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Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 16.10.2019 22:16 Forum: Panem et Circenses


Nun ja, den Skythen in einem Ludus trainieren zu lassen zeugte sicher mehr von artgerechter Haltung, als ihn in der Villa dahinvegetieren zu lassen. Und da meine neue Bekanntschaft auch in dieser Richtung Beziehungen unterhielt, war es schon eine Überlegung wert, das Angebot des Iuliers in Erwägung zu ziehen. „Nun ich werde über dein Angebot nachdenken und es dich dann wissen lassen, wenn ich mich positiv entschieden habe.“ Wenn ich mich nicht irrte wohnten die Iulier ebenfalls auf dem Esquilinius, nicht weit weg von der Villa Claudia.

Auch mit meiner Vermutung hatte ich richtig gelegen. Iulius war ein ehrgeiziger Vertreter seiner Familie, der noch viel vorhatte. Nichts Geringeres als Consul wollte er werden. Mit einer guten Ausdauer und den richtigen Beziehungen konnte sein Wunsch in einigen Jahren wahrwerden. Natürlich zeigte ich mich beeindruckt, ob solcher Ambitionen. „Dann hast du noch viel vor! Möge Fortuna dir dabei gewogen sein!“
Die meisten meiner männlichen Verwandten hatten sich mehr oder weniger erfolgreich der Politik zugewandt. So auch mein eigener Vater, der Rom in jungen Jahren den Rücken gekehrt hatte und sich zusammen mit meiner Mutter nach Eleusis zurückgezogen hatte. Dafür konnte ich und auch mein Bruder nur dankbar sein, da wir eine erfüllte Kindheit erleben durften.
„Sagen wir es einmal so, es wird von ihnen erwartet. Würde mein Bruder noch unter den Lebenden weilen, hätte er sicher auch den Cursus Honorum beschritten.“ Ja, das wäre ganz nach Maecenas‘ Ansinnen gewesen. Und wieder war sie wieder da, diese Traurigkeit um den Verlust des Bruders. Doch dann wurde meine Aufmerksamkeit auf das junge Mädchen gelenkt, die den Iulius begleitet hatte. Ich sah gerade noch, wie sie niedersank und in letzter Minute von einer starken männlichen Hand aufgefangen.
„Oh, sieh nur! Was ist denn da passiert? Gehört die junge Dame nicht zu dir?“, fragte ich besorgt, um die Aufmerksam des Iuliers auf das Mädchen zu lenken. Womöglich bedurfte sie seiner Hilfe.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Claudia Agrippina

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RE: Der erste Kandidat: Gaius Iulius Caesoninus 15.10.2019 22:43 Forum: Roma


Während der Nomenclator mich über die anwesende bessere Gesellschaft Roms aufklärte, ließ ich meinen Blick über den mit Menschen gefüllten Platz gleiten. So konnte ich die jeweiligen Gesichter mit den erhaltenen Auskünften verbinden. Im Grunde war es viel zu viel an Informationen, die ich so erhielt. Wahrscheinlich vergas ich auch das meiste wieder nach kurzer Zeit. Jedoch war dies eine kurzweilige Beschäftigung, um den Beginn des Wettstreits damit zu überbrücken.

Doch dieser ließ nicht lange auf sich warten. Die gestellte Aufgabe war nach meinem Ermessen eine Leichte. Eine Lobpreisung auf Roma war doch für jeden gewandten Redner eine dankbare Aufgabe, die problemlos zu bewerkstelligen war.
Der Ausrufer gab die Reihenfolge der Redner statt. Bis auf den ersten Namen sagten mir die anderen überhaupt nichts. „Gaius Iulius Caesoninius, der Name kommt mir bekannt vor. Wo habe ich ihn nur schon einmal gehört?,“ raunte ich zu meinen Sklaven. Creton, der aus 99% Muskeln und 1% Hirn bestand, sah mich fragend an. Wahrscheinlich hatte er nicht einmal verstanden, worum es hier eigentlich ging. Der Nomenclator, nennen wir ihn an dieser Stelle Hermocles, begann sogleich mir alles Wissenswerte über den Iulius ins Ohr zu flüstern, jedoch beantwortete dies nicht meine Frage. Eleni allerdings, die stets aufmerksam darüber wachte, mit wem ich verkehrte, wusste die Antwort sofort. „Erinnerst du dich nicht? Der goldene Mann?! Im Theater?!“ Ja natürlich! Jetzt fiel es mir wieder ein. Mein Sitznachbar, der mich förmlich überschüttete hatte mit Komplimenten und den Eleni für den ‚goldenen Mann‘ aus der Prophezeiung einer alten Wahrsagerin aus Achaia hielt. „Ach ja richtig. Ich erinnere mich wieder.“ Nun denn, dann gab es ja doch einen Kandidaten, für den man jubeln konnte. Was natürlich nicht hieß, dass nicht auch die anderen Redner Applaus verdienten.

Etwas weiter weg von meinem Platz begann man bereits Wetten abzuschließen, wer denn der Gewinner werden mochte. Zu gerne hätte ich dagegen gehalten, doch ich wusste, was sich gehörte.

