[Insula Tiberina] Templum Aesculapii

  • Templum Aesculapii




    Errichtet im Jahre 460 ab urbe condita an dem Ort, an dem die Schlange des Heilgottes Aesculapius, die eigens aus Epidauros per Schiff nach Rom gebracht wurde, an Land gegangen war. Der steinerne Schiffsbug an der Ostseite und der Obelisk in der Mitte der Insel erinnern an dieses Ereignis.


    Der Tempel ist eingefasst von Portiken. Unter diesen warten Kranke darauf, dass sie die Gnade des Heilgottes erfahren und ihnen eine Wunderheilung zuteil wird. In weiteren Gebäuden werden die Votivgaben und Weihgeschenke aufbewahrt oder sie dienen der Priesterschaft des Aesculapius.


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  • Zitat

    Original Decima Camelia:
    Die junge Decima griff nach der Hand der Medica, um sie nicht zu verlieren, plapperte unbeeindruckt der Widrigkeiten munter drauf los. Sieht die Insel nicht aus wie ein gebogener Schiffsrumpf? Bisher hatte ich das nur gehört, jetzt sehe ich das und bin überaus beeindruckt. In der Zwischenzeit, während Camelia sich noch staunend umsah, lenkte ihre Ornatrix die beiden Damen wohl weißlich in die östliche Richtung. Dort befand sich der Tempel des Aesculap und mittig gut sichtbar auch der Obelisk wie der Mast eines Schiffes.


    Wie schön war es, dass man auf dem Weg zum Tempel eine Brücke über den Tiber überqueren musste. Beeindruckt besah sich Chrysogona die Lebensader der Stadt. Die Lage auf der Tiberinsel hatte etwas ganz Besonderes. Irgendwie war man der restlichen Welt entrückt, wenn man auf die kleine, einem Schiff nachempfundene Insel hinüberwechselte. Die besondere Lage des Heiligtums erinnerte Chrysogona an den Unterweltsfluss Acheron, den Fluss des Leides und des Schmerzes, über den Charon die Seelen der Verstorbenen geleitete. Wie sinnbildlich, dass hier die Leidenenden und Schmerzgeplagten zunächst auf eine Insel im Fluss gingen oder gebracht wurden. Noch waren sie nicht auf der anderen Seite des Tiber-Acheron, wohin nur die Toten geleitet wurden, noch bestand die Möglichkeit, dass man sie heilte, dass der Heilgott Aesculapius ihnen seine Gnade zuteil werden ließ, ihnen durch ein Wunder Gesundheit schenkte. Fanden die Kranken kein Gehör, so war die Insel nur eine Zwischenstation auf dem Weg ins Schattenreich, sei es nun das Elysium oder der Tartaros.


    Die drei Frauen betraten den Temenos des Aesculapiusheiligtums. Direkt vor ihnen erhob sich der Tempel, der im typisch römischen Stil als Podiumstempel mit einem Säulenvorbau gestaltet war. Zunächst hatte Chrysogona nur Augen für den Tempel, doch dann fielen ihr die vielen Menschen auf, die das Tempelareal bevölkerten. Überall unter den Portiken standen, saßen oder lagen Menschen. Teils offensichtlich krank oder versehrt, teils auch nicht erkennbar krank aber vom Gesichtsausdruck her leidend.


    Mit einem fragenden Gesichtsausdruck wandte sich Chrysogona an Camelia und dann an Amanirenas. Sie bestürmte die beiden Frauen mit Fragen.
    "Was machen all die Menschen hier? All die offensichtlich Kranken und Gebrechlichen? Wo sind die Badeanlagen und die Unterkunftshäuser für die Kranken? Gibt es hier eigentlich ein Abaton?"

  • Voller Ehrfurcht betrat Anaia den Tempel. Tiefe Stille umfing sie, obwohl sie nicht allein hier war. Überhaupt war es auf der ganzen Insel erstaunlich ruhig, wenn man bedachte, welch drangvolle Enge überall herrschte. Welch ein Kontrast zu dem Lärm in der brodelnden Stadt auf der anderen Seite der Brücke!


