Es geschah in einem Augenblick...

  • Nach wenigen, viel zu kurzen Wochen der Freude und des Lichts war es wieder einmal passiert, die Bewohner der Casa Octavia waren verreist und Hephitios war ein weiteres Mal alleine bei der Minimalbelegschaft des Haushalts zurückgeblieben, weshalb der Junge bald wieder seine alten Angewohnheiten des ständigen Herumstreifens und des Krafttrainings aufgenommen hatte, um den allzu schnell zurückkehrenden Frust über seine Lebenslage abzubauen. Wieso war er nicht mitgenommen worden? Hatte er sich in seiner Zeit in Ostia auf dem octavischen Landgut nicht glänzend bewiesen, dass er auch abseits seines Personenschutzes für Octavia Flora ein fleißiger Arbeiter war? Ja, war es nicht sogar er es gewesen, der wider aller Befehle alles stehen und liegen hatte lassen und nach Rom geeilt war, um Flora vor dem bösen alten Rabastos zu retten, nachdem er entdeckt gehabt hatte, dass dieser sich in schädlicher Absicht für die Octavierin dorthin aufgemacht hatte? Und wie wurde es ihm gedankt? Mit tödlicher Langeweile ganz alleine hier in Rom...


    So also wanderte Hephitios wieder den größten Teil des Tages quer durch Rom, stemmte Floras Lieblingsbank im Hortus der Casa Octavia, oder saß stundenlang auf einem der öffentlichen Plätze der Ewigen Stadt, oder an einer Straßenkreuzung, um die Leute rund um sich zu beobachten.


    Heute war es wieder einmal soweit, Hephitios saß auf einer kaputten kleinen Kiste an einer kleinen, schäbigen Straßenkreuzung mitten in der Subura. Er hatte gerade wieder einen Lupanarbesuch hinter sich, der erste den er sich seit der erneuten Abreise seiner Herrn geleistet hatte. Solche Besuche waren immer ein Höhepunkt für ihn, denn mit seinem kargen Skalvengehalt konnte er sich eine derartige Freude nicht oft leisten, wo aber gerade diese doch ihm am besten tat, um seine Frustration ein wenig zu lindern. Jetzt saß er also dort an seinem Platz an die Hauswand hinter ihm gelehnt und die Augen auf die Leute vor sich gerichtet, um sie eigentlich zu beobachten, aber Hephitios‘ Gedanken waren weit weg bei Flora.


    Sim-Off:

    Jeder der will kann sich gerne hier einbauen! :) Was genau in einem Augenblick geschieht ist offen und wird sich hoffentlich durch das gemeinsame Spiel ergeben. :D

  • Die Mauern. Die Wände der Casa kamen immer näher, sodass Eireann das Gefühl hatte, sie würde jeden Augenblick ersticken. Oder lag dies an der stickigen Luft, dass die Dunkelhaarige diesen Eindruck hatte? Ein tonloses Seufzen begleitete diese Gedanken. Bevor sie ihren Kopf schüttelte und nachdenklich vor sich hin starrte. Was sollte sie jetzt tun? Furia Stella hatte sie den anderen Sklaven vorgestellt und die Aufgaben verteilt. Und dennoch war die Hausherrin nirgends zu erblicken. Ihr Dominus hielt sich ohnehin in der Castra auf. Vielleicht sollte sie diesen Moment nutzen. Eine solche Chance bekam sie bestimmt kein zweites mal. Und so näherte sich die Dunkelhaarige dem Eingang der Sklaven. Auch wenn sie dort abermals innehielt. Wo steckte der Sklave der eigentlich am Tor Dienst hatte? Mit einem kaum merklichen Schulterzucken beantwortete Eireann diese Frage bereits und öffnete die Türe einen Spalt. Durch eben jenen entstandenen Spalt zwängte sie sich und schloss die Türe hinter sich. Lautlos versteht sich.


    An der frischen Luft atmete Eireann erst einmal tief durch und reckte ihr Gesicht dem Firmament entgegen. Dann besann sie sich und setzte sich mit raschen Schritten in Bewegung. Ohne Ziel ließ sich die junge Keltin einfach treiben. So bemerkte sie auch nicht, wie sie ihre Schritte unbewusst in die Subura geführt hatten. Allzu gut erinnerte sich die junge Frau an das Sklavenmädchen aus der schmierigen Spelunke am Tiberufer. Jetzt hatte es das Mädchen definitiv besser.


    Und so ließ sich die junge Keltin weiter treiben. Die kleinen, verwinkelten Gässchen entlang. Bis sie einen jungen Mann auf einer Kiste sitzend entdeckte. Das wäre ja noch nicht einmal amüsant. Das amüsante an dieser Situation war, dass sich just ein zottiger Straßenköter eben jener Kiste näherte und sein Bein hob. Ob dies dem jungen Mann auffiel? Eireann jedoch beobachtete den Straßenköter und den jungen Mann auf der Kiste.

  • Hephitios hatte seinen Blick von den Leuten hoch in den Himmel erhoben, um tiefer seinen Gedanken nachhängen zu können. Warum dachte er nur immer wieder dabei an Flora? Was zog ihn so derart an? Mochte das Liebe sein? Hephitios wollte das gar nicht glauben, aber abstreiten ließ es sich auch nicht völlig. Vielleicht war es ein Mittelding aus beidem.


    Fest stand, dass er gerne in ihrer Nähe war und sein größter Lebensinhalt inzwischen nur noch darin bestand sie zu beschützen. Vermutlich fühlte er sich auch deshalb jetzt so leer, weil eben dieser Teilbereich seines Lebens gerade ruhte.


    Ach Flora..
    Immer wurde ihm ganz warm beim Gedanken an seine Kyria und heute ganz besonders wie es schien und nicht nur im Herzen, sondern auch an seiner linken Seite. Seiner linken Seite? Fragend blickte Hephitios an sich herunter. Ein Hund stand da und benutzte ihn als Latrine! "He du Töle!" rief er empört und sprang mit den Armen fuchtelnd auf. Na toll, seine schöne Tunika voller Hundeurin!


