• Viel Raum für neue Ideen



    [...]Wie ich es bereits erwartet hatte, waren die Straßen zu dieser Stunde vollgepfropft mit Menschen und so bahnten wir uns unseren Weg an vielerlei Leibern vorbei. Viel Zeit, um die Umgebung zu bewundern blieb nicht. Eigentlich handelte es sich um eine ordentliche Gegend. Eine Gegend, in der auch meine Tonstrina ansässig war. Muckel war mir dicht auf den Fersen und wie ich mich immer wieder vergewisserte auch Nelia. Viel Zeit mit Reden vertrödelten wir auf dem Weg nicht, doch während des Ganges wiegte ich die Worte in meinen Gedanken, welche überhaupt der Auslöser gewesen waren, die Sklavin zu erwerben.


    “Tonstrina Hispania...Gepflegte Menschen machen die besseren Geschäfte....,“ flüsterte ich verheißungsvoll werbend und ich konnte bereits die Gravur am Ladenschild vor meinem inneren Auge lesen.


    “Du kriegst nicht genug davon, oder?“, raunte Muckel vorwurfsvoll zurück, doch ich lächelte nur wissend.


    Wir waren stehen geblieben, denn dies war in etwa die Adresse, die ich mir noch daheim eingeprägt hatte. Hübsche Geschäfte. Ein Stoffhändler, eine kleine Garküche, ein Bäcker und ein Kunstschmied. Gute Gesellschaft für meinen eigenen Laden. Doch wo war er? Ich schaute mich mit zusammen gekniffenen und leicht mit der Hand beschirmten Augen um. Man hatte sich viel Mühe geben, die Geschäftslokale adrett zu gestalten. Hier und da standen neben einiger gut sortierter Auslegeware sogar Pflanzen vor den Türen. Geschmiedete Schilder wiesen auf die Besitzer hin und luftige, bunte und zur Seite geraffte Vorhänge luden dazu ein einzutreten. Inmitten dieser pittoresken Verkaufsräume musste meine Tonstrina sein, doch ich entdeckte sie nicht. Nur ein verlottertes, kahles Tor, das mit einem grauen, zerschlissenen Stoff, der entfernt an Getreidesäcke erinnerte, verhängt war. Kein Schild, keine Pflanze, kein einladendes Bild. Viel eher mutete dieses Geschäft - sofern es denn eines war – an wie ein verottender Zahn, mitten in einem prächtigen Gebiss.


    “Denen sollte mal einer sagen, dass die gepflegten Geschäfte hier die besseren Geschäfte machen,“ murmelte Muckel in Richtung Nelia und ich neigte mein Haupt ein wenig in die Schräge.


    Mir schwante etwas Grauenhaftes, während ich leise “Iuno...,“ sagte und ein paar tapsige Schritte auf den Laden zu machte. Ich staunte noch mit offenem Mund, als der Vorhang zur Seite gerissen wurde und ein schimpfender Mann heraus stürzte, der sich unbeholfen ein Tuch gegen die Wange presste. “Ein verfluchter Gladiator!“, motzte er mich, als ersten Menschen der ihm auf der Straße begegnete, an. Zornig pfefferte er auch sogleich das Tuch auf den Boden, sodass eine unschöne Schnittwunde in seinem Gesicht sichtbar wurde. “Geh' dort nicht rein! Das sind Halsabschneider in doppelter Hinsicht!“ Er fuhr zu dem Gebäude herum und wetterte gegen das Mauerwerk weiter. “Ich werde euch verklagen! VERKLAGEN sag' ich!“ Und mit geballten Fäusten stapfte er davon.


    Ich näherte mich dem kleinen, verstaubten Schildchen, welches bei noch näherer Betrachtung neben dem Eingang angebracht war und meine Augen weiteten sich. “Tonstrina Hispania...,“ las ich angestrengt und fuhr dann zu Muckel und Nelia herum. “Tonstrina Hispania!“, sagte ich nun fassungslos laut und wischte mit der Hand über die Wange.


    “Bist du dir sicher?“, wollte Muckel wissen und als ich nickte, fragte mein Sklave nun Nelia. “Ist er sich sicher?“


    “JA!“, entfuhr es mir und ich ging zu meinen beiden Sklaven zurück, um noch einmal mit ein wenig Abstand auf die schlimmste all meiner Befürchtungen zu blicken.

  • […] Nelia lief schweigend neben Muckel und hinter Casca her. Sie bewunderte die Straße, die Leute, die Häuser und Läden. Alles war für das Mädchen absolut überwältigend. So kamen sie an dieses große Haus, das etwas mediterran wirkte. Auch die kleinen Lädchen fügte sich in die schöne Fassade. Es gab Grünzeug vor den Türen und Fenstern. Luftige Gardinen, die im seichten Wind wehten, wenn die Tür offen stand. Es gab tolle Schilder und es gab etwas vor dem der Herr abrupt stehen blieb. So, dass Nelia ihm gegen den Rücken lief. "Verzeihung Herr."


    Sie erblickte ein … eine Art Verlies... eine Gruft und hielt Nelia die Luft an. An den Läden blätterte die Farbe ab, dazu war der Eingang von einem sackähnlichen Gebilde verhangen..Man konnte nicht mal hineinsehen - hinaus sicher auch nicht. Und es musste stockdunkel da drinnen sein. Kein schönes Schild, kein Schmuck, keine Blumen. Nur ein graues Etwas. Das konnte doch unmöglich... Warum blieb er denn vor diesem schrecklichen Gebäude stehen?
    Das was ein Vorhang sein sollte wurde aufgerissen und ein empörter Mann rannte die Sklavin fast nieder. Nelia taumelte zurück, während der Mann blutend und schimpfend seinem Unmut Luft machte. Sie hörte 'Halsabscheider' und 'verklagen'. Und schlug die Hand vor den Mund.


    Casca unterdessen näherte sich diesem grauen Loch, las ein winziges Schild und... "Heiliger Strohsack." platzte Nela heraus. "Herr? Das ist doch nicht etwa..."
    Nelia musste nicht mal fragen. Sie bekam schon Antwort, auch wenn Casca wohl eher zu sich selbst sprach.
    Fassungslos blickte sie zu Muckel und zuckte die Schultern. "Scheint so." erwiderte sie. Der Laden sah aus wie eine Ratte unter Pfauen. Das konnte nicht sein. Wenn das die Tonstrina war, dass wäre das eine Lebensaufgabe, den Laden zum laufen zu bringen.


    Ein ungutes Gefühl in der Magengrube, aber dennoch todesmutig - wie sie fand, legte Nelia die Hand an den Stoff und schob das staubige Teil ein Stück auf. Sie warf einen Blick hinein. Und alles was sie in dem fürchterlichen Raum entdeckte war ein Affe... ein riesiger Affe. Mit einem Aufschrei wandte Nel sich ab und vergrub ihr Gesicht an Muskels Brust. "Monster..." Schnappte sie und deutete nach hinten.

  • Heiliger Strohsack traf es ganz gut. Ich konnte es nicht fassen, was ich da vor mir sah. Das sollte meine Tonstrina sein? Ich stierte dem verlotterten Eingang entgegen, doch es schien kaum noch nagende Zweifel zu geben. Immerhin stand der Name dieser Bude direkt neben dem Eingang. Ich hatte ihn höchst selbst gelesen, doch glauben wollte ich es nicht.


    “Vielleicht... ist sie ja von Innen ganz hübsch,“ versuchte sich Muckel als er merkte, dass mich dieser Anblick fürchterlich mitnahm.


    Nelia wagte ein paar Schritte nach vorn. Muckel und ich folgten ihr tapsend. Zögerlich schob sie den Vorhang ein wenig beiseite und schob ihren Kopf durch den entstandenen Spalt zwischen Tuch und ihrer Hand.


    “Ich denke,...“ begann ich, doch kam nicht weiter. Meine Sklavin schrie auf, wendete sich von dem Eingang ab und barg ihr Gesicht an Muckels Brust.


