Die Komödie des Melanthios

  • Der Theaterbau erstrahlte zwar nicht gerade in neuem Glanz, doch Diener und sonstige Beauftragte hatten zumindest den größten Unrat entfernt sowie die gröbsten Mängel ausgebessert. An den Eingängen verteilten eifrige Helfer Wein und Brot für hungrige Gäste, die es sichtlich eilig hatten, sich die besten Plätze in der Mitte der Tribüne zu sichern.
    Auch der Urheber des Stücks, das in Kürze hier seiner Uraufführung entgegensah, ein gewisser Melanthios, war selbstverständlich erschienen. Er war sicherlich kein wirklich Großer seiner Zunft, doch hatten ihn einige volkstümliche Werke in der jüngeren alexandrinischen Vergangenheit zu einiger Popularität im Volk verholfen, die freilich auf das Stadtgebiet und dessen Umland begrenzt blieb. Es war dem Mann jedenfalls anzusehen, wie sehr er es genoss, sich im dem vorübergehenden Glanz zu sonnen, den dieser Tag für ihn bereithielt.
    Während die Gäste im Theater eintrudelten, begannen die Darsteller ihre Vorbereitungen für die Vorführung. Der Veranstalter hatte einige junge, talentierte, aber eben auch preiswerte Darsteller engagiert, die im Gegensatz zu den großen Stars der Szene bezahlbar blieben. Außerdem musste kein größerer Chor eingeplant werden, wie das bei großen Werken von Sophokles und Co. unvermeidlich gewesen wäre. Alles in allem waren also die Voraussetzungen geschaffen worden für einen erfolgreichen Theatertag.

  • Mithridates ließ sich auf seinem Platz nieder. Im Gegensatz zu den meisten Teilnahmen an öffentlichen Veranstaltungen in der Vergangenheit, begegnete er dem heutigen Tage mit fast freudiger Erwartung. Denn die Werke des Melanthios mit ihrem derben Humor und dem Verzicht auf Konventionen entsprachen nun einmal mehr seinen Interessen und Vorlieben, als es die der klassischen hellenischen Künstler jemals würden tun können.

  • Als Anthi gehört hatte, dass der Agoranomos ein Theaterstück veranstalten lies, war ihm sofort klar, dass er sich das nicht entgehen lassen wollte. Da penelope ebenso erfreut darauf reagiert hatte wie er, waren sie nun hier ind Theatron gekommen. Eigentlich hatte er schon viel früher einmal hierher kommen wollen, aber irgendwie hatte es sich nie ergeben. Er hatte sich extra noch neue Kleidung gekauft, denn Ànthimos war ein großer Freund des Theatrons. Melanthios allerdings war ihm bisher noch unbekannt. Aber da es sich um eine Komödie handelte, war es ihm egal, Hauptsache er und seine Verlobte hatten viel zu lachen.


    So betraten sie Beiden die Tribüne und Anthi sah sich nach bekannten Gesichtern um...

  • Leonidas, der Kultur aller Art liebte, ging selbstverständlich ins Theatron. Vorallem aber, weil er noch nie ein Werk dieses Mannes gesehen hatte und sich nun eine Meinung über ihn bilden wollte. Er hatte sich seine eleganteste Kleidung angezogen und setzte sich, nach dem er die Tribünen betreten hatte, zu den anderen Polites Alexandrinos um politische Kontakte zu knüpfen.

  • Theater!?
    An so etwas hatte ich bisher noch nie einen Gedanken verschwendet und doch rang ich mir einen Besuch zu dieser Komödie ab, um mein schier unterentwickeltes Kulturwissen/feingefühl zu verbessern.
    Und wer weiß, vielleicht würde ich ja eine neue Leidenschaft entdecken?
    Zumindest war mir eins klar, ein wenig herausputzen musste ich mich schon, schließlich wollte ich keine nervigen Sprüche ernten und so polierte ich meine Uniform auf hochglanz!
    Am Eingang grüßte ich kurz, schnappte mir natürlich noch ein Stück Brot vom Teller weg und verzog mich in den hinteren Teil des Theaterbaus.
    Dort lehnte ich mich locker gegen die Wand, biss von meinem Stück Brot ab und begutachtete das Geschehen auf der Bühne.

