CURSUS: Operationsführung

  • Am ANTE DIEM III NON OCT DCCCLVI A.U.C. (5.10.2006/103 n.Chr.) beginnt ein neuer Cursus der Academia. Diesmal handelt es sich um einen mittleren Cursus zum Thema "Operationsführung".


    In diesem Cursus werden die Planung und Durchführung militärischer Operationen in Zusammenarbeit verschiedener Truppengattungen und die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten jener Truppen behandelt.


    Zugelassen sind alle Angehörigen des Militärs, die das Examen Secundum abgelegt haben. Eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich. Ferner sind zugelassen alle Zivilisten, die das Examen Secundum abgelegt haben. Diese melden sich bitte im Officium der Academia an und entrichten die Studiengebühr gemäß Lex Academia Militaris.


    Der Cursus wird durch ein taktisches Planspiel zur Operationsführung begleitet und schließt mit einer schriftlichen Prüfung zum Examen Tertium ab.


    Sim-Off:

    Das Examen wird zeitgleich auch von Meridius in Germania abgehalten, so dass für Militärs in der Regel keine Anreise erforderlich ist. SimOn-Einladungen an alle Einheiten werden noch verschickt.

  • Mit antrainierter Pünktlichkeit erscheint Sev anscheinend als einer der Ersten im Hörsaal des neuen Cursus. Ein Scriba hat ihm gesagt, dass der Raum schon offen sein müsste und so ist es auch. Eine einzelne Tabula hat der Prätorianer mit dabei, mehr wird er sich sowieso nicht aufschreiben. Er ist schon neugierig auf die zu erwartenden Inhalte, da ihn das Thema schon seit dem großen Feldzug in Germania brennend interessiert, so dass er sich den Cursus auf keinen Fall hätte entgehen lassen. Er steuert wie immer zielstrebig die allerletzte Reihe an und fläzt sich dort lässig auf einen freien Platz.

  • An dem Tag, an dem die Vorlesung stattfinden sollte, betrat Tiberius Vitamalacus den Raum, in dem der Cursus stattfinden sollte. Er stelte fest, das er einer der esten war, der erschienen war. So grüsste er den bereits Anwesenden knapp und nahm in einer der ersten Reihen platz.

  • Balbus betrat das Auditorium und schaute sich um. Er grüsste kurz die bereits anwesenden und nahm Platz. Er hatte mehrere kleine Wachstafeln mitgebracht und machte sich auf einer davon ein paar Notizen für seine noch zu erledigenden Einkäufe.

  • Pünktlich zum geplanten Beginn der Vorlesung betrat Macer den Hörsaal und lies seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Er hatte mit etwas volleren Reihen gerechnet, aber vielleicht kamen ja noch einige nach. Er wechselte einige Worte mit dem einen oder anderen anwesenden Offizier, den er von dieser oder jener Gelegenheit her kannte, bevor er mit dem ersten Vortrag begann.


    "Nachdem die meisten von euch sich im letzten Examen Secundum mit der Geschichte der römischen Armee und insbesondere der Legionen befasst haben, ist es nun an der Zeit, uns einem praktischen Thema zuzuwenden. Immerhin soll euch das Examen Tertium dazu befähigen, ein eigenes Kommando zu führen. Wir werden uns daher nun mit der Operationsführung befassen, dem Zusammenspiel verschiedener Einheiten und der Koordination gemeinsamer Operationen. Den älteren Semestern, die eine frühere Vorlesung zum Examen Secundum besucht haben, wird möglicherweise der eine oder andere Teil aus früheren Vorträgen bekannt vorkommen, aber das soll uns nicht weiter stören. Eine kleine Auffrischung kann sicher nicht schaden. Neben der Vorlesung und der obligatorischen Prüfung dazu wird es in diesem Examen Tertium im Kolloquium ein kleines Planspiel geben, bei dem ihr aufgerufen seid, eine fiktive Operation mehrerer Einheiten zu planen.