Kurze Zeit später erschien dann auch der Iulier auf der Rostra und begann mit seiner Lobpreisung auf die ewige Stadt. Wie zu erwarten war, strotzte seine Rede nur so von Patriotismus und von der Glorie Roms, der Bezwingerin der Völker. Selbstredend durften auch nicht die Errungenschaften unserer Kultur fehlen, die wir den unterworfenen Barbaren gebracht hatten und von denen sie nun profitieren konnten.
Für meinen Geschmack war es eine gute Rede und daher bekundete ich dies mit klatschen und einen „Bravo!“ Dass der Iulier gut und viel reden konnte, hatte er mir ja bereits im Theater offenbart. Nun war abzuwarten, wie die Preisrichter entscheiden würden. Das Publikum jedenfalls schien sich bereits entschieden zu haben.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 12.10.2019 09:50 Forum: Panem et Circenses


Mein Plan war aufgegangen! Ich hatte den Iulier davon abbringen können, mich nicht weiter zu becircen, bevor ihm womöglich die Schmeicheleien ausgegangen wären. Sogleich war seine Aufmerksamkeit auf den mächtigen Skythen gelenkt. Ob er ihn auch noch ‚mein Dickerchen‘ tituliert hätte, wenn er ihm nächtens in einer einsamen Gasse begegnet wäre? Wohl kaum!
Natürlich hatte sein Äußeres enorm Eindruck geschunden. Männer waren einfach so berechnend. Entweder waren es Wagenrennern oder Gladiatorenkämpfe, mit denen man ihre Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Das war bei meinem verstorbenen Gatten nicht anders gewesen. Freilich hätte er es mir nie erlaubt, mir einen solchen Hünen anzuschaffen, obgleich ich für diese Art Mann nicht das Geringste übrig hatte. Bei Onatas, meinem früheren Custos, der leider von mir gegangen war, war das anders gewesen. Er war gebildet und ich hatte mich gut mit ihm nächtelang unterhalten können. Zweifelsfrei hatte Aquilius, mein verstorbener Gatte, ihn und seine sonstigen Fähigkeiten gänzlich unterschätzt.

Iulius schien ein pragmatischer Mensch zu sein, der mir sofort einen Vorschlag unterbreitete, wie ich Creton denn sonst noch, möglichst in der ihm vertrauten Umgebung, einsetzen konnte. In der Arena brachte er mit Sicherheit einen guten Batzen Geld ein, denn jeder Ludus würde sich die Finger nach einem wie ihm lecken. „Nun ja, das wäre sicher eine gute Idee. Zumal ihm scheinbar etwas Abwechslung fehlt. Vielleicht sollte ich ihn zumindest dort trainieren lassen. Dann könnte er hin und wieder auch einige Kämpfe bestreiten.“ So wie ich ihn nach dieser kurzen Zeit unserer Bekanntschaft einschätzte, hatte er die Wahlkampfzeiten wohl sicher nicht ganz uneigennützig erwähnt. Hatte er sich nicht bereits als Tresvir Capitales bei mir vorgestellt? Es stand mit hoher Wahrscheinlichkeit außer Frage, dass er den Cursus Honorum noch weiter beschreiten wollte, wie es die meisten jungen Männer Roms taten, die es sich leisten konnten.
„Darf ich davon ausgehen, dass du dich für ein weiteres Amt bewerben wirst?“, fragte ich schließlich, obgleich ich von einer positiven Antwort bereits ausging.

Apropos ausging, als ich kurz meinen Blick zur Bühne richtete, fing ich die letzten, doch sehr drastisch inszenierten Szenen des Stückes ein. Ein Rausch von Blut offenbarte sich mir und den anderen Zuschauern dort unten. Nun ja, ich hatte nichts gegen Blut, schon gar nicht gegen Theaterblut, jedoch fand ich die Umsetzung doch recht derb und stupide. „Einfach nur widerlich!“, kommentierte ich das Gesehene und wandte mich noch einmal meiner neuen Bekanntschaft zu.
Thema: Der Wettstreit der Rhetoren - die Rückkehr der Redenschwinger
Claudia Agrippina

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RE: Das Spektakel beginnt 09.10.2019 15:22 Forum: Roma


Eine claudische Sänfte, die von vier nubischen Trägern, so schwarz wie Ebenholz, getragen wurde, näherte sich dem Forum Romanum. Die schwitzenden Träger hatten schon auf dem Weg hierher große Mühe gehabt, sich einen Weg durch die überfüllten Gassen zu bahnen. Mein verspätetes Eintreffen war diesem Umstand geschuldet. Doch nun, da es schier aussichtslos war, auf dem noch überfüllteren Forum auch nur noch einen Schritt vorwärts zu kommen, ließ ich die Träger anhalten. So stellten sie die Sänfte an Ort und Stelle ab, so dass ich kurze Zeit später aus ihr entsteigen konnte.
Meine Eleni richtete schnell und fachmännisch meine Kleidung und auch Creton waltete seines Amtes. Wieder einmal stellte ich erfreut fest, dass sich mein neuer Custos bezahlt machte. Es genügte nur ein grimmiger Blick und schon machten mir die Leute Platz, so dass ich noch etwas weiter nach vorne gelangen konnte. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass ich für diese Veranstaltung die Villa verlassen hatte. Schließlich war mein Onkel einer der beiden Juroren, die den Wettstreit der Rhetoren entscheiden sollten.

Gerade noch rechtzeitig, als der Ausrufer die Tribüne betrat und einige Fanfarenstöße den Beginn des Wettstreits ankündigten, hatte ich mit meinem kleinen Gefolge einen recht akzeptablen Platz ergattert. Mein skythischer Hüne achtete derweil darauf, dass mir niemand zu nahe kam oder sonst etwas Böswilliges in meiner Gegenwart im Schilde führte.

Wie es bei solchen Veranstaltungen üblich war, unterrichtete Calpetanus, der Ausrufer die Menge davon, wer der Initiator des Wettstreits war und welcher Preis den glücklichen Gewinner erwartete.
Natürlich durfte keinesfalls die Gegenwart der Augusta unerwähnt bleiben, da sie als Ehrengast fungierte. Spätestens jetzt begann die Menge zu jubeln.
Es lag bereits eine gewisse Spannung in der Luft, so wollte ich meinen. Doch bevor der Wettbewerb tatsächlich starten konnte, wurden auch noch die Juroren gewürdigt. Als mein Onkel dann endlich in Erscheinung trat, begann nicht nur ich frenetischen Beifall zu klatschen. Ein Indiz dafür, wie sehr seine Arbeit für die Stadt wertgeschätzt wurde. Es war schon bedauerlich genug, dass sich kein claudischer Redner unter den Wettstreitern befand.

