Auf dem Weg durch die ewige Stadt

  • Der gebürtige Grieche Hierophilus, der seit ein paar Jahren in der ewigen Stadt Rom lebte, hatte die Stadt durch die Porta Ostiensis betreten. Begleitet wurde er von den beiden Sklaven, die eine Truhe mit den Schriften trugen, die der griechische Medicus für seinen Lehrmeister Soranus in Ostia abgeholt hatte. Vorbei an diversen prachtvollen Grabmälern und der Cestius-Pyramide nahm er den direkten Weg in das Zentrum Roms. Er streifte den Circus Maximus und hielt auf das flavische Amphitheater zu. Er unterquerte den Arcus Neroniani der Aquae Claudia. Das Flavische Theater war wirklich ein beeindruckendes Gebäude. Hierophilus umrundete es im Süden und ging dann ostwärts. Aus dem Ludus Magnus erklangen Kampfgeräusche und die Anweisungen des Lanista.
    Hierophilus bog am Armmentarium des Amphitheaters nach Osten ab und schließlich nach Norden um Tempel der Isis.


    Das Haus seines Mentors und Lehrmeisters lag hinter dem Tempel der Isis zu Füßen des Esquilin. Wie immer traf Hierophilius in der Gasse am Isistempel die übliche interessante Mischung aus Sklaven, Frauen und fremdländischen Menschen an, die den Tempel zum Gebet oder für Orakel und Zauberpraktiken aufsuchten. Er durchquerte noch die Haine zweier luxuriöser Villen, wie sie überall am und um den Esquilin zu finden waren, dann stand er vor dem klassischen Atriumhaus des Soranus.

  • Beeindruckt und teilweise mit offenem Mund liegen Alpina und Ursicina durch die ewige Stadt. Am Stadttor hatte man Alpina schon einen Hinweis gegeben wo sie die Casa Iulia finden würde. Auf dem Mons Esquilinus hieß es. Nun, Rom hatte 7 Hügel, das wusste jedes Kind. Doch welcher davon war der Esquilin?


    Die Stadt war gigantisch. Innerhalb der Stadtmauern wuchsen die Häuser in die Höhe. Es war laut und dreckig. Überall drängten sich Menschen. Alpina wurde mehrfach angebettelt und am Ärmel gezogen. Entsetzt über die Dreistigkeit der verarmten Bevölkerungsteile, die ihr Leben auf der Straße zubrachten, zog die Raeterin das Kind an sich und hob es hoch.
    "Mama, so laut habe ich mir Rom nicht vorgestellt. Und so viele Menschen! Ich habe Angst, Mama!"


    Alpina beruhigte das Kind. "Es ist alles gut, Ursi. Ja, ich wusste, dass Rom riesig ist, aber so groß und dreckig hatte ich es mir nicht vorgestellt. Aber halt dich nur gut bei mir fest, dann wird alles gut! Wir sind bald bei Marcus Iulius Licinus und Esquilina."
    Schwer bepackt mit Rückentrage und Kind stapfte Alpina voran.


    An jeder Kreuzung fragte sie wo es zum Esquilin ginge und langsam aber sicher näherte sie sich dem Mons Esquilinus. Hier wurde es ruhiger und die Anwesen waren gepflegter. Alpina überquerte einen Wasserlauf. Wieder fragte sie jemanden, dieses Mal direkt nach der Casa Iulia. Der ausgestreckte Finger wies auf ein prächtiges zweistöckiges Gebäude. Beeindruckt stieg Alpina mit Ursicina die Stufen zur Porticusvorhalle hinauf.

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    Nach dem rauchigen, warmen und stickigen Inneren der Taverna Aspicia, tat es über die Maßen gut wieder ins Freie zu kommen und kalte klare Luft in die Lungen zu saugen. Caesoninus' Kollegen von vorhin waren natürlich schon längst weg, sodass Caesoninus und Glaucon alleine durch Rom wandeln würden, ehe sie den Esquilin und dort den von Glaucon herbeigesehnten Barbier erreichen würden.


