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Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Matinia Marcella

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RE: Medea – Das Stück ist aus 26.10.2019 10:47 Forum: Panem et Circenses


Das gute Riechsalz hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Kein Blut konnte Graecina sehen? Wie schrecklich, keine Arenaspiele genießen zu können!
Marcella war bass erstaunt, als der Prätorianer sich als manierlicher Zeitgenosse zeigte, erleichtert zudem, und schaltete sofort aus der Defensive in den Modus der Dame von Welt.
"Aber Decimus," zwitscherte Marcella, und lächelte zuckersüß mit leicht zur Seite geneigtem Köpfchen, "wer wird denn einen kleinen Scherz übelnehmen. Wir kennen doch alle die Tölpelhaftigkeit neuer Sklaven."
Ein silberhelles Lachen flirrte von ihren roten Lippen und der Fächer flatterte anmutig. Nur ganz kurz wurde die barbarische Übeltäterin von einem vernichtenden, giftriefenden Blick getroffen, dann stand die charmante Fassade wieder 1A.
Wenn du meine Sklavin wärst, ich würde dir die Haare scheren und mir eine Perücke daraus machen! Und das wäre erst der Anfang! Unverschämtes Ding. Ich hoffe, er peitscht dich tüchtig aus!

Darauf verabschiedete sich Marcella von der Versammlung.
"Nun denn, ich muss los. Valete, es war mir ein ganz besonderes Vergnügen euch alle kennenzulernen!"
Graecina bekam ein Küsschen auf die Wange gehaucht.
"Komm rasch wieder zu Kräften, meine Liebe! Wir müssen unbedingt bald einmal zusammen die Boutiquen unsicher machen!"

Wie ein kleiner rotgoldener Pfau trippelte Marcella davon, gefolgt von ihrer Zofe mit Kissen und Schirm.
Vor dem Theater wartete die Sänfte. Geschafft ließ Marcella sich auf die weichen Polster sinken und von den milchweißen Germanensklaven über die Köpfe der Menge nach Hause schaukeln. Was für ein aufregender Theaterbesuch. Marcella würde einiges zu erzählen haben, auf den kommenden Abendgesellschaften.
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Matinia Marcella

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RE: Medea – Das Stück ist aus 18.10.2019 11:38 Forum: Panem et Circenses


Gerade hatte Marcella noch wohlig schaudernd das blutige Ende der Tragödie verfolgt. Sie schätzte es, wenn es auf der Bühne zur Sache ging, wenn die Musik wie eine riesige Meereswoge heranbrauste, wenn Tod und Verderben über die Protagonisten kam. Dann war ihr so recht behaglich zumute, wie wenn man im Warmen saß, während draußen ein Gewitter tobte. Blutleeres klassisches Theater war ihre Sache nicht.
Das Stück war aus, und Marcella steckte gerade eine Haarnadel wieder fester, wollte sich dann empfehlen und auf dem Rückweg zur Sänfte machen, da stand plötzlich der ruchlose Prätorianer vor ihr und Graecina.
"Huch!"
Graecina wankte, und der Mann schnappte sie sich sofort, als ob er sie im nächsten Moment in den Carcer verschleppen wolle. Wie hatte ein Gott Graecina und Marcella in verschlingende Strudel des Unglück geworfen!
"Euphrosyne, das Riechsalz!", gellte Marcellas Stimme durchs Theater und erschrocken doch energisch wandte sie sich an den Prätorianer:
"Lass sie los! Es war allein mein Schirm! Meine Freundin hat damit nichts zu tun!"
Zum Glück war Graecinas Verwandtschaft zur Stelle und beschützte sie ebenfalls.
Die Zofe zückte das Riechsalz und Marcella hielt das kleine Silberdöschen unter Graecinas Nase. Ein durchdringender Geruch von ätherischen Ölen und einem scharfen Balsam breitete sich aus.
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Matinia Marcella

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! 02.10.2019 20:53 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Graecina

