Hortus | TVF et SAL - Ein, zwei sensible Dinge

  • Einer der Sklavenjungen geleitete Tiberius Valerius Flaccus von der Prota in den Garten, wo der Hausherr sich gerade aufhielt.


    Trotz der frischen Temperaturen stand Sextus in ruhiger Betrachtung an eine Säule angelehnt am Rand des Gartens und betrachtete diesen scheinbar gedankenversunken. Das herbstliche Wetter hatte Raureif auf den welkenden Pflanzen hinterlassen, die kunstvoll angelegten Büsche und Bäume, die im Sommer prachtvolle Blüten trieben und kühlenden Schatten spendete, verloren mehr und mehr ihr Laub, das gelb und rot auf dem Gras verstreut lag und vom Wind raschelnd verweht wurde, während einige Sklavenmädchen gerade dabei waren, es aufzusammeln und in Jutesäcke zu packen, um so scheinbar wieder Ordnung in dieses von der Natur hervorgerufene, sterbende Chaos zu bringen.


    Als Sextus den Valerier näherkommen sah, löste er sich von seiner Säule und wandte seinen Blick vom herbstlichen Idyll ab. “Salve, Valerius“, begrüßte er den jüngeren Mann mit leicht kratziger Stimme. Das elende Herbstleiden war zwar bereits wieder weitestgehend abgeheilt, das in den letzten Wochen vorherrschende Husten hatte allerdings noch immer leichte Spuren an seiner Stimme hinterlassen, weshalb Sextus es aktuell vermied, öffentlich viel zu reden. Hier in privatem Rahmen mit seinem ehemaligen Tiro würde sich wohl aber kaum jemand daran stören.

  • Dem Valerier viel die angegriffene Stimme des anderen kaum auf. Viele Leute waren an den allherbstlichen Leiden erkrankt. Tiberius war bisher glücklicherweise verschont geblieben.


    "Salve Aedilicus. Ich hoffe, ich störe dich nicht allzu sehr, aber es haben sich in letzter Zeit einige teils seltsame Begebenheiten zugetragen, zu denen ich gern deine Meinung hören würde, die dich aber auch so interessieren könnten. Und einen Brief wollte ich dir nicht schicken, weil eine dieser Sachen den Praefectus Urbi betrifft und mir dafür ein Brief nicht angenehm war."


    Er nahm den noch etwas blassen Aurelier in Augenschein.


    "Wenn dir allerdings nicht wohl ist, komme ich irgendwann anders gern nochmal wieder. Besonders dringend ist es nämlich nicht."

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  • Sextus machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand, fast so, als würde er eine Fliege verscheuchen. “Sollte ich einmal zu schwach sein, zuzuhören, bereitet mein Begräbnis vor.“ Es wäre mehr als widersinnig, den Valerier erst herein zu bitten, nur, um ihn gleich wieder heimzuschicken, weil man sich nicht so fühlte.
    Dennoch musste man auf der anderen Seite nicht gleich in Hektik verfallen. Gemächlich ging Sextus also zu einer Sitzgruppe, die gegen die Kälte mit dicken Kissen ausgelegt war. Eigentlich bevorzugte Sextus das nackte Holz oder den blanken Stein, aber angesichts der Kälte und seiner Gesundheit ließ er sich auf diese Bequemlichkeit notgedrungen ein und lud den Valerier mit einer Geste ebenso ein, Platz zu nehmen. Eine Sklavin eilte sofort herbei mit zwei dampfenden Krügen: Heißes Wasser und ebenso heißer, gewürzter Wein. Ohne, dass Sextus etwas sagen musste, schenkte sie ihm einen Becher in seiner bevorzugten Mischung ein und fragte auch den Valerier stumm mit kleinen Handzeichen, ob er etwas haben wollte.


    “Dann berichte mir doch einmal der Reihe nach, was dich herführt“, eröffnete Sextus also das Gespräch und nahm einen kleinen Schluck heißen Weines. Er schmeckte Zimt und andere Gewürze aus dem Osten. Vermutlich war dieser Wein hier das teuerste an sämtlichen Lebensmitteln des heutigen Tages. Aber sein Arzt hatte sich unnachgiebig gezeigt, und Sextus war seine Gesundheit dann doch dieses bisschen Luxus wert.

  • Dankend nahm Tiberius den Gewürzwein an. Hervorragendes Gemisch. Natürlich waren die Aurelier in der Lage nur die edelsten Gewürze zu verwenden und das schmeckte man.


    "Ah, vorzüglich. Du musst mir unbedingt die Mischung verraten."


    Allerdings war er nicht gekommen, um Kochrezepte auszutauschen:


    "Nun also. Ich war in den letzten Wochen ein wenig umtirebig und einige begebenheiten waren von, sagen wir seltsamer Natur. Zum Beispiel war ich beim Orakel in Cumae. Ein beeinruckender Ort. Aber leider war der Orakelspruch genauso rätselhaft, wie ich befürchtet hatte. Ich weiß, dass du dich mit den Dingen des Göttlichen auskennst. Vielleicht kannst du mir ja bei der Interpretation ein bisschen weiter helfen. Falls das in deine Zuständigkeit fällt.


