Im Valetudinarium - Nach der Schlacht

  • Nicht weit entfernt tobte der Kampf der Legionen, doch hier war davon noch nicht viel zu spüren, auch wenn sich eine besondere Stimmung über das Lager legte und die Medicuse der Legion bereiteten sich konzentriert auf ihre Arbeit vor.


    Einer von ihnen, Abdul der kräftige Makedon aus Asia Minor, legte gelassen sein Operationsbesteck neben seinem Tisch zurecht, wenn die Verwundten kamen, musste alles schnell gehen, kein Instrument durfte zu weit weg liegen und alle wichtigen Tinkturen mussten griffbereit sein.


    Und viel wichtiger, die Assistenten mussten bereit sein, denn wenn der Patient nicht still gehalten wurde, dann drohte jede Behandlung fehl zu schlagen, konnte man doch nicht Messer oder Säge richtig ansetzen. Als der Medicus alles kontrolliert hatte, lehnte er sich etwas zurück, ging zum Eingang des Zeltes, blickte hinaus...


    Doch da kam schon der Patient,...


    "Das ist nix,.. Kratzer,.. " meinte Abdul, klatschte einen Verband auf die Wunde. "Kurz verschnaufen,.. dann zurück zur Truppe !"

  • Auch von der V.Cohorte wurden Verletzte rangebracht. Sie hatte zwar bei weitem nicht so geblutet wie das Zentrum der I. aber auch bei ihr gab es Verletzte und wahrscheinlich sogar einige mehr, da die Kämpfwe nicht ganz so blutig gewesen waren.


    Versorgt wurden sie von den Ärtzten, welche den Leuten geheuer waren (und die fast immer Mitglieder der V. waren),man konnte ja Leute wie Abdul nicht überall ranlassen. :D

  • Licinus war mit einigen seiner Kameraden nach ende der Schlacht auf dem Verbandsplatz eingetroffen, erstens um Verwundete Kameraden hierher zu bringen, zweitens um seine eigene Wunde nochmals ansehen zu lassen und drittens um nachzusehen, ob sich noch weitere seiner Kameraden hier befanden. An diesen mangelte es allerdings nicht, schon nach krzer Zeit begegnete er Lucius Battiacus


    Lucius Battiacus
    Dieser war schon während der Schlacht auf den Verbandsplatz gekommen, der Zusammenprall mit den Pferden hatte ihm den Schildarm gebrochen. Gott sei Dank war es kein komplizierter Bruch.
    Nun da die Erstbehandlungs abschlossen war versah er, den linken Arm in einer schmutzigen Schlinge haltend leichte Hilfsdienste für die medici und hielt sich als Bote zur Verfügung.


    "Battiacus, du auch hier, was ist dir denn passiert??"


    "salve Licinus! Hab mir beim Zusammenprall mit den verdammten Pferden den verfluchten Arm gebrochen. Mars sei Dank war es nur das. Und du? Bist ziemlich balß um die Nase!


    "So ein Sohn einer lupa hat mir den Arm ziemlich teif aufgeritzt, wurde zwar provisorisch gerichtet, aber ich dachte, ich lass lieber noch mal einen der medici drüber gucken!"


    "Na, dann geh am besten zu dem Kerl dahinten" Antwortete Battiacus, während er auf einen der Ärzte zeigte "Der scheint seinen Job zu verstehen! hat mir nach dem Überfall vor kurzem auch den Arm wieder gerichtet.
    Bis später, ich muss noch was für einen der anderen besorgen


    Nach diesen Worten verabschiedete er sich und machte sich auf seinen Weg, während Licinus sich in die Schlange vor dem medicus einreihte.


    [SIZE=7]Edit: Das "Kameraden abliefern" eingefügt[/SIZE]

  • Scissus, der Arztsoldat, der im Standlager häufig die Musterungen machte, war schon seit Beginn der Schlacht auf dem Verbandsplatz zu finden gewesen. Die ersten Verletzungen konnten noch in Ruhe versorgt werden, dann wurde es voller und jetzt, als die Schlacht zu Ende ging, wurde der Platz regelrecht überschwemmt. Von Menschen und gelegentlich auch von Blut. "Gesichtsverletzungen hier her, Schnittwunden nach links!", versuchte der Medicus genauso wie seine Kollegen das Chaos ein wenig zu ordnen, damit er wenigsten immer ähnliche Fälle vor sich hatte, was die Sache etwas beschleunigte.


    Und schon wurde ihm der nächste Verletzte mehr oder weniger sanft vor die Füße geworfen. Der Helm fehlte, sein Kopf war ein einer Seite komplett rot. "Hörst du mich?" Der Soldat nickte schwach. "Siehst du mich?" Der Soldat nickte wieder, auch wenn er mit einem Auge definitiv nichts sehen konnte, so blutverklebt wie es war. "Kannst du den Mund bewegen?" Der Soldat schüttelte den Kopf. "Verdacht auf Kieferbruch", diagnostizierte Scissus emotionslos. Eine sehr ärgerliche Verletzung, konnte man dem Mann doch während der Behandlung kein Beißholz zwischen die Zähle stecken, damit er ruhiger wurde.

  • Zu dem Zeitpunkt, als die Verwundeten hier nach und nach immer mehr einzutreffen begannen, war Avitus - nachdem er den gefangenen Parther an die Wachen im Lager abgegeben hatte - längst behandelt worden. Der Medicus hatte sich seine Wunden nur kurz angesehen, die Verbände geprüft, die ihm die Capsarii auf dem Feld angelegt hatten und einzig seinen zwei schwereren Wunden am Kopf und Bauch etwas größere Aufmerksamkeit geschenkt. Er hätte sich gewiss etwas mehr um ihn gekümmert, wenn Avitus nicht vorher darauf bestanden hätte, wie jeder andere Miles behandelt zu werden, was dem Medicus nur genehm war.