  • Als sich das Publikum auf den Plätzen des Theaters niedergelassen hatte, erschien auf der Bühne ein Mann, der nun mit lauter Stimme den Beginn der Vorführung verkündete:
    „Liebe Bürger, verehrte Gäste, wir freuen uns über Euer Erscheinen. Es ist uns und dem Prytanen Mithridates Castor eine besondere Ehre, Euch heute hier zu Ehren unserer Götter und der gesamten Bürgerschaft eine Darbietung der Komödie Der kleine Tyrann der lokalen Künstlergröße Melanthios präsentieren zu dürfen. Sie behandelt die Suche des kindlichen Tyrannen Nestor nach der ewigen Jugend."



    I. Akt: Im Thronsaal des Tyrannen


    Personen: Nestor: der kindliche Tyrann
    Magus Achilles: parthischer Zauberer am Hofe des Nestor
    Stultissimus: der Obersklave des Tyrannen und Geliebte des Achilles
    Iniucunda Urina: alternde, jungfräuliche Lupa


    Der Tyrann Nestor (dargestellt durch einen jugendlichen Darsteller) sitzt auf seinem Thron, in der einen Hand ein Becher voller Mohnsaft, in der anderen eine Spielzeugpuppe. Zu seiner Linken steht Stultissimus, der Obersklave und getreue Handlanger des Tyrannen.
    Ein dritter Mann, der parthische Zauberer Magus Achilles, in merkwürdigen langen Gewändern gekleidet, betritt den Saal und verneigt sich vor dem Tyrannen. Stultissimus und Achilles tauschen derweil verliebte Blicke aus.


    Tyrann, jammernd:
    Oh Achilles, mein Magier, was soll ich nur tun
    ich merk es, die Jugend, sie welkt nun schon.
    Nichts hat gewirkt, an Perser und Römer verkauft' ich mein Reich,
    doch vom vielen Mohn ist mir nun schon die Birne ganz weich!


    Achilles:
    Mein König, die ew'ge Jugend vollbringt nur Eins,
    es ist die Liebe, die uns Menschen so wichtig erscheint.
    So bracht ich dir die passende Frau,
    sie steht nun draußen, vor dem königlichen Bau.


    Der Tyrann horcht auf, stellt Becher wie Puppe beiseite und nimmt eine gerade Haltung ein.


    Tyrann:
    So bring sie herein!


    Eine Frau betritt den Thronsaal, gekleidet wie eine Dirne. Es ist dies Iniucunda Urina, eine alternde, jungfräuliche Lupa.


    Urina, ans Publikum gewandt:
    Iniucunda Urina, so werd ich genannt.
    Doch das Leben hat mein Herz leider schon oft verbannt.
    Nach Liebe dürstet mich doch so sehr,
    doch in meinem Alter, da mögen einen die Männer nicht mehr.
    Aber nun, so hoff ich, naht meine Chance.
    Der König, das seh ich, liegt wahrlich in Trance.


    Sie wendet sich Nestor zu, küsst und umarmt ihn. Nach einigen Sekunden stößt sie der Tyrann aber von sich weg, woraufhin die verschmähte Frau weinend aus dem Zimmer rennt.


    Tyrann, an Achilles:
    Es wirkt nicht, du Narr.
    Du sprachest nicht wahr.
    Stultissimus, mein Diener, greif nach dem Schwert,
    denn Achilles Leben ist nun nichts mehr wert.


    Der Obersklave zieht sein Schwert und erschlägt den Parther, ohne zu überlegen. Erst dann realisiert er, was er gerade getan hat und wirft sein Schwert von sich.


