem, mit deiner Ver..gangenheit und Zukunft, mit deinen Vorzügen und Unzulängli'hkeiten, mit allen Eigenheiten, in Perfektion oder ohne, mit salzigem Puls, so wie du bist, und ich will mich ändern für dich, meine Welt ver..lassen, deine Welt aufsaugen in mich, gleich ob es hinauf oder hinab, oder nur einen Schritt zur Seite geht. Bitte, bitte verzeih mir, lasse mich zu dir emporschauen, carbunculus meus, zum Firmament deiner miramanillianten Welt, lasse mich daran teil..haben, an dir und deinem Leben teilhaben."
Er zitterte am ganzen Leib und hielt Faustus fest umschlungen, aus Furcht jener könne sich in jedem Moment auflösen. Was mit Sciurus geschehen war kümmerte ihn nicht einen Augenblick.
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 27.10.2019 08:02 Forum: Italia


Einige Herzschläge lang blickte Gracchus Sciurus derangiert an. Seinen Sciurus. Seinen Sciurus? Der die Absicht hatte Faustus zu töten. Etwas fügte sich nicht recht ein in dieses Bild. Etwas. Passte. Nicht. Die Welt zerfiel in die Disharmonie einer mephistischen Kakophonie. Rot. Rotfarben tönend zerbarst ein Funken, entzündete die Glut des flavischen Ingrimms, welcher aus Gracchus' tiefstem Innersten sich emporfraß in Bruchteilen eines Wimpernschlages, seinen Leib zu umfassen, seinen Geist und sein Herz. Faustus, schlug es in seinen Ohren, Faus-tus hämmerte sein Herz, FAUSTUS hallte es von allen Wänden seines Gedankengebäudes wider.
"Lasse - ihn - sofort - los!"
knurrte er unwirsch und trat auf den Sklaven zu. In seinem Blickfeld gab es nur noch Faustus, der um sein Leben bangte, Faustus und das Ungeheuer, welches sein Leben verschlingen wollte. Gracchus' Leben. Seine Seele. Seine Herz. Er registrierte kaum, das Serapio die Ablenkung des Sklaven nutzte, um seinen Daumen nochmals mit einem Aufbäumen an Kraft fest in Sciurus' Auge zu drücken, dass mit einem Male Blut daraus rann, der Sklave aufschrie, einen Augenblick die Kontrolle verlor und der Decimer sich aus seinem Griff konnte entwinden. Noch ehedem Sciurus seinen nächsten Zug konnte ausführen war Gracchus bei ihm und fixierte ihn aus zornig lodernden Augen.
"Du schlangenzüngiger Typhon! Brut der Echidna! Ich habe dir alles anver..traut, alles! Wie kannst du es wagen, mich derart zu hintergehen!?"
Mit einer Wucht, welche weder der Sklave, noch sein Herr bei vollem Verstande je hätten erwartet, schlug er seinen Leibsklaven ins Gesicht, dass dieser einen Schritt zurück trat. Voll Ingrimm, zornentbrannt setzte der Flavier ihm nach und stieß ihn gegen die Brust, brüllte ihm seine Rage entgegen.
"Er ist kein Bauerntrampel! Er ist ein Heros! Er ist mein Hephaistion, mein Meleagros! Teil meiner Seele!"
Von der Wucht des Stoßes strauchelte Sciurus weiter zurück und verlor mit einem Male den Halt, als unter ihm die Steine am Rand der Schlucht wegbrachen. Innerhalb eines Herzschlages rutschte der Sklave ab und konnte sich nur noch mäßig halten an dürrem Wurzelwerk und Geröll. Das eine Auge blutunterlaufen und bereits zuschwellend blickte er noch aus dem gesunden zu Gracchus empor, doch dieser sah nicht mehr die klare, erfrischende Luft an einem Wintermorgen darin, nicht die Spiegelung eines hellen Himmels auf ruhigem Wasser, nicht die zarte Verlockung unumstößlicher Sicherheit - er sah nur noch das grauenvolle Monstrum darin und tat keinen Schritt.
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 26.10.2019 20:51 Forum: Italia