Mit bebenden Lippen nickte Marcella und hielt sich, dankbar für den Beistand, eine Weile an Graecinas Hand fest. Fast versagte ihr die Stimme. Natürlich kannte sie den Mann nur vom Sehen, und von Hörensagen. Aber auch wenn sie zu der Zeit nur ein unverständiges junges Ding gewesen war, so erinnerte sich noch gut daran, wie Großvater Agrippa und Großonkel Quarto schon früh und eindrücklich vor dem Aufstieg des Tyrannen Salinator und vor seinen willfährigen Handlangern gewarnt hatten. Beide waren sie schließlich aus der Stadt geflohen, um einer Verhaftung zu entgehen, und Marcellas Mutter, eine geborene Aelia, hatte in den darauffolgenden Wochen tausend Ängste ausgestanden, war bei jedem Klopfen an der Türe zusammengefahren, immer befürchtend, dass die grausamen Prätorianer als nächstes ihre Familie verschleppen würden.
Hinter vorgehaltener Hand flüsterte Marcella aufgewühlt Graecina zu:
"Damals unter dem Ungeheuer Salinator, in der Zeit der Proskripion, war dieser Mann einer der schlimmsten Schergen der Tyrannei!"
Außerdem hatte sein Name eine Zeitlang auf den Listen der begehrtesten Junggesellen, die Marcellas Freundinnen führten, gestanden. Natürlich nur wenn man Fieslinge mochte!

Nervös ergriff Marcella wiederum ihren Fächer und fächelte sich hastig frische Luft zu. Am liebsten hätte sie gleich die Flucht ergriffen, doch hier galt es Contenance zu wahren, schließlich war sie nicht irgendwer, sondern die stolze Enkelin eines unbeugsamen Censors. Nachdem das erste Erschrecken vorübergezogen war, kam ihr die Geschichte der vermeintlichen "Dame" aber doch etwas schräg vor. Hießen die jetzigen Praefecti der Schwarzröcke nicht anders?
Sie vermeinte, einen bohrenden Blick im Nacken zu spüren, und blickte angestrengt geradeaus, auf die Bühne, wo der nichtswürdige Jason sich in seiner Nichtswürdigkeit soeben selbst übertraf. Dann gab es wieder ein schönes Chorlied. Leise summte Marcella die Melodie mit, unwillkürlich den Rhythmus mit den Fingerspitzen auf ihrem Bein tippend.
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Matinia Marcella

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! 14.09.2019 19:28 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Graecina

"So sind nun mal die Männer", flüsterte Marcella verschwörerisch zu Graecina zurück. "Kein Sinn für die schönen Künste. Mein Gatte selig hat im Theater auch immer sehr gelitten."
Nach dem Hin und Her um das Schirmchen und dem Malheur mit dem Reif, hatte Marcella den Fächer auf die Knie sinken lassen, betastete besorgt ihre Frisur und steckte rasch eine Locke wieder fest. Graecina empfahl, auf den Sonnenschutz zu verzichten, und Marcella gab zu:
"Vielleicht hast du recht."
Die Beschwerden waren doch schon sehr lautstark. Aber bevor Marcella diesem vernünftigen Rat Folge leisten konnte, war schon die nächste Stufe der Eskalation erreicht, und zwar ...
Zitat:
Original von Grian

... in Form einer Dame mit wirklich atemberaubender blonder Perücke. Wie gesponnenes Gold! Die Frage, wo dieses Schmuckstück wohl herstammte, erstarb auf Marcellas Lippen, als die vermeintliche Dame einen Wortschwall losließ, der zum einen deutlich macht, dass sie doch keine Dame war, zum anderen ausgesprochen bedrohlich klang.
"Was erlaubst du dir, so mit mir zu sprechen...", japste die Matinia, dabei wandte sie sich, dem weisenden Finger folgend um, und erblickte den Prätorianer. Oh nein! Diesen martialischen Herrn mit der schillernden Vergangenheit hatte Marcella durchaus schon einmal gesehen, hoch zu Ross und schwarz geharnischt. Es war der berüchtigte Decimus Serapio, einstmals Salinators grausamer Henkersknecht. Unter dem Bleiweiß wurde Marcella kalkweiß, sie sog erschrocken die Luft ein, schlug die Hand vor den Mund und bedeutete der Zofe hektisch, den Schirm des Anstoßes verschwinden zu lassen. Die Zofe gehorchte.
"Verzeihung", murmelte Marcella.
Vor lauter Schreck hatte sie sich am Arm ihrer neuen Freundin festgeklammert.
"Oh jemineh", hauchte sie schwach, "es ist der ruchlose Decimer. Hätte ich doch nur gleich auf dich gehört, liebe Graecina."
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Matinia Marcella

