Der (un)bekannte Tote

  • Die Seuche forderte viele Opfer. Zu viele. Nicht nur Menschenleben, sondern auch Dinge, die nicht mit gleicher Sorgfalt und schon gar nicht in gewohnter Schnelligkeit erledigt wurden. Wegen der Seuche war der unbekannte Tote in einem alten Zelt außerhalb der Castra aufgebahrt worden. Erst Tage später konnte Ursus einige Minuten erübrigen, um ihn sich anzusehen. Er hatte auch erst spät erfahren, daß man einen Aurelier in dem Toten vermutete. Es war ein schwerer Schock für ihn, zu sehen, daß es sich um Cotta handelte. Er fand niemanden, der den Toten so behandelte, daß er noch nach längerer Zeit eine Reise nach Rom in annehmbarem Zustand überstehen würde. So blieb Ursus nichts anderes übrig, als seinem Vetter die letzte Ehre zu erweisen und ihn so gut wie unter diesen furchtbaren Umständen möglich den Riten entsprechend zu verbrennen. Seine Asche wollte er in einer Urne nach Rom bringen, sobald er selbst dorthin aufbrechen konnte.


    Cotta! Der gute Cotta! Tränen bahnten sich ihren Weg und mußten doch hinuntergeschluckt werden. Nicht jetzt! Er mußte stark sein! Für seine Männer! Kein Platz für Trauer oder feierliches Gedenken an den Toten. Nein, er mußte sich um die Legion kümmern. Und um die Stadt, die von ihren Oberhäuptern so schmählich im Stich gelassen worden war.

  • Sim-Off:

    Ich verwende einfach mal diesen Thread erneut, da mir der Titel ganz passend erschien. ;)


    Der Reiter war angekommen, hatte das Tor passiert und erreichte nun den kleinen Hof vor der Principia. Der Reiter lud die Leiche des Legaten vorsichtig vom Rücken des Pferdes ab. Ein Soldat hatte sich bereits aufgemacht, den Präfekten rufen zu lassen. Vorsichtig mit einem mulmigen Gefühl legte man den Gefallenen auf den Boden neben das Pferd. Ein Soldat endete auf dem Boden des Schlachtfeldes, hier auch symbolisch auf dem Boden des Kastells. Der Reiter wischte seine Hände an seinem Mantel ab, richtete sich auf und blickte zum Toten hinab. Es war ihr Legat gewesen, nun eine leblose Wachspuppe in elendiger Verfärbung. Bald würde der Verfall und Verwesung einsetzen. Einige Soldaten kamen herbei, da der Tod des Legaten bereits die Runde gemacht hatte. Es war die Rede von einem unbekannten Toten gewesen aber schnell wurde klar, dass Verus Mission einen Erfolg vorzuweisen hatte. Man hatte ihn gefunden. Leider tot. Eine kleine Menschentraube bildete sich um die Leiche.

  • Seneca war mit einigen Milites im Lager unterwegs als er ans Haupttor kam und sah dass es wieder irgendwas zu sehen gab. Die Gerüchte waren bei ihm noch nicht angekommen, schließlich war er auch noch nicht wirklich in die Truppe integriert und hatte wenig Kontakt zu einfachen Soldaten, welche umgekehrt wiederum Respekt vor dem Tribunus hatten und deshalb nicht Tratschen, sodass der Iunier wahrscheinlich der einzige Unwissende weit und breit war.


    Ein kurzer Blick verriet ihm dass er der ranghöchste am Schauplatz war, sodass er diesen Umstand nutzte um sich einen Überblick zu verschaffen..
    "Optio Tiberius! Was ist hier los?" fragte er laut und deutlich hörbar für alle anwesenden, einerseits um die Soldaten zur Disziplin zu rufen, aber andererseits auch weil er einfach alles erfahren wollte...

  • Einige Augenblicke nach dem tribunus (Licinus hatte sich noch schnell eine Zusammenfassung geben lassen) betrat der Lagerpräfekt des Szenarium. Wobei das so vielleicht nicht richtig war, denn das erste, was man von ihm hörte war ein Donnerkrachen.*



    "Silentium!"