    Avitus setzte sich, angelehnt an einen Pfosten, und betrachtete die Milites, die nun reinkamen oder reingebracht wurden. Schlimm waren ihre Verletzungen. Manche hatten Gliedmaßen verloren. Arme Teufel, die ein grausames Schicksal ereilt hatte. Avitus hatte mehr Angst davor, zum Krüppel geschlagen zu werden, als sein Leben zu verlieren. Dabei konnte er nicht von sich behaupten, mittellos zu sein. Diese Milites aber... für sie bedeutete eine solche Verwundung ein erbärmliches Dasein.


    "Hier, centurio, trink"
    unterbrach ihn ein Miles in seinen Gedanken und reichte ihm einen Becher mit Wein. Avitus blickte auf, nickte, versuchte, so etwas wie ein Lächeln aufzusetzen, was aber unter den gegebenen Umständen nicht klappte.
    "Danke miles"
    antwortete er mit schwacher, leiser Stimme und nahm den Becher. Er trank einen Schluck, stellte fest, dass es sich nicht um Wein, sondern um irgendein Gebräu aus Kräutern handelte, das furchtbar schmeckte. Er verzog etwas das Gesicht.
    "Trink aus, centurio. Ist gegen die Schmerzen. Das hilft, glaub mir"
    Jetzt konnte sich Avitus ein Lächeln nicht verkneifen. Dass Medizin immer so mies schmecken musste. Warum konnte man nicht alles einfach mit Wein kurieren...


    Er lehnte den Kopf zurück an den Pfosten. Und wieder das grauenhafte Bild der Verletzten. Manche Milites quälten sich, gestützt von ihren Kameraden, auf eigenen Beinen rein, warfen ihm einen Blick zu, suchten sich dann einen Platz, wo sie sich hinlegen konnten, bis sich jemand ihrer Wunden annahm. Andere wurden reingetragen, ausser sich vor Schmerz, schreiend. Schnittwunden, Stichwunden, Brüche. Und das Blut, überall war das Rot des Bluts.


    Avitus Blick verharrte einige Augenblicke lang auf einem Miles, der hereingetragen wurde. Brüllend, zitternd und verstört war der Mann, kaum zwei Dekaden alt, mit einer entsetzlichen Verletzung am Knie, wo ein Schwerthieb das Bein beinahe abgetrennt hatte. Die Klinge war tief eingedrungen, hatte Fleisch und Sehnen durchtrennt und Knochen zersplittert, das Bein aber nur hälftig durchtrennt und eine große Wunde hinterlassen. Nun baumelte es nur noch an einem Stück Haut und Fleisch. Avitus spürte, wie es ihm kalt den Rücken runterliefund er einen ekelhaften Geschmack im Mund hatte. Ein Miles nahm sich des Verwundeten an, befahl einigen anderen, ihn festzuhalten und gab ihm ein Stück Holz, auf das der Verletzte beißen sollte. Dieser weigerte sich beharrlich. Das Bein war verloren, musste amputiert werden und es brauchte zwei Mann, die den ausser sich schreienden Verletzten festhielten, während der Medicus seinem Handwerk nachging.


    Avitus erhob sich. Ihm ging es gut. Er war verwundet, aber verglichen mit diesen Milites ging es ihm gut. Er konnte stehen, wenn auch schwankend, konnte den Schmerz aushalten, konnte gehen und würde sich in den nächsten Tagen erholt haben. Das hier... das waren die wirklichen Leidtragenden, nicht er. Er setzte den helm wieder auf.
    "Centurio?"
    fragte ihn der Medicus, der seine Absicht erahnte. Avitus drehte sich nach ihm um, blickte ihn mit einem unmißverständlichen Gesichtsausdruck an.
    "Weitermachen, miles"
    sagte er, nahm einen großen Schluck von der Kräuterbrühe und reichte ihm die Kanne zurück. Er machte sich auf den Weg hinaus, langsam. Hinter ihm schüttelte der Miles nur den Kopf über den Starrsinn des Artoriers.


    Avitus war schon beinahe draussen, als er Iulius Licinus, den Tesserarius seiner Centuria erblickte, nebst weiteren Milites seiner Centuria, die nun das Valetudinarium erreichten. Sonderlich viele waren es nicht und es fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Hand Avitus Herz packen und fest zudrücken.
    "Miles Iulius, progredere"
    sagte er, ohne jedoch seinen Ton allzu militärisch streng zu halten, alleine schon deswegen, da ihm seine derzeitige körperliche Verfassung dies kaum gestattete. Er hielt den Arm abwehrend entgegen, um anzudeuten, dass Licinus seinen Platz in der Schlange nicht aufzugeben brauchte und Avitus einfach nur einen Bericht hören und auf den neuesten Stand der Dinge gebracht werden wollte.
    "Wie sieht es aus, miles? Meldung"

  • "Centurio!" sagte Licinus und war froh seinen Vorgesetzten zu sehen.
    "Es sieht übel aus! Ich glaube vorne ist nicht mal mehr die halbe centuria, was aber natürlich nicht heißen soll, dass alle Gefallen oder schwer verletzt sind. Ich habe hier schon einige Leichtverletzte gesehen, mit denen sollten wir ab morgen, spätestens übermorgen wieder rechnen dürften.
    Dennoch: Ich fürchte, mehr als neunzig Mann werden nicht mehr einsatzbereit zu machen sein.
    , bemühte er sich seine Meldung möglichst emotionslos wiederzugeben, was ihm angesichts der vielen gestorbenen Kameraden, aber sichtlich schwer fiel, es handelte sich ja hier um seine erste wirkliche Schlacht.
    "Nach deinem Weggang hatte optio Artorius das Kommando über die centuria übernommen, die erste cohors wird auf Befehl von tribunus Tiberius bis auf weiteres von Princeps Flavius befehligt. Ich wurde mit den Verwundeten hierher geschickt." Er hoffte, durch das Runterrattern der Formalia seine Emotionen wieder unter Kontrolle zu kriegen, nur nicht zu viel von den Gefallenen reden, dann würde es schon werden.

