Die Mannschaft wieder auf Vordermann bringen

  • Irgendwer rief, dass der Princep... der Centurio auf dem Exerzierplatz wartete, also folgte ich den herausströmenden Masse von Soldaten aus den Quartieren und gliederte mich in die Reihen ein.


    Ich salutierte vor Sura und wartete auf sein Zeichen.

  • Eine der Übungen, die ständig wiederholt werden müssen, ist ohne Zweifel das Antreten der gesamten Centurie - spätestens, nachdem neue Milites Teil der Einheit wurden.
    Der durchschnittliche Centurio und Princeps Prior legt nämlich großen Wert auf ein anständiges Erscheinungsbild - will heißen: die größten Milites stehen von ihm aus links, danach folgen wie bei den Pfeifen einer Wasserorgel die nächstgrößeren, so dass ganz zum Schluß an der äußersten Linken die Kleinsten stehen.
    Momentan größter Miles ist der hühnenhafte Sizilianer Sextus Silius, der wie ein Leuchtturm den anderen Milites als Orientierung dienen muss.


    Als Nepos auf dem Exerzierplatz ankommt, ist sein Platz in etwa der Mitte natürlich noch frei und so findet er sich hinter dem Kameraden Cato in die dreigliedrige Formation ein. Einzeln anwesend gemeldet wird sich natürlich nicht, das übernimmt entweder ein verdienter Veteran, der quasi eine Respektsstellung verdient hat, im Falle der IV. Centurie aber meistens Sextus Silius mit seinem bellenden Bass und dem seltsam anzuhörenden sizilianischen Akzent.

  • Sim-Off:

    Die meisten sind da, die die fehlen, müssen halt so tun, als wären sie schon da. Der Rest ist Abgemeldet


    Nach und nach füllte sich der Platz und ich stellte zufrieden fest, dass meine Centurie wenigstens kein Haufen übereinandergestolperte Tollpatsche waren. Nun gut, der ein oder andere viel manchmal schon auf, aber ich konnte nur darüber schmunzeln. In Gedanken lernte ich beim Anblick der meiner 80 Miles die Namen auswendig. Das war schwer. So viele auf einem Haufen... ich meine in einer Formation. Nachdem nach wenigen Minuten, was mich freute, alle Miles versammelt waren und in Reihe und Glied aufgestellt waren stellte ich mich leicht erhöht auf eine sehr wackelige Konstruktion. Die Sonne brannte fast durch die Rüstung, aber was sollte es. Soldatenleben. Dann erhob ich meine laute Stimme:


    "Miles!", rief ich über den Platz und ich sah mit Vergnügen, das selbst das letzt Geflüster und Getuschel aufhörte. "An alle, die es noch nicht wissen: Vor euch steht euer Centurio Caius Octavius Sura. Wie es dazu kam? Vor einiger Zeit rief mich unser geschätzer Praefectus Urbi, Gaius Octavius Victor, zu sich ins Officium. Verwundert folgte ich dem Befehl. Dort wurde mir dann bekannt gemacht, dass ich nicht länger als Princeps Prior bei euch sein werde, sondern als Centurie. Als Oberhaupt über euch 80 Männer, die die IV. Centurie der I. Kohorte bildet. Als euer Centurio bin ich voll verantwortlich für die absolute Nutzungsfähigkeit der IV. Centurie. Es erfüllt mich mit stolz nun vor euch zu stehen und jeden einzelnen zu schätzen. Als Mensch wie als Miles. Ich bin ständig in meiner Unterkunft oder in meinem Officium erreichbar und zwar für jeden, der denkt, dass er in irgendeinerweise Hilfe braucht. Ich weiß dass, denn ich habe in meiner Zeit in den Cohortes schon 3 Centurios miterlebt, und jeder war freundlich. So will ich es auch sein. Auch ich war einmal Miles und wünschte mir irgendwann eine solche Rede vor meinen Männern zu halten, dieses mal erfüllt sich der Traum, und so meine ich wird jeder von uns weiter kommen. Mit Träumen, mit Visionen, die sich irgendwann erfüllen werden. Ich schwor noch als Probatus einen Eid, genau wie ihr. Jeder von euch sollte diesen Eid immer im Hinterkopf haben, jeder."


