Ein Schiff wird kommen

  • DECRETUM DECURIONUM


    Edictum Porti Mogontiacensis


    1. Diese Hafenordnung beinhaltet Regelungen für die Nutzung des städtischen Hafens im Vicus Navaliorum.


    2. Die Aufsicht über den Hafenführt die Stadtverwaltung von Mogontiacum. Für die Überwachung der Hafenordnung kann die Stadtverwaltung einen Hafenmeister anstellen, dem Arbeitsräume in unmittelbarer Nähe zum Hafen zur Verfügung gestellt werden. Den Anweisungen der Stadtverwaltung und des Hafenmeister ist unbedingt Folge zu leisten.


    3. Der Hafen von Mogontiacum umfasst 35 Anliegeplätze und 15 Liegeplätze. An den Anlegeplätzen können Schiffe für die Zeit des Be- und Entladens angelegt werden. Die Nutzung der Anliegeplätze ist auf maximal fünf Tage begrenzt. Liegeplätze sind ständige Anlegestellen und können dauerhaft vermietet werden. Die Vermietung erfolgt ausschließlich an Bewohner Mogontiacums.


    4. Die Anlegeplätze und Liegeplätze sind durch Holzstabreihen voneinander getrennt. Schiffen, die nicht in die markierten Plätze hineinpassen, ist die Nutzung der Anlegeplätze und Liegeplätze nicht gestattet.


    5. Das Be- und Entladen der Schiffe ist nur unmittelbar vor den eingegrenzten Plätzen gestattet.


    6. Zum Zweck des Brandschutzes ist offenes Feuer auf den im Hafen liegenden Schiffen strengstens verboten. Weiterhin sind an jedem Anlege- und Liegeplatz mindestens drei Eimer Löschwasser von den Schiffseignern bereitgestellt sein.


    7. Verstöße gegen diese Hafenordnung können mit Geldstrafen von bis zu 200 Sesterzen geahndet werden. Wiederholte Verstöße können mit dem vorübergehenden oder endgültigen Entzug des Liegeplatzes oder dem Verbot der Nutzung der Anlegestellen geahndet werden. Über die Höhe der Strafe entscheidet die Stadtverwaltung. Widerspruch ist bei den Duumvirn möglich.


    Erneut hatte Curio eines seiner Anliegen auf die Tagesordnung einer Contio setzten lassen. Dieses Mal ging es um die von ihm im Wahlkampf angekündigte Hafenordnung.


    Werte Decurionen!


    Wie in meinem Wahlkampf angkündigt möchte ich heute den zweiten großen Entwurf meiner Amtszeit vor euch bringen. Der vorliegende Entwurf einer Hafenordnung soll die Nutzung des zivilen städtischen Hafens im Vicus Navaliorum Ich habe mich hierbei dafür entschieden die Plätze in Anlegeplätze und Liegeplätze zu unterteilen. Deren Unterschied besteht in der Dauer der Nutzung sowie der Zahlung von Liegegebühren. Weiterhin sind Regelungen zum Brandschutz sowie zur Hafenverwaltung vorgesehen.


    Wie immer stehe ich für Fragen, Anmerkungen und Änderungswünsche gerne zur Verfügung.

  • Kaeso Lucceius Philonicus
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    Kaeso Lucceius Philonicus war einst Quaestor Mogontiacums gewesen und legte deshalb stets ein besonderes Augenmerk auf die Finanzierung der im Rat vorgestellten Projekte. Nachdem er den Entwurf des Helvetiers gelesen hatte, zeigte er unverzüglich auf und erbat das Wort.


    "Werte Decuriones, ich erkenne den Vorteil einer Hafenordnung an und sehe, dass ein solches Regelwerk der Ordnung der Geschäfte am Rhenus nur zuträglich sein wird. Aber wieso der Parteigänger der Duccii Helvetius in seinem Entwurf keinerlei Angaben zur Höhe der Liegegebühren macht, oder ob der Hafenmeister die Höhe selbst bestimmen soll, ist mir schleierhaft! Offensichtlich ist man im Lager der Duccii der Meinung, dass unser Hafen kostenfrei genutzt werden soll, solange man bloß kurzfristig ein paar Waren löscht!"