  • Avitus vernahm die Meldung, die ihm der Tesserarius machte. Neunzig Mann... Er hatte fast die Hälfte seiner Männer verloren. Siebzig Mann Verluste, das war mehr, als ein Mann ertragen kann. Doch er durfte sich keine weitere Schwäche anmerken lassen. Gerade jetzt nicht.
    "Gut, miles"
    sagte er daher mit einer Stimme, die seine Betroffenheit zu verbergen suchte, es aber nicht gänzlich schaffte. Gar nichts war gut. Avitus legte dem Iulier seine Hand auf die Schulter, hatte er doch gesehen, wie nah diesem der Tod seiner Comilitones ging.
    "Trauere um die gefallenen milites, tesserarius. Doch ebenso schätze dich glücklich, an ihrer Seite im Kampf gestanden zu haben, mit ihnen gemeinsam gelebt und gekämpft zu haben, jenen unbesungenen Helden"


    Er machte sich wieder auf den Weg zum Ausgang, blieb aber wieder stehen und blickte nochmal zurück zum Tesserarius.
    "Der Aquilifer ist gefallen?"
    fragte er, obwohl er eigentlich ahnte - nein, sogar wusste - dass dem so war. Avitus hatte mitbekommen, wie ein Miles den Adler gegen Ende des Gefechts getragen hatte. Und der Aquilifer war nicht hier unter den Verwundeten... Er hatte mitbekommen, dass der Tribun seinen Signifer provisorisch zum Aquilifer ernannt hatte und das Centuria-Feldzeichen daher derzeit keinen Träger hatte.
    "Der Signifer nimmt seinen Platz ein. Unsere centuria braucht einen neuen, miles. Lass dich hier verarzten und melde dich wieder zum Dienst. Bis auf weiteres... trägst du das signum"
    Avitus verließ das Valetudinarium. Beförderungen im Feld hatten stets den bitteren Beigeschmack, dass sie stets nach dem Ableben anderer Milites ausgesprochen wurden...

  • Die tröstenden Worte taten Licinus gut und er antwortete wieder etwas gefasster:
    "Jawohl centurio, ich werde sie in Ehren halten!


    Auf die Frage nach dem Aqulifer konnte Licinus nicht antworten, zu schnell sprach der primus pilus weiter und verpasste ihm den nächsten kleinen Schock:
    Er sollte der neue Signifer werden? Vertraute der Artorier ihm so sehr und vor allem vertrauten ihm die Soldaten?


    "Primus pilus, ich werde mein bestes geben um mich dieser Ehre würdig zu erweisen! sagte er noch zu seinem schon im Gehen begriffenen Vorgesetzten.


    Kaum war dieser gegangen fiel ihm noch was anderes ein: Hoffentlich würden die Parther ihre Strategie ändern und nicht mer Jagd nach den Feldzeichen machen.
    Während er noch darüber nachdachte trat ein medicus herbei.



    Cnaeus Arrius Graecus (miles medicus)


    "Ah, dich kenn ich doch, hab deine Hand doch erst vorhin Verbunden. Nun gut, dann guck ich mir das nochmal an!" mit diesen Worten wickelte der aus Griechenland stammende medicus den Verband um die Wunde wieder ab.
    "Mmh, hervorragend, die Naht hält anscheinend gut. Ich schmier dir noch mal ein wenig hiervon drauf, vorsicht, dass brennt etwas! So und wie gesagt ruhig halten, sonst platzt die Naht vielleicht doch noch mal auf und dass wollen wir ja nicht! So, dann packen wir alles mal wieder ein und sehen uns dann in zwei bis drei Tagen wieder."
    Daraufhin nahm der medicus seine eigentlich Arbeit wieder auf, dass klassifizieren der Verwundeten, währenddessen wartete Licinus noch einen Moment und begab sich dann wieder zurück zu seiner Einheit.
    "Leichtverletzt, da lang! Schwere Armverletzung, dort! Ohnmächtig? Wie kam es dazu? Schwerer Hieb gegen den Kopf, schafft ihn mal dort in das Zelt! Oh nein, schwere Bauchwunde, die ist leider immer tödlich, tut mir Leid für ihn, aber da können wir nix mehr machen."[/COLOR] der Mann über den er dies sagte war natürlich ebenfalls ohnmächtig, aber einer der Träger brach nun in Tränen aus."Na Junge, setz dich erst mal hier hin! Und du holl da hinten mal einen Becher Wein mit ein paar Kräutern drinne, der beruhigt die Nerven! wieß er den zweiten Träger an, dann machte er weiter und weiß die verschiedenen Verwundeten den Spezialisten zu.