    Obwohl der Weg nicht lang war - die Insel war ja nicht groß -, hatte sich Anaia zum Tempel regelrecht durchkämpfen müssen. Wie es schien, war jeder Quadratmeter hier doppelt und dreifach genutzt. Überall drängten sich Menschen - Gesunde und Kranke. Kein Wunder, der Kult des Asklepios und der Hygieia blühte im ganzen Imperium, und das Heiligtum hier war ein bedeutender Ort, dessen Ausstrahlung den ganzen Westen des Mittelmeers erreichte. Wo waren all die Priester und Beamten, die hier tätig waren, wohl untergebracht? Nun, sie würde es später herausfinden. Erstaunlich jedenfalls, dass anscheinend auf der Insel trotz der vielen Menschen (und Hunde) alles in geordneten Bahnen abzulaufen schien.


    Sie begab sich zu der großen Kultstatue des Asklepios mit Stab und goldener Schlange, flankiert von Statuen der Hygieia und des Apollon, und legte ihre mitgebrachten Gaben nieder: Blumen, Duftkräuter und einen Honigkuchen für die heilige Schlange.


    Ganz in Betrachtungen versunken, merkte sie nicht gleich, dass man sie ansprach. Erst als ihr jemand auf die Schulter tippte, drehte sie sich um.

  • Chrysogona betrat den Tempel nie ohne die Begleitung eines Priesters. Doch als sie sah, dass eine Frau auf eigenen Faust mit Opfergaben in das Allerheiligst ging, trat sie hinter ihr ein. Im Hause der Götter die Stimme zu erheben war nur den Priestern gestattet oder aber dem Opfernden in Anwesenheit des Priesters. Also tippte sie der Frau nur sachte auf die Schulter, nickte zur Begrüßung zu gab der Brünetten mit dem Kinn zu verstehen, ihr nach draußen zu folgen.

  • Eine dunkelhaarige junge Frau, die trotz ihrer Jugend Autorität ausstrahlte, winkte Anaia nach draußen.
    Schweigend und noch leicht benommen folgte sie ihr in die Vorhalle.
    Im Schatten der Säulen blieben sie stehen.


    "Verzeihung", sagte Anaia, "ich hätte den Naos nicht allein betreten dürfen, nicht wahr?
    Es war niemand da, den ich fragen konnte.
    In dem kleinen Tempel meiner Heimatstadt war ich dazu berechtigt, aber hier natürlich nicht …
    Es tut mir leid, ich hätte daran denken sollen …"


    Sie biss sich auf die Lippen.
    Wie viele Fehler würde sie noch machen, bis sie sich daran gewöhnt hatte, dass in Rom alles anders war?


    "Bist du eine Priesterin hier im Tempel?", fragte sie ihr Gegenüber.

  • Die Medica lächelte. Die Frau war, ihrem Akzent nach zu urteilen, keine Römerin. Sie hatte einen starken Akzent, griechisch mit der Ausprägung, die auf Kleinasien hinwies. Nun verstand Chrysogona auch, warum sie einfach in den Tempel eingetreten war.
    "Salve. Du stammst nicht von hier, wie ich deinem Akzent entnehme. Dort wo du herkommst ist der Götterkult sicherlich persönlicher und weniger förmlich. Mein Name ist Plinia Chrysogona und ich bin auch keine gebürtige Römerin. Ich stamme aus Alexandria und lebte lang auf Kos im Asklepieion. Priesterin bin ich keine. Ich bin Medica und helfe hier bei der Untersuchung und Behandlung der hilfesuchenden Kranken und Versehrten. Hier in Rom ist der Götterkult sehr formalisiert und sogar der Kult des Asklepios muss sich in das römische Korsett kleiden lassen, um zugelassen zu werden. Du wirst hier auf der Tiberinsel zwar die Asklepiosnattern finden, in einem der Nebengebäude, in dem auch die Priester wohnen, aber keiin Abaton für die Inkubation. Manchmal bringen die Priester die Schlangen auch hier in den Tempel, aber keine Sorge, sie sind ungiftig."