    Nun, da sie unterwegs waren, war Caesoninus bereit den Gesprächsfaden ihrer Unterhaltung wieder aufzunehmen. "Um als Pontifex ins Kollegium berufen zu werden, benötigt man den Ordo Senatorius und einigen Einfluss, was ich jedoch beides noch nicht besitze. Wer weiß, vielleicht bin ich einmal eines Tages sogar Pontifex, doch gewiss erst nachdem ich in den Senat berufen wurde und dahin gelangt man nur über die Stufen des Cursus Honorum, wie du sicher weißt." nahm er ganz selbstverständlich an. Jeder Römer kannte immerhin die altehrwürdige Folge der Ehrenämter, die Rom schon gekannt hatte, als damals, vor Jahrhunderten der Karthager Hannibal vor den Toren gestanden, oder König Phyrus seinen fatalen Sieg errungen hatte. "Ich denke daher, dass ich den Zorn meiner Götter nicht fürchten muss. Aber sag einmal, welche Götter betest du eigentlich an? Du sagst du heißt Glaucon und kommst aus Germanien. "Glaucon" klingt für mich zumindest Griechisch und nicht Germanisch, also musst du zu Gottvater Zeus beten, oder? Ich habe schon gehört, dass die Olympischen Götter rachsüchtiger und emotionaler sind als unsere römischen Unsterblichen, liege ich da richtig?" fragte er interessiert.

  • Endlich frische Luft! Entspannt schritt ich an Caesoninus Seite durch die Stadt. Erschlagen von den Eindrücken viel es mir schwer Caesoninus Worten zu folgen. Ständig musste ich darüber nachdenken, wer in welcher Zeit all diese Häuser errichtet hatte? Und überhaupt war es mir völlig unverständlich, dass all diese Leute scheinbar sogar genug zu Essen hatten. Als Caesoninus mich auf meine Religion ansprach, würde ich schlagartig wach. So so Ordo Senatorius... Ich glaube du solltest besser nach Mogontiacum gehen. Hier kann man als freier Mann mit dem Bürgerrecht Pontifex werden, wenn man sich um die Stadt verdient gemacht hat. Na wäre das was für dich?Witzelte ich vor mich hin, um dann auf Glaucons Namensbemerkung einzugehen Ob der Name Glaucon griechischen Ursprungs ist? Ich glaube kaum. Ich komme doch aus Germanien. Was die griechischen Götter treiben und wie, ist mir ziemlich egal! Ich huldige den germanischen Göttern meiner Vorfahren und sonst niemandem!Log ich entschlossen vor, denn wer glaubt schon an so schwache Götter, die von den römischen in kürzester Zeit besiegt wurden.

  • Caesoninus musste schallend lachen, als Glaucon ihm vorschlug, er solle in dieses Mogontiacum, um Pontifex zu werden. Diese Vorstellung war doch einfach nur zu lächerlich für ihn. "Ich und Rom verlassen, um in Mogontiacum Priester zu werden! Was soll ich denn in diesem Provinznest am Ende der Welt, wo ich doch schon in deren Zentrum zuhause bin?" kicherte er immer noch eine Weile. Mogontiacum, er hatte noch nie zuvor von dieser Stadt gehört. Was das wohl für ein Ort war? Vermutlich so ein kleines Dörfchen aus Lehmhütten, in dem die Leute alle in einem Raum schliefen und das Vieh in der Küche lebte. Kein Ort für wahre Römer wie ihm jedenfalls. Nein, Caesoninus sah keinerlei Grund jemals die Alpen zu überqueren, um sich so etwas in Germanien anzutun. Wenn schon, dann würde er vielleicht jedoch einmal die Reise in den Norden antreten, um Gallien zu sehen. Das war etwas völlig anderes. Gallier waren schon vor 100-200 Jahren halbwegs zivilisiert gewesen (zumindest für Barbaren) und so konnte er auch all die Orte besuchen, die im Gallischen Krieg seines großen Idols CAESAR von Bedeutung gewesen waren.


