"Nuptiae Lucilla et Avarus - Was lange währt ..."

  • ... bekommt endlich den Segen der Götter. So steht es zumindest im Ablauf des Tages. Zwar befindet sich der Senator noch nicht in der Casa Decima, aber die Vorbereitungen auf das große Fest und die Zeremonie befinden sich in agilen Verzug...


    Zuerst begann man die Räumlichkeiten zu öffenen, gesagt ist soetwas schnell, doch wer die Einrichtung kennt, weiß, das da sehr viele Tische, Vitrinen, Schränke, Stühle, Büsten und Statuen in den Speicher geschafft werden mußten. Dazu kamen noch all die feinen Tellersammlungen, Kannen etc. und der Glaube daran, das all dies im heilen Zustand geschehen sollte.


    War dies getan, folgte eine Obersklavin einem strikten Ablauf, sie beschäftigte das Heer von Sklaven mit den nötigen Vorbereitungen. So wurden alle Vorhänge, Teppiche, Leinen und Tücher, alle Kissenbezüge und Überdecken gewalkt und in langen und zeitraubenden Verfahren geglättet. Daneben kümmerten sich viele Diener darum das Geschirr herzurichten und vorallem von jedem noch so kleinen Hauch eines Fingerabdrucks oder Staubkrümels zu entfernen. Am Ende würde sich nichteinmal ein Gast darüber erkenntlich zeigen, wenn es überhaupt jemand merkte. Es gehörte einfach zum guten Ton. Was die Ausschmückung anbelangte so wurde nicht an duftenden Blüten gespart. Wahrscheinlich hatten einige Blütenhändler ein gutes Sümmchen dabei verdient, das sie zu dieser Jahreszeit diese Casa Decima in ein so leuchtendes Meer frisch duftender Blumenblüten verwandeln konnten. Neben diesen zarten Blumengesichtern wurde reichlich Grün um die Säulen im Atrium, den Gängen und dem Eingangsbereich gerankt. Kein Gast sollte sich mit der Kühle von Marmorgestein identifizieren können.


    Neben dem sehr offensichtlichen Tun, wurde auch in der Culina gehandelt. Um dort überhaupt auch nur eine Pfanne, einen Topf zu füllen oder den großen schweren Ofen anwerfen zu können, sandte man einen ganzen Zug Küchensklaven aus nur das Beste auf den Märkten zu erstehen. Dabei kam der Herrin auch ihr besonderer Ruf zu Gute. Immerhin waren die saftig zarten knusprig braun gegaarten Hendln aus ihrer Zucht erwachsen. Doch es würde natürlich nicht nur vom Huhn aufgetragen, die Gäste sollten sich verwöhnt fühlen und den Glanz dieser Verbindung auf dem Gaumen spüren.


    Was die Einkäufer herbei schafften, wurde in einem langen Vorgang gewaschen, geschählt, gewürzt und gesalzen. Fleisch und Fisch bekam seinen eigenen Geschmack nicht aberkannt, vielmehr vertieften die Küchenwunder den meist herzhaften Geschmack mit einer Reihe von Spezialrezepten. Wahrscheinlich kam auch hierbei die hervorragende Verbindung der Decima Lucilla zu einigen Gourmetküchen dem Haushalt Decima zu Gute.


    Waren die Möbel ersteinmal entfernt, der Boden geschuppt und glänzend poliert, folgte das Auflegen seltener Teppiche. Dazu einige hangearbeitete Mosaike, die in ihrer schweren Form hinein gerollt werden mußten. Ihre leichte zusätzliche Höhe ließ sich gut mit passend postierten Liegen vertuschen. Dazwischen spannten sich immer wieder feine Leinen, Stoffbanner und Seidevorhänge. Auch für die kühlen Abende war gesorgt, denn das Wetter vermochten auch die Frösche noch nicht vorzubestimmen.


    ...zwar formte sich die Vorbereitung immer näher dem Endstadium entgegen, aber hier und da war eben jene Phase zu kurz.


    Mit den ersten Strahlen wurde das Fest durch Boten, Hörner und Posaunen durch die Straßen Roms getragen...


    Der halbe Straßenzug würde am Abend die bereits füllige Gesellschaft weiter auffüllen, um dann am traditionellen Brautzug zur Casa Germanica teilzunehmen und auch dort noch am Gabentisch der Leckereien zu naschen. Üblich war es ohnehin. Es heiratete ja nicht irgendeine Gens.


    ... Kinder tanzten um die Männer, ein Schreier mit tiefer, fester und vorallem lauter Stimme verkündete die Nachricht, damit es auch die letzten Distriktbewohner mitbekamen. Noch lud man keine Gäste von der Straße. Es war sowieso üblich, das man sich selbst einlud und wohl kein Gast würde an diesem Tag zu darben haben. Einzigst der Stand des Einzelnen mußte da bedacht und eingehalten werden. Mit den gehenden Vorreitern dieser Kunde kam auch das Treiben in die Straße hinein, die ganz vom imposanten Bau der Casa Decima geprägt war. Man bereitete das vor, was das Äußere ja eine Art Aushängeschild für diesen Bezirk war. Straßen wurden geputzt und von Karren beräumt. Wimpel und Tücher bildeten eine Gasse, die jedem unkundigen Gast den Weg zeigen sollte.


    Mit dem ersten Mittagsgänger zog eine unheimliche Stille ein. Zwar wurde diese in den Mauern der Casa Decima durch weiteres emsiges Treiben durchbrochen. Auf der Straße davor allerdings lebte die Siesta.