  • Heiß und stickig war es in dem Zelt. Fliegen summten. Auf einer Matte auf dem Boden lag ich, die Augen geschlossen, um nicht die Schreckensbilder um mich rum zu sehen. Meine Ohren hätte ich am liebsten auch versiegelt, um nicht das Stöhnen und die Schreie zu hören, und wie manche schwer Verletzte - erwachsene Männer, gestandene Soldaten, nicht so Frischlinge wie ich - wimmerten und weinten.
    Mein Kopf hämmerte und dröhnte, und die linke Hälfte von meinem Gesicht war völlig zerschlagen von der Faust des Panzerreiters. Mein Haar war starr von dem getrockneten Blut aus einer Platzwunde am Kopf, und meine aufgeschlitzte Wange brannte wie Feuer. Am schlimmsten war aber der linke Arm, der blutete zwar nicht mehr, aber die Schulter sah komisch verformt aus und wenn ich versuchte ihn zu bewegen waren die Schmerzen unerträglich. Dazu die Schnitte am Bein, und überhaupt war ich rundrum zerschunden, und sah wahrscheinlich wie ein Monstrum aus, aber das beschäftigte mich in dem Moment gar nicht, denn ich war noch immer völlig durch den Wind von der Schlacht und Lucullus' Tod.
    "Bitte - Opium.", flehte ich den Medicus an, der nach einer Weile des Wartens bei mir erschien, und mich zügig untersuchte. Er zog mein zugeschwollenes Auge auf, blickte mir kritisch hinein, ließ mich Finger zählen und die Augen rollen, begutachtete dann die Schnitte und meine Schulter.
    "Ist nur ausgerenkt, Junge, das wird ganz schnell wieder.", versprach er nüchtern, und gab mir tatsächlich einen Becher mit einem Kräutertrunk, aus dem ich den Geschmack des wunderbaren Mohnsaftes herausschmeckte.
    Die Dinge rückten fort von mir, die Schmerzen verklangen. Aber dann begannen sie zu dritt an meinem Arm herumzuziehen, und glühendheiß stach die Pein durch die weiche Decke, die das Opium über alles gelegt hatte. Ich schrie laut auf und wieder liefen mir die Tränen übers Gesicht. Naja, ich war halt noch nie ein Held was sowas angeht. Bein zweiten Versuch begab mein Arm sich dann wieder dahin wo er hingehörte, und ich konnte ihn auf einmal auch wieder ganz vorsichtig bewegen.
    Meine zerschnittene Wange wurde genäht, meine Schulter bandagiert. Während auch die kleineren Blessuren versorgt wurden, sah ich, halb weggetreten, dem Primus Pilus zu, der nicht weit von mir eine Weile lang an einem Pfosten lehnte. Er schien ordentlich was abgekriegt zu haben, aber zugleich schien er mir so kühl, so ungerührt angesichts all der schlimm Verwundeten. - Das war der Weg, den man gehen musste, um bei diesem Wahnsinn hier nicht den Verstand zu verlieren, erkannte ich, auf einmal ganz klarsichtig! Man musste sein wie ein schneeiger Gipfel, ein Eisberg, kalt und gefühllos, gleichgültig angesichts des Todes, des Elends und der ganzen Greuel...
    Ergo: Ich musste so werden wie der Primus Pilus, um eine Chance haben, das alles irgendwie zu überstehen. Leichter gesagt als getan, aber versuchen würde ich es ganz gewiss..... Mein neues Vorbild verließ dann wieder das Zelt. Mein Kopf sank zurück, und opiumumfangen dämmerte ich vor mich hin.

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Der Scriba des Tribuns hastete durch die Reihen um Offiziere, Schreiber und sonstige Menschen ausfindig machen zu können, die ihm Zahlen für die Verlustmeldungen geben konnten.
    Nach seiner jetzigen Schätzung würde des eine lange Liste werden. Gerade die Zahl der Verletzten war nicht wirklich klein.

  • Das Feldlazarett war inzwischen gut gefüllt mit Verletzten - und die Medizinkundigen hatten alle Hände voll zu tun, Wunden zu schließen, Gliedmaßen zu amputieren, wo es nötig war, und dergleichen mehr ihres doch zumeist blutigen Handwerks zu verrichten. Es roch nach Blut, nach Schweiß, nach Angst - und nach Exkrementen, denn nicht jeder Mensch konnte im tiefsten Schmerz bei sich behalten, was irgendwann ohnehin aus dem Körper heraus drängte. Natürlich wurde auch darauf geachtet, solche Patienten zu säubern, aber es konnte selten immer sofort geschehen, nach einer Schlacht war das fast unmöglich. Allerdings, ein weiteres Detail störte die fast reibungslos und anstrengend ablaufende Arbeit der medici gewaltig: Sie war wieder da. Die hochaufgerichtet stehende matrona, das Haar hochgesteckt, die palla ordentlich darüber drapiert, angetan mit einer dunklen tunica und einer dezenten Schnürung - ganz, als sei sie gerade einem heimatlichen domus entsprungen wie eine Erinnerung an die Heimat. Wenn es einen ganz gewaltigen Stilbruch in diesem valetudinarium gab, war es sie.


    "Es gibt hier nichts für Dich zu tun, das habe ich Dir schon einmal gesagt," knurrte Abdul in die Richtung der Frau, ganz medicus und wichtig und überhaupt der Ansicht, dass Frauen auf einem Feldzug nichts zu suchen hatten, wenn sie nicht gerade als lupa das Leben der Legionäre leichter machten. Ihre Brauen zogen sich leicht auf der Stirn zusammen, dann wählte sie ihre Worte mit Bedacht. "Ich sehe doch, dass es hier viel zu tun gibt, das Zelt ist voll und nicht für jeden gibt es Hilfe. Was hast Du für ein Problem, dass Du mich nicht helfen lässt? Ich weiss, wie man sich um Verletzte kümmert."
    Der medicus verdrehte die Augen. "Es wird nicht weniger Arbeit, wenn Du mich hier aufhältst. Hier gibt es nichts für Dich zu tun, das ist Arbeit für Männer." Ablehnender und knurriger konnte man wohl kaum scheinen als gerade Abdul, aber in dieser Sache hatte er anscheinend an diesem Tag die falsche Frau erwischt. Eine ihrer Augenbrauen hob sich langsam, sehr langsam an, und zumindest ein Mann im gesamten Feldlager hätte bei dieser Geste gewusst, dass sich ein Sturm zusammenbraute. Die Augen blitzten, als sie sprach, und sie sprach laut genug, dass es in einigen umstehenden Betten sehr wohl vernommen wurde.