    Was Caesoninus auffiel war, dass die Religion vermutlich ein wunder Punkt bei Glaucon war, denn er reagierte unerwartet schnippisch auf seine Frage nach dem Wesen der Olympier. Vermutlich aber auch nur verletzter Germanenstolz oder so. "Tut mir leid, falls ich dich beleidigt haben sollte. Natürlich achte und respektiere ich die Glaubensansichten anderer Menschen, immerhin kennt niemand von uns Sterblichen alle Antworten auf die Fragen des Lebens, wenn ich auch zugeben muss, dass ich über die germanischen Glaubensbräuche so gut wie nichts weiß. Aber vielleicht kannst du das ja für mich ändern?" fragte er darauf abzielend, ihr durch Glaucons Aufbrausen offenbar leicht in Schieflage geratenes Gespräch wieder gerade zu rücken, indem Caesoninus Interesse für die germanischen Götter bekundete. Außerdem schadete es nie, wenn man Neues dazulernte.
    Mittlerweile waren sie beim Haus der Vestalinnen beim Forum Romanum angelangt und die Ausläufer des Esquilin lagen direkt vor ihnen.


    Sim-Off:

    Und prompt die Gebote 1, 2 und 9 gebrochen, ui. :D

  • Caesoninus Worte beruhigten mich. Insbesondere die Tatsache, dass er nicht weiter nach bohrte senkte den Puls doch erheblich. Ist schon gut. Ich rede einfach nicht gerne über so private Dinge wie meine Religion. Aber wenn wir demnächst den ein oder anderen weiteren Wein schlürfen, überlege ich es mir vielleicht anders.Deutlich beruhigt lachte ich Caesoninus an. Getrunken wird wohl ohnehin in jeder Religion.


    Eine Weile waren wir nun schon durch die Stadt geirrt. Da wir uns in der Taverne deutlich verquatscht hatten, war es schon später Mittag. Ich machte mir langsam Sorgen. Schließlich wollte ich nicht nur noch zum Barbier, sondern anschließend auch noch zum Curator. Etwas aus der Puste fragte ich daher bei Caesoninus nach. Wie weit ist es eigentlich noch zum Barbier. Ich hab das Gefühl du willst heute noch nach Gallien.


    Sim-Off:

    Nun ja ähm...Aber nicht weiter sagen! ;)

  • Grinsend schüttelte Caesoninus den Kopf. Dieser Glaucon war schon ein schräger Kerl. Hieß es nicht normalerweise, dass Germanen große Geschichtenerzähler waren die mit Inbrunst jedem ihre Götter- und Heldengeschichten erzählten, der bei Drei nicht am Baum war? Aber ja, natürlich war das nicht jedermanns Fassion.


    Als Glaucon dann nachfragte wie weit es noch sei antwortete er ihm: "Oh, es ist nicht mehr weit, nur noch den Rest des Esquilins hinauf." Witzig, dass er Gallien erwähnt hatte, wo ja Caesoninus selbst gerade noch an jenen weit entfernten Landstrich des Erdkreises gedacht hatte. Ob er woll Gedankenlesen konnte?


    Mittlerweile waren sie wirklich fast am Ziel. Gerade kamen sie durch eines der besseren Wohnquartiere Roms. Dabei kreuzte ihr Weg auch die iulische Heimstatt. Im Vorbeigehen wies Caesoninus darauf und sagte Glaucon: "Dies ist die Domus Iulia am Esquilin. Meines und aller Iulier Zuhause hier in Rom. Falls du einmal etwas brauchen solltest, kannst du jederzeit an diese Türe klopfen, ich werde dir dann gerne weiterhelfen." bot er ihm spontan aus einem freundschaftlichen Akt heraus an. Dann wies er auf den Weg vor sich und erklärte: "Bald schon wird sich die Straße um uns herum verändern, dann kommen wir in ein Handwerker- und Dienstleistungsviertel und dann sind wir am Ziel." Mittlerweile fiel ihr Weg auch wieder leicht ab, das steilste Stück und überhaupt alle Steigungen lagen hinter ihnen.