    Es dürfte euch bekannt sein, dass unsere Armee mit der Ausrichtung auf schwere Infanterie in den Legionen darauf ausgelegt ist, eine feindliche Hauptstreitmacht direkt anzugreifen und zu vernichten. Dies muss stets als oberstes Ziel angesehen werden, das über allen zeitlich begrenzten taktischen Manövern und operativen Mitteln steht und sollte auch durch Rückschläge nicht aufgegeben werden. Wie dieses Ziel umgesetzt wird, ist vornehmlich eine Frage des Geschicks des jeweiligen Feldherren und Leiters einer militärischen Operation. Nicht jeder von euch wird an die Qualitäten der großen Feldherren der Republik und der bisherigen Kaiserzeit heran reichen, aber auch mit weniger kreativer Operationsführung kann man das Ziel der Vernichtung des Gegners sicher erreichen. Die wichtigstes Voraussetzung ist, dass unsere technische, organisatorische und taktische Überlegenheit voll zum Einsatz gebracht werden kann. Dies geschieht entweder in der offenen Feldschlacht oder in der Belagerung. In beiden Fällen ist der nahezu ausschließliche Einsatz der Legionen ausreichend. In Fällen von Kleinkriegen, in denen sich der Gegner weder offen stellt noch an einem Punkt verschanzt, ist der Einsatz der Auxilartruppen notwendig, die mit ihrer unterschiedlichen Kampfweise darauf reagieren können. Ihre Bedeutung ist sehr hoch, denn die meisten benachbarten Völker sind vorsichtig genug, nicht den Legionen gegenüber treten zu wollen. In der Planung einer militärischen Operation bleiben die Legionen daher der Rückhalt, der als schlagkräftige Drohung die Möglichkeiten der Gegner unmittelbar beschränken, während mit dem Einsatz passender Hilfstruppen die konkrete Durchführung einer meist lokal begrenzten Operation vorgenommen werden kann.


    Wird in einer größeren Operation nur eine Legion eingesetzt, dann werden ihr Auxiliareinheiten im benötigten Umfang zugeordet. Diese stehen dann unter dem Befehl des Legionslegaten, der damit auch das Kommando über die gesamte Operation hat. Werden mehrere Legionen zu einer Armee zusammengefasst, bilden die mitgeführten Hilfstruppen eigenen Verbände unter ihren jeweiligen Kommandeuren und werden vom leitenden Feldherren, der selber in der Regel das Kommando über eine Legion führt, nach Bedarf aufgeteilt. Als normales Verhältnis, welches sich für alle praktischen Belange als angemessen erwiesen hat, ist die zahlenmäßige Gleichheit von Legionstruppen und Hilfstruppen. Auf eine Legion kommen damit 5000 Mann Auxiliare.


    Einer der wichtigsten Aspekte der Planung einer Operation ist nach der Zusammenfassung von verschiedenen Einheiten zu einer Armee die Bestimmung der tatsächlichen Truppenstärke, die einem Feldherren in einer Schlacht zur Verfügung steht. Dass es im Verlauf einer längeren Operation zu Verlusten kommen kann ist selbstverständlich, aber zahlreiche andere Faktoren mindern die Zahl der einsetzbaren Soldaten wesentlich früher und wesentlich deutlicher. Neben den dauerhaften Ausfällen ist mit vorübergehenden Ausfällen durch Verwundung, Krankheit und Überanstrengung zu rechnen. Ferner tritt praktisch keine Einheit in Sollstärke an, da abgeordnete Soldaten, Beurlaubte, Gefangene, Nachzügler, Deserteure und sonstige Vermisste ihre Stärke senken. Gute Disziplin und Organisation halten diese Zahlen gering, doch bei ungeschickter Arbeit des Feldherren, die zu Unmut in der Truppe führt, sowie technischen oder klimatischen Schwierigkeiten ist mit hohen Ausfallraten zu rechnen.
    Es sollte außerdem selbstverständlich sein, dass gute Aufklärung über das zu erobernde Gebiet eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung einer militärischen Operation ist. Informationen von Kundschaftern, Händlern und zuverlässigen Eingeborenen sind die einzigen Quellen, nach denen ein Feldherr die Position des Feindes, die eigenen Position und damit auch sinnvolle Wege für die Truppe und den Nachschub bestimmen kann. Die Aufklärung obliegt im Normalfall der Reiterei, weshalb selbst die Legionen über einige eigenen Reiter verfügen. Je mehr Informationen einem Feldherrn über seine Umgebung vorliegen, umso erfolgreicher kann die Operation verlaufen.


