[Atrium] Denn sie sollen getröstet werden - Graecina und Serapio

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    Es war schon dunkel, und die Straßen wie ausgestorben, als ich mit meinem Trupp "Laternenträger" das Domus der Iulier erreichte. Um niemanden zu erschrecken ließ ich Sklaven, Libertus und Hund mit etwas Abstand warten. Nach einigem Hin und Her wurde ich in das Unglückshaus eingelassen, und von Iulia im Atrium empfangen.
    "Iulia Graecina, salve." Ich trat auf sie zu. Das arme Mädchen!
    "Mein tiefes Beileid. Du musst untröstlich sein."
    Was konnte man in einer solchen Situation schon sagen, egal was, es klang alles abgedroschen. Etwas hilflos, und unangenehm dessen bewusst, dass ich womöglich noch nach Pferd roch, griff ich nach ihren Händen, um diese, wenn sie es zuließ, warm in die meinen zu nehmen.
    "Bitte entschuldige, dass ich nun erst komme, und, ähm, so informell, ich war unterwegs und habe deine Nachricht eben erst bekommen. - Wenn du erlaubst möchte ich dir gerne beistehen."

  • Graecina hatte Trauerkleidung angelegt. Eine einfache schwarze Tunika. Dazu trug sie ihr Haar offen. Ihre Augen waren von den vielen Tränen, die sie vergossen hatte, gerötet.
    Seitdem sie sich zurückgezogen hatte, war sie in ihrem Cubiculum auf und abgegangen. Sie war so sehr aufgewühlt, als dass sie hätte Ruhe finden können. Die Sorge, wie nun alles weitergehen sollte und die Fragen, die sich durch die neue Situation ergeben hatten, lasteten schwer auf ihren Schultern. Eine solch schwere Last konnte sie unmöglich alleine stemmen. Stella und sie waren nun praktisch schutzlos. Noch immer weilte Stellas Verlobter in Germanien. Ihre Verwandten waren zwar inzwischen zwar benachrichtigt worden, doch es konnten noch Tage vergehen, bis einer ihrer Verwandten hier in Rom ankam, wenn überhaupt.


    Als ein Sklave ihr die Ankunft des Decimus Serapio meldete, eilte sie hinunter ins Atrium, gefolgt von ihrer Leibsklavin und Freundin, die ihr in diesen dunklen Stunden beistand.
    Da stand er. Als er sie sah, kam er auf sie zu. Dies konnte nicht nur eine einfache Beileidsbekundung sein. Nicht zu dieser Stunde!
    Auch wenn es sich nicht geziemte und gegen jede Konvention verstieß, lief sie auf Serapio zu, streckte ihre Arme nach ihm aus und schmiegte sich an ihn. Bittere Tränen begann sie wieder zu vergießen. „Ich bin so froh, dass du da bist!“, schluchzte sie. „Alles ist so schrecklich. So furchtbar!“ Endlich war sie nicht mehr allein, in einem Haus voller Sklaven. „Bitte bleib bei mir! bitte!“ Endlich wog sie sich in Sicherheit.

  • Donnerwetter. Schon hing sie an mir, bitterlich schluchzend. Wenn das jemand sah! Wir waren doch noch gar nicht verlobt! Am Ende hieß es noch, ich würde die Extremsituation ausnutzen, um mich an unschuldige jungen Mädchen heranzumachen! Peinlich berührt wandte ich den Kopf einmal nach rechts und einmal nach links. Wo zum Hades war ihre Anstandsdame?
    Trotzdem ließ mich ihr Kummer nicht kalt. Ein so unschuldiges liebes Mädchen, konfrontiert mit einer solchen Grausamkeit, musste am Boden zerstört sein. Begütigend legte ich die Arme um sie, ließ sie weinen, strich ihr väterlich über den Rücken.
    "Ein entsetzliches Verbrechen. Es tut mir so leid für dich und deine Gens. Aber natürlich meine Liebe, ich bleibe, hab keine Angst, ich passe auf dich auf. Ich habe auch ein paar wackere Burschen mitgebracht. Wir werden euer Domus heute Nacht bewachen, damit du dich nicht fürchten musst."

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    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA

    Klient - Decima Lucilla

  • Die Hebräerin hatte direkt nach Graecina das Cubicilum verlassen und war mir ihr sie Treppe hinunter gestiegen. Doch dann, völlig unvorbereitet, konnte sie nur noch dabei zuschauen, wie die Schritte der Iulia größer wurden, ja sie fast sogar rannte und sich dann auch noch an den Decimus schmiegte. Sie blieb sie schließlich mit weitaufgerissenen Augen mitten im Atrium stehen, unfähig auch nur einen Ton herauszubringen. Hoffentlich nahm der Decimus ihr das nicht übel, denn so etwas geziemte sich einfach nicht!


    Ihr Gesicht entspannte sich etwas, als sie die Worte des Besuchers vernahm. Offenbar nahm er ihr gar nichts übel. Im Gegenteil, er spendete ihr Trost bot ihr Schutz an. Schließlich trat sie dann noch einige Schritte näher an Graecina heran. „Domina, es wäre besser, wenn etwas mehr die Distanz wahrst,“ wisperte sie ihr zu.

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