    "Ich habe zwei Kinder in diese Welt gebracht, meinen ersten Mann in einen Feldzug begleitet, bei dem weit mehr Männer sich in ihrem Blut gewälzt haben als bei diesem bisher, und auch damals habe ich Männer verbunden und geholfen, wo es nur ging, um ihnen ihr Los ein wenig zu erleichtern. Du sprichst mit einer Nachfahrin von Caius Iulius Caesar, der ehemaligen duumvir der Hafenstadt Ostia, die Roms Lebensader ist, und wenn Du glaubst, dass Du mir weiter im Weg stehen kannst, dann darfst Du mir gerne glauben, zur Not mache ich mir meinen Weg frei!"
    Xamander trat an die Seite der Iulia Helena, noch immer das gladius in seinen Armen, und wo der Sklave unsicher wirkte, sich sichtlich unwohl fühlte, schien Helena keinen Augenblick daran zu zweifeln, dass sie in dieser Angelegenheit nicht aufgehalten würde. Wer wusste schon, was in Abdul in diesem Augenblick vorging, ob sie ihn wirklich beeindruckt hatte oder ob sie ihn an eine möglicherweise ausgesprochen herrschsüchtige Mutter erinnert hatte, der man letztendlich ohnehin nichts abschlagen konnte - er starrte sie einige Momente lang ausgesprochen giftig an, denn in wessen Begleitung sie reiste, wusste auch der medicus nur zu genau - dann trat er beiseite und winkte einen anderen heran, der ihr zeigen sollte, wo sie etwas tun konnte. Ihn keines weiteren Blickes würdigend schritt sie in das Innere des Zelts, um an die Liege eines verletzten legionarius zu treten ...


    Sim-Off:

    Wer will, bekommt eine Krankenschwester ^^

  • Nicht lange währte die weiche, warme, trostspendende Umarmung des göttlichen Schlafmohns. Viel hatten die mir nicht gegeben. Ich wurde wieder wacher, und die Schmerzen kehrten zurück. Die Augen hielt ich geschlossen, aber die Bilder, die sich mir im Laufe des Tages eingeprägt hatten, die kamen jetzt zurück und bestürmten mich wild, ohne Unterlaß sah ich wieder das Blutvergießen und Sterben.... und Lucullus... mein schöner Held... wie er bleich und tot auf dem Boden lag.....
    "Nein...", schluchzte ich, und wandte den Kopf zur Seite, vergrub ihn in der Beuge des rechten Armes, "Lucullus..."
    Ich würde ein Gedicht schreiben für ihn, eine Eloge, eine Hymne, beschloss ich, das war ja das mindeste, und wenn ich wieder nach Hause käme - falls ich wieder nach Hause käme - würde ich zu seinen Verwandten marschieren, und sie allesamt zur Schnecke machen, dass sie ihm kein einziges Mal geschrieben hatten, dann würde ich ihnen erzählen, wie heroisch er gestorben war, und am Ende würden sie mit mir bittere Tränen weinen, und sich vor Trauer und Schuld an die Brust schlagen....


    Meine Lippen waren trocken und ausgedörrt. Ich leckte mir mit der Zunge darüber und öffnete blinzelnd die Augen. Pelzig und gallig schmeckte mein Mund. Ich hatte Durst, schrecklichen Durst, und ein unstillbares Verlangen nach mehr Opium. Matt hob ich einen Arm, um mich irgendwie bemerkbar zu machen, aber die Capsarii waren ganz und gar beschäftigt, und eilten flink vorüber an der Ecke in der ich lag, hin zu Leuten, denen es noch dreckiger ging.
    Ich versuchte mich aufzusetzen, aber ich war wohl doch noch ziemlich abgeschossen, und wieder wirbelte alles um mich herum, wurde mir kotzübel. Durch einen verschwommenen Schleier wurde ich Zeuge einer Szene, die mir zuerst wie ein Traum, eine seltsame Ausgeburt des Mohntrunkes erschien: eine streitbare Matrona, schön und herrisch überwand einen mürrischen Medicus, der ihr den Weg ins Zelt verwehren wollte, wischte ihn mit einem Wortschwall einfach zur Seite und erkämpfte sich, flankiert von einem Bewaffneten den Zugang zum Zelt.
    Mit großen Augen - nein, mit einem großen Auge, das linke ging immer noch nicht auf - sah ich benebelt auf diese Erscheinung, deren Strenge und zugleich Erhabenheit mich ziemlich an meine Mutter erinnerten, und wehklagte leise:
    "Bitte... ich hab so Durst... - und ein bisschen Opium... kann ich noch ein bisschen Opium haben, bitte...?"

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • "Beißholz." ... "Wasser." ... "Nicht zappeln!" ... "Binde. Schmal." ... Routiniert, die Augen immer auf die gerade behandelte Verletzung gerichtet, arbeitete Scissus die zu ihm gebrachten Verletzten ab. Gebrochene Nasenbeine, Platzwunden, eingerissene Ohren, abgebissene Zungen, das waren seine Sachen an diesem Tag. Nur selten blickte er dabei längere Zeit auf und dann auch nur, um die zahl der noch wartenden abzuschätzen oder auf eine Frage zu reagieren, mit der man ihn angesprochen hatte. "Blutendes Ohr? Ausspülen, da vorne hinsetzen und schauen, ob es weiter blutet. Nächster."

