Paraetonium

  • Paraetonium liegt etwa 180 (römische) Meilen (etwa 270 km) westlich von Alexandria an der Küstenstraße nach Marmarica, Libya und weiter in die Cyrenaica. Von hier zweigt eine Route nach Süden ab, in das Innere der Wüste und zur Oase des Ammonion-Heiligtums, dem berühmten Orakel des Amun.


    Der Boden in dieser einsamen Gegend ist karg und der Regen selten. Außer einer alten Festung aus pharaonischer Zeit, von der nicht viel mehr als die Grundmauern übrig geblieben ist, gibt es hier nicht viel zu sehen. Der Ort lebt vor allem vom Durchgangsverkehr auf der Küstenstraße und den Pilgern, die hier auf ihrem Weg zum Orakel der Oase Halt machen.

  • Gemächlich fuhr die Astarte von Ägypten aus kommend in den Hafen von Paraetonium ein, ihrem ersten Zwischenstopp auf der Fahrt nach Rom. "Macht das Schiff fest! Langsam in den Hafen!" rief Kapitän Methusastartos. Als unbeteiligter Zaungast verfolgte Marcus Valerius Nasica zum ersten Mal wie das genau vonstattenging, wenn man ein Schiff nach einer Fahrt über das Meer wieder festmachte, vom Reffen der Segel, bis hin zum sicheren Vertäuen am Landungssteg.
    Als die Astarte dann sicher festgemacht war, begann für die phönizischen Matrosen jedoch die eigentliche Arbeit erst. Methusastartos kam zu Nasica und sprach ihn an: "Wir werden für den Rest des Tages hier bleiben und erst morgen weiterfahren. Du kannst dich ruhig ein wenig hier umsehen, denn so interessant wird es auch nicht sein meinen Männern beim Löschen einer Teilladung und dem Aufnehmen von Neuer zuzusehen." Nasica nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und der Kapitän entfernte sich wieder.


    Eine Weile blieb er aber trotzdem noch an Bord, um den Vorgang des Ent- und Beladens des Schiffs mitzuverfolgen, ehe er sich auf dem Weg ans Festland machte. Es war gut, dass sie so früh im Jahr losgefahren waren, denn dadurch herrschte noch eine angenehme Wärme an der ägyptischen Küste vor und noch keine Affenhitze wie später im Hochsommer und das war Nasica nur recht. Denn schon vom Schiff aus hatte er gesehen, dass Paraetonium keinerlei natürlichen Baumbewuchs aufzuweisen hatte. Alles war plattes Wüstenland, nur aufgelockert von nackten Felsformationen und Erhebungen. Für Nasica, der bislang nur das grüne Delta des Nils gekannt hatte war das ein erstaunlicher Anblick.
    Na dann mochten sie doch einmal sehen, was dieser Hafen so zu bieten hatte.

  • Paraetonium war auf dem ersten Blick eine weit weniger imposante Stadt als Alexandria, oder eine der anderen ägyptischen Städte entlang des Nils, doch das konnte man von einem Ort in einer so kargen Gegend wie der von Zyges auch kaum erwarten, im Gegenteil. Dafür, dass es hier nichts anderes als bloß Sand und Salzwasser gab, hatte sich Paraetonium ordentlich entwickelt. In ptolemäischer Zeit war es einst sogar die Hauptstadt der Provinz Libya gewesen und das bestimmt aus guten Gründen. Bei genauerer Betrachtung der Häuser sah man ihnen das Alter teilweise an. Sicher, es waren in erster Linie einfache Lehmhütten, aber da und dort fand sich auch schon ein besser ausgebautes Gebäude, das bestimmt nicht jüngeren Datums war.
    Derart mit einem herumschweifenden Blick in seine Umgebung vertieft schlenderte Nasica die Uferkais entlang. Außer der Astarte lagen hier noch zwei weitere Schiffe vor Anker, von woher sie jedoch gekommen sein könnten, konnte er aus mangelnder Kenntnis der einzelnen lokalen Bauweisen entlang des Mittelmeers jedoch leider nicht sagen. Über das ganze Areal verstreut fanden sich lauter geschäftige Seemänner, die genauso wie Nasicas Phönizier Waren und Amphoren zwischen ihren Schiffen und den örtlichen Lagerhäusern hin und her schleppten, während die Kapitäne ihren Geschäften mit den Händlern nachgingen, oder sich bereits in einem Bordell, oder einer der Hafentavernen vergnügten.