    Sie sah die etwa gleichaltrige Frau neugierig an. "Wo kommst du her, wenn ich fragen darf? Und wie ist dein Name?"

  • Zitat

    Plinia Chrysogona:
    An der Basilica Iulia bogen sie links ab und erreichten das Marcellus Theater von hinten her. Nachdem sie es umrundet hatten lag der Tiber und damit die Tiberinsel direkt vor ihnen.


    Die Pons Fabricius führte auf die Insel. Das Eiland hatte die Form eines Schiffes und kluge Baumeister hatten dies zu nutzen gewusst. Sie gaben der Inselspitze eine steinerne Einfassung in Form eines Schiffsbugs. Ihn schmückte eine Äskulapnatter, die sich um den Stab des Heilgottes wand. Der von ihnen aus linke Teil der Insel, der dem Bug des Schiffes entsprach trug das Heiligtum mit seiner Porticuseinfassung. Der Podiumstempel ragte daraus empor. Auch das kleine Schatzhaus links vor dem Tempel war über die Umfassungsmauer des Temenos zu erkennen. Seine roten Ziegel überragten die Umfassungsmauer. Deutlich stach auch ein Obelisk hervor, der gleich einem Mast die Mitte zwischen beiden Brücken, die die Tiberinsel mit dem Festland verbanden, markierte. Die genaue Bedeutung der verschiedenen Gebäude wollte Chrysogona ihrem Begleiter erklären wenn sie auf der Insel waren. Also beschrieb sie ihm vor dem Marcellustheater stehend nur die Bedeutung der Schiffsform.


    "Hier siehst du das Tempelareal des Äskulapius." Sie deutete auf die linke Seite der Insel. "Siehst du, dass sie die Form eines Schiffsrumpfes hat? Weißt du warum das so ist? Und warum sich an dem marmornen Schiffsschnabel die Schlange nach oben windet?"


    Zitat

    Marcus Helvetius Commodus: "Ja ich sehe die Form. Die Insel war wahrscheinlich von Anfang an so geformt. Während meiner Ausbildung hatte ich mehrer Stunden in denen es darum ging das Meeresinsel in der Regel eher rundlich geformt sind und daher ganz anderes bebaut werden müssen als Flussinseln die eigentlich immer länglich sind. Meinst du das?" Er sah noch einmal konzentriert zum Schiffsschnabel. "Ich denke mal das das ein deutliches Zeichen und Verehrung für Äskulapius wegen ist oder? Die gewundene Schlange ist doch sein Zeichen...wobei ja eher um einen Stock gewunden als um einen Schiffsschnabel. Bedeutet das noch das viele Kranke per Schiff hergebracht werden?"


    Chrysogona lächelte.
    "Ja das mit der Form der Inseln wäre eine Möglichkeit. Und das mit der Schlange ist natürlich richtig. Die letzte Vermutung aber ist nicht richtig. Es hat etwas mit der Geschichte des Äskulapkultes auf der Tiberinsel zu tun. Als einst eine Seuche Rom bedrohnte, ich glaube es ist etwa 400 Jahre her, da befragte man die Sibillinischen Bücher um eine Antwort auf die Frage, wie Rom zu retten sei. Die Antwort aus den Büchern der Seherin war, dass man den Heilgott Asklepios aus Epidauros, seinem Kultort holen solle. Die Priester von Epidauros waren zwar wohl nicht glücklich aber erkannten die Notlage. Sie gaben den Römern eine der heiligen Schlangen mit, die sozusagen den Geist des Heilgottes in sich tragen. Per Schiff wurde die heilige Schlange nach Rom transportiert. Hier an der Insel lief das Schiff auf Grund und die Schlange machte sich auf den Weg an Land. Deshalb gründete man hier den Tempel und deshalb hat man die Form der Insel, da hast du sicher recht, dass das typisch für Flussinseln ist, dem Schiff nachgeformt, das die Schlange des Äskulapius nach Rom brachte. Im Bug sieht man heute die marmorne Nachbildung der heiligen Asklpiosnatter, die sich auf die Insel windet. Die meisten Kranken betreten die Insel über eine der beiden Brücken. Und das werden wir jetzt auch tun. Komm!"


