Wahlkampf Claudius Menecrates

  • Nach Absprache mit dem Verantwortlichen des Stadium Domitiani stand der Termin für das geplante Wagenrennen des zum Consul kandidierenden Claudius Menecrates fest. Ein Aushang am Stadion wies alle an Wagenrennen interessierten Zuschauer auf das kommende Ereignis hin.



    Bürger Roms!



    Der Senator Claudius Menecrates veranstaltet im Rahmen seines Wahlkampfes
    ANTE DIEM IV KAL NOV DCCCLXVII A.U.C. (29.10.2017/114 n.Chr.)


    ein


    WAGENRENNEN
    der besonderen Klasse.


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    Habt Vergnügen, erlebt Verzückung, findet Zerstreuung!


    Eilt also herbei, Bürger Roms! Feuert sie an, eure Helden!
    Ihr unterstützt damit gleichzeitig den Wahlkampf des ausrichtenden Senators.



  • Der Tag, auf den zuletzt hingearbeitet wurde, brach an. Seit den frühen Morgenstunden beherrschte emsiges Tun das Stadium Domitiani. An den Start gehende Lenker und die zugehörigen Pferde trafen ein. Letztere wurden von Helfern zurechtgemacht, während zwischen Trainern und Lenkern noch Renntaktiken besprochen wurden. Einige der Wagen standen bereits seit gestern für den kommenden Einsatz bereit, andere trafen zusammen mit Menecrates ein, der in Begleitung seines Sekretärs Faustus und seines Schützlings Iulius Avianus kam. Klienten, Angestellte und Sklaven folgten ihnen. Während die Klienten auf den Rängen Platz nahmen, erhielten Angestellte und Sklaven letzte Anweisungen. Es galt, Spenden zu verteilen, die Preise bereitzuhalten, die Ansagen ans Publikum zu übernehmen, später Werbetafeln hochzuhalten und vieles andere mehr.
    Noch hielt sich Menecrates im Hintergrund auf. Er wartete, bis sich die Ränge füllten und die Eröffnung des Rennens kurz bevorstand.


    Immer noch drängten Menschen ins Stadium und immer noch liefen hektisch die Vorbereitungen. Die wenigsten der Anwesenden strahlte Ruhe aus. Die einen erwischte das Lampenfieber, die anderen die elektrisierende Vorfreude auf das Rennen. Auch Menecrates ließ sich durch die Atmosphäre anstecken und spürte sein Herz schneller schlagen. Er - wie auch viele andere - sehnten die willkommene Ablenkung vom mühsamen Tagesgeschäft herbei. Für Menecrates ging es aber um noch mehr: Er wollte mit einem gelungenen Wagenrennen die Menschen begeistern und für sich einnehmen.

  • Wie schon die letzten Tage hing Manius an dem Togazipfel des wohl nächstem Consul. doch zeit um viel darüber nach zu denken hatte er nicht. Denn er war mit aufgaben zugeschüttelt worden. Hin und her war er geeilt und hatte Veranstaltern und Lenkern geredet. Die Zufriedenheit seines neuen Dienstherren war hierbei entscheidend. Denn genau genommen war er noch nicht sein Dienstherr. Diese Rennbahn vielleicht nicht so groß wieder Circus Maximus aber trotzdem imposant. Nach dem er nun die letzten Tage auch mal die Werbetrommel für das Großereignis gerührt hatte war auch er für seine Verhältnisse sehr früh aufgestanden. Seit Stunden liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren und Manius der oft zweifelte ob das alles so viel nutzte weil ja nicht die Bürger wählten sondern die Senatoren. Kam nicht um hin sich ein zu gestehen das wenn man selbst Senator war sicher wusste was das hier für ein riesen Aufriss das war. Man musste ja grade zu davon beeindruckt sein, auch als Senator.
    Manius würde auf ein Zeichen des Veranstalters mit einigen Sklaven das Verteilen der Geschenke. Oder genauer der Gutscheine über nehmen. Dazu waren in mehrere klein holzkugeln die man hälftig auseinander nehmen konnte, Gutscheine verteilt worden. Aber es gab auch welche in denen bloß Eierschalen waren. Die Pechvögel die die erwischten würden sich um sonst prügeln. Die die Glück hatten konnten die Gutscheine dann später bei einem Stand den er selbst überwachen würde eintauschen. Die Sklaven die die missilia so hießen die kleinen Holzkugeln mit schleudern in die Menge schießen würden standen schon bereit. Manius wartete nur noch auf das Zeichen des Claudius.