    Zu dieser Zeit war es auch, als der Senator sich aufmachte die Casa Decima zu erreichen. Sein Gespann von dreißig nubischen Sklaven war auch nötig, denn die eigens für diese Hochzeit angefertigte Sänfte wog ihren Teil. Feine Gebilde rankten im Holz des Elfenbeins. Die Seidetücher trugen neben Germanicus Avarus auch eine gute Anzahl mit Gold und Silber bestückter Kissen. Die Front und Heckseite bestand aus reinem Azobéholz. Die aufgebrachten Perlmutringe erzählten ihre eigenen Geschichten, die wohl einer längeren Betrachtung erwünschten. Neben den Nubiern befanden sich viele Männer um das Geläuft herum. Zwar fühlte sich der Senator sicher in seiner Haut, doch konnte es durchaus geschehen, das ein anderer Römer, auch reicher Gesinnung, dieses Prachtstück besitzen wollte und dann eine handvoll Taugenichste sandte um.... naja den Rest denken wir uns. 8)


    Avarus erreicht also die Casa Decima. Im Zuge sind außerdem zwei reichliche Hände voll Künstler. Sie sollen an diesem Abend noch ihre Chance erhalten...

  • "Das Haar?"
    "Perfekt."
    "Der Schleier?"
    "Sitzt."
    "Kleid?"
    "Passt."
    "Ich?"
    "Wunderbar, Lucilein, wunderbar."
    "Ich fühle mich dick."
    "Nein, wirklich, Luci, das Kleid betont deine weiblichen Rundungen."
    "Rundungen?"
    "Formen."
    "Was mache ich, wenn er mich nicht mehr will?"
    "Das wird nicht passieren. Er hatte reichlich Zeit, sich das zu überlegen."
    "Eben, vielleicht ist es ihm gestern endlich eingefallen ..."
    "Papperlapapp. Da, hörst du es, er kommt."
    "Puh."


    Tatsächlich, da kommt er. Wegen ihr. Nur wegen ihr. Lucilla strahlt, auch wenn es keiner sehen kann unter dem roten Schleier.
    "Medicus, ich bin ja so froh, dass du da bist!" stürmt Lucilla auf ihren Verlobten zu und hält kurz vorher inne - nicht, dass das ganze Gestecke und Geschleiere auf ihrem Kopf durcheinander gerät. "Ich weiß gar nicht, was ich ohne dich tun sollte." Natürlich, die Hochzeit wäre ohne ihn ein bisschen schwer.
    "Sind schon Gäste draußen? Bona Dea, ich bin so aufgeregt. Bist du auch aufgeregt? Ich füchte, ich rede zu viel, wenn ich aufgeregt bin. Meinst du das merkt jemand? Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich sagen soll. Aber irgendetwas muss ich doch tun. Und die Sklaven sorgen ja schon für alles, da bleibt nicht mehr viel. Oh, meine Freundinnen Jocasta und Peducaeana kennst du? Jocasta wird die Aufgabe der pronuba übernehmen und Peducaeana hat mir gestern schon mit dem Kleiderritus geholfen. Sie ist ja fast so gut wie mit mir verwandt, weil ihr Großvater doch mit Großtante Drusilla verheiratet ... ach, Großtante Drusilla wird nicht kommen! Ist das nicht unglaublich! Eine Hochzeit ist einfach nichts besonderes mehr für sie! Ist das zu fassen? MEINE Hochzeit nichts besonderes! Sie wird dann zur nächsten kommen, also wirklich, diese Frau hat Nerven. Na gut, in ihrem Alter ist das Herumreisen ja auch nicht mehr so einfach und Baiae schon eine recht lange Strecke, aber trotzdem, sie hätte mir wenigstens einen Brief schicken können. Aber meine Hochzeit einfach als nichts besonderes abzutun ... rede ich zu viel?"
    Fragend schaut Lucilla von Avarus zu Jocasta und Peducaeana, die synchron nicken.
    "Oh."

  • "Pssst...." Er hatte ihr den Finger auf die vollmundigen Lippen gelegt und deutete mit der Mimik an, das Schweigen mehr Wert war als ihre Aufregung. Die Worte von Avarus waren samtig ausgesprochen, entsprachen aber seinem Innersten: "Du siehst ganz bezaubernd aus Lucilla, ich habe auf dem Weg hierher fröhliche Menschen gesehen und herrlich geschmückte Straßen. Auch seit dem Eintreten in Deine Casa fühle ich mich eher im Frühling als im Herbst. Du brauchst also nicht besorgt sein, es wird eine schöne Zeremonie und eine grandiose Feier.... Ich liebe Dich Lucilla." Sein Lächeln ist breit und ehrlich. Avarus hofft ihr so etwas von der Nervösität zu nehmen und blickt dabei abwechselnd zu den beiden engsten Freundinnen Jocasta und Peducaeana. Sie schienen nicht im Stande gewesen zu sein Lucilla von der Fährte oder dem erdachten Omen der Großtante abzubringen.

  • Mattiacus hatte lange geschlafen. Als er aufwachte, hörte er schon, dass im Haus ein emsiges Heer Sklaven damit beschäftigt war, die Casa für irgendetwas herzurichten.


    Mattiacus dachte einen kurzen Moment nach. "Da war doch irgendwas....... JAAAAA stimmt. Lucillas Hochzeit"


    Zum Glück hatte er für solche Gelegenheiten immer eine frischgewaschene, festliche Toga bereit, die er sogleich anzog. Das Weiß strahlte und der Latus clavus auch. "Die Wäscherinnen wissen, mit Stoffen umzugehen." dachte Mattiacus. Er nahm noch einen Spritzer Rosenwasser, damit er gut roch und machte sich dann auf, um die große Hochzeit seiner Lieblingscousine zu feiern.


    Als er beim glücklichen Brautpaar angekommen war sagte er zu Lucilla.