    Zitat

    Hephitios hat es wohl wirklich nicht mit Hunden -> Hundeunfall Nr. 1 :D

  • Tiberios , der gerade von der Farbenmischerei Danuvius kam und nach Hause wollte, sah einen jungen Mann, der auf einer Kiste saß und offensichtlich in Gedanken versunken war, und somit nicht bemerkte, dass ein Hund sich ihm näherte.
    Erst als das Tier sein Bein hob, sprang der junge Mann auf:
    "He, du Töle!!", rief er aus.
    Der Straßenköter ergriff die Flucht, aber ein gelber Streifen zog sich über die Tunika.


    Tiberios blieb stehen, musste sich ein Grinsen verbeißen. Der Anblick war komisch gewesen. Aber
    er sagte freundlich :
    " Brauchst du einen Brunnen ? Ich weiß, wo hier einer ist."

  • Hephitios zerrte immer noch schimpfend an seinem Kleidungsstück herum, nachdem der Hund schon längst geflüchtet war. Gerade diese Tunika hatte es sein müssen! Denn heute trug er jene dunkelgrüne Tunika aus Baumwolle, die ihm einst Octavia Flora gleich als aller erstes geschenkt hatte, noch direkt am Sklavenmarkt nach seinem Kauf. Deshalb verband er etwas besonderes mit diesem Kleidungsstück und war sein teuerstes Kleinod. Zumindest war es das gewesen, denn jetzt war die Tunika besudelt worden. Geschändet von einem räudigen Straßenköter! Ein wenig wütend knurrte Hephitios über den Verlust. Wie sollte er das jetzt auf die Schnelle nachhause bringen, ohne dass es unterwegs eintrocknete und damit für immer ruiniert wäre?


    Die Götter schienen seinen Zwist mitangesehen zu haben, denn sie schickten Hephitios einen Retter in der Not. Ein freundlicher Junge von mittlerer Größe, lockigem Haar und ungefähr in seinem Alter hatte sich unbemerkt genähert und ihn jetzt angesprochen. Er wusste anscheinend wo er hier seine Lieblingstunika waschen konnte? "Ein Brunnen? Ja, bitte! Du würdest mir das Leben damit retten!" Ganz so schlimm war es natürlich nicht, aber Hephitios selbst hatte seine verbale Übertreibung gar nicht richtig mitbekommen, so sehr bangte er das erste Geschenk zu verlieren, dass er je von Flora bekommen hatte und wenn es auch nur eine normale Tunika von dunkelgrüner Farbe war. Unterwegs fragte er ihn: "Ich bin übrigens Hephitios, Sklave bei den Octaviern und wer bist du, mein Retter?"
    Gut, das letzte fand auch er jetzt schön langsam zu dick aufgetragen, doch Gesagtes war nun einmal nicht mehr zurückzuholen, vor allem, wenn es schon gehört worden war.


    Beim Brunnen angekommen zögerte Hephitios dann noch einmal. "Wie soll ich das mit dem Waschen machen? Ich habe ja sonst nichts an?"
    Nackt würde er eher ungern hier in der Subura seine Kleider waschen, auch wenn die Mädchen dann ordentlich etwas zu schauen gehabt hätten wegen seines muskulösen Körpers.

  • Tiberios lächelte nun und seine Augen funkelten vergnügt. Mein Retter, hatte ihn der junge Mann genannt.
    Sehr höfliche Art zu sprechen hatte dieser Hephitios.


    Offensichtlich war er auch ein Hellene , und Tiberios stellte sich nun vor :
    " Tiberios, Sklave des Gnaeus Furius Philus , zu Diensten. "
    und deutete auf die Bronzetafel , die er um den Hals trug.
    Sie diente mehr zum Schutz, dass ihm während seiner Besorgungen nichts geschah , als dafür, ihn zu kennzeichnen. Er konnte sie jederzeit abnehmen:


    "Du bist von...."


    Tiberios hatte Spaß daran, an Hand der Sprache herauszufinden, woher andere Leute kamen, und Hephistos Art zu sprechen klang für ihn dorisch :
    " Kreta ? Oder Rhodos? Oder vielleicht sogar Sparta? "


    Tiberios musterte ihn von oben bis unten :
    "Sparta könnte es durchaus sein, trainiert wie du bist. Nun, zweifellos wärst du die Freude der Schönheiten der Subura, würdest du dich deiner Tunika entledigen , aber ich glaube , es ist besser, ich leih dir die da."


    Der furische Sklave trug über seiner hellen Tunika eine chlamys, einen knielangen griechischen Mantel, den er mit einer bronzenen Spange über der Schulter befestigt hatte.


    Er löste nun die Spange und formte aus dem Mantel ein Bündel, das er ziemlich fest zusammendrehte:


    "Fang , Hephitios !", rief er und warf dem neuen Bekannten das Bündel zu.

  • Zu seiner Freude erfuhr Hephitios, dass sein Gegenüber ebenfalls Grieche war. Ein Landsmann, der ihm geholfen hatte, wenn das mal kein Zufall war! Sofort wechselte er für den Rest des Gesprächs ins Griechische, viel zu selten konnte er seine heimatliche Zunge gebrauchen.
    "Angenehm! Ich bin der custos corporis der Octavia Flora", stellte er auch jetzt seine Funktion näher klar, da auch Tiberios seinen Herrn genannt hatte. Erst jetzt hatte Hephitios jene Bronzetafel an ihm entdeckt, nachdem er schon extra darauf hingedeutet hatte, sonst hätte er dieses kleine Detail erst sehr viel später, oder auch gar nicht bemerkt. Hephitios selbst hatte zum Glück nie etwas ähnliches tragen müssen, wo ihn seine liebe Kyria ihn ja fast schon direkt nach seinem Kauf hatte freilassen wollen der Art nach wie sie mit ihm geredet gehabt hatte. Er hatte wirklich ein Glück mit Flora.


    Doch nicht nur das, Tiberios schien auch ein Zauberer zu sein! Er konnte Hephitios' Herkunftsort gleich fast richtig eingrenzen! "Rhodos stimmt, ich stamme von Rhodos! Doch woher wusstest du das nur?" Er sah noch einmal an sich kurz hinunter im gehen. Kein noch so kleines Detail seiner Kleidung verriet seine Abstammung, besonders wo er ja nur Dinge am Leib trug die von römischer Art waren. Die Tunika, seine Sandalen, einfach alles. "Woher kommst du denn? Du scheinst sehr intelligent zu sein, vielleicht aus Athen?" Recht viel näher konnte Hephitios das aber nicht bestimmen, wo er ja nicht so viel bislang sehen hatte können von der griechischen Welt außerhalb seines rhodischen Fischerdorfes und der Inselhauptstadt selbst.