    Apropo Hafentaverne... das Mittagsmahl heute an Bord war nicht allzu üppig ausgefallen (wie das auf Schiffen eben so üblich war), weshalb wohl nichts dagegen sprach, wenn er die heimische Küche ausprobierte. Außerdem schien er auch sonst nichts groß zu verpassen, was er bislang von Paraetonium gesehen hatte. Ob Mago doch Recht hatte und ein Küstenort wie der andere war? Naja, er würde das ja bald schon näher wissen. So bog er kurzerhand in die nächstgelegene Taverne zu seiner linken ab und öffnete die Tür. Ein Schwall Rauch stob ihm entgegen und Nasica musste husten. Das Innere war auch nicht besonders besser. Klein, verraucht und dunkel schien dieses Nest zu sein. An jedem der paar Tische hockten ein paar Gestalten über ihren Getränken und unterhielten sich murmelnd. In einer Ecke saß ein Jüngling und spielte auf einer Leier. Nasica setzte sich und der Wirt kam, um seine Bestellung aufzunehmen. Es war ein gedrungener Kerl mit schlecht rasiertem Bart und nur noch vereinzelten Haaren am Kopf. "Kamelkeule?" fragte er in griesgrämigem Ton. Nicht sicher wie er sich hier verhalten sollte nickte Nasica nur und der Wirt schlurfte wieder davon. Nach einer Weile pfefferte er ihm eine gebratene Kamelkeule und einen Krug unverdünnten Weines hin und ging wieder. Nasica machte sich über seine nachmittägliche Mahlzeit her. Der Geschmack war eher mau, da hatte er selbst auf der Astarte schon besser gegessen, doch immerhin war es Fleisch. Nach seinem Mahl bezahlte er wieder und verließ diese Spelunke, dabei nicht ganz sicher, ob es das Geld wirklich wert gewesen war.

  • Die Hände in den Falten seiner Tunika vergraben wanderte Nasica weiter durch die Gassen Paraetoniums. Zur Sicherheit hatte er seine Toga auf dem Schiff gelassen, da er nicht wusste wie so die einfachen Leute entlang der Küste von Römern dachten, besonders an Orten wie diesen, wo es fast keine gab und die einheimische Bevölkerung mehr oder weniger unter sich war. Er wollte nicht unbedingt eine Zielscheibe sein für eventuelle Straßendiebe.
    Ein klein wenig war Nasica von Paraetonium enttäuscht, das musste er doch zugeben. Viele ähnlich gebaute Lehmhütten, einige Geschäfte, aber nichts weiter sehenswertes. Da war sogar das Delta-Stadtviertel in Alexandria abwechslungsreicher als der Ort hier.
    Nach einer Weile schaffte es ein Gebäude aber doch dann seine Aufmerksamkeit zu erregen. Der Eingang war von einem violett-goldenem Tuch verhangen und über den Fenstern hingen Schrumpfköpfe auf Schnüren aufgefädelt an der Mauer herunter. Neben dem Eingang saß eine schwarzhaarige Frau von der man ihr Alter nicht mit Bestimmtheit sagen hätte können, da ihre Gesichtszüge sowohl etwas junges, als auch schon etwas altes in sich trugen. Mit stechendem Blick verfolgte sie Nasica von der anderen Straßenseite aus. Als sie bemerkt hatte, dass er stehengeblieben war und zu ihr hinübersah, winkte sie ihn mit einer einmaligen Bewegung näher.