  • Während um Helena herum der alltägliche Wahnsinn eines Feldlazaretts weiter toste, machte Abdul einen großen Bogen um diese augenscheinlich ziemlich verrückte Frau. Ob sie wirklich das gladius ...? Nein, über so etwas wollte er nicht nachdenken, besser war es allemal. Da vorn war der nächste legionarius, dem er würde helfen müssen, der Mann war blutüberströmt und würde es wophl nicht mehr lange machen - dann verlor er die streitbare matrona aus den Augen und widmete sich ganz seiner brutalen, aber wirkungsvollen Arbeit.
    Iulia Helena hatte eine ganze Weile gebraucht, bis sie sich orientiert hatte, das Dämmerlicht im Inneren des Zelts erforderte eine Umstellung der Sicht, und bei den vielen stöhnenden und bleichen Verletzten war es schwer zu sagen, wer nun schon versorgt war und wer nicht. Xamander zupfte vorsichtig an ihrer palla und deutete auf eine der Liegen, auf der sich gerade jemand versucht hatte zu erheben - und nach Wasser röchelte.


    Es war mitnichten eine durch Opium hervorgerufene Illusion, die da an Decimus Serapios Krankenbett trat, mit schnellen Handbewegungen einen irdenen Becher mit Wasser vollschenkte und an seiner Seite in die Hocke ging. "Setz Dich vorsichtig auf, ich halte Dich," sagte sie sanft, aber bestimmt, in genau jenem Ton, den Mütter so gern trafen, wenn sie Dinge wie 'trink das, es ist gut für Dich!' zu ihren widerwillig den Lebertran schluckenden Sprösslingen sagten. Ihre Schulter war durchaus ein Halt, der dem Decimer geboten wurde, und als er halbwegs aufrecht und sicher saß, führte sie den Becher an seine Lippen und ließ ihn Schluck für Schluck Wasser aufnehmen, vorsichtig, ohne vor seiner lädierten Gestalt zurückzuschrecken.


    "Xamander, finde den capsarius, der ihm Opium gegeben hat, und frage ihn, wieviel er bekommen hat," traf sie dann ihre Anweisungen in Richtung ihres Sklaven, bevor sie sich wieder zu dem jungen Decimer wandte, ihn aufmerksam betrachtete. "Es ist vorbei, niemand wird Dir mehr etwas tun." Es klang wie eine letztendliche Sicherheit, ein Traum, den Kinder noch träumen konnten, wenn sie jung waren und von den Sorgen dieser Welt nichts wussten - die Nähe ihrer Eltern mochte sie noch von der rauhen Welt abschirmen.

  • Nachdem Imperiosus mit den Aufräumarbetien auf dem Schlachtfeld fertig war und endlich auch wieder im Lager ankam, ging er zielstrebig zum Valetudinarium. Er wollte, dass nochmal ein Medicus sich seine linke Hand anschaute, wo er einen leichte Schnittwunde hatte, die bereits auf den Feld notdürftig verbunden wurde. Zwar war der Verband rot vor lauter blut und sie schmerzte auch etwas, doch diese Männer schienen schlimemr dran zu sein, darum unterdrückte Imperiosus den Schmerz.


    Doch als er da ankam, sah er einen Sklaven, der einen Gladius in der Hand hielt. Dann schaute er ins Zelt und bemerkte, dass diese Männer es viel nötiger haten, vorgelassen zu werden und als erstens untersucht zu werden. Als er plötzlich diese Frau sah. Den Soldaten... irgendwoher kannte er ihn doch... kurz dachte er nach, als e sihm einfiel, er hatte ihn doch vor kurzen in Zeugma oder Antiocha, so genau wusste es Tiberius nicht mehr, in der Taverna ausgehalten.


    Anscheinend hatte es ihn schwer mitgenommen oder war schwer verletzt, da überall noch Blut an ihm klebte. Der Artorier wusste nicht, was er machen sollte, doch dann ging sein Blick wieder zu dem Skalven.


    " Sklave... wieso stehst du hier mit einem Gladius ? "
    sprach er ihn mit einer ernsten und militärischen Ton an. Sein Blick war streng, gerade hier, wo viele Soldaten schwer verletzt lagen, sollte man nicht auch noch mit einem Gladius davor stehen. Tiberius fand dies ziemlich respektlos. Doch um den Sklaven klar zu machen, dass er zügig eine Antwort habe wollte, hatte er seine rechte Hand bereits an seinem Gladius, bereit ihn zu ziehen, wenn der Sklave es dies drauf anlegte.

  • Sie war echt. Ich spürte ihren resoluten Griff, als sie mir beim Aufsetzen half, und mich stützte. Nach dem ersten Schwindel ging es dann mit dem Sitzen. Staunend sah ich sie an, völlig verwirrt, hier in diesem ganzen Elend so eine urrömische, solide, tröstliche Erscheinung vorzufinden wie diese Dame. Und wie sie mir den Becher an die Lippen setzte - genau wie meine Mutter als ich einmal krank war! Ich trank Schluck für Schluck von dem Wasser. Das tat sehr gut, und nahm auch den widerlichen Geschmack in meinem Mund hinfort.
    "Danke", murmelte ich leise, und griff dann selber nach dem Becher - griff aber erst mal dran vorbei, bevor ich ihn erwischte. Weiter in ihren Arm gelehnt trank ich das Wasser aus, und es war wie die schönste Musik in meinen Ohren, als sie ihren Begleiter nach Opium aussandte. Opium... ich würde wieder in Morpheus' Arme sinken, es gäbe kein Leid, keinen Schmerz, alles wäre selig vergessen...