Wie von Serapio gewünscht, so glaubte er, hatte Gracchus sich ein wenig von der Hütte entfernt bis zu dem runden Felsblock am Wegesrand. Vor wenigen Tagen noch, bei ihrer Ankunft, hatten sie hier gescherzt, dass der Wald so üppig war, dass sogar die Felsen dick und rund wurden. Welch heitere Stimmung war dies gewesen, beinahe das vollkommene Gegenteil der jetzigen. Als der Flavier dort angelangte, war sein Gemüt bereits ein wenig abgekühlt, einem wehmütigen Bedauern des allmählich bewusstwerdenden Verlustes gewichen, und als er den Weg die Steigung hinauf zurück antrat, war Gracchus längst mehr als reumütig. War er hochmütig? Abgehoben? Nicht mit Bedacht, doch wie war seine Wirkung? Weshalb glaubte Serapio, dass er auf ihn hinabblickte, gleichwohl er ihn doch anhimmelte, ihn in alle Höhen der Lobpreisung wollte erheben? Zugegeben, dass ein Sklave ihm stets die Sandalen schnürte mochte von außen gesehen ein wenig übertrieben erscheinen, doch dass es ausgerechnet auf Faustus derart befremdlich wirkte, wäre ihm nicht in den Sinn gelangt. Und weshalb traf Serapio es so sehr, wenn er einen völlig versalzenen Puls ablehnte? Als er wieder an der Hütte war angelangt, war er bereits überzeugt, dass er Serapios Entschuldigung zwar würde annehmen - schlussendlich war zumindest auch dessen Wortwahl unangebracht gewesen -, doch seine eigene direkt würde folgen lassen. Die Hütte jedoch war leer. Nur Serapios Custos saß vor der Türe und schichtete Holzzweige.
"Wo ist Faustus?"
fragte er den Leibwächter, und es waren die ersten Worte, welche er je an ihn richtete. "Den Weg entlang zum Aussichtspunkt über die Schlucht", antwortete der Sklave. Gracchus linke Braue hob sich, doch er vermutete dass dies allfällig zu seiner Überraschung mochte gehören, und schlug daher jenen Weg ein. Schon vor den Storaxbäumen konnte er Sciurus' Stimme vernehmen, ohne jedoch Worte zu verstehen. Als er auf das kleine Plateau trat, stockte ihm der Atem.
"Sciurus!"
rief er erschrocken.
"Was ... was soll das?"
Hatte etwa Serapio seinen Sklaven aus Eifersucht angegriffen und dieser ihn überwältigt?
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Manius Flavius Gracchus

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Der vierte Kandidat: Titus Decimus Scapula 23.10.2019 19:38 Forum: Roma


| Calpetanus

"Vielen Dank, Servius Quintilius Luscus, dies ist dein Applaus!"
drängte Calpetanus sich wieder in den Vordergrund der Rednerbühne, ließ dem Redner jedoch noch seinen gebührenden Applaus, ehedem er ihm bestätigend zunickte und zur Treppe hinab wies.

Sodann wandte er sich wieder dem Publikum zu.
"Das war schon die Hälfte unser Kandidaten! Oder erst? Wie auch immer, hochverehrtes Publikum, ihr sollt nicht lange warten, denn es geht schon weiter mit unserem nächsten Redner: Titus Decimus Scapula! Bühne frei und Applaus auch für ihn!"
Thema: [Forum Boarium] Templum Mercuri
Manius Flavius Gracchus

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Ein Fall für Zwei 23.10.2019 19:26 Forum: Templa Urbis