    Schlagartig erstarb das Gemurmel und ein großer Anteil von Soldaten verfiel unwillkürlich in ein Stillgestanden.
    "Alles, was keine dienstlichen Obliegenheiten in der principia hat, trollt euch, aber zackig! Offiziere hierbleiben! Restliche Offiziere herholen!"
    Dann ging er zu dem optio, wo auch der neue tribunus schon eingetroffen war. "tribunus Iunius! Optio Tiberius!" Dann kniete er sich hinunter zu der Leiche, er besah sie, könnte aber nichts feststellen, außer das sie ziemlich mitgenommen aussah. Und roch, um nicht zu sagen stank, der Mann war offensichtlich schon längere Zeit tot.


    Licinus war es nicht unbedingt ungewohnt, dass auch im Frieden gestorben wurde, und dennoch. Es war irgendwie falsch, wenn es nicht im eigenen Bett stattfand. Unwillkürlich strich er dem Mann die ohnehin geschlossenen Augen zu, fast wie eine Entschuldigung, dass er häufig genug über dessen Pflichtvergessenheit geflucht hatte.


    Er erhob sich wieder und meinte mit ruhiger trockener Stimme.
    "Nun, optio. Dein Bericht?!"


    Sim-Off:

    *sich, wenn ihr euch noch kurz unerhalten wollt, bevor Licinus auftaucht macht das ruhig

  • Verus war gerade erst angekommen, hatte die Männer in die Barracke befohlen und war zur Principia, mehr oder minder erschöpft, gewankt. Der Gewaltmarsch von den Alpen bis hier an diesen Ort, war unausgesprochen anstrengend gewesen und man sah diese Anstrengung nur im Schweiße seines Angesichtes. Der junge Optio hatte die Menschentraube beobachtet, sich hindruch gedrängt und war urplötzlich vom Tribun laut aus seinen müden Gedanken gerissen worden. Mit schwitzenden Händen legte er seinen Marschstab ab, ebenso die sonstigen Güter, die er bei sich trug, wie Scutum. Was hier los sei? Sah der Tribun es nicht? Einfach die Augen aufmachen und in die Traube hineingehen! Verus war gereizt, obwohl die Frage des Tribun Iunius statthaft war. Dennoch die Müdigkeit und der gesehene Tod - eben jener Leiche - waren zu viel, um nun eine nüchterne Antwort zu geben. Der Tiberius trat vor den Tribun, wollte eine Antwort formulieren, als der Präfekt das Wort ergriff; gar brüllte. Der Drill griff, auch Verus zog die aufrechte Haltung (trotz Müdigkeit) vor. Antwortete er gleich beiden, ein glücklicher Zufall, da er so die traurige Erklärung nicht zweimal tätigen musste. Der Tod war selten angenehm zu berichten. Manchmal war er zwar Erlösung aber oft auch einfach zu endgültig, damit Menschen ihn vollens begreifen konnten. Gestorben wurde immer, wie auch immer getrauert wurde. Verus kannte den Legaten nicht aber hatte tiefes Mitgefühl für sein Schicksal, da er ihn geborgen hatte; ihn berührt hatte und sein Tod zu Teilen mit in Verus gefühlte Lebenswelt fiel. Schweißperlen bildeten sich an seinen Augenrändern, rannen herab und fielen in den Staub. Die braune Leinentunika, die er trug, war an den Achseln durchnässt und auch seinen Lippen waren nicht stabil im Bild: sie zitterten leicht. "Der Tod," murmelte der Tiberius das Gefühl weg, um wenigstens etwas Sachlichkeit wieder zu finden. Ein Gefühl wollte benannt werden und der Tod beschrieb es. Resignation. Verus Einsamkeit, als auch die Mission, waren bleibend im Geiste für den jungen Mann, der hier erschöpft aber aufrecht stand. Seine Augen waren zu leblos, um zwischen beiden Offizieren zu wechseln, dass sie sich gerade ausrichteten und in die Leere eines imaginären Raumes starrten. Mit seiner Rechten deutete er zur Leiche herab.


    Der symbolische Kniefall des Präfekten sowie seine Geste sprachen für Gefühle, die Männer mit Anstand wohl hatten. Verus hatte dies nicht vollens im starren Blick wahrnehmen können aber hatte die Bewegung mittelbar gespürt.