  • Eigentlich hatte Lucius keine Zeit sich heute einen ganzen Tag frei zu nehmen um beim Rennen zu sein. Auch wenn das heute wieder ein gesellschaftliches Großereignis werden würde und es sicher eine Gelegenheit war andere Senatoren zu treffen. War er heute hier weniger wegen des Rennens. Sein Sohn Manius hatte bei den Vorbereitungen geholfen und da wäre es wohl gesellschaftlich nicht zu vertreten gewesen wenn er sich nicht auch hierher begeben hätte. Aviana hatte keine Liebe zum Rennsport, ihr war Theater einfach lieber.


    So war er heute nur in Begleitung seines jüngsten Sohnes zur Rennbahn gekommen. Beide trugen sie heute durchwegg Blaue Kleidung. Lucius eine blaue Tunika und Toga und Tiberius eine blaue Tunika. Die Ränge füllten sich langsam und mit seinem Sohn an der Hand begab er sich zu den vorderen Sitzreihen wo die Senatoren saßen. Wie alles im Imperium waren auch die Plätze gegliedert. Vorn die Senatoren dann die Ritter dann die Bürger und alle anderen und dann ganz oben die Frauen. Wo bei natürlich nicht die Frauen der Senatoren und Ritter hinten mit den anderen Frauen saßen. Die meisten saßen bei ihren Männern. Lucius brauchte sich also seinen Weg nicht zu bahnen den vorn war es nie so voll und vom Plebs belästigte man auch keinen der Senatoren. Bevor er mit Tiberius seinen Platz einnahm holte er sich und dem Jüngsten noch einen Snack. Dann setzte er sich mit dem kleinen zu anderen in Blau gekleideten Senatoren. Auch wenn es unter Senatoren nicht üblich war das es wegen eines Rennverlauf zu Handgreiflichkeiten kam. Anders als beim Pleps wo man mit der falschen Farbe im falschen Block schon mal eins auf die Nase bekommen konnte.

  • Auch wenn es nur eine Wahlkampfveranstaltung war, so war es doch ein offizielles Rennen. Und weil es davon in Rom zuletzt etwas wenige gegeben hatte, war dies Grund genug für die Anhänger der Roten, in Scharen zum Stadium Domitiani zu kommen und die Ränge zu bevölkern. Auch wenn durchgesicket war, dass die Russata heute auf ihren besten Fahrer verzichten und nur mit zwei Gespannen antreten würde, war die Stimmung bestens und die Aussicht auf ein spannendes Rennen war wichtiger als die Aussicht auf einen sicheren Sieg ihres Stars. Zumal ihr zweitbester Fahrer Amasis auch kein schlechter war, allerdings beim letzten größeren Training eher eine schwache Figur abgegeben hatte. Für Gespärchsstoff unter den roten Anhängern war damit also auch gesorgt, um damit trefflich die Zeit überbrücken zu können, bis das Rennen begann.


  • Die Vorbereitungen näherten sich ihrem Ende und auch auf den Rängen erkannte man kaum noch einen freien Platz. Menecrates hoffte, dass bis zu seiner Eröffnungsrede klar wurde, ob die Kaiserfamilie teilnehmen würde oder nicht. Er wollte das in seiner Ansprache berücksichtigen. Nunmehr galt es aber, den Einzug vorzubereiten.


    "Faustus, Avianus, als erstes müssen die Sänger und Musikanten das Oval betreten. Ihnen folgen die Götterbilder. Koordiniert die Sklaven, damit die wichtigen Gottheiten zuerst auf ihren Bahren oder Thronen hinausgetragen werden. Vergesst nicht deren Attribute. Die Wagen, auf denen sie gefahren werden, müssen der jeweiligen Gottheit folgen. Es darf nichts durcheinanderkommen. Beachten wir die sakralen Vorschriften nicht oder bringen die feierlichen Rituale durcheinander, wird sich das ungünstig auf den Wettkampf und damit auch auf meinen Wahlkampf auswirken." Menecrates zweifelte nicht, dass seine Helfer ihr Bestes gaben, wollte aber sicherheitshalber auf die Einhaltung der richtigen Reihenfolge hinweisen.
    "Den Abschluss des Zuges bilden wir. Ihr beide werdet hinter mir in einem eigenen Wagen auffahren. Faustus, ich benötige deine Hilfe beim Opfer. Avianus, du wirst die Verteilung der Geschenke beaufsichtigen. Alles erst nach meiner Rede, versteht sich."


