[Atrium] Hochzeitsfeierlichkeiten von Aelia Paulina und Marcus Vinicius Lucianus

  • Noch ehe die Sonne aufging war in einigen Räumen des Domus schon geschäftiges Treiben zu hören.
    Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen und in der Küche fing man an alles für den grossen Tag vorzubereiten.
    Auch hoffte man, dass sich das Wetter an diesem Herbsttag noch bessern würde,
    denn im Moment lag alles noch im Nebel und es war ein wenig nasskalt.


    Erst später konnte man erste Sonnenstrahlen erkennen, die begannen den Nebel zu vertreiben.
    Langsam lichtete sich das Grau und die Sonne würde zur Ehre des Tages scheinen und die Welt in ein goldenes Licht tauchen.
    Die bereits bunten Blätter der Bäume strahlten in ihm. Es war fast so als hätte sich sogar die Welt zur Feier des Tages in ein festliches Gewand gehüllt.


    Die vielen Helfer bereiteten nun also das Atrium für die Feierlichkeiten vor. Hier sollten nachher die Zeremonien abgehalten werden.

  • Schon sehr zeitig war ich im Atrium um noch die letzten Vorbereitungen zu überwachen..... schon etwas aufgeregt, auch wenn die Braut nicht unbedingt meinem Idealbild entsprach, stapfte ich im Atrium hin und her und suchte nach "Phaeneas"

  • Die Braut betrat das Atrium.
    Eigentlich war es noch viel zu früh und noch war keiner der Gäste eingetroffen, doch Aelia Paulina hatte es nicht mehr in ihrem Gemach ausgehalten. Sie hatte in dieser Nacht kein Auge zugetan. Das lag nicht etwa daran, dass sie übermäßig nervös und aufgeregt gewesen wäre, obwohl es natürlich ein sehr bedeutender Tag in ihrem Leben war. Der Grund war vielmehr, dass die traditionellen Hochzeitsvorbereitungen bereits am Abend vor der Eheschließung begannen.


    Es hatte damit angefangen, dass sie zeremoniell Abschied von ihrer Kindheit nehmen musste. Das war in ihrem Fall nun wirklich sehr zeremoniell und wenig real gewesen, denn ein Kind war sie schon lange nicht mehr, sondern für eine Braut bereits ziemlich alt, zumindest nach römischen Maßstäben. Die Opferung der Mädchenkleidung und ihrer 'Spielsachen' war dann auch eher symbolisch gewesen. Sie 'opferte' eine einfache Holzpuppe, die sie erst vor wenigen Tagen auf dem Markt der Stadt genau für diesen Zweck gekauft hatte.
    Anschließend war sie von mehreren Sklavinnen für den Hochzeitstag hergerichtet worden.
    Sie zogen ihr die traditionelle, lange, weiße stolaartige Tunika einer Braut an, die tunica recta. Besonders traditionelle und häusliche Bräute webten den Stoff für diese Tunika zuvor wochenlang selbst, aber das hatte Paulina nicht getan, denn weder war sie besonders häuslich, noch konnte sie dieser elendig langweiligen Weeberei irgendetwas abgewinnen. Das war etwas für Bauernweiber und alte Jungfern, fand sie. Da war sie nicht besonders traditionsbewusst.
    Danach hatte man ihr den althergebrachten Brautgürtel aus Wolle umgebunden, der für den Segen der Göttin Iuno Cinxia – der 'gürtenden Iuno' – sorgen sollte. Auch hier gab es wieder eine Abweichung von den strengen Traditionen, denn eigentlich sollte die Mutter die heiratende Tochter gürten und den Knoten binden. Aber Paulinas Mutter wohnte dieser Eheschließung bestenfalls aus dem fernen Elysium bei und darum hatte das eine ältliche Matrone aus dem Haushalt ihres künftigen Mannes übernommen.
    Man hatte sie sorgfältig geschminkt und anschließend hatte man sich um ihr Haar gekümmert und – ach! – das war eine langwierige, aufwändige und seeehr ermüdende Prozedur gewesen!
    Zunächst wurde die Spitze einer Lanze umgebogen und die dann dazu verwendet, ihr Haar in sechs Strähnen zu teilen. Diese Lanzenspitze nannte man hasta caelibaris. Mit ihr sollte zuvor bereits in einem gerechten Krieg gekämpft und Feinde getötet worden sein, zumindest aber einer. Das – so besagten es die alten Überlieferungen – spendete Kraft. Paulina wusste nicht, ob diese spezielle Lanzenspitze bereits einen Krieg erlebt hatte und ob mit ihr getötet worden war, dass wusste sie auch nicht. Blut klebte zumindest nicht mehr an ihr, wie sie mit einem kurzen Blick erleichtert festgestellte.
    Die sechs Strähnen hatte man dann mit wollenen Bändern umwickelt, den so genannten vittae. Auch sie sollten Kraft spenden und reinigend wirken. Kraft, ja, die hatte eine Frau angesichts einer bevorstehenden Ehe wirklich bitter nötig, fand Paulina.
    Die Strähnen waren dann zu einem tutulus hochgesteckt worden, einer ganz widerwärtig altmodischen Hochfrisur, die den Nacken fast schon aufreizend frei gab. Außer den Vestalinnen trug niemand mehr diese Art von Frisur, zumindest nicht in Rom. Paulina fand sie schrecklich, als sie einen kurzen Blick in den Bronzespiegel riskierte. Aber auch das war eben Tradition.
    Endlich wurde das ganze Gebilde von einem Blumenkranz gekrönt. Es war kein besonders üppiger Kranz, aber zu dieser Jahreszeit war es vermutlich schwierig gewesen, überhaupt noch Blumen aufzutreiben.
    Den Abschluss bildete ein roter Brautschleier – flammeum genannt – der alle Mühen ad absurdum führte, weil er ihr Haupt vollständig verhüllte.