    Muckel schloss sie in die Arme und schaute mich an. Monster? Ich hob meine Augenbrauen und räusperte mich ein wenig, ehe ich Nelia meine Hand beruhigend auf die Schulter legte. Beschaute man sich den Laden genauer, war es doch höchst wahrscheinlich, dass sich Ratten und anderes Getier in seinem Inneren herum trieben. Vielleicht eine dicke Katze oder ein Kater? Gar ein Hund? Ansonsten wusste ich nichts mit dem Begriff 'Monster' anzufangen. Ich löste mich von meinen beiden Sklaven und war es nun selbst, der sich wieder dem Eingang näherte. Das musste ich mir selbst beschauen.


    Entschlossen raffte ich den Vorhang beiseite. Zwielicht schlug mir entgegen, welches nur unterbrochen wurde durch einige staubig vernebelte Sonnenstrahlen, die durch die Läden der Fenster drangen. Hocker standen vor zwei großen, gerahmten Kupferspiegeln. Auf einem dieser Hocker saß ein massiv wirkender Mann mit einem ausladenden Gesäß, doppelten Kinn, fliehender Stirn und zerzausten, braunen Haaren. Sein wulstiger Bauch wallte über seinen Gürtel hinweg und die zerschlissene Tunika gab über der Brust unzählige Büschel von Haaren preis. Als er meiner gewahr wurde, fuhr er herum und zwei funkelnde, tiefliegende Äuglein unter buschigen Augenbrauen starrten mir entgegen. Er hatte in der Tat etwas sehr Animalisches an sich. Das kleine Rasiermesser in seiner Faust machte diesen Eindruck nicht wett. Im Gegenteil.


    “Bona Dea!“, entfuhr es mir erschrocken, doch ich wich nicht von der Stelle.


    “Kundschaft?!“, grunzte er und erhob sich schnaufend. “Hier!“ Er deutete auf den Hocker, von dem er gerade aufgestanden war. “Setzen!“


    “MUCKEL!“, rief ich über meine Schulter hinweg, ehe ich bemerkte, dass dieser mit der Sklavin im Arm bereits direkt hinter mir stand. “Schaut euch das an!“, forderte ich.

  • Nelia presste ihr Gesicht an Muckels Brust und der Sklave gab ihr Sicherheit indem er sie in die Arme nahm. Ihre angst verflog, doch der Schreck saß fest in ihren Gliedern. "Ein Alptraum." nuschelte sie und hob erst den Kopf, als Casca ihr die Hand auf die Schulter legte, als wolle er sie trösten. Das konnte nur ein Alptraum sein, gleich würde sie wach und er Laden sah toll aus. Doch so war es nicht. Sie konnte sich zwicken und blinzeln, das unbeschreibliche Gebilde blieb grau und trostlos. Schrecklich. Wie ein Kerker ohne Gitter, aber dafür mit einem Monster versehen.


    Nun wagte sich der Herr einen Blick zu riskieren und Nelia befürchtete das Monster könne ihn angreifen. Sie hielt sich dicht bei Muckel, hörte ein Grunzen und Schnaufen. Doch da waren Worte dazwischen. Sogleich forderte Casca sie und Muckel auf sich das anzuschauen. "Ich will das nicht sehen, Herr. Das kann doch unmöglich dein Laden sein." Sie blickte zu Muckel auf. "Das ist doch nicht sein Ernst, oder?" Vielleicht sollte das ein Scherz sein, den sie sich mit ihr erlaubten. Doch Nel konnte nicht darüber lachen. "Hat er das gewusst? Er hat das doch gewusst?" Nelia was mehr als verwirrt. Wenn man ein Haus oder Laden besaß wusste man doch wie dieses aussah. Dann grinste sie schließlich doch und stieß Muckel leicht an. "Ihr macht einen Scherz mit mir und amüsiert euch gerade köstlich. Gut, ihr habt es geschafft mich zu schockieren. Aber jetzt können wir doch zur richtigen Tonstrina gehen. Bitte. Ja?"


    Nelia glaubte es wäre jetzt genug Unfug gewesen und die Beiden hatten sie richtig dumm aussehen lassen. Einem Bauernmädchen so einen Schrecken einzujagen. Wirklich lustig. Doch weder Casca noch Muckel lachten. Nel blickte von einem zum Anderen. Doch nichts tat sich. Gut, dass würde sie ein bisschen mitspielen. "Das Ding da drin kann jetzt Feierabend machen. Es hat seine Aufgabe erfüllt. Das Kostüm ist wirklich bewundernswert, wie habt ihr das hin bekommen?", meinte sie belustigt. Sie fuhr sich durch die Haare, stellte sich auf Zehenspitzen und versuchte an Casca vorbei zu schauen. Doch sie sah nur den Riesen, der sich von seinem Sitzplatz erhoben hatte und noch monströser aussah.

  • Ich blinzelte ein paar Mal, während ich mir den Gorilla in Menschengestalt näher beschaute. Bei genauerer Betrachtung hatte er nicht nur Haare auf seiner Brust, sondern sie sprossen überall. Mein Blick wendete sich dann zu Muckel hin und dann zu meiner neuen Sklavin, die ihm in den Armen lag. Ich spitzte die Lippen ein wenig, als sie meinte, das alles nicht sehen zu wollen und dass dies unmöglich der Laden sein könne. Offenbar war er es aber doch, nur war ich noch selbst zu bestürzt, um das zu zu geben.


    Muckel schaute ebenfalls Nelia entgegen. “Casca würde niemals Scherze über seine Geschäfte machen,“ sagte er flüsternd. “Und ich glaube, es hat ihn genauso kalt erwischt wie uns!“


    Ich gönnte meinem Sklaven einen vielsagenden Blick und schaute auf den Affen zurück, der noch immer mit gezücktem Messer dastand und nun den Mund öffnete, um neuerlich etwas zu sagen. “Was nu?“, wollte er wissen und deutete ein wenig unbeholfen auf den Schemel.


    “Ich... bin Scherzen und anderen Tollereien nicht abgeneigt, aber das hier...“, begann ich zu erklären, als meine Sklavin mir unterstellte, ich würde mich auf ihre Kosten herrlich amüsieren, doch ich kam nicht weiter. Wieder musste ich mir das 'Ding' beschauen, welches nun grunzte und sich mit dem Handrücken unter der Nase rieb. Ich verzog mein Gesicht und mein Kopf zuckte zurück. In diesem Moment konnte ich die scheinbare Belustigung meiner Sklavin nun wirklich nicht teilen, die sich nun auf die Zehenspitzen stellte und versuchte über meine und Muckels Schultern hinweg auf die Erscheinung des Hünen zu blicken.


    “Das ist wirklich kein Jux,“ flüsterte Muckel Nelia eindringlich entgegen. “Der Primat da drin ist wirklich echt!“
    Ich nickte. “Ich habe dich nicht erworben, weil ich jemanden brauche, dem ich mal so richtig... ein Kasperletheater vorführen kann,“ ergänzte ich vorwurfsvoll in Richtung meiner Sklavin. “Das hier...,“ Ich deutete mit beiden Händen in den Laden, “...dieses alles hier....soll eine Goldgrube werden und...“
    “Was is'n nu?“
    “Casca... was...“
    “... und mir ist überhaupt nicht nach irgendeinem...Unsinn!“ Meine Hände unterstrichen hastig genau den Aspekt, den ich meinte. Nämlich dass jetzt Schluss war!


    Entschlossen setzte ich zwei Schritte in den Laden und schaute dem affenähnlichen Menschen entgegen. “Wer bist du?“, wollte ich wissen.
    “Wer bis'n du?“, kam es zurück.
    Dann polterte er im hinteren Teil des Ladens und eine weitere Gestalt nahm aus dem Zwielicht heraus Formen an.