    Dann kam der Moment, wo sich das Tor öffnete und der dahinter wartende Zug sich an der Spitze in Bewegung setzte. Der einsetzende Jubel drang auch zu Menecrates und seinen engsten Helfern vor.
    "Es geht los", sagte Menecrates, während sein Blut schneller kreiste.

  • Alles lief in den letzten entscheidenden Tagen Schlag auf Schlag. Manchmal wusste ich nicht mehr wo vorne oder hinten war. Ich sah mich nur noch mit meiner Tabula in der Hand umher rennen, welche mit Stichwörter zu Merkpunkten bespickt war. Erleichtert konnte ich dann und wann etwas abhaken , musste aber immer noch etwas hinzufügen. Jetzt kam „Opferhilfe“ hinzu.
    Natürlich alles war geordnet gelistet und von mir aufgeschrieben, denn ich wusste wie wichtig der gut koordinierte reibungslose Ablauf war.
    Ich kam nicht mehr zu einer Antwort, denn Jubel brauste auf. Für Claudius Menecrates freute es mich sehr.
    Wenn ich nicht in der Nähe des Senators aufhalten hätte müssen, wäre ich gerne in der Zuschauermenge versunken, denn mein Ding war es nicht so in der Öffentlichkeit zu stehen.

  • Die Musikanten und Sänger strebten - ausgehend von der Mitte der gebogenen Nordseite - ins Rennoval. Sie liefen entlang der frisch aufgeschütteten Spina, winkten den Zuschauern zu ihrer Rechten zu und verbreiteten eine melodische Stimmung, die allerdings im Wettstreit mit dem Zuschauerjubel stand. Den Musikanten folgten die Träger der Statuen und Skulpturen diverser Götter, deren Attribute folgten. Götterbildnisse und Attribute fanden einen vorher genau bestimmten Platz auf der Spina. Die am Rennen teilnehmenden Wagen würden sie mehrfach umrunden.
    Zuletzt zog der Wagen mit dem Ausrichter des Wagenrennens Herius Claudius Menecrates an. Ihm folgen zwei Wagen, der eine mit Faustus, der andere mit Avianus. Rechts und links wurden beide Männer von Helfern flankiert: Faustus von zwei Opferhelfern, Avianus von zwei Sklaven, die ihm beim Wurf der Geschenke unterstützen sollten. Mehrere Säcke mit Geschenken befanden sich im Wageninnern.


    Menecrates winkte der Menge zu, während sein Wagen in gemächlichem Tempo zuerst die rechte Längsseite des Stadium passierten, den Südbogen nahm und schließlich in der Mitte der linken Längsseite zum Stehen kam. Hier befanden sich die Ehrentribünen, hier saßen die Ehrengäste, die Senatoren und Ritter. Ihnen zugewandt wollte er die Eröffnungsrede halten, die keine Rede im eigentlichen Sinne darstellte, denn sie befanden sich hier nicht auf der Rostra. Hier erwartete keiner Informationen, hier wünschte sich jeder kurzweiliges Vergnügen.


    Menecrates wartete, bis alle Götterbildnisse ihren Platz auf der Spina gefunden hatten und die Träger ordentlich aufgereiht bei den Musikanten standen. Die Ordnung einer kleinen Parade musste sein, diesen Anspruch erhob Menecates als ehemaliger Militär. Er hob den Arm und bat um Ruhe.


    "Werte Ehrengäste, werte Senatoren, meine Freunde und Bürger Roms!
    Das letzte Wagenrennen liegt lange zurück. Deswegen habe ich beschlossen, im Rahmen meines Wahlkampfes, bei dem ich für das Amt des Consuls kandidiere, zu eurer Freude und Erquickung ein solches Rennen zu organisieren.
    Ich heiße euch herzlich willkommen und freue mich, dass ihr so zahlreich erschienen seid!"

