[Tribunal] Der Prozess gegen Germanicus Peticus

  • Der Saal im Seitenflügel der Principia, der für Militärprozesse verwendet wurde, war eher schmucklos und zweckmäßig eingerichtet. Kein Vergleich zum prachtvollen Fahnenheiligtum oder dem großzügigen Triclinium der Stabsoffiziere. Stattdessen ein Tribunal mit einem Sitz für den Praefectus Urbi und ein paar Bänke für diejenigen Prozessbeteiligten, die gerade nicht zu sprechen hatten. Davor ein wenig freier Raum für den vortragenden Redner und am Ende des Raums noch etwas Platz für zuschauende Offiziere.


    Zwei Contubernien waren offenbar zur Wache abkommandiert und standen an der Tür und verschiedenen anderen Stellen des Raums auf ihren Posten. Vor allem natürlich dort, wo der Angeklagte seinen Platz haben würde. An der Tür stand zudem ein Optio der überblickte, wer alles den Raum betrat und der schließlich auch die Kameraden durchwinkte, die den Angeklagten hereinbrachte, nachdem der Ankläger und sein Adjutant bereits erschienen waren.

  • Nero Germanicus Peticus erscheint unter Bewachung. Leutselig winkt er den zuschauern zu.
    Er verneigt sich knapp vor dem Ankläger und seinem Adjutanten. Dann begab er sich zur Anklagebank und nahm Platz. Er schaute sich um, Armselig dachte er bei sich, man für mich einen großen Saal stellen müssen und nicht eine solche Besenkammer. Was sollen nur die ganzen Miles hier, denken ndie ich haue ab? Im Gegenteil , ich will aufklären und die Masken von den Gesichtern desMinors und der beiden Halunken reissen. Ich will hier als freier Mann herausspazieren, als der Sieger, da würde ich doch nicht flüchten. Zumal noch nie ein Germanicus vor irgend etwas oder irgendjamandem geflohen ist.
    Peticus erwartet den Beginn des Prozesses.

  • Als alle bis auf den Praefectus Urbi anwesend waren, gab der Optio an der Tür einem anderen Soldaten einen Wink, dieser eilte durch die Principia und wenig später machte sich auch der Praefectus Urbi auf den Weg zum Saal. Mit leicht schnarrender Stimme kündigte der Optio sein Erscheinen an und nahm Haltung an, ebenso wie es alle anderen Soldaten im Raum taten. Der Praefectus Urbi schritt gelassen durch den Saal, nahm auf seinem Sitz Platz, blickte kurz zu Ankläger und Angeklagtem und ließ sich dann von seinem Adjutanten eine Tafel reichen. "Ich bin hier, um über eine Strafe für den Miles Germanicus Peticus zu befinden", las er den Namen ab und reichte die Tafel zurück. "Ich möchte die Anschuldigungen hören." Damit fiel sein Blick auf den Ankläger.

  • Der Ankläger war gelasen wie schon lange nicht mehr, er lehnte sich zurück und wartete bis alle Beteiligte ihren Platz gefunden hatte, dann erhob er sich.
    „Ehrenwerter Richter, mein Name ist Servius Duilius Quirinalis, Procurator a cognitionibus.“ Kurz lies er sein Blicke durch den Raum schweifen.
    „Ehrenwürdiger Richter.“ wiederholte er. "Im Namen des Imperator Caesar Augustus, als Oberbefehlshaber des Exercitus des Imperiums und der Cohortes Praetoriae sowie der Cohortes Urbanae, beschuldige ich...“ Der Ankläger richtete seinen Rechten Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Angeklagten.“...Nero Germanicus Peticus, der Meuterei!Eine kleine Kunstpause um die Worte einzeln wirken zu lassen wurde hier durch den Ankläger eingebaut. „Der Insubordination!“ Wieder eine Pause. „Und des Verrates an einem Magistraten, der ihm in dieser Sache als Träger eines Imperium als Tresvir auro argento aere flando feriundo vorgesetzt war, namentlich auch als Zeuge geladen, Manius Flavius Gracchus Minor.“
    Wie eine Windbö die rauschend durch den Wald fuhr, erhob sich ein Gemurmel unter der anwesenden Zuschauermenge.Der Ankläger fuhr mit klarer deutlicher Stimmer fort.
    „Der Beschuldigte verstieß folglich gegen den Codex Militaris und verstieß im Zuge seiner schändlichen Straftaten gegen Rom auch gegen Rechte von zwei weiteren Magistraten, namentlich als Zeugen geladen, Numerius Apustius Carbonius, ein Publicanus und Tiberius Aquilianus Privatus, kaiserlicher Procurator für die Minen, denen er ihre Freiheit entzog und körperlich schädigte, strafbar nach §§ 76 Körperverletzung und § 79 Freiheitsentziehung nach Codex Iuridicialis Pars Tertia.“
    Wieder machte der Ankläger eine Kunstpause, damit seine Worte unter den Zuschauern ihre volle Wirkung entfalten konnten. Während er nun weiter sprach ging er im Raum umher.
    „Im Zuge der Komplexität dieses Strafverfahrens werde ich diese Delikte in der Gesamtheit zusammenfassen als einen groben Bruch des Codex Militaris ansehen und auf gesonderte Verfahren im Zuge der Delikte nach Codex Iuridicilais in Zuständigkeit des Praetors verweisen, denen dieser Beschuldigte auch zugeführt werden muss. In dieser Sache werde ich das Interesse des Oberbefehlshabers des Exercitus vertreten und beschuldige Nero Germanicus Peticus der Meuterei, der Insubordination und des Verrates an römischen Sitten und Traditionen. Denn er brach mit der Schutzgarantie, die wir als Urbs jenen zubilligen, die im Sinne des Volkes ein Amt ausführen, er brach mit der Schutzgarantie gegenüber einem Träger eines Imperiums, er tötete nicht nur einen Sklaven in Ausübung seines Dienstes, ohne jeglichen Befehl, sondern erhob sich über die übliche Hierachie, die Disziplin eines römischen Soldaten, gegenüber einem Magistraten, sondern erhöhte sich selbst auf eine Position eines Offiziers, er meuterte gegen die militärische Ordnung, verriet das römische Recht und tat in seiner Schändlichkeit zwei unbescholtenen Magistraten jener Mine, die unser Tresvir aufsuchte, Leid an, weil er einen privaten Verdacht hegte. Es gab keinerlei Befehl, keinerlei Anweisung durch den Tresvir oder durch seine Vorgesetzten so zu handeln. Es gilt der Grundsatz, der unsere Rechtsordnung stark gemacht hat, einem römischen Bürger darf ohne Urteil kein Leid angetan werden. Ohne öffentliches Urteil kann nicht gegen die Freiheit oder das Wohl eines Bürgers vorgegangen werden. Umso gröber ist es, dass er auch noch gegen den Grundsatz und der Sitte des Schutzes eines Amtsträgers vorgegangen ist. Flavius Gracchus Minor wird uns hierzu gleich Auskunft geben und danach die weiteren Zeugen der Anklage. Rom kann und wird diese Schändlichkeit nicht erdulden und wird sicherlich mit wachen Augen auf diesen Straftäter blicken. Er ist nichts anderes als ein Verbrecher gegen Rom, der sich aus Trotz und Bosheit selbst erheben wollte."
    Der Ankläger nahm, nachdem er nun diese massiven Vorwürfe vorgebracht hatte wieder Platz. Bereit seinen ersten Zeugen aufzurufen.





