Atrium| Ein neuer Anfang

  • Nachdem sie bei dem großen Grab der Familie gerastet und den Ahnen gedacht hatten war sie nun endlich in Rom. Die Duccia hatte den Wagen verlassen er wurde erst in den Abendstunden das Haus erreichen. So war sie am Stadttor in eine Sänfte umgestiegen und nun warne sie hier, am Domus Annaea. Nichts mehr erinnerte an die Vorfällen während den Sklavenaufständen. Nicht mehr war davon da, außer die Erinnerungen der Duccia. Sie atmete einmal tief durch, bevor sie der Sänfte entstieg. Ein Sklave des Hauses kam ihnen auch schon entgegen. „Dominus, Domina. Willkommen.“ Die Germanin nickte dem Sklaven zu und drehte sich zu Florus um. „Ja willkommen in deinem Zuhause.“ Sagte sie und deutete ihm an, dass er als erster das Haus betreten sollte. Das Atrium erstrahlte wieder im vollen Glanze, hier war wirklich ganze Arbeit geleistet worden, nichts wirklich nichts mehr erinnerte an den Überfall. Das Feuer welches die Aufständischen gelegt hatten war schnell gelöscht worden, so dass nur ein paar unbedeutende Kleinigkeiten beschädigt worden waren.

  • Auch ich war kurz vor dem Stadttor in eine Sänfte gestiegen und hatte mein prächtiges Pferd mit dem Wagen zusammen vor der Stadt gelassen. Der Fuhrmann wusste genau, wo man solche Tiere unterbringen könnte und wie dies zu geschehen hatte. In Rom kannte ich mich überhaupt nicht aus, ich war ja praktisch wirklich ein behütetes Landei. Daher war ich froh, dass wir in der Gens immer treue und gute Sklaven und Freigelassene hatten. Wir behandelten sie auch immer gut, so dass es fast undenkbar war, dass unsere eigenen Leute sich gegen uns wenden würden.


    Danke für das Willkommen antwortete ich, als ich meiner Sänfte entstiegen war. An die Anrede als Dominus musste ich mich noch immer gewöhnen. Es waren erst wenige Wochen vergangen seit ich diese Position durch meine Volljährigkeit erlangt hatte und entsprechend angesprochen wurde.


    Wasser bitte für die Domina und mich, sowie für die Sänftenträger! befahl ich in freundlichem Ton. Es war ein warmer Frühlingstag und die Erfrischung war sicherlich mehr als willkommen.


    Dann schaute ich mich im Vorhof um. Alles sah nagelneu und frisch geputzt aus. Nirgends war etwas von den grässlichen Ereignissen der Vergangenheit zu sehen.


    Nachdem uns ein erster Schluck Wasser gereicht worden war und ich sichergestellt hatte, dass auch die Sänftenträger verpflegt wurden, nickte ich Sorana zu und betrag das Haus. An der Schwelle hielt ich kurz inne, bedankte mich bei den Haus- und Familiengöttern für die gute Reise und wünschte uns ein herzliches Willkommen, dann betrat ich mit dem rechten Fuss zuerst die Domus, so wie es mir beigebracht worden war.

  • Das Haus hatte sich nicht verändert. Im Gegenteil es war alles so hergerichtet wie immer. Nichts erinnerte mehr an die Vorfälle und dennoch hatte die Duccia ein unwohles Gefühl, als sie nun wieder über jene Schwelle trat. Sie musste einen Moment stehenbleiben und sich am Türrahmen festhalten. Den just in dem Moment, als ihr Blick ins Atrium fiel, kam die verdrängten Bilder wieder hoch. Tief atmete sie durch und straffte sich dann um hinter dem neuen Hausherren das große Haus zu betreten. „Salve Dominus, Domina. Ich freue mich euch hier in Rom begrüßen zu dürfen.“ Sagte der Verwalter des Hauses. „Die Zimmer sind hergerichtet. Eure Sache werden gleich rauf gebracht.“ Nun stand der Mann da und warte auf Anweisungen. Er war auch bereit mit dem neuen Hausherren eine Führung durch das Haus zu machen, sofern, die Duccia das nicht selbst übernehmen würde. Sorana wandte sich an Florus. „Ich würde gern einen Moment in den Garten gehen. Meinst du du kannst kurz auf mich verzichten“

  • Da ich zuerst das Haus betreten hatte, konnte ich natürlich nicht sehen, wie es meiner Tante ging. Als sie mich dann ansprach drehte ich mich zu ihr um und erkannte, dass sie kreidebleich war.