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 07.09.2019 14:48 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Graecina, Iulius Caesoninus und Iulia Phoebe

Ein wahrer Schönling! Marcella kicherte hell auf bei dieser Beschreibung, wobei sie dies halb hinter dem Fächer verbarg.
Ihre Sitznachbarin gab offen zu, den angesagten Künstler heute zum ersten Mal zu sehen. Da entstand hinter Marcellas heller, bleigeweißter Stirn ein Verdacht: die natürliche Art + das Verkennen der Federn + Polychares noch nie gesehen. Womöglich war ihre sympathische Sitznachbarin aus der Provinz, und ermangelte noch ein wenig des hauptstädtischen Schliffs?
"Die Freude ist ganz meinerseits. Ich bin entzückt, eure Bekanntschaft zu machen.", floskelte Marcella, wobei ein reizendes Lächeln um ihre roten Lippen spielte. Nein, sie war nicht eingebildet, gar nicht, sie pflegte auch Verbindungen außerhalb der Nobilitas. Vorausgesetzt sie waren amüsant. Oder nützlich.
Doch ihr Charme schien verschwendet, denn der stattliche Verwandte an Iulia Graecinas Seite schenkte ihr keineswegs die gebührende Aufmerksamkeit. Er war damit beschäftigt, auf das Stück zu schimpfen, wurde jedoch von der brünetten Iulia Phoebe sogleich zurechtgestutzt. Erneut ging der goldrote Fächer zum Mund, diesmal um ein undamenhaftes Grinsen zu verstecken.

Unversehens war das Stück in vollem Gange. Marcella war gebannt von der brausenden Musik und litt mit Medea. Ihr Gatte war zwar kein Iason gewesen, nein, er hatte ihr zumeist aus der Hand gefressen, und niemals hätte er sich erdreistet, zu versuchen, Marcella "im Zimmer" zu halten. Da genoss die moderne Römerin eben doch ganz andere Freiheiten als die armen Griechinnen zu Euripides' Zeiten. Doch auch ihr Mann hatte die Unverschämtheit besessen, sie zu verlassen, sie ganz alleine zu lassen mit den Kindern. Wenn auch durch seinen Tod.
"Nichtswürdiger Schuft. Ich hätte ihm die Augen ausgekratzt.", urteilte sie nun doch wieder mehr über Iason. Männer, bah, alle gleich!

Zitat:
Original von Decimus Serapio

Ein Zupfen an ihrer Hochfrisur unterbrach Marcellas gewichtige Gedankengänge. Das Zupfen wurde zum Ziepen, es schmerzte.
"Oh! Aua!"
Was war geschehen? Die Spitze einer Fischbeinstrebe des Sonnenschirmchen hatte sich in Marcellas Frisur verfangen, eine Haarnadel fiel, der Reif mit den Feueropalen rutschte auf Augenhöhe und mehrere dunkle Lockensträhnen fielen ungeordnet herab. Was für eine Katastrophe! Erschrocken fing Marcella den Reif auf, bevor er sich ganz verabschiedete und stauchte ihre Zofe zusammen.
"Tölpelin! Sieh was du angerichtet hast! Was für ein Malheur! Halt den Schirm höher!"
"Verzeih Herrin, verzeih, ich bin untröstlich! Ich bin ein dummer Trampel, verzeih, bitte lass es mich richten!", flehte die Zofe, und versuchte die Locken erneut zu bändigen. "Es ist nur Folgendes, Herrin: der Eques hinter uns kann nichts sehen."
"Bah!"
In den Rehaugen blitzte es zornig. Männer hatten hier und jetzt gar keine Vorschriften zu machen!
"Hast du keine Ohren am Kopf? Halt den Schirm höher habe ich gesagt."
Die arme Zofe, so zwischen Baum und Borke, wusste sich keinen Rat und wagte es nicht, ihre Herrin weiter zu erzürnen. Zage wandte sie sich zu dem Eques und seiner Gefährtin, und vollführte eine matte, kleine, entschuldigende Geste, daraufhin hob sie erneut den Schirm über das Haupt ihrer Herrin.
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Matinia Marcella

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 03.09.2019 20:37 Forum: Panem et Circenses


Zitat:
Original von Iulia Graecina
„Oh ja! Einfach schrecklich!“, entgegnete sie ihr aus reiner Höflichkeit. „Dein Fächer ist wunderschön! Sind das Pfaufedern, wenn ich fragen darf?“ In der Tat, das Utensil bestach tatsächlich durch seine außergewöhnlich prachtvolles Aussehen. Graecina liebte solche Sachen. Leider hatte sie ihren Fächer zu Hause vergessen. Ober was war schon ein Fächer gegen das Vergnügen, den großen Polychares sehen zu dürfen!