  • Peticus sah den Ankläger spöttisch an, als die Namen der Zeugen genannt wurden, umspielte ein hönisches Grinsen sein Gesicht. Er ließ sich eine Tafel reichen um den Namen des Anklägers, Servius Duilius Quirinalis, drauf zu schreiben.
    Warte ab Bürschchen, dachte Peticus, niemand redet derart über einen Germanicus, schon gar niemand der nicht aus eimem der Geschlechter abstammt.
    Abermal fixierte er den Ankläger, nun wosste er was er zu tun hatte.

  • Die Eröffnungsrede des Anklägers schien den Praefectus Urbi trotz der großen Gesten und lauten Aussprache nicht gänzlich einzunehmen, denn sein Gesicht zeigte wenig Regung. "Ich werde wohl später noch Fragen zu den genauen Tatvorwürfen haben", stellte er fest. "Doch zunächst möchte ich die Rechtfertigung des Soldaten hören."

  • Peticus erhob sich und blickte den Ankläger verächtlich und spöttisch von oben bis unten an, dann wandte er sich dem Praefectus Urbi zu. Er verbeugte sich leicht.
    "Ehrwürdiger Richter, alles was die Mann, Servius Duilius Quirinalis, von sich gibt ist entweder aus dem Zusammenhang gerissen oder schlicht und ergreifend erlogen. Man sollte ihn auffordern darzulegen mit viel er von Manius Flavius Gracchus Minor bestochen wurde!Der ehrwürdige Richter will wirklich wissen was geschah, dann höret genau zu, was ich zu sagen habe!"
    Peticus machte eine Kunstpause und schaute triumphierend in den Saal. So ihr Säcke, das war der erste Peitschenhieb ,andere werden nach und nach folgen, dachte frohlockend triumphierend.
    "Also lasst uns beginnen, es begab sich an einem trüben Morgen, das ich als ältester Miles, mit ein Trupp Soldaten, den Manius Flavius Gracchus Minor, zu einer eingestürzten Mine zu begleiteten.Bereits auf dem Wege dorthin begann der Knabe , entweder weil er völlig überfordert oder aus purer Angst, sich gewisse Substanzen einzupfeiffen, so das er nicht mehr Herr seiner Sinne war.Nun wir kamen ohne große Verzögerungen dort an, das hier irgendetwas nicht stimme sah ich sofort.Der Minor war inzwischen vom Pferd gekrabbelt. Immer noch benebelt schlurfte er in die Mine wo ihn die beiden, Gauner, Numerius Apustius Carbonius und Tiberius Aquilianus Privatus erwarteten, was ich selbst als merkwürdig empfand was das sowohl Aufseher als auch Sklaven in der zum Teil eingestürzten Mine anwesend waren."
    Wieder machte Peticus eine Kunstpause und lächelte böse.
    " Es schien beinahe als hätte sich der Minor wieder gefangen, als er angekommen, den erstellte den beiden Gaunern recht sachliche Fragen, welche nur widerwillig beantwortet wurden.Ein verdammter Hund von einem Sklaven hatte den Vorarbeiter niedergemacht und sich des Rosses bemächtigt. Hätte ich mich nicht eingemischt was meine Pflicht war , als den Minor beiseite stoßen und den Sklaven nachsetzen ,wäre der undankbare Minor jetzt Tod.Als zog ich mein Gladius und stürzte dem Sklaven hinter her, jener hatte das Ross, Ross sein lassen und sich einer Heugabel bemächtigt , zwei, ja zwei jener Aufseher standen um ihn herum und griffen ihn nicht an, das bitte muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ehrenwerter Richter, zwei gegen einen und die greifen nicht an, völlig unfassbar ,diese Feigheit. also habe ich mir den Sklaven vorggenehmen und ihm erklärt das heute ein schöner Tag zum sterben wäre, für ihn !Ich pariere mehrere Stöße und Schläge, dann schlug ich die Heugabel entzwei und mit einem kräftigen Hieb endete das armselige Leben des Sklaven.Dann begann mir der Gauner Carbonius, Vorwürfe zu machen wegen eines Sklaven, als ob man nicht tausend andere kaufen könnte? Alsdann begann der zweite Gauner Aquilianus sich einzumischen."