Der Weg aus der Regia bis zum Forum Boarium hin war nicht allzu weit, und ob der sie begleitenden calatores war es nicht allzu schwierig für den Pontifex und den Pontifex Minor sich durch das geschäftige Treiben der Stadt zu bewegen.
"Ich möchte dich bitten, dich keinesfalls mit taktischen Ermittlungsfragen zurückzu..halten. Ich schätze, wir sind beide keine Experten in diesem Gebiet, darob wird es opportun sein, all unsere Kräfte zu bündeln"
, ermutigte Gracchus den Pontifex minor kurz bevor sie den Tempel erreichten und sich nach dem Aedituus umsahen.
Thema: Officium | Klingende Münzen
Manius Flavius Gracchus

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RE: Officium | Klingende Münzen 23.10.2019 19:25 Forum: Regia des Cultus Deorum


Der Flavier schürzte die Lippen und sann einen Augenblick nach.
"Eine Tabula für Notizen, sonstig wohl nichts. Wir werden uns von dem zuständigen Aedituus alles zeigen lassen. Bei dieser Art Inspektion geht es zumeist nur darum sich einen Überblick über den allgemeinen Zustand des Tempels zu ver..schaffen, wiewohl den Aeditui zu zeigen, dass dem Cultus auch Kleinigkeiten am Herzen liegen."
In Friedenszeiten war es schlussendlich besonders wichtig, dass staatliche Gebäude in vollem Glanze erstrahlten, schürte anderweitiges doch oft allzu schnell Gerüchte über eine marode Finanzlage des Reiches. Bisweilen evozierte dies in Gracchus das Gefühl, je geringer die Probleme der Menschen, desto gewaltiger ihre Entrüstung und ihr Gewese ob dieser. Doch dies war ein philosophischer Gedanke für einen Tag mit geringeren Problemen als ein potentieller Diebstahl. Gracchus erhob sich.
"So lasse uns denn zur Tat schreiten."
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 23.10.2019 19:10 Forum: Italia


Was zu viel war, war zu viel. Und diese haltlosen Unterstellungen waren zu viel. Dass Serapio keine Argumente mehr konnte vorbringen und das Schlachtfeld zurückweichend verließ, bestätigte für Gracchus nur die Haltlosigkeit. Mit einem
"Pah!"
drehte der Flavier sich beleidigt um und schnappten sich den Latrineneimer.
"Ich brauche unverseu'hte Luft"
, erklärte er sich mit zynischemTonfalle niemand bestimmtem - denn gegenteilig Serapios Ansicht tangierten ihn die Sklaven in gleichem Maße wie der Schuh selbst -, und stapfte in Richtung Latrine hinfort.
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 21.10.2019 17:36 Forum: Italia


Die wutentbrannte Stimmung Serapios evozierte wiederum in Gracchus um so mehr Zorn.
"Oh, selbstredend, es geht immer nur um die Vo..rzüge unseres Lebensstils! Ein anständiges Frühstück und ein Sklave, der die Sandalen schnürt - was für ein königli'hes Leben! Abgehoben bin ich also! Du hast doch nicht den Schimmer einer Ahnung wie tief unten meine Welt liegt und welch Ent..behrungen und Mühewaltung sie ein Leben lang einfordert!"
Auch Gracchus fuhr empor, um mit dem Kontrahenten auf Augenhöhe zu bleiben.
"Ich glaubte, du wärst anders, würdest mich sehen, doch auch du siehst nur die Vor..züge, die schönen Masken und den glitzernden Tand meiner Herkunft, wirfst mit Plattitüden um dich und am Ende wirst du zer..fressen von Neid! Und genau dies ist der Grund, warum unsere Welten getrennt bleiben sollten!"
Er unterstrich dies mit einen Schlag seiner Faust auf den Tisch.
"Was für eine wahnwitzige Idee diese ganze Jagdpartie, was habe ich mir nur dabei geda'ht, dem zuzustimmen - dies war doch von Beginn ein hoffnungsloses Unter..fangen!"
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 20.10.2019 16:13 Forum: Italia