    Diese Vorbereitungen hatten den ganzen Abend gedauert und so hergerichtet musste sie die Nacht über bis zum Hochzeitstag verharren. Paulina hatte nicht gewagt sich hin zu legen und ein wenig zu schlafen, weil dann bestimmt alles wieder durcheinander gekommen wäre. Sie wollte, dass ihre Frisur perfekt saß, auch wenn sie abscheulich war, dass die Schminke auf keinen Fall verlief, auch wenn man nichts davon sehen konnte und das der Schleier in feinen, vorher sorgfältig gelegten Falten fiel, auch wenn er den Rest aller Mühen verbarg.


    Darum hatte sie nicht geschlafen, war nun vollkommen übernächtigt, sah unter ihrem Schleier und ihrer Schminke vermutlich furchtbar aus und kam nun viel zu früh ins Atrium.

  • Als Phaeneas bemerkte, dass der Herr ihn suchte, kam er sofort zu ihm. Der Herr wirkte ein wenig nervös und erst recht ruhelos, als der Sklave sich ihm näherte.
    Wie so oft holte ihn eine Erinnerung ein: Einer der früheren Herrn des Bithyniers, ein ansonsten stets sehr gefasster Mann, war in Stresssituationen zapplig und nörgelig geworden und manchmal fast ein wenig gereizt – was aber kein Hindernis dafür gewesen war, dass Phaeneas ihn trotzdem glühend verehrt hatte. Er war einer der akzeptabelsten von Phaeneas’ bisherigen Herrschaften gewesen, davon abgesehen, dass der bithynische Sklave gerne über so manche kleine Fehler hinweg sah – was tat man nicht alles, um wenigstens manchmal ein halbwegs harmonisches Leben zu haben?
    An die Ausmaße jedenfalls, die die Aufregung mancher anderer seiner Herrn angenommen hatte, wollte der Bithynier lieber gar nicht denken.
    Aus dem Augenwinkel erkannte Phaeneas, dass die weibliche Hauptperson dieses Tages, die Braut, ebenfalls erschienen war. Der Sklave jedenfalls schenkte ihr keinerlei Beachtung, schließlich war seine ganze Aufmerksamkeit auf den Herrn gerichtet.

  • "Phaeneas...." sprach ich den Sklaven schon an, während er noch näher kam "..... wie sieht es aus? Ist alles vorbereitet? Die ersten Gäste werden sicher bald eintreffen!"


    Dann bemerkte ich die Braut und wandte mich sogleich zu ihr "Paulina..... die Sonne selbst könnte nicht schöner strahlen! Aber du bist sehr früh hier..... "

  • „Alles ist bereit, Herr“, erklärte Phaeneas kurz und bündig. Kein Wort weiter war nötig, um den Sachverhalt darzulegen.


    Ein hochinteressantes Kompliment, das der Herr da seiner Verlobten und baldigen Gattin da machte – wenn man es wörtlich nahm. Von strahlen konnte man jedenfalls nicht viel sehen. Und zu der Sonne war für Phaeneas immer noch ein Unterschied, das einzige, was entfernt daran erinnerte, war das Flammeum.

  • Ohne meinen Blick von Paulina zu wenden, mehr als Höflichkeit, denn aus Entzücken, sprach ich zu Phaeneas


    "Sehr gut, dann kümmere dich bitte darum, dass die Gäste nicht allzu langema Eingang warten müssen und führe sie dann gleich hier ins Atrium, wenn sie dann bald eintreffen werden!"