    Andererseits war ich auf dem Gebiet des Rechts relativ umtriebig. Mein Kommentar zur Lex Frumentaria ist so gut wie fertig, er muss eigentlich nur noch veröffentlicht werden. Und hier gabs dann die zweite etwas seltsame Begebenheit. Du wirst dich erinnern, dass der Praefectus Urbi eine bedeutende Rolle im Bereich der Getredeversorgung darstellt. Um ein bisschen Praxisbezug zu bekommen - die Ansicht des eigentlichen Amtsinhabers ist für die Interpretation des Gesetzes von größter Bedeutung. Deswegen hab ich den Mann mal aufgesucht. Und um ihm auch persönlich ein bisschen auf den Zahn zu fühlen. Der Amtsträger definiert das Amt, sagt man. Allerdings hatte Menecrates kein gesteigertes Interesse an einer abstrakten rechtlichen Diskussion. Leider. Unser Treffen war abrupt zu Ende, weil er sich offenbar persönlich angegangen fühlte. Ein Jammer. Der Grad der Dünnhäutigkeit dieses Herrn hat mich dann doch überrascht. Vielleicht ein Zeichen von Unsicherheit? Oder Unzufriedenheit? Ich dachte vielleicht, das könnte dich interessieren. Wenn ich mich recht erinnere, warst du ja keiner, der Lobeshymnen auf den damaligen Konsul gesungen hat. Typisches Verhalten?


    Außerdem habe ich einen gewissen Aenaeas Florus Minor, der ja gerade sein Vigintivirat bestreitet, kennengelernt. Der packt die Dinge an. Könnte weit kommen. Sicher kennst du ihn? Wenn nicht könnte ich ihn dir gerne vorstellen."

  • Das Kompliment bezüglich des Gewürzweins nahm Sextus als die übliche Schmeichelei zu Beginn eines Gespräches. “Wenn du möchtest, kannst du gern einen Bediensteten zu meiner Köchin senden“, stimmte er also zu, ohne anzunehmen, dass das tatsächlich passieren würde. Und wenn doch, war es ebenso von keinem Belang.


    Danach setzte Valerius Flaccus zu einem Bericht an, der wohl alles auf einmal unterzubringen versuchte, was den jungen Mann gerade so umtrieb. Sextus versuchte zu folgen, und war am Ende kaum mehr erleuchtet, als zu beginn. Offenbar oblag ihm nun die Reihenfolge der Gesprächsthemen, denn es war wohl kaum möglich, auf alle drei Punkte vollumfassend einzugehen, ohne den Faden zu verlieren.


    “Ich denke, Annaeus Florus Minor ist mir schon bekannt. Wenn ich mich nicht täusche, hat er sich kurz vor seiner Wahl kurz vorgestellt. Eine erneute Vorstellung ist daher nicht unbedingt nötig“, begann Sextus mit dem einfachsten und hoffte, damit diesen Punkt auch vielleicht abschließen zu können. Er merkte sich natürlich nicht alle Besucher, aber solche, die ihm einfach eine Tafel mit ihrem Anliegen in die Hand drückten, stachen doch ein wenig aus der Masse heraus. Zudem hatte der Junge einen traditionsreichen Namen und würde wohl irgendwann im Senat sitzen, da konnte man ihn sich schonmal merken. Allerdings bezweifelte Sextus, dass der Annaeer unbedingt zu einem seiner Verbündeten werden würde, schon allein, weil er sich Decimus Livianus zum Patron erwählt hatte.


    “Aber kommen wir zurück zu deinem Besuch bei Claudius. Du verstehst sicherlich, dass ich nun nicht unbedingt mit meiner Meinung über ihn hausieren gehen werde. Aber ich denke, ich spreche kein Geheimnis aus, wenn ich bestätige, dass Claudius sich sehr schnell und sehr leicht in seiner Ehre gekränkt fühlt und jede auch vermeintliche Kränkung mit einer Leidenschaft verfolgt, die... ungewöhnlich ist, was mitunter zu seltsamen Blüten führt.“ Beispielsweise in mitten in der Nacht verfassten Gesetzesinitiativen, die keinerlei Hand noch Fuß haben, nur weil eine Frau es wagte, ihm zu widersprechen, oder weil sich Wagenlenker von ihm nicht erpressen ließen. Oder – in Sextus Fall – weil sein nichtsnutziger Neffe keinen Sitz in seiner Wunsch-Sodalität bekommen hatte und Sextus einer von vielen Mitgliedern war, die eben gegen diesen gestimmt hatten.


    “Aber was genau wolltest du denn von ihm wissen, weshalb er sich in deinem Fall hätte gekränkt fühlen können?“ fragte Sextus dann einmal nach. An einer rechtlichen Betrachtung eines Amtes konnte er an sich erst einmal keinen Grund für persönliche Ressentiments ausmachen. Aber vielleicht war er da auch einfach weniger gefühlsbetont als andere Mitbürger.

  • Jetzt wo er hier war, fiel der Unterschied zwischen dem etwas emotionalen Praefectus und dem Aurelier noch deutlicher ins Auge. Lupus war die Sachlichkeit in Person. Oder schien zumindest so.


