• Aus der Stadt kommend und auf der Via Aurelia befindend schlug die kleine Truppe des Praefectus Urbi und der Cohortes Urbanae den Weg nach Fregenae ein. Diese Stadt sollte der erste Anlaufpunkt für die Städtereise rund um Rom sein.


    Noch war es früh am Morgen, kurz nach Beginn der ersten Stunde, weshalb der Verkehr in die urbs aeterna noch stärker war, als schon wieder aus hier heraus. Mit hoher Geschwindigkeit strebten die Reisenden ihrem Ziel zu.

  • Sonderlich eindrucksvoll erschien Fregenae nicht und die dortigen Duumvirir wussten nur von einigen Dieben zu berichten, die vor einigen Wochen noch die verwaisten Landhäuser einiger Stadtrömer geplündert hatten. Das Gesindel war aber schon im carcer und den Bericht dazu hatte der Praefectus Urbi schon längst auf seinem Tisch gehabt. Da es sonst nichts interessantes und auch keine Probleme in dieser Stadt gab, entschloss sich Victor samt Begleitung noch zu dieserr fortgeschrittenen Stunde weiter nach zum Flecken Baenbiana, oder vielleicht sogar noch bis Ad Turres zu reiten, allerdings wurde es zu dieser Jahreszeit ja schon recht schnell zu dunkel für das Reisen, weshalb es in dem gleichen hurtigen Tempo, wie am Morgen weiterging.

  • Nach dem sie Ad Turres hinter sich gelassen hatte, kam die Gruppe endlich nach Alsium, dem beschaulichen und beliebten Feriernort reicher und sich als solcher fühlender Römer, mit den passenden Villen um im Sommer der Hitze und dem Gestank der geliiebten urbs aeterna zu entkommen. Allerdings war dieser Ort auch nur im Somemr beschaulich, jetzt im Winter lag er eher verlassen und trostlos da, nur von den üblichen Einwohnern bewohnt und fast gänzlich frei von illustren Gästen aus der Hauptstadt.


    Untermalt wurde diese eher gedrückte Atmosphäre noch von schneidendem Wind und niedrig dahinziehenden Wolken. Unwillkürlich machten sich alle Reiter in ihren warmen Mänteln besonders klein auf ihren Pferden. Zum Glück hatten die Duumviri, obwohl beide Gesichter schnitten, wie sieben Tage Regenwetter nichts zu beanstanden, ihr Gesischtsaudruck lag wohl tatsächlich im Wetter begründet.


    Nach kurzem Aufenthalt und einigen Gesprächen mit den übrigen Mitgliedern der Stadtverwaltung brach die Gruppe um den Praefectus Urbi auch schon wieder auf; zum späten Nachmittag wollte man in Caere sein.

  • Caere, die alte und ehrwürdige Etruskerstadt, die Quelle römischer Rednerkunst, war seit deren stürmischen Tagen vor Caesar und Augustus ein wenig zu einer provinziellen Kleinstadt verkommen, trotz, oder gerade wegen der Nähe zu Rom. Genauso verkommen war auch die Stadtführung, die zum Zeitpunkt des Eintreffens der Urbaner gerade heftigst ins Kreuzfeuer der Stadtcurie geraten war. Die beiden Oberhäupter dieser Stadt schienen sich einige Amtshandlungen sehr kräftig mit glänzenden Münzen bezahlt zu haben lassen.


    Dummerweise war noch kein stichhaltiger Beweis für eine Anklage an den Tag gekommen und der Praefectus Urbi und die übrigen Sicherheitskrafte hatten leider nicht die Zeit sich darum zu kümmern. Zumindest aber wurden die beiden Duumviri und die Stadtväter mit der Drohung bzw. dem Versprechen zurückgelassen, dass demnächst jemand aus den Reihen der Cohortes Urbanae vorbeischauen würde.


    Nach Caere ging die Reise im Norden von Rom weiter über Careiae, das municpium Veii und danach über Ad Vicesimum, alles recht interessante, aber bis auf Kleinigkeiten recht zufriedene Ortschaften, die nichts von Belang dem Stadtpräfekten zu melden hatten, nach Mantua, von wo der Praefectus Urbi erstmal wieder nach Rom zurückzukehren gedachte.

  • Wiedereinmal war der Praefectus Urbi mit einigen Untergebenen zu Pferde aufgebrochen, um auch weiterhin im Umland der urbs aeterna Präsenz zu zeigen. Diesmal sollte es jedoch nur ein kurzer Ritt entlang der via nomentana werden, bis nach Eretum und von dort direkt zurück über die via salaria. Nach scharfem Ritt, aber relativ ausgeruht erreichte die Gruppe Ficulea.


    Viel gab es an diesem Flecken nicht zu erfahren oder anzusehen, sodass die Urbaner schon früh am nächsten Morgen aufbrachen, um sich noch an diesem Tag in Nomentum umsehen zu können. Dort angekommen gab es von den örtlichen Oberhäuptern aber relativ wenig zu erzählen, sodass sich Victor noch ein wenig die Klagen der Bewohner anhörte, um sie später nötigenfalls an die richtige Adresse weitergeben zu können.