    Peticus drehte sich um und fasste den Minor insabschätzig ins Auge. er schüttelte nur den Kopf.
    " Die beiden Gauner wurde nun auch gegenüber dem Minor aufsässig, so as ich als sein Schutzherr , mich gezwungen sah, beide zu maßregeln ,was ich auch tat. Darauf hin provozierten beide der Art das man ihr Verhalten und das der Aufseher als beginn eines Aufstandes ansehen musste. ergo griff ich zuerst die die Aufseher an welche flüchteten.Ich bin zur Mine geritten habe die Tirones zusammen gestaucht und nach einem Schreiber verlangt, welcher alles aufzeichnet, dann befahl ich zwei Tirones ,die Häuser der beiden Gauner auf den Kopf zu stellen, den mir war am Stützbalken der Mine aufgefallen das es die falsche Holzsorte war und nicht die übliche im römischen Minenbau verwendete, ich sollte recht behalten, draussen auf einem Lagerplatz lagen Hundere von stämmen der falsche sorte, ivch schnitt jeweils ein stück heraus aus Beweis, meine beiden Tirones hatten inzwischen Truhen voller sizterzen gefunden, was nur den einen Schluss zu ließ , die beiden bescheissen Rom und den Kaiser.Ich ließ sie verhaften.Nochmals versuchten beiden den Aufstand anzufachen, jedoch durch meinen Einsatz und der Feigheit der Aufseher konnte das Schlimmste verhindert werden.Unser guter Minor hatte sich inzwischen wieder zugedröhnt und schwaffelte von Göttern."
    Peticus nahm eine Wasserkaraffe und schenkte sich eine Schale voll, des kühlen Nass ein und trank es begierig.
    " Immer noch unter Drogen stehen, sagte der Minor mir eine Anklage gegen die Gauner zu. Ich nahm auf Grund seines Zustandes die nicht sehr Ernst und damit die Dinge selbst in die hand.Ich befahl die beiden marschfertig zu binden und zu eskortierten. Der Minor wurde auf sein Ross gesetzt, ich bestieg ein weiteres. Dann befahl ich ein ein oder zwei Packpferde mit den Beweis mitteln zu beladen und zu sichern.Als dann die Truppe stand befahl ich den Rückmarsch, welcher ruhig verlief. Erst in Rom angekommen begann das Unheil, das Gaunergesindel, beschuldigte ´mich ihrer eigenen Untaten, der verräterische feige Minor fiel mir in den Rücken, ansosten würde ich nicht hier stehen."
    Diesmal machte er eine längere Pause um seine Worte wirken zu lassen, er trank noch einen Schluck des Wassers.
    " Ehrenwerter Richter, ich habe also weder Verrat, noch Insubordination und was man mir sonst noch vorwirft begangen. Ich habe im Interesse Roms gehandelt und würde sofort wiederum so handeln!Die Verräter sind Aquilianus und Carbonius, genauso ist der Minor , ob seiner Drogensucht mitschuldig.Ich plädiere für einen Freispruch erster Klasse, eine Beförderung und Versetzung, sowie eine offizielle Entschuldigung für alle Strapazen."
    Nach seinen Worten verneigte er sich vor dem Praefectus Urbi und nahm wieder Platz.

  • Auch der Vortrag des beschuldigten Soldaten schien nicht gänzlich den Nerv des Praefectus Urbi zu treffen, denn dieser rieb sich zwischenzeitlich mehrfach angestrengt den Nasenflügel. "Ich stelle eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Worten des Klägers und der Darstellung des Beschuldigten fest", kommentierte er den Vortrag und ließ ein leichtes Seufzen folgen. Er hatte wohl auf ein schnelleres Verfahren gehöfft. "Der Kläger möge daher nun mit dem Vortrag der Beweise für seine Anschuldigungen und der Befragung seiner Zeugen beginnen."