    "Wenn ich mich recht erinnere, ging es bei meiner Frage um die konkreten Kompetenzen, die die der Praefectus auf sich vereint. Ich will dich nicht mit staatstheoretischer Geschichte langweilen, aber es ist der Fall, dass das Amt des Praefectus im Laufe der Zeit einen ganzen Haufen Kompetenzen angesammelt hat, die vorher verteilter waren. Ich wollte nun von ihm wissen - ganz abstrakt und theoretisch formuliert wohlgemerkt - ob das zuträglich ist, oder ob die Verteilung der Kompetenzen der Effizienz wegen wieder ein bisschen breiter gestreut werden sollte. Hintersinn der Frage war auch, das Selbstverständnis des Praefectus ein bisschen zu beleuchten. Versteht er sich eher als Überherr der Verwaltung oder eher als ein Glied unter vielen, die die Verwaltung des Augustus betreiben? Das hat der ehrenwerte Praefectus aber in den falschen Hals bekommen. Glaubte wohl ich würde ihm Überfordertheit unterstellen.
    Ich bin noch nicht so gewandt im Umgang mit so hohen Herren, die ich nicht kenne. Habe ich einen Fehler in der Etikette gemacht, als ich ihn das gefragt habe? "


    Die Antworten auf diese Fragen nach dem richtigen Umgang zu finden, sah Tiberius als essentiell für seine Karriere an. Man durfte nicht aus Ignoranz ungehobelt erscheinen.


    Die Bemerkung des Haruspex, dass er mit seiner Meinung über Menecrates nicht hausieren gehen wollte, fand Tiberius etwas ironisch, konnte er sich doch genau daran erinnern, dass der damalige Aedil den damaligen Konsul in seiner Gegenwart als "dumm" bezeichnet hatte.


    "Als ich da raus bin, habe ich seine Reaktion eher als Unsicherheit gedeutet. Falls dem so sein sollte, könnte es dich vielleicht einfach politisch interssieren."

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  • Oh ja, dass eine Frage in diese Richtung von Claudius falsch aufgefasst wurde, konnte Sextus sich lebhaft vorstellen. Macht abgeben, Kompetenzen teilen, und sei es auch nur theoretisch, oh Olymp hilf! Dann könnte ja vielleicht jemand rangniedrigeres für irgendetwas Lob erhalten und nicht man selbst. Es könnte irgendjemand besser in irgendetwas sein! Und wenn der Claudier mit irgendetwas Probleme hatte, dann damit, potentiell überflügelt zu werden.


    “Ich denke nicht, dass es ein Fehler in der Etikette war. Eher ein Fehler des Gesprächspartners“, begann Sextus also.
    “Du musst verstehen, die Senatorenschaft teilt sich dahingehend in... vier verschiedene Gruppen ein. Da gibt es den Teil der Senatoren, mit denen kannst du über jedes Thema diskutieren, sei es auch noch so theoretisch. Hierzu gehören beispielsweise Consular Purgitius oder Senator Iulius Dives. Die würden mit dir vermutlich auch noch dann diskutieren, solltest du über die theoretischen Möglichkeiten sinnieren, Kaninchen taktisch im Krieg einzusetzen. Einfach, weil sie gerne diskutieren.


    Dann gibt es den Teil der Senatoren, die durchaus konstruktiv diskutieren wollen, aber nicht über jedes Thema und die durchaus auch mal ein Thema zu einem sinnigen Ende führen wollen. Hierzu zähle ich mich auch selbst, oder auch Consular Flavius.
    Wenn hier ein Thema nun aber irrelevant, unlogisch oder nicht praktikabel ist, kann es passieren, dass du genau dies zu hören bekommst, wenn du ein solches Thema anschneidest.


    Dann gibt es die Senatoren – und dazu zähle ich die meisten – die schlicht gar nicht diskutieren wollen und sich am liebsten aus allem heraushalten wollen, die höchstens nach Gefälligkeiten oder allenfalls nach Bauchgefühl abstimmen, darüber hinaus an einer Debatte aber kein Interesse hegen.“


    Sextus nahm noch einen Schluck Wein, der mittlerweile gute Trinktemperatur hatte. Nicht mehr lange, und er würde kalt sein, wie die gesamte kalte Herbstwelt.
    “Und dann gibt es den vierten Teil. Diejenigen, die zwar diskutieren und mitreden wollen, es aber schlicht nicht können. Nicht, weil sie generell keine Ahnung hätten – wobei auch davon einige zu finden sind – sondern, weil sie einfach nicht diskutieren können. Dies ist manchmal schwächer ausgebildet, wie bei Consular Decimus beispielsweise. Bei ihm kommt es sehr auf das Thema und die Tagesform an, und... häufig bemüht er sich.
    Aber es gibt eben auch Personen, die nur solange diskutieren können, solange man ihrer Meinung ist, weil jede Gegenmeinung ja nur aufgrund Feindseligkeit zustande kommen kann, jede Warnung zur Machbarkeit ein persönlicher Angriff und jede Alternative pure Gehässigkeit ist.
    Und auf so einer Grundlage lässt sich schlicht nicht diskutieren, Etikette hin oder her.


    Daher lag der Fehler sicherlich nicht an fehlenden Umgangsformen, sondern hier schlicht am falschen Gesprächspartner.“ Oder am falschen Mann an einem wichtigen Posten, der seine Pfründe schützen würde wie ein zähnefletschender Wachhund an der Kette.
    "Doch herauszufinden, welcher Senator in welche Gruppe gehört, bedarf mitunter jahrelanger Erfahrung und einiger Fehlgriffe. Nimm es also nicht zu schwer." Sextus selbst hatte sich auch schon einige Male täuschen lassen.