    Sie ergriff seine Hand und führte ihn zu der Brücke.

  • Commodus hörte aufmerksam und interessiert zu. Er befand das die Begründung und die Form der Insel sehr gut zusammenpasste. Er folgte ihrer Aufforderung und kam mit. Doch verging der Weg nicht schweigend.


    "Ich finde das mit der Schlange und der Schiffsform des Tempels bzw. der Insel sehr interessant. Sag sind dir weitere Tempel dieser Form auf Inseln bekannt? Ich dachte bisher immer das Flussinsel ausschließlich aufgrund des Fließens der Ströme so länglich geformt sind. Aber vielleicht haben die Götter da auch die Finger im Spiel."


    Eine kurze Pause entstand


    "Auf Paxos und Andipaxos gab es relativ wenige Schlangen ich fand sie aber immer spannend. Noch mehr gefallen mir allerdings Testdudinata...von denen hatte ich als Kind ein ganzes Dutzend. Wie auch immer hat der Tempel noch die heilige Schlange oder Nachfahren von ihr?"

  • Die Medica dachte kurz nach.
    "Tatsächlich gibt es im Nil auch einige Inseln mit Tempeln. Aber die Schiffsform, da muss ich nachdenken. Der Isis oder Hator-Tempel auf Philae, das ist so ein passendes Beispiel, denke ich. Die Form der Insel ist durchaus ähnlich der Tiberinsel, die Außenmauer wurde der Insel angepasst, also kann man durchaus von Schiffsform sprechen. Es sind noch andere Tempel auf der Insel, aber der der Isis ist wohl am wichtigsten. Auf einer kleinen Insel, gleich nebenan, ist ein weiterer Tempel, der Isis und dem Osiris gewidmet und das mythologische Osirisgrab. Man sagt, dass Isis von der Insel Philae mit dem Schiff nach Bigeh übersetzt wo das Grab ihres Geliebten Osiris liegt. Diese Insel hat auch in etwa Schiffsform. Jetzt wo du den Zusammenhang herstellst... vielleicht ist wirklich etwas dran und die Götter haben da die Finger im Spiel!"



    Sie betraten die Brücke und blickten über die Brüstung in das trübe Wasser des Tiber. Chrysogona musste an den Nil denken, der auch nur selten klar und sauber war. In Alexandria, wo sie groß geworden war, im Delta des Flusses wurde durch die Gezeiten immer Nilschlamm mitgeführt und ganz abgesehen davon war Alexandria eine große Stadt mit fast 200.000 Einwohnern.
    Commodus kam auf die heiligen Schlangen zu sprechen.
    "Oh ja, natürlich gibt es hier welche! Wie in jedem Äskulaptempel, den ich bisher gesehen habe. Das ist auch ganz wichtig. Denn wenn Menschen mit Krankheiten kommen für die es keine bekannten Heilmittel gibt, führt man sie ins Heiligtum und ein Priester berührt sie mit einer der heiligen Schlangen. Wird der Patient gebissen, so sagt man, dass er genesen wird. Es gilt auch als heilsam von Schlangen zu träumen oder im Traum von einer Schlange gebissen zu werden. Der Biss ist übrigens gänzlich harmlos. Es tut nur kurz ein wenig weh. Viel unangenehmer ist das stinkende Sekret, das sie absondern."


    Chrysogona rümpfte die Nase. "Wenn sich die Schlangen bedroht fühlen, dann bekommt man es zu spüren und zu riechen. Der Priester, der sich hier auf der Insel um die Schlangen kümmert schwört übrigens Stein auf Bein, dass die Schlangen nicht stinken. Aber ich glaube er riecht es überhaupt nicht mehr, weil er diesen Gestank so oft in der Nase hat."