    Ich machte eine Pause und ließ meine Worte auf die Miles wirken. Ich holte tief Luft und blickte dann wieder zu den Miles und fuhr fort.


    "Während meiner Zeit in der CU lernte ich viele Menschen kennen. Probati, die vielleicht schon wieder die CU verlassen habe und dich ich nun nur noch aus Briefen kenne. Miles, mit denen ich meine erste Erfahrung im Verbrechen Rom machte. Princeps Priors, die nicht immer freundlich waren, ich sie aber trotzdem schätze. Centurionen, die wie ich Reden schwangen und doch nichts taten. Tribune, die hilfsbereit und eifrig die Miles bei ihrer Arbeit unterstützten. Praefecte, die mit Witz und Schauspielkunst mir meine Beförderung näher brachten. Kurz: Ich habe Freunde gefunden. Auch wenn ich höherranig bin als ihr, solltet ihr nie vergessen, dass ich nur ein Mensch bin. So einer wie ihr. Der vielleicht eine gewisse Schwäche für Wein und schöne Damen hat."


    Wieder machte ich eine kleine Pause, um meinen Witzelchen ein kleines Extra zu geben.


    "Miles! Genug der Reden. Ich stehe nur hier oben als euer stolzer Centurio."


    Damit beendete ich meine kleine Ansprache an meine Miles und zum Zeichen meines Stolzes salutierte ich vor meinen Untergebenen.

  • "Jedoch", fuhr ich weiter fort und ließ wieder meine Stimme erschallen. "Wie ihr euch sicher denken könnt hole ich euch nicht ohne Grund mit eurer Ausrüstung auf den Exerzierplatz. Soviel erwarte ich zu mindest von euch. In meinem Gespräch wurde mir klar gemacht, dass ich eben für eure Einsatzbereitschaft verantwortlich bin und für eure Fitness. Weshalb ich an dem heutigen Tage mal wieder eine kleine Übung für euch vorbereitet habe. Wir werden wieder einmal trainiern."

  • Ich stöhnte innerlich auf. Bei diesen Temperaturen? Hatte unser neuer Centurio einen Hitzschlag erlitten? Ich blickte in die Gesichter der anderen Miles und es schien, als ob zumindest Teile von ihnen das gleiche denken würden. Jetzt kamen Erinnerungen in mir hoch, von meinem ersten Lauf als Probatus auf dem Exerzierplatz, und wie ich hinterher fast zusammengebrochen wäre.

  • Nepos erwidert den militärischen Gruß des frischgebackenen Centurios Sura, den er nicht nur als guten Kameraden schätzt, sondern auch als echten Kumpel... Insgesamt muss Nepos hin und wieder über die Rede lächeln, denn die joviale Art Suras zieht sich durch diese hindurch - der Octavier gibt sich fast ein bisschen wie "Onkel Sura"...
    Kurze Bedenken Nepos', ob alle Milites diese menschliche Seite ebenso respektieren würden, oder besser unter einem harten Drillmeister ihrem Dienst nachkommen würden, zerstreut Sura allerdings umgehend - die Aufforderung zur Ausbildung lässt manche Milites sicher schwer ausatmen, die Formation aber bleibt unbewegt. Jammern hilft sowieso nicht.