    Natürlich Tante. Lass dir ruhig Zeit.
    Es wäre aber schön, wenn wir danach möglichst bald unsere Besuche abstimmen könnten. Es gibt bestimmt viele Leute die wir besuchen sollten und viel zu tun, damit die Familie wieder richtig platziert wird in der Gesellschaft. Kommst du in mein Arbeitszimmer wenn du so weit bist?


    Die Frage war eigentlich mehr als Aufforderung gedacht, doch die Höflichkeit verlangte nach einer Frage. Dann wandte ich mich dem Verwalter zu.


    Salve. Ich denke, ich könnte nun gut eine kleine Führung ertragen, damit ich mich nicht verlaufe nachher.

  • Im Atrium sammelten sich sofort die Sklaven des Hauses. Ich erklärte ihnen was ich wusste und verteilte die Arbeiten.


    - Einige sollten in der Speisekammer sehen, worauf die Familie im Moment verzichten könnte. Vorallem frische Produkte sollten für die Ausgabe vorgesehen werden, eingelegte Früchte und geräucherter Fisch und Fleisch sollten hingegen für den absoluten Notfall eines längeren Ausfalles für uns gesichert werden.


    - Handkarren und Tische sollten für den Transport und das Verteilen auf dem Forum vorbereitet werden.


    - Holztafeln sollten gesucht, weiss bemalt und dann beschriftet werden.


    - Die Sklavinnen des Hauses sollten beauftragt werden sparsam mit den eigenen Esswaren umzugehen.


    - Die stärksten 10 Männer sollten mir auf das Forum begleiten und jeweils einen Stock mitnehmen.


    - Alle dann noch verfügbaren Männer sollten zu den Bäckereien gehen und dort die hoffentlich schon bestellten Brote abholen.


    In kurzer Zeit wurde so eine Aktion auf die Beine gestellt, welche vermutlich einige Wahlkämpfer hätte erblassen lassen. Doch daran dachte ich im Moment nicht. Hunger in Rom war schlimm und es gab tausende Personen, welche auf die täglichen Einkäufe frischer Waren angewiesen waren, da sie sonst nichts zu Essen hatten. Was ich bieten konnte, wollte ich tun, doch ich wusste, es war viel zu wenig.

  • Der Sklave vom Eingang geleitete den neuen Gast ins Atrium und bot ihm dort vom immer bereitgestellten Wein und Obst an.


    Wartet hier, Herr, ich hole den Dominus. sagte er und verschwand.

  • Das war eine noble Hütte. Titus sah sich um. Drehte sich im Kreis. " Ja." meinte er ganz abwesend. Vorsichtig stellt er seine Kiste auf den Boden. Wein und Obst. Titus setzte sich und griff nach einem Apfel. Er wischte ihn an seiner Tunika ab. Ein herzhafter Biss. Kauend sah er sich um. Im Sitzen wirkte alles noch geräumiger und größer.

  • Ein Gast war mir angekündigt worden, nein, kein Gast, ein Familienmitglied. Das hatte mich sehr erstaunt, war ich doch davon ausgegangen, dass ich der letzte lebende Annaeus war. Umso schneller schritt ich ins Atrium.


    Salve, mein Name ist Lucius Annaeus Florus Minor. Ich bin der Hausherr. begrüsste ich den jungen Mann der vor mir stand.

  • Schritte au dem inneren des Hauses. Titus stand auf. Der Apfel war fast aufgegessen. Wohin mit dem Rest? Ach er behielt ihn einfach in der Hand. " Salve. " Titus überlegte. Annaeus Florus Minor? Nicht sein Onkel. " Salve, ich bin Titus Annaeus Trabea. Sohn des Appius Annaeus Accanius, Bruder von Lucius Annaeus Florus." Titus musste Luft holen. " Wenn du der Hausherr bist, dann ....ja dann...bist du dem Namen nach zu urteilen der Sohn von meinem Onkel und ich bin dein Cousin." Vollkommener Durchblick. Titus war stolz auf sich. " Ich habe keinen Brief oder so. Mein Vater hat in seinen letzen Tagen viel von Rom und Onkel Lucius Annaeus Florus erzählt. Onkel Lucius wäre jetzt so zusagen mein rettender Strohhalm. Aber wie es aussieht..." Titus wusste nicht wie es weiter gehen sollte.