Neben meinen beiden persönlichen Sklaven hatte ich dieses Mal auch einen Nomenclator des claudischen Haushalts mitgenommen, der mir die Namen, sowie wertvolle Details zu den wichtigen Persönlichkeiten ins Ohr flüsterte, die sich auch auf dem Forum eingefunden hatten oder gar am Wettstreit teilnahmen. Auf diese Weise wollte ich einen ersten Einblick in die bessere römische Gesellschaft gewinnen, da ich beschlossen hatte, meinem zurückgezogenen Dasein ein Ende zu bereiten.
Thema: Dringend gesucht!
Claudia Agrippina

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RE: Tot gesagte leben länger 08.10.2019 21:50 Forum: WiSim und Technik


Honig hätte ich noch im Angebot! Augenzwinkern
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 26.09.2019 21:05 Forum: Panem et Circenses


Mein neuer Sitznachbar überschlug sich förmlich mit Komplimenten und stimmte einen wahren Lobgesang auf meine Familie an, wie ich es selten erlebt hatte. Natürlich ruhten wie immer neben mir Elenis Augen und Ohren, die sich rein gar nichts entgehen ließ und mich stets mit einem diskreten Händedruck warnte, wenn Gefahr bestand. Ob hier Gefahr im Verzug bestand musste sich erst noch zeigen. Noch stand Iulius in Elenis Gunst, da sie ihn immer noch für den ‚goldenen Mann‘ hielt. Letztendlich bewegte ich mich in der Öffentlichkeit und hatte auf meinen guten Ruf und das Ansehen meiner Familie zu achten. Als Iulius jedoch die Vielzahl vermuteter Freier erwähnte, hatte er an einem Punkt angedockt, an dem ich sehr empfindlich war. Man sah es mir zwar nicht an, da ich für den heutigen Theaterbesuch meine Trauerkleidung abgelegt hatte, dennoch trauerte ich noch um meinen erst kürzlich verstorbenen Gemahl.
Doch sollte ich Iulius nun mit der Realität konfrontieren und ihm sagen, dass es keine Freier gab und wenn es nach mir ging auch in naher Zukunft keine geben würde? Ich entschied mich dagegen, denn zum einen kannte ich ihn ja überhaupt nicht und war daher nicht willens mein ganzes Leben vor ihm auszubreiten. Zum anderen hätte ihn die Wahrheit wahrscheinlich verschreckt, was unserer Konversation einen Dämpfer verpasst hätte. So lächelte ich höflich und meinte nur „Gewiss.“

Man hätte nun denken können, dass meine Zurückhaltung ihn in irgendeiner Weise hätte bremsen können. Dem war aber nicht so. Er fuhr weiter zu verbalen Höchstleistungen auf und pries dabei seine Zusammenarbeit mit meinem Onkel, sei es bei seinem Mitwirken an der Errichtung der Urbaner Station als auch der Arbeit in der Factio Praesina. Ja,ja, vielleicht sollte ich mich in Zukunft auch mehr mit dem Pferdesport beschäftigen.
Letztendlich erwähnte Iulius noch die Sicherheit der Bevölkerung in den Armenvierteln, was mich dazu bewog, mich nach meinem Custos umzuschauen. Der Skythe saß immer noch friedlich da und machte ein grimmiges Gesicht dabei.

„Oh ja, die Sicherheit ist immens wichtig! Besonders in den Armenvierteln!“ Zwar hatte ich mich noch nie in meinem Leben in die Subura hinein verirrt noch wusste ich wie die Lebensbedingungen dort waren. Jedoch schien es doch klar auf der Hand zu liegen: je länger man die Unterprivilegierten unter Kontrolle hatte, umso ungestörter konnte sich die Oberschicht, also meinesgleichen, ihrer exzessiven Lebensweise hingeben.


Creton

Gerade als er schließlich darüber sprach, dass sich bislang seine Besuche in der Villa in Grenzen gehalten hätten, erregte mein Custos erneut Aufsehen. Eine Möglichkeit, Iulius von seiner Süßholzrasplerei abzuhalten. Sofort nutzte ich meine Chance. Der Hüne hatte sich urplötzlich wieder von seinem Platz erhoben und knurrte die Zuschauer um ihn herum an. Ich konnte nicht genau sagen, was oder wer ihn gereizt hatte, vielleicht ein Zuschauer, der ihn versehentlich berührt hatte oder jemand, der ihm die Sicht versperrt hatte. Bei letzterem wagte ich zu bezweifeln, dass der Skythe tatsächlich an der Aufführung Interesse hatte.

„Creton AUS!! PLATZ!!“ ,rief ich erbost in seine Richtung. Zum Glück gehorchte er sofort auf mein Wort und setzte sich wieder. Schnell wandte ich mich Iulius wieder zu. „Du musst bitte entschuldigen, werter Iulius… aber mein neuer Custos hat noch einiges zu lernen! Skythen eben – ein schreckliches Volk. Nun ja, seine kognitiven Fähigkeiten sind zwar marginal, aber findest du nicht, dass er aufgrund seines Äußeren einiges hermacht? Ich habe ihn erst kurz vor meiner Abreise aus Achaia erworben. Der Händler sagte mir, Creton sei zuvor in der Arena tätig gewesen.“ Die Muskeln des Skythen waren wirklich enorm. Hinzu kam seine Körpergröße. Alles in allem sah er wirklich furchteinflößend aus. „Siehst du den Torques um seinen Hals? Er soll in der Arena seinem ärgsten Konkurrenten, einem bedauernswerten Gallier, mit bloßen Händen den Schädel zermalmt haben. Eine widerliche Vorstellung, findest du nicht?“
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 25.09.2019 02:18 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Gaius Iulius Caesoninus