  • Der Ankläger glaubt sich verhört zu haben. Unterstellte ihm dieser Verbrecher gerade, dass er der Ankläger des Kaisers bestechlich sein? Er wollte schon aufspringen und gegen diese haltlose Anschuldigung Einspruch erheben. Doch der Richter ließ sich davon nicht beeindrucken, also warum sollte er. Die Weitere Rede des Germanicus, mit der er wohl dachte sich reinzuwaschen, verfolgte der Ankläger genau. Immer weider machte er sich Notizen. Im Verlaufe der Rede des Germanicers umspielte ein Lächeln die Lippen des Anklägers, was zum Schluss hin zu einen breiten Grinsen wurde. Als nun der Rochter ihn aufforderte seine Beweise und Zeugen vorzubringen erhib er sich also und setzte zu einer neuerlichen Rede an.
    “Nun Ehrenwerter Richter, wie ihr gerade selbst hören konntet, hat der Angeklagte all meine Ausführungen bestätigt. Er hat zugegeben, dass er sich über seinen Vorgesetzten Manius Flavius Gracchus Minor erhoben hat.” Er blickte zu dem Germanicus. “Ja Manius Flavius Gracchus Minor, war in Ausübung seinen Amtes Leiter dieser Mission. Der Germanicus hat soeben zugegeben, das er aus einer persönlichen Befindlichkeit heraus sich über Manius Flavius Gracchus Minor erhoben hat. Er erklärt ihn ohne auch nur einen Beweis zu haben für überfordert, nicht Herr der Lage. Schwingt sich auf und erhebt sich, die Befehlskette missachtend zum Vorgesetzten. Persönliche Vermutungen, ohne Beweis, rechtfertigen keinerlei Meuterei.Wie er weiter ausführte war der Minor und auch die Aufseher durchaus Herr der Lage. Sie hatten den flüchtenden Sklaven gestellt. Doch in seinem Wahn, in seiner permanenten Selbstüberschätzung, in seiner Sicht – aus welcher heraus per se alle anderen unfähig sind – drängte er sich also an den Aufsehern vorbei und tötete ohne Not den Sklaven. Dies geschah vermutlich aus purer Mordlust heraus. Die späteren Zeugen werden diese Art des Germanicus noch bestätigen.Meine Zeugen werden belegen, dass der Minor jeder Zeit Herr der Lage war. Sie werden bestätigen, dass er immer wieder versucht hat sich dem fehlverhalten des Germanicus entgegenzustellen. Das Manius Flavius Gracchus Minor um sein Leben fürchten musste, da der Angeklagte vollkommen außerhalb jeglicher Kontrolle war.”
    Der Ankläger war inzwischen dazu übergegangen wieder in dem kleinen Gerichtssaal umherzulaufen immer wieder hielt er am Tisch der Anklage an um einen kurzen Blick auf seine Noitzen zu werfen.
    “Der Germanicus führt weiter aus, dass die beiden Beamten des Kaisers gegenüber dem Manius Flavius Gracchus Minor aufsässig geworden sein. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Was der Germanicus als Aufsässig beschreibt war nichts weiter als das einfordern ihres Rechtes, immerhin hatte der Angeklagte gerade ihren Sklaven getötet und damit ihren Besitz zerrstört. Ohne eine Anweisung oder einen Befehl zu erhalten lies nun der Germanicus die Minen und Häuser durchsuchen. Was auch immer er dort fandm, ist nicht Gegenstand dieser Verhandlung. Hier geht es nicht um die Schuld der beiden Zeugen. Sondern nur um das Verhalten und die schändlichen Taten des Germanicus. Er hat sich über römisches Recht erhoben. Er hat sich nicht nur zum Vorgesetzten aufgespielt, nein er hat sich auch zum Ankläger und Richter in einer Person gemacht. All diese Vorwürfe hat der Angeklagte gerade selbst eingeräumt, diese hat er auch bei seiner Vernehmung vorgetragen. Und wie sein Denkweise ist, hat er mit der Eröffnung seiner Rede gerade bezeugt, dass er selbst aus falscher Wahrnehmung heraus, purem Unwillen und Stolz, die Hierachie gebrochen hat. Er beschuldigt ohne jegliche Beweise.”
    Der Ankläger sah nochmal kurz auf seine Tabula. “Ich rufe Manius Flavius Gracchus Minor als Zeugen auf! Er wird darlegen wie es sich alles zugetragen hat.” Ja, nun konnte der Flavius zu Wort kommen und auch darlegen, dass er in keinster Weise unzurechnungsfähig war.




  • Der junge Flavius war zum Militärtribunal für Germanicus Peticus geladen worden, was ihn nicht eben mit Freude erfüllte, da er sich doch in der Tat mitschuldig fühlte an jenem grässlichen Schicksal, welches Aquilianus Privatus und Carbonius ereilt hatte. Der Princeps hatte ihn bereits in Kenntnis gesetzt, dass beide ihm ebenfalls jene Verantwortung zuschoben, die damalig er so furchtsam beiseite geschoben hatte, was ihn nunmehr aufs Neue mit Furcht belud, mit jenen Malträtierten in Kontakt zu kommen. Fortunablerweise hatte man ihn jedoch während des Beginns des Prozesses in einem Raum der Principia warten lassen, in welchem nicht die beiden anderen Geschädigten präsent waren, sodass er ohne Absprachen das Tribunal betrat, als ein Soldat ihn zum Verhör bat.


    Der Gerichtssaal war weitaus schlichter gehalten als die Basilica Ulpia, in welcher zivile Prozesse stattzufinden pflegten, doch die Platzverteilung ließ unmissverständlich erkennen, wer welche Rolle erfüllte. Ob thronte der Praefectus Urbi, zur einen Seite stand der Ankläger, als dessen Zeuge Manius Minor fungierte, und ihm gegenüber, fortunablerweise eskortiert von zahlreichen Milites, der Angeklagte. Zuletzt war der Jüngling seiner im Officium des Tribunus Iunius ansichtig geworden, doch sein Habitus wirkte um kein Iota verändert. Hochmütig blickte er in die Runde; die Haft hatte ihn augenscheinlich nicht gebrochen.