    Eine weitere grundlegene Schwierigkeit einer Armee, die sich auf dem Feldzug befindet ist die Kommunikation. Hier gewinnt vor allem die Reiterei eine besondere Bedeutung. Der Austausch von Nachrichten zwischen verschiedenen, getrennt operierenden Truppenteilen über berittene Boten ist der sicherste und zuverlässigste Weg der Kommunikation. Der Einsatz von Licht- oder Flaggenzeichen ist auf günstige Situationen beschränkt. Akustische Signale sind aufgrund ihrer geringen Reichweite vor allem von taktischer Bedeutung, um im Gefechtsfall einzelne Einheiten zu steuern. Die Menge an Informationen, die durch Signalbläser weiter gegeben werden kann, ist zudem sehr beschränkt. Die gute Kommunikation der einzelnen Truppenteile durch berittene Melder und das individuelle Verhalten der einzelnen Offiziere, die nach den Anweisungen des Feldherren eigenständige Truppenteile kommandieren, ist aufgrund dieser eingeschränkten Kommunikation daher von entscheidender Bedeutung. Das ist der Grund, warum eine größere Operation einer sorgfältigen Planung bedarf, einer genauen Absprache des leitenden Feldherrn mit allen Kommandeuren der beteiligten Einheiten und auch der Grund, warum wir uns in diesem Examen Tertium damit befassen.


    In der nächsten Vorlesung werden wir diese grundlegenden Überlegungen zu den Voraussetzungen für erfolgreiche Operationen noch vertiefen, bevor wir dann in den folgenden Vorträgen zur Gefechtsführung kommen."

  • Claudius kam kurz vor knapp. Die Anreise aus Mantua war entsprechend weit, die Benachrichtigung über den Kurs kam spät und die Freistellung vom Dienst? Claudius hoffte mal, dass ein gegenteiliger Bescheid ihm noch rechtzeitig zu Ohren gekommen wäre. Seine Reise hingegen glich einer Flucht - bloß was anderes sehen und hören.


    Er suchte sich den erstbesten Platz, weil der Dozent bereits zugegen war. Das Thema war spannend und doch war der Tribun nicht bei der Sache ...

  • Sev fühlt sich an die gute alte Zeit bei der Ala erinnert. Die vielen Botenritte, das ständige Auskundschaften, das waren noch Zeiten. Mit seinem Kumpel-Bruder Vic, dem etwas merkwürdigen Gaius und auch den anderen altgedienten Equites hatten sie eine verdammt gute Truppe gebildet, deren Zusammenhalt seinesgleichen suchte. Zum Ende des Vortrags löscht Sev eine anzügliche Kritzelei wieder von der Tabula und streckt sich kurz.

  • Während er der Vorlesung lauschte, fühlte er sich wieder in seine Jugendzeit zurück versetzt. Wie oft hatte ihm sein Grossvater lange Vorträge über taktische Operationen gehalten. Seien es Operationen gewesen an denen er selbst teilgenommen hatte, oder die Meisterwerke der grossen Feldherren aber auch die bittersten Niederlagen des Imperiums, über alles hatte er damalas berichtet.
    Wie oft hatten sie zusammen die Niederlagen zusammen durchgesprochen, alternative Handlungen verwogen und probiert die Folgen zu beurteilen. Sein Grossvater hatten eine grosse Kiste gehabt, die mit Sand gefüllt gewesen war, in dieser konnten sie auch die Geländebegebenheiten nachstellen.

  • Zur nächsten Vorlesung erschien Macer wieder pünktlich, beantwortete vereinzelte Nachfragen, von denen es nicht sehr viele gab und klaptte dann auf seinem Rednerpult eine Notiztafel auf, auf der er das heutige Thema vorbereitet hatte.


    "Nachdem ich die letzte Vorlesung damit eröffnet habe, euch kurz die Stärken unserer Armee zu nennen und daraus zu einigen grundsätzlichen Annahmen zu kommen, beginne ich heute etwas untypisch mit den Schwächen, die bei der Planung einer Operation zu berücksichtigen sind. Diese liegen bei Legionstruppen eindeutig auf dem Marsch. Schwere Infanterie ist langsamer und unbeweglicher als leichte Truppen und natürlich als die Reiterei. Die Flexibilität einer großen Marschkolonne aus einer oder mehreren Legionen ist stark eingeschränkt, da sie weder jedes Gelände passieren kann noch schnell auf Veränderungen der Umgebung reagieren kann. Es bedarf bei der Planung einer Operation daher insbesondere auch einer sorgfältigen Planung des Marschweges, soweit dies aufgrund der vorliegenden Informationen über das Gelände überhaupt möglich ist. Schnelle Vormarschwege bieten sich dort, wo offene Gelände für einen Marsch in breiter Front bzw. mehreren Kolonnen genutzt werden kann oder wo ein Teil des besonders langsamen Trosses auf Flüssen von der Flotten befördert werden kann. Bewaldetes, hügeliges Gebiet ist dagegen für die schwere Infanterie kaum zu passieren, ebenso sumpfiges Gelände. Während Flüsse einerseits genutzt werden können, um als Transportwege zu dienen, stellen sie andererseits Hindernisse dar, wenn sie überquert werden sollen. Dann muss mit langsameren Vormarschzeiten gerechnet werden, da zunächst provisorische Brücken errichtet werden müssen.