    "Ich melde, dass die Mission, den Legatus zu finden, abgeschlossen ist. Wir haben ihn gefunden." - ein harter Satz, direkt gesprochen, ohne Sachlichkeit. Die Stimme war erhoben aber brüchig. Laut aber nicht stark, sondern einfach geplärrt. Das Handzeichen seiner Rechten war eindeutig. Das dort, die traurigen Überreste eines Lebens, waren das Ziel der Mission gewesen. "Wir fanden ihn tot in einem Bachbett, Präfekt," erklärte der Optio dem Lagerkommandanten und endlich fand sich wieder Lebenskraft in seinem Gesicht und die Augen blickten zu Licinus. Dann der Blick zum Iunier.


    Sim-Off:

    Ich binde euch beide mal direkt ein ;)

  • Ein Soldat Eilte zu Fontinalis und stammelte etwas von Tod, Legatus und Befehl des Praefectus. Im Laufschritt eilte der Centurio zum Schauplatz.
    Irgendwer lag auf dem Boden und verbreitete ein kleines Düftchen. Noch hatte er nicht genauer hingesehen.
    Preafectus, melde mich wie befohlen. Auch den Anwesenden Tribun grüßte er Millitärisch, so wie sich das gehörte.
    Fontinalis wartete nun darauf endlich den Befehl zum rühren zu bekommen und zu erfahren was passiert sei.
    Was für ein Gestank waren die Gedanken die in seinem Kopf kreisten

  • Natürlich bemühte sich der Iunier darum so betroffen wie irgendmöglich auszusehen, aber er kannte den Mann nunmal nicht, und als Prätorianer hatte er schon mehr als eine Leiche gesehen die schon nicht mehr so ganz taufrisch war, sodass er den Anblick kannte, sich jedoch an den Gestank nie so recht gewöhnen konnte..
    Als dann der Praefectus und der Centurio eintraf, und der beide militärisch grüßte, schwieg er, auch ob der tiefen Gefühle welche den Praefectus scheinbar plagten.
    Es war eine gute Entscheidung dass der Iulier alle Milites von der Versammlung fernhielt, und Seneca trieb die Offiziere an das gesagte schneller durchzusetzen, immerhin sollte die Männer ihren Legaten so nicht sehen, sondern in einer ehrenvollen Zeremonie.

  • "In einem Bachbett? Irgendeine Idee wie er da rein kam? Irgendeine Spur von den Leibwächtern?" schnappte Licinus. Der arme optio mochte sich vorkommen wie in einem Verhör, aber Licinus wollte antworten, bevor er eine Nachricht nach Rom auf den Weg brachte. Es wäre durchaus unangenehm dann weniger zu wissen, als irgendjemand sonst.


    ~~~


    Nach dem Bericht und als alle centurionen der Einheit eingetroffen waren, galt es einige Anweisungen zu treffen.


    " Meine Herren, der legatus ist tot. Seine leichte wurde in den alpes geborgen un just hierher gebracht. Es gilt nun ihn ehrenvoll ins Reich Plutos zu überführen. Ich würde den legatus gerne heute noch verbrennen lassen, er liegt nun lange genug hier. Daher ergehen folgende Befehle: Jede centuria stellte einen Mann ab für das Totengeleit, geführt von einem tribunus. Alle Einheiten treten heute kurz vor der letzten Stunde vor Sonnenuntergang auf dem campus an. Meine Herren, ich erwarte Paradeuniform der Sonderklasse. optio Tiberius, mit den Männern, die du dabei hattest, beschaffst du eine angemessene Bahre und errichtest sie hier. centurio Hadrianus: Opfertier besorgen. Tribunus Iunius: Scheiterhaufen auf dem campus aufrichten lassen.


    Zeitplan: Punkt eine Stunde vor Sonnenuntergang bringen wir den Leichnam zum Scheiterhaufen auf dem Campus. Anschließend wird das Opfer vorgenommen. Berührt die Sonne den Horizont stecken wir den Scheiterhaufen an. Das Totengeleit wird alle zwei Stunden abgelöst, solange bis der Scheiterhaufen niedergebrannt ist.


    Fragen soweit?"


    Es war zu erwarten, dass das Feuer die nacht durch brennen würde entprechend bekam wohl jeder der tribuni einmal Gelegenheit die Ehrenwache zu befehligen.