    Es war ein junger, schlaksiger Mann, fast noch Knabe. Er schaute mich und meine Sklaven mit großen, dunklen Augen an, während seine verfilzte zottelige Haartracht nach allen Seiten hin ab stand. Dann kratzte er sich am Kopf.
    “Wer seid ihr?“, wollte er dann wissen. “Seid ihr hier um...“
    “Ich bin hier, weil ich der Besitzer dieses Ladens bin!“, unterbrach ich ihn dann. Doch dann überkam mich neuerlich ein Schaudern. Wenn dies hier wirklich mein Laden war, dann konnte es nur bedeuten, dass diese beiden Figuren ebenfalls zu mir gehörten. Ich schluckte und schaute mich zu Muckel und Nelia um. “Ich besitze diesen Laden?“ resümierte ich noch einmal ein wenig leiser und fasste mich an die Stirn. Mich fröstelte mit einem Mal und ich war mir sicher, dass man mir diesen Umstand auch ansah.

  • Erst war Nelia total geschockt. Dann dachte sie das wäre ein schlechter Scherz und sie müsste einfach nur mitspielen. Doch nun wurde sie sich langsam - aber sicher gewahr, dass das hier wirklich ernst zu nehmen war. Kein Scherz, sondern Realität. Und Casca sowie Muckel bestätigen ihr das auch noch. Das also war der Laden, der eine Goldgrube werden sollte.


    "Herr da braucht es mehr als einen guten Spruch." Bemerkte Nel, als sie es schaffte wenigstens ein bisschen in den Laden zu spähen. Der Herr war mutig. Er trat sogar zwei Schritte nach vorne in dieses … Nel fiel keine Bezeichnung mehr dafür ein. Eine Höhle im Wald war ansehnlicher und einladender als das hier. Da würde sie erst mal drüber schlafen müssen. Das Mädchen wich zurück, als sie diese donnernde Stimme hörte und der Kerl mit einem Messer herumfuchtelte. Da konnte sie auch Muckel nicht mehr halten. Hier konnte man mehr loswerden, als nur seinen Bart.
    Nämlich seinen Verstand oder gar sein Leben.
    Einen solchen Eindruck hinterließ die Tonstrina, die diesen Namen bei weitem nicht verdient.


    Nelia wäre am liebsten im Boden versunken. Als dieses Tier auch noch wissen wollte, wer sie denn waren.
    Die Fragen vermehrten sich hinter Nelia´s Stirn, wie Hasen an einem Frühlingsabend. Casca kannte seinen eigenen Laden nicht. Und er kannte auch dieses Ungetüm nicht? Und das Ungetüm kannte seinen Herren nicht? Und ach... das war einfach zu viel. Sie blickte Muckel an, als könne er ihr alle Fragen beantworten. Doch auch er schien mehr ratlos als wissend. Sie fuhr sich mit beiden Händen in die Haare und schüttelte den Kopf. Um anschließend resigniert zu seufzen und die Schulter fallen zu lassen.


    "Wie brauchen einen Plan, Muckel. Das hier, wird eine Aufgabe die so schnell nicht zu bewältigen ist."
    Nelia wurde mutiger und trat hinter Casca in den Laden. Es nutzte ja nichts Reißaus nehmen zu wollen.
    Hier hieß es anpacken. Und das schnell. Sie wagte sich allerdings nicht weiter, als bis hinter den Rücken
    Casca´s und riskierte keinen Blick auf den Riesen mit dem Messer. Das schien ihr am sichersten. In Gedanken notierte sie sich, was sie als Erstes ändern würde. Alles musste raus. Frische Farben und Sauberkeit rein. Auf dem Boden lag nicht nur Staub sondern auch... Nein! Nel wollte das nicht näher erforschen.


    Aus dem rückwärtigen Teil kam ein dünner Junge neugierig hervor und fixierte einen nach dem Anderen. Er sah nicht viel besser aus als ein Bettler, aber aus ihm könnte man - zumindest äußerlich, etwas machen.
    Nel zupfte Casca zaghaft an der Tunika.
    "Herr, der Laden muss erst mal zugemacht werden befürchte ich. Und dann brauchen wir ein Konzept. Und die Beiden hier, brauchen selbst eine Rundumerneuerung."
    So konnte man die nicht auf die Menschheit loslassen.

  • Ja, hier bedurfte es mehr als nur eines guten Spruches. Da hatte meine Sklavin vollkommen recht. Nur guter Rat diesbezüglich war verdammt teuer, wenn einem schon so gut wie nichts mehr einfiel. Was sollte ich nur tun? Offenbar war ich der Herr von einem Wesen mit Ganzkörperbehaarung und einem mickrigen Wicht. Und was machte der Kerl gerade? Bohrte er sich etwa im Ohr? Meine Augenbrauen hoben sich und ich presste die Hand gegen meinen Bauch, in dem sich allmählich ein recht flaues Gefühl einstellten wollte.


    Muckel stand vollkommen ruhig und beschaute sich, wie Nelia sich die Haare raufte. Ihre Blicke begegneten sich. Auf ihre Meinung hin, dass sie einen Plan brauchten nickte er nur. Sicher, das alles hier war ein Loch ohne Boden und selbst die besten Ideen konnte hier auf Nimmer-Wiedersehen in dunkelster Nacht verschwinden, wenn man nicht zeitgleich handgreiflich wurde und das Unterste zu Oberst kehrte. Viel Arbeit! Viel, viel Arbeit würde das alles hier werden.


    “Wir brauchen keinen Plan! Wir brauchen ein Wunder!“, erklärte er dann relativ trocken und nüchtern und zuckte mit den Schultern, ehe er sich weiterhin umschaute. “Und wer weiß was der Laden noch alles so an Spezies beherbergt....“ seine Blicke waren an einigen, dichten Spinnenweben hängen geblieben, die sich etwas weiter hinten im Laden doch unter den nun einfallenden Licht deutlich von der Decke absetzten. Sein Mund verzog sich und er rollte mit den Augen.


    Ich unterdessen besah mir wieder die beiden Gestalten vor mir und bemerkte kaum, wie Nelia hinter mir Deckung suchte. Dann spürte ich das leichte Rucken am Stoff meiner Tunika, das verkündete, dass mein Ohr gebraucht wurde. Nelias Worten konnte ich nur zustimmen. Der Laden musste erst einmal schließen und vor meinem inneren Auge reifte auch schon ein Konzept. Die Bude musste komplett ausgeräuchert werden! Ich drehte mich zu meiner Sklavin herum.


    “Ja, genau! Hier muss alles raus!“, stimmte ich ihr zu und wendete mich wieder zu den beiden Erscheinungen. “Und wer seid ihr nun?“, versuchte ich es noch einmal.


    “Ulcus,“, grunzte der Gorilla.
    “Man nennt mich Quix...,“, ergänzte das andere Wesen.


    Meines Erachtens sah dier 'Quix' immer noch so aus, als trug er ein zerplatztes Kissen auf dem Kopf und ich rümpfte die Nase, ehe ich auf ihn zu ging.


    “Das muss runter!“, erklärte ich deutete auf seinen Schopf und auch Ulcus betrachtete ich mir nun aus der Nähe. Er muffelte wie ein toter Hirsch, wenn man es genau betrachtete. “Götter!“, entfuhr es mir. “Wenn es hier irgendwo Wasser gibt, dann solltet ihr es gut nutzen!“ Dann wendete ich mich wieder Nelia zu, denn das alles schrie nach einer weiblichen Hand.

  • Casca war ratlos und Muckel ging es gerade nicht besser. So hatte Nel sich ihre ersten Minuten in einem neuen Leben nicht vorgestellt. Sie hoffte, dass der Herr noch mehr Einnahmequellen besaß, denn hier würde erst mal alles stillliegen. Ein Wunder brauchten sie? So ganz unrecht hatte Muckel da nicht. Doch Nelia sah das Ganze recht nüchtern. Sie brauchten eine Liste und die musste abgearbeitet werden. Sie hatte sich hinter Casca versteckt um sicher zu gehen, dass dieses riesige Ding sie nicht anfassen würde, sich doch noch als Mensch entpuppte und harmloser war als es aussah.