  • Phaeneas, der es gewohnt war eine untergeordnete Rolle zu spielen und es als völlig selbstverständlich ansah, erwiderte: „Sehr wohl, Herr.“ und wandte sich in Richtung Vestibulum. Dort positionierte er sich an der Porta.
    Seine Gedanken schwebten irgendwo zwischen den bevorstehenden Festlichkeiten und irgendwo ganz anders.

  • Hinter Sedulus und dem Sklaven betrat ich das noch nicht großartig gefüllte Atrium und blickte mich um. Ich stellte mich neben Sedulus und verkreutzte sakral die Finger, da ich sonst nicht wusste, was ich mit ihnen tun sollte. "Wenigstens sind wir nicht die letzten.", bemerkte ich. "Mal sehen wer noch so auftauchen zu gedenkt." Ich unterließ es jedoch das Brautpaar zu suchen. Ich empfand es als unhöflich gleich einen reisen Aufstand um sich zu machen, nur weil man den Raum betrat. Ich schaute mich vorerst nach ein wenig Essen und zu Trinken um. :D

  • Man hatte sie ins Atrium geführt. Hier sollte also das Ganze stattfinden. Anwesende Gäste begrüßte sie freundlich ehe sie sich etwas entfernt vom Opfertisch hinstellte und sich einfach umsah. Außerdem hoffte sie die ganze Zeit stehen zu können. Es war nicht mehr ganz so einfach den ganzen Tag auf den Beinen zu sein. Doch sie war gewillt das ohne großes Aufsehen durchzustehen. Sie würde wohl nur das Ende der Feierlichkeiten nicht mit erleben...

  • Paulina stand in ihrer Aufmachung als Braut mitten im Atrium und begrüßte die immer zahlreicher eintreffenden Gäste.
    Sie bemühte sich, einen gelösten und freudigen Eindruck zu machen, denn das erwartete man schließlich von einer Braut. Doch in Wahrheit schmerzten ihr die Füße, der Kopf dröhnte und ein wenig übel war ihr auch. Heiraten war ganz schön anstrengend, fand sie.

  • Auch sie waren bald im Atrium angekommen und sofort hielt sie Ausschau nach ihrer Verwandten, die sich so einfach und heimlich verlobt hatte und nun heiratete und hätte der Zufall sie nicht in die Provinz verschlagen, hätte sie nicht einmal etwas davon mitbekommen. Ehe sie jedoch auf diese zustürmen würde, wartete sie noch auf Balbus, der eigentlich gleich hinter ihr war.

  • Nachdem nun scheinbar alle Gäste anwesend waren. Begannen nun die Zeremonien.



    Gemächlichen Schrittes trat der Haruspex vor die Hochzeitsgesellschaft. Er wusste, dass viele Augenpaare wenn nicht sogar die aller Besucher auf ihm ruhten. Er sollte die Zeichen deuten und sagen ob diese Hochzeit unter einem guten oder schlechten Stern stehen würde. Sein Opferhelfer führte ein junges Schaf mit sich, welches weiß wie der junge Schnee war, der sich bald über das Land legen würde. Das junge Tier trottete aufgeregt blökend ob der großen Menschenmenge hinter dem Helfer her, nichts ahnend was gleich mit ihm geschehen würde und welche wichtige Aufgabe ihm dabei zufiel. Es war kurz geschoren worden, wie es bei dieser Art der Zeremonie üblich war um den Ablauf dadurch nicht zu stören. Der Haruspex stellte sich vor den Opfertisch und griff nach dem Krug mit dem Wein. Diesen schüttete er über das Schaf um das Tier zu reinigen und für das Ritual vorzubereiten. Nun strich er mit dem Opfermesser dem Tier vom Kopf bis zum Schwanz über den Rücken um es rituell zu entkleiden. Mit einer bedeutungsvoll wirkenden Geste ließ er sich die Keule reichen um das Tier zu betäuben. Durch den gezielten Schlag auf den Hinterkopf brach es zusammen und konnte geordnet auf göttergefälliger Art auf den Opferaltar gelegt werden. Dann ließ er sich das Messer erneut reichen mit dem er die Kehle des Schafes durchtrennte. Schnell griff er nach einer Schale um das Blut aufzufangen. Geduldig wartete er bis auch der letzte Tropfen des Lebenssaftes aus dem Tier geronnen war, denn nichts sollte verloren gehen. Nachdem das geschehen war, schlitzte er den Bauch des Tieres auf. Genau betrachtete er Leber und Herz und keine Fehlstelle, keine Anomalie würde ihm entgehen. Doch so viel er auch drehte und wendete, nichts war zu finden was der Hochzeit entgegenstehen würde. Mit ausdruckslosem Blick wand er sich wieder der Gesellschaft zu und verkündete laut und deutlich, dass die Hochzeit stattfinden konnte. Insgeheim war er froh, dass die Götter dieses gute Zeichen gesandt hatten. Schließlich war es die Hochzeit eines Legaten und nicht auszudenken was passiert wäre wenn er hätte das Gegenteil verlauten müssen.