    Bei allen Planungen für die Operationen einer großen Armee ist zudem der Zeitbedarf für den Auf- und Abbau eines Nachtlagers zu berücksichtigen. Kleinere und leichtere Truppen sind hier im Vorteil, da sie weniger Platz benötigen und auch schwieriges Gelände durchqueren können. Bestimmte Hilfstruppen, insbesondere die batavischen Kohorten, können im Gegensatz zur schweren Infanterie auch Flüsse und Sümpfe ohne Brücken bzw. feste Wege durchqueren und eröffnen damit zusätzliche taktische Möglichkeiten, um den Gegner zu umgehen und zu überraschen oder sicherere, weil abgelegenere Lagerplätze zu erreichen.


    Während auf unserem eigenen Gebiet die breiten Straßen eine relativ schnelle und natürlich gefahrlose Verlegung der Truppen ermöglichen, kommen Legionstruppen in feindlichem Gebiet praktisch nicht ohne begleitenden Schutz durch Auxiliartruppen aus. Diese werden sowohl zur Auskundschaftung eines geeigneten Marschweges und ausreichend großer Lagerplätze benötigt, sondern auch als Flankenschutz, um Überfälle auf die Kolonne zu verhindern. Für viele Feinde stellt der Angriff auf marschierende Legionäre die einzige Möglichkeit dar, gegen Legionen Erfolge erzielen zu können. Ein Heer deshalb nur mit sorgfältiger Planung durchs Land zu bewegen, schränkt die Möglichkeiten schneller Reaktionen zwar ein wenig ein, gibt dem Feldzug aber letztlich zusätzliche Sicherheit und schützt vor Truppenverlusten in Hinterhalten.


    Neben der Frage der Fortbewegung des eigenlichen Heeres muss vor Beginn einer Operation auch die Frage des Nachschubs genau erörtert werden. Die Menge der Möglichkeiten eines Heeres ist unmittelbar davon abhängig, wie gut es im Feld versorgt werden kann. Aktive Kriegsführung ist daher in allen Teilen des Reiches auf geeignete Monate beschränkt - in den nördlichen Provinzen fällt der kalte Winter aus, in dem es keine frische Nahrung gibt und in südlichen Provinzen der heiße Sommer, in dem die Wasserversorgung Probleme macht. Genauso wichtig wie die Versorung der Truppe ist die Versorgung von Reit- und Zugtieren, die auf frisches Futter von den Feldern angewiesen sind und ohne die größere Verbände bestenfalls entlang von Küstenlinien oder Flüssen operieren können, wo die Hauptlast des Transportes von den Rücken der Tragtiere auf die Flotte verlagert werden kann. Im Normalfall hängt die Versorgung von der Verbindung zwischen der beweglichen Truppe und einem System von Nachschublagern ab, da größere Verbände selbst in den fruchtbarsten Monaten kaum aus dem Land heraus leben können. Wie gerade bereits erwähnt, stellen Flüsse die günstigste Verbindung zwischen Nachschubstützpunkten dar. Die Planung einer Operation sollte dies durch die vorherige Auskunfschaftung von Flüssen im Operationsgebiet berücksichtigen die Flotte entsprechend in die Planung einbeziehen. Ein Straßensystem steht in zu erobernden Gebieten normalerweise nicht zur Verfügung, so dass für den Transport über Land eine deutliche langsamere Nachschubgeschwindigkeit geplant werden muss.
    Einen wichtigen Faktor bildet auch die Verletzungsanfälligkeit der Nachschubversorgung und dies gilt in beide Richtungen. Unser eigener Nachschub ist sorgfältig zu schützen, indem Teile der Truppe für die Sicherung der Transporte abgestellt werden. Dies ist beim Transport vornehmliche eine Aufgabe flexibler, berittener Auxiliarverbände oder der Flotte, die die Transporte durchführt und bei der Sicherung von Depots ein Fall für die Hilfstruppeninfanterie. Der Einsatz einer teilberittenen Cohorte bietet sich hier an, deren berittener Teil die Wege zwischen Depots überwacht, während die Infanterie an diesen Stützpunkten verbleibt. Angriffe auf feindliche Nachschubwege sind ein nicht unwichtiger Teil einer sinnvollen Operationsführung. Insbesondere dort, wo sich der Gegner sowohl einer offenen Schlacht als auch einer Belagerung entzieht, sind Depots, Dörfer oder Getreidefelder der einzige Fixpunkt, der gezielt angegriffen und zerstört werden kann."