    Ein wenig zaghaft schritt Manius Minor voran und kam schließlich just zwischen Anklage und Verteidigung zum Stehen. Er blickte fragend hinauf zu Stertinius Quartus, der nicht zu den Freunden seines Vaters zählte, sodass er ihm kaum bekannt war.

  • Stertinius Quartus wiederum wäre kaum Praefectus Urbi geworden, wenn er nicht sehr viele Leute in Rom zumindest ein wenig kennen würde. Und noch weniger wäre er Praefectus Urbi gewesen, wenn er Leute, die er einmal getroffen hat, schnell wieder vergessen würde. Also war ihm auch Flavius Gracchus Minor nicht unbekannt, denn dieser hatte wegen seines Vigintivirates im Senat vorgesprochen. "Flavius Gracchus Minor?", vergewisserte er sich daher eher pro forma, um irgendeine Antwort auf den fragenen Blick zu haben, bevor er mit einer leichten Geste auf den Ankläger deutete. "Als Zeuge der Anklage wird dich der Procurator a cognitionibus befragen."

  • Nun wandte sich der Ankläger den Flavier zu.
    „Ehemaligen Tresvir Flavius., in deiner Funktion als Magistrat Roms hast du die kaiserliche Mine kontrolliert. Bitte schildere uns was sich aus deiner Sicht zugetragen hat. Explizit, inwiefern der Angeklagte gegen deine Amtsgewalt vorgegangen ist.“ Ja der Ankläger wollte, bevor er Fragen stellte den Flavier zu Wort kommen lassen, ohne ihm Fragen zu stellen. Diese würde folgen, dann auch würde sich der Flavier zu den durch den Angeklagten gemachten Vorwürfen gegen ihn äußern können.






  • Der Jüngling nickte genant, als der Praefectus Urbi sich seiner Identität versicherte, doch schon ward er dem A Cognitionibus übergeben, welcher augenscheinlich anstatt wie erwartet einem Tribun als Ankläger fungierte, was implizierte, dass der Princeps selbst größtes Interesse an diesem Casus hegte. Dies indessen stellte keine Überraschung dar für den jungen Flavius, der ja bereits während der kaiserlichen Audienz erfahren hatte, dass einer der Beschädigten, Aquilianus Privatus, bei seinem Patron, dem Princeps selbst, Klage erhoben hatte.


    Damit jedoch stand Manius Minor vor der Frage, in welcher Weise er auf jene überaus offene Frage antworten sollte, da doch er dem Augustus bereits eine gewisse Nachlässigkeit im Amte gestanden, ja gar die Verantwortung für den Zwischenfall übernommen hatte, obschon auf der anderen Seite er es präferierte, vor dem Tribunal seine Aussage dergestalt zu konstruieren, dass sie zu einer möglichst langzeitigen Bestrafung des Beklagten beitrug, um dessen zu erwartenden Drohungen zu entgehen.
    "Nun, man trug mir auf, die Inspektion einer Grube im italischen Populonia auf mich zu nehmen, in welcher ein Unglück sich ereignet hatte. Hierzu gab Tribunus Iunius Avianus mir eine Schar von Milites der Cohortes Urbanae mit, um meinen Weg zu schützen und gegenebenfalls eine Lieferung von Kupfer vom Unglücksort zurück nach Roma zu eskortieren. Wir erreichten Populonia am Abend, wo ich Gast des Procurators Aquilianus Privatus war, welchem die Aufsicht über die kaiserlichen Pachten in dieser Region oblag."
    Diese Partie seiner Exkursion mochte unstreitig sein, sodass er sie leichtlich formulierte. Als er sich jenes Tages erinnerte, vermochte er gar die freundlichen Töne, welche zwischen Germanicus Peticus und ihm damalig noch hatten dominiert, zu memorieren, ebenso das ennuyante Gastmahl, von welchem er zeitig sich retiriert hatte. Inevitabel approximierte er sich damit jedoch den pikanten Partien, welche mit einem gedehnten Seufzen er einleitete:
    "Am folgenden Tag begaben wir uns zu Pferd zu besagter Mine, welche Numerius Apustius Carbonius als Publicanus aus dem kaiserlichen Vermögen in Pacht hatte. Selbiger empfing uns auch sogleich und führte uns an den Eingang der Grube."
    Einen Augenblick hielt der Jüngling inne, als er der zerschlagenen Leiber gedachte, welcher er auf dem Weg durch die äußeren Wirtschaftsgebäude des Betriebes ansichtig geworden war, die indessen keineswegs der gräulichste Anblick war gewesen, den er an diesem Tag zu betrachten genötigt sein sollte.
    "Wir gedachten dort soeben die Mine selbst zu inspizieren, als unerwartet einer der dortig beschäftigten Sklaven jenen Aufseher niederschlug, welcher unsere Pferde hielt, auf das Ross sprang und davon eilte. Vor Erschrecken hielten wir einen Augenschlag inne, ehe die übrigen Aufseher ihm hinterher eilten und nicht weit entfernt ihn stellten. Auch Germanicus folgte dem Sklaven und verwickelte selbigen in einem Kampf, im Zuge dessen dieser niedergestreckt wurde."
    Wieder stockten die Worte des Jünglings, als das schäumende Blut des Unglückseligen vor seinem inneren Auge aufs Neue erschien. Er blickte beinahe desillusioniert zu Peticus, gegen welchen damals er durchaus noch Respekt verspürt hatte, ehe Schlimmeres war geschehen:
    "Carbonius zeigte sich erbost ob der augenscheinlich unnotwendigen Tötung seines Sklaven, woraufhin Germanicus sich erzürnte und den Procurator wie Carbonius unflätig titulierte."
    Er runzelte die Stirne spintisierend, um den korrekten Wortlaut zu memorieren.
    "Ich meine, es handelte sich um das Schimpfwort 'Trottel'. Zusätzlich versetzte Germanicus den beiden einen Fußtritt vom Rücken meines Pferdes aus, mit dem der Sklave geflohen war und welches der Beklagte bestiegen hatte. Sodann entspann sich ein hitziger Streit, in welchem Germanicus seine Opponenten für den Einsturz der Mine verantwortlich machte, sie vehement bedrohte und tätlich und in despektierlicher Weise anging. Aus mir nicht bekannten Quellen gelangte er außerdem zu der Einsicht, beide hätten sich der Unterschlagung kaiserlicher Gelder schuldig gemacht, weshalb er schlussendlich beschied, beide als Gefangene nach Roma zu führen."
    Er blickte scheu hinüber zu Peticus, sodann wieder zu Boden. Deplorablerweise hatte der Ankläger explizit die Frage gestellt, inwiefern jener Irrsinnige sich seinem Befehl widersetzt hatte, sodass er gedehnt und unter größten Mühen fortfuhr:
    "Nun. Währenddessen versuchte ich mehrmalig vergebens, den Miles zur Räson zu bringen.
    Ich wies ihn wiederholt auf ihren Rang und Stand hin, welcher ein derart despektierliches Verhalten verböte.
    Ich ermahnte ihn ob der Konsequenzen, welche ihm drohten."