Oh ja, und wie ich seine Schmeicheleien genoss! Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seit ich solche zum letzten mal erfahren hatte. Die dunklen Tage hatten in den letzten Jahren mein Leben bestimmt. Es hatte kaum Platz für einige Sonnenstrahlen gegeben. Doch jetzt und hier schienen sie sich endlich zu mir hindurch kämpfen zu wollen, so dass es mir vergönnt war, ein wenig von ihrer Wärme in meinem Herzen zu spüren.
„Nun, offenbar war auch mir Fortuna heute wohl gesonnen, woran ich heute Morgen noch nicht vermocht hatte zu glauben.“ Wie sich mir nun offenbarte, war die Göttin des Glücks in Gestalt meiner Amme zu mir gekommen. Ein Grund, ihr in den nächsten Tagen ein Opfer darzubringen.

Natürlich hatte der Name ‚Claudia‘ sofort das Interesse meiner neuen Bekanntschaft geweckt. Letztendlich war er mit Tradition und Ehre verbunden. Unsere Familie gehörte zu den ältesten Roms. Ihren Namen zu tragen war mit einer gewissen Verantwortung behaftet. So war es auch ganz natürlich, dass er mich mit dem derzeit wohl prominentesten Mitglied meiner Familie in Verbindung brachte.
„Der Senator ist mein Onkel. Mein Vater und er waren Vettern,“ ließ ich Iulius wissen. „Ich bin erst kürzlich wieder nach Rom zurückgekehrt, doch ich habe von seinem Projekt gehört.“ Um ehrlich zu sein, war ich seit meiner Rückkehr so sehr mit mir selbst beschäftigt gewesen, dass ich kaum Anteil an dem Leben um mich herum oder gar außerhalb der claudischen Mauern genommen hatte. Sogar meine geliebten Exkursionen zu den römischen Märkten hatte ich nicht wieder aufleben lassen. Dieser Theaterbesuch war der erste zaghafte Versuch gewesen, um wieder zurück zu den Lebenden zu finden.
„Wenn du in jener Baukommission tätig bist, dann bist du gewiss hin und wieder zu Gast in der Villa Claudia,“ mutmaßte ich ohne jeden Hintergedanken. Wobei ich mir vorstellen konnte, wie schön es sein mochte, gelegentlich Besuch zu empfangen.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 18.09.2019 01:39 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Gaius Iulius Caesoninus

Die fremde Schönheit wirkte sympathisch. Und schön, hatte er schon schön erwähnt? Caesoninus wäre nicht Caesoninus gewesen, wenn er seine Gübeleien über den Dienstplan einer Unterhaltung mit deiner adretten Dame vorgezogen hätte, weshalb er jetzt ein gewinnendes Lächeln aufsetzte und sich ebenfalls um Iulia Phoebe zu der Anderen herumdrehte, um ihr zu antworten: „Ich wünschte ich hätte dieselbe Option, doch ich fürchte bei einem Mann würde das komisch wirken“, scherzte er. Dann streckte er über Iulias Schoß hinweg der Dame seine Hand entgegen: „Ich bin Gaius Iulius Caesoninus, Tresvir Capitales, und du, oh Schwester der lieblichen Venus?


Wie Recht doch meine gute Eleni hatte! Wenn jemand wusste, was ich am nötigsten brauchte, dann war das meine gute alte Amme. Ich betete jeden Tag zu den Göttern, dass sie mir noch lange erhalten bliebe. Auch diesmal hatte sie sich keinen Digitus geirrt. Ich hatte jenen jungen Mann mit dem blonden Haar angesprochen, so wie sie es gesagt hatte. Sofort spürte ich eine Form der Wandlung in mir. Etwas schien die Leere in mir zu füllen. Ein Fitzelchen der Leichtigkeit, die ich einst in mir hatte, es schien noch in mir zu sein. Wohl hatte es die ganze Zeit über an einem geheimen Ort geschlummert. Doch nun begann es, zu erwachen. Mir schien, als könne ich nun etwas freier atmen, als sei endlich dieser schwere Quader von meinem Herzen verschwunden. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten gelang es mir zu lächeln, ob eines Bonmots, welches mir einfach so über die Lippen gekommen war. Und mein Gegenüber, er schien in mir nicht die von Trauer zerfressene Witwe zu sehen, sondern jenes junge entzückende Wesen, welches ich vor langer Zeit gewesen war.
Iulius Caesoninus, so war sein Name, schmeichelte mir. Er schaffte es, mich erröten zu lassen, als er mich als Schwester der göttlichen Venus verglich. Nein, solcherlei Worte waren schon seit ewigen Zeiten nicht mehr an mein Ohr vorgedrungen. Sie hätten von Maecenas, meinem geliebten Bruder stammen können. Er hatte mich vergöttert, so wie ich ihn.

Während nun dort unten Medea in die Verbannung geschickt wurde, begann sich neben mir eine ganz neue Bekanntschaft zu entwickeln. Die Erste, seit ich zurück war in Rom. Über die junge Dame zwischen uns hinweg, die sich als seine Cousine erwiesen hatte, reichte er mir seine Hand. Bevor ich seinen Gruß jedoch erwidern konnte, schien sie ein Einsehen mit uns zu haben, da sie im Gegensatz zu uns eine Liebhaberin solch tiefgründiger Kunst zu sein schien. Sie erhob sich und tauschte ihren Platz mit ihrem Vetter, so dass er seinerseits zu mir herüber rutschen konnte. Diese großzügige Tat erleichterte doch sehr die gemeinsame Kommunikation.
„Claudia Agrippina. Sehr erfreut!“ Ich reichte ihm nun meine Hand. Ein befreites Lächeln breitete sich über meine Lippen aus. „Wie mir scheint, war mein heutiger Besuch des Theaters doch nicht völlig vergebens. Hätte ich sonst eine solch charmante Bekanntschaft gemacht? Zumindest nimmt das Stück für mich nun eine weitaus bessere Wendung als für Medea.“ Dies alles geschah unter den wohlwollenden Augen Elenis, die neben mir alles genau verfolgte und in sich hinein lächelte.
Medea!? Wer war Medea? In diesem Augenblick schien sie meilenweit entfernt zu sein.
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Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 13.09.2019 22:04 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Phoebe