  • Mit dieser Aufschlüsselung konnte Tiberius in der Tat etwas anfangen. Überaus aufschlussreich.


    "Wie interessant. In meinem Gewerbe ist die Diskussion der Stoff aus dem die Welt besteht. Du erinnerst dich an unsere Gespräche bei der Lex? Deswegen nimmt man uns als Schwätzer wahr. Ein Jammer."


    Für Tiberius konnte eine Diskussion viele verschiedene angenehme Facetten annehmen. Die erforschung des Geistes des Gegenübers. Das Aufnehmen von neuen Ansichten. Vor Gericht nahm es dann zwangsläufig die Form eines Wettkampfes an. Der oft auch nicht den Anforderungen des Aurelius an eine gewisse Sinnhaftigkeit entsprechen würde. Man konnte ishc auch über Dachbalken und ein Paar Fuß Feldweg stundenlang austauschen.
    Dass man den Austausch von Ideen als generell überflüssig oder langweilig erachten konnte, war ihm noch nie in den Sinn gekommen.


    "Aber ich werde mir das merken. Ein schmaler Grat. Danke für deine Einsichten. Aber wenn es dir nichts ausmacht, hätte ich auch noch eine Frage, die nicht die Eigenschaften von Senatoren betrifft. Ich war neugierig und habe mir das Übernatürliche einmal genauer angesehen.Die Sybille in Cumae hat mir das hier"


    Er zeigte dem Aurelier die Tafel


    Der Wald hat weit mehr Lücken als Bäume, und trotzdem erscheint er undurchdringlich. Nur wer hinein geht, kann auch wieder heraus kommen, aber weder hier noch dort wird die Arbeit ihn rufen, denn die Stille übertönt jedes Geräusch. Wer im Wald steht, kann den Mond nicht sehen, doch jener sieht mehr als nur den einen Wald. Du fragst nach einem Weg und kennst doch schon alle Antworten, denn ohne Ziel gäbe es auch keinen Start.


    "gegeben. Ich muss dir sagen, dass ich nicht alle Antworten kenne. Ganz im Gegenteil. Du kennst dich mit dem Übernatürlichen aus. Vielleicht kannst du mir weiter helfen? In dem Text gibts verschiedene Dinge und Symbole. Wald. Mond. Bäume. Alles sehr rätselhaft."


    Tiberius wusste, dass sich Lupus als Haruspex mit Eingeweideschau beschäftigte. Aber vielleicht wusste er auch bei Orakelsprüchen Rat.

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  • Sextus konnte sich der Meinung seines ehemaligen Tiros nicht anschließen, dass Rechtsanwälte nur deshalb als Schwätzer galten, weil sie viel diskutierten. Zwar hatte er bislang nur wenig mit Juristen zu tun gehabt, so dass seine Meinung wohl nicht maßgeblich war. Aber seiner Meinung nach lag der Ruf als Schwätzer wohl eher daran, dass Anwälte nie zum eigentlichen Punkt kamen, sondern vom hundertsten ins Tausendste debattierten und dabei den roten Faden allzu leicht verloren.


    Doch glücklicherweise musste er dieses Thema nicht vertiefen, da Valerius Flaccus von sich aus auf das dritte zuvor angesprochene Thema zurückkam. Ein Weissagungsspruch der Sybille.
    “Nun, die Weissagungen eines Orakels unterscheiden sich von den etruskischen Arten der Divination und haben die Angewohnheit, der betreffenden Person häufig erst im Nachhinein klar zu werden“, relativierte Sextus gleich zu Beginn sein Wissen. Die Götter redeten mit den Menschen auf vielfältige Weise, nur war deren Sprache nur sehr schwer zu verstehen, egal in welcher Form. Durch den Mund einer berauschten Jungfrau vermutlich noch etwas schwerer, als ohnehin schon.
    “Der Weissagungsspruch enthält in der Tat viele Bilder. Der Wald steht allgemein als Zeichen üblicherweise für das Dunkle, Bedrohliche, Gefährliche. Der Ort, an dem Leben und Tod aufeinandertreffen. Aber auch für das Urtümliche, das Ungezähmte, nicht der Ordnung unterworfene Prinzip von Freiheit. Eine Urgewalt. Macht in ihrer ursprünglichen Form, wenn du so möchtest, aber unkontrollierbar und unlenkbar.
    Der Baum als solches und einzelnes hingegen steht für Leben, Wachstum, Wohlstand... Ewigkeit.
    Der Mond wiederum ist das Weibliche, das Mysterium, die Magie... in den meisten Voraussagen aber tatsächlich für eine konkrete Frau.


    Um diesen Orakelspruch nun interpretieren zu können, müsste ich vornehmlich wissen, welche Frage du dem Orakel gestellt hast.“ Einfach nur eine Antwort zu hören, hieß ja nicht, dass man diese auch nur annähernd verstand. Er könnte ja auch mit '42. Ich hab's nachgerechnet' antworten, doch ohne die passende Frage hierzu würde die Antwort wohl kryptisch bleiben.