    "Meine Lieblingscousine, du siehst einfach toll aus. Jeder Mann Roms und des Imperiums möchte heute mit dir tauschen, Avarus. Pass gut auf meine Lieblingscousine auf. Ich freue mich für euch zwei."


    Ein wenig war Mattiacus neidisch auf die zwei glücklichen. Würde auch er jemals heiraten?

  • Medicus begrüßte den ersten Decimus, der den Weg in die feierlich hergerichteten Räumlichkeiten fand. Ein Gesicht, das ihm wenigstens bekannt war. Auch die Glückwünsche nahm er dankend entgegen und ein klein wenig Stolz, das es endlich mit der Vermählung klappte, durfte Man(n) dabei auch zeigen. Immerhin waren sie germanicatypisch lange Zeit verlobt und nur die treuesten Frauen überstanden dieses Mindestjahr unbeschadet. Aber Lucilla sah ganz erleichtert aus. Wahrscheinlich nicht nur, weil es endlich soweit war.


    Mit den ersten Ankömmlingen begann auch die Dienerschaft in die Gänge zu kommen. Es war ein großes Fest geplant, da war es unüblich, das die Gastgeber den Sklaven anweisen mußten, wo sie wen mit was verköstigen sollten. Wie sie Becher und Gläser gefüllt hielten, welcher Gast dies und das (soweit bekannt) nicht vertrug oder Schwellungen im Rachenraum bekam, wenn er irgendeine Köstlichkeit abstoßend fand. Für ein richtiges Fest waren unmengen an Bediensteten von Nöten. Diese hier schienen nur zum Teil aus dem Haushalt der Decimas zu stammen. Aber um jene Gastfreundlichkeit so perfekt wie möglich zu presentieren, hatte die Gens auch genügend Zeit gehabt, also in dieser Sache war sich der Senator sicher, das kein Eklat zu befürchten war.


    Wie es mit den Gästen so stand, da war er sich schon unsicherer. Immerhin hatten einige große Größen den Besuch kurzfristig abgesagt. Andere waren unabkömmlich oder nicht im Recht Rom ohne Ankündigung beim Kaiser zu betreten. Das dieser in Parthien weilte, machte die Sache nicht einfacher und so konnte auch nur eine Absage zur Hochzeit Folge tragen. Doch auch ohne jene Gäste sollte sich das Atrium wohl bald als zu klein entpuppen und die angrenzenden Räumlichkeiten dem Hochzeitsverkehr geöffnet werden. Das es endlich die Casa nicht schaffen würde alle Freunde des Paares, Familienmitglieder und Geschäftskumpane, Politiker und Senatskollegen aufzunehmen, schien hindes unmöglich. Denn das Haus war dem der Gens Germanica ähnlich großzügig entworfen.

  • Avarus schafft es tatsächlich, die aufgeregte Lucilla ein bisschen zu beruhigen. Sie seuft und nickt und schweigt für einige Augenblicke.


    Aber dann betritt Mattiacus die Bildfläche und schon ist alle Ruhe dahin.
    "Mattiacus, mein Lieblingscousin!" Schon sieht sich jener in einer drückenden Umarmung gefangen. "Ich bin ja so aufgeregt, kannst du das glauben? Jetzt hatte ich so lange Zeit, mich darauf vorzubereiten und trotzdem bin ich so aufgeregt. Ich bin so froh, dass du da bist. Nachdem meine ganzen anderen Cousins schon in der Weltgeschichte herumgondeln ist es natürlich noch am schönsten, dass ausgerechnet mein Liebingscousin hier sein kann." Das spitzbübische Grinsen wird fast von dem Schleier über Lucillas Gesicht verdeckt, aber Mattiacus würde sicher trotzdem wissen, dass es da ist.


    "Aaaaber," Lucilla tippt ihrem Cousin mit dem Zeigefinger auf die Brust. "Du solltest heute nicht mit Avarus tauschen wollen. Cousin und Cousine, wo gibts denn sowas? Bei den Decima auf jeden Fall nicht." Zum Glück ist Lucilla in dieser Hinsicht ein bisschen naiv. "Hast du Meridius schon gesehen? Er ist doch hier, oder nicht? Hoffentlich sind sie nicht im Schnee stecken geblieben, er war doch mit Iulia auf dem Land und angeblich ist irgendwo in den Bergen schon der erste Schnee gefallen."

  • Auch der Bruder der Braut hatte sich am Vorabend in der Casa Decima eingefunden und in der Nacht äusserst schlecht geschlafen. Zu viele Gedanken und Sorgen bedrückten ihn. Er hatte Iulia, seine Gattin, auf dem Landgut in den Albaner Bergen zurückgelassen. Ihr Zustand gestattet nicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch reiste. Und das Kind konnte in jedem Moment zur Welt kommen. Hin und hergerissen, wo denn nun sein Platz am heutigen Tage sein müsste, hatte sich Meridius schließlich doch entschieden, an der Hochzeit seiner Schwester teilzunehmen. Mit Senator Germanicus Avarus konnte er zwar immer noch nicht so recht etwas anfangen, aber dies war sekundär. Lucilla hatte sich entschieden, und wenn sie es schon getan hatte, so war es auch seine verdammte Pflicht, sie zu unterstützen wo es ging.


    An diesem Morgen trat er folglich mit gemischten Gefühlen in den Raum, in welchem sich schon die anderen befanden und steuerte gerade wegs auf Lucilla zu. Er hatte ihr alles für den heutigen Tag im Hause überlassen. Und er hatte sich mit Absicht zurück gehalten.


    "Wir sind nicht eingeschneit, liebe Schwester, aber Iulia ist unpässlich. Ich muss sie leider entschuldigen. Es ist nur eine Frage der Zeit und Du bist wieder Tante."


    Mit einem Lächeln zwinkerte er ihr zu.