    Wieder stockte er, da die folgenden Worte, zu welchen es ihn drängte, ihm als eine schändliche Exkulpierung seiner eigenen Inkapabilität erschienen, nachdem zweifelsohne auch in jenem Szenario er den adäquaten Nachdruck und Heldenmut hatte missen lassen.
    "Ich befahl ihm mehrfach explizit, sein Handeln einzustellen. Was er jedoch zum Anlass nahm, die beiden Gefangenen noch schändlicher zu misshandeln."

  • Der Ankläger verfolgte aufmerksam die Aussage des Flaviers und machte sich eifrig Notizen. Als er nun geendete hatte, erhob er sich um noch einige Fragen, die zwar eigentlich schon beantwortet waren, zu stellen. „Ehemaligen Tresvir Flavius, es ist also richtig, dass du den Angeklagten mehrfach auf sein Fehlverhalten aufmerksam gemacht hast? Es trifft also zu, dass die Aufseher den fliehenden Sklaven bereits gestellt hatten und eine Töten durch den Angeklagten vollkommen unnötig war? Es entspricht also den Tatsachen, dass der Angeklagte die beiden Beamten des Kaisers als unfähig titulierte, sie herabwürdigte, weil sie in seinen Augen aus keiner angesehenen Familien kommen und er hat ihnen Tritte verpasst?“ Eigentlich würde das schon reichen, doch der Ankläger setzte nach. „Es ist also richtig, dass er zwei Bürger Roms, die im Auftrag des Kaisers die Mine verwalten ohne Grund gefangen genommen hat? Und das obwohl er um ihren Rang und das geltende Recht wusste, auf welches du ihn ja mehrfach hingewiesen hast? Es ist also richtig, dass er sich deinen Befehlen verweigert hat und das obwohl er dir zugeteilt war?“ Noch einmal schaute der Ankläger auf seine Tabula. „Er hat also mit vollem Wissen, die Gesetzte des römischen Imperiums mit Füßen getreten, sich über sie hinweggesetzt und sich zum Ankläger und Richter in einer Person aufgespielt?“ Der Ankläger des Kaiser blickte den Flavier nun an und erwartete eigentlich, dass er all seine Fragen mit einem deutlichen 'Ja.' beantwortete und damit die Anklagepunkte noch einmal untermauerte.







  • Hört den Text und kann nicht anders, laut fängt er an zu lachen. Dann sagt er mit fester Stimme:
    "Der Knabe lügt um seinen feigen Hals zu retten. Mir etwas befohlen, pah gewinseln hat der drogensüchtige Hund! Wollen wir einmal klarstellen, die Idioten von Aufseher hatten den meuternden Sklaven zwar umstellt ,doch nicht ein einziger war in der Lage ihn unschädlich zu machen! Ich war gezwungen einzugreifen.Ich erinnere an den großen Sklavenaufstand, Sklaven ,so sie nicht das tun wozu sie einzig da sind, für uns zu arbeiten, sind sie unschädlich zu machen. Dann haben wir so etwas drogensüchtige und feige Kerle, die einen Posten bekommen haben den sie nicht annähernd ausfüllen können, nur weil sie einen Gönner haben. Gierige Beamte ,die das Reich betrügen, es ist die Pflicht eines jedem Soldaten, bei solchen Missständen einzugreifen, ich hätte sogar das Recht gehabt alle unschädlich zumachen. ach ja die Tritte, hätten die Verbrecher, sich demütig verhalten und nicht mit frechen beleidigenden Worten mich provoziert, hätte ich sie nicht mit Tritten zur Räson bringen müssen!Es ist doch eine Farce, man stellt mich vor Gericht ,anstatt die beiden Ganoven und ihren drogensüchtigen pflichtvergessen Komplitzen!"