  • Ja, was hatte Tiberius die Sybille gefragt.
    "Natürlich. Wie dumm von mir. Wie sollst du mir helfen, wenn du die Frage nicht weißt. Ich hatte gefragt, ob ich mich eher dem Dienst an den Göttern oder der Verwaltung des Gemeinwesens verschreiben sollte. Die Kanzlei lastet mich nicht recht aus und das richtige Amt könnte mich auch voran bringen. In jeder Hinsicht."
    Im Gegensatz zu dem Aurelier, der durch seine Herkunft allerlei Karrierevereinfachungen genießen konnte, waren diese Tiberius verschlossen und es war ein steiniger Weg nach oben für einen normalen Cives. Septemvir undTrecenarius. Mehr war für die ruhmreichen Valerier noch nicht drin gewesen. Aber vielleicht konnte Tiberius das ja ändern.


    "Diese ganzen Symbole des Überantürlichen weisen ja eher nicht auf die Verwaltung hin?"

  • Die Verwaltung oder der Dienst bei den Göttern? Hatte Sextus sich so getäuscht und seine Zeit damals an jemanden ohne Ambitionen verschwendet, als er dem Valerier ein Tirocinium eingeräumt hatte? Nun gut, 'verschwendet' war vielleicht etwas hart, da Sextus von dessen Mithilfe durchaus auch profitiert hatte. Doch dennoch hatte er den Eindruck gehabt, der junge Mann hätte höhere Ambitionen und einen ehrgeizigeren Plan im Sinn als das hier.


    “Die Verwaltung oder der Dienst an den Göttern? Ist dies dein hohes Ziel, welches du im Leben verfolgst?“ stellte er daher in suggestivem Tonfall eine Frage, von der er sich eine doch ambitioniertere Antwort erhoffte. “Natürlich sind beides ehrenvolle Aufgaben.“ Was sollte er selbst, der ja auch Haruspex war, auch anderes dazu sagen? “Allerdings hatte ich den Eindruck, dass dein Ziel doch etwas höher liegen würde.“
    Für Sextus war der Spruch des Orakels doch ziemlich klar. Ungewöhnlich klar, könnte man schon fast sagen. Doch verriet er seinem ehemaligen Tiro nicht gleich die Antwort, sondern wollte erst einmal schauen, ob es ihm nach ein paar Suggestivfragen nicht selbst dämmern würde.

  • Der Haruspex schien ehrlich überrascht von der Frage, die Tiberius dem Orakel gestellt hatte.
    "Höhere Ziele." sagte er langsam. "Höhere, als ich sie mir eigentlich leisten kann. So hoch, dass es für jemanden meines Standes impertinent wäre, sie allzu freimütig zu äußern. Ja, ich glaube du hast Recht, wenn du annimmst, dass ich solche Ziele habe."


    Nicht, dass Tiberius sich übergroße Mühe gegeben hätte, diese zu verbergen. Andererseits war es ihm trotz aller Vorbereitungen und Ideen immer wie ein ferner Traum, eine unrealistische Geschichte vorgekommen. Wenn er sich dabei erwischte sich zu fragen, warum er die Politik verfolgte, warum er sich um die Gesetze kümmerte, hatte in seinem Kopf immer die Ambition und der Ehrgeiz mit dem Standesbewusstsein gerungen. In schwachen Momenten hatte er rationalisiert. Die ganzen Bemühungen waren sicher auch nützlich, um eine solide Karriere als Anwalt in der ewigen Stadt zu erreichen. Aber schnell war dann der Ehrgeiz zurückgekehrt. Den hatte der Haruspex anscheinend durchaus bemerkt und Tiberius glaubte nun eine gewisse Enttäuschung in seinem Lehrer zu bemerken. Diese war jedoch ungerechtfertigt.


    "Oh ja diese Ziele habe ich und verfolge sie auch im mir gebotenen Tempo und in der mir gebotenen Bescheidenheit. Was ich von der Sybille erfragt habe, war nicht das Endziel, sondern der Weg dahin. Es bleibt mir verschlossen, einfach zum Forum zu marschieren und meine Kandidatur zu erklären, so gern ich das täte. Aber für einen kleinen Plebejer gibt es auf diesem langen Weg keine Abkürzungen. Und es ist eine gewisse Umsichtigkeit erforderlich. Nun hatte ich mir vom Orakel wenigstens einen Fingerzeig dahin erhofft, welcher Weg mich zu diesen Zielen führt. Doch ist dieser Fingerzeig nicht so ausgefallen, dass ich ihm ohne übermäßige Zweifel folgen könnte. Daher bin ich zu dir gekommen."

  • “Impertinent“, sagte Sextus leise und ein leichtes Lächeln umspielte kurz seine Züge. “Ich nehme nicht an, dass dir die Geschichte meiner Familie bekannt ist?“ fragte er dann ebenfalls eher rhetorisch. Die meisten Menschen hatten schon Probleme mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Die anderer Leute zu kennen war da schon erheblicher Bonus, erst recht, wenn es sich nicht um eines der wirklich alten Geschlechter Roms handelte.
    “Der Großvater meines Großvaters war Händler in Syria. Ein völlig unbedeutender Mensch, der abgesehen vom römischen Bürgerrecht nichts vorzuweisen hatte.“ Eine Tatsache, die selbst so mancher seiner eigenen Verwandten gerne mal vergaßen, allen voran die holden Damen. Aber Sextus nicht. Diese kleine Tatsache war weitaus hilfreicher als jeder murmelnde Sklave, der einen an die eigene Sterblichkeit gemahnte, je sein könnte, und gleichzeitig inspirierender für den eigenen Ehrgeiz als es eine Abstammung von den Gründerfamilien je sein könnte.
    “Aber er hatte einen Plan. Er häufte Geld an, schickte seinen Sohn nach Griechenland, um dort Fuß zu fassen und das Geschäft auszuweiten, handelte mit den erlesensten Gütern von Wein über Weihrauch bis Zedernholztruhen, bis die Familie auch in Rom einen Namen hatte. Aber auch hier zunächst nur als Händler. Mein Großvater war es schließlich, der sich den Reichtum zunutze machte, um die Nähe zum Kaiser zu suchen. Er stieg erst zum Senator auf, später zum Proconsul Syrias und zum Princeps Senatus und wurde nach kürzester Zeit mitsamt seiner Familie vom Kaiser in den Adelsstand erhoben.“