    Macer klappte seine Notiztafel zu und blickte in die Runde.


    "Und in der nächsten Vorlesung schauen wir uns an, was wir auf dem Schlachtfeld tun können."

  • Dann und wann fand auch Sophus die Zeit, um einem der Vorträge zu lauschen. Obwohl er die Einführung der Reihe verpasst hatte und auch nur sporadisch zu übrigen Beratschlagungen einzutreffen gedachte, versprach er sich von der angebotenen Thematik doch einen gewissen Erkenntnisgewinn. Zunächst sprach der Kommandeur jedoch über bekannte Grundlagen der Kriegsführung, die leicht zu verfolgen waren und keine Fragen offen ließen.

  • Das Thema schien den Studenten bislang keine Probleme zu bereiten, was Macer sehr freute. Zumindest gab es keine gravierenden Nachfragen, so dass er auch bei der nächsten Vorlesung schnell mit dem geplanten Stoff beginnen konnte.


    "Nach den grundlegenden Überlegungen zur Operationsführung im Allgemeinen sowie zur Logistik und anderen Voraussetzungen stehen nun Überlegungen zur Gefechtsführung auf dem Programm. Wie einigen von euch aus dem letzten Examen Secundum bekannt ist, bildete in der Schlacht die Kohortentaktik bzw. die Manipulartaktik der schweren Infanterie das Kernstück des Kampfes auf dem Schlachtfeld. Wir wollen uns daher zunächst mit den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der Legionstruppen und der Hilftruppen auf dem Schlachtfeld befassen.


    Die einzelnen Kohorten der Legionen besitzen ein hohes Maß an organistorischer Geschlossenheit und taktischer Selbständigkeit und stellen daher so etwas wie Bausteine dar, aus denen ein fähiger Feldherr seine Schlachtordnung zusammen setzt. Je nach Art des Gegner kann der Feldherr daraus eine offene oder geschlossene Schlachtreihe formen und seine Truppen für einen Marsch gruppieren. Ausgangssituation für die Schlacht ist die Aufstellung in drei Linien, wobei die erste und zweite Linie jeweils Abstände in der Größe einer Kohorte zwischen ihren Einheiten lassen. Durch das Vorrücken der zweiten Linie in die Lücken der ersten kann dann eine geschlossene Schlachtformation erreicht werden, wenn der Gegner sich dem Nahkampf stellt. Die Einheiten der dritten Linie dienen als taktische Reserve, um auftretende Schwachstellen zu stärken oder Flügelangriffe abzuwehren bzw. selbst durchzuführen. Stellt sich der Gegner dagegen nicht der offenen Schlacht mit einer eigenen Schlachtreihe, sondern kämpft in losen Gruppen, die ständig in Bewegung bleiben, können die einzelnen Kohorten autonome, sich selbst in alle Richtung schützende Blöcke bilden, die das gesamte Schlachtfeld überdecken und zwischen denen die leichten beweglichen Einheiten der Hilfstruppen agieren und den Gegner jagen können. Eine Operation, bei der mit einem Auftreten solcher Gegner zu rechnen ist, kann also nur im Zusammenwirken von Legionen und Hilfstruppen geplant werden.