    Beim Brunnen dann hatte Tiberios einen freundlichen Einfall. Er wollte ihm seinen Chlamys-Mantel borgen für die Dauer der Reinigung seines beschmutzten Kleidungsstücks. "Vielen Dank, Tiberios, dafür hast du etwas gut bei mir!" sagte er glücklich darüber, wenigstens nicht ganz nackt am Brunnen arbeiten zu müssen. Geschickt fing er das Bündel auf und entfaltete es wieder. Die Chlamys war ein makedonisch-nordgriechischer Reit- und Reisemantel und bestand aus einem kurzen rechteckigen Tuchstück, das über die linke Schulter geworfen und auf der rechten Schulter mit einer Spange zusammengehalten wurde. Klar dabei, dass selbst mit dem Mantel Hephitios immer noch mehr von sich preis gab, als der Stoff im Stande war zu verhüllen, aber besser als nichts.
    So legte er Tiberios' Mantel zuerst einmal auf den Brunnenrand und schlüpfte dann aus seiner Tunika. Für die Momente wo er die Tunika jetzt auf den Brunnen legte und nach dem Mantel griff war Hephitios abgesehen von seinen Sandalen vollkommen nackt, doch als Grieche störte ihn das nicht so sehr, vor allem da er ja wusste, dass dieser Umstand gleich wieder behoben wäre. Trotzdem reichte der kurze Augenblick des Kleiderwechsels, dass ein vorbeigehendes junges Mädchen in Lumpen ihre Freundin neben sich anstieß und kichernd auf Hephitios Gemächt deutete und beide mit großen Augen kurz stehen blieben.
    Er ließ sich davon jedoch nicht beirren. Behände warf er die Chlamys um seine linke Schulter und verschloß rechts die Spange und schon war er wieder bekleidet. Also ja, mehr oder weniger. Die Mädchen kicherten und kieksten immer noch, denn sie standen auf der offenen Seite des Mantels und konnten Hephitios' Körper daher immer noch praktisch unverhüllt sehen. Unter der Chlamys lugte auch hin und wieder eine Art Köpfchen hervor, wenn er sich vorbeugte, um die Tunika ins Wasser zu tauchen. So ein Reisemantel war eben wirklich sehr kurz.


    Eine Weile tauchte Hephitios seine Tunika immer wieder ins Wasser ein und rieb an der beschmutzten Stelle mit seinen Händen, doch ob das den gewünschten Effekt brachte konnte er wirklich nicht sagen. Als er meinte es gut sein zu lassen richtete er sich wieder auf und hielt die nasse Tunika fragend in Richtung Tiberios.
    "Meinst du das bisschen Wasser und Gereibe reicht aus, um die Tunika wieder ganz sauber zu kriegen? Oder könnte man sonst noch irgendetwas machen? Ich kenne mich damit leider überhaupt nicht aus!" Bei der Artikulation seiner Worte versuchte er nicht allzu verzweifelt zu klingen.

  • " Ein Custos Corporis - daher so stark. ", sagte Tiberios bewundernd :


    Als Hellene hatte er ein Auge für männliche Schönheit und Nacktheit war etwas Natürliches für ihn - allerdings nicht für zwei römische Mädchen, die stehen blieben und kicherten und Hephitios so schmachtend anstarrten, als wäre er eine gerade lebendig gewordene Statue von Phidias.


    "Nein, ich bin nicht aus Athen, obwohl es mein Wunsch wäre , die Stadt der Pallas Athena einmal zu sehen, ich stamme aus Alexandria. Ich bin ein Scriba und nun Bibliothekar, was nur bedeutet, dass ich viel mit Sprache zu tun habe. Du sprichst Koine, unsere Umgangssprache, mit dorischem Akzent, daher kam ich darauf, woher du kommen könntest", sagte Tiberios und freute sich ein bißchen, dass er sich nicht geirrt hatte: Hephitios war von der Insel Rhodos.



    Tiberios sah zu, wie sein neuer Bekannter seine grüne Tunika walkte und rieb, aber dann fragte:"
    "Meinst du das bisschen Wasser und Gereibe reicht aus, um die Tunika wieder ganz sauber zu kriegen? Oder könnte man sonst noch irgendetwas machen? Ich kenne mich damit leider überhaupt nicht aus!"


    "So viel ich weiß , wäscht man mit altem Urin oder Aschenlauge. " , sagte Tiberios :
    "Da der Fleck aber noch frisch war , kann man ihn mit Walken und Drücken bestimmt noch entfernen.
    Wenn du die Tunika nachher glatt ziehst und in die Sonne legst, ist sie wie neu. Als ich in Roma anfangs nur eine Tunika besaß, musste ich das auch immer so machen."

    Tiberios trank einen Schluck Wasser aus dem Brunnen. Dabei fasste er an den Beutel, den er am Gürtel trug. Darin waren die fünf Tintenfläschchen , die er für die Bibliothek bsorgt hatte, und die durften keinesfalls zerbrechen :


    " Wie ist deine Arbeit als Custos Corporis denn so?", fragte er: " Hast du schon einmal einen Angriff auf deine kyria abwehren müssen ?"

  • Hephitios war erstaunt, dass Tiberios seine Herkunft allein seiner Sprache wegen erkannt haben mochte. Er hatte da noch nie groß auf Unterschiede geachtet, für ihn war Griechisch immer bloß Griechisch gewesen. Aber jetzt erzählte er ja auch, dass er wirklich ein gelehrter Kopf war. Ein Bibliothekar und dazu noch ein Scriba! "Ich denke meine Kyria, Octavia Flora, hätte ihre helle Freude an dir, sie liebt nämlich Bücher! Du stehst nicht zufällig zum Verkauf?" scherzte Hephitios und lachte. Ein typischer Sklavenwitz, den er damals bei seinem Verkauf bestimmt noch nicht gemacht hätte und heute nur umso deutlicher zeigte, wie sehr er sich inzwischen an seine Rolle gewöhnt hatte, ohne es selbst richtig zu merken. "Ich selbst bin da noch sehr ungeschickt und ein absoluter Anfänger, was Lesen und Schreiben angeht. Meine Kyria war so freundlich und hat begonnen es mir beizubringen, aber noch bin ich ein wesentlich besserer Fischer, als dass ich problemlos eine Seite Text entziffern könnte." Vor einem Bibliothekar und Scriba das zugeben zu müssen war ihm ein wenig peinlich.
    Hoffentlich würde er ihn deswegen nicht verurteilen.