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    Shukura


    "Chaire, junger Fremder. Soll Shukura in deine Zukunft sehen?" Nasica blinzelte überrascht. "In meine.. Zukunft? Das kannst du?" Stumm nickte die Frau, dann ergriff sie sein Handgelenk, um ihn in Richtung ihres Hauses zu ziehen. "Komm mit mir, Fremder, und erfahre, welches Schicksal dir die Moiren gewoben haben." Wie ferngesteuert folgte der Valerier ihr. Diese Frau konnte ihm tatsächlich seine Zukunft vorraussagen? Im Inneren erwarteten Nasica dichte Weihrauchschwaden, nicht unbedingt besser als die verrauchte Kneipe von vorhin. Was Nasica auch zu denken gab war, dass sich Shukura in ihrer auf griechisch gehaltenen Rede auf die griechischen Götter bezogen hatte, obwohl sie selbst eindeutig Ägypterin war. Hatte sie das vielleicht bloß getan, weil sie Nasica für einen Griechen hielt von seinem Äußeren her? Dass er kein einheimischer Ägypter war konnte man ihm ja schon an der Nasenspitze ansehen und da er seine Toga nicht trug und der Frau auf Griechisch nach Art der Alexandriner geantwortet hatte, konnte wohl leicht dieser Eindruck entstehen. Bei einem sehr niedrigen dunkelbraunen Tisch angekommen ließ sich die Wahrsagerin dahinter im Schneidersitz nieder und wies auf den Platz vor ihr, damit sich auch ihr Gast auf den Boden setzen mochte. Nicht einmal ein Kissen gab es zur größeren Bequemlichkeit, dafür einen blutrot angemalten Totenschädel zwischen ihnen. Mit einem mulmigen Gefühl blickte Nasica auf diesen, als er wieder angesprochen wurde. "Wende ab deinen Blick von dem Schädel und hüte dich davor in seine Höhlen zu schauen." Wie elektrisiert richtete er sein Augenmerk sofort auf die Frau, irgendwie bekam Nasica mit jedem Moment ein komischeres Gefühl an diesem Ort. Wohin war er hier nur wieder geraten? Shukura streckte jetzt ihre offene Handfläche aus.
    "10 Sesterze." Im ersten Moment verstand er nicht was sie von ihm wollte, ehe Nasica begriff, dass er sie bezahlen sollte. Natürlich, wieso er nicht gleich darauf gekommen war.. So griff er also in seinen Lederbeutel und ließ die entsprechende Menge an Münzen in ihre Hand fallen. Mit einem Lächeln zog sie sie zurück. "Hab dank für deine milde Gabe. Nenne mir jetzt deinen Namen, auf das ich die Götter um die Kenntnis deines Schicksals anrufen kann!"
    "Mein Name ist Marcus Valerius Nasica aus Alexandria."
    Die Augenbrauen Shukuras schnellten in die Höhe. "Ein Rhomäer? Wie unerwartet." Nasica nickte nur. Täuschte er sich, oder benebelten ihn die Weihrauchdämpfe schön langsam? "Deine Hand bitte, Sohn von Rhome."
    Nasica streckte sie vor und Shukura ergriff sie, während sie darauf blickend mit ihrem linken Zeigefinger begann seine Handlinien nachzufahren und einen ägyptisch anmutenden Singsang anzustimmen. Dieses monotone Gesumme machte ihn mit der Zeit noch etwas schläfriger. "Was.. was machst du?" Einmal schüttelte er seinen Kopf, um nicht wirklich einzunicken.
    Ohne den Blick von seiner Handfläche zu lösen antwortete sie ihm: "Das Schicksal eines jeden Sterblichen haben ihm die Götter in seine Hand geschrieben..."
    "Was? Du kannst die Zukunft aus meiner Hand lesen?"
    Shukura hatte wieder die Augen geschlossen und zu singen angefangen, doch sie nickte dabei einmal kurz, um zu zeigen, dass sie ihn gehört hatte. Nach einer Weile öffnete sie sie wieder und begann auf verschiedene Punkte auf seiner Hand zu deuten. "Die Handform ist eine Feuerhand, das bedeutet die Liebe zur stetigen Veränderung und einem Hang nach Führung anderer. Hier, die Kopflinie und die Herzlinie stehen weit auseinander, das bedeutet, dass du dich auf eine weite Reise begeben wirst." Nasica schnaubte. "Natürlich befinde ich mich auf einer weiten Reise, immerhin bin ich auf dem Weg nach Rom. Das war jetzt wirklich nicht schwer zu erraten." Doch Shukura schüttelte den Kopf und blickte ihn ernst an. "Du hast Shukura falsch verstanden, junger Rhomäer. Shukura spricht von deiner Lebensreise." Das verwirrte Nasica dann doch wieder etwas mehr, als dass es ihm Klarheit brachte. "Meiner Lebensreise? Was meinst du?" Doch die Wahrsagerin schüttelte nur abermals den Kopf und studierte schon wieder die Hand ihres Kunden. "Die Lebenslinie ist unterbrochen von einer anderen in Richtung Handinneres, das heißt eine Hinwendung auf das Innenleben." Ob sie damit Nasicas Hang zum Intellekt meinte? Oder spürte sie bloß anhand seiner weichen Hände, dass diese keine schwere Arbeit gewohnt waren? "Der Marsberg ist groß auf deiner Hand, du scheinst kühn und tatkräftig zu sein, aber auch unreif und neigst zu übertriebenen Emotionen, interessant. Und der Mondberg verrät Shukura...", sie deutete auf den kleinen Handballen unterhalb des kleinen Fingers und direkt über dem Handgelenk, "dass auch Einsamkeit, Launenhaftigkeit und Melancholie deinen Weg begleiten werden, ich sehe es ganz klar." Noch eine Weile studierte sie die Linien, Hügel und sonstige kleine Einkerbungen auf seiner Hand, ehe Shukura endlich wieder den Blick zu ihm hob und mit Grabesstimme verkündete: "Dein Weg führt dich fort, junger Rhomäer, fort von allem was du kennst und das viele, viele Jahre lang. Du wirst viel Schmerz und viel Leid sehen, du musst lernen über die Summe deiner Teile hinauszuwachsen und ein größerer Mann als heute zu werden, oder deine Feinde werden dich verschlingen. Deine Mutter wird alt und faltig sein, solltest du das nächste Mal in deine Heimat kommen, wenn du überhaupt jemals wiederkehrst und deine große Liebe wird dich vergessen haben. So haben es die Götter beschlossen."
    Nasica starrte sie an wie vom Donner gerührt. "Was sagst du mir da?" hauchte er. Es war kaum zu fassen was er da eben mitanhören hatte müssen. "Ich mache doch nur eine kleine Fahrt nach Rom, um Verwandte zu besuchen, nichts weiter! Ich bin in wenigen Monaten schon wieder zurück und was war das mit irgendwelchen Feinden? Ich habe keine Feinde!" Groll regte sich in ihm, dass er 10 schöne Sesterzen für diesen Humbug hinausgeworfen hatte. Doch Shukura blickte ihm unbeirrt weiter mit ihrer mitleidigen Miene an. "Die Hände lügen nicht, Shukura hat nur gesagt, was Shukura gesehen hat und..."
    "Schweig, Weib! Kein weiteres Wort mehr!" Ungehalten sprang Nasica auf und verschwand aus dem Laden.