    In der Aufstellung zur Schlacht schwärmt die leichte Infanterie der Hilfstruppen, also vornehmlich Bogenschützen, Schleuderer und Speerwerfer vor den Kerntruppen der Legionen aus, um sie während der Aufstellung vor Störungen zu schützen und den Gegner durch Fernbeschuss in Unordnung zu bringen. Verfügt der Gegner über keine vergleichbaren Einheiten, muss er den Beschuß entweder über siche rgehen lassen, oder ihn durch den Einsatz seiner Infanterie abwehren. Leichte Truppen ziehen sich dann soweit wie nötig zurück, bis der Gegner die erfolglose Verfolgung aufgibt oder bis es zu einem Zusammenstoß mit unserer schweren Infanterie kommt, die dann für den Gegner in der Regel ungeplant verläuft. Bricht der Gegner dagegen die Verfolgung der leichten Infanterie ab und zieht sich auf seine vorherige Stellung zurück, formiert sich die leichte Infanterie erneut und setzt den Beschuß fort. Vor dem Aufeinandertreffen der Fronten ziehen sie sich durch die Lücken der Linien oder über die Flügel zurück.
    Lediglich der Einsatz von Reiterei kann der leichten Soldaten sehr gefährlich werden. Der Feldherr muss daher sicherstellen, dass sich die leichten Truppen rasch hinter den Schutz der schweren Infanterie zurück ziehen kann, gegen deren geschlossene Formation Reiterangriffe relativ erfolglos sind, oder die leichte Infanterie durch eigene Kavallerie schützen. Normalerweise wird die Kavallerie auf den Flügel aufgestellt, von wo sie den Gegner in die Zange nehmen kann, sofern sie nicht zunächst durch feindliche Reiter aufgehalten wird. Auch wenn wir die schwere Infanterie der Legionen als den Kern der Truppe auf dem Schlachtfeld ansehen müssen, der den Gegner zu überrollen vermag, solltet ihr euch darauf einstellen, dass sich einen Schlacht häufig durch ein entscheidendes taktisches Manöver der Kavallerie gewinnen lässt. Gegen eine geschlossene Formation kann die Reiterei wie bereits erwähnt nichts bewirken, aber in offenen Formationen richtet sie großen Schaden an, was gerade gegen undiszipliniert kämpfende Feinde, die auf geschlossene Formationen verzichten, sehr wirkungsvoll ist. Zudem ist die Reiterei als schnelle Einheit besonders gut in der Lage, flüchtende Gegner über längere Strecken effektiv zu verfolgen. Gerade in diesen Situationen richtet sie besonders viel Schaden unter den Gegnern an. Ein Feldherr sollte daher niemals versäumen, Reitereinheiten in ausreichendem Maße mit in die Schlacht zu führen.


    An dieser Stelle lohnt es sich vielleicht, noch einige grundsätzliche Worte zur Auswahl des Schlachtfeldes zu verlieren. Ein guter Feldherr sollten immer dafür sorgen, dass eine Schlacht an einem Platz stattfindet, den er ausgewählt hat. Vermeidet es, euch vom Gegner ein von ihm gewähltes Gelände für eine offene Schlacht aufzwingen zu lassen. Je weiter und übersichtlicher das Gelände ist, umso besser ist es grundsätzlich geeigent. Nahe Waldränder bergen immer die Gefahr, dass sich feindliche Truppen in ihrem Schutz anschleichen können oder ein fliehender Feind sich in ihnen schneller einer Verfolgung entziehen kann. Ferner ist es von Vorteil, die Aufstellung der Truppen so zu wählen, dass sie leicht bergab kämpfen können. Aber wirklich nur leicht, gerade so stark, dass es dem Gegner Mühe macht, seinerseits bergab kämpfen zu müssen und dass es den eigenen Schützen möglich ist, auch von hinten noch über die Köpfe der eigenen Reihen hinweg in die Schlacht einzugreifen.
    Auch der Zeitpunkt eines Gefechtes sollte vom Feldherren berücksichtigt werden. Wenn es zu einer Schlacht kommen könnte und ein geeignetes Schlachtfeld erreichbar ist, dann lasst eure Truppen in der Nähe lagern, so dass sie am nächsten Tag einen kurzen Anmarsch haben. Ein Eilmarsch, um ein Ziel schneller zu erreichen und dann noch eine Nachtruhe vor dem Zusammentreffen mit dem Gegner zu haben ist besser, als ihm am Nachmittag nach einem normalen Marschtag gegenüber zu treten."


    Ganz ohne Eilmarsch und ohne die Absicht, den Studenten feindlich gegenüber zu treten, beendete Macer damit den Vorlesungstag.

  • "Nachdem wir in der letzten Vorlesung über den Einsatz von Legionen und Hilfstruppen in der Feldschlacht gesprochen haben, wollen wir uns heute andere Einsatzmöglichkeiten anschauen, um im Rahmen einer Operation den größtmöglichen Nutzen aus der Menge der aktiven Truppen zu ziehen.