  • Ich salutierte ebenfalls und musste leicht über seine letzten Worten grinsen. Eine Traingseinheit, mit allem drum und dran bei diesem Wetter? Das wird ja ein Spass ... ein wenig mehr Action in die CU zu bringen würde sicherlich nicht schaden, denn jeden tag das selbe hier zu machen konnte doch irgendwie öde werden.
    Ich blickte mich einmal um und versuchte in den Gesichtern der anderen Miles zu lesen. Die meisten zeigten eine weniger erfreute Miene und das belustigte mich irgendwie. Der Gedanke daran, dass ich sie nun bald wieder in den Armen halten konnte, schien mich zu beflügeln. Mein Gedanke weichte auf den kleinen Lederbeutel unter der Rüstung ab und ich richtete meinen Blick wieder auf Sura.

  • Als die IV. Centurie auf dem Exerzieplatz Aufstellung bezog und sich zum Antreten bereit machte, befand sich auch Miles Caius Iulus Constantius unter ihnen. Auch wenn er selbst noch nicht all zu lange in der Einheit diente, befanden sich bereits wieder viele ihm noch fremde, neue Gesichter unter den Männern.
    In einer mühselig eingeübten Routine, nahm der Iulier seine Position in der 1. Reihe der Aufstellungsformation ein. Aufgrund seiner Körpergröße befand er sich dabei nicht weit von dem hünenhaften Miles Sextus Silius entfernt, welcher Constantius immer noch mit Verwunderung erfüllte, wenn der Iulier zu diesem Riesen noch aufblicken musste.
    Schnell war der Blick zum Richten der Formation nach links gewandt und die Fußspitzen an eine imaginäre Linie herangeführt, so dass sich eine gerade Frontlinie ergeben konnte.
    Sollte dieser Blick lediglich der Ausrichtung der Reihen dienen, um die Bildung von Schlangenlinien zu verhindern, musste er doch zu seiner Verwunderung bemerken, wie einzelne Miles beim Eintreffen vor dem frisch gebackenem Centurio salutierten. Ja manche schienen sogar Meldung machen zu wollen. Constantius musste unweigerlich schmunzeln. War es in seiner Grundausbldung doch noch so gewesen, dass immer diejenigen vor den Centurio traten, die zu spät zum Appell erschienen waren und noch um Erlaubnis zum Eintreten in die Formation baten. Natürlich wurde diese Erlaubnis sehr lautstark und einer zusätzlichen Strafaufgabe gewährt. Waren diese Miles während ihrer Grundausbildung so oft zu spät zum Appell erschienen, dass sie nun einen Automatismus entwickelt hatten? In einer ruhigen Minute würde er sicherlich diesem Geheimnis nachgehen. Doch im Moment beließ er es bei einem sachten Schmunzeln.


    Still und mit gestraffter Körperhaltung folgte er der Ansprach des Centurios. Es waren erbauliche, freundliche Worte und wen einer es verdient hatte befördert zu werden, dann sicherlich sein ehemaliger Princeps Prior. So blickte Constantius stolz nach vorne, als Sura vor seinen Männern salutierte. Und doch sollten sich wieder nachdenkliche Falten auf der Stirn des Iuliers einfinden, als einige Miles die Ordnung der Formation wieder durchbrachen und erneut zum individuellen Salutieren ansetzen. Als auch der Miles zu seiner Linken diesem Trend folgen wurde, zischte Constantius leise aber bestimmt diesen entgegen.
    „Da ist Ruhe drin!“


    Als der Angesprochene abrupt in seiner Bewegung inne hielt und mehr oder weniger verdutzt und in einer halbfertigen Geste des Salutierens und des Strammstehend sowohl nach vorne und zu seiner Seite blicken wollte. Musste Constantius erneut schmunzeln.
    „Oh je, ja Training haben wir wirklich nötig“, dachte er sich lediglich, richtete den Blick nach vorne und musste trotz der Hitze zugeben, dass er sich auf die kommenden Übungen freute,

  • Die "Unruhe" übersah ich. Ich schaute wieder in die Gesichter der Miles, so dass sie wieder gerade dastanden. "Wollen wir anfangen.", sagte ich und stieg von meine wackligen Konstruktion herunter. So stand ich jetzt neben den Miles. "Miles, wir werden jetzt erstmal uns zehn Runden warm laufen. Und falls ihr euch denkt, dass das nichts bringt. Es bringt was. Denn wenn man sich sofort in das Getümmel stürtzt ist man unkoordiniert und nicht fit. Und falls es euch schwummrig wird, meldet euch. Miles Marsch!"