An ihre dunkelblonde Sitznachbarin zu ihrer rechten gewandt sprach sie mit gesenkter Stimme: „Ich bitte um Vergebung, falls mein Vetter dich gestört haben sollte. Es kommt nicht wieder vor.
Noch ein drohender Blick mit gesenkten Augenbrauen in Richtung ihres Vetters und dann wandte auch Iulia wieder den Blick hinunter zum Schauspiel, dabei jetzt schon Caesoninus verfluchend, weil sie ein Stück der Darbietung verpasst hatte.


Nach all dem Ärger um meinen neuen Custos und der erdrückenden Schwere des Stückes, war mir beinahe die Sitznachbarin zu meiner Linken entgangen, die sich kurz zuvor an mich gewandt hatte. Ich musste gestehen, dass ich mich wenig mit den Menschen beschäftigt hatte, die neben mir saßen, außer denen, die zu meinem Haushalt zählten und für die ich Verantwortung trug.
Hatte sich die junge Frau soeben bei mir entschuldigt? Wenn ja, weshalb? „Wie bitte?“ fragte ich höflich, nachdem ich mich leicht zu ihr hingewandt hatte.

| Eleni

„Die Dame entschuldigt sich für ihren Vetter. Falls er dich gestört haben sollte.“, wisperte mir Eleni schnell ins Ohr. Im Gegensatz zu mir nahm sie fast alles wahr, was in meiner näheren Umgebung geschah.
„Oh, ach so. Nein, nein,“ meinte ich schnell und räusperte mich. Dann riskierte ich einen kurzen Blick auf den vermeintlichen Übeltäter. Der Ärmste wirkte etwas gelangweilt. Wahrscheinlich hatte er, ähnlich wie ich, die falsche Wahl für diesen Nachmittag getroffen. „Mitnichten! Dein Vetter hat mich keineswegs gestört. Unglücklicherweise sieht es mit meinem neuen Custos etwas anders aus. Ich muss ihn wohl erst noch richtig erziehen, meinen skythischen Barbaren.“ Ich lächelte etwas verlegen und wollte dann eigentlich wieder dem Stück folgen. Doch dann hatte Eleni ganz plötzlich das Bedürfnis, mir etwas mitzuteilen.
„Sieh dir den jungen Mann etwas genauer an! Siehst du es?“ tuschelte sie. Ich blickte sie fragend an, denn ich verstand kein Wort, worauf sie hinaus wollte. „Die Prophezeiung! Die alte Hexe aus Parnes! Weißt du nicht mehr? Der goldene Mann!“ Langsam begann es mir zu dämmern, was sie meinte. Allerdings hielt ich es für absurd, ausgerechnet hier dem rätselhaften goldenen Mann aus der Prophezeiung über den Weg zu laufen. „Ach Eleni, sei nicht albern. Es gibt noch mehr blonde Männer in Rom. Wieso sollte ausgerechnet er dieser mysteriöse goldene Mann sein?“ Manchmal hatte sie wirklich eine blühende Fantasie! Doch meine Amme ließ nicht locker. Sie war ganz von ihrer Idee besessen. „Na los, sprich ihn doch einmal an!“ Sie drängte mich nicht nur mit Worten, auch ihre Gestik war unmissverständlich. Was mich nun trieb, auf die Worte meiner Sklavin zu hören, die im Grunde meine Ersatzmutter war, konnte ich mir nicht erklären. Ich tat es einfach.

„Du hast Recht, dich zu beschweren,“ meinte ich zum Vetter meiner Sitznachbarin. „Ich für meinen Teil sehne eigentlich nur dem Ende entgegen. Ich bin heute nicht in Stimmung für solch schwere Kost. Vielleicht sollte ich einen Schwächeanfall vortäuschen, um das Ganze zu beschleunigen.“
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Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 06.09.2019 21:35 Forum: Panem et Circenses


Um mich herum herrschte lauter Trubel. Die Leute, die immer noch in das Theater hineinströmten versuchten, doch noch einen guten Platz zu finden. Gelegentlich kam es dabei zu Drängeleien oder gereizten Wortwechseln. Ich jedoch schien mich gerade in einem völlig anderen Universum zu bewegen und saß beinahe regungslos da. Ob es wirklich die richtige Wahl gewesen war, heute hierher zu kommen. Medea war beileibe keine leichte Kost. Außerdem glaubte ich immer wieder vereinzelt kleine Parallelen zu meinem Schicksal zu entdecken, wenn ich so über Medea nachdachte.