    Es konnte reden, das war schon mal gut. Auch wenn einem die Stimme durch Mark und Bein dran, wie ein falsch gestimmtes Musikinstrument. Doch jetzt machte ihr der Geruch hier drin zu schaffen. Es roch nicht nur nach alter Seife und ranzigem Öl - Nach Staub und Schmodder. Sondern auch nach etwas das Nel ungewaschenen Leibern zuordnete und das war zu viel für das Mädchen. Sie schlug die Hand vor Mund und Nase und stützte hinaus an die frische Luft. Dort brauchte sie einen Moment um ihren Magen zu beruhigen.


    Nel überließ es dem Herren sich umzuschauen und mit diesen Leuten da drinnen zu reden. Die gehörten ihm wohl auch so wie sie das nun erfassen konnte. Wieder normal atmen zu können war eine Wohltat. Nel wandte sich an Muckel.
    "Die beiden brauchen eine ganz Körper Rundumerneuerung, wenn sie hierbleiben sollen."
    fing sie an aufzuzählen und benutzte ihre Finger dazu.
    "Dann brauchen wir Leute, die hier alles ausräumen. Und einen Kammerjäger."
    Sie seufzte leise und warf einen Blick über die Schulter.
    "Kannst du … hast du etwas handwerkliches Geschick? Wir müssen den Wänden schöne Farben geben."
    wenn sich die Kosten in Grenzen halten sollten, mussten sie da selbst ran. Das hatte Nel kein Problem damit, aber es würde dauern wenn sie alles alleine machen müsste.


    Casca drehte sich um und sah Nelia beinahe hilfesuchend an. Das Mädchen nickte nur.
    "Schick sie in eine Badeanstalt. Herr. Sie sollen erst wieder rauskommen, wenn sie wie Menschen aussehen."

  • In der Tat! In dieser Bude hing ein jahrelang gehüteter Muff und dieser musste einfach raus. Als ich mich zu meiner Sklavin herum drehte, erkannte ich, dass diese hinaus gestürzt war. Muckel war ihr gefolgt und stand neben ihr und blickte auf die Finger, mit denen sie scheinbar eine Aufzählung tätigte.


    “Die beiden brauchen nicht nur eine Rundumerneuerung, die brauchen... ich weiß auch nicht...,“, sagte er mit trübem Unterton. “Am besten wir reißen den Laden ab und bauen ihn neu...“ Skeptisch glitt sein Blick über seine Schulter hinweg, während er ihr Seufzen vernahm. “Handwerklich geschickt?“, hakte er dann nach und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. “Zumindest geschickter als Casca, wenn du das wissen willst.“ Dann kratzte er sich am Kopf. “Aber ich denke, man sollte diese vier Wände erst einmal... ausräuchern oder sowas...und ihre Bewohner gleich mit.“


    Ich unterdessen beschaute mir wieder die beiden Gestalten, nachdem Nelia mir empfohlen hatte, sie einer Badeanstalt zu überantworten. Wahrscheinlich würde man sie gar nicht einlassen. So gefährlich, wie Ulcus aussah vermutete man doch eher, er würde in irgendeinem dunklen Gemäuer als Wärter sein Leben fristen und Quix mutete an wie ein frisch gefangener Wilder, den man von einem Baum hinunter geschossen hatte. Ich konnte meine Blicke gar nicht abwenden, so abstrus schauten sie aus. Im Nachhinein wunderte es mich nun schon, dass es überhaupt einen Kunden, wie den erzürnten Burschen von der Straße gegeben hatte, der den Mut hatte sich auf einen dieser Schemel zu setzen und seine Kehle zu entblößen. Ich schluckte schwer, allein beim Gedanken daran.


    “Nun, Ulcus....Quix...,“, begann ich die beiden anzusprechen. “Ihr... geht euch nun waschen und dann werden wir sehen, dass wir wieder Menschen aus euch machen. Ahm...“ Dann fiel mir noch etwas ein. “Wie viele Kunden hattet ihr denn bisher so...täglich?“ In meinem Hinterkopf lauerte dazu noch die Frage, auf wie viele Klagen ich mich in der nächsten Zeit gefasst machen konnte, doch diese brauchte ich nicht zu stellen. Immerhin musste man schon von Irrsinn geplagt sein, sein Haar diesen beiden schrägen Vögeln zu überantworten.


    “Och so... drei,“ entkam es Quix und ich meinte ein wenig Stolz in seiner Stimme zu hören.
    “D r e i?“, hakte ich nach. Kein Wunder, dass dieses Geschäft keine schwarzen Zahlen schrieb.


    “Waschen!“, befahl ich und sah Ulcus an. “Und Messer her...“ Ich streckte meine Hand aus, um es in Empfang zu nehmen.


    Tatsächlich gab mir Ulcus besagtes Requisit und trollte sich unentschlossen mit Quix von dannen. Ich atmete tief durch und betrachtete mir die funkelnde Klinge.


    “Ihr könnt jetzt wieder reinkommen!“, sagte ich nun doch ein wenig vorwurfsvoll in Nelias und Muckels Richtung. “Die Gefahr ist gebannt!“ Dazu hielt ich ein wenig das Messer in die Höhe, als Zeichen dafür, dass mit keinerlei Angriff gerechnet werden müsse. “Das ist doch... alles gar nicht soooo schlecht!“, erklärte ich dann mit einem Lächeln im Gesicht, welches mit zugegebenermaßen ein wenig Mühe bereitete. “Ich meine...wie du schon meintst, ein wenig Farbe...vielleicht ein paar Bilder...Pflanzen und... überhaupt und dann wird das!“ Ich nickte, während ich meine Blicke neuerlich schweifen ließ. “Ja, das wird!“, bestärkte ich mich selbst. “Also...?“, wollte ich dann von Nelia wissen und ich breitete meine Arme ein wenig aus.

  • Nelia blickte Muckel an und nickte.
    "Ich weiß nicht recht wo man hier anfangen soll. Aber abreißen... Nein. Hier kann man etwas draus machen. Das Haus an sich ist sehr schön und einladend. Die Anderen Läden ziehen Kunden an. Das passt alles. So."
    erklärte sie doch ihre Motivation hielt sicher gerade in Grenzen.
    "Dann kannst du mir helfen die Wände zu streichen. Doch erst brauchen wir eine paar kräftige Hände die hier alles ausräumen."
    Sie würden sortieren was man von den Sachen noch gebrauchen konnte. Viel wäre da nicht übrig, was nicht ersetzt werden musste. Die Hocker. Unmöglich! Die Spiegel waren angelaufen und blind. Nelia seufzte.


    Der Herr befahl den Beiden Gestalten, sich erst mal zu waschen. Man musst dann schauen ob sich unter dem Dreck etwas annehmbares befand, ansonsten würde nur noch eine Enthauptung helfen, so wie es aussah. Casca nahm das Messer entgegen und lud Nel und Muckel ein den Raum noch einmal zu betreten.
    Das Mädchen machte eine paar Schritte nach vorne und blickte argwöhnisch in die Ecken mit den dicken Spinnweben.
    "Ich glaube... nein ich weiß, dass ich nicht da rein möchte. Haben wir etwas zum Schreiben hier, Herr?"
    Sie sah sich um, konnte aber nichts dergleichen finden.
    "Wir brauchen eine Liste, die wir genau abarbeiten."


    Das war das einzig logische, sonst würde man hier das Pferd von hinten aufzäumen.Das Nelia barfuß war würde sie eh nicht weitergehen, denn der Schmutz auf den Boden sollte auf keinem Fall ihr haut berühren.
    "Hier holt man sich womöglich noch Ungeziefer. Komm raus das Herr!"
    Allein bei dem Gedanken daran was da alles wuscheln könnte, juckte es die junge Sklavin schon überall und sie wünschte sich ein Bad herbei.
    "Du musst hier investieren, sonst wird die Tonstrina niemals Gewinn abwerfen. Und es muss schnell gehen."
    Die nächsten drei Tage, mehr Zeit plante Nel nicht zum ausräumen und saubermachen. Dann würde sie mit den Wänden anfangen.


