Krisensitzung: Der Unfall des Statthalters

  • Witjon hatte einen größeren Raum in der Regia in Beschlag genommen, um nach dem Unglück des Statthalters eine Besprechung zur Lage abzuhalten. Einige Stühle waren hergebracht worden und in der Mitte stand ein runder Tisch, an dem aber gewiss nicht alle Geladenen Platz finden würden. Darauf kam es Witjon auch nicht an. Heute sollten erst einmal alle Betroffenen informiert werden, bevor sinnlose Gerüchte unnötig Unruhe schürten.


    Der Legatus Iuridicus war bereits anwesend, ebenso der Princeps Praetorii. Jetzt hieß es einfach warten. Zeit, in der Witjon über Valas Zustand nachdachte und darüber was passierte, wenn er dieses Unglück nicht überleben würde. War das ein Zeichen der Götter? Zürnten sie seiner Sippe? Oder hatte dieses Unglück einen anderen, womöglich viel banaleren Grund?

  • Mit halbvollständiger Uniform und in Begleitung von vier Equites erreichte Seneca die Regia. Er war unruhig, der Bote schien äußerst besorgt, und der Iunier wusste auch, dass solche Krisensitzungen hier im Norden eher selten zusammenberufen wurden.
    Darüber hinaus war der Legat auch gleichzeitig ein Bekannter und sein Patron.
    "Duccius, ich grüße dich." sagte Seneca während er den Raum betrat, und grüßte anschließend auch die restlichen anwesenden.
    "Was ist mit dem Legaten geschehen?" fragte der Iunier besorgt während er sich auf einen der freien Stühle setzte.

  • Erfreut war er nicht darüber. Als Tribunus augusticlavius war es nicht seine Aufgabe an solch einer Krisensitzung teilzunehmen. Andererseits, wurde der Krisensitzung demnach kein all zu großer Stellenwert eingeräumt. Wer weiß was für ein Pups beim Stadthalter quer saß. Schlussfolgerung daraus, es nahm wahrscheinlich nicht sehr viel von Massa's kostbarer Zeit in Anspruch.
    Diese brauchten seine vier Mitstreiter, die Centurionen und er um die Legion zusammen zu halten. Nachdem nun die wichtigsten Positionen durch den Kaiser abberufen wurden, oder irgendwie abhanden gekommen waren. Zeigten sich die ersten Auflösungserscheinungen. Hier an der Grenze ein Fakt der tödlich enden konnte. Das einzige was die Truppe noch hielt war der Sold. " Salve." grüßte Massa beim Eintreten. " Tribunus augusticlavius, Legio II germanica, Decimus Massa."

  • Der nette Optio, der mich Tags zuvor an der Porta der Legio II begrüßt hatte, erzählte mir von dem Boten und dieser Krisensitzung. Auch wenn der Bote nur die Angusticlavii bestellt hatte, liess ich mir es nicht nehmen, doch dann einfach in der Regia aufzutauchen. Wahrscheinlich, so dachte ich, war die Meldung, dass ich angekommen war und es einen neuen senatorischen Tribun in der Legio gab, noch nicht bis zu den Herren der Regia durchgedrungen.
    Was solls, dachte ich, es betraf mich genauso zu wissen, was mit dem Legaten passiert war und wenn die Herren meine Anwesenheit nicht wollten, würden sie dies schon äussern.
    Obendrein war es eine gute Gelegenheit ein paar wichtige Leute kennenzulernen.
    So betrat ich also den Raum, der für diese Krisensitzung vorbereitet war
    "Salvete die Herren...." grüßte ich in die Runde und nickte dem bereits bekannten Tribun zu "... Salve Tribun Decimus" und wandte mich dann an die anderen "Ich bin Triibus Laticlavius Lucius Vincius Massa, vor kurzem vom Kaiser zur Legio II abkommandiert und gestern in Mogontiacum angekommen!"
    Jetzt war der Moment, wo ich entweder angenommen oder rausgeschmissen wurde.

  • "Iunius, sei gegrüßt", erwiderte Witjon die Begrüßung des Praefectus Alae. "Bitte gedulde dich noch einen Augenblick." Er bemühte sich um eine nicht allzu sorgenvolle Miene. Der Legatus Iuridicus hingegen schaute gespielt bedröppelt zu Boden. Witjon ärgerte sich darüber.