Lautes Geschrei und ein sanfter Ruck durch Elenis Hand verursacht, katapultierten mich zurück ins Pompeische Theater. Ich blickte meine Amme fragend an. Doch sie musste nicht antworten. Ich vernahm bereits das streitsüchtige Gekeife einer Frau unweit von meinem Platz, die sich doch tatsächlich getraut hatte, sich mit Creton anzulegen, da er ihrer Meinung nach zu viel Platz benötigte. Da der Skythe von Haus aus eher wortkarg war, antwortete er mit einem lauten und grimmigen „GRRRRRRRR!“. Dabei zeigte er ihr seine Zähne und musste sehr gefährlich und verstörend auf sie wirken. Da ich die Angelegenheit nicht weiter eskalieren lassen wollte und auch das Verhalten meines Sklaven bucht tolerieren konnte, gebot ich meinem Sklaven sofort Einhalt. „Creton! Aus!“ Meine Stimme war kaum lauter als sonst, doch klang sie gebieterisch und kühl. „Rücke ein Stück, dann muss sich die Dame auch nicht mehr beklagen!“, fügte ich noch hinzu, woraufhin der Sklave sofort gehorchte und Eleni sich in meinem Namen bei der Frau entschuldigte.
Kurz darauf ertönte der erste Paukeschlag und der Chor begann zu singen, begleitet vom Orchester. Ein wahrhafter Genuss für die Ohren. Dann erschien Polychares auf der Bühne, der vielgerühmte Protagonist, dem scheinbar ganz Rom, ins besondere die römische Damenwelt zu Füßen lag. Ich jedoch konzentrierte mich nur auf die Inhalte, die der Chor sang. Jedes Wort sog ich auf, obgleich es mich schmerzte. All die Trauer, die noch immer nicht recht verarbeitet war, schien mich zu überwältigen. Doch ich versuchte stark zu sein. Nein, tapfer wollte ich sein. Mein starrer Blick verfolgte jeden Gesang und jede Bewegung des Tänzers. Eleni einzig konnte ermessen, wie sehr ich litt. Sie hielt meine Hand, wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet.
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Claudia Agrippina

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 03.09.2019 22:55 Forum: Panem et Circenses


Eleni hatte mir den ganzen Morgen in den Ohren gelegen bis sie schließlich gewonnen hatte. Ich hatte mich in meine beste Tunika hüllen lassen und hatte Eirene jegliche künstlerische Freiheit gelassen, um meine Frisur zu richten. Anschließend hatte ich mich in Begleitung meiner Amme und meines skythischen Hünen in die Stadt begeben.

Gerade noch rechtzeitig hatten wir das Pompeische Theater erreicht. Creton hatte dafür gesorgt, dass Eleni und ich sicher ins Innere gelangten und wir dort, trotz des großen Andrangs noch einen angemessen Platz ergattern konnten. Wie man sich vorstellen konnte, hatte das Vorgehen Cretos für Unmut unter den Zuschauern gesorgt. Doch letztendlich hatte es niemand gewagt, sich bei ihm deswegen zu beschweren.

Nun saß ich hier in aller Öffentlichkeit, darauf wartend, dass die Aufführung endlich begann. Eine befremdliche Situation, angesichts dessen, dass ich fast drei Jahre für solcherlei Vergnügen nicht das Haus verlassen hatte.
Thema: Cubiculum | Claudia Agrippina
Claudia Agrippina

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Agrippinas Rückkehr 03.09.2019 22:38 Forum: Villa Claudia


Neptun hatte uns eine ruhige und unspektakuläre Überfahrt beschert. Wie schon mein ganzes Leben, begleitete mich auch dieses Mal meine gute alte Amme Eleni. Nachdem mein getreuer Onatas vor einigen Monaten einer furchtbaren Krankheit erlegen war, hatte ich mir einen neuen Leibwächter zulegen müssen.


Creton, ein grimmig dreinblickender und muskelbepackter Skythe, schüchterte bereits jeden der ihm in die Quere kam durch seine gigantische Erscheinung ein. In seinem früheren Leben, so hatte man mir auf dem Markt berichtet, sei er ein erfolgreicher Gladiator gewesen. Auch wenn ich mich in seiner Umgebung stets in Sicherheit wiegen konnte fehlte mir doch sehr meinen guten Onatas, der mir zuletzt fast wie ein guter Freund gewesen war. Ich vermisste die geistreichen Gespräche, die wir an manchem Abend geführt hatten.


Dann war da noch Eirene, eine kleine unscheinbare Makedonin, die sich um meine äußere Erscheinung kümmerte. Ich hatte sie aus meinem Haushalt in Athen mitgebracht. Mein verblichener Gatte hatte sie mir zur Hochzeit geschenkt.

Unsere kleine Reisegesellschaft war in Brundisium an Land gegangen und hatte von dort aus den Weg nach Rom mittels eines Wagens zurückgelegt. Nachdem wir die Stadtgrenze der urbs aeterna erreicht hatten, hatte Eleni für mich eine Mietsänfte besorgt, die mich bis zur Villa Claudia bringen sollte. Meine Sklaven hielten sich in meiner unmittelbaren Umgebung auf, auf dass mir nichts Böses geschehe. Durch den dünnen Schleier der Sänfte zog die Stadt an mir vorbei. Hätte Fortuna nicht ein solch abscheuliches Spiel mit mir gespielt, wäre mir bei diesem Anblick sicher das Herz aufgegangen. Doch ich vermied es, eine Gefühlsregung zu zeigen. Ich wollte nur zur Villa Claudia – mehr nicht!
Zielsicher hatten mich die Träger der Mietsänfte zum Eingang meiner römischen Heimstadt gebracht. Eleni hatte sich an der Tür bemerkbar gemacht und meine Ankunft angekündigt. Dann ging alles sehr schnell. Es hatte keine Stunde in Anspruch genommen, bis dass ich wieder in meinem alten Cubiculum wiederfand. Alles sah so aus, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich es verlassen hatte.
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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RE: Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 01.09.2019 09:48 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Nach Aquillius´ Tod hatte mich nichts mehr in Athen gehalten. Meine Rückkehr nach Eleusis hatte beinahe einer Flucht geglichen. Denn Eleusis war immer mein Anker gewesen, meine Heimat, meine Zuflucht. Doch trotz all der Menschen, die auf dem Landgut lebten, war es für mich dort trostlos und leer. Nach all den Jahren hatte ich nicht die Trauer um meinen geliebten Bruder überwinden können. Die Wunde in meinem Herzen schien so frisch zu sein, als sei es erst gestern gewesen, dass Maecenas von mir gegangen war.