    "Die Leute mögen Sonne, Strand und Meer. Ich könnte mir alles mediterran vorstellen. Die Wand dahinten." Sie deutete auf die Mauer mit dem Durchbruch zum nächsten Raum. "Würde ich dunkelrot machen. Die rechts und den Eingangsbereich orange, und gegenüber in einem hellen ocker. Dort hängen wir große Spiegel hin. Und machen drei Sitzplätze. Auf die andere Seite einen gemütlichen Wartebereich und hinten Regale für die Arbeitsgeräte." Vermittelte sie Casca ihr Vorstellung. "ich kann ein paar Verzierungen malen die die Ecken etwas abrunden und ein bisschen Dekor basteln. Dann sieht das hier schon ganz anders aus."

  • Muckel hatte auf Nelias Worte hin genickt, auch wenn er selbst wahrscheinlich nicht daran glaubte, aus diesem Ladenlokal noch etwas machen zu können. Doch er wollte auch die Worte der Sklavin nicht unterbrechen. Vielleicht hatte sie ja recht und eine schöne Nachbarschaft wirkte irgendwie ansteckend auf das Geschäft. Er stemmte die Hände in die Hüften, als sie meinte, er könne ja beim Anstrich helfen. “Alles ausräumen? Man braucht dafür eine Hunderschaft,“, murmelte er sich in seinen nicht vorhandenen Bart und rollte ein wenig mit den Augen, denn wenn Nelia schon seufzte, so tat sie es zu recht.


    Langsam kam auch er wieder in den Laden hinein und schaute sich um, während ich noch da stand und mir einen Augenblick ebenfalls alles betrachtete. Wahrscheinlich nicht ganz so argwöhnisch wie meine Sklavin. Meines Erachtens galt es zunächst einmal den ersten Schock zu überwinden, doch das schien mir recht gut gelungen zu sein. Immerhin standen mir die Nackenhaare nicht mehr zu Berge und das Gefühl die Flucht ergreifen zu müssen schwand allmählich und machte einigen neuen Ideen Platz, die es zu sortieren galt. Nelia hatte vollkommen recht mit ihrer Liste und kaum hatte sie das Schreibutensil erwähnt, welches sie vermisste, schaute ich mich auch schon danach um.


    Ich ging ein paar Schritte und mein Blick fiel auf ein kleines, eingestaubtes Regal, auf dem noch einige Messer, Schaber und Schälchen standen, in denen alte Farbe aufbewahrt wurde. Verziert wurde der ganze Anblick mit ein paar toten Fliegen, welche auf dem Rücken lagen und die Beine in die Höhe reckten. Ich verzog mein Gesicht, während mir Ekel den Rücken hinunter rieselte. Mit dem Zeigefinger streifte ich über das Holz und linste auf den kleinen schmutzigen Hügel, der sich auf meiner Fingerkuppe auftürmte. Ja, das sah nach Ungeziefer aus! Ich trat zurück, als Nelia meinte, ich solle heraus kommen und schaute mich weiterhin um.


    Ich würde definitiv um eine tiefgreifende Investition nicht herum kommen. Vor allem Zeit und Nerven konnte man hier zuhauf lassen in den nächsten Tagen. Ich seufzte und schüttelte meine Hand aus, um den Finger vom Schmutz zu befreien, während Nelia von Sonne, Strand und Meer redete, die sie wohl an die Wände bringen wollte. Ich besah mir der Reihe nach die Wände, auf die sie deutete und versuchte mit meinem inneren Auge die besagten Farben zu sehen. Dabei neigte ich ein wenig mein Haupt und meinen Körper und schürzte die Lippen. Es war schon nicht leicht, in diesem Loch die Fantasie zu beflügeln, doch es gelang mit einigen Mühen und in den Mundwinkel geschobener Zunge. Meine Augen hatten sich ein wenig verengt und hielt meine angestrengte Position einen Moment bei.


    “Ich glaube, ich kann es schon sehen...,“ erklärte ich wage und hob meine Hände ein wenig an, um mit den Fingern einen Ausschnitt aus der kruden Wirklichkeit zu erfassen. Das Messer störte dabei ein wenig und richtete mich wieder auf. “Das Ganze wird ein Vermögen kosten,“ sagte ich dann und raffte mich ein wenig zusammen. Dann ging ich zum Schemel hinüber und ließ mich darauf nieder sacken. So fühlte sich also ein stolzer Ladenbesitzer.


    “Das mit der Farbe gefällt mir gut und ein Wartebereich klingt nicht schlecht, auch wenn man hier bei genauerer Betrachtung so viel Fantasie aufwenden muss, dass man Kopfschmerzen bekommt.“


    “Könnte auch an der staubigen Luft liegen,“ sagte Muckel nüchtern und wedelte sich ein wenig vor der Nase herum.


    Neuerlich ließ ich ein wenig verloren meine Blicke schweifen. “Ah!“, entfuhr es mir dann und ich deutete auf eine Truhe, die etwas abseits in einer der Ecken stand. “Eine Tabula!“ Mein Gesicht erhielt einen freudigen Ausdruck. “Muckel, bring sie her!“


    Mein Sklave setzte sich in Bewegung und nahm die Tabula mit spitzen Fingern auf, ehe er sie zu mir hinüber brachte. Ich nahm sie an mich und wischte beherzt den Staub vom Holz hinunter. Vorsichtshalber pustete ich noch einmal nach und unterdrückte ein Husten.


    “Also...Nelia...Ausräumen, streichen in rot, orange und hellem Ocker, große Spiegel und Regale...“ Ich wedelte ein wenig mit der Hand, denn das half mir manches Mal beim Nachdenken. “Pflanzen...uuund....?“ Fragend blickte ich meiner Sklavin entgegen.

  • Nelia musste über Muckel´s Worte lachen. Sie mochte den Sklaven er war irgendwie niedlich.
    "Keine Hundertschaft nur einen guten Plan. Wir schaffen das Muckel."
    Sagte sie motivierend und legte kurz die Hand auf seinen Unterarm.
    "Wir lassen uns doch nicht von einem heruntergekommen Raum fertig machen."


    Nelia trat zu ihrem Herren. Aber nur soweit ehe ihre bloßen Füße den seltsamen Schmutz berühren konnten.
    Casca suchte in einem Regal und fand eine Tabula. Sie mochte nicht wissen was sich auf dem Brett noch so befand, aber ihr reichte das Gesicht ihres Herren das alles sagte. Er wischte und blies den Staub von der Tafel, der sofort den ganzen Raum zu erfüllen schien und im einfallenden Licht glitzerte.
    "Keine Sorge, Casca. Wenn wir alles selbst machen, werden sich die ausgaben in Grenzen halten."
    Sie erklärte ihn, wie sie sich den laden vorstellen konnte und er versuchte ihre Gedanken und Vorschläge nachzuvollziehen.


    Nelia ließ ihm die Zeit und nickte dann.
    "Wenn du so einverstanden bist. Warme Farben wirken einladend und entspannend. Die Kunden werden denken sie genießen einen kleinen Urlaub."
    Sie hatte noch mehr Ideen im Hinterkopf. Aber alles der Reihe nach.
    "Kannst du mal aufschreiben, damit wir nichts aus den Augen verlieren?"
    Sie nahm wieder ihre Finger zur Hilfe. Wo hatte sie noch angefangen? Ahja...
    "Also erster Punkt. Zwei oder drei starke Männer sollen hier alles ausräumen. Wir schauen was noch zu brauchen ist. Der Rest wird entsorgt. Dann soll man den Raum ausräuchern und gut lüften. Danach besorgen wir die Farben und streichen die Wände. Das kann ich alleine machen oder wir erledigen es zusammen. Wie du meinst."