    Nur wenig später trafen auch die Offiziere der Legio Secunda ein. "Salvete Tribuni. Ich danke euch für euer Kommen", hieß Witjon die Männer willkommen. Etwas überrascht zeigte er sich über die Anwesenheit eines neuen Tribunus Laticlavius. Und dann hieß der Mann auch noch Vinicius! War das ein Zufall? Sollte der junge Mann etwa mit seinem einstigen Patron, Marcus Vinicius Lucianus, verwandt sein?


    "Vinicius, gut dass du auch direkt hergekommen bist. Ich wusste nicht, dass die Legion bereits einen neuen laticlavischen Tribun bekommen hat, sonst hätte ich dich gleich mit eingeladen." Nach der kurzen Erklärung sah er einmal in die Runde und erkannte, dass nun wohl alle wichtigen Personen anwesend waren, denn die Duumviri Mogontiaci traten auch soeben ein und grüßten knapp in die Runde.


    "Nun denn. Meine Herren, ihr erwartet eine Erklärung.", begann Witjon mit deutlich ernstem Gesichtsausdruck. "Der Statthalter ist in Vicus Portus bei einem Dacheinsturz schwer verletzt worden. Er ist laut meinem Kenntnisstand momentan nicht ansprechbar, aber lebendig." Hier machte Witjon eine Pause und gab den Versammelten einen Augenblick, um das Gehörte zu verarbeiten. Bevor allerdings ein großer Tumult ausbrechen konnte, erhob Witjon die Stimme und sagte im Bemühen um eine möglichst sachliche Besprechung: "Ich habe Rom bereits informiert. Solange wir auf Antwort warten, müssen die Alltagsgeschäfte aber weiterlaufen. Werte Herren Offiziere, der Praefectus Castrorum Iulius wurde kürzlich nach Rom abkommandiert. Er steht also nicht zur Verfügung, um anstelle des Legatus vorübergehend das Kommando zu übernehmen. Wäre es praktikabel, wenn du, Praefectus Iunius, zeitweise das Kommando über die Legion übernähmest?" Sein fragender Blick ging in die Runde und blieb schließlich bei Seneca hängen.

  • Was hatte der Mann, der sich bis jetzt nicht einmal vorgestellt hatte, da gerade gesagt? Massa glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Ein AlenPräfekt sollte die Legion führen? Wusste der Mann nicht, was er da gerade heraufbeschwor? Eine waschechte Meuterei unter den Legionären. Wollte er das wirklich? Keiner der Tribuni würde da Ruhe rein bekommen, sollte dieses Ansinnen von dem Unbekannten da vorn in die Tat umgesetzt werden.
    Oder wollte der Mann die Legion so lahm legen? War das so geplant? Soweit Massa wusste, waren die Duccier eine germanische Sippe. Wollten sie Mogontiacum und die ganze dazu gehörige Provinz unter ihre Kontrolle bringen und von Rom abspalten? So weit wollte es Massa nicht kommen lassen.
    „ Ich melde dazu meine Bedenken an. Erfahren die Legionäre, dass sie von einem Kommandeur einer Ala befehligt werden sollen, wird das eine offene Meuterei geben. Anmerkung zum Präfectus castrorum. Der neue Präfectus Castrorum ist angekommen, bevor der Iulius nach Rom versetzt wurde. Eine Dienstübergabe hat stattgefunden, ohne diese hätte man den Iulius nicht weggelassen. Bei uns hat alles seine Ordnung.“
    Sollte Massa diesem Mann die Aufgaben der einzelnen Kommandoebenen einer Legion erklären? Vielleicht wäre das angebracht. „Der Tribunus laticlavius kann alle administrativen Aufgaben des Legaten übernehmen. Für alle militärischen Aufgaben sind die 5 Tribuni augusticlavii da. Versorgung und so weiter ist wie bisher die Aufgabe des Präfectus castrorum. So lange der Sold gezahlt wird, die Legionäre beschäftigt werden und die Verpflegung stimmt, dürfte es unter diesen Umständen ruhig bleiben.“

  • "Ich neige dazu die Meinung des Tribuns zu teilen." merkte Seneca an und presste seine Lippen zusammen "Obgleich ich anmerken will, dass ich auf einen schnellen erfahrenen Legaten hoffe. Der Tribunus Laticlavius hat derzeit wie viele Tage militärische Erfahrung? Keinen?" fragte Seneca, der ja de facto der ranghöchste wie auch der erfahrenste Militär im Raum war etwas süffisant. Er empfand die Äußerung des Decimers als herablassend, so treffend sie auch war trafen sie durchaus den iunischen Stolz.
    Im übrigen führte er eine Ala Militaria, manche sagten die beste im Reich!
    "Wie du vielleicht weißt ist Titus Duccius Vala mein Patron. Ist es möglich meinen alten Förderer und Freund zu besuchen Duccius?" fragte Seneca nach dieser kleinen Spitze, da er nun einen Moment hatte um auf der menschlichen Ebene nachzudenken.