    Kaeso Lucceius Philonicus hatte mit der Zeit ein gutes Verhältnis zu Galeo Laetilius Fecenianus entwickelt, einem alteingesessenen Gegner der Duccii. So hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, eine Opposition zur allgegenwärtigen Übermacht der germanorömischen Sippe zu erhalten, was bisweilen schwerfiel. Deshalb setzte er nun umso heftiger dem Entwurf der Hafenordnung des Klienten eines Ducciers zu. Weil er es konnte.


    "Außerdem möchte ich nicht ungesagt lassen, dass unter 7. leider nicht erläutert wird, wer denn besagte Geldbußen verhängen soll. Der Stadtrat? Der Hafenmeister? Der Aedil? Ich denke, Helvetius, du solltest diese Hafenordnung angesichts ihrer Mangelhaftigkeit nochmal gründlich überarbeiten."

  • Curio wusste mittlerweile um die groben Allianzen innerhalb des Ordo Decurionum. Als Anhänger der Duccier gehörte er wohl zum größten Block des Ordo, doch gab es mittlerweile mehr und mer größere und kleine Gruppierungen, die in offener Opposition zu den Duccien und damit auch zu deren Parteigängern standen. Daher hörte sich Curio die Angriffe des lucceischen Dercurios an, bevor er sich in seiner Funktion als amtierender Aedil zu Wort meldete. Es gehörte zum Gewohnheitsrecht des Ordo, dass amtierende Mitglieder der Stadtverwaltung bevorzugt auf die Rednerliste gesetzt wurden, besonders, wenn sie selbst einen Entwurf einbrachten. Mit seiner schnellen Wortmeldung machte Curio daher auch klar, dass er nicht allein auf die duccische Protektion zu setzen, sondern sich und seinen Entwurf auch selbst zu verteidigen gedachte. Und so ließ er die Zustimmungsbekundungen der Oppositionsgruppen verklingen, bevor er wieder das Wort erhob.


    Du überrascht mich, Quaestorius Lucceius, denn auch wenn mein Entwurf sicherlich noch nicht perfekt, ist er andererseits auch nicht so problematisch, dass er komplett von der Tagesordnung entfernt werden müsste. Ich möchte an dieser Stelle zudem darauf hinweisen, dass ich den Ordo Decurionum nicht als Forum bloßen Abnickens oder Niederstimmens betrachte, sondern als Ort der Diskussion über Ideen, aber auch über Verbesserungsvorschläge. Es wäre mir neu, dass diese Diskussionskultur aufgrund von ein paar verbesserungswürdiger Punkte zurückstehen müsste.


    setzte der Helvetier zuerst zum Gegenangriff an, bevor er sich wieder auf die die konstruktive Ebene bewegte.


    Wenn du erlaubst, Decurio, würde ich nun Stellung zu deinen Kritikpunkten beziehen.
    Erstens: In der Tat schlage ich vor, dass die Nutzung der kurzfristigen Anlegestellen konstenfrei sein sollen. Dieser Vorschlag beruht auf der Überlegung, dass wir die Händler wahrscheinlich bald schon über die Standgebühren finanziell beanspruchen werden. Sofern diese Händler die Anlegestellen nur kurzfristig nutzen, halte ich es für angemessen, wenn sie nicht doppelt zur Kasse gebeten werden, um die Attraktivität unserer Stadt als Marktstandort nicht zu mindern. Falls dies allerdings nicht auf Zustimmung der Decurionen stößt, bin ich gerne bereit über Gebühren für die kurzfristige Nutzung der Anlegestellen nachzudenken.
    Zweitens: Ich gestehe dir, Lucceius, gerne zu, dass bei der Höhe der Gebühren für einen langfristigen Liegeplatz eine Leerstelle. Ich würde hierzu einen zusätzlich Absatz nach Absatz 3 einzufügen, in dem die Höhe der jeweiligen Abgaben festgesetzt werden. Für die Nutzung der Liegeplätze würde ich eine Höhe von 25 Sesterzen für drei Monate vorschlagen.
    Drittens: Um deinen letzten Punkt, Lucceius, endgültig zu klären, würde ich in besagtem siebten Absatz den Termin "die Stadtverwaltung" durch den Terminus "die Aedile ersetzen. Dadurch sollte eindeutig geklärt sein, wer die Strafen erhebt und eintreibt.