    "Hat jemand Maximian gesehen, oder treibt er sich wieder auswärts rum?"


    Er hatte seinen 'erwachsenen' Sohn schon lange nicht mehr gesehen, und seit dem Zerwürfnis um die Frage, ob Maximian die Truppen gegen die Parther begleiten dürfe oder nicht, hatten sich die beiden kaum mehr gesprochen.


    "Nun, wie auch immer, heute ist DEIN Tag, Lucilla. Ich wünsche Dir schon jetzt alles Gute."


    Er hatte Lucilla erreicht und ihr einen Kuss auf die Stirn gegeben. Seine Lucilla. Schon von Kindesbeinen an, hatte er sie vergöttert und sich als größerer Bruder in den Mittelpunkt ihres Lebens gestellt. Doch diese Zeiten waren lange vorbei.


    Dann grüßte er Senator Avarus und nickte ihm zu.


    "Senator. Meine Glückwünsche gelten auch Dir."

  • Mattiacus nickte Meridius freundlich zu. Lange hatten sie sich nicht mehr gesehen. Er bemerkte aber, dass Meridius aus Avarus nicht gut zu sprechen war. Mattiacus meinte, ein kalter Hauch ging kurz durch das Zimmer

  • "Meridius!" Auch Lucillas Bruder wird mit einer herzlichen Umarmung begrüßt. Noch ist immerhin außer der Familie niemand da, da kann sie mit Drücken und Umarmen noch sehr freigiebig sein. Und immerhin ist Meridius ihr großer Bruder, Vaterersatz und Mittelpunkt glühender Verehrung ihrer Jugend. Würde das Ritual einen Brautvater benötigen, dann würde ihm dieser Posten zukommen. Aber Väter sind für die römische Hochzeit nicht wichtig, nur vorher um eine Verbindung zu arrangieren und hinterher um das Festmahl auszurichten - und bei diesen Punkten ist er dann doch nur der Bruder.


    "Oh, das ist aber schade." Tatsächlich ist Lucilla ehrlich betrübt darüber, dass Iulia Severa nicht mitkommen konnte. Sie hat immer das Gefühl, dass Meridius Frau ein bisschen zu zurückgezogen lebt und so ein Fest ihr durchaus ab und zu mal gut tun würde. Aber natürlich versteht sie auch, dass Severa hochschwanger nicht durch die Gegend reist. Gut, Lucilla hätte es wahrscheinlich trotzdem getan - bildet sie sich zumindest ein, aber Lucilla ist in dieser Hinsicht auch nicht vernünftig und erstmal mit einem dicken Bauch ausgestattet würde sie vermutlich schneller bemerken als ihr lieb ist, dass so ein Kind schon vor der Geburt das Leben ein wenig einschränkt.
    "Aber ich freue mich natürlich schon, wenn ich dafür bald wieder Tante bin. Auch wenn ich fürchte, dass ich bald keine so gute Tante mehr sein werde, denn dann werde ich mich ja um den eigenen Nachwuchs kümmern müssen." Sie grinst breit. Einen ganzen Stall voller Kinder wird sie in die Welt setzen, da ist sich Lucilla schon sicher.


    "Ich danke dir, Bruderherz. Und du weißt ja, ich bin nicht aus dem Leben der Decima hinaus." Sie muss das extra nochmal erwähnen, weil sie manchmal das Gefühl hat, dass Meridius davon ausgeht. "Ich werde auch als Germanica immer eine Decima bleiben."

  • Olivgrün war die Farbe ihrer Stola, lichtlaubgrün die Farbe ihres Untergewandes und blass, grünlich die Farbe ihrer Haut. Ton in Ton. Denn immer noch hatte die Reise auf Medeia ihre Wirkung. Die Mischung aus Kalkschminke hatte nur wenig von dem kränklichen Aussehen vermindert, oder den dunklen Augenringen. Das missmutige Gesicht, was Medeia noch in der Sänfte gezeigt hatte, war verschwunden und ganz die passende Mimik für ein Fest und ganz besonders einer Hochzeit war gezückt worden. Ein Lächeln, eine gestraffte Gestalt, würdevolles Benehmen und doch gepaart mit der Freude eines solchen Ereignis, das passende Rezept für so einen Abend. Noch war die Zahl der Gäste beschaulich als Medeia durch den Fauces mit der Patrizierin Epicharis hinein trat. "Wir sind auf jeden Fall noch nicht zu spät. Du kennst Senator Germanicus Avarus? Das ist der groß gewachsene Mann neben unserer kleinen Auctrix. Ein sehr engagierter Mann, auch was die Schola angeht. Und der andere Mann neben Lucilla ist ihr Bruder, Senator Decimus Meridius. Er ist nicht nur vom äußeren sehr ansprechend, sondern ein ausgesprochen höflicher Mann.“


    Medeia wollte glatt schon ansetzen, von dem Fest zu Ehren der Augusta in Germania zu erzählen. Doch noch im letzten Augenblick bemerkte sie, dass das ein Verhalten alter Leute war. Schnell schluckte sie die Worte herunter. "Und der letzte dort muss auch ein Decimer sein. Ich entsinne mich an ihn noch von der Hochzeit von Aemilia, glaube ich. Decimus Mattiacus, wenn ich mich nicht irre. Er scheint mir doch ein wagemutiger Mann zu sein. Ich habe gehört, er hätte das wilde Germania bereist.“ Ganz wie selbstverständlich hatte Medeia all die wichtigsten Anwesenden der jungen Epicharis erläutert. Sie wandte den Blick von den Männern und der Frau ab. "Oh, ich hoffe, ich habe jetzt nicht Unsinn geredet. Aber ich dachte, vielleicht sind sie Dir noch nicht bekannt.“ Medeia lächelte ein wenig entschuldigend. "Aber begrüßen wir doch lieber unsere Auctrix, ehe ich anfange, alte und vor Jahren passierte Geschichten zu erzählen, die Dich sowieso nur langweilen würden.“ Dass ihr das durchaus passieren konnte, war nicht abwegig. Ein über sich amüsiertes Schmunzeln trat auf ihre Lippen.