"Zu liebenswürdig!", flötete Marcella, als ihre sympathische Sitznachbarin ganz offen den extravaganten Fächer bewunderte. Ihre ungekünstelte Art unterschied sich von der in Marcellas Freundinnenkreis, wo kaum ein Kompliment ohne verborgene Widerhaken ausgesandt wurde. "Was für ein hübscher Fächer! Er erinnert mich an den, den mir mein Gemahl vorletzte Saison verehrte. Wie gewagt, ihn zu dieser Stola zu tragen." So etwa.
"Es sind Federn vom Chrysolophus-Hahn. Sie sind importiert. Ich habe ihn aus einer ganz reizenden kleinen Boutique am Augustusforum.", plauderte Marcella, und wendete den Fächer langsam, so dass ein Sonnenreflex darüber glitt und das satte Blutrot der kürzeren Sprösselfedern sowie das gebänderte Goldbraun der langen wippenden Schweiffedern zum Schimmern, ja fast zum Glühen brachte. Wie sie dieses Farbenspiel liebte!
"Ich bin rasend gespannt auf das Stück. Polychares soll sich mal wieder selbst übertroffen haben! ...Wobei manche ihn ja auch für weit überschätzt halten. Wie siehst du das?", so erkundigte Marcella sich interessiert nach der Einschätzung ihrer Nachbarin. Der Pantomime war Stadtgespräch, sie und ihre Freundinnen konnten stundenlang von ihm schwärmen.
Die Musikanten unten griffen schon zu ihren Instrumenten, jeden Moment schien es loszugehen. Doch Marcella fiel auf, dass sie sich noch gar nicht vorgestellt hatte. Das holte sie gleich selbstbewusst nach.
"Wenn ich mich vorstellen darf: Matinia Marcella. Ich bin die Enkelin des Consulars und Censorius Matinius Agrippa. Mit wem habe ich das Vergnügen?"
Thema: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomime
Matinia Marcella

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RE: Wie hat dich ein Gott, Medea, gestürzt / In verschlingende Strudel des Unglücks! – Eine Pantomim 01.09.2019 21:23 Forum: Panem et Circenses


In Marcellas Lockenpracht blitzte hell ein Reif, der mit Feueropalen besetzt war, und golddurchwirkt schimmerte ihr rotes Byssusgewand, als die junge Matinia aus dem Vomitorium trippelte, sich dann gefolgt von ihrer Lieblingszofe zu ihrem Platz begab.
Diese drapierte erst ein weiches Kissen, mit Genswappen bestickt, auf dem Stein, dann nahm Marcella etwas geziert Platz, grüßte freundlich die neben ihr sitzende dunkelblonde junge Dame:
"Salve."
Und fächelte sich anmutig Luft zu, hauchte dabei:
"Oh diese Hitze."
Ihr Fächer bestand, farblich passend, aus Federn vom Goldfasan. Die Zofe nahm hinter ihrer Herrin Platz und hielt fortwährend ein bunt bemaltes Sonnenschirmchen über deren Haupt. Marcella liebte das Sehen und Gesehen werden und freute sich ausserdem schon ganz besonders auf die Chorgesänge.
Thema: Unter den Arkaden des Circus Maximus | Die Weisheit der großen Semiramis oder: Bei der Sterndeuterin
Matinia Marcella

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RE: Unter den Arkaden des Circus Maximus | Die Weisheit der großen Semiramis oder: Bei der Sterndeut 01.09.2019 20:26 Forum: Roma