    Eine weitere besondere Stärke unserer Legionstruppen ist neben der Feldschlacht ihr Einsatz in der Belagerung. Die große Menge an Soldaten, die an einem Feldzug beteiligt sind, versetzt uns in die Lage, auch große und komplizierte Belagerungswerke auszuführen. Die Techniker, die in der Armee verfügbar sind, können Artillerie und andere Belagerungswaffen konstruieren und einsetzen. Dies stellt dem Feldherren sowohl taktisch als auch operativ eine Menge zusätzlicher Möglichkeiten zur Auswahl, da er nicht darauf angewiesen ist, den Sieg in der offenen Feldschlacht zu erzwingen. Zudem ist die Eroberung strategisch wichtiger Punkte im Rahmen einer größeren Operation ohnehin notwendig und der Gegner wird sich möglicherweise auf eine verbissen Verteidigung eingestellt haben. Die Bedingungen, unter denen eine Belagerung durchgeführt und lange genug aufrecht erhalten werden kann, sind jedoch andere als die bei der Vorbereitung einer Feldschlacht. Der Feldherr muss seine Armee nun auf stehende Lager verteilen und die Soldaten zu Arbeitseinsätzen statt zur Schlacht einteilen. Versorgungsgüter müssen nun permanent zu einer bestimmten Stelle gebracht werden und auch der Gegner hat nun einen Anlaufpunkt, an dem er Verstärkung zusammen ziehen kann. Der zeitliche Aufwand für eine Belagerung ist ebenfalls erheblich höher als der für eine Schlacht. Der Erfolg und die Dauer eines gesamten Feldzuges kann mitunter davon abhängen, wie lange eine Belagerung dauert.
    Die Belagerung ist noch am ehesten die Situation, in der ein Feldherr ohne eine große Mischung aus verschiedenen Truppentypen auskommen kann, da die Hauptlast der Arbeit von den Legionären getragen wird. In größeren Armeen ist es daher auch denkbar, dass ein Teil der Truppe für eine Belagerung abgezweigt wird, während eine andere Truppe einen Feldzug fortsetzt. Dies ist jedoch nur ratsam, wenn die Schwäche des Gegners es erlaubt, die Kräfte zu verteilen. Genaue Informationen sind daher eine wichtige Voraussetzung. Außerdem muss in solchen Fällen die Kommunikation zwischen den beiden Teilen des Heeres besonders reibungslos funktionieren, damit die Truppen bei Bedarf wieder zusammen geführt werden können.
    Auch an dieser Stelle müssen wir einmal auf die Schwächen einer Armee eingehen und den Fall betrachten, dass ein Heer oder ein Teil eines Heeres im Verlauf einer Operation selber angegriffen und in seinem Nachtlager belagert wird. Auch in diesem Fall ist Kommunikation enorm wichtig sowie das in der ersten Vorlesung bereits angesprochene eigenverantwortliche Handeln einzelner Kommandeure. Ist nur ein Teil des Heeres eingeschlossen, so ist es selbstverständlich, dass ihm der Rest der Armee zu Hilfe kommen muss, sofern er sich nicht ohnehin selber befreien kann. Ist die gesamte Armee eingeschlossen, muss ein Weg gefunden werden, dies zum nächsten Versorgungstützpunkt oder Depot zu melden, so dass von dort aus Verstärkung angefordert werden kann. Ich wünsche euch, dass euch dies niemals in eurer Karriere als Offizier passieren wird, denn bei aller Schnelligkeit unserer Soldaten wird es in so einem Fall sicher Wochen dauern, bis die Belagerung gebrochen werden kann.