    Doch das Lächeln wandelte sich als sie auf Lucilla und ihren Ehemann in Spe zuging. Zuerst grüßte sie natürlich den Mann, Medeia war in dieser Hinsicht durchaus konform: "Senator Germanicus, es ist mir eine ausgesprochene Freude, bei Deiner Hochzeit anwesend sein zu dürfen. Ich bin sicher, die Götter werden mit Wohlwollen auf diese Verbindung sehen und all Dein Engagement, Deine Courage und Deine Arbeit für das Imperium und die Römer belohnen.“ Medeia wandte sich zu Lucilla. "Mit einer derartig schönen und schillernden Frau.“ Medeia befand Lucilla wirklich für sehr schön. Blühend, frisch, sie strahlte das Glück und die Herzlichkeit aus. Etwas, was Medeia wohl nie vermochte. "Lucilla, bezaubernd siehst Du aus. Leuchtend schön an diesem heutigen Tag. Ich freue mich sehr, bei Deiner Hochzeit sein zu dürfen. Schließlich ist das einer der strahlendsten Hochzeiten des Jahres. Nein, aller nächsten Jahre mit gerechnet.“

  • Es bleibt nicht aus, dass auch bald die ersten nicht-familiären Gäste eintreffen. Lucilla ist sich ein bisschen unschlüssig, ob das gut ist oder nicht. Eigentlich ist sie wegen der Hochzeit so aufgeregt, dass es ihr am liebsten wäre, wenn überhaupt niemand kommt, Avarus und sie schnell heiraten und alles vorbei ist. Aber natürlich wäre Lucilla nicht Lucilla, wenn sie sich nicht ebenso im strahlenden Licht der Aufmerksamkeit suhlen wollte. Ein Fest soll es sein, ein rauschendes Fest und sie im Mittelpunkt. Bona Dea, wie lange hat sie auf diesen Augenblick gewartet? Fast scheint es ihr verständlich, dass Großtante Drusilla mehr als einmal heiraten wollte. Und gerade weil Lucilla doch nicht vorhat, noch einmal zu heiraten, muss sie dieses Fest nutzen.


    Wie gewand Artoria Medeia doch ihre Begrüßung ausdrückt. Lucilla liebt ihren Schreibstil, es ist ihr immer eine überaus große Freude, die Berichte und Artikel der Subauctrix zu lesen. Vor allem die Artikel aus dem fernen Ägypten lesen sich dazu noch so abenteuerlich wie aus einer anderen Welt. Ob sie wohl extra nur wegen der Hochzeit aus Ägypten angereist ist? Lucilla kommt sich unglaublich wichtig vor, was ihre Laune noch mehr steigert.
    "Oh, danke, Medeia." Das leichte Erröten auf das Kompliment wird auch dieses Mal von dem hauchdünnen, roten Schleier über Lucillas Kopf kompensiert. Vermutlich sind die Hochzeitsschleier aus diesem Grund rot, damit man das Erröten der Braut nicht sieht. Am Ende ist der ganze Ritus eben doch durchaus pragmatisch - wahrscheinlich hat ihn eine Frau begründet.
    "Es ist schön, dass du kommen konntest. Ich hoffe, die Überfahrt war nicht ganz so schlimm?" Noch hat Lucilla nichts von den Herbststürmen vernommen, aber vermutlich kann es jederzeit so weit sein.


    Epicharis, die Lectrix der Acta Diurna, ist auch schon da, fast scheint es, als wäre sie mit Medeia angekommen. Da Lucilla nicht weiß, ob sie schon mit Avarus bekannt ist, oder umgekehrt, fängt sie einfach nochmal mit der Vorstellerei an.
    "Und salve, Epicharis. Auch über dein Kommen freue ich mich, auch ohne lange Anreise." Lucilla lächelt breit und ehrlich. "Kennst du meinen Verlobten denn schon?" Da es unschwer zu erkennen ist, welcher der Herren der Bräutigam ist, spart sich Lucilla die Benennung und fügt nur die umgekehrte Richtung an. "Medicus, das ist Claudia Epicharis, die Lectrix der Acta Diurna. Sie ist sozusagen die Person, die dafür sorgt, dass unser Geschriebenes immer perfekt aussieht. Fehler, die beim Leser ankommen, sind dann höchstens noch durch die Abschriften möglich."

  • Mattiacus grüßte die neuangekommenden Damen. Er war sich nicht ganz sicher, ob er eine davon noch aus der Zeit vor Germanien aus dem Palast kannte. Sicher wusste er aber, dass beide für die Acta schrieben, die Mattiacus so gerne las und deswegen auch immer mit einer Spende bedachte. Er würde die Damen im Laufe der Feier nocheinmal auf ihre journalistische Tätigkeit ansprechen.

  • Auf den letzten Metern zwischen Porta und den Räumlichkeiten der Festlichkeiten, hatte Crassus die Togatrage-Problematik größtenteils völlig vergessen. Denn mit jedem weiteren Schritt näherte er sich nicht nur dem Brautpaar, sondern auch lange zurückliegenden Erinnerungen. Es war wirklich schon eine halbe Ewigkeit her wie Crassus damals mit dem Kaiser nach Spanien gereist war und dort wieder Lucilla getroffen hatte. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie da einsam aber gemeinsam auf der Straße standen, irgendwo mitten im Nirgendwo. Völlig unbewusst blieb Crassus bei diesen Gedanken stehen, so als wolle er noch einen Moment in diesen Gedankensphären schweben. Doch sobald ihm sein Stehenbleiben bewusst wurde, schüttelte er den Kopf, legte ein Lächeln auf und ging auf das Brautpaar zu:


    Lucilla, Avarus! Ihr gebt ein wunderschönes Paar ab. Wenn ich euch so sehe bin ich mir sicher, dass die Götter euch füreinander bestimmt haben. Meinen herzlichsten Glückwunsch zu eurer Hochzeit und alles Gute für die Zukunft.