PRIDIE KAL IUN DCCCXLIV A.U.C.
schrieb Marcella in die Asche, legte den bleiernen Stab rasch aus der Hand und rieb diese unwillkürlich an ihrem Gewand ab.
Die Sterndeuterin beugte sich vor, ein grünlicher Widerschein von den Feuerschalen spiegelte sich in den dunklen Brunnen ihrer Augen und ihre klauenartigen Hände umfassten Kristalle, Bronzereifen und Halbspären einer rätselhaften Gerätschaft. Die Knochenperlenschnüre schwangen mit trockenem Knacken, als sie den Mechanismus drehte, die Reifen umeinander schob, murmelnd die eingeätzten astrologischen Glyphen nachfuhr. Lichtstrahlen brachen sich in den Kristallen. Ein ätherisches Klingen lag in der Luft. Die große Semiramis nickte fachfrauisch...
Nicht auszuhalten war die Spannung. Marcella hielt den Atem an.
Da war mit einem Mal in den Augen der großen Semiramis nur noch das Weiße zu sehen, und sie weissagte mit einer Stimme, so hohl, mit einer Stimme, die nicht von dieser Welt war:

"Mein Kind! Die Sonnenglut des Löwen verbindet sich mit Venus mildem Schein. Deine Glücksfarbe ist Rot. Frohlocke, denn ein Glühen harrt deiner, wie es nur wenigen der Sterblichen beschert ist. Viel näher, als du denkst und prächtig, ja prächtig flammt die Glut, doch erzittere bis ins Mark und hüte sie, hüte sie und hüte dich mein Kind, denn ein Funke genügt, um einen verheerenden Flächenbrand zu entfachen. Schwärende Wunden schlägt der Stachel der Bestie, darum lege ihr den Zaum an, zäume sie beizeiten, so wird sie dich in Windeseile in nie geahnte Höhen tragen! Wenn die Drossel am Dorn den letzten Flügelschlag getan haben wird, dann wirst du bereit sein, die Gunst der Stunde zu greifen, doch vor allem: der Schlüssel ist es im richtigen Moment nichts zu tun."


Überwältigt, ganz schwach auf den Beinen, taumelte Marcella aus dem Zelt, gestützt auf den Arm ihrer Zofe. Das war echte Zauberei! Jede Sesterze wert. Sie hatte ihre Zukunft gesehen, ein goldenes, aber auch gefahrvolles Schicksal. Die schweren Eingangsdraperien fielen hinter ihr zu, verschlossen war der Mundus, vor ihr erstreckte sich wiederum die helle und alltägliche Welt Roms: verstopfte Straßen, viele Menschen, die über und über beschmierten Mauern des Circus maximus...
Wie eine Traumwandlerin bestieg die junge Matinia ihre wartende Sänfte, schob das wedelnde Hündchen beiseite, fächelte sich Luft zu und ließ mit großen Augen die Weissagung Revue passieren. Ihre Zofe, die an Marcellas Seite schon unzähligen Sterndeuter- und Wahrsager-Sitzungen beigewohnt hatte, hatte natürlich auch dieses Mal in Kurzschrift alles notiert, und musste es auf dem Heimweg ihrer Herrin noch dutzendfach vorlesen...
Thema: Unter den Arkaden des Circus Maximus | Die Weisheit der großen Semiramis oder: Bei der Sterndeuterin
Matinia Marcella

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Unter den Arkaden des Circus Maximus | Die Weisheit der großen Semiramis oder: Bei der Sterndeuterin 17.08.2019 22:46 Forum: Roma


Wie ein Lauffeuer hatte es sich unter den astrologisch gesinnten Damen der Stadt verbreitet: die berühmte Sterndeuterin, die große Semiramis, gastierte in Rom. Nur für kurze Zeit! Eine echte Babylonierin sei sie, auf Du und Du mit den Geheimnissen des Kosmos, eingeweiht in die ewigen Mysterien der Schicksalsmächte. Und manche flüsterten auch, sie sei in Wirklichkeit ein uralter Sternengeist des Zweistromlandes, der nun im Körper einer Frau erneut durch die Welt wandele, um die Sterblichen ihr geheimes Wissen zu lehren.

Die Gelegenheit konnte Marcella sich nicht entgehen lassen. In ihrer weißen Sänfte, die mit Blumen und allerlei goldenem Acanthuswerk verziert war, schaukelte sie über die Menschenmenge in Richtung Circus Maximus. Sie ruhte bequem in den weichen Kissen und streichelte ihren Lieblingspudel. Das schneeweiße Hündchen hechelte träge. Es war nach Löwenart geschoren und komplett überfüttert. Auch eine Zofe war dabei. Die Sänfte wurde von sechs kraftstrotzenden Nordmännern getragen, die alle in die Farben des matinischen Familienwappens gekleidet waren.
So ging es komfortabel zu den Arkaden, wo sich vor dem großen Zelt der berühmten Wahrsagerin bereits eine lange Schlange gebildet hatte. Ein kupferhäutiger Mensch in exotischen Gewändern überwachte den Einlass.
Natürlich hatte Marcella nicht vor, zu warten wie das einfache Volk. Sie schickte ihre Zofe mit einer monetären Aufmerksamkeit zu dem Wächter, der sie prompt an der Schlange der Wartenden vorbeiführte, und mit einer tiefen Verbeugung in das dämmrig dunkle Innere des Zeltes geleitete.