    Dafür hatte sich der Praefectus Urbi einen Stuhl besorgen lassen und den vor der winzigen Curie aufstellen lassen. Nun saß er auf dem Stuhl und hörte den Klagen der Einwohner zu, während seine Soldaten sich um den Einkauf von neuem Proviant kümmerten. Nur ein Scriba blieb noch in der Nähe seines Chefs und notierte gelangweilt die üblichen Nichtigkeiten von Dorftrotteln.


    Einer dieser Bauern warf sich vor Victor auf den Boden und begann eine bittere Klage über seine Nachbarn, die örtlichen Curienmitglieder und dann den Kaiser, wobei er immer leiser sprach, sodass sich der Senator unweigerlich immer weiter vorgelehnt hatte, um den Mann noch verstehen zu können. Plötzlich sprang der Bauer jedoch auf und stürzte mit gezücktem Dolch auf den Praefectus Urbi zu. Der war zu überrascht um mehr als zurückzucken zu können und darum wurde es auch bitterlich bestraft dass der Stadtpräfekt immer ohne Lederpanzer herumlief, denn der Angreifer konnte Victor ungehindert seine Waffe in den Magen rammen.


    Als sich die Toga des Octaviers blutrot färbte starrten alle drei Umstehenden, Victor, der Angreifer und der Scriba auf den Fleck der sich langsam ausbreitete. Der Bauer hielt erschrocken über seinen Erfolg inne, sodass der Scriba Zeit hatte aufzuspringen und dem Mann seinen Gladius in die Brust zu rammen und Alarm zu schreien. Während der Angreifer tödlich getroffen zusammenbrach, die ersten Forumsbesucher kreischend registrierten, was passiert war und sich in Sicherheit brachten, die ersten Urbaner sich wieder umdrehten und zu ihrem Chef stürmten, kippte Victor nach Vorne aus seinem Stuhl.


    Er war verletzt aber noch nicht tod und damit er auch nicht starb, wollten ihn seine Männer schnell in ein haus bringen, um ihn dort zu versorgen, aber alle Einwohner der Stadt hatten ihre Türen geschlossen, aus Angst der Senator würde in ihrem Haus sterben und dann wirklich Probleme haben. So richtig wussten die Soldaten nicht was sie tun sollten, denn die Wunde blutete immer weiter. dann rührte sich der Praefectus Urbi doch nochmal und die Männer erkärten ihm das Problem. Leise und mit heiserer Stimme gab Victor die Anweisung ihn zu einem seiner Landgüter bei Aquae Labanae zu bringen und einen Boten zum Praefectus Praetorio und zu einem Medicus in Ficulae und Roma zu schicken.


    Während die Boten schnell aufbrachen verband einer der Milites notdürftig die Wunde des Praefectus Urbi, dann begann ein für den Octavier brutaler Ritt, bei welchem bei jedem Schritt des Pferdes unter ihm, die Wunde aufs neues Höllenschmerzen verbreitete. Kurz vor dem Ziel verlor er dann gnädigerweise das bewusstsein und die Männer konnten gerade noch verhindern, dass er vom Pferd fiel, bevor sie ihn in das Gebäude trugen.

  • Wochen des dumpfen dahinvegetierens waren vergangen. Geplagt von Schmerzen und Fieber und ohne Herr über seine Sinne und Gedanken zu sein, hatte Victor auf seiner Liegestatt gelegen, während sein Geist jenseits dieser Welt gewesen war. Nur wenige Sklaven und Freigelassene kümmerten sich um den Senator, aber mehr waren auch gar nicht nötig gewesen, denn außer durch gelegentliche Stöhnlaute, unregelmäßige Atemgeräusche und dem Schlagen seines Herzens tat der Octavier nicht kund, dass er noch diesseits der Unterwelt weilte.


    Mit einem pötzlichen Ruck riss Victor seine Augen auf und blickte sich völlig verwirrt um. Dann entdeckte er ein bekanntes Gesicht, ein alter Sklave der für seine hervorragende Arbeit in den Gärten der Casa Octavia die Freheit geschenkt bekommen hatte, in dem ansonsten völlig unbekannten Raum. Der Mann döste, doch Victor war nur von einem einzigen Gedanken getrieben und so krächzte er mit lange nicht mehr gebrauchter Stimme. "Wasser..."


    Bevor der alte Sklave richtig registriert hatte, was gerade geschehen war, geschweige denn bevor er den Auftrag ausführen konnte, war sein Dominus schon wieder von absoluter Dunkelheit umfangen worden, doch nun ging sein Atem wesentlich regelmäßiger und kräftiger als in den letzten bangen Wochen.


    Freudig sprang der alte Gärtner auf und rief allen Bediensteten und Anwesenden des Landgutes zu, was er soeben gesehen und gehört hatte...