    Sie kicherte. Dann betraten sie die Insel. Es war voll auf dem zentralen Platz, von dem man den Temenos betreten konnte. Die Schlange dort war lang. Rechter Hand befand sich ein Brunnenhaus unter einem Dach, getragen von Säulen, das Gebäude links war der Priesterschaft vorbehalten. Als sie sich gereinigt hatten und den Innenhof des Tempelareals betraten sahen sie vor sich den "Mast" des "Schiffes", einen Obelisk.

  • Commodus hörte ihr weiter zu. Während sie von ihrer Heimat berichtete und aus ihrem Wissensschatz nutzte er die Gelegenheit sie dabei genau zu betrachten. Es gefiel ihm wie sie sich ausdrückte. Wie sie ihr gesammeltes Wissen zeigte ohne dabei damit anzugeben.


    "Ich werde die Tage mal in meinen Unterlagen nachsehen und in einige Schriftsammlungen reinschauen. Mir fällt aus dem Gedächtnis keine einzige Flussinsel ein die nicht diese längliche Form hat. Anschließend werde ich nachsehen wie viele und vor allem von welchen Göttern Tempel auf schifförmigen Inseln liegen und welche nach dem Vorbild eine Akropolis auf Bergspitzen. Vielleicht kann man am Ende daraus sogar etwas ableiten aus dem man sagen kann welcher Baugrund für den Tempel welchen Gottes der bessere ist. So etwas gibt es ja schon für gewisse Bauten...z.B. klare Empfehlungen für den Untergrund bei Aquädukten..."


    Noch während er über diese Idee nachdachte überquerten sie die Brücke und waren sowohl auf der Insel als auch beim Tempel angekommen.
    "Das bedeutet das es immer die gleiche Art Schlangen sind. Denn es gibt ja durchaus Schlangen die giftig sind und ehrlich gesagt die allermeisten die ich bisher gesehen habe rochen gar nicht."


    Commodus stellte sich den Betreuer der Schlangen vor und rümpfte grinsend ebenso die Nase.
    "Hoffentlich riecht er denn dann wenigstens noch wenn er selber stinkt?"


    Auf dem Gelände angekommen galt sein erste Blick, dass war wohl eine Berufskrankheit von ihm, dem Zustand der Bauten und weniger dem der Menschen.

  • Chrysogona und Commodus standen vor dem Podiumtempel des Äsculapius. Wie im griechischen und Römischen Cultus üblich stand ein Opferaltar vor den Stufen zum Tempel. Darau glimmten die Kohlen für die zahlreichen Opfergaben der Hilfesuchenden.
    Die Medica sah den Kennerblick ihres Begleiters und begann die Gebäude aufzuzählen. Dazu drehte sie sich um zu den beiden Gebäuden, die den Eingang flankierten. Das nun rechts gelegene hatte zwei Geschoße.
    "Wie ich schon gesagt habe ist dieses Gebäude den Priestern vorbehalten. Sie haben ihre Kammern im Obergeschoss. Unten sind die Untersuchungs- und Behandlungräume. Für ein Abaton, wo man den Tempelschlaf vollziehen könnte, der so typisch für den Aslepioskult, äh Aesculapiuskult ist, ist auf der Inselspitze kein Platz. Manchmal lassen die Priester die Ratsuchenden deshalb in den Behandlungsräumen übernachten und sogar dort", sie deutete mit dem Finger auf die Porticusumfriedung rechts und links des heiligen Bezirks unter dem im Augenblick diverse Hilfesuchende wandelten oder saßen, "übernachten die Kranken und Versehrten. Eigentlich unhaltbare Zustände. Schon im Hinblick auf die Hygiene..."