  • Na das ging ja schon ganz schön zur Sache. Niemand der anwesenden fand es der Mühe wert sich vorzustellen, also hatte ich auch keine Ahnung, welche Posten die Herren inne hatten. Lediglich beim Kommandat der Ala war es klar, da dieser als solcher angesprochen wurde.
    Da er meine Person aber so direkt ansprach, fühlte ich mich bemüssigt etwas zu sagen.


    "Werte Herren, ich weiss, ihr kennt mich nicht und der Praefectus hat natürlich recht. Ich bin erst gestern in Mogontiacum angekommen.
    Aber mein Vater dürfte jedem ein Begriff sein, Marcus Vincius Lucianus...."
    kurz liess ich den Namen sacken ".... über dessen Ableben man denken kann, wie man will, doch über seine Leistungen als Legat in Germanien gibt es sicher nichts zu diskutieren. Er und mein Onkel Vincius Hungaricus haben mich alles gelehrt und ich habe alle Kurse an der Academia Militaris absolviert. Natürlich kann dies alles nicht die Erfahrung aufwiegen, die man direkt im Dienst erwirbt, doch ich denke, ich bin bestmöglich auf die Aufgaben vorbereitet, die man mir zuteilt"

  • Witjon zog überrascht die Augenbrauen hoch, als der Decimer Bedenken anmeldete. Nicht, weil er Bedenken anmeldete. Dafür waren sie ja hier zusammengekommen, zu einem konstruktiven Austausch. Sondern vielmehr weshalb er Bedenken anmeldete, das überraschte den Procurator Rationis Privatae. Er hatte offenbar irgendwie die Ankunft eines neuen Praefectus Castrorum verpasst. Das hätte ihm nicht passieren dürfen. Andererseits war er auch nur Zivilist und musste nicht auf dem täglich aktuellsten Stand in den hiesigen Militärentwicklungen sein, fand er.


    "Danke für deinen Einwurf, Tribunus Decimus", gab Witjon sich höflich. Das Gefasel von einer Meuterei überging er kommentarlos. Hingegen konzentrierte er sich auf den Vorschlag des Decimers, der doch recht sinnvoll klang. "Dass der Nachfolger des Praefectus Castrorum bereits seinen Posten angetreten hat, wusste ich ebenfalls noch nicht." Womit er sich auf seine Unwissenheit bezüglich Vinicius bezog. Er ersparte den Anwesenden die Frage, weshalb der Vinicier mit hergebracht, der Praefectus Castrorum jedoch außen vor gelassen worden war. Witjon würde sich in die Zwistigkeiten innerhalb der Legion nicht einmischen. Deshalb sagte er einfach: "Aber dein Vorschlag klingt vernünftig."


    Seneca stellte eine Zwischenfrage, die Witjon kurz beantwortete: "Ein Besuch ist möglich, ja. Ich wäre dir sogar sehr dankbar, wenn du Valas Transport hierher überwachen könntest, wenn du ohnehin nach Vicus Portus reisen möchtest."


    Dann meldete der Vinicius sich zu Wort und Witjon wurde ein zweites Mal in kurzer Zeit überrascht. Der Vater des jungen Mannes war doch tatsächlich Marcus Vinicius Lucianus gewesen, Witjons Patron! Seine vage Vermutung hatte sich wirklich bestätigt. Er würde den Vinicier nach der Sitzung beiseite nehmen und ihn darauf ansprechen. Dass er sich und die anderen Männer angesichts des neuen Gesichts in der Runde nicht vorgestellt hatte, war Witjon freilich nicht aufgefallen. Er war in Gedanken mit so vielen Dingen beschäftigt, dass er gleich zur Sache gekommen war.
    "Nun denn. Dann soll es so sein. Der Stab der Legio Secunda organisiert die laufenden Aufgaben gemeinschaftlich. Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt, zögert nicht euch an mich zu wenden. Sobald wir genauere Informationen dazu haben, ob der Statthalter langfristig ausfällt, können wir weitere Maßnahmen treffen. Gibt es von eurer Seite nun weitere Fragen?"
    Er hatte nicht vor, diese Runde überhastet wieder zu beenden. Wenn die Militärs oder die anderen Zivilisten - beispielsweise die Duumviri - noch Bedenken oder Fragen hatten, könnten sie sie äußern. Die Duumviri aber blieben erstmal still. Auch der Legatus Iuridicus schien keinen Redebedarf zu haben.