  • Artig nickte Manius Minor auf die erste Frage, welche der Accusator an ihn richtete, während bei der zweiteren bereits er zu zögern begann. Einerseits vermochte er kaum zu ponderieren, ob jener unglückliche Sklave in der Tat eine Bedrohung für die anderen hatte repräsentiert, ob seine Gegenwehr eine Pazifizierung der Situation impossibel hatte gemacht, doch war andererseits ihm wohlbewusst, dass jenes Faktum die Strafe des Germanicus aggravieren und damit das Risiko, ihm nochmalig bar des Schutzes des Gerichtssaales zu begegnen, senken würde. Einen Augenschlag widerstritten seine Neigungen, drängte seine Furcht ihn zu einer Aussage jenseits seiner Kompetenz und nährte seinen Zweifel, ob eine Situation wie die diese unter der flavischen Trias an Normen von Familie, Staat und Wahrheit diesmalig erstere oder letztere zu favorisieren gebot.
    "Ich vermag nicht zu ermessen, ob die Tötung des Sklaven vonnöten war, da es mir der militärischen Expertise diesbezüglich gebricht."
    , obsiegte endlich seine Redlichkeit, ehe bereits die nächsten Fragen er aufs Neue lediglich abzunicken genötigt war. Dennoch torquierten sogleich ihn wieder packte, ob nicht er ein wenig zu unbestimmt er aufgetreten war, sodass dem augenscheinlich überaus aufbrausenden Miles nicht vollständig bewusst war gewesen, welchen Irrsinn er unternahm.


    Von selbigem erhielt der Jüngling jedoch sogleich eine neue Kostprobe, als Peticus zürnend die Stimme erhob, neuerlich seinen völligen Despekt gegenüber Sklaven wie den beiden womöglich unschuldigen Opfern seiner letzten Ausbrüche bestätigte und dabei gar sich dazu verstieg, ihn selbst als berauscht, inkapabel und feige zu titulieren. Deplorablerweise musste Manius Minor konzedieren, dass sämtliche jener Beschimpfungen seiner eigenen Einschätzung der damaligen Situation entsprachen, da inzwischen er zu erkennen imstande war, wie sehr das Opium seine Sinne hatte benebelt, wie hilflos er ob dessen sein Amt hatte vollzogen und wie sehr der augenscheinliche Fluch der flavischen Gracchen auch auf ihm lag, obschon er nach Kräften sich mühte, ihm zu echappieren.
    Betrübt blickte somit er zu Boden, als träfe jene Philippica ihn zurecht, obschon sie selbstredend in ihrer Intention dennoch völlig fehlgeleitet war, da doch es einem gemeinen Miles unter keinen Umständen hätte oblegen, was Peticus vollbracht hatte. Und doch vermochte der junge Flavius keinen Protest zu erheben, seine Ehre gegen jene Unterstellungen verteidigen und auch lediglich seine amtliche Würde einfordern. Er stand schlicht da und ertrug die Verhöhnungen gleich einem reuigen Sünder in der desperierlichen Hoffnung, zukünftig ein göttergefälligeres Leben zu fristen und sein Versagen durch umso größere Mühen zu reparieren.

  • Der Flavier hatte alles bestätigt – gut er konnte nicht einschätzen ob von dem Sklaven eien Gefahr ausging, aber wenn die Aufseher ihn gestellt hatten, war die Gefahr der Flucht gebannt gewesen, alles weitere oblag dem Besitzer des Sklaven und nicht irgendeinem Miles, der sich wie ein Gockel aufplusterte und meinte der Ankläger, Richter und Henker in einer Person zu sein. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder das Recht in seine eigene Hand nehmen würde. Und dieser Angeklagte hier war Soldat, ein einfacher Soldat, dessen einzige verdammte Pflicht es ist Befehle auszuführen. Nichts weiter als Befehle auszuführen.
    Der Ankläger schaute den Angeklagten nun direkt an. Dieser demonstrierte gerade eindrucksvoll, dass er nichts von Hierarchien und Gepflogenheiten hielt. Ohne, dass ihm der Richter das Wort erteilt hätte, ohne darauf zu achte, dass er hier im Raum der Rangniedrigste war und es ihm damit gar nicht zustand irgendwem das Wort streitig zu machen redete er sich gerade selbst um Hals und Kragen. Deswegen und nur deswegen lies ihn der Ankläger gewähren. Als der Angeklagte dann endlich mit seiner Tirade fertig war, wand sich der Ankläger an den Richter. "Ehrenwerter Richter, ich glaube es ist nicht mehr von Nöten, dass der Ehemaligen Tresvir Flavius antwortet. Der Angeklagte höchst selbst hat gerade alle Anklagepunkte voll umfassend gestanden. Er hat gestanden, dass er seinen Vorgesetzten den Ehemaligen Tresvir Flavius übergangen hat. Dies tat er aus einer Überheblichkeit heraus, die er auch heute hier an den Tag legt. Für ihn gelten die übliche Hierarchie und die Disziplin eines römischen Soldaten scheinbar nichts. Ja er hat sogar gerade gestanden, dass er seiner Meinung nach die römischen Beamten hätte unschädlichen machen können. Dies ehrenwerter Richter zeigt wohl sehr eindrucksvoll, was dieser Mann dort…" Der Ankläger zeigte mit einer deutlichen Geste in Richtung des Angeklagten. "…von unserem Rechtssystem hält. Er nimmt das Recht lieber selbst in die Hand, so wie es ihm gerade beliebt. Scheinbar sind alle außer er selbst unfähig. Es mangelt ihm an Respekt, was sich darin zeigt, dass er weder Respekt vor dem Gericht, oder dem ranghöheren Flavius – den er wiederholt als Minor oder Jüngling betitelt, den er wiederholt ungerechtfertigt und fernab jeglicher Beweise als unfähig und berauscht darstellt – die Beamten des Kaisers die er in herabwürdigender Weise behandelt und tituliert hat oder gar meiner Person – unterstellte er mir doch am Anfang dieses Prozesses Bestechlichkeit und das obwohl der Kaiser höchst selbst mich bat diese Anklage zu führen.“ Der Ankläger ließ seine Worte kurz wirken bevor er nun zum finalen Stoß ansetzte. „Ehrenwerter Richter, ich verzichte darauf die Beamten des Kaisers als Zeugen zu hören, da der Angeklagte alle Punkte der Anklage selbst bestätigt hat. Sie könnten nur noch seine Aussagen bestätigen. Von daher ist es nicht nötig sie zu befragen.“ Nun sah er nochmals auf seine Tabula, bevor er seine Toga zurechtrückte und sich dann vor seinem Tisch aufbaute. „Die Punkte der Anklage wurden bestätigt. Auf jeden einzelnen Verstoß steht für einen Soldaten der Tod. Ich fordere also den Angeklagten Nero Germanicus Peticus zum Tode zu verurteilen*, sollte das Gericht dieser Strafe nicht folgen, so fordere ich, dass der Angeklagte für seine Vergehen öffentlich ausgepeitscht, unehrenhaft aus der Armee des Kaisers entlassen wird, dass ihm seine Bürgerrechte aberkannt werden und ...“ der Ankläger holte tief Luft. „...ich fordere das man ihm zum Feind Roms erklärt.“