Das Landgut hatte inzwischen einen neuen Verwalter erhalten, da den Maevius wenige Monate zuvor der Schlag getroffen hatte. Eine gerechte Strafe der Götter, wie ich fand. Meine Stiefmutter, um deren Gesundheit es auch nicht mehr zum Besten bestellt war, hatte einen jungen Mann auserkoren, den Sohn eines ehemaligen Klienten meines Vaters, der sich fortan um unseren Besitz kümmern sollte. Glücklicherweise war er nicht im gleichen Maße wie sein Vorgänger bestrebt, mich erneut an den Meistbietenden zu verschachern. Nein, er brachte wesentlich mehr Geduld für mich auf.
Selbstverständlich war mir bewusst, dass ich nach einer angemessenen Zeit wieder heiraten sollte. Diesmal jedoch wollte ich ein Wörtchen dabei mitreden. Doch gab es überhaupt einen Mann von Stand, der sich mit mir einlassen wollte? Einer Frau, der ein gewisser Ruf voraus ging? Gab es den Einen, der mich aus meinem Kummer befreien und mir neuen Lebensmut einhauchen konnte? Diese Fragen stellte ich mir. Ich hatte sogar eine Wahrsagerin bemüht, eine alte Hexe aus den Bergen von Parnes, die mir aus der Hand gelesen hatte und die dort eine sehr ausgeprägte Lebenslinie entdeckt haben wollte. Außerdem sagte sie mir eine glorreiche Zukunft an der Seite eines "goldenen Mannes" voraus, der jenseits des Meeres auf mich wartete.

Der seltsame Spruch der Alten hatte mich wochenlang beschäftigt, so dass ich nach längerem Nachsinnen, mir einer Antwort bewusst geworden war. So sehr ich Eleusis auch liebte, doch hier würde nicht meine Zukunft liegen. Auch wollte ich nicht wieder in die Enge einer Stadt wie Athen zurück. Nein, es musste wieder Rom sein! Das Zentrum der Welt! Jenseits des Meeres. Wenn nicht dort, wo dann?
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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RE: Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 25.08.2019 18:27 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Von der Überfahrt hatte ich kaum etwas mitbekommen. Ich hatte mich währenddessen in einem abstrakten Bereich zwischen Leben und Tod befunden. Als die Küste des griechischen Festlandes in Sicht gekommen war, hatten sich die Götter entschieden. Ich sollte leben! Später berichteten mir meine Sklaven, die Fahrt nach Griechenland sei ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen.

Nachdem unser Schiff in Piräus eingelaufen war, hatten meine Sklaven dafür gesorgt, dass mich ein Reisewagen unverzüglich nach Eleusis brachte. Eleni hatte mich begleitet und Onatas sollte für meine Sicherheit auf der Fahrt nach Hause sorgen. Der Wagen hatte den Weg in knapp zwei Stunden geschafft.

Mein Brief hatte inzwischen meine Stiefmutter erreicht, so dass die genügend Zeit hatte, alles für meine Heimkehr zu veranlassen. Unser Wiedersehen war von Trauer geprägt und verlief sehr tränenreich. Mein bleiches Gesicht, die leeren Augen und mein ausgezehrter Körper hatten nicht nur die Sklaven in Bestürzung versetzt. Kreton, ein langjähriger Sklave meiner Familie, hatte mich auf seinen Armen in das Herrenhaus hineingetragen und mich schließlich auf mein Bett in meinem Cubiculum gebettet.

Ich wusste nicht, wie viele Wochen oder gar Monate vergingen, bis ich zumindest wieder äußerlich vollkommen hergestellt war. Tief in mir drinnen herrschte eine bedrückende Leere. Nichts hatte mich zum Lächeln bringen können. Selbst Maevius Tullinus, der nach seiner Rückkehr und seit dem Tod meines Bruders das Landgut verwaltete, hatte ich kein Paroli zu bieten. Ich ließ ihn gewähren und protestierte auch nicht, als er eine Verbindung mit einem Zweig der in Athen ansässigen Gens Aquillia arrangiert hatte.
Lucius Aquillius Gallus, ein Mann mittleren Alters, der in der Tradition seiner Familie als Jurist tätig war, nahm mich zur Frau. Jedoch war es nur eine leere Hülle, die er in sein Haus geführt hatte. Aquillius Gallus war ein guter Mann gewesen. Er hatte versucht, mir jeden Wunsch zu erfüllen, in der Hoffnung, damit mein Herz zu erobern. Doch wo nichts Lebendiges vorhanden war, konnte auch nichts erobert werden. Dennoch erfüllte ich meine eheliche Pflicht, so dass nach einem halben Jahr ein Kind in meinem Körper heranzureifen begann. Doch wie hätte ich Leben spenden können, wenn doch in mir nicht die Flamme des Lebens loderte? Ich verlor das Kind zwei Monate vor der Zeit.

Mein Gemahl flüchtete sich danach in seine Arbeit und vermied es, mehr Zeit als nötig mit mir zu verbringen. So lebte ich Tag für Tag und spielte der Welt die untröstliche Matrone vor. Hinter meinem Rücken tuschelten die Sklaven über mich. Domina Agrippina – die Unnahbare, Domina Agrippina – die Unfruchtbare. Als zwei Jahre später Aquillius das zeitliche segnete, sagte man, er sei an Kummer gestorben…
Thema: "Salve, ...
Claudia Agrippina

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RE: "Salve, ... 11.08.2019 21:14 Forum: Anmeldung


Wenn ich mich einmischen darf...
zur Zeit werden auch die Flavier noch bespielt.