    Das Mädchen überlegte weiter.
    "Dann, wenn alles schön und sauber ist planen wir weiter."
    Sie wollte Casca für den Augenblick nicht überfordern. Denn sie selbst sah das Ganze hier als Herausforderung und war hochmotiviert.
    "Und jetzt hab ich Durst."
    Fügte sie an und schenkte ihrem Herren ein aufmunterndes Lächeln.
    "Bald erstrahlt deine Tonstrina in neuem Glanz und du wirst dich vor Kunden nicht retten können."

  • Ich lächelte als meine Sklavin auf mich zu trat und meinte, dass ich mich nicht sorgen müsse. Doch dann verzog sich mein Gesicht bei der Aussicht hier gar noch selbst Hand anlegen zu müssen. Deshalb linste ich zu Muckel hinüber, der ein wenig die Schultern hängen ließ. Er war gewiss kein Heimwerkerkönig, ebenso wenig wie ich selbst einer war. Meine Stirn runzelte sich beim Gedanken daran, dass die benannten warmen Farben für das ultimative Urlaubsgefühl der Kunden von den eigenen Händen aufgetragen werden mussten. Es gefiel mir nicht recht, doch ich schwieg dazu.
    Ob ich einmal aufschreiben könnte?


    “Sicher...“ Ich zückte den Stilus und setzte ihn an das Wachs der Tabula und beobachtete, wie meine Sklavin wieder irgendetwas an ihren Fingern abzählte.


    Eine interessante Technik. Sie diente wahrscheinlich dem Memorieren. Doch dann begann ich zu schreiben. Starke Männer zum Ausräumen, schauen was zu brauchen ist, Reste entsorgen, ausräuchern, lüften, streichen... Ich pustete Luft über meine Lippen und setzte den Stilus ab, während ich Nelia entgegen schaute.


    “Schön und sauber...“ Ich konnte nicht anders, ich musste mich noch einmal umsehen. Meine Fantasie reichte einfach nicht aus, wie ich befürchtete. Zumindest meine Sklavin aber schien ein Ausbund an Motivation zu sein. Und nicht nur das. Sie hatte Durst und lächelte aufmunternd, während sich mit der Hand ein wenig verloren durchs Haar strich. Meine Tonstrina hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. Schön und ansehnlich, auch ohne noch großartig Hand anlegen zu müssen.
    “Hoffen wir das Beste...,“ sagte ich ein wenig fatalistisch und winkte Muckel heran, dem ich die Tabula seufzend übergab.


    “Diese riesige Mensch...dieser....dieser...Primat, wie du sagstest...,“ begann Muckel.
    “Ulcus...,“ ergänzte ich.
    “Ja, Ulcus...er könnte hier alles wegräumen und der andere der hilft beim Streichen!“


    Ich schaute Muckel an und ließ mich auf diesem elenden Hocker ein wenig hängen.


    “Überschlag, wie viel wir von allem brauchen und rechne es zusammen!“, befahl ich meinem Sklaven, ehe es hinter uns wieder rumorte. Ich fuhr herum.


    Ulcus stand wieder im Raum. Quix war neben ihm. Beide lächelten wie die Honigkuchenpferde und wie ich feststellte hatten sie sich gekämmt, auch wenn sie immer noch die selben untragbaren Tuniken anhatten.


    “Und rechne die Rundumerneuerung für diese beiden da dazu!“ Dann wendete ich mich an Nelia. “Die werden hier aufräumen und dir beim Streichen helfen!“, sagte ich fest und deutete mit dem Finger auf die besagten Figuren. “Und dann wirst du sie neu einkleiden und... irgendwas mit ihren... Haaren machen!“ Was genau war mir egal, doch ich dachte ans Stutzen, denn über Haar verfügten sie nun doch mehr als reichlich.

  • Was Nel gerade viel mehr gefiel als die Aufgabe die vor ihr lag, war ihr neuer Herr. Sie konnte es kaum glauben, dass er so auf sie einging. Ihr immer wieder ein Lächeln schenkte. Da ihre Mitbewohner aus dem Dorf, des Öfteren hier in Rom auf Märkten ihr waren anboten, kamen sie auch immer mit Geschichten nach Hause. Und die erzählte man sich abends am Feuer. So hatte Nelia von Herren und Damen gehört, die ihre Sklaven wie Tiere behandelten oder noch schlimmer. Viele liefen mit Verletzungen und Peitschenstriemen herum. Waren halb verhungert oder wurden aufs übelste beschimpft. Von freundlichen Herren hatte Nel noch nie etwas gehört. Entweder gab es zu wenige davon, oder diese Geschichten waren nicht spannend genug.


    Nelia erwiderte Casca´s Lächeln und ein warmes blitzen trat in ihre Augen. Sie rieb sich die Hände und ließ ihren Blick schweifen. Vor ihren Augen verwandelte sich der Laden in eine kleine Oase.
    So in Gedanken fing sie an aufzuzählen, was ihr durch den Kopf ging. Und der Herr schrieb alles mit, damit nichts vergessen werden konnte. Mit jeder Idee, kamen neue hinzu. Während die Bilder durch ihren Kopf strömten, redete der Herr mit Muckel.
    "Wie werden das schaffen. Ich freue mich auf die Herausforderung."
    Sagte Nel zu den Beiden, die nach wie vor unsicher waren und sich das alles noch nicht vorstellen konnten.


    Ulcus und Quix kamen zurück und sahen schon einigermaßen sauber aus. Doch zufrieden war Nelia damit noch nicht. Sie beugte sich zu Casca und flüsterte ihn ins Ohr.
    "Herr, wenn ich mit denen zusammenarbeiten soll. Bitte sag ihnen, dass sie meinen Anweisungen folgen müssen. Wenn sie sich gegen mich stellen, haben wir kaum Chancen rechtzeitig fertig zu werden."
    Vor allem Ulcus sah nicht so aus, als würde er von einem Mädchen Befehle entgegen nehmen. Und schon gar nicht von einer Sklavin.


    Nelia drehte sich zu den Beiden um.
    "Ihr macht hier bis morgen früh so sauber, dass ich den Boden betreten kann ohne Angst haben zu müssen
    mir etwas einzufangen. Und hängt ein Schild auf, dass für Kundenverkehr geschlossen ist."
    Sie hatte ja keine Schuhe. Der Riese sah sie an und zog provozierend eine Augenbraue nach oben. Doch Nel ließ sich davon nicht einschüchtern.
    "Ich komme so früh wie es mir möglich ist."
    Sie wusste ja nicht was sie vorher noch erledigen oder besorgen mussten.
    "Dann schneide ich euch die Haare und wir fangen an auszuräumen. Es ist gut, wenn die Leute sehen, dass sich hier etwas tut. Das macht sie neugierig. Also nehmt den Sack vom Eingang."


    Dann blickte sie wieder zu Casca.
    "Sie können ihre alten Kleider anlassen solange wir renovieren. Danach entsorgen wir alles und schauen, dass wie etwas vernünftiges bekommen. Dann kann Muckel vielleicht mit ihnen die Badeanstalt besuchen."
    Da durften Frauen ja nicht rein.
    "Ich denke - wenn ich auf eure Hilfe zählen kann, dass wir in einer Woche fertig sind."

  • Eine Herausforderung war es in der Tat. Wie konnte man sich dessen nicht bewusst sein, wenn man sich hier so umschaute und mehr und mehr schwante es mir, dass man wohl einen Hercules brauchte, um diesen Aufgaben allen nach zu kommen. Noch nie hatte ich mich mit der Planung von Verschönerungsmaßnahmen abgeben müssen und somit feierte ich heute meine Premiere. Nur gut, dass ich die Sklavin gekauft hatte. Ich war mir sicher, dass es ein wirklich glücklicher Zufall gewesen war, der mich an diesem Tag auf den Markt geführt hatte und ihr Lächeln fand ich nach wie vor bezaubernd. Dann drehte ich mich zu den beiden Sklaven herum.


    “Ulcus? Quix? Das hier...“ Ich deutete auf Nelia, “...ist meine Sklavin Nelia und was sie sagt, das... also... das werdet ihr machen, nicht wahr?“


    Das Lächeln der beiden wich einem recht tumben Ausdruck, doch glücklicherweise nickten nun beide.