    Als er dann wegen der Tunika seine neue Bekanntschaft um Rat fragte, bekam er eine fast schon unglaubwürdige Antwort. "Danke für deine Hilfe, aber.. es gibt Leute die mit Urin ihre Kleider waschen?? Wirklich? Wie ekelhaft ist das denn!" Hephitios war ein klein wenig entsetzt und gleichzeitig bewunderte er solche Leute. Ihre Gewänder mussten ja ganz schlimm nach menschliche Ausscheidungen flüssiger Art stinken, wenn sie sie darin wuschen! Bestimmt hatte seine Mutter das nie so gemacht. Oder... etwa doch? Wenn er ehrlich war hatte er überhaupt gar keine Ahnung was das anging. Seine Mutter hatte seine schmutzigen Sachen einfach gewaschen und viel war das sowieso nie gewesen, wo er ja als Fischer meist oberkörperfrei beim Meer gearbeitet hatte. Da hatte es nicht viel Stoff gegeben der dreckig hätte werden können.


    Endlich war er fertig.
    Seufzend streckte er sich erst Mal und wrang so gut es ging den nassen Stoff aus, ehe er ihn in die Sonne zum trocknen legte. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich zu Tiberios' linker Seite hin selbst auf den Brunnenrand. "Jeden Tag wollte ich das nicht machen, zum Glück bin ich Leibwächter und kein Putzsklave. Ob es auch ja nicht mehr nach Urin stinkt hinterher? Diese Tunika ist mir nämlich sehr wichtig und es wäre unendlich schade, wenn sie entgültig hinüber wäre." Da Hephitios auf diese Weise seine Arbeit kurz angeschnitten hatte, kam jetzt auch Tiberios auf das Thema zu sprechen und fragte daher nach Einzelheiten. "Ich lebe, um meine Kyria zu beschützen und ja es gab schon einmal einen tätlichen Angriff auf sie und ich bin damals leider gescheitert in meiner Aufgabe sie zu retten." Schatten legten sich über Hephitios' Blick. "Ich kann sie erzählen, doch sei gewarnt es könnte vielleicht eine längere Geschichte werden."

  • "Ich denke meine Kyria, Octavia Flora, hätte ihre helle Freude an dir, sie liebt nämlich Bücher! Du stehst nicht zufällig zum Verkauf?" , fragte Hephitios, und Tiberios winkte ab :


    "Wer würde mich kaufen, wenn er dich haben kann.", lachte er :
    " Wie jeder Scriba habe ich die Neigung zum Bauchansatz", er klopfte sich auf den Magen, dann wurde er ernster:


    " Meine Ausbildung begann, da war ich noch sehr jung.", sagte er :
    "Stundenlanges Stillsitzen und die Lehrer waren schnell dabei, zu strafen, wenn man mal einen Moment nicht aufpasste. Ich glaube, ich hätte auch lieber gefischt und im Meer gebadet. Aber später war ich froh, dass ich lesen konnte. Es gibt so viel Wundersames und Schönes in Schriftrollen, und ich beneide dich darum, dass du diese Welt gerade entdeckst."


    Als Hephitios erzählte, dass seine kyria ihn im Lesen und Schreiben unterrichtete, nickteTiberios:
    " Deine kyria Octavia Floria mag dich wohl sehr gerne.", sagte er freundlich :
    "Ist deine Tunika denn eine Gabe von ihr, da sie dir so wichtig ist?"


    Dann beantwortete der junge Rhodier Tiberios' Frage nach seinem Dienst als Custos Curporis und kündigte eine längere Geschichte an.


    Tiberios klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter:


    "Nicht dein Ernst ! Du bist Grieche wie ich und warnst mich, dass eine Geschichte lang sein könnte?. Dir muss doch klar sein, dass ich sie umbedingt hören möchte. Bitte fang an !"

  • "Ich liebe Geschichten und ich kenne sie auch fast alle, zumindest wenn es um unsere heimischen geht mit unseren Göttern, Helden und Monstern. Andere Geschichten muss ich aus Texten entziffern, wenn sie mir niemand vorliest, oder erzählt, da bist du wahrscheinlich besser dran. Ja und zur Frage wer dich kaufen würde, meine Kyria zum Beispiel. Was Bücher und Schriftrollen angeht, so könntest du ihr viel mehr nützen wie ich", schmunzelte er. Am besten war es vermutlich, wenn es ein Hephitios-Tiberios-Doppelangebot gebe, Tiberios fürs Köpfchen und Hephitios für die Muskeln und das gute Aussehen.


    Dann erriet Tiberios wie selbstverständlich, wieso es Hephitios so wichtig war ausgerechnet diese eine Tunika zu retten. Gab es auch hierfür wieder versteckte Anhaltspunkte, die ihm nicht bewusst waren (wie vorher das mit seinem dorischen Dialekt), oder war es dieses Mal einfach ins Blaue hineingeraten? Denn so selbstverständlich war es ja auch wieder nicht, dass ein Sklave an einer Sache hing, die ihm sein Herr geschenkt hatte. Vor allem, wenn sie ein weniger gutes Verhältnis hatten. Ob er fragen sollte? Besser nicht, am Ende würde er ihn wirklich noch für dumm halten, wo er neben der Nichtfähigkeit des Lesens und Schreibens noch nicht einmal gewusst hatte welchen Dialekt er selbst eigentlich sprach. "Oh ja sie ist die Beste. Sie behandelt einen fast wie einen freien Mann. Gut, sie behandelt einen auch wie einen freien Mann, aber nur wenn wir alleine sind. Ist das bei dir auch so? Diese Tunika ist mir auch deshalb wichtig, weil sie das erste Geschenk der Herrin an mich war. Noch direkt am Sklavenmarkt nach meinem Kauf, damit ich nicht mit nacktem Oberkörper zu ihr nachhause laufen musste." Dabei strich sich Hephitios unwillkürlich über seinen Bauch und sah an sich herab.