  • Curio wusste das gefühlt ewig lange Schweigen im Rat nicht zu deuten. Eigentlich war es auch gar kein vollumfängliches Schweigen, denn ein solches gab es - soweit kannte der Helvetier seine Kollegen mitlerweile - einfach nicht. Vielmehr hatte sich ein leises Flüstern in der gegenüberliegenden Ecke gebildet, das nach kurzer Zeit bereits zu einer provokativ desinteressierten Nebenunterhaltung ausgewachsen war. Offenbar gab es nach dem Angriff des Lucceius erstmal keine Bereitschaft, über diesen Entwurf zu diskutieren. Curio schluckte, blickte kurz zu den Duumvirn, bevor er sich dann wieder erhob.


    Da der Ordo offensichtlich der Ansicht ist, dass der von mir eingebrachte Entwurf nicht als Diskussionsgrundlage genutzt werden kann, beantrage ich die Vertagung dieses Themas und die Fortführung der Tagesordnung.


    sagte er deutlich, allerdings ohne einen angesäuerten Unterton. Zwar fasste Curio es als Niederlage auf, dass dieses Thema heute nicht zu einem Ergebnis geführt werden konnte, doch war aufgeschoben ja längst nicht aufgehoben.

  • Es waren einige Tage nach den Saturnalia, an den Curio nun dieses Vorhaben erneut auf die Tagesordnung der heutigen Versammlung des Stadtrates setzen ließ.


    DECRETUM DECURIONUM


    Edictum Porti Mogontiacensis


    1. Diese Hafenordnung beinhaltet Regelungen für die Nutzung des städtischen Hafens im Vicus Navaliorum.


    2. Die Aufsicht über den Hafen führt die Stadtverwaltung von Mogontiacum. Für die Überwachung der Hafenordnung kann die Stadtverwaltung einen Hafenmeister anstellen, dem Arbeitsräume in unmittelbarer Nähe zum Hafen zur Verfügung gestellt werden. Den Anweisungen der Stadtverwaltung und des Hafenmeister ist unbedingt Folge zu leisten.


    3. Der Hafen von Mogontiacum umfasst 35 Anliegeplätze und 15 Liegeplätze. An den Anlegeplätzen können Schiffe für die Zeit des Be- und Entladens angelegt werden. Die Nutzung der Anliegeplätze ist auf maximal fünf Tage begrenzt. Liegeplätze sind ständige Anlegestellen und können dauerhaft vermietet werden. Die Vermietung erfolgt ausschließlich an Bewohner Mogontiacums.


    4. Für die Nutzung der Anlegeplätze wird keine Gebühr an. Die Nutzung der Liegeplätze kostet 30 Sesterzen pro Jahr. Die Gebühr wird bei der Stadtkasse eingezahlt.


    5. Die Anlegeplätze und Liegeplätze sind durch Holzstabreihen voneinander getrennt. Schiffen, die nicht in die markierten Plätze hineinpassen, ist die Nutzung der Anlegeplätze und Liegeplätze nicht gestattet.


    6. Das Be- und Entladen der Schiffe ist nur unmittelbar vor den eingegrenzten Plätzen gestattet.


    7. Zum Zweck des Brandschutzes ist offenes Feuer auf den im Hafen liegenden Schiffen strengstens verboten. Weiterhin sind an jedem Anlege- und Liegeplatz mindestens drei Eimer Löschwasser von den Schiffseignern bereitgestellt sein.