  • „ Entschuldige, hier bedarf es einer Klärung. Es wäre schön zu erfahren mit wem wir hier gerade reden. Solltest du der Stellvertreter des Legaten sein, dann hätte ich das gern schriftlich. Nur dann gehen dich die dienstlichen Belange der Legio secunda etwas an. Wir wissen was zu tun ist. Ein gemeinschaftliches Gemauschel wird es nicht geben. “ Militär war Militär und das ließ sich nicht von einem Zivilisten rein reden. Es sei denn er wurde vom Kaiser mit ausdrücklichem Befehl berufen. „ Die Legio wird sich an den Kaiser wenden, wenn sie es für notwendig erachtet." Das tat sie, denn ihr fehlte der Legat, was nicht zu unterschätzen war. Hier jedenfalls war nicht der richtige Ort um darüber zu reden. Nach dem Treffen musste eine Besprechung in der castra anberaumt werden.

  • Ich war doch etwas verwundert über die Art und Weise. wie hier alles verlief. Zugegeben, man sollte schon wissen, mit wem man es zu tun hatte, doch Tribun Decimus gab sich schon ein wenig - wie sollte ich sagen- angriffslustig.
    Es Schien nicht nur in der Legio ein paar Ungereimtheiten zu geben, sondern auch in der Zivilverwaltung. Es konnte doch nicht sein, dass sich hier die agierenden Personen nicht kannten. Mein Vater hatte von Germanien immer erzählt, dass die zivile Verwaltung und die Militärs eng zusammen arbeiten würden. Aber gut, das dann doch schon einige Jahre her und vielleicht hatte sich alles verändert.

  • "Die Legio wird sich zeitnah an den Kaiser wenden müssen. Tribunus Decimus." entgegnete Seneca stoisch und fuhr fort "Und der hochgeschätzte Duccius ist vom Kaiser persönlich als Wächter des Kaiserkults und als Hüter der kaiserlichen Besitztümer in Germanien eingesetzt worden. Auch wenn es ihn nicht zum Stellvertreter des Legaten macht, so rückt es hoffentlich dein Bild ein wenig zurecht."
    Der Decimer schien auf Krawall gebürstet, so hatte Seneca den Mann von ihren Treffen gar nicht in Erinnerung.
    "Da Legatus Duccius nicht nur der Kommandant der Germanica war ist es für die Provinz von großer Wichtigkeit, dass wir uns abstimmen. Ein gemeinschaftliches... Gemauschel... Ist somit wohl unabdingbar." erklärte der Iunier, der hier im Raum unter den Militärs wohl das meiste Ansehen genießen musste.
    "Ich werde jedenfalls auch von meiner Seite umgehend ein Schreiben nach Rom aufsetzen, so oder so." ließ er alle wissen und wandte sich dann an den Vinicier "Nun, deine Vorfahren in allen Ehren junger Tribun. Die Lage in Germanien erfordert nicht nur taktisches Wissen von der Akademie, sondern auch die nötige menschliche Erfahrung im Bereich zwischen den Kulturen. Aber ich bin mir dennoch sicher, dass es nicht zu einer Meuterei kommen wird." versuchte ihn Seneca so gut es ging aufzuheitern. Nach all den Querelen hatte er nicht wirklich aufbauende Worte übrig, da half es auch nicht, dass er seinen Onkel einst festgenommen hatte und seinen Vater im Carcer dahinsiechen sah während er bei der Garde diente. Ein Umstand, welchen man später sicher einmal aufrollen könnte.
    "Ich denke die Positionen sind klar geworden. Ich werde den Legaten selbstredend persönlich eskortieren Duccius. Da gebe ich dir mein Wort."