    In der Tat konnte Menecrates kaum einen leeren Platz unter den 30.000 erkennen.


    "Lasst euch von der Spannung des Wettkampfes mitreißen, nehmt meine Spenden und Geschenke an, so viel ihr wollt, und habt teil an der Opferung für Iuppiter, dem Schutzgott des Staates und der Gesetze. Ihm habe ich diesen Wettkampf geweiht, damit er uns ein spannendes Rennen ermöglicht und uns in eine friedliche Zukunft weist."


    Die Senatoren kannten Menecrates' Wahlkampfthema und die Menge wollte er nicht mit Details ermüden, also führte er es nicht weiter aus.
    "Der Rede genug: Ich erkläre den Wettkampf für eröffnet und: Der Beste möge gewinnen!"


    Ganz offensichtlich vermissten die meisten Anwesenden Ereignisse wie diese, denn der Jubel nahm teils fanatische Ausmaße an. Die Senatoren und Magistrate würden zukünftig mehr Wert auf derlei Zerstreuung legen und sich diesbezüglich auch mehr engagieren müssen. Eine Erkenntnis, die Menecrates mit in seine Kandidaturrede aufnehmen würde, die er bald würde halten müssen.
    Schließlich hob er den Arm und bat erneut um Ruhe. Die Lautstärke senkte sich langsam, aber irgendwann erschien sie Menecrates geeignet genug, einen Wink in Richtung Mitteltor zu geben.
    Das Tor öffnete sich und flankiert von Opferhelfern betrat ein weißer Stirn die Sandbahn. Üblicherweise stand ein Opfertier angekettet, aber der Claudier fürchtete um dessen innere Ruhe, wenn der Zuschauerjubel aufbrauste. Dies fand er als beste Alternative.

  • Natürlich kamen auch Sassia und Silana zu diesem Wagenrennen. Es war fast eine Pflichte, aber für ihren Großvater würde Sassia alles tun. Und wenn sie ihn unterstützen konnte, dann tat sie dies natürlich mit Hingabe.
    So stand sie nun natürlich hier auf den Rängen und jubelte gemainsam mit ihrer Schwester ihrem Großvater zu.

  • Wie auch schon bei den anderen Wahlkampfveranstaltungen seines Großvaters, war Sabinus auch hier anwesend. Anders jedoch als bei der großen Wahlkampfrede auf dem Forum, stand er nun direkt bei seinen beiden Schwestern, auch heute wieder in eine gute Familientoga gekleidet. Gemeinsam mit seinen Schwestern jubelte er seinem Großvater zu, der nun im Wahlkampf nochmal zu Formen eines jüngeren Mannes auflief, ging es doch um nicht weniger, als um das höchste politische Amt, das ein Senator erreichen konnte. Kurz schwiff Sabinus ab und stellte sich vor, wie er selbst an diesem Ort stand und sich für die hohen politischen Ämter bewarb, doch war bis dahin natürlich noch viel Zeit und Arbeit notwendig.


    Großvater sieht großartig aus, nicht wahr?


    sagte er leise zu seinen Schwestern, bevor das Rennen an sich losging.

  • Manius der heute ebenfalls auf einem Wagen in das Rund einfuhr war schon begeistert von dem ganzen Ausmaß das das hier annahm. Immerhin hätte er sich das von vor eine Woche nicht träumen lassen das er mal in einem vollem Circus auf einem Wagen einfahren würde. Der Claudius war wirklich ein Erfahrender Mann das das an ging das musste man ihm lassen.
    Die kleinen Geschenke die in dem Wagen neben ihm Lagen waren teils Wertvolle Kostbarkeiten Teils Alltagsgegenstände. Von der Prächtigen Silberschale über Tuniken aus Seide sogar ein Gutschein für eine Sänfte war dabei. Aber Statuen ein Satz terra sigillata und so weiter. Alles in allem würden die Meisten der Gewinner die Sachen wohl versilbern. Aber darum ging es wohl auch nicht.
    Die Stimmung im Circus war unglaublich anders als der Spielegeber hob Manius seinen Arm bei der Fahrt durch das Stadion nicht. Denn er war hier nur ein Helfer. Selbst wenn der Claudius am Ende nicht nehmen würde hatte er heut hier schon mal einen große Auftritt.
    Die zwei Sklaven die ihm bei verteilen der missilia helfen sollten hatten jeder eine Schleuder auf der Schulter liegen. Die Leute im Circus wussten natürlich was das zu bedeuten hatte. Die Sklaven würden mit den Schleudern die missilia in die Zuschauer schießen. Der Glücklich der eine gefangen []und behalten hatte[/u] konnte diese Holzkugel dann öffnen und mit dem Gutschein nach unten und seinen Gewinn abholen. Bei Kaiserlichen spielen war das auch schon mal eine Villa mit Landgut oder aber eben auch wie hier bei mehrere nur Eierschalen.
    Er als der Verantwortliche für die Verlosung der Preise hielt schon mal während der Claudius seine Rede hielt einen Preis hoch den er für einen der wertvollsten hielt.
    Nach dem Opfer würde er und die Sklaven die missilia wie Bonbons in die Menge schießen. Nach dem die üblichen Rangeleien um die missilia entschieden waren würde er unten an der üblichen Stelle die Preise dann gegen die Gutscheine tauschen.