    8. Verstöße gegen diese Hafenordnung können mit Geldstrafen von bis zu 200 Sesterzen geahndet werden. Wiederholte Verstöße können mit dem vorübergehenden oder endgültigen Entzug des Liegeplatzes oder dem Verbot der Nutzung der Anlegeplätze geahndet werden. Über die Höhe der Strafe entscheiden die Aedile. Widerspruch ist bei den Duumvirn möglich.


    Zu Beginn der Debatte ließ sich Curio das Wort erteilen und erhob sich danach von seinem Platz.


    Werte Decurionen!


    Erneut trete ich nun mit dem Entwurf einer Hafenordnung vor euch. Bereits in meiner Amtszeit als Aedil gab es von mir einen... Vorstoß, dass die Versammlung eine solche verabschiedet, doch gab es in der letzten Sitzung noch Vorbehalte gegen einige Absätze und Regelungen meines Entwurfs. Ich hab ihn in den vergangenen Wochen nochmal intensiv überarbeit und hoffe nun auch die letzten Zweifel an dem Entwurf aus dem Weg geräumt zu haben.


    Wie auch der letzte Entwurf sieht dieser vor, dass der Hafen in kurzfristige Anlegeplätze und langfristige Liegeplätze aufgeteilt wird. Für die Anlegeplätze wird mit Blick auf die... Marktstandgebühren keine gesonderte Gebühr erhoben, um die Attraktivität des Marktstandorts Mogontiacums zu erhalten. Die Liegeplätze sollen gegen eine Gebühr von 30 Sesterzen pro Jahr genutzt werden können. Zudem sieht der Entwurf Regelungen zur Organisation des Hafens und zum... Brandschutz vor.


    Mein Entwurf wird dem Hafen eine nachvollziehbare Organisation geben und zudem noch Geld in die Stadtkasse... spülen. In diesem Sinne hoffe ich auf die Zustimmung der ehrenwerten Decurionen.


    Nach diesen Worten setzte er sich wieder und wartete auf weitere Wortmeldungen.

  • Es kamen nicht besonders viele Wortmeldungen. Zwar äußerte Decurio Kaeso Lucceius Philonicus nochmals seine Skepsis über den Entwurf des Helvetiers, konnte jedoch keine stichhaltigen Argumente mehr vorbringen. Ohnehin wurde er von Witjons Parteigängern recht schnell zurechtgewiesen, die die letzte Diskussion über die Hafenordnung noch nicht vergessen hatten.


    Letztlich meldete Witjon sich anstandshalber zu Wort, obwohl seines Erachtens nichts mehr zu Curios Entwurf hinzuzufügen war: "Werte Honoratiores, ich will meinen, dass Decurio Helvetius uns nunmehr einen Entwurf vorgelegt hat, den wir guten Gewissens verabschieden können. Er enthält alle Eckpunkte, die der Prosperität unseres Municipiums zuträglich sind und weist nun - man denke an die letzte Debatte zurück - auch einige feine Änderungen auf, die vormals vermisst worden waren." Witjon musste schwer an sich halten, bei diesen Worten Lucceius nicht anzusehen. Er widerstand und fand mit einem Blick zu Curio den Schluss: "Deshalb spreche ich mich für diesen Entwurf aus und empfehle euch, Helvetius eure Stimme zu geben."

  • Memmius Pomponius Agrippinus


    Es gaben noch einige andere Decuriones ihre Wortmeldungen zu Helvetius' Entwurf ab, keine davon machte jedoch noch gravierende Kritikpunkte geltend. Deshalb winkte der Duumvir Pomponius irgendwann ab und verfügte: "Nungut, ich denke die Diskussion ist hiermit erschöpft. Kommen wir zur Abstimmung über Decurio Helvetius' Entwurf."




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