    Sim-Off:

    *da ID's ja nicht gegen ihren Willen getötet werden dürfen, es aber bei diesen Verstößen nun mal die logische Folge wäre, dass der Soldat hingerichtet wird fordere ich die Todesstrafe



  • Beim unaufgeforderten Zwischenruf des Angeklagten zeigte Stertinius Quartus erstmals so etwas wie eine deutlichere emotionale Regung. "Der Angeklagte wird erst sprechen, wenn er dazu aufgefordert wird!" stellte er mit bösem Blick in seine Richtung fest, bevor er wieder der Vernehmung des ehemaligen Vigintivir durch den Ankläger folgte. Diese und die gesamte Beweisaufnahme der Anklage kam jedoch zu einem überraschend schnellen Ende. Trotzdem hatte Stertinius Quartus wie angekündigt noch Fragen zu den Vorwürfen. "Verstehe ich die Anklage richtig, dass sich die drei Anklagepunkte der Meuterei, der Insubordination und des Verrates allesamt darauf beziehen, dass der Angeklagte gegen die Anweisungen des ehemaligen Vigintivir Flavius Gracchus Minor gehandelt hat?"

  • Der Ankläger war erstaunt über diese Frage. Er konte nicht ganz verstehen, was nun von ihm verlangt wurde. Immerhin hatte der Angeklagte eindeutig gestanden und eigentlich war dieses Verfahren jetzt nur noch Formsache. Eine Formsache, die ihn nicht mehr emotional bewegte aber durch diese Frage musste er tatsächlich einige Emotionen verbergen. "Nicht nur. Dennoch ist eine Erörterung dieser Sachfrage nicht mehr nötig, denn der Angeklagte Germanicus hat sich soeben geständig gezeigt und sogar, aus selbst motivierten Gründen, diese Straftaten in Tateinheit begangen. Die Anweisungen des Flavius zu brechen war ein Subpunkt in der Reihe an Delikten, die hier gestanden wurden. Insubordination hat er soeben erneut bewiesen. Verrat hat er bewiesen durch falsche Behauptungen und selbstgerechte Beweisführun und die Meuterei ist offenkundig. Die Tateinheit wurde festgestellt und ich bitte darum, dass das Gericht die Aussagen des Germanicus als offenes Geständnis wertet," erklärte der erfahrene Jurist und nickte dann zum Flavius und dann zum Richter. "Danke," sagte er dann noch und holte tief Luft durch beide Nasenflügel.




  • Die Augenbrauen des Stertinius Quartus wanderten sichtlich nach oben, als der Ankläger seine Antwort begann. Glaubte denn hier in diesem Prozess jeder, einfach machen zu können, was er wollte? "Die Erörterung dieser Sachfrage ist nötig, wenn ich sie für nötig befinde!" scheute er sich allerdings auch nicht, den kaiserlichen Ankläger zurechtzuweisen. "Aber ich entnehme deiner Antwort, dass die Anklage tatsächlich anstrebt, die drei Anklagepunkte der Insubordination, der Meuterei und des Verrats gegen einen amtierenden Magistraten in Tateinheit als Bruch des Codex Militaris bestrafen zu lassen und das dazu Beweise durch Zeugenaussage vorgelegt wurden. Das Protokoll wird dies vermerken. Ich danke der Anklage für ihre Ausführungen."


    Damit würdigte er den Ankläger keines weiteren Blickes mehr und wandte sich dem Angeklagten zu. "Du hast den Vorwürfen eben bereits widersprochen. Hast du weitere Beweise für deine Unschuld vorzulegen oder Zeugen zu befragen?"

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