    Sie spendete mir Trost wie einem Kind. Das tat so gut! Aber es brach schon wieder alle Dämme, und wie ein kleiner Junge fing ich an ihrer Schulter an zu weinen, schluchzte herzzerreissend, und nässte das Gewand dieser Dame, die ich gar nicht kannte mit meinen Tränen. Abgehacktes Zeug stammelte ich dazwischen, vom Kampf und von den Parthern...
    "...mein Freund ist gestorben... sie haben ihm den Hals aufgeschnitten, diese verdammten Bastarde haben ihn einfach abgestochen, heute morgen hat er noch mir Mut gemacht und jetzt ist er tot...
    die Reiter, als die Reiter gekommen sind, die haben uns einfach zerstampft.... einer ist draufgefallen auf mich und ich dachte ich müsste sterben... aber dann hab ich ihn erstochen mit dem Pugio, sonst hätte er mich doch erschlagen...
    die wollten den Adler... von meiner Centurie sind ganz viele gestorben... und ich, ich leb noch, aber mein Gesicht, das wird bestimmt nie wieder wie es war..."

    Ja, das ganze Elend brach aus mir hervor. Dann versiegte mein Schluchzen, mich überlief ein Zittern, und ich löste mich ganz langsam wieder von ihr.
    Irgendwie war ich erleichtert, zugleich schämte ich mich schon ein bisschen, dass ich das alles nicht stumm und stoisch wie ein Mann trug. Gerade wo ich doch eben noch beschlossen hatte, dem Primus Pilus nachzueifern. Der hatte wahrscheinlich noch nie in seinem Leben eine Träne vergossen. Aber ich war halt völlig am Ende. Und wieder brannte die Wunde an der Wange vom Salz der Tränen.


    Als dann auch noch ein Miles sich näherte, nein ein Optio sogar, und zu uns herübersah, und ich in ihm den netten und so spendablen Artorier erkannte, den ich in Zeugma kennengelernt hatte, war es mir gleich noch viel unangenehmer. Ich wischte mir mit der rechten Hand die Nässe aus dem Gesicht und blickte verlegen zur Seite.
    Aber dass er dann den Begleiter der Dame so streng anfuhr, und auch noch so drohend die Hand zum Gladius führte, verstand ich überhaupt nicht. Es hätte mich eher gewundert, wenn so eine vornehme Frau ohne Beschützer hier herumgestiefelt wäre, auch wenn sie den Eindruck machte, sich ganz gut selbst behaupten zu können. Vielleicht - so kam mir ein ganz seltsame Gedanke - vielleicht war es ja ihr Schwert, und der Mann trug es nur für sie, damit sie es griffbereit hatte.

  • Xamander war mit der allgemeinen Lage schlichtweg etwas überfordert. Aufgewachsen als Haussklave und Lehrer für die griechische Sprache, ausgestattet mit einem fast legendären Organisationstalent, fand er sich hier an einem Ort wieder, der zum einen stank und zum anderen durch das viele Blut und das offensichtliche Leiden der Verletzten ziemlich furchteinflößend war. Ein Held war der pfiffige Achaier nicht wirklich, und als seine Herrin ihm den Auftrag gab, sich nach dem capsarius umzusehen, der sich um den verletzten legionarius gekümmert hatte, war er heilfroh, von diesem schrecklichen Anblick loszukommen. Aber schon halb im Schritt fort begriffen, dräute sich das Unheil in Form eines streng wirkenden Soldaten vor ihm auf, de ihn so unwirsch anfuhr, dass Xamander erst einmal heftig schlucken musste. "Ähh .. ähm .äh!" würgte der Grieche mühsam hervor, schluckte nochmal, räusperte sich umständlich und bog sich ein Stückchen nach hinten, dem Soldaten damit ausweichend, damit er zumindest die Waffe nicht sofort greifen konnte. "Dieses äh Schwert gehört meiner äh Herrin Iulia Helena, und ich trage es für sie. Sie sagt ..."


    "Ich sage, ich gehe an einem Ort, an dem jederzeit wildgewordene Parther auf die dumme Idee kommen könnten, mich zur Beute machen zu wollen, nicht ohne das Schwert meines verstorbenen Mannes aus," vervollständigte die Iulierin sanft, aber sehr bestimmt den Satz ihres Sklaven, dem man das Aufatmen ansehen konnte. Noch immer hielt sie den jungen Legionär fest, der gerade sein ganzes Leid geklagt und damit auch zu einem ziemlich feuchten Fleck auf ihrer Kleidung beigetragen hatte. Aber wer hätte ihm die Tränen in dieser Stunde auch verdenken können?
    Behutsam strich sie über das verwirrte und schmutzige Haar des jungen Mannes, dessen Namen sie nicht einmal kannte, und wartete, dass er sich wieder etwas beruhigte, zu Luft kam, denn selbst die Trauer mochte ihn noch mehr erschöpfen, als es sein Körper durch den Kampf schon gewesen war.


    "Ich bin mir sicher, Du hast Deinen Freund gerächt, und ehrenvoll gerächt," sagte sie ernst und aufrichtig. "Dass Du lebst, ist der Wille der Götter, und das sollte Dich nicht mit Schuld erfüllen. Ihr habt alle tapfer gekämpft, und die Narben, die Du tragen wirst, sind ein Zeichen deines Einsatzes für Dein Volk. Jeder wird sehen können, dass Du mit Deinem Leben für Rom eingestanden bist." Mit einem Finger schob sie vorsichtig eine Haarsträhne aus seiner Stirn und blickte ihn aufmerksam an.