    Mit überschwänglichen Worten machte Tiberios seinen Willen kund, dass Hephitios erzählen sollte. Ein kurzer Blick auf die in der Sonne trockende Tunika verriet ihm, dass er wohl sowieso noch eine Weile warten musste, also tat er ihm den Gefallen und begann: "Alles begann in Ostia auf dem octavischen Landgut. Wir hatten dort vor einiger Zeit ein paar Monate gelebt und immer, wenn mich die Herrin nicht brauchte verbrachte ich meine Zeit am liebsten draußen bei den Schafen und den Ziegen auf der Weide. Unter den Hütern für die Tiere befand sich auch ein älterer Mann namens Rabastos. Früher war er einer der Leibsklaven gewesen, doch dann aufgrund eines schweren Fehlers wurde er zum Hirtensklaven degradiert, frag mich aber nicht was das für ein Fehler gewesen sein soll. Jedenfalls vermoderte Rabastos seither auf jenem Landgut in Ostia mit einem riesigen Hass auf die Familie. Besonders mich hat er oft beleidigt, als er sah wie gern mich Octavia Flora hatte. Ständig hatte er so unangemessene Andeutungen gemacht was wir nicht alles...doch nein."
    Besser er sprach in diese Richtung nicht weiter, sonst wurde er ja nur doch wieder wütend.
    "Nach einiger Zeit fuhr die Familie wieder nach Rom, während ich in Ostia zurückblieb bei den anderen Gutssklaven. In den nächsten Tagen sah ich oft Rabastos völlig betrunken am Landgut herumwanken und auf die Octavier schimpfen. Das war mit der Zeit nichts besonderes mehr, jedoch wurden seine Tiraden zusehends aggressiver, bis ich am letzten Abend ihn betrunken mit sich selbst reden hörte, dass er die Domina erstechen wolle!"
    Wieder unterbrach sich Hephitios, um sich zu zügeln. Er wartete, bis er seine Fäuste wieder zu flachen Handflächen losbekam, ehe er weitersprach:
    "Ich wollte ihm gleich dort an Ort und Stelle alle Zähne einschlagen, aber ich wurde leider zurückgehalten und milde gestimmt... der Preis meiner Rücksicht war, dass sich Rabastos noch in jener Nacht mit einem Pferd und allen Messern aus der Küche nach Rom aufmachte, um Octavia Flora zu entführen und... es war ihm auch gelungen!" warf Hephitios als eine epische Vorausdeutung ein.


    "Ich nahm mir natürlich auch sofort ein Pferd, um meiner Domina zu Hilfe zu eilen, aber so ein... "netter" Praetorianer nahm mir noch am Stadttor mein Pferd ab, nachdem mich die Stadtwache schon passieren hatte lassen, sodass ich den ganzen Weg von der Stadtmauer bis zur Casa Octavia zu Fuß laufen musste und deshalb leider zu spät kam. Als ich ankam war Rabastos schon mit Flora in seiner Gewalt in die Subura entflohen." Mehrere Dinge hatte Hephitios in dieser Passage unterschlagen. Zu einem wären da all die einzeln ausgesuchten Schimpfworte für jenen Praetorianer vom Stadttor und zum anderen der geheime Hintereingang zum Hortus der Casa Octavia, der nur den Mitgliedern der Gens Octavia und ihrer Leibsklaven bekannt war. Ergo auch Rabastos und so hatte er ja Flora schlussendlich entführen können. Aber aus Furcht vor getarnten Spionen in ihrer Umgebung unterließ er es lieber auf die Praetorianer zu schimpfen und Tiberios als Außenstehendem konnte er auch nichts von der Geheimtür verraten. "Als ich merkte, dass Octavia Flora fehlte rief ich sofort um Hilfe. Zu jenem Zeitpunkt war der Dominus Octavius Maro zuhause, der einem jungen Spross der Iulier, Iulius Caesoninus, gerade eine Art Militärunterricht gab. Als wahre Männer von Ehre schlossen sie sich mir glücklicherweise sofort an, um die Kyria aus den Fängen des Rabastos zu retten und wir verfolgten seine Spur tief hinein in die Subura, wo dieses ekelhafte Scheusal eine Art Spiel mit uns getrieben hatte!"
    Wieder ballten sich Hephitios' Hände zu Fäusten. Er schüttelte einmal seinen Kopf, um die Wut loszuwerden und weitererzählen zu können. Jetzt musste er sich besonders am Riemen reißen, wenn er von den folgenden Durchtriebenheiten erzählen müssen würde.


    "Wir folgten der meisten Zeit über einer Spur von der wir nicht sagen hätten können, ob sie Blut oder rote Farbe ist. Begonnen hatte die im octavischen Hortus an einem Wachstäfelchen mit der Aufschrift...ähm...aja! "Komm und suche mich" stand darauf!" Niemals würde Hephitios jene spöttischen Worte auf der Wachstafel vergessen, die ihn förmlich ausgelacht hatten. Eine Herausforderung an ihn, jenem, den Rabastos so sehr gehasst hatte wegen seiner engen Beziehung zu seiner octavischen Herrin. Eine Gunst, die er selbst schon lange verloren gehabt hatte. "Wir folgten der roten Spur bis zu einem kleinen Platz auf dem sie sich plötzlich in drei separate Wege aufspaltete. Am Kreuzungspunkt wieder eine Wachstafel die uns informierte, dass zwei Pfade falsch und nur einer davon richtig wäre. Nicht, dass wir das nicht auch so gewusst hätten..." Hephitios verdrehte die Augen.
    "Lass mich kurz überlegen, wie war das da nochmal genau. Hm, ich glaube.. ja jetzt weiß ich es wieder. Es war so, dass es an der Stelle Dominus Maro zu bunt geworden war. Deshalb schickte er Kraft seines Ranges als Cornicularius Iulius Caesoninus zur Castra Praetoria mit einem Befehl an die Urbaner, sofort eine Kohorte herzuschicken, während ich ihn solange in den mittleren Pfad folgte. Wir liefen dem nach für eine Weile, aber am anderen Ende wartete ein Schlägertrupp auf uns. Also der mittlere Weg war schon mal einer der beiden falschen, das war eine schlimme Erkenntnis für mich und jetzt siehst du wieso ich damals dabei gescheitert bin meine Herrin zu retten." Resigniert blickte er Tiberios an. Das nagte immer noch ziehmlich an ihm, dass er einen der beiden falschen Wege eingeschlagen hatte und deshalb nicht Flora hatte retten können. Diesen Ruhm hatten andere dann eingestrichen.
    Er seufzte einmal tief.