  • Immer noch etwas ärgerlich über die Vorhersage von Shukura, der Hexe von Paraetonium, marschierte Nasica weiter durch die Straßen der Stadt. Wer maßte sie sich an zu sein, dass sie ihm ins Gesicht sagte, dass er seine Lieben zuhause im Stich lassen und seine geliebte Penelope ihn vergessen würde? Unerhört! Und erst dieses Gefasel von irgendwelchen Feinden, pah! Nasica war bislang immer gut mit allen ausgekommen, sein größter Feind mochte höchstens der Holzwurm sein, der sich durch Bücherregale und Papyri fraß und ihm so die Möglichkeit nahm die beschädigten Schriftrollen zu lesen. Das wars aber auch schon. Er und seine Mutter hatten bislang immer ein einfaches Leben geführt nach Vaters Tod. Keine politischen Ambitionen, kein Kontakt mit Legionären, oder (als anderem Extrem) Banditen und auch sonst nichts, was größeres Aufsehen auf einen zog. Alles wofür er je gearbeitet hatte war eines Tages ein Leben als Philosoph am Museion führen zu können, eine wirklich gewöhnliche Laufbahn. Wieso sollte er sich hier Feinde machen? Das passt einfach nicht! Doch Nasica redete sich selbst ruhig zu. Besser er vergaß diesen Blödsinn, das Geld war ja so oder so jetzt weg.


    Nasica schlenderte weiter über eine Art Marktplatz und kam nach einer Weile zum Ortsrand von Paraetonium. Vor ihm so weit das Auge reichte nichts als Sand. Nicht gerade ein berauschender (geschweige dem abwechslungsreicher) Anblick und so drehte er wieder um zurück in den Ortskern. Was er jedoch nicht merkte war, dass er verfolgt wurde. Eine dubiose Gestalt von einem Mann blieb seit geraumer Zeit unablässig an seine Fersen geheftet, bis sie ihre Schritte beschleunigte, zu ihm aufschloss und auf seine Schulter tippte.



    Phaeton


    "Chaire, Fremder! Ich bin Phaeton, Kenner aller Wunder Paraetonions! Hast du Interesse an einer kleinen Führung?" Nasica seufzte und verdrehte die Augen. Noch so ein komischer Kautz, wo kamen die alle heute nur her?? "Danke, kein Interesse", brummte er und ging weiter in Richtung Hafen. Doch so leicht ließ sich Phaeton nicht abschütteln und lief kurzerhand neben dem Valerier her. "Moment! Du weißt ja noch gar nicht was dich alles erwartet! Ich weiß z.B. wo die Herberge stand in der Alexander der Große hier übernachtet hat, bevor er nach Ammonion aufbrach, oder wo Pharao Ramses seine Spuren hinterlassen hat und nicht zu vergessen der Palast Kleopatras!" Nasica blieb stehen und blickte ihn an. "Sprichst du etwa von DER Kleopatra?"
    Phaeton nickte mit dem Grinsen eines Wiesels im Gesicht. "Kleopatra VII. Philopator, sowahr ich hier stehe." Das war wirklich jene berühmte Kleopatra, die einst die beiden größten Männer Roms, Gaius Iulius Caesar und Marcus Antonius um den Finger gewickelt hatte. "Und du sagst Kleopatra hatte hier einen Palast?" Der Kenner aller Wunder Paraetoniums nickte wieder heftig. "10 Sesterze und ich führe dich zu seinen Ruinen. Glaube mir, es lohnt sich! Wann hast du denn sonst die Möglichkeit einen echten Herrscherpalast von innen zu sehen?" Ein gutes Argument wie Nasica zugab, ob er sich diese Sache näher ansehen sollte? Er hatte viel über Königin Kleopatra gelesen und sie war zweifelsohne eine sehr interessante Frau gewesen. Es konnte eigentlich nicht weiter schaden und er hatte ja noch ein wenig Zeit, ehe es Abend werden würde, also warum nicht? "Gut, ich will diesen Palast sehen. Führe mich zu ihm!"

  • Weitere 10 Sesterze wechselten den Besitzer und ein zufrieden grinsender Phaeton zog Valerius Nasica am Ärmel.