  • Crassus Anblick löst auch in Lucilla einen Schwall Erinnerungen aus. Schöne Erinnerungen vor allem, aber auch ein bisschen Wehmut. Sie hat befürchtet, dass er nicht kommen würde, um so mehr freut es sie, dass er doch gekommen ist. Gut sieht er aus in seiner Toga, so ganz anders als sonst, wenn man ihn öffentlich in seiner Rüstung sieht.
    "Salve, Crassus, wie schön, dass du gekommen bist. Und danke für die Glückwünsche. Noch ist es ja nicht soweit." Lucilla grinst zu Avarus. "Aber jetzt kann vermutlich kaum noch etwas schief gehen."


    Natürlich kann noch mehr als genug schief gehen. Avarus und Meridius könnten sich in die Wolle bekommen und die Hochzeit in einer Schlägerei enden, noch bevor sie richtig begonnen hat. Das Opfer könnte schief gehen. Hoffentlich hat Avarus an die Bestechung des Priesters gedacht. Lucilla könnte auf dem Brautzug verloren gehen. Ob Avarus sie wohl suchen würde? Beim Versuch sie über die Türschwelle zu tragen könnte Avarus zusammen brechen. Gut, so schwer ist sie nicht, obwohl sie sich einbildet, dass sie zum Herbst hin schon ein bisschen zugenommen hat. Warum sonst liegt die tunica recta so eng um ihre Hüften? Außerdem ist Avarus ja nicht mehr der Jüngste, natürlich ist er nicht alt, aber eben nicht mehr der Jüngste und ein Officiums-Sitzer noch dazu. Und dann, dann kommt noch der Vollzug der Ehe. Bona Dea, Lucilla hat jetzt schon Panik davor. Ihre Erwartungen sind überdimensional, exorbitant gewaltig. Ihre Freundinnen haben so viel darüber erzählt, leider nur jede etwas anderes, so dass Lucilla nun gar nicht mehr weiß, was sie davon halten soll.

  • Fast ein wenig wortkarg fühlt sich der Senator Avarus, als sich das Atrium zu ihrer Ehren immer weiter füllte. Seine künftige Stütze eilt von einem Hals zum Nächsten und zwischen ihm und Meridus scheint sich ein Eiskanal zu bilden. Ihm fröstelt, wenn er an die urrömische Zeremonie denkt und daran, das es das zweite Mal Heiraten ist. Nur schwer kann er sich von den Gedankenströmen losreißen und lächelt den ankommenden Gästen zu. Natürlich ist er nicht so stürmisch in der Begrüßung, aber herzlich allemal. Seine gesamte Sippe fehlt noch und erst mit dem Eintreffen von Caia ändert sich dieser Umstand ein wenig. Ein freudiges Lächeln gefolgt von einer Umarmung macht den unwissenden Gästen deutlich, das dies wohl eine Germanica sein muß. [SIZE=7](seine Geliebten wird Avarus ja nun nicht zur eigenen Hochzeit einladen)[/SIZE]


    Schon vorher hatte er sich die Schreiberin der Acta Epicharis von Lucilla vorstellen lassen und Medeia's Hand geschüttelt. Sie war ihm bestens bekannt und trotzdem verwundert sie in Rom zu sehen. War sie etwas so kurz vor den Herbststürmen den gefährlichen Weg über das Meer gekommen? Nun Avarus hoffte sie hatte vor länger als nur ein paar Tage auf dem italienischen Festland zu verweilen anstatt sich erneut in Gefahr zu bringen.


    Kurz nach den Frauen der Acta traf auch Crassus ein. Avarus begrüßte ihn innerlich überrascht und hatte seine Grollphase wahrscheinlich überwunden. Der erste Schwung ist eben meist der Unbeherrschtere. Was für jenen Caecilius galt, würde aber nicht für alle gelten. Das es eine verbindliche Beziehung im Leben des Caecilius Crassus gab, war dem Senator Avarus nicht bekannt und somit hatte er befürchtet, der PP schleppte seinen nichtsnutzigen Neffen mit auf die Feier, damit der auch mal etwas Luxus schnuppern konnte. Gütlicherweise war dem nun nicht so und es blieb bei einer recht einfachen aber positiv angesprochenen Begrüßung: "Crassus, willkommen... schick siehst du aus." (Was er sich dabei nicht verkneifen konnte, immerhin hatte er den PP soweit er denken konnte noch nie ohne Harnisch gesehen.)


    Noch eher kam ein einfaches "Salve Meridus." über die Lippen, um den Bruder Lucillas nicht ganz unverfroren am eisigen Ufer stehen zu lassen. Man würde sich sicherlich weitestgehend aus den Augen schlüpfen können.


    Zwischenzeitlich wird er immer mal wieder von Lucillas Worten aus dem Halbtraum gezogen und nickt dann meistens bestätigend, halb abwesend dazu oder flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr. Hauptsache die Actalinnen hatten ihre Täfelchen und Griffelchen zu Hause gelassen. 8)

  • Caia folgte dem Blumenmädchen in das festlich geschmückte Atrium und sah sich bewundert um. Wahrlich, dies würde eine Hochzeit werden, die man wohl nicht so schnell vergessen würde. Ihr neugieriger Blick wanderte suchend zwischen den vielen Gästen herum, bis sie Avarus entdeckt hatte. Lächelnd trat sie an ihn heran und umarmte ihn herzlich.