  • Der junge Mann wirkte nervös, fast so wie ich, als ich meine ersten Schritte in der Erwachsenenwelt gemacht hatte. Bei den Göttern, das war ja erst wenige Wochen her!
    Trabea schien ungefähr gleich alt zu sein und seine Worte der Vorstellung bestätigten mir dies.


    Ein Sohn des Accanius? dachte ich mir. Oh, er musste wohl Accianus meinen, einen der beiden Brüder meines Vaters. Ich sprach das nicht aus sondern dachte es nur. Vielmehr ging ich auf seinen letzten Satz ein. Dass sein Vater viel von meinem Vater erzählte erschien mir normal, ich wusste auch einiges über Accianus.


    Rettender Strohhalm? Weswegen denn. Derweil spielte der junge Trabea verlegen mit dem Rest eines Apfels.


    Du kannst den Rest des Apfels einfach da auf das silberne Tablett zum Wein und neben die Schale mit dem Obst legen. Die Sklaven werden nach unserem Gespräch sowieso beides erneuern.


    Doch nun erzähl, was ist denn los? Dass Accianus verstorben ist, das weiss ich, aber dass er einen Sohn hatte in meinem Alter, davon wusste ich nichts.

  • Verdammt der Rest vom Apfel. Titus legte ihn schnell auf's Tablett. " Ja, eine hat's geschafft und ihn dazu gebracht sesshaft zu werden. Aus dieser Verbindung bin ich hervor gegangen.
    Es war zwar nicht immer einfach mit meinem alten Herrn. Trotzdem hat er mir , soweit ich zurück denken kann, alles an Bildung und Erziehung angedeihen lassen was finanziell möglich war. "

    Ich will jetzt hier in Rom beweisen, dass er das Geld nicht zum Fenster raus geschmissen hat." Mehr gab's da nicht zu erzählen. " ...und ich sollte mir ein Beispiel an Onkel Lucius nehmen..."

  • Der letzte Satz machte mich doch ein wenig stolz.


    Ja, das habe ich in der Zwischenzeit auch schon häufiger gehört. Mein Vater scheint ein sehr angesehener Mann gewesen zu sein. Leider konnte ich ihn nicht mehr wirklich kennenlernen. Er starb viel zu früh.


    Ich überlegte einen kurzen Augenblick, was denn nun zu tun sei.


    Also dann. Hier in der Domus ist genügend Platz. Früher lebten ja auch zwei Vettern hier, das können wir problemlos auch so handhaben. In diesem Sinne also herzlich willkommen in der Familie.


    Da ich selbst aber auch noch am Anfang meiner Karriere stehe und mein Netzwerk in Rom auch noch im Aufbau begriffen ist, fürchte ich, dass ich dir nicht unbedingt wahnsinnig viel helfen kann. Ich kenne natürlich den einen oder anderen Senator und Tante Sorana, verzeih, Duccia Sorana, die Witwe meines Onkels Kaeso Annaeus Modestus, wird dir sicherlich auch behilflich sein wo sie kann, doch wirklich viel wird da wohl kaum möglich sein.


    Welchen Weg stellst du dir selbst denn vor?