  • Imperiosus schaute zur Iulia hin, als sie plötzlich ihn ansprach. Eine Iulia... ! Damlas vor eingie Jahren trat der Artorier in eine Societas ein, ... wie hieß sie odch noch gleich, ach aj, jetzt viel es ihm wieder ein Societas Claudiana et Iuliana. Er nickte ihr zu, als er sich wieder dem Sklaven zuwandte.


    " Trage die Waffe wenigstens unter einem Mantel und ein Gewand. "
    Der Artorier schaute wieder zu Helena. Er sah, wie sie den jungen Serapio tröstete. Fast schon wollte er sagen, dass er auf hören sollte zu heulen, denn jeder hatte hier eine Freund und viele Kameraden verloren. Doch das konnte er nicht. Dann richtete er einige Worte an die Frau.


    " Glaub mir, hier im Lager bist du gut aufgehoben... und wenn die Parther es geschafft hätten, uns zu überrennen und das Lager erreicht hätten, hättest du auch nichts gegen sie ausrichten können. Eine einzige Frau, gegen soviel Feinde. "


    Tiberius merkte, dass es Serapio unangenehm war, darum wollte er wieder gehen. Gerade als er sich umgedreht hatte, schaute er nochmals zu Serapio...


    " Wie heißt dein Freund,... der in dieser Schlacht gestorben ist ? "
    Noch wusste der Artorier nicht, dass es Lucullus war, mit dem er schon soviele Sachen erlebt und angestellt hatte.

  • Ob ich Lucullus gerächt hatte, darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Der Kampf auf dem Schlachtfeld, der war so groß und unüberschaubar gewesen - man war Teil einer Masse und stand einer anderen feindlichen Masse gegenüber - dass ich auf die Idee von persönlicher Rache gar nicht gekommen war. Und wer ihn getötet hatte, das hatte ich ja gar nicht gesehen... Aber ich hatte auch Parther getötet. Das konnte man schon Rache nennen.
    Ich nickte langsam, als die iulische Dame zu mir sprach, und erwiderte den aufmerksamen Blick mit dem sie mich bedachte. Gefasster als geradeeben fühlte ich mich bei ihren Worten; und die klangen auch nicht so als wolle sie mich nur beschwichtigen, sondern als wären sie vollkommen ehrlich gemeint.
    Ja, es stimmte, ich fühlte mich irgendwie schuldig dafür dass ich davongekommen war, während so viele andere auf der Strecke geblieben waren. Aber wenn die Götter mich beschützt hatten, dann hatte es wohl seinen Sinn... musste es seinen Sinn haben. Ich fasste an meine Brust, wo über der blutverkrusteten Tunika noch immer das kleine, auch blutverschmierte Ancilium-Amulett um meinen Hals hing, und atmete tief durch. Ich musste Mars und Bellona und Fortuna opfern, unbedingt.


    Tapfer versuchte ich ein ganz kleines Lächeln, als sie mich wegen der Narben tröstete. Vielleicht würden die ja sogar helfen, damit mich nicht mehr alle Leute spontan "Junge" nannten, oder gar "Kleiner", obwohl ich doch eigentlich gar nicht so klein war. Und als sie mir eine Strähne aus dem Gesicht strich, meinte ich beinahe, im nächsten Moment die Stimme meiner Mutter zu hören: 'Mein lieber Junge, es ist mal wieder dringend Zeit für einen Haarschnitt. Also wie du wieder aussiehst! Wie ein Grieche!'
    "Ich danke Dir, edle Iulia", sagte ich leise, und schielte auf den nassen Fleck an ihrer Schulter, "ich bin gerade einfach ein bisschen durch den Wind... verzeih."
    Das war doch die Gemahlin des Tribunus laticlavius! Ich hatte sie ja schonmal vor seinem Zelt gesehen, erinnerte ich mich, und natürlich war viel die Rede davon, dass der Tiberier seine Gattin mit dabei hatte. Manche fanden es unangebracht auf einem Vorstoss ins Feindesland, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass diese resolute Frau mit ihrem Mann durch dick und dünn ging.
    Mit einer kleinen Handbewegung hin zu dem Schnitt in meiner Wange, der inzwischen genäht war, und meinem auf einer Seite völlig verschwollenen Gesicht fragte ich schüchtern, mit dem Versuch nicht allzu bang zu klingen:
    "Ist es denn sehr... entstellt...?"
    Ich hatte wirklich Angst davor, in den Spiegel zu sehen.


    "Lucullus", antwortete ich, mit diesmal einigermassen gefasster Stimme, als der Artorier sich nochmal umwandte und mich fragte.
    "Appius Iunius Lucullus heißt - hieß er. Aus der zweiten Centurie, so wie ich."

  • Als Serapio den Namen des gefallenen Kameraden sagte, war Imperiosus ein wenig erschrocken und staarte, zu ihm rüber.


    " Appius.... ! "


    Das konnte nicht sein, sein Freund war gefallen. Der Artorier wurde blass im Gesicht und verspührte keinen schmerz mehr, ausser den Verlust eines Freundes. Das sein Verband mittlerweile komplett mit Blut beschmiert war und sogar schon das Blut manchmal runtertropfte, merkte er nicht mehr. Auch die anderen schienen nicht darauf zu reagieren.


    Langsam drehte sich Tiberius um und ging, ohne seine Wunde nochmals richtgi behandeln zu lassen. Seine Gedanken waren nun bei Lucullus, mit dem er wohl nie wieder einen guten Becher Wein trinken würde.

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