  • Zitat

    Original von Claudia Sassia
    Natürlich kamen auch Sassia und Silana zu diesem Wagenrennen. Es war fast eine Pflichte, aber für ihren Großvater würde Sassia alles tun. Und wenn sie ihn unterstützen konnte, dann tat sie dies natürlich mit Hingabe.
    So stand sie nun natürlich hier auf den Rängen und jubelte gemainsam mit ihrer Schwester ihrem Großvater zu.


    Und natürlich war auch Silana hier. Zwar nicht unbedingt in bester Laune, da sie einen dicken Fettfleck auf ihrem Kleid produziert hatte. Dieser miese Krapfen aus Honiggebäck wollte einfach nicht so, wie sie wollte. Dennoch schmeckte er göttlich und lecker, so dass sie dem Krapfen verziehen hatte aber der Fleck mahnte sie stets an ihr Missgeschick. Mit neutralem Gesicht applaudierte sie und jubelte, damit man familiäre Einigkeit demonstrierte. Jeder wusste inzwischen, dass sie eine Claudia war und somit konnte sie dieser Pflicht nicht entgehen.


    Ihr Bruder sprach seine Schwestern an. "Er wirkt nicht jünger aber man sagt, dass alte Männer dem Volk als weise erscheinen," kommentierte sie frech und ließ damit ihrem Frust über den gebrochenen Krapfen freien Lauf. Ihr Großvater konnte eigentlich nichts dafür aber Silana brauchte ein Ventil, damit dieser Fettfleck sie nicht noch in weitere Gedanken verfolgte. Es war einfach ärgerlich, dass dieses Kleid sicherlich ruiniert war.

  • Der junge Gracchus hatte beschlossen, zur Toga candida heutig eine rote Tunica zu tragen, welche seine Präferenz für den Rennstall der Russata exprimierte, zu welchem sein Vetter Serenus ihn vor einigen Jahren bereits konvertiert hatte. Deplorablerweise hatte Patrokolos erst beim Verlassen der Sänfte vor dem Circus entdeckt, dass die Toga seines Herrn einen Fleck hatte, mit welchem er keinesfalls sich in der Öffentlichkeit präsentieren konnte, weshalb sie eine Weile auf Ersatz hatten warten müssen.
    Ein wenig spät war der junge Flavius somit, als er erst nach der Rede Menecrates' seinen Platz in den consularen Reihen des Circus einnahm, während er seiner Indigniertheit über die Verspätung Ausdruck verlieh:
    "Sieh nur, Patrokolos, nun haben wir die Pompa circensis verpasst."
    , klagte er seinem Diener, welcher indessen gleichmütig die Lamentationen seines Herrn ignorierte und ihn stattdessen mit knappen Worten vor einer Unebenheit im steinernen Boden der Ränge warnte:
    "Vorsicht, Kante!"
    Der so gewarnte Jüngling hob den Fuß ein wenig höher als gewöhnlich und überwand das Hindernis ohne zu straucheln, ehe er unweit von seiner Position die claudischen Schwestern erblickte und erfreut aufrief:
    "Sieh nur, die Claudii! Lasst uns uns zu ihnen setzen!"
    Zielstrebig hielt Manius Minor nun auf die claudische Gruppe zu, welche ja ebenfalls unweit der Rangklasse seiner eigenen Familie platziert war und grüßte sie:
    "Salvete! Mir deucht, ich bin ein wenig verspätet."
    Ein wenig reuevoll blickte er hinab in die Arena, wo Menecrates soeben bereits das Opfer präparierte.