    “Ihr folgt ihren Anweisungen und werdet euch nicht gegen sie stellen!“


    Das Nicken nahm noch etwas zu, ehe Nelia sich sogleich anschickte, ihnen die ersten Befehle zu erteilen. Ja, sie erschien wirklich recht tüchtig und es gab nichts, was ich mir selbst vorwerfen konnte. Mein Augenmerk glitt über ihre Gestalt. Von oben bis unten, bis ich an ihren nackten Füßen hängen blieb. Dann stutzte ich. War mir das entgangen? Offenbar, denn ich hatte anscheinend nur Augen für ihr Haupt und den bekleideten Teil ihres Körpers gehabt. Schließlich schwenkte mein Blick zu Ulcus hinüber, der eine Augenbraue erhoben hatte. Offenbar gefielen ihm Anordnungen, die über weibliche Lippen kamen nicht sonderlich gut, aber er würde ich schon noch fügen.


    Quix hingegen ging zögerlich zur Tür hinüber und begann an dem Sack herum zu nesteln, der den Eingang verhängte. Er war wirklich schmal und bestimmt würde man ihn noch ordentlich füttern müssen, damit er dem neuen Kundenansturm, den ich mir nach den Renovierungsarbeiten noch immer erhoffte, auch standhalten konnte.


    “Ich könnte mit denen die Therme dreimal am gleichen Tag besuchen und die beiden würden...,“ begann Muckel in einem nörgeligen Tonfall, doch ich unterbrach ihn, indem ich die Hand hob.
    “Nun sei nicht so ungnädig! Mit einem neuen Putz und ein wenig Vorwäsche wird es sicherlich gar nicht so schlimm!“, bemühte ich mich, meinen Sklaven zu besänftigen.


    Dann erhob ich mich von dem Schemel und patschte in die Hände. “So!“, hob ich an. “Ihr habt eure Anweisungen. Fegt hier noch ein wenig durch und macht die Regale schon mal gründlich sauber... morgen geht es los!“ Bis dahin war ja noch ein wenig Zeit und ich konnte mich noch ein bisschen von meinem Schock erholen. “Wir gehen jetzt!“, sagte ich an Nelia und Muckel gerichtet und ich machte mich Richtung Eingang auf. Bevor ich hindurch schritt, hob ich jedoch noch einmal einen Finger, da mir etwas einfiel. “Und sollte sich heute noch ein Kunde hierher verirren, seid so gut und bringt ihn nicht dazu mich verklagen zu wollen!“ Meine Schritten führten mich nun auf die Straße. “Mir ist nach einem Krug Wein!“, erklärte ich recht nüchtern klingend und deutete auf die kleine Garküche hin, die meiner Tonstrina gegenüber lag.

  • Nelia´s Begeisterung wuchs mit der Aufgabe. Aus diesem Laden konnte man was machen. Natürlich war es mit Arbeit und viele Stunden schuften verbunden. Aber Arbeit hatte Nel noch nie gescheut. Da war sie vom Dorfleben geprägt. Und schmutzig machen war auch kein Thema. Ihr Schreck legte sich dadurch doch recht schnell und das Mädchen lief vor Motivation und Ideen beinahe über. Nel strahlte erst recht, als der Herr Ulcus und Qiux anwies ihr zu helfen und das umzusetzen was sie vorschlug.


    Innerlich vollführte Nel einen kleinen Tanz. So würde das klappen. Ganz sicher. Hier würde nun erst mal etwas sauber gemacht. Und gleich morgen früh, so hatte Nel sich vorgenommen, konnte sie versuchen aus dem Beiden Waldgeistern ein paar Menschen zu machen. Das Baden und die Körperpflege würde sie ihnen noch eintrichtern. Denn sowas war für Nelia selbstverständlich und Nachlässigkeit war in dem Fall nicht entschuldbar. Aber auch da würde Casca hinter ihr stehen. Muffelnde Angestellte gingen mal gar nicht. Vor allem wenn es sich um so ein Geschäft handelte.


    Schließlich war alles gesagt und Casca erhob sich.
    "Danke Herr. Für das Vertrauen, dass du mir entgegenbringst. Ich werde dich nicht enttäuschen."
    Nein würde Nel nicht, selbst wenn sie hier alles alleine machen musste. Es war nicht ihr Art jemanden hängen zu lassen. Und sie war absolut loyal und zuverlässig, wenn sie jemanden mochte. Und sie mochte Casca, wirklich. Er war ihr jetzt schon ans Herz gewachsen.


    Nel und Muckel folgte ihm zurück auf die Strasse. Er wollte Wein und deutete auf eine Garküche. Nel hatte noch nie auswärts etwas zu sich genommen. Auch das war ihr neu. Sie hatte eher angenommen, dass Casca so schnell wie möglich nach Hause wollte. Doch das schien nicht der Fall. Nel kam sich jetzt in ihrem Kleid noch schäbiger vor. Die Damen hier waren alle so schön und bunt gekleidet. In diesem Aufzug konnte sie wirklich nur Farbe an die Wände bringen und würde ihr Kleid dann entsorgen müssen. Zudem hatte sie nach dem Besuch in der schmutzigen Tonstrina das Bedürfnis selbst zu baden.
    "Casca. Ich kann doch unmöglich in diesem Aufzug da rein."
    Nel fühlte sich unwohl.

  • Zwar kannte ich Nelia nun wirklich erst seit höchstens zwei Stunden, doch ich traute ihr durchaus zu, die Sache in den Griff zu bekommen. Immerhin hatte sie doch einen recht guten Eindruck bei mir hinterlassen. Bei genauerer Betrachtung war sie sogar weniger geschockt gewesen als ich es selbst über meinen Betrieb war. Auf ihren Dank hin, hatte ich abgewunken. Dank war nun wirklich nicht nötig. Höchstens ein guter und ausreichender Schluck Wein, um das aufgekommenen Magengrimmen zu vertreiben.


    Schon war ich auf dem Weg hinüber zur Garküche, als Nelia nun doch Bedenken außerte. Ich hielt inne, drehte mich zu ihr herum und musterte sie von oben bis unten. Gut, man sah ihr dann, dass sie gerade vom Markt kam, denn sie war ein wenig zerzaust und ihr Kleid war nicht das Beste, doch es war nur eine dumme kleine Garküche und kein Bankett. “Also...,“ hob ich an und kratzte mich am Hinterkopf, ehe mir etwas einfiel. “Mucke? Wie viel Geld haben wir noch? Ich meine, recht es für ein neues Kleid?“


    Muckel schürzte die Lippen und zählte ein wenig im dem kleinen Geldbeutel nach. Dann zuckte er mit den Schultern.


    “Gut,“, erklärte ich rasch und änderte mein Ziel, indem ich nun auf einen Laden zusteuerte, der Kleidungsstücke versprach. Einige Dinge waren bereits vor dem Laden ausgestellt. “Such dir etwas aus!“, sagte ich und machte eine großzügige Geste zum Eingang des Geschäfts hin.

  • Nel war bester Dinge als sie die, doch noch sehr bemitleidenswerte Tonstrina verließen. Alles würde sich zum Guten wenden. War schon seltsame gelaufen. Ihr Vater verkaufte sie einfach und nur durch eine Aussage, die sie dem Sklavenhändler an den Kopf geworfen hatte, bekam sie einen neuen Herren. Und dann auch noch so einen netten und attraktiven wie Casca. Nel würde ihr Versprechen sofort morgen in die Tat umsetzen und im helfen sein Geschäft aufzubauen. So konnte sie beweisen, dass sie weder dumm noch faul war.