Gracchus' linke Braue hob sich empor in einer Weise, welche von deutlichem Missfallen kündete.
"Immerzu? Was soll das bedeuten, immerzu?"
fragte er unwirsch, unmittelbar in eine Abwehr verfallend, welche er über Jahre hinweg sich aus dem Konflikt mit seinem Vater hatte bewahrt. Immerhin ging es hier nur um einen versalzenen Brei.
"Ein halbwegs wohlschmeckendes Frühstück ist wohl nicht zu viel ver..langt! Aber allfällig hast du zu viel Zeit zwischen Sand und Fels verbracht, um dir noch einen adäquaten Anspru'h an das Leben zu bewahren. Verzeih, wenn ich nicht geneigt bin, mich auf den staubigen Boden hinabzu..lassen!"
Seine Stirn kräuselte sich einen Augenblick, dann setzte er nach, die Schultern straffend.
"Nein, verzeih nicht, denn sich einen Anspru'h an das Menschsein zu bewahren bedingt keine Verzeihung! Mir ist sehr wohl vieles gut genug, doch zu..mindest akzeptabel sollte es dafür sein!"
Thema: Officium | Klingende Münzen
Manius Flavius Gracchus

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RE: Officium | Klingende Münzen 20.10.2019 16:07 Forum: Regia des Cultus Deorum


Während Valerius sprach, hob sich Gracchus' linke Hand und er begann seine Unterlippe damit zu kneten. Fasziniert folgte er dem Gedanken der Tunnel und sah einem Moment lang vor seinem inneren Auge eine Gruppe zwergenhafter Gallier, welche mit Schaufeln und Hacken sich einen Tunnel unter dem Quirinal hindurch in die Villa Flavia gruben. Er würde unbedingt den Maior Domus anweisen müssen, die Kellerräume und Hypokausten regelmäßig zu kontrollieren nach etwaigen Durchbrüchen. Unter dem Forum Boarium indes schien ihm die Gefahr ein wenig geringer, der Grundwasserspiegel war ob des nahen Tibers knapp unter dem Boden, sodass ein Tunnel durch das Erdreich nur schwierig bestand würde haben. Indes schloss er diese Möglichkeit nicht aus, was wusste er schon von kriminellen Machenschaften? Den Boden im Keller des Tempels zu kontrollieren würde nicht schaden.
"Nun"
, setzte er sodann an und ließ seine Hand sinken.
"Wenn es einen Dieb gibt, so ist es unabdingbar ihn zu fassen. Wir dürfen nicht tolerieren, dass jemand sich an den Schätzen des Staates bedient, denn hierbei geht es nicht nur um die Reputation des Cultus Deorum. Es geht um Re'ht und Gesetz in Rom."
Dies nicht nachzuverfolgen und aufzuklären könnte hinwieder durchaus auf den Cultus Deorum zurückfallen.
"Den Täter zu alarmieren und allfällig damit niemals zu identifizieren ist daher keine Option. Darob stimme ich dir zu, wir sollten eine klandestine Ermittlung vorerst bevorzugen."
Zumindest bis sie sicher waren, dass dies nicht bloßer Zufall war, und bestenfalls bereits wussten, ob der Dieb innerhalb oder außerhalb des Cultus zu finden war, mochte der Flavier noch keine Spezialisten für Ermittlungen hinzuziehen.
"Zuvörderst sollten wir schlicht den Tempel in Augenschein nehmen. Wir können eine un..angekündigte Routineinspektion durchführen, vordergründig um den baulichen Zustand zu begutachten. Dies ist nicht allzu ungewöhnlich. Dabei können wir uns unauffällig umsehen nach etwaigen Tunneln, Spuren eines Einbruches, welche nur demjenigen ins Auge fallen, der danach sucht, oder sonstigen Ungereimtheiten."
Zwar war sich Gracchus durchaus gewiss, dass er kein Spezialist für solche Art Untersuchungen war - abgesehen davon, dass er alle Ausgaben von 'Sklave Gaius ist der Beste' gelesen hatte, und somit zumindest theoretische Kenntnisse besaß -, doch sich ein wenig umzusehen konnte nicht schaden.
"Weiters könnten wir ein kleines Opfer vollziehen, im Laufe dessen eine größere Summe gegeben wird. Wir könnten am nächsten Morgen na'hprüfen, ob mindestens diese Summe ihren Weg in die Regia gefunden hat."
Thema: Montes Lucretili – Omnia vincit Amor(?) – Szenen einer Jagdpartie
Manius Flavius Gracchus