    "Hmm.. ich weiß gar nicht mehr so wirklich wie wir aus dieser Lage wieder rausgekommen sind, aber ich glaube uns hatte dann doch noch eine Abteilung Urbaner das Leben gerettet. Meine Erinnerungen diesbezüglich sind verschwommen, alles ging so schnell und... achja! Ich war ja auch verletzt!" fiel es ihm da wieder ein. Der Rattenbiss! Genau, deshalb hatte er in der Zeit danach ja so lange im Fieber gelegen, die dazu führende Infektion hatte er sich in jener Nacht zugezogen. Wieder etwas, das er inzwischen fast verdrängt gehabt hatte. "Die Herrin ist schlussendlich dann von Iulius Caesoninus gerettet worden, den Dominus Maro zuvor zur Castra geschickt hatte. Die Details wollen mir gerade nicht mehr einfallen, verzeih, aber es war so in der Art, dass er den... linken(?) Pfad alleine eingeschlagen hatte nach dem Gang zur Castra und dort dann die Herrin und ihren Entführer angetroffen hat. So jedenfalls berichtete er es wenig später Dominus Maro." Hephitios verstummte. Natürlich war die Geschichte danach noch ein klein wenig weitergegangen, doch zählte das nicht mehr von jener die von seinem persönlichen Scheitern handelte. Eine Weile lang blieb er ins Leere starrend still, dann: "All das Leid, all diese Schmerzen für meine Herrin und das nur, weil ich Rabastos an dem einen Abend in Ostia nicht die Fresse poliert habe!"


    Sim-Off:


    Das Spiel des Rabastos


    Wer die betreffende Geschichte in voller Länge lesen will hier alle Kapitel.
    Sie sind zwar untereinander alle verlinkt, aber der Übersicht halber hier an dieser Stelle auch nochmal:


    1) Ein wirklich böser alter Mann (Villa Rustica Octavia, Ostia) (1 Post)
    2) Am Weg zur Rettung der Jungfrau in Nöten (Stadttor, Roma) (6 Posts)
    3) Horch, was kommt von hinten rein? (Thread: "Durch den Hortus - Hintertür", Casa Octavia) (19 Posts)
    4) Das Spiel des Rabastos (Subura, Roma) (32 Posts)
    5) Gerettet! (Thread: "Cubiculum der Octavia Flora", Casa Octavia) (22 Posts)


    a) Verstärkung für Maro (Zwischenepisode beim Kapitel "Das Spiel des Rabastos" nach Post Nr. 2) (2 Posts)

  • Oh ja sie ist die Beste. Sie behandelt einen fast wie einen freien Mann. Gut, sie behandelt einen auch wie einen freien Mann, aber nur wenn wir alleine sind. Ist das bei dir auch so? Diese Tunika ist mir auch deshalb wichtig, weil sie das erste Geschenk der Herrin an mich war. Noch direkt am Sklavenmarkt nach meinem Kauf, damit ich nicht mit nacktem Oberkörper zu ihr nachhause laufen musste.", sagte Hephitios über seine kyria Octavia Flora.


    Tiberios deutete auf die Tunika und lächelte :


    „Ich dachte mir, dass dieses Kleidungsstück dir etwas Besonderes bedeutet. Weißt du, als junger Scriba musste ich stundenlang hinter der Kline meines früheren kyrios warten, bis er mich brauchte. Das war sehr langweilig ,und so fing ich an, das Verhalten der Leute meiner Umgebung genau zu beobachten. Wenn jemand von etwas Wichtigem spricht, ändert er für gewöhnlich etwas an seinem Wesen: Seinen Blick, seine Stimme oder seine Gesichtsfarbe".


    Der furische Sklave wurde ernster:


    „Meine Herrschaft, die gens Furia schätzt meine Arbeitskraft und behandelt mich gut, aber niemals wie einen freien Mann – und ich bin froh darum, denn so weiß ich , woran ich bin.


    Terpander – das ist auch ein griechischer Sklave, aber weit älter als wir - hat zu mir gesagt, solche menschlichen domini sind der Traum und der Albtraum jedes Sklaven. Der Traum , weil sich natürlich jeder wünscht, menschlich behandelt zu werden, doch der Albtraum , weil man dich , wenn du dann die Ansprüche stellst, die zu einer wirklichen Freundschaft gehören, ganz schnell auf deinen Platz verweisen
    kann."
    *


    Dann erzählte Hephitios Tiberios das gefährliche Abenteuer, das er bei der Befreiung seiner domina Octavia Flora aus den Fängen des rachsüchtigen Sklaven Rabastos erlebt hatte. **


    Als der junge Rhodier jedoch Iulius Caesoninus erwähnte, verdunkelten sich für einen Moment lang Tiberios‘ Augen, und er hoffte, dass seinem neuen Bekannten seine Reaktion nicht auffallen würde.
    Auf den Iulier war er nicht gut zu sprechen. Er hielt ihn für grausam, weil er seine Freundin Eireann verkauft hatte – und nun jede Spur von ihr fehlte. ***


    Aber die Geschehnisse um den ungetreuen Rabastos waren sehr aufregend , und Tiberios lauschte aufmerksam; nur manchmal warf er einen Ausruf ein und bedeutete dem octavischen Custos fortzufahren.


    „Ich hoffe, dieser Rabastos wurde zur Abschreckung gekreuzigt! “, rief Tiberios aus , als Hephitios zum Ende kam:
    „ Er hat alles getan, um sein Verhängnis herauszufordern.
    Aber sei nicht traurig, dass nicht du die Herrin befreit hast. Dadurch gabst du dem edlen Römer Iulius Caesoninus Gelegenheit zum Glänzen, und jetzt mag er dich bestimmt lieber als im umgekehrten Fall. "

    Er schaute Hephitios bewundernd an :
    „Was für eine unglaubliche Geschichte du erlebt hast und so gut erzählt ! Ich danke dir, dass du sie mit mir geteilt hast. Ich hoffe sehr, deiner domina geht es wieder gut , und auch du hast dich von dem Rattenbiss wieder erholt. Zumindest siehst du erholt aus.“, sagte er freundlich.