  • Es mochte beeindruckend ausgesehen und auch geklungen haben, als sich die Centurie zunächst in einer einheitlichen Bewegung nach rechts auf der Stelle in die Laufrichtung umwandte und sich schließlich in Bewegung setzte. Schnell war ein einheitlicher Rhythmus gefunden, der durch den Tritt von 80 Soldaten weit in der Castra zu vernehmen war. Constantius war ebenfalls diesem Rhythmus anheim gefallen und lief die ersten Schritten in geübter Gleichgültigkeit. Der Centurio mochte Recht haben, das Laufen war notwendig, dennoch würde es nie zu seiner Lieblingsübung werden.
    Als die ersten Unregelmäßigkeiten im Rhythmus der Männer offenbart wurden, hob Miles Sextus Silus seine mächtige Stimme.


    „UNOS.....DUOS“


    Und wie die meisten Männer stimmte auch Constantius in den Ruf ein.


    „...TRES..QUATUOR!“


    Immer und immer wieder erschallte zum Rhythmus des Laufens der einfache Zählvers, der doch die Männer im regelmäßigen Tritt behielt. Hier und dort veränderte Sextus Miles den einprägsamen Vers, in dem er kleine Leidstrophen einstreute, die die Miles laut wiederholen sollten.


    „Equites sind ein fauler Haufen!“


    Und der Chor der Männer wiederholte


    „Equites sind ein fauler Haufen.“


    „Was die reiten, das können wir laufen!“


    Und die Antwort des Chors auf den Ausruf ihres Vorsängers sollte nicht auf sich warten lassen....

  • Mehr oder minder fröhlich stimmte auch ich in den Chor und konnte so die ersten Runden sehr ruhig laufen. Trotzdem schwitzte ich ganz schön, es schien der heißeste Tag in der ganzen römischen Tradition zu sein. Aber wir liefen kräftig weiter.

  • Nicht im Rhythmus der Formation zu sein, fällt den einzelnen Milites spätestens dann auf, wenn er dem Vordermann in die Hacken steigt, und ihm zusätzlich dasselbe durch den Hintermann widerfährt. Auch Nepos kommt einmal kurz aus dem Schritt, wird aber schnell wieder zurück "diszipliniert".
    Außenstehende können vermutlich nicht verstehen, wie wohltuend der rhythmische Gesang der Kameraden sein kann, lenkt er doch sowohl vom anstrengenden Tagewerk, als er auch bei der Konzentration hilft. So lässt auch die zweite Strophe nicht lange auf sich warten:


    "Equites sind ein lahmer Haufen!"


    Die Formation erwidert den Ruf,


    "Könn'n nicht kämpfen, sind nur am Saufen!"


    Auch diesmal nehmen die Kameraden den Ruf auf - auch wenn viele die berittenen Kameraden in diesem Moment wohl eher beneiden, als auf sie herabzusehen.

  • Lupus war laufen noch nie unangenehm, und als seine Kammerade anfingen zu Singen stimmte er mit ein.


    Equites könnten nicht mal Saufen


    Seine Kammeraden erwiederten den Ruf


    nach einem Becher machen die schon schlapp


    und wieder antworteten sein Kammeraden

  • Bei der letzten Strophe mischt sich lautes Gelächter unter die singenden Stimmen. Nepos hebt jetzt an:


    "Von Lupus lass ich mich nicht mehr leimen!"


    "Kann zwar laufen, aber nicht reimen!"


    Dieses mal ist bei der Erwiderung ebenfalls ein Lachen zu hören.

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