    Nun wollte der Herr einen Wein trinken und dafür in diese Garküche. Nel fühlte sich unwohl in ihrem Bauerngewand zwischen all den prächtig gekleideten Menschen auf Rom´s Gassen. Doch, dass der Herr ihr anbot sich ein Kleid auszusuchen kam mehr als überraschend. "Bist du dir sicher, Herr?" hakte Nel daher noch einmal ungläubig nach. Sie standen schon vor einem Laden mit wundervollen Stücken. Zumindest aus Nelia´s Sicht. So feinen Stoff und die vielen verschiedenen Farben. Sie wusste gar nicht wo sie zuerst hinschauen sollte. Da sie Casca aber auch nicht lange aufhalten wollte, entschloss sich Nelia für eine leuchtend blaue Tunika aus dünnem, anschmiegsamen Material.


    Die Farbe würde gut zu ihren Augen passen, dachte sich das Mädchen. Und trat hinter einen Vorhand um sich umzuziehen. Sie passte hervorragend. Nelia´s gebräunte Haut und ihre Augen leuchteten durch das Blau erst richtig. Ihr Dekolletee, vorher durch das Gewand völlig verborgen, würde wohl Blicke auf sich ziehen. Doch Nelia musste nichts von ihrem Körper verstecken. Der Saum umspielte ihre Oberschenkel und so sah man nun auch ihre Beine. Sie schob den Vorhang zur Seite und trat zu Casca. "Was meinst du, Herr? Geht das?" Nel strahlte vor Freude.

  • Es würde mich nicht umbringen und auch nicht viel ärmer machen, als ich ohnehin schon war, wenn ich meiner neuen Sklavin etwas Zauberhaftes gönnte. Immerhin war sie ja auch so etwas wie meine Muse, wenn es um meinen Laden ging. Zumindest sollte sie das werden. Was würde es da auch schon bringen, ihre Optik zu vernachlässigen? Nicht dass sie noch am Ende genauso aussah wie Ulcus oder Quix, oder wie diese bedien Gestalten eben so hießen. Natürlich war mir meine Sklavin bis zu dem Laden gefolgt und auch Muckel befand sich noch immer schräg hinter mir, während mein Augenmerk schon über die ausgelegten Waren graste. Was Damenbekleidung anging war ich jedoch vollkommen unbescholten und wohl auch arglos. Dabei kam mir nun doch schon in den Kopf, dass ich einen fatalen Fehler begangen haben könnte. Vater hatte damals immer gemeint, dass man sich davor hüten solle, eine Frau in die Nähe eines solchen Ladens zu lassen, denn entweder wurde man dabei arm oder aber man bekam graue Haare vom Warten, bis sie mit ihren Entdeckungen zu Ende war.


    “Ja, ich bin mir sicher!?“, entkam es mir aber. Dieses Mal jedoch schon vorsichtiger. Dennoch deutete ich noch einmal halbwegs beherzt auf die Kleidungsstücke.


    “Das dauert jetzt Stunden!“, raunte Muckel mir ins Ohr und befeuerte somit noch meine leichten Befürchtungen.


    “Ach was!“, versuchte ich abzuwiegeln, während Nelia schon einen Stoff für sich gefunden zu haben schien. “Das geht ratz fatz und dann... sind wir fertig.“


    “Ich bin jetzt schon fertig!“, knurrte mein Sklave und schaute ein wenig bemitleidenswert drein, während er seine rechte Hand an seinen Bauch legte. Rumorte es dort, oder hatte ich mich verhört?


    Tatsächlich mussten wir nicht allzu lange in trauter Zweisamkeit und vollkommen gesprächslos warten, bis meine neue Sklavin hinter dem Vorhang, hinter dem sie verschwunden war, wieder hervor trat. Ob das ginge? Meine Augen weiteten sich und zuerst fing ich den Blick aus ihren strahlenden Augen auf, während sich sie anstarrte. Dann graste mein Augenmerk ihre Gestalt hinab, verfing sich an ihren Schenkel und glitt dann wieder hinauf zu ihrem Dekolltee. Dort blieb es ruhen und ich bemerkte meinen stieren Blick -gekoppelt mit einem aufgeklappten Mund – erst, als Muckel mich in die Seite boxte.


    “Ja!“, stellte ich schlicht und simpel in den Raum. Das ging. Das ging wirklich richtig gut.


    Bei den Göttern! Sie sah aus wie die Muse Erato, die ich einmal in Marmor gehauen irgendwo gesehen hatte. Nur war deren Gewand nun doch noch ein wenig länger gewesen. Aber ansonsten. Perfekt! Sie war so hübsch! Ich grinste ein wenig schmierig und schaute ihr wieder in die Augen. “Also...also...mir gefällt es... ausgesprochen...huh...also...gut, gut!“ Ich räusperte mich schnell und gab Muckel einen Wink, den bereits lauernden Händler zu entlohnen. “Am besten du lässt es gleich an!“, schob ich noch entschlossener nach. Muckel setzte sich in Bewegung und murmelte etwas Unverständliches. Dann trat ich einen Schritt zurück und betrachtete sie noch einmal. “Wir müssen...!“, riss ich mich dann selber los und deutete in Richtung der Garküche. Was war ich für ein Glückspilz! Meine Sklavin war gescheit und schön und ich würde sie nicht verstecken müssen. Höchstens vor anderen. Und vor mir selbst, wenn ich sie noch weiter angaffte. [...]

  • Nelia war glücklich. Glücklich und fröhlich. Sie bekam endlich mal eine Aufgabe die nichts mit der üblichen Hausarbeit oder Mädchenkram zu tun hatte. Nein. Jetzt konnte sie beweisen, dass mehr in ihr steckte. Frauen standen in der Gesellschaft sehr niedrig. Sie musste schön aussehen und immer allem zustimmen was der Mann sagte. Die Herren, gaben den Ton an. Auch wenn sie so taten, als hätte die Dame an ihrer Seite irgendein Mitspracherecht. Dem war meist nicht so. Und Sklaven... die standen noch unter den Tieren und wurden auch so behandelt. Dennoch schien Casca sich völlig von dieser Masse abzuheben. Er gab ihr sein Geschäft in die Hand.


    Nel konnte es immer noch nicht fassen. Sie würde ihren neuen Herren nicht enttäuschen und alle geben, damit der in eine rosige Zukunft schauen konnte und sich vor den anderen Geschäftsleuten nicht verstecken musste. Herrlich. Tief atmete sie die Luft ein, die zwar vor Hitze flimmerte und etwas abgestanden roch. Doch für Nelia war es wie eine Frühlingsbrise in diesem Augenblick. Am liebsten hätte sie die Zunge raus gestreckt und ihrem Vater eine lange Nase gemacht. Schade, dass er sie nicht sehen konnte. Bei dem Laden mit den Kleidern und Stoffen, wurde Nel schnell fündig. Sie suchte eines der sehr preiswerten und doch schönen Stück aus und probierte es an.


    Doch als sie hinter dem Vorhang hervortrat um die Meinung ihres Herren einzuholen, wurde sie einen Moment unsicher. Denn dieser sah sie an wie erstarrt. War ihre Wahl doch falsch? Stand ihr die Farbe nicht? Nel konnte Casca´s Gesichtsausdruck gerade nicht so recht deuten. Seine Augen wanderten über ihren Körper. Sie konnte den Blick beinahe auf ihrer Haut spüren. Doch es fühlte sich keinesfalls unangenehm oder abschätzend an. Es war mehr Verwunderung, die in seinen Augen lag und dann Wollwollen. Nelia lächelte ihn offen an, als er etwas stotternd erklärte, dass ihm gefiel was er sah. Die junge Sklavin stieß erleichtert die Luft aus.


    Nel drehte sich um die eigene Achse, kam näher und drückte ihrem Herren einen stürmischen Kuss auf die Wange. Ob das sich nun gehörte oder nicht, war ihr egal. Sie musste ihren Gefühlen Luft machen. Immer. "Vielen Dank, Herr. So was schönes hatte ich noch nie." Ja, sie ließ das Kleidchen nur zu gerne an. Ihr altes Gewand warf sich Nel über den Arm. Das konnte sie während der Renovierung tragen und danach entsorgen. Jetzt konnte sie auf die Strasse ohne sich schämen zu müssen.

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