    Tiberios warf einen Blick auf die dunkelgrüne Tunika:
    „Wir sollten jeder an einer Ecke ziehen, dann wird sie schön glatt.“, sagte
    er:„Schau, sie ist fast trocken .“



    Sim-Off:

    ** Danke für diese interessante Geschichte :)


  • Tiberios konnte also auch Menschen lesen, das fand Hephitios sehr interessant. Ob er dann wohl auch erkennen könnte, ob ihn jemand anlog? Vermutlich war das ganze wie Fährtenlesen, oder das untersuchen von Gewässern für geeignete Fischgründe, denn auf das alles verstand sich Hephitios. Der These nach dem Segen und dem Fluch stimmte er nicht völlig zu. Es stimmte schon, dass es immer schön war als Mensch behandelt zu werden, aber andererseits musste einem Sklaven sein Platz trotzdem immer klar bleiben. Wenn das geschah, dann konnte das gar nicht erst passieren, dass man irgendwelche Ansprüche stellte. Sklaven hatten auch keine zu machen, sie hatten nur zu gehorchen.


    Als dann Tiberios über den Iulier sprach schnaubte Hephitios. "Ach, was sprichst du da von mögen, der kennt ja bestimmt nicht einmal meinen Namen und ich hab ja nichts groß beigetragen in jener Nacht. Ein Wunder eigentlich, dass ich nicht dafür bestraft wurde. Ich bin der Leibwächter von Octavia Flora und ich habe versagt! Eine nicht wieder gut zu machende Schande ist das. Was Rabastos angeht, so erinnere ich mich daran, dass ich von anderen Sklaven gehört habe, wie sie untereinander getuschelt hatten, dass Dominus Maro das alte Monster gleich an Ort und Stelle in seinem Versteck kalt gemacht haben soll, wo ihn Iulius Caesoninus festgesetzt hatte nach Octavia Floras Rettung. Vermutlich liegen seine Gebeine immer noch dort, wenn wir nachsehen gehen würden."
    Bei diesen Worten stieg ein mulmiges Gefühl in ihm hoch. Die beiden Wachstafeln aus jener Nacht hatte ja Octavius Maro noch in der gleichen entfernt und Wind und Regen hatten auch die roten Blutlinien von den Straßen und Gassen der Subura gewaschen. Doch was den Leichnam des Rabastos anging, so konnte es wirklich sehr gut möglich sein, dass dieser noch in jenem halbverfallenen Verschlag darniederlag, in dem er Flora gefangen gehalten hatte und am Ende von Octavius Maro mit dem Schwert gerichtet worden war.
    Eine gruselige Vorstellung, dass Hephitios wirklich noch einmal Rabastos' Überreste sehen könnte, wenn er sich zu jenem Ort hinbegeben würde. Sie waren ja schon in der Subura jetzt, also konnte der Verschlag nicht allzu weit entfernt sein. Wo genau er lag wusste er nicht, denn Hephitios hatte ihn nie gesehen, nur Rabastos, Iulius Caesoninus und Octavius Maro. Aber vermutlich keine gute Idee einen von beiden nach dem Weg zu fragen, ohne unangenehme Fragen zu provozieren.


    Hephitios freute sich sehr darüber, dass Tiberios ihn so viel lobte für seine Geschichte und er wurde etwas rot. "Danke, das ist sehr lieb von dir. Aber einem echten Geschichtenerzähler kann ich wohl nicht das Wasser reichen, vor allem ohne Verse, haha. Wir haben uns alle wieder gut erholt."
    Er hatte jetzt eine ganze Weile geredet. Viel Zeit in der die Sonne in aller Ruhe ihre wärmenden Strahlen auf die Baumwolle der Tunika herbsenden hatte können und sie deshalb fast ganz trocken jetzt war. "In Ordnung" stimmte der Junge Tiberios zu und machte sich daran gemeinsam mit ihm die Tunika zu glätten.

  • Tiberios fasste die dunkelgrüne Tunika mit beiden Händen an einem Ende und schüttelte sie, während Hephitios das Gleiche am anderen Ende tat.:


    Du bist ein guter Erzähler, Hephitios, das ist meine ehrliche Meinung.
    Ich finde auch nicht, dass du als Leibwächter versagt hast.
    Wenn es zwei Wege und zwei Männer gibt, muss der eine einen und der andere den anderen wählen.
    Es war Tyche, die Göttin des Schicksals, die entschieden hat, dass du den falschen Weg nimmst und der julische dominus den richtigen.- Wäre es umgekehrt gewesen, hätte Iulius Caesonius vielleicht Prügel und den Rattenbiss abbekommen. Das wäre doch nicht besser.“


    Er zuckte die Achseln:, aber seine Augen begannen unternehmungslustig zu funkeln:


    „Da Rabastos erschlagen und nie beerdigt wurde, findet er ja nun keine Ruhe, sondern ist ein nekydaimon geworden, ein böses Wesen, das Lebende und Tote quälen will. Zumindest bei uns zuhause sagt man so..
    Jetzt ist hellichter Tag, da kann er uns nichts tun. Weißt du denn den Weg zu diesem Verschlag ? Ich würde gerne nachsehen, ob das mit den nekydaimones die Wahrheit ist. Außerdem habe ich noch nie ein komplettes Skelett gesehen. "


    Tiberios fasste die Tunika an :
    "Sie ist trocken, du kannst sie wieder anziehen, glaube ich. Nicht , dass mir dein Anblick missfiele, doch meine chlamys ist wirklich zu kurz für dich, du bist freilich auch ein Stück größer als ich. "

    Er hoffte insgeheim, dass er den neuen Bekannten mit seinem Ansinnen, den toten Rabastos zu suchen, nicht allzu sehr befremdete. Die unstillbare alexandrinische Neugier, die auch grausige Dinge einschloss, war manchmal selbst für andere Griechen schwer zu verstehen.