  • Gespannt harrte ich neben Paulina der Dinge, die da passierten und zufrieden nahm ich zur Kenntnis, dass es keinerlei Einwände des Haruspex gab.


    Die Götter schienen mit der Verbindung einverstanden zu sein, auch wenn es nicht unbedingt die Wunschfrau war, die ich da bekam.


    Doch es fehlte noch das Opfer und der endgültige Segen von Iuno, um das ganze perfekt zu machen!

  • Zitat

    Original von Aelia Vespa
    Auch sie waren bald im Atrium angekommen und sofort hielt sie Ausschau nach ihrer Verwandten, die sich so einfach und heimlich verlobt hatte und nun heiratete und hätte der Zufall sie nicht in die Provinz verschlagen, hätte sie nicht einmal etwas davon mitbekommen. Ehe sie jedoch auf diese zustürmen würde, wartete sie noch auf Balbus, der eigentlich gleich hinter ihr war.


    Und Balbus war auch hinter ihr, oder viel mehr an ihrer Seite, doch war er ein wenig abgelenkt, da er noch damit beschäftigt war sich umzusehen. Er war zwar schon auf Hochzeiten gewesen, doch waren das meistens eher kleine Feierlichkeiten und so war hier alles irgendwie neu.
    Doch dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder seiner Verlobten.

  • Zufrieden hörte Paulina, als der Haruspex laut das günstigen Omen für ihre Hochzeit verkündete. Hätte der Kerl gewagt etwas anderes festzustellen, es wäre nicht auszudenken gewesen, ein Skandal ersten Ranges.
    Glücklicherweise war die Zeremonie aber günstig verlaufen. Glücklich für sie selbst, aber auch für den Haruspex, dem sie ein anderes Götterurteil persönlich angelastet hätte, so viel war klar.


    Steif und lieblich lächelnd – zumindest versuchte sie zu lächeln – stand sie da und wartete auf den Fortgang der Zeremonie. Unter ihren aufgetürmten Haaren juckte es und sie musste sich sehr zusammennehmen, um den unbändigen Wunsch zu unterdrücken, sich ausgiebig zu kratzen.
    Ein unangenehmer Gedanke kam ihr: Bestimmt wimmelte es in diesem Kaff vor Läusen und anderem Ungeziefer. :rolleyes:
    Das Jucken wurde noch schlimmer...

  • In dem Raum angekommen wo es zur Sache ging, beschloss ich, mich mehr am Eingang aufzuhalten und so klein wie möglich zu machen. Es war mir schon recht peinlich zu spät hier erschienen zu sein und dann noch wo die Zeremonie schon begonnen hatte...

  • Ah... das Blut begann zu spritzen. Auch wenn ich meine Geschenke noch nicht los war ging ich schoneinmal schnell zur nun einsetzenden Eingeweidenschau. Selbst als Militärmensch begann man ja doch so einige Vorbehalte zu entwickeln, so bald es um das Töten gang. Wobei diese noch nicht ganz so groß waren, wie jene beim Aufschlitzen und Reinschauen. Das Überließen wir den Priestern. Und der hier anwesende Haruspex schlitzte das Tier auch professionel auf. Und fand scheinbar keine Fehler. Ich atmete ein wenig für meinen Patron und seine zukünftige Gattin, die ich noch gar nicht näher kennengelernt hatte, auf. Jetzt war ich gespannt auf den Fortlauf der Hochzeit. Ich flüsterte meinen Nachbarn immer leise etwas ins Ohr, was diese nicht umbedingt verstehen mussten. Meistens waren es nur erleichterte Seufzer, um meine Anteilnahme zu zeigen.

  • Die Eingeweideschau war vorüber. Dieses Mal konnte sie ihr auch vie aufmerksamer folgen als bei ihrer Hochzeit. Viel zu aufgeregt war sie, die römischen Rituale ihr in vielerlei Hinsicht sehr neu und unbekannt gewesen. Heute sah es anders aus, aufmerksam verfolgte sie das Geschehen und war wirklich gespannt was am Ende das Ergebnis sein würde. Zum Glück war es ein Gutes Ergebnis und es konnte weiter gehen. Das Opfer würde bald folgen, wenn sie sich richtig entsann. SIcher würde sie auch dieses gespannt verfolgen.
    Da sich in der Zwischenzeit noch einige an Ort und Stelle einfanden, ließ sie noch einmal den Blick über die Gäste schweifen und hielt Ausschau nach bekannten Gesichtern.

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