  • In den letzten Tagen war es stetig bergauf mit Victor gegangen und statt die Tage und Nächte in erholsamen Schlaf zu verbringen blieb er jetzt tagsüber schon wach... und begann sich prompt zu langweilen. Zuletzt hatte er sich von morgens bis kurz vor den nächsten Morgen mit den tausend Kleinigkeiten, Wehwechen und Problem des caput mundi beschäftigt und jetzt hatte er auf einmal gar nichts mehr zu tun.


    Denn so dankbar Victor auch den Freigelassenen, Sklaven und Landarbeitern (und auch dem Medicus) war, die ihn bis jetzt gepflegt hatten, so war der Octavier doch nicht sein Onkel und konnte sich nicht wochenlang mit der Aufzucht und Pflege von Rosen beschäftigen; ganz davon abgesehen, dass das Herumlaufen, ja selbst das aufrechte Sitzen noch von erheblichen Schmerzen (und einem Magenbitter-Gesicht beim Medicus) begleitet wurde. Lesen alleine machte auch nicht glücklich und da das kulturelle Angebot dieser Gegend der italischen Provinz dem Germaniens gleichkam, war nirgends eine der Heilung förderliche Ablenkung zu entdecken.


    Nachdem Victor dann zum dritten Mal den Vergleich der landwirtschaftlichen Schriften von Cato mit Varro und Columella abgebrochen hatte, beschloss er kurzentschlossen den Befahl zur verlegung des Krankenlagers nach Rom zu geben. Am nächsten Morgen würde die Sänfte bereitstehen und dann würde es zurück in die Casa Octavia gehen. Noch in der gleichen Nacht jedoch machte sich schonmal ein Bote auf den Weg, um in Rom alle vorzuwarnen.

  • Stunden bevor die Sonne über den Horizont gekrochen kam, war Victor in Begleitung einiger Sklaven an Bord einer unbequemen Sänfte und später in einer noch unbequemeren Kutsche zu seinem Landsitz bei Aquae Labanae gereist.


    Hier hatte er sich schon einmal von einer schweren Verwundung erholt, darum gedachte er es hier mit seiner neuen Krankheit aufzunehmen, wobei diesmal aber nichtmal dem Medicus klar war, woran er litt. Klar war nur, dass die Genesung sich viel Zeit lassen würde.

  • Lange, viel zu lange hatte es gedauert, die Krankheit auszukurieren, die den Senator niedergestreckt hatte. Bis heute wusste kein konsultierter Medicus, was genau Victor siechen ließ. Nun jedoch, nachdem er einem in der gens verbreitetem Zeitvertreib gefrönt und unzählige Rosen beschnitten hatte, war die Linderung der Schmerzen und schlussendlich ihre vollständige und dauerhafte Abwesenheit über den Senator gekommen. Seinem Glück konnte Victor erst nicht ganz trauen, aber nachdem er einige Wochen lang seinen Leib wieder ertüchtigt und bei Wind und Wetter im Freien erprobt hatte, war klar: Er war wieder gesund!


    Auch wenn er zuvor keinem Gott geopfert und keinen Unsterblichen um Hilfe angefleht hatte, brachte Victor nun Janus reiche Opfer dar, lag die Krankheit und die Zeit der Düsternis nun hinter dem Senator und die Zukunft wieder vor ihm.


    Kurz nach den Opferhandlungen nahm der Senator endlich wieder auf dem Rücken eines Pferdes Platz und verließ mit Wonne das liebliche Aquae Labanae, um in den Moloch Roma zurückzukehren. Nichts Besseres konnte er sich vorstellen, denn Ruhe hatte er jetzt wirklich genug gehabt.

  • Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Über diese einfache Lebensweisheit war Victor jetzt schon zum wiederholten Male gestolpert, weshalb er sich mal wieder zu einem monatelangen Aufenthalt im lieblichen Aquae Labanae eingefunden hatte. Lieblich? Pah... langsam kann ich diesen Ort nicht mehr sehen. Nunja, glücklicherweise war Victors Aufenthalt in diesem seinen Landsitz eh zu ende. Wieder einmal hatte er sich von einer Krankheit erholt und wieder einmal machte er sich auf den Rückweg in die urbs aeterna. Nicht allerdings ohne vorher Anweisung an den Verwalter der villa rustica zu geben, alle Wände zu kalken und im Anschluss mit neuen Wandgemälden zu versehen. Die aktuellen kannte er jetzt schon zur genüge und sein Auge konnte sich nicht mehr an ihnen erfreuen.


    Nachdem auch dieser Punkt geklärt war, setzte sich der genesene Senator auf sein Pferd und ritt ohne sich noch einmal umzudrehen davon. Bei allem Optimismus bezweifelte er jedoch, dass es ein Abschied fürs Leben war und er wollte den Anblick der Gemäuer nicht länger ertragen, als unbedingt sein musste.

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