    Stultissimus, ans Publikum gewandt:
    Ach wünscht' ich doch, ich wär nicht so dumm,
    ich schlüge nicht immer mit der Peitsche rum.
    Mein Ein und Alles hab ich umgebracht.
    Nun folg' ich Achilles, der nie mehr erwacht!


    Er greift nach seiner Peitsche und erhängt sich an ihr, seinem Geliebten in den Tod folgend.



    Fortsetzung folgt

  • Anthi hatte sich umgeschaut und und Mithridates Castor erspäht. Gerade als er sich auf den Weg zu ihm machen wollte, schien das Stück zu beginnen. Also entschied er sich anders und setzte sich mit Penelope auf zwei noch freie Plätze, etwas weiter außen. Eigentlich störte ihn das auch nicht weiter, schließlich war er ja hier um mit seiner Verlobten einen schönen Abend zu haben, und dem stand ja weiterhin nichts im Wege.


    Am Anfang gefiel ihm das Stück sehr, war doch die ein oder lustige Stelle dabei, doch gerade gegen Ende des ersten Aktes wurde Anthi doch deutlich ernster und wirkte ein wenig nachdenklich.

  • Der Gymnasiarchos war, wie immer prachtvoll gewandet und von einem Kranz aus Epheben, Dienern und Leibwächtern umgeben, der Einladung des Agoraonmos gefolgt. Nun saß er da, auf seinem Platz in der ersten Reihe, und folgte mit eisiger Miene dem Schauspiel.
    Die plumben Anspielungen auf gewisse Personen des öffentlichen Lebens bemerkte Nikolaos sehr wohl, doch, wohl ganz entgegen der Absicht des Agoranomos, wurde er weder rot noch blass, noch machten sich Anzeichen des Ärgers an ihm bemerkbar.
    Seine Miene blieb starr, als die erste Szene geendet hatte.

  • II. Akt


    Personen: Nestor, der kindliche Tyrann
    Mithras, der Sonnengott
    Demos, der Geknechtete


    Nach dem Tod seiner beiden Vertrauten sucht der Tyrann den Ratschlag der Götter.


    Tyrann:
    Ihr Götter so helft mir, es reuet mich nun!
    Sagt mir doch, was soll ich nur tun?


    Ein kleiner Zwerg, ganz in gelb gewandet und geschminkt, erscheint auf einem Sockel über der Bühne. Es ist der Sonnengott Mithras, der mit tiefer Stimme antwortet:


    Mithras:
    Sterblicher, nun willst du doch sühnen,
    wie könntest dich auch für deine Taten noch rühmen?
    Erinnerst' dich Demos, des Knechts, den ließest du quälen,
    damit das Geld für deine marmorne Statue kannst zählen!
    Ruf ihn herein, um dir zu verzeihen,
    und ihm dein Leben dann zu weihen!


    Tyrann:
    So soll es sein, ihr Götter dort oben.
    Zu oft ließ ich meinen Schrecken erproben.
    Doch nun ist Schluss, wo bleibt meine Tugend,
    Lasst ein, den Demos, vergesst meine Jugend!


    Mithras verschwindet wieder, dafür taucht gleich darauf der Knecht Demos auf.
    Dieser tritt vor den am Boden knienden Tyrannen.


    Demos:
    Wie lange wart' ich auf diesen Moment,
    dass der Lebensfaden des Tyrannen endlich zu reißen beginnt.
    Der Wunsch nach Rache lässt mich erbeben,
    nur im Tod findet ein Schurke das ewige Leben.


    Demos zieht einen Dolch hervor und ersticht den Tyrannen. Dann besteigt er den Thron.


    Demos:
    Aus ist's mit ihm!
    Weder Fremden noch Tyrannen gehört die Herrschaft über dies Land.
    Krone und Szepter müssen in des Demos' Hand.



    Fortsetzung folgt

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