    Phaeton


    "Komm, junger Herr! Folge mir! Wir werden ein Stück gehen müssen, aber es ist nicht allzu weit, vertraue deinem neuen Freund Phaeton!" Na ob er das mit dem "Freund" so stehen lassen wollte wusste Nasica noch nicht so richtig, aber mal abwarten was da kommen mochte. Nicht, dass es wieder so ein Schwindel wäre wie bei dieser Hexe. Vom südlichen Stadtrand führte ihn der Kenner aller Wunder Paraetoniums durch den Ortskern und schlug dann eine nordwestliche Richtung ein. Das Rauschen des Ozeans war wieder deutlicher zu vernehmen, wenn der Hafen auch schon weiter hinter ihnen lag. Vollends am Strand wieder angekommen blickte Nasica hinaus auf das Meer, bzw. hätte er das vorgehabt. Denn in einer Entfernung von ungefähr 3000 Fuß* konnte er eine schmale Landzunge ausmachen. Offenbar blickte Nasica hier auf das Wasser einer Art Lagune, oder einer Bucht. Wie als könnte Phaeton seine Gedanken lesen (heute schon der Zweite?) plauderte er drauf los: "Paraetonions Hafen ist die einzige Stelle in der näheren Umgebung der Stadt mit einem direkten Zugang zum Meer. Westlich und östlich vom Hafen befinden sich nämlich riesige Buchten, die von vorgelagerten Landzungen vom Rest des Ozeans abgetrennt sind. Der von uns gesuchte Palast liegt auf der westlichen dieser ins Meer vorspringenden Landzungen." Interessiert lauschte Nasica seinem neuen Fremdenführer. Mit seinem Argument um die Ruinen eines echten Herrscherpalastes (und dazu noch von so einer prominenten Königin) hatte es Phaeton doch geschafft Nasicas schlechte Laune durch Neugier zu ersetzen und die Episode mit der Wahrsagerin vorerst zu vergessen. "Für seine abgelegene Stelle scheint dieser kleine Hafen ja schon so einige bedeutende Personen gesehen zu haben, was du vorhin gesagt hast. Pharao Ramses II, Alexander der Große und jetzt auch noch Königin Kleopatra, nicht gerade unbekannte Namen." Man konnte sagen was man wollte, aber dass hatte Nasica von seinem ersten Zwischenaufenthalt auf der Reise nach Rom wirklich nicht erwartet, dass so ein einfacher Umschlagplatz gleich einen ganzen eigenen (vergessenen) Palast aufzuweisen hatte. Die beiden verließen das Siedlungsgebiet Paraetoniums und begannen über nackten Sand und Fels die Küste entlang der westlichen Bucht zu wandern. Unterwegs erzählte ihm Phaeton einige interessante Annektoten aus der Vergangenheit der Stadt, welche alleine schon Nasica die 10 Sesterze wert gewesen waren. Ob sie alle auch wahr waren, war eine andere Frage, z.B. wie Phaetons Erzählung einer blinden Frau, die Ramses II. bei einem Besuch in der Stadt geraten haben sollte jene Grenzfestungen an der libyschen Grenze zu erbauen und auf jedem Grundstein eine Falkenfeder zu platzieren, wenn er keine bösen Geister aus dem Westen in seinem Reich haben wollte. Auch über den gleich zu besichtigenden Palast hatte er eine auf Lager. "Es heißt der Palast sei in der Nähe jenes Strandes gebaut worden, in dem Kleopatra zusammen mit Marcus Antonius im Meer gebadet haben soll. Höchst zweideutig, findest du nicht?" ***


    Sie mussten wohl gut drei römische Meilen** dabei zurückgelegt haben bei ihrer Umrundung der Bucht, als Nasica auf einem noch etwas weiter entfernten Hügel auf der Landzunge bereits etwas zu erkennen glaubte. "Das da vorne ist es, oder?" Phaeton ließ wieder sein Wieselgrinsen sehen und nickte. Gemeinsam näherten sie sich den Überresten dieses alten Bauwerks . Als sie näher waren, ließen sich auch endlich erste Details auslesen. Abgesehen von den Grundmauern standen noch da und dort einige höhere Mauerreste und auch ein paar Säulenbasen waren zu sehen. Die zugehörigen abgebrochenen Säulen lagen halb vergraben im Sand. Ob ein Erdbeben für die Zerstörung des Palastes verantwortlich gewesen war? Oder war das Menschenwerk? Ganz so wie man das von ägyptischen Palästen her kannte, waren auch ein paar Reliefs mit Hieroglyphen und Darstellungen der Königin und der ägyptischen Götter zu sehen, die auf ewig in Stein geschlagen vom Ruhm Kleopatras künden sollten. "Auch wenn nicht mehr viel steht, so finde ich die Synthese aus altägyptischen und ptolemäisch-hellenischen Baustilen interessant", meinte Nasica, als sie den Palast jetzt beinahe erreicht hatten. Phaeton pfiff durch die Zähne. "Sieh an, ein Kenner."
    Nasica lächelte geschmeichelt und schritt weiter auf die Ruine zu, während er, diese unverwandt mit den Augen studierend, erzählte: "Ja, Architektur war schon immer eines meiner Lieblingsteilgebiete von den gehobenen Künsten. Architektur sorgt ja nicht nur für solide Häuser in Verbindung mit der Statik, sondern die von den einzelnen Völkern angewandte Ästhetik ist auch ein ganz wichtiger Teil von ihr. Über die Architektur lässt sich so viel über ein Volk lernen, weißt du? Z.B. wie es zum Tod eingestellt ist, wenn man die überdimensionierten Pyramiden mit ihren Ka-Schächten bedenkt, oder die Bauweise der griechischen Tempeln mit ihrem Gespür für Ordnung und Durchdachtheit. Auch die Holzhütten der Barbaren gewähren faszinierende Einblicke in ihre... Phaeton?" Suchend blickte sich Nasica um. Unverwandt redend war Nasica zwischen die Mauern des zerstörten Palastes getreten und hatte erst nach einigen Augenblicken bemerkt, dass von seinem Fremdenführer plötzlich jede Spur fehlte. Wo war er nur? Doch Nasica kam gar nicht allzu viel zum nachdenken darüber, denn plötzlich traten hinter zwei soeben von ihm passierten Säulenstümpfen zwei grimmig aussehende Männer mit Schwertern hervor. Beide grinsten dreckig. "Wer seid ihr?" rief er, doch er konnte sich schon denken welches Spiel hier die ganze Zeit gespielt worden war. Einer kam jetzt zwei Schritte auf ihn zu und sagte:



    Schurke


    "Wir sind die Gehilfen des Phaeton. Wenn du jetzt so höflich wärst und uns alle deine Wertsachen übergibst? Sonst müssen wir dir nämlich einen neuen Scheitel ziehen." Er lachte und hielt sein Schwert hoch. Phaeton hatte ihn nur hierher in diese verlassene Gegend geführt, damit seine beiden Komplizen ihn ausrauben konnten.
    Nasica saß in der Falle.


    Sim-Off:

    * = ca. 800 Meter
    ** = ca. 5 Kilometer
    *** = Es gibt heute noch an besagter Stelle einen Strandabschnitt, der Cleopatra's Bath heißt.


  • In der Gewissheit, dass ihnen ihre Beute nicht entkommen konnte schlichen die beiden Banditen mit erhobenen Waffen auf Nasica zu, während dieser einen Schritt nach dem anderen zurückwich und dabei versuchte möglichst keinen der beiden außer Acht ließ. Die Atmung des Valeriers ging schnell, während sämtliches Denken ausgesetzt und der Instinkt die Kontrolle übernommen hatte. Jetzt war nicht die Zeit, um schöne Weisen zu rezitieren, jetzt hieß es überleben!



    Schurke


    "Was schaust du so böse? Gib uns alles was du hast und wir sind ganz lieb, versprochen!" säuselte da der eine Spitzbube wieder und brüllte vor Lachen. Das hielt Nasica dann für den Moment an dem es sich umdrehen und rennen hieß! "He! Der türmt ja! Ihm nach!" hörte er nur hinter seinem Rücken, doch Nasica war das egal. Im Zickzack lief er zwischen den Ruinen herum, dabei jede Mauer und jede Säule als Deckung nutzend in der Hoffnung damit irgendwie die Räuber abzuschütteln. Zum Glück war es ein Palast von mittlerer Größe, sodass er zumindest für eine Weile ein wenig Katz-und-Maus mit den Banditen spielen konnte.. oder besser Verstecken. Den Rufen seiner Verfolger nach schienen sie auch nicht allzu helle zu sein, denn ihr Stimmen kamen aus der gleichen Richtung, was hieß, dass sie sich noch nicht aufgeteilt hatten, um ihm beispielsweise den Weg abzuschneiden. Das konnte vielleicht ein entscheidender Faktor für seine Flucht werden. Doch wie sollte es danach weitergehen? Sie befanden sich mehrere Meilen im Niemandsland ohne jede Menschenseele. Laufend würde er nie und nimmer nach Paraetonium durchhalten und weit und breit gab es auch keine Deckung bei all dem Sand, außer die Mauern des Palastes.
    Nasica schlitterte um eine Ecke und fand sich plötzlich Phaeton gegenüber. Wieder hatte er sein unausstehliches Grinsen aufgesetzt und hielt einen wurfbereiten Speer in der Hand.



