Ihr Kinderlein kommet - Zweimal gute Nachrichten

  • http://www.kulueke.net/pics/ir…illa_speisesaal_klein.pngDie Sippe saß abends wie immer beim täglichen gemeinsamen Essen beisammen. "...und helft, dass wir der Gaben wert, die eure Güte uns beschert", beendete Witjon wie stets das Tischgebet, woraufhin das Mahl eröffnet war. Von seinem Platz am Kopf der Tafel warf er einen Blick in die Runde, die sich nach Beendigung des Tischgebets wie üblich über die Speisen hermachte. Er lächelte in sich hinein. Bald würde diese Familie weiteren Zuwachs erhalten. Einerseits war lag Runa in den Wehen - wo war eigentlich Phelan? - und andereseits war Octavena wieder guter Hoffnung. Er warf seiner Frau einen verstohlenen Blick zu. Als sie ihm die frohe Botschaft eröffnet hatte, hatte Witjon gesagt er wolle ihr die Möglichkeit geben, es dem Rest der Sippe selbst zu sagen. Seitdem waren ein paar Tage vergangen und seitdem wartete er gespannt darauf, dass Octavena zur Tat schritt. Witjon übte sich in Geduld und gönnte seiner Frau, dass sie sich diesen Moment selbst aussuchte. Dass zeitgleich auch noch eine Nachricht von Helvetius Curio die Villa erreicht hatte, war bis zum Speisesaal noch nicht durchgedrungen. Der Knecht, der die Wachstafel angenommen hatte, war etwas langsamer in seinen Arbeitsabläufen und schlurfte soeben erst durch den Flur in Richtung des Speisesaals.


    Witjon schmierte sich derweil ein Brot und harrte der Dinge, die da kamen.

  • Ziemlich abgeschlafft von diesem anstrengenden Tag kehrte der duccische Pontifex in die Villa zurück, um seinen Feierabend mit seiner Familie beim allabendliche Schmausen ausklingen zu lassen. Dass ein Bote diese Nachricht am Mittag zur Villa gebracht hatte, wusste er nicht. Der Bote konnte natürlich nicht wissen, dass der Pontifex an diesem Tag diverse Außentermine wahrzunehmen hatte. Sogar Phelans Vetter Witjon schien nicht genau zu wissen, wo er ihn hätte finden können, was aber ebenfalls nicht verwunderlich war, da der werdende Großvater sich in letzter Zeit eher zurückgezogen hatte und sich eher mäßig der Familie mitteilte - im Gegensatz zu früher war er DEUTLICH stiller geworden.


    Völlig unbehelligt kam er also in den Speisesaal und setzte sich gegenüber von Octavena auf seinen Platz neben seinem Vetter, der als Sippenoberhaupt rechtmäßig am Kopf des Tisches saß. Dass er gerade das Tischgebet an die Götter verpasst hatte, war ihm ziemlich gleichgültig, entschuldigte sich aber trotzdem kurz bei seiner Familie aus Gründen der Etikette. "Entschuldigt bitte." Danach griff er sich etwas Brot und etwas Käse und goss sich einen Schluck Bier ein. Der kurze Blick, den er Witjon zugeworfen hatte, sollte diesem zeigen, dass Phelan bereit war für den allabendlichen Bericht des Tages - er war ja bislang noch völlig ahnungslos.

  • Es waren ein paar weitere Tage vergangen und wieder hatte Octavena bisher nicht den richtigen Moment gefunden, um nach ihrem Mann auch den Rest der Familie in die guten Neuigkeiten einzuweihen. Nachdem aber heute die Nachricht die Villa erreicht hatte, dass Runa in den Wehen lag, und sie schon wieder Witjons verstohlene Blicke auf sich spüren konnte, hatte Octavena für heute Abend einen Entschluss gefasst. Sie wollte es heute Abend allen sagen, zumal sie auch nicht wusste, wie lange sie es auch selbst noch aushalten würde, ihr Geheimnis für sich zu behalten.


    Das Tischgebet war schon vorbei, als auch Verus als der letzte Nachzügler seinen Weg zum gemeinsamen Abendessen fand und sie damit komplett waren. So, wie er sich seit der Geburt seines Sohnes und dem Tod seiner Frau benahm, hatte Witjon wahrscheinlich wirklich recht, da musste etwas geschehen, sie konnten sich nicht ewig allein um den Jungen kümmern, aber eins nach dem anderen.
    Octavena wartete noch ein wenig bis sie den Augenblick zwischen den üblichen Tischgesprächen für geeignet hielt und räusperte sich dann lächelnd.
    "Darf ich kurz um eure Aufmerksamkeit bitten?" Sie straffte sich und sah aufmerksam in die Runde. "Ich habe gute Neuigkeiten, die ich mit euch teilen möchte. Ich erwarte wieder ein Kind."