  • "Wäre es das nicht?" fragte Hephitios provokant. Doch das waren dann schön langsam Gedankengänge, denen er sich besser nicht weiters widmete.
    Auf jeden Fall freute ihn sein Kompliment über seine Erzählfähigkeiten (auch wenn ihm nicht alles gleich immer sofort eingefallen war). Aber ob Tyche wirklich für seine Wahl verantwortlich gewesen war? Immerhin hatte ihm Dominus Maro ja befohlen ihm in den mittleren Weg hinein zu folgen, also wenn, dann mochte er hierbei eher an ein durch die Moiren gewebtes Schicksal denken, als an Glück. Das konnte man wohl eher Iulius Caesoninus nach seinem Gang zur Castra zusprechen, als er selbstständig zwischen dem linken und dem rechten Pfad wählen hatte müssen. Ach ihr Götter, wieso hatte auch er, Hephitios, diese Wahl nicht gehabt? Unnötig im Nachhinein darüber nachzudenken welchen genau er gewählt hätte und warum, wo sein Urteil ja schon vom bekannten Ausgang der ganzen Sache beeinflusst war.


    Wie als wenn Tiberios seine Gedanken erraten hätte sprach er selbst plötzlich auch davon dem toten Rabastos einen Besuch abzustatten, was Hephitios einen kleinen Schreck einjagte. Wollten es am Ende die Götter viellleicht sogar, dass er sich auf diese Suche begab? "Das wäre bestimmt eine interessante Sache, jedoch gibt es da ein Problem... chen. Ich könnte vielleicht mit Glück jenen kleinen Platz wiedererkennen an dem sich die Spur aufgeteilt hatte, wenn wir nur lang genug hier herumlaufen, aber wie es dann weitergeht weiß ich nicht. Ich war nie auf dem linken Pfad und die rote Farbe die ihn einst markiert hatte wird wohl auch schon vom Regen ausgelöscht worden sein. Die einzigen lebenden Personen die noch vom Standort des Verschlags wissen sind Dominus Maro und Iulius Caesoninus. Rabastos selbst ist tot und meine Kyria wird es auch bestimmt nicht mehr wissen. Wie willst du also diesen Verschlag finden, wo wir ja nicht wissen wo er ist und wie er aussieht und ohne die domini zu fragen?"
    Noch bevor Hephitios seinen Satz ganz beendet hatte dachte er schon an mögliche weitere verborgene Fähigkeiten seines Gegenübers. Tiberios hatte schon seine Herkunft fast richtig erraten bevor sie ganze drei Sätze miteinander ausgetauscht hatten und er war sehr klug, vielleicht kannte er ja wirklich eine mögliche Lösung für die Frage einen ihnen beiden unbekannten Ort aufzuspüren?


    Die Sonne hatte Hephitios' dunkelgrüne Tunika jetzt völlig getrocknet und es war Zeit sie wieder anzuziehen. Zur Kontrolle schnupperte er kurz an der ehemaligen Hundestelle. Hm, nicht so übel wie er gedacht hatte, fast neutral wieder. Auch Hephitios war froh, wenn er wieder ganz bekleidet war und nicht mehr alle möglichen Körperteile neben und unter dem Mantel hervorlugten. Er schlüpfte aus der Chlamys und überreichte sie Tiberios. "Nochmal vielen Dank dafür!"
    Dann nestelte er etwas an seiner Tunika herum und zog sie sich über den Kopf. Ah, das tat gut wieder bekleidet zu sein! Er lächelte Tiberios an. "Da hast du mich ja aus einem ziehmlichen Schlamassel gerettet, das werde ich dir nicht vergessen. Und vergiss nicht, dass du etwas gut bei mir hast, solltest du jemals etwas von mir brauchen. Wo du mich finden kannst weißt du ja." Mit seiner kostbaren Tunika am Leib ließ er sich wieder neben Tiberios nieder.

  • Als Hephitios die provokante Frage : Wäre es das nicht? stellte, grinste Tiberios in sich hinein.
    Er wäre der Letzte, der Iulius Caesoninus, dem ehemaligen Eigentümer seiner Freundin, einen Rattenbiss missgönnt hätte.
    Allerdings hatte er es sich zur Regel gemacht, niemals Negatives über seine oder andere domini zu sagen, bevor er dem Gegenüber nicht vollkommen vertrauen konnte.


    Die Idee, den toten Rabastos zu suchen, schreckte den neuen Bekannten übrigens nicht, im Gegenteil, er überlegte, wie man das bewerkstelligen konnte.


    „Ja, schade, dass du den linken Weg nicht kennst.“, stimmte Tiberios zu:
    „So kannst du mir auch nichts über die Gehdauer oder besonders markante Gebäude sagen.
    Obwohl : Es war doch Nacht, nicht wahr? Dennoch hat der kyrios Iulius Caesoninus den Verschlag sehr schnell gefunden – zumindest schließe ich das daraus, weil er deine kyria recht schnell befreien konnte.
    Ich vermute daher, dass das Gefängnis deiner entführten Herrin nicht weit vom Weg abliegen kann, sonst hätte er es im Dunkeln nicht entdeckt. Selbst das Licht einer Fackel reicht doch nicht so weit.
    Erinnerst du dich daran, ob der Mond schon aufgegangen war ?“


    Tiberios nahm seine Chlamys wieder und zog sie an, wobei er seine Bronzespange befestigte.:
    „Keine Ursache, Hephitios, ich habe dir gerne geholfen.“,
    sagte er und streckte dem jungen Rhodier seine Hand hin:
    „Ich freue mich, dass ich dich kennen gelernt habe.
    Nochmals zum Thema Rabastos, die Schatten werden gerade länger, und ich möchte offen gesagt keinem Totengeist dieses bösartigen Sklaven begegnen."


    Tiberios schüttelte sichbei dem Gedanken:
    "Ich würde jetzt besser nach Hause gehen – auch damit den neuen Tintenfläschchen, die ich gerade teuer erstanden habe, nichts geschieht, denn es wäre ein großes Unglück, und man würde mich bestrafen, wenn sie mir zerbrechen.
    Doch wenn du möchtest, schicke mir eine Nachricht an die Casa Furia , oder ich schicke dir Nachricht an die Casa Octavia, und wenn wir beide frei haben, suchen wir gemeinsam nach dem dritten Weg, dem Verschlag und der Leiche dieses Kerls.“


    Nun zwinkerte er Hephitios zu:
    „Die grüne Tunika steht dir übrigens ausnehmend gut, deine kyria hat Geschnmack. Chaire !"

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