  • Nachdem mein Kreislauf durch frische Luft, wenn man denn in Rom davon sprechen konnte, und die zügige Bewegung wieder in Wallung kam, schienen auch die, wohl durch den mittelmäßigen Wein hervorgerufenen Kopfschmerzen zu verschwinden. Interessiert hörte ich Caesoninus zu, nachdem ich diese dann doch unangenehme Religionsdebatte glücklich abwürgen konnte. So so! Hier wohnst du also! Nicht schlecht nicht schlecht! Bei der Hütte sollte ich wohl lieber bei euch als Nachtwächter anfangen. Der verdient wahrscheinlich bei euch das doppelte eines Vermessers.
    Scherzte ich ein wenig. Dabei dachte ich über Caesoninus Angebot nach. Der Mann war ambitioniert. Das wusste ich. Sein Vorschlag war also mit Sicherheit ehrlich gemeint. Ich überlegte, ob es mir tatsächlich in Zukunft noch nützlich sein konnte. Eine Hand wusch schließlich stets die andere.
    Danke für dein Angebot. Ich komme im Bedarfsfall gerne darauf zurück.
    Vielleicht stand der Bedarfsfall ja bereits unmittelbar bevor? Ich brauchte Klarheit. Mit manchen römischen Geflogenheiten hatte ich mich noch nicht ausreichend beschäftigt. Das musste ich nun aber notgedrungen, wollte ich es in dieser Löwengrube zu etwas bringen. Sag mal Caesoninus, kennst du dich mit Patronen aus? Ich habe gehört, dass man in Rom so jemanden unbedingt haben sollte. Ist das so? Was ist ein Patron?

  • Die Wirkstätte des Magister Frisenius war nun fast um die Ecke. Die noblen und herrschaftlichen Villen und Domi der Oberschicht waren vollends den schlichteren, aber immer noch gutbürgerlichen Handelshäusern, Werkstätten und Geschäften der gut situierten, einfachen Plebejer der einfachen Bevölkerung Roms gewichen. Die Straße war ebenfalls eine kleine Spur schmäler geworden und nicht mehr ganz so pompös wie noch vor ein paar Hausecken, doch konnte man immer noch guten Gewissens von einer, dieses Viertel durchquerenden, ordentlichen Hauptstraße sprechen, auf der Caesoninus und Glaucon wandelten.


    Während sie also fast an ihrem Ziel angelangt waren, war auch ihr Gespräch fortgeschritten. Glaucon brachte die Sprache auf Patrone. Interessantes Thema, wie Caesoninus fand. Offensichtlich hatte der Kerl Ambitionen es in der Ewigen Stadt zu etwas bringen zu wollen. Beileibe ein Charackterzug, den Caesoninus an anderen Personen wertschätzte. Jemand, der stets mehr sein wollte, als er war, war Teil jener Gesellschaft von außergewöhnlichen Männern und Frauen, die dazu im Stande waren die Welt zu verändern.