  • Faustus Auswahl, das Opfertier betreffend, stellte Menecrates sehr zufrieden. Das Tier machte einen gesunden und kräftigen Eindruck, sein Schmuck fiel ins Auge. Mittlerweile war es angepflockt. Opferhelfer brachten Schalen mit Wasser für die Reinigung aller am opfern Beteiligten, so auch Menecrates. Der Stier selbst und die Tiere, die noch hinter dem Tor warteten, wurden bereits vorab einer rituellen Reinigung unterzogen.


    Als die Reinigungen samt der Gebete vollzogen waren, gab Menecrates, das Zeichen, mit dem Opfern zu beginnen. Er als Opferherr, bedeckte sein Haupt. "Iuppiter, sei geehrt durch diesen Weihrauch, sei geehrt durch diesen Wein." Weihrauch und Wein gelangten nacheinander in den Foculus. "Hiermit weihe ich diesen Wettkampf Iuppiter, möge er ihm wohlgesonnen gegenüberstehen und uns einen Tag der Freude bescheren!"


    Das erste blutige Opfer - der weiße Stier - galt Iupppiter.


    Menecrates hob die Hände gen Himmel.
    "Iuppiter, mögest du durch dieses Festopfer geehrt werden, mögest du geehrt werden durch den vorherigen Wein. Wir bitten dich, wache über uns - heute und in der Folgezeit."


    Nun konnte der Opferstecher seines Amtes walten.

  • Es war ein prachtvoller weißer Stier der da geschmückt stand und von den Opferhelfern gehalten wurde. Nach der rituellen Waschung und dem Gebet des Opferherrn Claudius Menecrates an Iuppiter, dem ich mich im Geiste anschloss.
    Nach einer gebührlichen Wartezeit stellte ich an den Senator gewandt, die Frage,
    Agene?
    Seine Antwort war wie erwartet "Age!"
    Danach trat ich zum dem Stier. Ich hatte mich dazu durchgerungen, nicht den Hammer zum Einsatz zu bringen und stieß das Opfermesser mit einem kraftvollen Stoß zielsicher in die Halsschlagader, welche vorher ertastet hatte. Der Stier war dank der guten Opferhelfer ruhig geblieben. Decimus Rubrius Lucanus, der mir auch bei dieser Opferung zur Seite stand, fing mit seinen Schalen das reichlich fließende Blut auf.
    Wir warteten bis der Stier ausgeblutete war. Die Helfer konnten dann Ketten und Seile lösen und dafür sorgen, dass er auf seinem Rücken zu liegen kam, um nach einem Bauchschnitt das Tier zu zerteilen.

  • Ein geladenes Mitglied aus der Priesterschaft übernahm die Geweideschau und Zerteilung des Stiers. Die wertvollen Stücke wurden Iuppiter zugedacht, weitere erhielten interessierte Zuschauer und Helfer kostenlos nach dem Wettkampf.


    Tachos führte wenig später einen zweiten Stier auf die Sandbahn und pflockte ihn an. Auf klirrende Ketten wurde bei ihm verzichtet. Er wirkte entspannt und sollte auch nicht durch Klirren beunruhigt werden, zumal er sicherlich das Blut seines Stallgefährten witterte. Taue und Stricke fixierten ihn auf sichere und doch erträgliche Weise. Wie bereits beim Staatsopfer strahlte Tachos dabei Ruhe aus, was sich auf das Tier übertrug. Die Zuschauer kooperierten, indem sie nur tuschelten oder im Stillen ebenfalls Gebete entsandten.


    Der rituelle Ablauf blieb der gleiche wie beim ersten Opfertier. Nachdem auch dieser Stier beschaut und zerteilt wurde, bekamen die weiteren Gottheiten einen Opferanteil, wobei die einen zusätzlich Weizen oder Wein und andere Kekse und Blumen erhielten. Das überfällige Fleisch wurde ebenfalls für das anwesende Volk zur späteren Abnahme zu den Ausgängen gebracht.