    “Gut siehst du aus! Ich wünsch dir und deiner Braut alles Gute!” richtete sie erst einmal ihre Glückwünsche aus und bemerkte durchaus, das Avarus etwas nervös zu sein schien, kein Wunder, wäre sie wohl auch, an so einem wichtigen Tag.


    Zu mehr als dieser kurzen, aber herzlichen Begrüßung kam es vorerst nicht, denn schon wurde der Bräutigam von weiteren Gästen überfallen und in Anspruch genommen.
    Einer nach dem anderen richtete seine Grüße aus und ihr entging nicht, das es wohl einige Gäste gab, mit denen sich das Brautpaar nicht so ganz gut verstand, denn es kam kurz eine frostige Atmosphäre auf. Woran das lag, konnte sie ja nicht erahnen, von daher zog sie es erst einmal vor sich umzusehen.
    Sie schlenderte erst einmal zwischen den Gästen herum und sah sich nach bekannten Gesichtern um, musste aber feststellen, das sie kaum jemanden kannte.

  • Subrius war schon am Morgen aus der Castra Praetoria heraus- und die Casa Decima gekommen, um der nuptiae beizuwohnen. Zuerst hatte er das Balneum aufgesucht und sich gereinigt, denn er wollte nicht ungepflegt dort erscheinen. Da eine Hochzeit ein festlicher Anlass war, hatte er seine Rüstung abgelegt und sich stattdessen in eine Toga helfen lassen.


    Danach hatte er sich von einem Sklaven die Brautleute beschreiben lassen. Seine Verwandte kannte er zumindest vom Sehen, denn sie war ihm bei den Militärspielen der CU aufgefallen. Den Bräutigam kannte er eingentlich nur vom Namen her, hatte allerdings gehört, dass er ein berühmter Senator sein soll. Deshalb ließ er sich von einem Sklaven dessen Aussehen beschreiben.


    Da er hörte, dass anscheinend schon die ersten Gäste eingetroffen waren, begab auch er sich zu den Räumen, wo die Feier stattfand, und suchte nach den Brautleuten. Dabei fiel ihm auf, dass sich unter den Gästen viele Senatoren und Ritter befanden und er war leicht nervös, denn solch eine Gesellschaft war er nicht gewohnt. Doch dann erspähte er die Brautleute und eilte ihnen entgegen, um ihnen zu gratulieren. Er hoffte, dass Lucilla ihn wenigstens vom Sehen her kannte, doch auch wenn nicht, würde ihr bestimmt ein Sklave ihr mitteilen, wer er war, falls sie danach fragte:


    "Salvete, Lucilla et Avarus. Ich möchte euch herzlich zur Hochzeit gratulieren und euch auch weiter alles Gute wünschen."


    Nachdem er den beiden gratuliert hatte, zog er sich erst einmal unauffällig in eine Ecke zurück und beobachtete die anderen Gäste. Solche Feiern war er nicht gewohnt und er fühlte sich auf dem Exerzierplatz wohler als in Gesellschaft, dennoch wollte er das Beste daraus machen. Er würde sehen, ob er hier jemand Netten kennenlernen würde.

  • Zitat

    Nachdem er den beiden gratuliert hatte, zog er sich erst einmal unauffällig in eine Ecke zurück und beobachtete die anderen Gäste. Solche Feiern war er nicht gewohnt und er fühlte sich auf dem Exerzierplatz wohler als in Gesellschaft, dennoch wollte er das Beste daraus machen. Er würde sehen, ob er hier jemand Netten kennenlernen würde.


    Es waren viele Gäste gekommen udn für Caia waren es somit auch viele unbekannte Gesichter, was ihr sagte, das sie sich so langsam besser in die Gesellschaft von Rom einführen lassen sollte, damit sie nicht jedes mal so hilflos den Gästen einer Feier gegenüber stand.


    Doch zu ihrer großen Erleichterung stellte, sie fest, das es ihr wohl nicht allein so ging, denn in einer Ecke, unauffällig die anderen Gäste beobachtend, stand jemand der einen ähnlichen Eindruck wie sie erweckte.


    Etwas scheu trat sie an den 'Gleichgesinnten' heran und nickte ihm freundlich zu, im vorbei gehen hatte sie doch glatt noch einen Becher Wein mitgenommen.


    "Salve! Ein wunderbares Fest, nicht wahr?" versuchte sie ein Gespräch in Gang zu bringen.

  • Zitat

    Original von Artoria Medeia
    "Wir sind auf jeden Fall noch nicht zu spät. Du kennst Senator Germanicus Avarus? Das ist der groß gewachsene Mann neben unserer kleinen Auctrix. Ein sehr engagierter Mann, auch was die Schola angeht. Und der andere Mann neben Lucilla ist ihr Bruder, Senator Decimus Meridius. Er ist nicht nur vom äußeren sehr ansprechend, sondern ein ausgesprochen höflicher Mann.“
    "Und der letzte dort muss auch ein Decimer sein. Ich entsinne mich an ihn noch von der Hochzeit von Aemilia, glaube ich. Decimus Mattiacus, wenn ich mich nicht irre. Er scheint mir doch ein wagemutiger Mann zu sein. Ich habe gehört, er hätte das wilde Germania bereist.“ Ganz wie selbstverständlich hatte Medeia all die wichtigsten Anwesenden der jungen Epicharis erläutert. Sie wandte den Blick von den Männern und der Frau ab. "Oh, ich hoffe, ich habe jetzt nicht Unsinn geredet. Aber ich dachte, vielleicht sind sie Dir noch nicht bekannt.“ Medeia lächelte ein wenig entschuldigend. "Aber begrüßen wir doch lieber unsere Auctrix, ehe ich anfange, alte und vor Jahren passierte Geschichten zu erzählen, die Dich sowieso nur langweilen würden.“ Dass ihr das durchaus passieren konnte, war nicht abwegig. Ein über sich amüsiertes Schmunzeln trat auf ihre Lippen.[/COLOR]