    Glaucon wollte also etwas über Patrone wissen. Schön, wurde Zeit, dass der Gute erfuhr, wie die Löwen in ihrer Grube aneinander angingen. "Ein Patron ist ein Fürsprecher für jemand Kleinerem als er, und dieser Kleinere bietet seinem Patron im Austausch für dessen Fürsprache, Schutz und ihm angediegene Unterstützung wiederum seine eigenen Fähigkeiten zum Dienst an und wird so sein Gefolgsmann, im Fachjargon, ergo ein Klient des Patrons. Die Macht eines Römers zeigt sich darin, wieviele Klienten er sein Eigen nennt." Caesoninus seufzte, doch mit einem gewissen Schalk in den Augen beim Gedanken an das gleich nächstkommende, er fand es auch wirklich zu albern. "Auch wenn die Beziehung Patron-Klient zwangsläufig darauf hinausläuft, dass ein Stärkerer und ein Schwächerer daran beteiligt sind, so finde ich trotzdem, dass so eine Beziehung immer auf Augenhöhe beider Parteien stattfinden sollte. Immerhin hat auch der kleinere Klient seine eigene Würde, seinen Stolz und seine Freiheit und was, frage ich dich, kann einem wahren Römer mehr bedeuten als letzteres, wo wir ja aus genau diesem Antrieb vor Jahrtausenden sogar unsere eigenen Könige stürzten deswegen? Ein Umstand, den wohl in Kaisers Zeiten heutzutage viele wohlhabende Römerfamilien nur allzu gerne vergessen. Sie sind nämlich der Meinung, Klienten wären nichts anderes als bessere unbezahlte Diener und Untergebene, Vieh, wenn du so willst, die streng nach ihrer Pfeife tanzen und sich vollkommen an sie binden müssen, zur Steigerung ihrer persönlichen Prestige und zur Demonstration ihrer gesellschaftlichen Macht. Verachtenswert, wenn du mich fragst." Caesoninus leckte sich über die Lippen, während er einem hübschen rothaarigen Mädchen nachsah, das mit wackelndem Hintern in einer Seitengasse verschwand.


    "Ähm...wo war ich gerade?" Eine kurze Sekunde musste Caesoninus darüber nachdenken (und diesen verdammt anziehenden Arsch dieser Kleinen aus den Kopf bekommen) ehe es ihm wieder einfiel: "Achja, Klientelwesen und so! Nun, die Pflicht eines Klienten besteht darin, regelmäßig am Morgen zur Salutatio bei seinem Patron vorzusprechen und ihm bei Bedarf zur Verfügung zu stehen und ihn zu begleiten, sollte der Patron dies wünschen. Ebenfalls soll ein Klient seinen Patron stets politisch unterstützen und -falls nötig- auch wirtschaftlich. Im Gegenzug fördert der Patron die Karriere des Klienten, sorgt für dessen Schutz und vertritt ihn vor Gericht. Er setzt seinen Einfluss und sein politisches Gewicht für den Klienten ein, du siehst also, es ist ein ewiger Kreislauf von Geben und Nehmen" wiederholte Caesoninus noch einmal Teile von früher Gesagtem, doch so war es der beste Weg, dass sich einem dieses komplizierte soziologische Geflecht erschloss. "Du kannst es dir vielleicht auch besser vorstellen, wenn du daran denkst, wie das bei dir zuhause in Germanien so mit Gefolgschaften gehandhabt wird. Ich habe nämlich gehört, bei euch gebe es ein nicht unähnliches Gesellschaftssystem, dass mit dem römischen Klientelwesen vergleichbar ist."

  • Ich hatte Schwierigkeiten den enormen Ausführungen folgen zu können. Caesoninus war schon jetzt ein brillanter Redner. Im Kern konnte ich aber für mich die wichtigsten Fakten heraus ziehen. Unterwerfung für Förderung! Ähnlich war es schon in der alten Heimat und hierauf hatte ich schlicht keine Lust. Ich wollte mein eigener Herr sein! Ja, ja du hast ganz recht. Im Norden diesseits und jenseits des Limes ist es bis heute ganz ähnlich. Ich sehe das so wie du! Wir sind doch frei! Wozu freiwillig in eine Abhängigkeit begeben? Dann lieber ein paar Piepen weniger in der Tasche haben, und nicht den Speichel eines widerlichen Aristokraten lecken! Der Mann sprach mir aus der Seele und schien mit dieser Philosophie auch Erfolg zu haben. Für mich deutete das darauf hin, dass die Entscheidung nach Rom zu gehen richtig war.


    Ohne Blick für die Umgebung wollte ich mehr erfahren. Sag mal, bist du tatsächlich nie Teil eines Patronats gewesen? Es hört sich so an, als wärest du ohne Anschub da gelandet wo du jetzt schon bist. Sei ehrlich! Hast das ganz alleine geschafft oder doch etwas nachhelfen lassen?