    Phaeton


    "Einen schönen Gruß an Hades!" Dann schleuderte er ihn.
    Ehe Nasica darüber nachdenken konnte, hatte er sich schon zu Boden geworfen, was ihm vermutlich das Leben rettete. Der Speer fuhr direkt hinter ihm zwischen seine Beine in den Sand. Nasica rappelte sich auf alle Viere hoch und wollte sich den Speer schnappen, da war Phaeton schon über ihm, um seinerseits den Speer wieder in seine Gewalt zu bringen. "HIERHER! ER IST HIER! KOMMT ZU MIR!" rief er den beiden Ganoven zu, die anderswo im Areal nach Nasica suchten. "Hierher! Kommt..." WUMM!
    Nasica hatte in einem rechten Moment seinen Schädel gegen Phaetons Nase geschlagen. Knackend brach sie und eine blutige Fontäne ergoss sich über ihrer beider Kleidung, wie sie im Dreck immer noch um den Speer kämpften. Phaeton heulte auf vor Schmerz und rächte sich, indem er seine Zähne in Nasicas linkem Ohr vergrub. Es war das erste, was er von ihm erwischt hatte. Nasica brüllte auf vor Schmerz, ließ aber trotzdem nicht locker bei seinen Bemühungen um die Waffe. Zusätzlich zu den Schmerzen in seinem Ohr machte sich Panik in Nasica breit, es war nur eine Frage von Augenblicken, bis die beiden Rülpel bei ihnen auftauchen würden. Ihre Schreie waren auf jeden fall schon nahe, viel zu nahe!
    Ein Loch in Phaetons Deckung brachte dann den erhofften Befreiungsschlag. Nasica trat mit einem Fuß aus und genau in Phaetons Kronjuwelen. Wieder wollte er vor Schmerz aufschreien, jedoch durch das aus der Nase schießende Blut blieb es bei einem halb erstickten Gegurgel. Trotzdem war das der entscheidende Moment gewesen mit dem sich Nasica vollends den Speer erobern hatte können. Er schnappte ihn sich und sprang auf, während sein Widersacher blutend und zusammengerollt am Boden blieb, unablässig wimmernd. Gerade in diesem Augenblick bogen die beiden anderen Schurken ums Eck.
    "Da ist er!" Phaeton ignorierend hechteten sie Nasica wieder hinterher. Dieser rannte mit dem Speer in der Hand um sein Leben, einmal nach links eine Hieroglyphenmauer entlang, dann nach rechts um eine Säule herum und übersprang die äußere Grundmauer. Er hatte das Gebiet des Palastes verlassen und befand sich jetzt im nordöstlichen Areal rund um ihm. Vor ihm grasten bei einer Feuerstelle drei Pferde auf einem struppigem Stück Steppengras, das hier am Palasthügel an der Küste irgendwie überleben konnte. Nasica wagte keinen Blick zurück, aus Angst damit das entscheidende Quäntchen Geschwindigkeit zu verlieren, dass ihn noch vor seinen Verfolgern hielt, aber beim Anblick der Pferde war ihm eine Idee gekommen. Eine wahnsinnige Idee, zugegeben, jedoch die Alternative war sein eigener Tod. Er stürzte auf das erste Pferd zu und rammte ihm im vorbeilaufen die Speerspitze in das Hinterbein. Das getroffene Tier wieherte auf. Dann, ohne zu stoppen gleich weiter zum zweiten Gaul und wieder eine Wunde zugefügt. "Tut mir leid!" rief Nasica ihnen zu und hechtete auf das dritte Pferd zu. Im Fluge seiner Geschwindigkeit sprang er auf das Tier auf, um damit die Flucht zu ergreifen, als er da eine Hand an seinem Bein spürte. Das verletzen der beiden Pferde hatte ihn zu langsam gemacht und die Schurken hatten ihn eingeholt.


    "Runter da, Bursche!" schnarrte der eine der beiden, der die ganze Zeit schon gesprochen hatte. Nasica stieß im Affekt mit seinem Speer zu und spürte, wie sich der Griff an seinen Knöcheln lockerte. Im selben Moment stieß das Pferd in seiner eigenen Panik mit den Hinterhufen aus und traf den zweiten Banditen, der keuchend zu Boden ging. Nasica fiel nach vorne auf den Hals des Tieres und krallte sich mit beiden Händen in dessen Mähne fest, sonst wäre er zweifelsohne abgeworfen und unter den Hufen des Tieres begraben worden. Der Speer fiel klappernd zu Boden, aber er selbst konnte sich halten, während das Pferd jetzt davonraste, weg von den Ruinen auf die Küste zu. Nasica brauchte einen Moment, ehe er es unter Kontrolle bekam und zurück nach Nordwesten lenken konnte, die Küste entlang und vorbei an Kleopatras Palast in Richtung Paraetonium. Das Adrenalin pumpte immer noch durch seine Adern. Schön langsam begann es auch dunkel zu werden und die Schatten der Felsen rund um ihm waren schon sehr viel länger geworden. Nasica hatte noch einmal Glück gehabt lebend aus dieser Sache herauszukommen. Nicht allzu lange und er hatte Paraetonium erreicht. Nach Überwindung der Schrecken spürte Nasica, wie eine Ohnmacht immer stärker nach ihm griff. Nicht jetzt, flehte er die Götter an, nicht bevor er das Schiff erreicht hatte!
    Erst jetzt spürte er die enormen Schmerzen an seinem linken Ohr, das Blutströme über seine ganze linke Seite schickte. Auch der Rest seiner Tunika glänzte noch vom Blute Phaetons purpurfarben. Nasica keuchte, schwarze Flecken schoben sich immer wieder in sein Sichtfeld und es fiel ihm immer schwerer sich auf dem Gaul zu halten. Die Leute denen er auf seinem Weg zum Hafen begenete kreischten vor Entsetzen, doch endlich kam vor ihm die Astarte in Sicht.
    Er galoppierte auf den Ufersteg neben das Schiff und stoppte seinen tierischen Retter, dann wurde es vollends schwarz um ihn und Nasica fiel bewusstlos vom Pferd.