  • Man hatte sie natürlich informiert, dass ein Gast eingetroffen war. Da sie gerade im Garten gewesen war um dort entspannender Gartenarbeit nachzugehen, brauchte sie nun einen ganze Weile um sich in einen Vorzeigbaren Zustand zu bringen. Aber nun betrat die Duccia elegant wie man es von einer römischen Matrone erwartete das Atrium. „Salve, ich hoffe ich störe euch nicht.“ Grüße sie die Beiden jungen Männer. „Florus du hast mir gar nicht gesagt, das wir einen Gast erwarten.“ Sagte sie lächelnd und begrüßte dann den anderen jungen Mann. „Salve, meine Name ich Duccia Sorana. Mit wem habe ich das vergnügen?“

  • Florus Minor wollte es ja sofort wissen. Titus war sich nicht sicher, vor allem heute und jetzt nicht. " Ich...." Erneut Schritte. Ein Blick an Florus Minor vorbei, eine Frau tauchte auf. Sie stellte sich als Duccia Sorana vor. Die Gelegenheit von der Frage abzulenken, wie es weiter ging. " Salve Duccia Soranna, ich bin Titus Annaeus Trabea, Verwandter dritten Grades von Lucius Annaeus Florus Minor. Ich freue mich dich kennen zulernen." Klippe erfolgreich umschifft. Titus wusste nicht wie und wo und was, er musste erst mal ankommen.

  • Ich war froh, dass unsere Sklaven so gute Arbeit leisteten, dass sie auch gleich Sorana informierten, als der Gast angekündet worden war. Solche Hilfe konnte man wirklich gut brauchen!


    Sorana, Trabea war nicht angekündet, daher wusste ich auch nicht, dass er kommen würde. Wie du weisst, nahm ich bisher an, ich sei der letzte lebende Annaeus. Umso froher bin ich nun, diese Annahme falsch war!


    Was meinst du, wir können unmöglich unseren Neuzugang von der geplanten Cena fernhalten, oder? Da muss er natürlich schon dabei sein.

  • „Natürlich wird er an der Cena teilnehmen. Ich freue mich ebenso, dass es nun wieder zwei Annaer gibt. Familie ist immer wichtig.“ Sagte sie und rief einen der Sklaven herbei. Dieser bekam die Anweisung umgehend ein Zimmer für den Neuankömmling herzurichten. „Ich hoffe ich übergehen deine Wünsche nicht Trabea, aber ich nehme doch an, dass du hier leben wirst?“ Fragte sie mit einem mütterlichen Lächeln. „Ich habe eure Gespräch gerade unterbrochen. Worum ging es?“ Fragte sie nun voller Neugierde.

  • Primär ging es genau um diese Frage. Wo er zu leben gedenkt. Und dann natürlich auch, was er tun wolle. Aber zuerst soll er jetzt einmal ankommen und sich hier wohl fühlen!


    Auch ich rief einen Sklaven herbei und gab ihm den Auftrag, für den Rest des Tages sich um die Anliegen von Trabea zu kümmern.

  • Ein heftiges Nicken beantwortete, dass er hier bleiben wolle, wenn nichts dagegen sprach. " Was tun? Was mit Militär oder so." Auf die Ausbildung hatte sein alter Herr den meisten Wert gelegt. " Wo und wie das abläuft, muss ich mich erst kundig machen."


    Heute hatte er seine erste Etappe geschafft. Verwandte und ein neues Zuhause gefunden. " Kann ich mich hier säubern?" Titus sah an sich herunter. Die calligae hatten es hinter sich. Die neusten waren es nicht gewesen. Den größten Teil des Weges hatte er auf einem Ochsenkarren zurück gelegt. Den Rest war er gelaufen. Seine Kleidung und er sahen entsprechend aus.

  • Selbstverständlich wirst du hier entsprechend versorgt werden. Die Thermen des Titus befinden sich ganz in der Nähe, falls du einen Gang in die öffentlichen Thermen machen möchtest. Für weniger anspruchsvollen Genuss haben wir auch das hauseigene Bad.


    Einige Anweisungen gab ich noch an den Sklaven weiter, damit dieser wusste, dass Trabea in gleichem Masse behandelt werden solle wie ich oder Sorana, was Komfort und Ausstattung anging.


    Über die Zukunft können wir sicherlich auch später noch reden. Die Legio könnte natürlich ein Weg sein, wenn du das möchtest. Vielleicht können wir da ja auch bei der kommenden Cena mit jemandem reden.

  • Die Sklaven kümmerten sich nicht nur um die Bedürfnisse des Neuankömmlings sondern richteten auch ein Zimmer her, das die Duccia abnahm, hier und da noch was änderte bis sie gänzlich zufrieden war. Sie freute sich, dass sich das Haus so ganz langsam mit Leben füllte.

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