    Aufmerksam hörte sich Epicharis an, was Medeia zu sagen hatte. EIn bisschen erinnerte sie die Artorierin plötzlich an Lucilla, denn die redete auch fortwährend und noch mehr, wenn sie aufgeregt war, aber schließlich hatte Medeia ja auch Recht mit dem, was sie sagte, und zudem war Epicharis etwas froh darüber, zum einen nicht wirklich allein hergekommen zu sein, und zum anderen war es ganz praktisch, im Vorfeld zu wissen, wer sich ebenfalls hier aufhielt. So folgte ihr Blick den Gesten und Erklärungen, schwenkte von Decimus Meridius, den sie ja bereits kannte, zu Decimus Marttiacus und schließlich baldigen Angetrauten der Auctrix, wo er einen Moment länger haftete. Also, für sie wäre er allein vom Aussehen her nichts gewesen. Avarus sah älter aus als Aristides und hatte genau die große, hässliche Nase, die Flavius Serenus den claudischen Frauen so gern nachsagte. Neben Lucilla wirkte er natürlich groß, aber das war bei ihrer Größe auch nicht schwer. Und versteckte er nicht einen kleinen Bierbauch unter dem Festgewand? Nein, Epicharis fand, dass Aristides bei weitem hübscher war. Wenn er auch vielleicht gleichalt oder älter war als der Germanicus. "Du langweilst mich nicht", entgegnete Epicharis postwendend auf Medeias Frage hin. "Mir scheint, in deiner Begleitung ist man stets aufs Beste informiert." Die Claudia schmunzelte kurz und folgte Medeia natürlich zum Bratpaar. Höflich ließ sie der älteren den Vortritt beim Gratulieren und musterte dabei Lucilla eingehend und möglichst unauffällig. Manchmal glaubte Epicharis zu erkennen, wie ein aufgeregtes Schaudern über ihr Gesicht lief, aber das konnte natürlich auch Aufregung sein. Und dann war sie an der Reihe.


    Zitat

    Original von Decima Lucilla
    Epicharis, die Lectrix der Acta Diurna, ist auch schon da, fast scheint es, als wäre sie mit Medeia angekommen. Da Lucilla nicht weiß, ob sie schon mit Avarus bekannt ist, oder umgekehrt, fängt sie einfach nochmal mit der Vorstellerei an.
    "Und salve, Epicharis. Auch über dein Kommen freue ich mich, auch ohne lange Anreise." Lucilla lächelt breit und ehrlich. "Kennst du meinen Verlobten denn schon?" Da es unschwer zu erkennen ist, welcher der Herren der Bräutigam ist, spart sich Lucilla die Benennung und fügt nur die umgekehrte Richtung an. "Medicus, das ist Claudia Epicharis, die Lectrix der Acta Diurna. Sie ist sozusagen die Person, die dafür sorgt, dass unser Geschriebenes immer perfekt aussieht. Fehler, die beim Leser ankommen, sind dann höchstens noch durch die Abschriften möglich."


    "Liebe Lucilla, hab herzlichen Dank für deine unerwartete Einladung", bedankte sich Epicharis und konnte sich doch glatt nicht verkneifen, das "Unerwartet" mit einzubringen. Schließlich galt die unendliche Verlobung zwischen Lucilla und Avarus schon fast als Legende. Naja, zumindest als Geschichte, die man kleinen Mädchen vor dem Einschlafen erzählte. Epicharis musste unwillkürlich kurz grinsen. Und sie lebten glücklich, zufrieden, und vor allem verlobt bis ans Ende ihrer Tage.... Das Geschenk würde es erst am nächsten Tag geben, aber einer der Sklaven hatte es hoffentlich sicher ins Haus gebracht und irgendwo verstaut, wo nichts kaputt gehen konnte. "Welch schöner Stoff", fügte sie an und fühlte ganz kurz den Ärmel des roten Gewandes, das Lucilla trug. Sie musste nach dem Händler fragen und sich dort umsehen, wenn ihre eigene Hochzeit bevorstand....


    Das Vorstellungsprozedere kannte Epicharis ja bereits, denn im Grunde wurde sie den meisten als Lectrix vorgestellt. Aber das verborgene Kompliment konnte sie nicht so stehen lassen. "Ach nein, ich finde selten alle Fehler", sagte sie daher und winkte ab. Strahlend war das Lächeln jedoch dann, als Lucilla ihr den baldigen Gemahl vorstellte. "Senator Germanicus, es freut mich, dich kennenzulernen. Und natürlich wünsche ich euch beiden nur das Beste." Und ganz viele Kinder, aber das sagte Epicharis natürlich nicht laut. Sie konnte sich gut vorstellen, dass die Mädchen alle wie Lucilla werden würden, und was Avarus dann auf Dauer gesehen am dringlichsten brauchen würde, wäreb vermutlich Ohrenstöpsel. :D

  • Verwundert beobachtete er, wie jemand auf ihn zuging und ein Gespräch anfing. Ob er so einen verlassenen Eindruck gemacht hatte? Jedenfalls freute er sich über die Gelegenheit zum Gespräch und antwortete:


    "Ja, das Fest ist wunderbar, auch wenn ich so etwas nicht gewohnt bin. Doch deshalb kann ich ja schlecht nicht kommen, wenn ich eingeladen bin."

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