    Fast schon verschwörerisch lehnte sich Sextus nach vorne seinem Gast entgegen und blickte ihm fest in die Augen. “Vergiss den Anstand und was sich schickt oder nicht. Wenn du etwas haben willst, dann hol es dir.“
    Er ließ sich wieder zurück in seinen Sessel fallen. Er war gesundheitlich einfach nicht auf der Höhe, so gern er auch anderes von sich behaupten würde. Älter zu werden war der grausamste Scherz der Götter. Da hatte man endlich den nötigen Verstand, nicht jedem Hirngespinst der Jugend nachzugehen, und dann ließ einen der eigene Körper im Stich.


    “Und vergiss diesen Unfug, dass es keine Abkürzungen gebe. Natürlich gibt es die. Du nimmst gerade eine.“ Das Bild der Sybille war wirklich gut gewählt worden von den Göttern. Der Valerier sah den Wald vor lauter Bäumen nicht.
    “Du hast sicherlich mehr Hindernisse in deinem Weg, als ich sie gehabt habe. Doch es gibt ebenso viele Möglichkeiten, daran vorbei zu gehen. Hör auf, dich auf die Hindernisse zu konzentrieren, fang an, die Möglichkeiten zu sehen. Hör auf, die Bäume zu sehen und sieh die Lücken! Warte nicht, bis dich eine Erkenntnis ruft, welcher Arbeit du nachgehen sollst, sondern benutz' deinen Verstand, was dir für dein Ziel nützlicher ist und triff eine Entscheidung. Und geh das ganze ernsthaft an, such dir einen Patron und am besten obendrein noch eine Ehefrau, die deinen gesellschaftlichen Stand ausgleichen können.“
    So schwer fand Sextus das eigentlich nicht. Diese Ratschläge sollte jeder, der in den Senat wollte, beherzigen und schon kennen, bevor irgendjemand sie einem sagen musste. Denn diese Dinge galten unabhängig vom Stand für alle, die etwas mehr wollten als das, was sie gerade hatten. “Und hatte das Orakel nun recht, dass du diese Antwort eigentlich schon kanntest, oder hat es sich geirrt?“

  • Tiberius hatte interessiert zugehört, als der Aurelier die Familiengeschichte dargelegt hatte. Kein Wunder, dass dessen Ansprache eine deutliche Aufforderung darstellte nun endlich die fruchtlose Grübelei einzustellen und loszulegen.


    "Weißt du, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir die Antwort zu entgleiten."


    Tiberius atmete kurz ruckartig ein und aus und raufte sich die Haare.


    "Also. Das Orakel sagt mir, ich soll aufhören den Wald vor lautern Bäumen nicht zu sehen und anfangen das Ganze zu betrachten. Und dass bei der Auswahl des Weges nach vorn auch kein hilfreicher Ruf, dem ich bequem folgen könnte, auftauchen wird, weder in der einen oder anderen Richtung. Du gibst mir praktische Ratschläge. Die ich auch beherzigen werde. An eine entsprechende Frau zum Beispiel sollte ja dran zu kommen sein.Den Anstand fallen lassen. Keine Angst vor der Abkürzung haben. Das tun was nützlich ist. Na schön. Wenn ich in den Senat will muss ich auf die Position, die mir am schnellsten das größtmögliche Ansehen bringt. Ich muss sie mir nehmen. Mhm. Dann brauch ich jedenfalls gar nicht erst anfangen darüber nachzudenken, in irgendeinem Einstiegsämtchen in der Praefectura anzufangen. Ganz abgesehen davon, dass der Praefectus sowieso nicht besonders fördernd auf mich reagiern wird. Nimm es dir, sagst du. Wenn ich Ansehen will muss ich in irgendein prestigeträchtige... Versammlung, Collegium.... Collegium. Wenn ich also meine Hybris zulasse...mhm. Pontifex wäre möglich, oder? Minor als normaler Plebejer jedenfalls."


    Er machte sich darauf gefasst, dass der andere in schallendes Gelächter ob Tiberius' Hybris ausbrechen würde. Tiberius fragte sich, ob er nun die Antwort gefunden hatte, die anscheinend der Haruspex so offensichtlich nicht besonders schwer gefunden hatte zu erraten.


    "Es wäre mir ohnedies jedenfalls eine Ehre, wenn du mich als deinen Klienten annehmen würdest."