  • Endlich war ein Name gefallen, wenn auch nur der einer Gens und nicht mal selbst von der zu diesem Namen gehörenden Person. Scheinbar wusste Seneca nicht, dass Massa seit seiner Ankunft hier nicht einmal den Legaten zu Gesicht bekommen hatte. Üblich war, dass der Legat seine neuen Tribune in Augenschein nahm. Noch weniger war er beim Aufenthalt in der Stadt oder zu regionalen Festlichkeiten auf einen der Beamten oder bekannten Familien getroffen. Kein Duccier hatte sich sehen lassen. Also war die Nachfrage in seinen Augen berechtigt.
    „ Die Entscheidung hat Tribunus Vinicius zu treffen. Er ist der zweite Mann nach dem Legat. Was den Duccier betrifft ist er zwar direkt vom Kaiser eingesetzt, aber seine Funktion hat nichts mit der Legion zu tun.“ Massa hatte sich zwar klar ausgedrückt aber Seneca verstand es anders. „Entschuldige, das Gemauschel war auf die Interna der Legion gemünzt. Und du weißt als Präfekt der Ala, dass sich deine Eques nichts vom einem Subpräfekten der Classis befehlen lassen würden. Sie haben auch ihren Stolz.“ Massa sah zum Vinicier. „ Am besten du beraumst sofort eine Dienstbesprechung an, wenn wir in der castra sind.“

  • Sieh an, sieh an..... plötzlich war ich der zweite Mann nach dem Legaten und sollte entscheiden. Naja gut, mein Ansehen konnte ja noch nicht wirklich beschädigt werden, da es dies de facto ja noch gar nicht gab.


    "Nun gut meine Herren, ich werde gleich nach der Rückkehr ins Lager eine Dienstbesprechung unter den Tribunen und dem Praefectus Castrorum einberufen."


    Dann blickte ich zu dem Iunier "Praefectus, verzeih die Frage, aber Rom ist doch schon informiert und wird sich sicher schnellst möglich um eine Nachfolge kümmern. Wozu also noch ein Schreiben an Rom? Meinst du es beschleunigt die Sache?"


    Und dies war keineswegs sarkastisch gemeint, es war, meiner Meinung nach, eine berechtigte Frage. Der Duccier hat schon erwähnt, dass Rom benachrichtigt wurde, also wozu noch weitere Briefe senden.

  • "Es ist meine Pflicht als Kommandant einer der größten Einheiten der Provinz Berichte und Korrespondenzen mit Rom zu führen. Es ist eine Erwähnung wert nicht wahr?" fragte Seneca rhetorisch, die Antwort auf die Frage würde Rom in schriftlicher Form erhalten.
    "Nun meine Herren, es war ein interessantes treffen." sagte Seneca etwas unterkühlt und blickte noch einmal in die Runde "Duccius, eine Turma der Ala wird sich noch heute für die Eskorte bereitmachen und ich werde nach Vicus Portus reiten. Tribuni." noch einmal nickte Seneca und verließ dann zackigen Schrittes den Besprechungsraum um sich draußen wieder mit seiner Leibwache zu treffen und zurück zur Castra zu reiten.
    Offensichtlich wurde mit der unter Duccius Vala und ihm der gemeinschaftlichen Truppenkoordination schnell gebrochen, der Duccier war noch nicht einmal nach Hause gekommen, die nächsten Wochen würden wohl spannend werden.

  • Ohne wirklich auf die Frage eingehen zu wollen sagte ich nur beiläufig "Und diese 'Erwähnung' hat Rom schon bekommen....." und sah zu dem Mann, der die Sitzung anscheinend einberufen hatte und den der Praefectus ALA ebenso als Duccier outete "..... nicht wahr, Procurator?"


    Doch der Reiterpraefect, der sich selbst und seine Einheit wohl ziemlich wichtig nahm, verliess so schnell und unvermittelt das Geschehen, dass niemand mehr reagieren konnte.
    Ungläubig über das was hier abging blickte ich sichtlich verwirrt in die Runde und hoffte darauf, dass hier endlich jemand mal Klartext sprach. Es schien als wäre hier jeder gegen jeden unterwegs......

  • Witjon war sprachlos. Er hatte soeben auf die Bemerkung des Decimers reagieren wollen, der etwas von schriftlicher Vollmacht sagte, da kam ihm schon der Praefectus Iunius zuvor. Und der stellte sich auf die Seite der Vernunft, so viel stand fest. Er reagierte vor allem verhältnismäßig gelassen, was Witjon ihm hoch anrechnete. Auf Senecas Versprechen, er werde Vala bis hierher eskortieren, nickte Witjon dankbar.