    So beeindruckend Caesoninus Ausführungen auch waren, so schien es in dieser Welt doch einiger Maßen ungewöhnlich zu sein, derartigen Erfolg ohne Unterstützung zu haben. Das musste ich genauer wissen. Schließlich konnte ich mir hier womöglich ein großes Beispiel nehmen?

  • Caesoninus musste ob Glaucons Begeisterung für seinen "ungeheuren Erfolg" grinsen und beeilte sich auch gleich sofort ihn zu bremsen: "Oh, ich bin beileibe nicht besonders erfolgreich oder "groß und wichtig" ich bin nur ein kleiner Tempelwächter so wie es hunderte andere Aedituui gibt, die sich um die hunderte anderen Tempel kümmern." Er wischte sich im Gehen kurz über die Nase. Oh, da! Da ganz weit vorne konnte er schon die Fassade von Magister Frisenius' Laden erkennen! Doch Caesoninus sprach sofort weiter ohne auf dieses soeben entdeckte Detail weiter einzugehen: "Es stimmt schon, dass ich auf meinem bisherigen Weg zumindest ein bisschen abkürzen konnte, denn will man in den Tempeldienst eintreten sollte man zuvor als Discipulus das Handwerk mit den Opfern usw. zuvor gründlich lernen bei einem erfahrenen Aedituus. Doch ich hatte das Glück, dass mein Verwandter, der Senator Iulius Centho Augur ist und so habe ich über ihn schon seit ich in der Domus Iulia wohne und zuvor auch manchmal, religiöses Fachwissen mitbekommen und mir abgeschaut, so konnte ich wenigstens diese kleine Zwischenstufe überspringen." Caesoninus seufzte und streckte sich kurz. Sein Rücken fühlte sich irgendwie verspannt an. "Aber ja, bisher schalte und walte ich ohne jedes Patronat. Ich denke als Anwärter für den Cursus Honorum könnte das für mich vllt noch ein Stolperstein werden, da es heutzutage quasi von einem verlangt wird sich einem anderen Senator als Klient anzuschließen, doch ich weiß nicht. Die Wahrheit ist ich habe mich schlicht noch einfach nicht entschieden wer am besten für mich als Patron wäre und irgendwie widerstrebt es mir auch ein Klientelverhältnis einzugehen. Wer weiß, wenn man mit einer gewissen Anzahl wichtiger Senatoren regelmäßigen persönlichen Umgang pflegt und sie einen auch so kennen, vielleicht braucht man dann gar kein Patronat. Mal sehen ob und wie weit ich es auch ohne Patron schaffe, wer weiß vllt. sogar bis zur Praetur, DANN erst kann ich sagen ich wäre wichtig, wenn ich es eines Tages schaffen sollte Praetor zu werden. Das meiner Meinung nach erste wichtige Amt in der Laufbahn der Ehrenämter. Achja wir sind da." bemerkte er am Ende seiner Erklärung und wies auf den Barbierladen direkt vor ihnen.

  • Wie immer klang alles was Caesoninus erzählte in sich schlüssig. Auch wenn er jetzt meiner Meinung nach etwas tief stapelte, machte es ihn in keinster Weise unsympathischer. Naja, ich bin gespannt! Du wirst mich ja hoffentlich auf dem Laufenden halten. Ich bin will echt wissen, wie du bei deinem Ziel Praetor zu werden voran kommst. Doch sag, wo ist denn hier die Tür? Verwundert schaute ich mich um, nachdem Caesoninus mich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass wir nun da waren. Tatsächlich konnte ich keinen Eingang erkennen. Da Caesoninus aber diesen Barbier kannte, würde er das sicher aufklären können.