Und wenn ich etwas eigennützig sein darf großes Grinsen ...
Agrippina wird demnächst nach Rom zurückkehren und einen adäquaten Gemahl benötigen! cool
Thema: [ACHAIA] Eleusis · Landgut der Claudia
Claudia Agrippina

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter - Prolog 05.08.2019 22:34 Forum: Restliche Provinzen des Imperiums


Maecenas war tot! Die Nachricht von seinem Tod hatte meine Welt aus den Fugen gehoben und ins Wanken gebracht. Nichts war mehr so gewesen, wie es hätte sein sollen. Anfangs hatte ich niemanden sehen wollen, hatte es vermieden, das Haus zu verlassen.

Doch dann schien auch mein eigener Lebenswille schwinden zu wollen. Ich war krank geworden. Die Ärzte hatten keinen Rat mehr. Sie hatten mich bereits aufgegeben, denn mein Körper war jeden Tag schwächer geworden. Mein einziger Wunsch war es, noch einmal Eleusis sehen. Noch einmal dort sein, wo er zuletzt gewesen war, bevor er ins Elysion gegangen war.

Gegen die Empfehlungen der Ärzte hatte meine Eleni, die Tag und Nacht an meiner Seite gewacht hatte, schließlich alles für meine Heimreise veranlasst. Meinem Aristoteles hatte ich ein paar Briefe diktiert. Unter anderem an Flavius Scato, um ihm alles zu erklären und ihn um Verzeihung zu bitten. Ein weiterer Brief sollte meine Stiefmutter davon in Kenntnis setzen, dass ich nach Hause kommen würde, sofern es der Wille der Götter sei…
Thema: In Exilium
Claudia Agrippina

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Rückkehr 01.08.2019 09:21 Forum: Allgemeines


Nach langer Abstinenz bin ich wieder der Versuchung erlegen, hier mitzuschreiben.

Bitte einmal zurück aus dem Exil. smile
Thema: In Exilium
Claudia Agrippina

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19.07.2016 16:50 Forum: Allgemeines


Liebe Mitspieler,

ich möchte mich zunächst bei allen, die ich so lange habe warten lassen, entschuldigen. Ich habe mich nun endlich dazu durchgerungen, vorerst alle meine Chars ins Exil zu schicken. Da in diesem Jahr bei mir beruflich große Veränderungen anstehen, fehlt mir schlichtweg die Zeit für´s IR. Zunächst hatte ich gehofft, "so nebenbei" hier mitschreiben zu können. Allerdings klappt das nicht. Außerdem fehlt mir gerade ein wenig die Motivation und der Spaß am Schreiben.
Ich hoffe, dass wird sich in einigen Monaten wieder legen - dann wenn sich im RL alles gut eingespielt hat.

Bis dahin macht´s gut! Danke für die schöne Zeit mit Euch!


PS: Vielen Dank für die Genesungswünsche an meine Tochter. Sie hat alles gut überstanden und ihr geht´s auch wieder gut. Augenzwinkern
Thema: An- / Abwesenheiten
Claudia Agrippina

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07.04.2016 22:09 Forum: Allgemeines


Ich muss mich leider für die nächsten Tage komplett ausklinken. Meine Tochter musste heute ins Krankenhaus... unglücklich
Thema: Cubiculum | Claudia Agrippina
Claudia Agrippina

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RE: Agrippinas neue Sklaven 29.03.2016 08:10 Forum: Villa Claudia


Eines musste man dem Sklaven lassen, er hatte eine gesunde Selbsteinschätzung. Auch wenn ich gerade das Gegenteil behauptet hatte und ihn in den Himmel gelobt hatte. Aber da er es nun ja schon selbst erwähnte, begann ich beipflichtend zu nicken. „Sagen wir es einfach mal so, Onatas. Du bist so etwas wie ein ungeschliffener Edelstein. Um dein wahres Können, deine wahre Schönheit zu offenbaren, muss man dich erst noch formen.“ Das war wohl gesprochen, aber wie genau sollte man ihn formen, beziehungsweise formen lassen? Sollte ich ihn etwa auf eine Schule schicken, damit er das Dichten von der Pieke auf lernte? Doch dann fiel mir sein dezenter Hinweis auf seine Freizeit wieder ein. Nun ja, Freizeit war nicht unbedingt das, was ein Sklave en masse hatte. Dennoch war ich bereit, sie ihm in Maßen einzuräumen. Natürlich würde ich diesen Freiraum nicht als Freizeit deklarieren. „Also gut, neben deinen Pflichten, dich um mein Wohlergehen und meine Sicherheit zu kümmern, wirst du dich von nun an kundig machen. Die Villa verfügt über eine ganz passable Bibliothek. Dort wirst du von nun an…“ Staub wischen? Nein! „…die Dichtkunst studieren. Dort hast du Gelegenheit, dich einzulesen und …dich inspirieren zu lassen.“ Die letzten Worte sprach ich mit einem erwartungsvollen Grinsen. Dann versuchte ich in der Mimik meines Sklaven herauszulesen, wie ihm diese Anweisung wohl schmeckte. Erst eine Weile später fuhr ich weiter fort. Denn ich wollte meinen „orientalischen Smaragden“ auch noch in eine andere Richtung formen lassen.
„Nun, wie du dir sicher denken kannst, ist es nicht nur wichtig, deinen Geist zu fördern, sondern auch deinen Körper. Damit du mir tatsächlich so dienen kannst, wie ich es wünsche, wirst du dich an Gundalf wenden. Er wird dich ertüchtigen und dir alles beibringen, was ein guter Custos wissen muss.“ Gundalf war einer jener Custodes, die mit mir nach Rom gekommen waren. Eigentlich hätte er den Maevius wieder zurück nach Achaia begleiten sollen, doch auf dessen Drängen war er hier geblieben. Der Germane war ein riesenhafter Hüne, der zwar über eine Menge Muskeln jedoch über wenig Hirn verfügte. Alleine schon seine Erscheinung schlug so manchen Angreifer in die Flucht. Doch Onatas würde von ihm nichts zu befürchten haben, solange Gundalf ihn als seinen „Freund“ ansah.
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