  • Es kam nicht oft vor, dass Vala an den allabendlichen Abendmahlen seiner Familie teilnahm, aber es kam vor. Meistens dann, wenn er sich seiner eigenen Legion widmete bekam er abends eine oder zwei Stunden, um dann auch mal seiner Familie Aufmerksamkeit zu schenken.
    So auch an diesem Abend, an dem Vala in der von jedem Feldherrentand befreiten Soldatentunika aus grober Wolle mittem im Rest saß, das Gebet pflichtschuldig mitsprechend und sich danach einen der kleinen Tiegel mit Essig griff, um etwas auf seinen Teller mit dem gebrochenen Brot und dem Schafskäse aus offensichtlich hiesiger Produktion zu träufeln.
    Es war ein anstrengender Tag und so wanderte der erste Bissen in den statthalterlichen Mund bevor Witjons Weib auch nur den ihren aufmachen konnte. Als es dann soweit war und die frohe Botschaft in seinem Geist auf Verständnis traf, zog er pflichtschuldig seine Mundwinkel nach oben und klopfte anerkennend mit der Faust auf den Tisch. Allzu große Glückwünsche waren seiner Meinung nach nicht angebracht... immerhin war eine Schwangerschaft nicht unüblich und ob fehlender Verhütungsmittel quasi Standard. Ebenso erfreulich, dafür aber auch beglückwünschenswert war eine für sowohl Kind als auch Mutter verlaufene Geburt.

  • Es war nicht Witjon, der zu seinem allabendlichen Tagesbericht ansetzte, sondern dessen Frau. Somit wanderten Phelans Augen während des Kauvorgangs allmählich aber ohne große Regung der Verwunderung zu eben jener. Sie machte kurzen Prozess und spannte die Anwesenden nicht lange auf die Folter. Witjon und seine Frau erwarteten ein Kind, was kurz nach der Verkündigung von Alrik mit klopfender Faust auf dem Tisch kommentiert wurde, was dazu führte, dass alle Becher kurzzeitig wackelten. Phelan biss noch einmal in sein Brot, kaute ein wenig darauf, fing an zu nicken, gratulierte anerkennend mit einem schlichten aber den Umständen entsprechend herzlichem "Mhm." und klopfte seinem Vetter kurz auf die Schulter. Den Nachsatz ".. spar dir die Gebete für die gesunde Schwangerschaft deine Frau, denn die liegt nicht in der Götter Hände." formulierte er nur innerlich. Er wünschte natürlich, dass Octavenas Schwangerschaft gut verlaufen würde, aber nach dem Tod seiner Frau war ihm eines Gewiss: Das Schicksal bestimmt keine höhere Macht sondern ist reine Willkür. Die Willkür der Natur ist dabei die schlimmste.

  • Octavena offenbarte ihre Schwangerschaft und die anwesenden Ducci drückten ihre Freude und Glückwünsche durch Klopfen aus. Die Herren der Runde zeigten sich dabei nicht gerade euphorisch, was Witjon mit einem Achselzucken abtat. Phelan war sowieso seit einiger Zeit nicht mehr er selbst und Alrik war noch nie einer gewesen, der sonderlich ausschweifende Gefühlsregungen gezeigt hatte. Deshalb war es auch eher die Sache der Frauen am Tisch, Octavena zu beglückwünschen. Dass natürlich auch immer die Sorge um Mutter und Kind Begleiter aller guten Wünsche war, verstand sich von selbst, war jedoch nach Witjons Meinung keineswegs ein Grund, die Freude zu trüben. Er erhob deshalb seinen Bierhumpen und sprach in die Runde: "Erheben wir unsere Krüge auf meine liebe Gattin! Möge Frigg ihre schützende Hand über sie halten!" Dass dieser Augenblick für Phelan unangenehm sein könnte, war Witjon zwar bewusst. Aber der Pontifex musste sich langsam damit abfinden, dass das Leben weiterging, und Witjon war nicht gewillt sich die fröhlichen Momente des Lebens durch einen stets sauertöpfischen Verwandten vermiesen zu lassen.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!