  • Ein verschwommener Blick auf die hölzerne Decke seines Verschlags an Bord der Astarte war das erste was er sah, als Nasica seine Augen aufschlug. Sein Kopf dröhnte und Schmerzen in seinem linken Ohr ließen ihn zischend die Luft durch die Zähne einziehen. "Ruhig, Jungchen, beweg dich nicht zu viel und egal was du tust, fass dir bloß nicht an dein Ohr." Nasica blinzelte mehrmals, damit sich sein Blick wieder klärte. Er befand sich eindeutig an Bord der Astarte. Sein Kopf fühlte sich schwerer an als sonst, vermutlich von dem Verband den er trug. Im Schein mehrerer Öllampen konnte er jetzt auch Mago den Navigator ausmachen, der mit besorgter Miene neben ihm hockte. Die direkt auf seiner Brust reibende Decke verriet Nasica auch, dass seine Tunika aufgeschlitzt worden waren, vermutlich, um unter all der blutigen Kleidung nach eventuellen Wunden zu suchen, die diese riesigen roten Flecken verursacht haben könnten. Ächzend versuchte er sich aufzusetzen, doch Mago drückte ihn sanft zurück auf sein Lager. Vermutlich besser so, denn die Bewegung hatte neuerliche Schmerzen an seinem Kopf verursacht. "Was.. ist passiert?" fragte Nasica noch mit brüchiger Stimme.
    "Du kamst wie vom Drachen Tannin gejagt auf einem Pferd angerast und bist neben dem Schiff zu Boden gefallen. Alles voller Blut, ich dachte schon es wäre aus mit dir, du hast uns auf jeden Fall einen gehörigen Schrecken eingejagt."
    "Wie schlimm ist es?" Was war eigentlich passiert? Im Moment konnte er das gar nicht so wirklich sagen, zu träge war noch sein Denken.
    Magon zuckte mit den Achseln. "Eigentlich kaum der Rede wert, gemessen an deinem fulminanten Auftritt. Nur einige Schrammen und blaue Flecken, doch was das Ohr angeht..."
    "Was ist damit?"
    "Hm, naja keine Ahnung was du angestellt hast, aber irgendjemand, oder irgendwas hat dir einen guten Teil vom oberen Ohr abgebissen. Die Hälfte ist bestimmt weg. Du hast fürchterlich viel Blut verloren, aber sonst konnte ich keine Verletzungen an dir finden."
    "Mein Ohr?!" erschrocken wollte Nasica an die verletzte Stelle greifen, doch Mago hielt ihn zurück, außerdem hatte die Bewegung sowieso wieder Schmerzen in ihm ausgelöst. "Nicht hingreifen hab ich gesagt, am besten du bewegst dich überhaupt nicht. Aber jetzt sag einmal, was ist denn eigentlich passiert? In einem Moment spazierst du gemütlich vom Schiff und im nächsten kommst du wieder in einem Zustand, als wärst du Mot persönlich und das noch auf einem Pferd, keine Ahnung woher du das hast."
    Langsam aber sicher begann sein Verstand wieder zu arbeiten. "Pferd? Hm..." Nasica ächzte, "Pferd, ja genau. Das war eines von den Banditen." Magos Augen wurden groß. "Banditen? Hier in Paraetonium?" Nasica wollte nicken, eine erneut aufwallende Schmerzwelle ließ ihn das aber bleiben und stattdessen sprach er: "Ja, Banditen. Einer von ihnen sprach mich in der Stadt an und.." kurz schloss er die Augen, um einen weiteren Schmerz auszustehen, ehe er weitersprach: "..und bot mir an mich zu einem Palast Königin Kleopatras zu führen."
    Mago schüttelte den Kopf. "Und du bist natürlich vollkommen blauäugig mitgegangen. Aber sag, wie bist du da dann wieder rausgekommen?"
    "Pferd" sagte Nasica nur. Momentan war es angenehmer nur still darzuliegen und die Augen geschlossen zu halten. Am besten vllt. noch etwas Schlaf, wenn das möglich war. Auch Mago kam für sich zum gleichen Ergebnis, weshalb er aufstand. "Ich werde dich jetzt in Ruhe lassen, schlaf gut, Jungchen." Doch Nasica hörte ihn schon nicht mehr.
    Mago stieg kopfschüttelnd und mit einem milden Lächeln wieder an Deck. Hatte er ihrem Fahrgast heute morgen noch erklärt, dass er keine großen Abenteuer auf dieser Fahrt zu erwarten brauchte, da hatte ihn der Jungspund abends schon eines besseren belehrt.


    Der Großteil der Mannschaft der Astarte hatte nach getaner Arbeit den Abend in den gemütlichen Hafentavernen ausklingen lassen, bei Wein, Weib und einer Runde Glücksspiel, weshalb sie erst bei ihrer Rückkehr zum Schiff von den aufsehendserregenden Ereignissen erfuhren, die ihr Passagier heute erlebt hatte. Das gab ein großes Hallo, doch Mago konnte sie von Nasicas' Verschlag fernhalten, damit er seine Ruhe haben konnte. So verging diese Nacht und am frühen Morgen des nächsten Tages setzte die Astarte ihre Segel und verließ Paraetonium, zurück auf ihrem Kurs nach Rom.

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