    Nach den beiden Stieren wurden noch ein Widder und zwei Hennen geopfert, bis schließlich die Opferszenerie beendet war. Offen blieb die Frage, ob die Opfergaben angenommen wurden.

  • Pina in Begleitung ihrer Zwillingsschwester befand sich in Mitte der Menge und erlebte nun die zweite Opferung des Claudischen Senators. Das erste mal, war gleich nach den Aufständen gewesen, als dieser noch Praetor Urbanus war und jetzt stellte dieser Mann sich zur Wahl als Consul. Was den Senator für Pina einnahm war, dass er ein Mann im reiferen Alter war. Er hatte bestimmt schon viel erlebt, so dass er Lebenserfahrung besaß. Zu schmeicheln schien ihm nicht zu liegen, für sie wirkte er eher offen und gerade heraus, ein Mann der Tat. War er nicht sogar Legatus Legionis in Germanien gewesen? Dann wäre eins seiner Ziele im Consulat, die innere Sicherheit, bei ihm in guten Händen. Wenigstens empfand sie es so. Sie bemerkte, dass ihre Gedanken abschweiften, dabei wollte sie doch bei der Opferung bleiben. Juppiter, ja bleibe uns gesonnen und wache über uns, damit das Wagenrennen geschützt bleibt, schloss sie sich dem Gebet des Senators an.

  • Mit Absicht wurde Sisenna später zu den Spielen gebracht. Ihre letzte Teilnahme an einer blutigen Opferung wäre fast in seinem Desaster geendet. Als sie in Begleitung ihres Sklaven Sofian und einem Angestellten ihres Onkels namens Plato erschien, wurde gerade der ersten Henne der Kopf abgeschlagen. Das weiße Geflügel hopste ohne Kopf und machte seltsame Zuckungen, bevor es zusammenbrach. Iuno sollte es erfreuen, Sisenna entsetzte es. Sie schlug die Hände vor das Gesicht und bemühte sich, keinen Laut aus dem geöffneten Mund entweichen zu lassen. Sie wusste, wie wichtig die Veranstaltung für ihren Onkel war und wie leicht eine Störung eine Opferung misslingen lassen konnte.
    Sie ließ sich an den Schultern zu ihrem Platz führen und setzte sich, ohne die Hände herunterzunehmen.

  • Sila begleitet ihre Schwester natürlich, auch wen sie sich eigentlich nicht für Wagenrennen interessiert, wollte sie nun doch mal den Mann kennenlernen, der Consul werden wollte. Pina meinte ja, dass er ein älterer erfahrener Senator war. Nun Sila wollte sich ihr eigenes Bild machen.
    Und außerdem konnte sie sich ruhig auch mal wieder in der Stadt sehen lassen. Nur auf dem Landgut sitzend oder zu Hause hockend, lernte man schließlich auch potenziellen Ehemann kennen. Und so langsam lief ihre Uhr ja auch. Natürlich war sie noch am Anfang des heiratsfähigen Alter, aber lieber zu früh, als zu spät um die Zukunft kümmern, war ihr Motto.

  • Die Pflichten des Pitholaus - Angestellter im Hause Claudia - teilten sich am heutigen Tag in die Begleitung der Nichte Sisenna und in die Verteilung von Spenden. Es schien, als würden an jeder Ecke des Stadiums Spenden verteilt werden. In die Planung eingeweiht, wusste Plato, dass nach der Opferung Gewinnkugeln und Münzen in die Zuschauermenge geschleudert werden. Die später einzulösenden Lose bargen Überraschungen, teils solche mit erheblichem Gewinn, teils solche mit Nieten.
    Das nicht den Göttern gespendete Fleisch sollte im Anschluss an den Wettkampf interessierten Besuchern angeboten werden. Außerdem wurde wieder Brot verteilt, Trauben, Gemüse und Wein. Plato beaufsichtigte die Fleisch- und Brotverteilung. Er teilte die Sklaven ein und würde später sowohl für Nachschub als auch für die richtige Standortwahl sorgen.


    Sim-Off:

    WiSim - Spenden Teil II

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    MAGISTER NAVIS - HERIUS CLAUDIUS MENECTRATES

    VILICUS - HERIUS CLAUDIUS MENECTRATES

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