Hui, wie war das aufregend! Schwaden süßlichen Rauches wanden sich träge, darauf zeichneten sich scharf die einzelnen von oben hereinfallenden Lichtstrahlen ab. In zwei Feuerschalen waberten grüne Flammen, tauchten den Umriss der Wahrsagerin in ein unheimliches leichenhaftes Licht. Ein hoher Kopfschmuck schimmerte, von diesem hingen Ketten von Knochen-Perlen und umrahmten das tief gefurchte Gesicht der großen Weisen. Stechende Augen, ein hypnotischer Blick. An eine Vogelkralle erinnerte die hagere Hand mit den schweren Armreifen, die sich Marcella entgegenstreckte.

"Komm, mein Kind, komm nur." raunte die große Semiramis geheimnisvoll. "Du möchtest dein Geschick erfahren? Doch bedenke wohl, was einmal erschaut, wird nimmer vergessen. Die Sterne lügen nicht. Freud und Leid haben die Unsterblichen dir zugemessen, und für schwache Gemüter mag Unwissenheit ein Segen sein..."
Eine kalter Schauer lief kribbelnd über Marcellas Rücken. Doch sie hob das Kinn und erklärte fest:
"Ich will wissen was die Zukunft für mich bereit hält."
"Ah, ein wacher Geist, unerschrocken und bereit wahrhaft zu sehen..."
"Ausserdem" präzisierte Marcella. "...will ich wissen, wann mein Großvater seinen letzten Atemzug tun wird."
Sie hatte den alten Familienpatriarchen ja sehr gerne, aber das Erbe, das sie beim Todes des Proconsulars erwartete, würde sie schlagartig zu einer der allerreichsten Frauen des Imperiums machen. Vorausgesetzt, dass Großvater auf seine alten Tage nicht irgendwelchen Erbschleichern auf den Leim ging.
"So sei es."
Mystische Worte murmelnd, bestimmt war das die Sprache der alten Babylonier, verstreute die Zauberin zwei Handvoll Asche auf dem vor ihr ausgebreiteten Tuch. Sie reichte Marcella einen Stab, der sich eiskalt anfühlte, und schwer war, wie Blei und gebot ihr:
"Schreibe den Tag deiner Geburt in die Asche."
Thema: [Ientaculum] Familienfrühstück
Matinia Marcella

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RE: [Ientaculum] Familienfrühstück 22.02.2015 14:49 Forum: Casa Matinia


~"Ac floret vitis, quae palmites fert,"~ trällerte es silberhell durch die Gänge des Hauses. Marcella war am heutigen Tag ganz besonders gut gelaunt, sie sang (fast) wie eine Lerche vor sich hin, während sie barfüssig durchs Haus schlenderte. Die Hypocaustheizung hatte den Boden wohlig warm aufgeheizt.
Waffwaff! kläffte ihr Hündchen dazu. Waffwaff!!
~"E quibus vinum fit dulcissimum.
Idcirco repeto: pulchra iuventus est..."~
*

Als erstes erschien der Pudel, dann trat Marcella ins Triclinum hinein. Sie war noch nicht zurechtgemacht – denn das dauerte immer eine halbe Ewigkeit, so lange mochte sie nicht aufs Frühstück warten - trug noch ihr violettes Schlafkleidchen, hatte ein weiches, über und über mit bunten Blumen und Vögeln besticktes, Tuch um die Schultern geschlungen. Ihr folgten ihre Lieblingssklavinnen, dann das Kindermädchen und die Amme mit den beiden Kleinen.
"Guten Morgen Aulus!" flötete Marcella, beugte sich zu ihm und gab ihrem lieben Cousin einen herzlichen Kuss auf die Wange. "Hast du gut geschlafen? Ich hatte die verrücktesten Träume, aber ich hatte auch den verrücktesten Abend gestern, stell dir vor, meine Freundin Sepullia hatte zu ihrer Cena einen Sterndeuter für uns eingeladen! Einen echten Chaldäer."
Sie setzte sich, der weiße Pudel drehte eine Inspektionsrunde durch den Raum, das Kindermädchen begann der kleinen Serena ein Honigbrot zu streichen. Marcella ließ sich ihr Söhnchen reichen, schaukelte den kleinen Carus auf den Knien, machte Faxen bis er glucksend lachte. "Na wer ist denn daaa???" sprach sie mit süßer Stimme verzückt mit dem Kleinen, ihm den (vereinfacht gesagt) Onkel zeigend."Na guck mal! Da ist ja der Onkel! Da ist ja der Onkel Aulus!"