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RE: Tag 4 – Nur die Berge waren Zeuge 19.10.2019 21:32 Forum: Italia


Genüsslich brummend drehte Gracchus sich auf den Rücken und blinzelte in den güldenen Morgen hinein.
"Könnte nur jeder Tag mit einem Kuss Hephaistions beginnen"
, murmelte er und ergab sich schicksalsergeben dem morgendlichen Beilager. Ein wenig besorgte ihn, ob er diese körperliche Leistungsbereitschaft noch lange würde aufrecht erhalten können, doch derzeit schien einzig die Anwesenheit Serapios alle Zweifel zu beseitigen. Nachdem sie beide wach waren, voller Euphorie und Tatendrang, und auch Gracchus gewaschen - selbstredend hatte Sciurus das Wasser über dem Feuer erwärmt -, nahmen sie zum Frühstück Platz, welches Serapio als besonders mit Liebe garniert hatte angepriesen. Der Tag kündete von mildem Wetter und herrlichem Sonnenschein.
"Heute werden wir zweifelsohne einen prächtigen Hirschen erlegen!"
sprach der Flavier und griff enthusiastisch zu seinem Löffel als wäre dies die Waffe seiner Wahl. Er nahm einen großen Bissen Puls - und spie ihn wieder aus, kaum dass sein Gaumen mit dem Getreidebrei in Berührung kam.
"Uäh!"
verlieh er seinem Ekel Ausdruck, das Antlitz zu einer Grimasse verzogen.
"Was für ein ungunstiöses Gemisch!"
Er suchte den salzigen Geschmack mit einem Schluck Wasser hinfort zu spülen, spie dies aber lieber auf den Boden aus als es zu schlucken, und schüttelte sich.
"Wahrhaft degoutant! Ver..zeih, aber als Koch würdest du nicht viel taugen."
Gleichwohl der Puls mehr als versalzen war sprach Gracchus durchaus im Scherz. Kochen gehörte schlussendlich ohnehin nicht zu den angemessenen Aufgaben eines Römers ihres Standes.
"Allfällig sollten wir Sciurus wieder die Frühstückszubereitung überlassen ..."
Der Sklave stand abwartend neben der Hütte, keine Regung auf seinem Antlitz zeigend, doch wer ihn kannte - was kaum jemand tat außer sein Herr, der keine Acht darauf hatte - mochte ein winziges Lächeln auf seinen Lippen entdecken.
Thema: Officium | Klingende Münzen
Manius Flavius Gracchus

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RE: Officium | Klingende Münzen 19.10.2019 08:49 Forum: Regia des Cultus Deorum