  • "Gerne sag ich es dir, wenn ich jemand geworden bin. Dann gehen wir etwas trinken, oder ich besuche dich, wo immer du dann auch wohnen solltest." versicherte er. Was die Frage der Tür anging, so musste er doch dann wieder etwas amüsiert grinsen. "Sie ist hier direkt vor uns! Möglicherweise siehst du sie nicht durch den Vorhang und den ganzen Leuten davor." vermutete Caesoninus, denn eine kleine Traube Frauen verschiedenen Alters und Aussehens drängelte sich in der Tat vor einem Vorhang (einer Art dünnem Perser Teppich) der an der Mauer hing und eine offene Holztür verdeckte, dem Eingang. Wieso man so einen Teppich gerade heute vor die Tür hängen musste, wusste er nicht, doch ungeachtet dessen mischte Caesoninus sich ins weibliche Gedränge davor und betrat den Laden.

  • Oh Gott, ich musste blind gewesen sein. Immerhin deute der Andrang darauf hin, dass Caesoninius Empfehlung richtig war. Ich war gespannt, wer mich erwarten würde. Beim Jupiter, ich glaube der Wein wirkt immernoch meine Freund. Lass uns schnell hinein gehen. Vielleicht gibt es auch einen einfachen Becher voll Wasser. Offensiv drängte ich mich an der Hühnertraube vorbei und genoss dabei die unvermeidlichen Berührungen der weiblichen Reize. Dabei merkte ich, dass ein längerer Besuch beim Lupaner auch längst überfällig war.

  • Nach dem Passieren der Porta Trigemina, betrat Carbo mit staunenden Augen das Herz der Welt.
    Nun, zumindest die Vorkammer dessen, denn hinter der Porta Trigemina, dem Endpunkt der Via Ostiensis, bemerkte er ziemlich viele Bettler in der Nähe herumlungern, anscheinend war dieses Tor eine Art Sammelpunkt für sie. Eigentlich auch kein Wunder, wo speziell auf dieser Straße besonders viele Leute mit dicken Geldbeuteln aus Ostia her durchkamen.
    Trotzdem befühlte er zur Sicherheit noch einmal seinen Geldbeutel und machte, dass er vom Tor wegkam. Er folgte der Straße nach Norden und war ziemlich bald auf einem größeren Platz, der sich links und rechts in zwei noch größere, offene Areale aufteilte. Carbo kannte keinen der Orte oder deren Gebäude hier in Rom, jedoch erhob sich zu seiner rechten das nordwestliche Ende des Circus Maximus und zu seiner linken kam das Forum Boarium in Sicht. Da er dort mehr Leute ausmachte, als um den Circus, bog Carbo nach links ab, um sich den Platz näher anzusehen.
    Dies war sein erster Marktplatz in der Stadt. Staunend betrachtete er die Gebäude rund um sich, noch immer nicht ganz erfassend, dass er in der Urbs Aeterna angekommen war. Mit dem Blick zum Tiber hin bemerkte er, dass an den Hafenanlagen des Flusses gerade ein kleines Schiff festgemacht hatte. Hätte er etwa auch mit einem Schiff direkt nach Rom fahren können?? Doch egal, jetzt war er ja hier. Langsam zwischen all den Marktständen hindurchschlendernd, begutachtete Carbo die dargebotene Ware, ehe er dann Kehrt machte und zur Straßengabelung zurückkehrte, um sich jetzt das Gebiet rund um den Circus Maximus näher anzusehen. So ein gigantisches Steingebäude hatte Carbo noch nie in seinem Leben gesehen. Endlos schien es sich in die Ferne zu ziehen und gewiss gab es nirgendwo auf der Welt ein noch größeres Gebäude! Wenn doch, dann ging das über seine Vorstellungskraft.
    Doch während er den Circus auf der nördlichen Seite der Länge nach abschritt, bemerkte er links von sich auf dem, direkt an die Straße stoßenden Hügel einen ebenso großen Gebäudekomplex, wo er nicht genau sagen konnte, ob es dem Circus Konkurrenz machte in Sachen Riesenhaftigkeit. Was das wohl für ein Haus dort oben war? Auch das konnte er sich nicht beantworten und so ging er weiter seines Weges, nicht wissend, dass er soeben auf die Domus Augustana geblickt hatte, den Wohn- und Regierungssitz des römischen Imperators.
    So erkundete der Junge in weiterer Folge das Viertel zwischen Circus Maximus und dem Forum Romanum, während er einfach nicht aus dem Staunen kam bei den sich immer wieder übertrumpfenden Größenordnungen dieser Stadt. Soweit das Auge blickte, nichts als Menschen- und Gebäudemassen. Keines von beiden schien ein Ende zu nehmen und wieder einmal musste Carbo seine Vorstellungen korrigieren.
    Hatte er in Massilia noch gedacht, dass er eine römische Großstadt betreten hatte, so war die griechische Metropole in Südgallien verglichen zu Rom bestenfalls ein kleiner Stadtbezirk desselben. Hier war alles viel urbaner und... nunja weniger "ländlich".
    Mit Mogontiacum getraute er es sich erst recht nicht mehr zu vergleichen, das hätte höchstens ein Plätzchen irgendwo vor den Mauern verdient.
    Durch Zufall lenkten ihn seine Schritte dann auf das, ihm völlig unbekannte, Forum Romanum, so ein weiterer namenloser Platz für ihn unter vielen. Doch er gefiel ihm auf Anhieb. Er hatte eine gewisse Pathina an sich und das eine, oder andere Gebäude wirkte weit älter, als der Rest der umgebenden Bausubstanz. Das Kolosseum erregte ebenfalls seine Aufmerksamkeit, jedoch dachte er es wäre nur ein weiterer Bau, ähnlich des Circus Maximus, nur eben höher.