*Es blüht ein Weinstock und der trägt Reben,
Aus diesen Rebelein fließt süßer Wein.
Drum sag' ich's noch einmal:
Schön sind die Jugendjahr'...
Thema: Die Gemächer der Matinia Marcella | Ein neuer Tag bricht an
Matinia Marcella

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Die Gemächer der Matinia Marcella | Ein neuer Tag bricht an 18.02.2015 22:27 Forum: Casa Matinia


Ein goldener Sonnenstrahl kitzelte Marcellas Näschen. Sie blinzelte, schlug die Augen auf, und räkelte sich genüsslich noch ein wenig in den wolkenweichen Daunenkissen. Auch ihr kleines Hündchen, eine schneeweiße Pudeldame namens Flöckchen, die neben ihr zusammengerollt geschlafen hatte, begann sich zu regen, gähnte, wobei sie ihre rosa Zunge zeigte, und hüpfte schließlich von dem breiten Himmelbett, hoppelte durch das Gemach den eintretenden Sklavinnen entgegen. Als die erste Dienerin die schweren Vorhänge zur Seite zog, flutete hell das Morgenlicht herein, brachte die bunten Farben der Wandgemälde und Teppiche zum leuchten, umstrahlte die Blumen auf dem Fensterbord mit einer goldenen Aureole, und ließ das rubinbesetzte Halsband des Hündchens lustig funkeln.
"Was für ein herrlicher Tag!" jauzte Marcella. "Es wird schon wieder Frühling! ~ trallala lala~ Und das allerbeste: heute ist endlich die Trauerzeit vorüber."
Pflichtbewußt hatte Marcella ihren früh verschiedenen Ehegatten so lange betrauert wie die Sitte es vorschrieb, doch genug war genug. Sie war noch blutjung und eine echte Matinia, kein Kind von Traurigkeit, und sie hatte auch nicht vor eines zu werden.

Marcella ließ sich das Frühstück im Bett servieren, steckte Flöckchen dabei allerlei Leckerbissen zu. Danach nahm eine der vertrauten Leibdienerinnen das Hündchen an die Leine um es auszuführen. Marcella erhob sich, schlüpfte in weiche Haussandalen und tappte aus dem Schlafzimmer, besuchte das ganz aus blitzblankem Mamor gefertigte komfortable Wasserklosett, es folgte eine Katzenwäsche und das Bürsten und Polieren der Zähne, sodann ließ sie sich ihn ihrem Ankleidezimmer vor einem monumentalen Silberspiegel nieder.
Noch im seidenen Schlafkleidchen ließ sie sich dort von ihren Ornatrices zurechtmachen – eine legte ihr eine Gesichtsmaske auf, eine ondulierte ihr das Haar und steckte es auf, eine massierte ihr Hände und Füße mit wohlduftendem Öl, währenddessen schwatzten die Mädchen wie ein Schwarm Singvögel fröhlich durcheinander und erzählten Marcella von den Neuigkeiten, die den Haushalt der Matinier heute Morgen bereits erreicht hatten.

"Herennius soll vorhin schlafend auf der Schwelle von Agathocleas Haus gelegen haben." - "Agathoclea aber soll ein Auge auf Aurunculeius geworfen haben, doch der wiederum will von ihr nichts wissen." - "Und auf dem Forum Boarium gib es heute Hinrichtungen mit dem Schwert. Dürfen wir hingehen, Domina, bitte bitte, dürfen wir?" - "Calpurnius soll bei der Cena gestern gesagt haben, dass er sich diesmal aber wirklich von Sepullia scheiden lässt..." - "Die Tore sind noch immer geschlossen, und die Preise für Lebensmittel steigen weiter... Frischer Fisch ist gar nicht mehr zu bekommen!"