Gracchus wartete bis der Pontifex minor den Raum betreten und der Kultbeamte hinter ihm die Türe geschlossen hatte.
"Salve, Valerius. Bitte, nimm Platz. Wir haben hier eine ... delikate Angelegenheit, welche in diesem Sinne vorerst äußerst vertrauli'h behandelt werden muss."
Gracchus wies auf die Tabulae, die auf dem Tisch ausgebreitet waren.
"Wie du weißt obliegt es Curiatianus die Einnahmen aus den Tempelspenden des Stadtgebietes zu verwalten. Curiatianus, bitte erläutere deine Entdeckung."
Der Sekretär nickte, wies auf drei der Wachstafeln und schob sie näher zu Flaccus.
"In der letzten Woche gab es mehrere Tage hintereinander einen auffällig geringen Betrag an Geldspenden im Tempel des Mercurius am Forum Boarium. Vielleicht wäre mir dies nicht einmal aufgefallen, hätte es in den Wochen zuvor nicht schon einmal ein paar einzelne Tage gegeben, an denen es genau in diesem Tempel sehr geringe Einnahmen gab. Für die letzte Woche sprechen wir hier von Beträgen im Bereich von vielleicht zehn Prozent der durchschnittlichen Tagessumme. Natürlich gibt es immer Schwankungen bei den Spenden, mal mehr und mal weniger. Im Tempel des Mercurius gibt es vorallem kurz vor den Wahlen signifikant höhere Einnahmen, wenn die Kandidaten Mercurius um Redegewandtheit bitten, oder im Frühjahr wenn sich viele Händler auf ihre Reisen begeben. Und in manchen Tempeln schwankt der Durchschnitt je nach Monat. Extrem geringe Beträge dagegen sind selten, vor allem an hintereinander folgenden, ganz gewöhnlichen Tagen. Ich habe natürlich auch den Kalender überprüft, an den Tagen mit den auffällig niedrigen Einnahmen gab es nichts besonderes."
Da der Valerius nicht aus den unteren Rängen des Cultus Deorum aufgestiegen, sondern direkt in das Collegium aufgenommen worden war, setzte Gracchus zu einer Erklärung über das Prozedere der Verwendung der Opfergaben an
"Der Aedituus eines Tempels sammelt die Münzspenden und Wertgegen..stände über den Tag hinweg regelmäßig ein, wie auch die übrigen Opfergaben regelmäßig aus der Cella abgeräumt werden."
In den größeren Tempeln gab es bisweilen in den steinernen Altären Schlitze, durch welche Münzen direkt in die Keller darunter fielen, doch dies war in dem betroffenen Tempel nicht der Fall.
"Die Gaben werden im Keller des Tempels oder einem Raum in einem Nebengebäude aufbewahrt, der fest verschlossen ist, die Münzen zudem in einer verschlossenen Kassentruhe. Nur der Aedituus hat zu beidem den Schlüssel, ein weiterer ist in der Regia aufbewahrt. Die ver..derblichen Gaben werden später vergraben, die essbaren verteilt. Am Abend, wenn die Tempel geschlossen sind, werden die Geldspenden und Wertgegenstände eingesammelt. Pro Stadtteil sind dafür zwei Kultbeamte zuständig, stets die gleichen, die geleitet werden von zwei calatores und einem bewaffneten Mitglied der Stadtwa'he."
Die Stadt hatte immerhin ein großes Interesse an diesen Geldern, floss doch nur ein Teil davon direkt in den Cultus Deorum, ein weitaus größerer jedoch in die Kassen des Staates.
"Sie leeren die Kasse, notieren per Tempel den Betrag, sowie Art und Anzahl der Wertgegenstände, und bringen diese und die Münzen zur weiteren Verwaltung in die Regia. Die Akten werden hier am nächsten Morgen von Curiatianus bearbeitet."
Ein Seufzen echappierte Gracchus.
"Du siehst also, Valerius, es gibt viele Augenblicke, in denen ein Betrag abhanden kommen könnte, sofern es nicht doch alles nur Zufall ist. Ein Dieb könnte Münzen noch aus der Cella ent..wenden, oder aus dem Aufbewahrungsraum, allfällig gar mit einem nachgebildeten Schlüssel. Der Aedituus könnte Münzen unterschlagen, oder die Beamten, welche das Geld einsammeln. Insbesondere die beiden letzteren Mögli'hkeiten wären überaus ... delikat für den Cultus Deorum."
Er ließ dies kurz wirken. Interne Zwischenfälle brachten stets die Gefahr von Zwist und Misstrauen - intern, sowie extern -, da oft mit einem Male ein jeder dazu tendierte, die Ausnahme als Regel zu vermuten.
"Welches Vorgehen würdest du vorschlagen?"
Selbstredend hatte Gracchus bereits eine Idee, doch wollte er zuerst sich anhören, was der Pontifex minor anempfehlen würde.
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