    Sie seufzte und wandte sich mit dem Gesicht zum Tempel. "Der Tempel ist reich. Die vielen Rat- und Hilfesuchenden spenden reichlich. Dort zur Linken des Tempels ist das Schatzhaus. Aber das Collegium besitzt natürlich viel mehr als dort gelagert werden kann. Deshalb haben wir auch beschlossen, einen weiteren Aesculapiustempel außerhalb der Stadt, doch in der Nähe zu erbauen. Dort soll ein richtiges Heiligtum entstehen, so wie auf Kos oder in Epidauros. Mit Badehäusern, Quelltempeln für die Trinkkuren, Abaton für den Tempelschlaf und Gästehäusern, wo die Heilungsuchenden auch länger bleiben können. Hier auf der Insel wird eine Vorauswahl getroffen. Wer nur opfern will und schnellen Rat sucht, kann hier bleiben, wer eine langwierige Behandlung benötigt, den Tempelschlaf vollziehen will oder sich einer Kur unterziehen will, muss an den Almo weiterziehen. Es ist nur ein paar Meilen südwärts gelegen an der Via Appia. Du musst auch die Seuchengefahr bedenken. Wenn sich hier, mitten in Rom, Menschen versammeln, die ansteckende Krankheiten haben, bekommen wir im Nu ein riesiges Problem."


    Chrysogona sah Commodus an, ob er ihr folgen konnte.

  • "Der Aus- beziehungsweise Neubau eines weiteren Tempels scheint mir dringend nötig!"
    Besorgt sah Commodus zu den vielen Menschen hinüber.


    "Welche Anforderungen gibt es an die Behandlungsräume? Ich hätte vielleicht eine Idee wie man kurzfristig das Problem lösen könnte und aus den Behandlungsräume die ...Schlafräume machen könnte."


    Er machte eine kurze Pause:


    "Wie weit ist der Tempelbau am Almo denn? Ist er schon begonnen oder wird noch ein genaues Grundstück gesucht?"

  • Commodus verstand sofort die Dringlichkeit. Chrysogona freute das. Endlich schien es ihr, dass jemand das Problem sofort erkannte.
    "Die Räume sind auch so schon geeignet als Schlafräume. Aber es sind natürlich viel zu wenige. Bequem muss es ja nicht sein, dass ist ja nicht der Sinn und Zweck. So eine Behandlungsliege kann vorübergehend auch als Schlafplatz dienen. Aber auf Kos oder in den anderen Asklepieia verbringen Hilfesuchende oft längere Zeit. Tage bis Wochen. Dafür ist der Bau hier ungeeignet. Zumal die Priester ja auch ihre Behandlungsräume brauchen. Und wo tagsüber zur Ader gelassen wurde, schläft es sich nachts nicht so gut. Du verstehst schon..."


    Wie erwartet kam das Gespräch auf den Tempelbau am Almo. Chrysogona musst nun gestehen, dass sie sich nicht hatte kümmern können, weil sie wegen des Todes ihres Vaters so lang in Alexandria gewesen war.
    "Tja, das ist so eine Sache. Das Grundstück ist gefunden. Es liegt günstig unweit der Via Appia und zudem in der Nähe von Frischwasserquellen. Ein Grundstück direkt am Fluss, der Tempel könnte ein wenig erhöht am Ufer liegen. Aber für den brauchte es natürlich noch einen Sponsor. Das Geld aus den Tempeleinnahmen auf der Tiberinsel reicht bei weitem nicht aus. Davon könnten die Gebäude für die Priesterschaft und das ein oder andere zusätzlliche errichtet werden, nicht aber ein Tempel, eine Therme, das Abaton ect. Wir müssen also auf einen Mäzen warten oder hoffen, dass die kaiserliche Kasse den Bau unterstützt. Ehrlich gesagt, ist es noch lange nicht abzusehen, wann dort die Baumaßnahmen starten können."

  • Commodus grübelte etwas und hakte dann nochmal nach.
    "Nehmen wir einmal an der Platz wäre nicht das Problem und man könnte ohne weiteres was dazu bauen. Wären die vorhandenen Räume besser geeignet als Schlafräume für den Kult üblichen Heilschlaf.
    Oder wären sie besser geeignet als Behandlungsräume an denen sich der Tempelschlaf anschließt?
    Wenn ersteres der Fall ist, also der Tempelschlaf in den vorhandenen Räumen durchgeführt werden kann, wenn die Räumlichkeiten nicht mehr für die Behandlungen gebraucht würden...nun dann wüsste ich vielleicht eine kurzfristige Lösung.
    Dazu müssten wir aber eben noch einmal an den Rand des Geländes gehen. Vor allem den Uferbereicht direkt am Tempel müsste ich mir ansehen. Geht das?"


