Staatstheoretische Frage

  • Eine Frage über die ich letztens gestolpert bin. Mir erst sicher war, aber nun doch im Zweifel bin.


    Welche Staatsform hatte Rom während des Prinzipats ?
    Republik oder Monarchie ?


    Für Republik spricht, das der Prinzeps oder Kaiser formal vom Senat gewählt wurde.
    Dies entspricht der Definition der Staatsform Republik.


    Für Monarchie spricht, das der neue Kaiser oder Prinzeps durch Adoption vom Vorgänger ausgewählt wurde. Somit das Kriterium des Erbens erfüllt wurde.
    Ein klares Zeichen für die Staatsform Monarchie.


    Was denn nun ?


    Ich persönlich würde mehr zur Monarchie tendieren.


    Oder doch eine Republik ?


    Oder ist die Staatsform während des Prinzipat eine einmalige Mischform für einen 200 jährigen Übergang von Republik zu Monarchie ?


    Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen.

  • Soweit ich weiss war das Prinzipat immer monarchistisch. Nicht so streng wie eine x-beliebige Monarchie, doch es gab alle monarchistischen Merkmale.
    Auf dem Imperator waren alle drei Gewalten vereint, in religiösen Fragen ist er ebenfalls oberste Instanz und er ist oberster Heerführer.


    Allerdings wird das Prinzipat unter Augustus noch viel liberaler gewesen sein, als es unter den durchgedrehten Commodus oder Caracalla war. Bei denen hatte der Senat rein gar nichts mehr zu sagen und das Reich wurde von etwa 200 Beamten regiert.



    Für mich war das Prinzipat immer eine Monarchie, zu beginn eine einigermassen liberale.

  • Die polnische Adelsrepublik mit dem Prinzipat vergleichen ....


    Hmm... nehmt mir es nicht krumm - aber das ist meiner Ansicht nach Blödsinn.


    Insbesondere in der Definition der Staatsform.


    Da liegt Machiavelli dazwischen.


    Von der Rolle des Königs/Kaisers mal ganz zu schweigen.

  • Wenn man eine Monarchie ganz einfach danach definiert, dass die Staatsgewalt vererbt wird, also z. B. vom Vater auf den Sohn übergeht, dann war das römische Kaiserreich ohne Frage eine. Das die römischen Kaiser dazu häufig geeignet erscheinende Nachfolger adoptiert haben, bestärkt dieses Argument ja sogar noch.

  • Zitat

    Original von Gaius Iulius Caesarion
    Der Aspekt der Nachfolgeregelung spielt bei der Bewertung, denke ich mal, eine eher untergeordnete Rolle.


    Staatstheorie nach Aristoteles, Macciavelli oder moderne Definition ?

  • Zitat

    Original von Gaius Iulius Caesarion
    Trotzdem bleibe ich bei dem Standpunkt, dass Prinzipat war eindeutig eine Monarchie. Von der Idee her könnte man das sicher einschränken, aber praktisch waren der Macht Octavians keine Grenzen gesetzt.


    Eine eigene Meinung ist immer gut, aber wenn sie nicht der gängigen wissenschaftlichen Auslegung entspricht ist es meist auch ein gutes Thema für eine Licentiats- oder Doktorarbeit.
    Kein Interesse???

  • Interessante Ausführungen. Bitte gib mir einige Tage Zeit, um darauf zu antworten.


    (Ich bin Student der römischen Geschichte kurz vor dem Abschluss und arbeite an einer Schule, daher ist die RL-Zeit oft knapp und im Moment stehen die Schülerbeurteilungen an, daher kann ich jetzt nicht sofort forschen gehen.)

  • Zitat

    Original von Gaius Iulius Caesarion
    Was hatte Caesar so geärgert, dass er die absolute Macht anstrebte?


    Hat er das? Eine interessante Auslegung der Tatsache, dass Caesar immer darauf bedacht war, den Senat als Machtorgan in Rom installiert zu haben. Ob er sich selbst als Anführer des Senates sah, ist eine andere Sache, aber er wollte immer mindestens das Republikanische Gewand beibehalten.


    Zitat

    Wissenschaftliche Arbeiten, die von einem republikanischen System sprechen kenne ich nicht.


    Sofern sich dieser Satz auf die Kaiserzeit bezieht, kenne ich auch keine, denn das republikanische System gab es nach Octavian/Augustus nichtmehr.


    Zitat

    Was natürlich viel ausgeführt wird ist, dass Augustus seiner Herrschaft diesen Anstich verpasste. Er hätte den Senat abschaffen und mit einem Kronrat regieren können.


    Genau das hätte er eben am Anfang seiner Regierungszeit noch nicht gekonnt. Er selbst war noch nicht so fest im Sattel, als dass der Senat das zugelassen hätte. Später jedoch wäre es möglich gewesen, da hast du Recht, aber es war nie Augustus' Ziel, eine absolute Monarchie zu kreieren, ohne das republikanische Kleid.


    Zitat

    Augustus war derjenige welcher aber die Brücke schlagen musst hin zu dem neuen System.


    Richtig, er musste das, jedoch wer drängte ihn dazu? Wer kam immer wieder zu ihm und verlangt von ihm, die Herrschaft zu übernehmen? DER SENAT!


    Zitat

    Er behielt die alten Traditionen bei, doch wer wurde Konsul?


    Die Consuln wurden noch immer vom Senat ernannt, bis Augustus sich zum 'primus inter pares' ernannte.


    Zitat

    Auf wen war die Armee eingeschworen?


    Die Armee war zu diesem Zeitpunkt noch auf den Senat eingeschworen, ausser den Einheiten, welche Augustus persönlich augehoben hatte, oder mit seinem privaten Geld bezahlte.


    Zitat

    Wer sass wirklich im Senat? Gab es eine Opposition?


    Das kann ich dir ganz klar beantworten. Im Senat sassen alle die Senatoren, welche den Bürgerkrieg überlebt hatten, oder deren Nachfolger aus der eigenen Familie. Es gab also definitiv ein Opposition, ja gemäss diversen überlieferten Briefen aus dieser Zeit sogar eine sehr starke Opposition, welche jedoch auch zu erkennen glaubte, dass eine Rückkehr zur Republik unmöglich sei.


    Zitat

    Die Antworten deuten wieder darauf hin, das eine Gleichscahltung und Konzentration auf seine Person bestand. Das ist absolute Monarchie.


    Jein :D
    Die Antworten deuten zwar darauf hin, dass eine Rückkehr zur Republik tatsächlich unmöglich war, aber da diese Monarchie am Anfang noch mehr Republik als Monarchie war und auch später immernoch den Überhang einer Republik trug, indem der Senat scheinbar noch immer selbständige Entscheide treffen konnte, ist es eben keine absolute Monarchie.


    So gesehen ist der Unterschied zwischen dem Principat und der absoluten Monarchie einfach nur, dass im Principat eine zweite Instanz neben dem Alleinherrscher auch noch etwas zu sagen hat in der Öffentlichkeit. In der absoluten Monarchie wäre der Senat nichts weiter als ein Beratergremium. Consuln gäbe es gar nicht mehr, die Unantastbarkeit eines Volkstribunen wäre absolut undenkbar.


    Der Senat konnte aber sehr wohl eigene Entscheide treffen und hat das tatsächlich manchmal auch getan! Die Consuln waren auch nicht immer dem Kaiser genehme Leute und der Volkstribun hatte noch immer dieselbe Machtbefugnis wie in der Republik. Nicht wirklich eine absolute Monarchie, oder?

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