    Das nun war eine logische Idee und Tiberius hatte schon eine längere Zeit mit dem Gedanken gespielt, den Haruspex darum zu ersuchen. Er glaubte durchaus, dass er den Anforderungen des Aureliers an eine gewisse Nützlichkeit entsprach - war Effizienz doch die bevorzugte Messmethode des Aureliers - und dies auch schon demonstriert hatte.


    Nun erwartete er die Reaktion.

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  • Wenn Sextus jetzt gemein wäre, müsste er eigentlich ablehnen. Immerhin hatte Valerius Flaccus ihm gerade noch lang und breit erklärt, warum er unwürdig war und sich keinen Ehrgeiz leisten durfte, warum er bescheiden und unauffällig sein sollte und dass er nicht wusste, wohin mit sich. Was also war der Gewinn für Sextus an einer Person, die keinen eigenen Ehrgeiz hatte und sich ohnehin für unwürdig hielt?
    Aber im Gegensatz zur allgemeinen Meinung war Sextus nicht per se gemein, eher konsequent. Und nachdem er den jungen Mann schon in der Vergangenheit protegiert hatte und Valerius Flaccus zwar etwas planlos, aber sicherlich nicht dumm war, wäre es Verschwendung von Talent, jetzt abzulehnen.


    Nachdem er den jungen Mann also einen angemessenen Augenblick lang hatte schmoren lassen, neigte er huldvoll seinen Kopf, wie es von einem Patrizier und Patron so erwartet wurde. “Da du gewillt und aufrichtig scheinst, stimme ich zu, dich als Patron zu unterstützen und nach Möglichkeit zu fördern. Ich werde von dir keine Dienste verlangen, die unehrenhaft sind. Dafür verlange ich deine Treue und Hilfe, wann immer ich sie einfordere.“ Soviel zur offiziellen Formel zur Eingehung eines Patronats.


    “Und als dein Patron erlaube mir ein paar Ratschläge. Zunächst bezüglich deiner Frage zum Pontificat: Es sollte prinzipiell möglich sein, und ich bin mit Flavius Gracchus befreundet, so dass ich ihn hierfür um einen Gefallen bitten kann.


    Allerdings solltest du hierfür etwas mehr hermachen. Ich werde dir etwas Kapital vermachen, damit du dich für eine Vorstellung bei den Flaviern passend einkleiden kannst und vielleicht auch wirtschaftlich ein wenig Fuß fassen kannst. Sieh es als Investition meinerseits. Aber man sollte sich immer für den Beruf kleiden, den man haben möchte, nicht für den, den man aktuell hat.


    Und als drittes möchte ich dir noch den Ratschlag geben, dich einer Factio anzuschließen. Die Praesina scheidet vermutlich aus, da dort Claudius Menecrates Dominus Factionis ist. Auch bei der Aurate könntest du Schwierigkeiten haben, denn dort hat er seinen Sohn installiert. Die Purpurea ist recht unbedeutend, so dass dir dort nicht automatisch Verbindungen zufliegen. Aber Veneta, Albata oder vor allen Dingen die Russata würden dir die Möglichkeit bieten, Kontakte zu Senatoren oder angehenden Senatoren zu knüpfen, die dich unterstützen können, und gleichzeitig ist die Arbeit in einer Factio recht überschaubar.“


    Sim-Off:

    Im Control Panel müsstest du das Klientel-Verhältnis dann bitte einmal bestätigen (Suum cuique -> Control Panel -> Bestätigungen). Und nutze die Kohle weise :D

  • Sehr schön. Kein Gelächter und keine Gehässigkeit. Eine Investition. Nun, damit konnte Tiberius sehr gut leben. In der Tat. Trotz der Geschäftsmäßigkeit des ganzen Vorganges, konnte Tiberius nicht umhin die Bedeutung für ihn emotional zu spüren. Doch für den Patrizier war es wie er gesagt hatte, eine Investition und rein geschäftlich. Dankbarkeitsorgien waren wahrscheinlich also fehl am Platze.


    "Vielen Dank, Haruspex. Das bedeutet mir sehr viel. Ich werde dein Vertrauen nicht enttäuschen. Und betrachte das Geld als sinnvoll angelegt."


    Die Angelegenheit mit der Factio war glücklicherweise bereits geregelt.


    "Was die Factio angeht, so ist die Gens Valeria seit jeher Anhängerin der Veneta. Dies ist also bereits geregelt. Ich hatte im Zuge davon auch schon die Ehre den Senator Iulius Dives kennen zu lernen."


    Der Aurelier hatte sich vorhin positiv über diesen geäußert.


    "Es ist interessant, wie sehr solch nebensächliche Dinge wie Wagenrennen sich auf die Politik auswirken. Es bewegt die Massen. Wie auch immer. Zum ehrenwerten Pontifex Flavius: Was muss ich bei der Vorstellung außer der Kleidung noch beachten?"


    Tiberius war gern vorbereitet und er wollte nicht überumpelt erscheinen, wie im Rahmen seines Besuches beim Praefectus Urbi.