"Das ist so furchtbar..." seufzte Marcella. (Im Bezug auf die geschlossenen Tore, sie machte sich nichts aus Fisch.) Doch sie sehnte sich nach ihrem lauschigen Landhaus. Es war ihre Mitgift gewesen, die nun ihr allein gehörte, ein ganz reizendes Anwesen, und sie betrieb dort eine erfolgreiche Pudelzucht. Zwar hatte sie einen fähigen Verwalter, der sicher auch einige Zeit ohne sie auskommen würde, doch..
"Ich muß endlich wieder nach meinen Lieblingen sehen. Ich vermisse sie... - Und meine liebe Schwester, die ich ungeduldig erwarte, sie müßte doch jeden Tag zurück kommen."
Doch wie sollte sie in die Stadt kommen? Marcella sah ihr liebe Musa nach der langen Reise schon vor verschlossenen Toren stehen.

Es folgte das Auflegen leichter Kosmetik, dann kam die Prozedur des Ankleidens. Marcella ließ sich in ein seidenes Unterkleid mit raffiniert gerafften Ärmeln kleiden, dann sortierte sie schwungvoll einen Haufen schwarzer Gewänder aus, warf sie lachend in die Ecke, schwelgte genüsslich in der bunten Pracht ihrer unzähligen Kleidertruhen. Zuletzt entschied sie sich für eine über und über mit orangeroten Blumenranken bestickte Stola.

Das Trappeln kleiner Füße kündigte ihr Töchterchen Serena an, das Kleinkind stürmte mit wippenden Löckchen herein, war auch schon gewaschen und geschniegelt, gefolgt von ihrer Kinderfrau und von der Amme, die Marcellas zweites (überlebendes) Kind auf dem Arm trug, den kleinen Carus, der noch ein Baby war. Die stolze Mutter küsste ihre Kinder, knuddelte sie, wuschelte ihnen liebevoll durch Haar - und überließ sie wieder der Dienerschaft.

Eine Sklavin, deren alleinige Aufgabe es war, den Schmuck der Matinia zu hüten, zu bewahren und zu pflegen, brachte ihr das passende Juwelen-Set für den heutigen Tag, Collier und Haarnadeln, klimpernde Ohrringe, Armspangen und Ringe aus Gold und Feueropal. Liebevoll lächelte Marcella sich im Spiegel zu, drehte ihre geschmückten Hände, ließ die Steine im Sonnenlicht funkeln. Sie liebte Edelsteine über alles (noch mehr sogar als Pudel), sie liebte die Farbenpracht, diesen geheimnisvollen im Mineral schlummernden und durch das Licht zu erweckenden Glanz, das Schimmern und Flirren, sie konnte nie genug davon bekommen.

Währenddessen verlas ihre Sekretärin die Termine des heutigen Tages: einige Klienten der Familie waren zu empfangen, dann war ein Opfer für den verstorbenen Gatten geplant, welches aufgrund der verschlossenen Tore nun leider nicht am Grabe sondern nur am Hausaltar stattfinden würde können, dann Opfer an Venus und Iuno, dann war Marcella zum Mittagessen bei ihrer lieben Freundin Casperia verabredet, im Anschluß ging es in die Thermen zum Baden und Ballspielen, und am Abend gab die (vielleicht bald geschiedene) Freundin Sepullia eine Cena, zu der sie einen berühmten Sterndeuter eingeladen hatte, der den Damen Horoskope erstellen würde.
"Himmlisch," frohlockte Marcella bei diesem Programm, "Rom hat mich wieder!"
Sie warf sich einen hauchzarten Schleier über die Frisur und schwebte in den Tag...
Thema: Salvete
Matinia Marcella

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RE: Salvete 17.02.2015 19:44 Forum: Anmeldung


Vielen Dank für den Empfang, liebe Stadtwache. smile
Und vielen herzlichen Dank für die Aufnahme, Musa! fröhlich Gut dass du mich darauf hinweist, aber damit habe ich kein Problem.
Thema: Salvete
Matinia Marcella

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Salvete 16.02.2015 21:37 Forum: Anmeldung


Ich möchte mich anmelden als:
Marcella, Civis mit dem Wohnort Rom, und ich würde gerne der Gens Matinia angehören. smile
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