    Zu dem Tempelneubau wollte er gleich noch einmal zurückkommen. Erst einmal das akute Problem lösen dachte er sich.

  • Chrysogona hörte zu. Sie versuchte zu erahnen, worauf Commodus hinauswollte. Er dachte wie ein Architekt, sie wie eine Medica, die lange im großen Heiligtum auf Kos gelebt hatte.
    "Nun, Commodus, der Tempelschlaf ist ein kultischer Akt, der Besuch eines Gottes im Traum ist eine heilige Angelegenheit. Profane Räume in denen Aderlässe gemacht werden, die Schröpfköpfe aufgesetzt und Abszesse eröffnet werden, sind denkbar ungeeignet, wenn man auf die Visite eines mythologischen Arztes wartet, der einem sagt, was man machen muss um wieder gesund zu werden. Eigentlich sollte es eine geräumige Halle geben durch deren Säulengesäumten Umgang man tagsüber wandeln kann und in dessen Einzelräumen man nachts auf den einfachen Liegen sich dem Tempelschlaf ergeben kann. Wie gesagt, eher ein edles, kultisches Gebäude. Diese Räume hier sind profane Behandlungsräume. Aus ihnen wird nie ein Abaton."


    Er schien wirklich an einer kurzfristigen Lösung des Problems gelegen zu sein.
    "Wir können gerne an den Rand des Geländes gehen und uns den Uferbereich ansehen."

  • Commodus verneigte sich kurz entschuldigend. Während sie zum Uferbereich gingen sagte er:
    "Entschuldige bitte. Es liegt wahrscheinlich daran das ich zum Glück noch nie in der Verfassung war um in einem Asklepiostempel um heilenden Schlaf zu bitten. Es wird sicherlich die Zeit kommen das auch ich auf die Hilfe eines mythologischen Arztes angewiesen sein werde. Bisher war dem aber noch nicht so."


    Sie waren am Rande des Geländes angekommen. Commodus besah sich kurz das Ufergelände, vor allem wie Steil der Hang bis hinunter zum Fluss war. Er schien im Kopf kurz durchzurechnen.


    "Nun...ich habe folgende Idee. Der Bau eines Tempels, besonders wenn man erst an dem Punkt der Arbeiten ist an dem die Tempelgemeinschaft im Moment ist, dauert sehr sehr lange. Selbst wenn schon alles Geld vorhanden wäre. Wir aber müssen ja erst noch anfangen Geld zu sammeln. Ich werde meinen Teil dazu beitragen doch fürchte ich kann ich nicht alleine den Bau eines Tempels tragen.
    Doch ich will nicht über die Probleme sprechen die wir nicht oder nur sehr langfristig lösen können.
    Was aber vielleicht möglich ist, so fern die Tempelgemeinschaft dem zustimmt.
    Ich denke es ist möglich hier an dieser Stelle eine Rampe aus Holz zu errichten. Im Tiber selber könnte man eines der schweren Lastschiffe die Waren aus Ostia bringen verankern. Da dieses nach dem verankern ja nicht mehr ständig bewegt werden soll könnte man relativ unaufwendig größere Umbauten an ihm vornehmen. Räumlichkeiten zimmern lassen und so auf dem Schiff Platz und Möglichkeit für Behandlungsräume zu schaffen. Ich muss es noch einmal genau nachrechnen und messen aber vielleicht ist es sogar machbar das man eine Rampe oder Weg zum Schiff errichten kann auf die die normalen Kranken gehen. Dazu einen zweiten auf den die Kranken die nach der weltlichen Behandlung noch auf den Heilschlaf angewiesen sind sich auf den Weg zu der Schlafhalle im Tempel machen können.
    Was hälst du davon?"