    Gleich im Anschluss an Senecas Worte schoss dann Tribunus Decimus zurück. Und wie. Der Mann sprach nun über ihn, als wäre er nicht anwesend. Dieser Flegel verhielt sich langsam doch recht unverschämt. Witjon runzelte missbilligend die Stirn. Wie der iunische Praefectus gewann er den Eindruck, dass die Legionsoffiziere kein besonders Interesse an einer Zusammenarbeit zum Wohle und Schutze der Provinz hatten, sondern lieber in kleinlichen Rivalitäten Freude fanden. Davon ausgenommen blieb zunächst allein der junge Vinicius, der sich selbst nach dem abrupten Abgang des Alapraefekten diplomatisch gab.


    "Numerius Duccius Marsus, Procurator Rationis Privatae", sagte Witjon nach einem weiteren Augenblick des betretenen Schweigens. "Die Vorstellung ist mir anfangs entfallen, verzeiht. Und ja, Vinicius", sagte Witjon in dessen Richtung, "ich habe dem Kaiser geschrieben. Aber, wie Decimus hier ja bereits anmerkte, hat meine Funktion nichts mit der Legion zu tun. So der Kommandostab der Legion beschließt, ebenfalls einen Bericht an die kaiserliche Kanzlei zu übermitteln, so ist das sein gutes Recht. Ihr werdet womöglich auf direktem Wege neue Anweisungen vom Kaiser erhalten wollen."


    Nach diesen Worten wechselte Witjon einen Blick mit dem Legatus Iuridicus, der aber bloß mit den Schultern zuckte. Nun gut, dann gab es wohl nichts mehr zu besprechen. Da ohnehin schon einer der Teilnehmer abgedampft war, konnte er diese Runde jetzt auch ganz beenden. "Damit dürfte alles gesagt sein. Valete, meine Herren." Sollten die Legionsoffiziere doch ihr eigenes Süppchen kochen, wenn sie unbedingt wollten. Er hatte jedenfalls keine Lust, hier weiter an den Verstand der Militärs zu appellieren.

  • Es war nicht anders zu erwarten gewesen. Verschwendete Zeit, keiner der beiden, der Duccier und der Präfekt der Ala hatten ihm richtig zu gehört. Keiner von beiden hatte eine Ahnung von der Befehlsstruktur der Legion und er, ein Tribun, erlaubte sich klar zu stellen wie es bei der Legion lief. Wie konnte er nur. Das daraus gleich eine Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Ala gemacht wurde, war Massa zu hoch.


    Was ihn am meisten störte und befremdete. Ihr Legat hatte einen Unfall und wer wurde mit dem Geleit betraut? Nicht die Legio, nein die Ala.
    Und warum sollte die Legio nochmals eine Meldung nach Rom schicken? Massa schüttelte nur mit dem Kopf als Seneca hinausstürmte und der Duccier gleich darauf den Raum verließ.

  • Es war wirklich verwunderlich, wie hier gleich alle reagierten. Ein konstruktives Gespräch oder sogar ein miteinander war hier, zumindest momentan, nicht möglich.
    Es schien mir nun fast wie ein Rauswurf und sah Tribun Decimus ungläubig an. Ich beschloss den Procurator gleich im Anschluss in seinem Officium aufzusuchen.


    So erhob ich mich "Valete die Herren" und verliess diese Sitzung. Die Interna der Legio würden ohnehin bei der Stabsbesprechung geklärt werden und diese eigenartige Situation von eben würde ich direkt mit dem Duccier besprechen.

  • Sim-Off:

    Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Marsus hat sich zwar verabschiedet. Dass er den Raum verlassen hat, habe ich allerdings nicht geschrieben. Wenn also noch Fragen vorhanden sind, zögert nicht sie zu stellen.
    Ein Hinweis an dieser Stelle noch zur Eskorte: Der Statthalter wird ja sowieso von den Equites Singulares begleitet, die der Legion angehören. Deshalb war das für mich keiner Erwähnung wert.


    Witjon verharrte noch eine Weile. Als Gastgeber dieser Sitzung wäre es unhöflich gewesen, abzudampfen und die Geladenen stehen zu lassen. Erst recht, da er zuvor bereits die Vorstellung vergessen hatte. Der vinicische Tribun verabschiedete sich sodann auch. Erwartungsvoll sah Witjon in die Runde. Er rechnete zwar nicht mehr mit weiteren Fragen der Offiziere, aber man wusste ja nie. Der Legatus Iuridicus entbot den Anwesenden derweil seinen Gruß und verließ den Raum.

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