    Sim-Off:

    Vielen Dank :D

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  • “Sehr schön. Sofern dies bei der Veneta möglich ist, solltest du versuchen, dich aktiv in die Rennorganisation auch einzubringen. So knüpfst du auch Kontakte zu den Senatoren in anderen Rennställen, wenn diese in ihren Factiones Rennen veranstalten“, gab Sextus seinem neuen Klienten noch einen abschließenden Rat zum Thema Rennsport mit auf den Weg. Er selbst gehörte ja keiner Factio an. Zum einen hielt sich seine eigene Begeisterung für Wagenrennen doch in recht engen Grenzen, zum anderen war der traditionelle Rennstall der Aurelia die Aurata. Hier war ein Beitritt aber wegen Decimus Livianus und Cladius Galleo ausgeschlossen.


    “Ich denke das beste wäre, wenn ich dich hier begleiten würde, da Flavius Gracchus und ich schon lange eine Freundschaft pflegen.“ So etwas entstand nun einmal, wenn man gemeinsam einen Kaiser meuchelte. “Ansonsten kann ich dir bezüglich eines Treffens mit ihm nur raten, ehrliches Interesse am Götterkult mitzubringen. Flavius ist ein sehr frommer Mann – ohne das jetzt in den Bereich von Aberglaube rücken zu wollen. Auch legt er großen Wert auf die römischen Tugenden, allen voran Pietas und Gravitas. Sofern du also nicht zu sehr auf irgendwelche rechtlichen Aspekte ausschweifst, bescheiden und freundlich bleibst, sollte es hier keine Probleme geben. Höchstens darin, dass er ein viel beschäftigter Mann ist und erst kürzlich einen Todesfall zu beklagen hat, so dass ich keine Voraussage zu treffen wage, wann ein solcher Termin am günstigsten wäre.“

  • Wie praktisch, dass der Aedilicus und der Pontifex gut miteinander konnten.


    "Dann werden wir den günstigsten Zeitpunkt nutzen. Und ich werde mir zu dem Anlass etwas Anständiges an Klamotten zulegen."


    Bisher hatte sich noch niemand über Tiberius' Aufzug beschwert. Aber er pflegte auch gewöhnlich nicht in diesen Kreisen zu verkehren. Aber das sollte kein größeres Hindernis sein. Der Pontifex schien ja ein Traditionalist zu sein, von daher würde Extravagantes eher zu hochgezogenen Agenbrauen führen.


    "Und meine Manieren aufpolieren. Pietas und Gravitas. Sehr gut."


    Ein erstes Gespräch also. Umso besser. Er hatte sich auch nicht vorstellen können, dass der Aurelier viele Freundschaften vom Typ jovialer Trinkkumpan unterhielt. Das war einfach nicht die Art. Tiberius würde sich also darin üben, einen gewissen altrömisches, virtusmäßigen Konservativismus aufzulegen. Als Jurist viel ihm das nicht schwer.


    "Das Interesse am Götterkult kann ich auf jeden Fall mitbringen und werde auch mein Wissen wieder auffrischen und erweitern. Keine Pannen."

  • Sim-Off:

    Huch, du stehst da ja noch


    “In Ordnung. Ich werde mit Flavius Gracchus dann einen Termin vereinbaren und dir eine entsprechende Nachricht übermitteln“[/(b], schloss Sextus das Thema seines Erachtens nach ab.
    In Gedanken war er bereits fünf Schritte weiter. Nachdem er seinem Klienten Tiberius nun den Senatorenstand verschafft hatte, sollte dies für den Valerier auch zeitnah möglich sein. Wenn er sich bei Flavius Gracchus gut machte, war es vielleicht möglich, diese Freundschaft noch ein wenig mehr zu nutzen und den Mann von Sextus Cousine vielleicht auch zu einem Empfehlungsschreiben zu überreden. Aber vielleicht mit ein wenig Zeit, Flavius Gracchus war, was Standesdünkel anging, doch etwas konservativer eingestellt.
    Vielleicht sollte Sextus lieber seine Kontakte zu Consular Purgitius reaktivieren. Der war selbst Plebejer und hatte daher wohl weniger Probleme, einem anderen Plebejer ein wneig unter die Arme zu greifen. Vielleicht sollte Sextus mal wieder ein Wagenrennen veranstalten, Anlässe gab es schließlich genug. Spätestens, wenn Sextus seine Prätur soweit vorantreiben wollte, wäre es ohnehin ein geeigneter Zeitpunkt, sich in Rom durch derartige Veranstaltungen wieder ins Gedächtnis zu rufen.
    Nun, vielleicht sollte er die Senatsferien zu den Saturnalien wirklich einmal nutzen, sich Gedanken zu machen, wie er eine Prätur gestalten wollte.


    Aber zurück zum hier und jetzt.
    [b]“Gibt es sonst noch etwas, das du fragen möchtest?“
    leitete Sextus so langsam das Ende ihrer Zusammenkunft ein. Überhaupt hatte er sehr viel geredet und merkte es langsam an seiner Stimme, die durch die Erkältung doch noch nicht so wie gewohnt war.

  • Das Gespräch neigte sich dem Ende zu. Und eigentlich war auch alles soweit geregelt. Tiberius war höchst zufrieden. Ihm war nicht verborgen geblieben, dass der Aedilicus nicht gänzlich auf dem Damm war und das Letzte was Tiberius wollte, war, dass sich der Patron eine Lungenentzündung wegen ihrer Rederei holte. Und so fasste er sich kurz.


    "Nein, keine Fragen mehr. Ich danke dir für deine Mühen. Du wirst mich zu der entsprechenden Gelegenheit bestens vorbereitet finden und deine Mühen nicht bereuen."

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