  • Mit großen Augen hörte Chrysogona dem Vorschlag des Helvetiers zu. Es klang sehr abenteuerlich. Ein Schiff für die Behandlungen?
    "Commodus, das klingt für mich sehr abenteuerlich. Was ist mit Hochwasser? Müssen wir nicht Angst haben, dass alles weggespült wird? Der Tiber ist ja nicht immer so ruhig wie jetzt. Und wie ist es da unten mit Ratten? Man hört ja immer, dass sich die Tierchen am Wasser so wohl fühlen."


    Die Medica sorgte sich, auch wenn sie sich natürlich freute, dass Commodus sich um eine schnelle Lösung bemühte.

  • Eiligen Schrittes trug Caesoninus das verletzte Turmfalkenweibchen in seinem mit Heu ausgepolstertem Korb durch Rom, das er bei der Stadtmauer gefunden hatte. Schon überquerte er die östliche Brücke der Tiberinsel, um danach auf dem allgemeinen Tempelvorplatz zu kommen (bei aller Eile jedoch natürlich immer auch auf den Vogel achtend). Noch in der Bewegung hatte er schon begonnen sich nach Personen auf der Insel umzusehen, die wie ein Heiler aussehen könnten.


    Doch auf den ersten paar Blicken konnte er einfach keinen entdecken, was ein leichtes Gefühl der Frustration in ihm weckte. Der Falke fiepte inzwischen noch schwächer, auch wenn ihm sein weiches Polster bestimmt besser bekam, als zuvor noch der harte Erdboden. Doch was jetzt unternehmen?
    Caesoninus war schon so weit gekommen, es konnte doch jetzt nicht alles an einem fehlenden Heiler auf der Tiberinsel scheitern!
    Unruhig sah er sich um, doch da war immer noch niemand passender. Sein Blick fiel schließlich auf einen Mann und eine Frau, die beide ganz nah bei ihm am Ufer standen. Vielleicht wussten die ja Rat, oder vielleicht war der Mann sogar ein Kundiger der Medizin. Schnell eilte er mit seinem Korb mit dem Falken darin auf die beiden zu und sprach sie an: "Salvete, kennt ihr zufällig einen Heiler hier irgendwo, der sich den gebrochenen Flügel dieses Falken ansehen könnte?" fragte er schnell und zeigte ihnen das Falkenweibchen im Korb.

  • Zitat

    Original von Plinia Chrysogona
    Mit großen Augen hörte Chrysogona dem Vorschlag des Helvetiers zu. Es klang sehr abenteuerlich. Ein Schiff für die Behandlungen?
    "Commodus, das klingt für mich sehr abenteuerlich. Was ist mit Hochwasser? Müssen wir nicht Angst haben, dass alles weggespült wird? Der Tiber ist ja nicht immer so ruhig wie jetzt. Und wie ist es da unten mit Ratten? Man hört ja immer, dass sich die Tierchen am Wasser so wohl fühlen."


    Die Medica sorgte sich, auch wenn sie sich natürlich freute, dass Commodus sich um eine schnelle Lösung bemühte.


    Commodus dachte einen Moment nach bevor er ihr antwortete:
    "Ich würde mich vorher noch einmal erkundigen. Ich weiß aber von den Häfen an der Küste das man sie so bauen kann das wenn auf dem Meer Stürme herrschen die Schiffe so vertäut werden können das es kein Problem wird. Ebenso an Flüssen deren Pegel stark schwankt. Das Hochwasser wird ja langsam ansteigen und nicht von einen Moment auf den anderen. Es wäre halt nur kein absolut ebener und ruhiger Arbeitsort...also im Sinne davon das der Boden sich sicherlich immer leicht bewegen würde. Wenn ich dann an komplizierte Operationen denke so wie die die du bei Varus gemacht hast...oder wird hier sowas gar nicht durchgeführt?"


    Bei der Frage nach den Ratten musste er erst einmal passen.
    "Was die Ratten angeht müsste ich mich erst einmal schlau machen. Ich könnte mir denken das sie dann eher von anderen Dingen angelockt werden."
    Sein Blick ging ans gegenüberliegende Ufer wo die dichtbesiedelte Stadt und ihre Wohnblöcke war.

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