    Er durchquerte das Forum der Länge nach nach Nordwesten hin. Carbo bemerkte dabei einige Römer mit purpurgesäumten Togen. Offenbar Senatoren, so wie jener, den er einst in der Taberna Silva Nigra in Mogontiacum kennengelernt hatte! Doch wie hieß dieser nochmal genau? Wenn er sich richtig erinnerte, dann musste das wohl ein Flavier gewesen sein, doch sicher war er sich dabei nicht. Wenn er schon da war, sollte er sich dann vielleicht gleich in den Dienst eines so hohen Herrn begeben? Oder nutzte das nichts oben in Mogontiacum? Carbo wusste, dass dieser Patrizier ihm das damals schon etwas genauer erklärt hatte, wie sich das im Detail verhielt, doch bekam er die Unterhaltung von damals nicht mehr so recht zusammen. Das alles lag schon viel zu lange her. So zuckte er mit den Schultern und bog durch eine Nebengasse bei der Curia Iulia nordwärts ein. Zu seiner Überraschung jedoch kamen jetzt nicht wieder kleinere Gassen (was er erwartet hatte), sondern weitere riesige Freiflächen! Bei Danuvius, wo war er hier nur hingeraten? Da konnte man ja noch Agoraphobie entwickeln.
    Norius Carbo war auf die Kaiserforen gelangt. Doch inzwischen konnte er nicht mehr ganz so angemessen euphorisch auf ihren Anblick reagieren, wie die imperiale Prachtarchitektur es wohl forderte, da er nach dem Betreten der Stadt ziemlich schnell gemerkt hatte, dass anscheinend ALLES in Rom einfach nur riesig und großartig war. Also noch ein paar übergroße Foren, wo ganz Mogontiacum hineingepasst hätte ------> Check.


    So durchquerte er sie raschen Schrittes, denn langsam bekam er Hunger. Außerdem musste er noch ein Quartier für die Nacht finden. Er hatte schon die eine oder andere Geschichte über die Kriminalität in Rom gehört und wenn er an all die Bettler an der Porta Trigemina dachte... es war wohl am besten, wenn er rasch eine sichere Unterkunft fand. Im Viertel nördlich der Kaiserforen und südlich der Porta Sanquaris ging er dann auf die erstbeste Taverne zu, die ihm auffiel und öffnete die Tür.

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