  • Verus musste an ein altes Gedicht denken, dass er einst gelesen hatte. Ein paar Worte drängten sich in seinen Geist, die ihm passend erschienen.

    Wir sind das Schwert, wir sind die Flamme,
    es breche Zorn als finstere Flut,
    über Gier und Hass und Schande,
    euren Frevel frisst die Glut.


    Der Präfekt brauchte eine Antwort und kein Gedicht. Es gab keine weiteren Erkenntnisse, so leidlich es war. Verus, der angeschlagende Optio, hatte nichts anzubieten, außer seinen Eifer sowie den Schweiß in seinem Gesicht. "Unnatürlich - durch Sturz - scheint er abgelebt zu sein," antwortete der Tiberius auf Basis seiner kargen Informationen oder besser des Augenscheines. "Von den Leibwächtern wissen wir nichts und es gab auch sonst keine Spuren. Fakt ist: wir haben den ehrbaren Legatus im Bachbett aufgefunden." Verus holte tief Luft. Es war nicht einfach, direkt nach so einem Fund sachliche Aussagen zu treffen aber man musste funktionieren; irgendwie hineinpassen in diese Welt aus Trug und Schein, wo Arbeit und Funktion wichtiger waren als Emotion. Das war sein Bericht. Seine Aufgabe war erfüllt. Niemand mochte seinen Männern einen Vorwurf machen, dass sie nicht alles gegeben hätten, um den Legtatus zu finden. Immerhin war die Mission ohnehin mit einer Aussicht gestartet, garnichts aufzufinden. Immerhin war Italia groß und weit. Man hatte seinen Soll an die Ehrenkasse der Götter gezahlt, auch wenn die Stimmung dadurch nicht besser wurde. "Ich werde meine Männer instruieren und wir werden den Mann ehrenhaft aufbahren," nahm Verus den Befehl entgegen. Er würde seinen Soldaten einen extra Becher Wein ausgegeben müssen, nachdem sie auch noch diese letzte Pflicht erfüllt hatten. Die Leiche ließ sie immer noch nicht los.

  • "Verdammte Kerle. Klingt nach nem Unfall und die haben die Konsequenzen gefürchtet." knurrte Licinus, gänzlich angewiedert von dem Verhalten der ausgewählten Soldaten, die den Befehlshaber hätten schützen sollen.
    "Tribunus Iunius! Die Leibwache des legatus wird ab sofort als Deserteure behandelt. Sollten sie hier wieder auftauchen sind sie umgehend festzusetzen."


    "Wenn keine Fragen mehr sind wegtreten. Die Zeit wird langsam knapp."

  • Deserteure? In der Tat lagen die Tatsachen den geflüchteten Leibwächtern nicht zu Gute und eine gewisse Feigheit mochte man ihnen auch unterstellen. Feigheit war im militärischen Machtapparat aber wenig erwünscht und so waren sie wohl Deserteure, Fahnenflüchtige und damit militärische Straftäter. Verus mochte sich aber keine klare Meinung darüber bilden, da er den Vorfall nicht genau durchschaut hatte und im Zweifel urteilte der junge Patrizier nicht. In dieser Hinsicht war er vielleicht anders als der Präfekt, der im Grunde ein Urteil gefällt hatte. Verus hätte sich die betreffenden Person angehört und dann auf Grundlage der Fakten eine Entscheidung gefällt; niemals aus dem Moment. Spontane Entscheidungen überforderten ihn. Man mochte meinen, dass er langsamer dachte aber seine Wirrungen ließen kaum eine schnelle Entscheidung zu. "Jawohl," nickte der Optio, streckte sich noch einmal militärisch und trat dann ab. Wenig später würde er mit seinem Conternubium zurückkehren, um die Bahre zu errichten. Ein weiteres, hartes Stück Arbeit, nach dem Marsch - aber die Legionäre, ausgenommen Verus, waren es gewohnt, auch nach langen Märschen noch Bauten, wie Lager, zu errichten. Auch der Tiberius hatte sich daran angepasst. Man entzog sich dem Korpsgeist nicht ohne Strafe. Lieber schwitzen als bluten, so war wohl das Motto und bei den üblichen Strafen für Befehlsverweigerung war es wohl besser, zu schwitzen.

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