    In Feldzügen, in denen sich der Gegner nicht auf offene Feldschlachten einlässt und auch nicht belagert werden kann, tragen die Hilfstruppen die Hauptlast der Kämpfe. Die schwere Infanterie ist nicht in der Lage, bewegliche Gegner über längere Strecken zu verfolgen und dann im Kampf zu stellen, so dass diese Aufgabe von schnellen leichten Infanteristen und der Reiterei übernommen werden muss. Gleiche gilt für den Kampf und schwer zugänglichem und unwegsamen Gelände, in dem ohnehin keine großen offenen Schlachten möglich sind. Ausnahmen bilden hier nur Bergfestungen, die wiederum ein Fall für die Belagerung durch Legionstruppen darstellen. Gerade im Gebirge sind besonders stark die jeweiligen Möglichkeiten einzelne Hilfstruppentypen zu beachten und sorgfältige taktische Planungen zu treffen. Reiterangriffe sind beispielsweise an Berghängen kaum durchführbar; insbesondere bergab sind sie praktisch nicht möglich. Schützen und Schleuderer wiederum können von erhöhten Positionen eine größere Reichweite erzielen und sind so im Vorteil, während sie im Einsatz bergauf wenig Erfolg versprechen. In bewaldetem Gebiet können sie ebenfalls nicht eingesetzt werden, so dass hier vornehmlich leichte Infanterie zum Einsatz kommt, die hier auch gegen Reiterei Chancen hat, da diese in einem solchen Gelände ihre Vorteile an Geschwindigkeit kaum ausnutzen kann.
    Ebenfalls als Einsatz ohne Legionstruppen sind solche Operationen zu berücksichtigen, die weitgehend von der Flotte durchgeführt werden können. Die Infanterie der Classis verfügt über ausreichende Stärke, um in begrenzten Situationen, in denen eine Truppenbewegung über Land nicht mit ausreichender Geschwindigkeit möglich ist, einen Angriff über See bzw. über Flüsse auszuführen. Selbstverständlich sind zudem sämtliche Aktionen gegen Piraten und die seefahrenden Stämme im Norden eine Aufgabe der Classis. Hier ist eine geeignete Auswahl an Schiffen zu treffen, um die richtige Mischung aus Truppentransport, Materialtransport und Geschwindigkeit zu erhalten. Ähnlich wie bei Landfeldzügen, spielt auch auf See und auf Flüssen die Jahreszeit und das Wetter eine wichtige Rolle. Auf Flüssen sind schwer passierbare Stellen zu beachten, auf See gefährliche Strömung und Stürme. Die eigentliche militärische Operation wird dann entweder in Form von Entervorgängen direkt an gegnerischen Schiffen oder wie eben schon beschrieben als Landemanöver an den gegnerischen Häfen durchgeführt."

  • Sim-Off:

    Nach einer kleinen Pause, die zur Hälfte beabsichtigt war, damit die Kollegen in Germania ein wenig aufholen können und zur Hälfte unbeabsichtigt, weil ich mir den Vorlesungstext nicht auf meinen Laptop kopiert hatte, kann's hier jetzt weitergehen. :D


    "Zum Abschluß der Vorlesungen zum Examen Tertium und zur Operationsführung möchte ich heute noch zwei Themen ansprechen: zum einen einige Beispiele für größere Operationen und zum anderen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von verschiedenen Truppentypen außerhalb von Feldzügen.


    Eines der schönsten Beispiele für den massiven gemeinsamen Einsatz von Legionen, Hilfstruppen und der Flotte ist die Eroberung der Provinz Britannia. Wir dürfen dies wohl als eine der größten derartigen Operationen überhaupt bezeichnen. Kaiser Claudius ist uns ja ohnehin als großer Organisator der Armee bekannt, der gerade die Aufstellung der Hilfstruppen gut strukturierte und auch die Classis in Teilen neu ordnete. So verwundert es nicht, dass er in der Lage war, die Pläne seines Vorgängers nicht nur aufzugreifen, sondern auch in die Tat umzusetzen und einen Heeresverband nach Britannia zu verschiffen, der innerhalb von vier Jahren den kompletten Süden eroberte und die Provinz Britannia einrichtete. Wie ich es in der ersten Vorlesung als Stärkeverhältnis angegeben hatte, schickte er Legionen und Hilfstruppen in gleicher Anzahl; in diesem Fall waren es 4 Legionen und dementsprechen nominell 20.000 Mann Hilfstruppen. Jahrzehnte zuvor hatte bereits Gaius Iulius Caesar nach Britannien übergesetzt, um die Unterstützung der Gallier durch dir Briten zu verhindern. Er ließ 5 republikanische Legionen und 2.000 Mann Kavallerie über das Mare Britannicum verschiffen, wobei davon auszugehen ist, dass er einen Teil der Legionstruppen als leichtbewaffnete Soldaten kämpfen ließ.
    Ein noch etwas jüngeres Beispiel für eine große Operation ist die Eroberung der Provinz Judaea unter den späteren flavischen Kaisern Vespasianus und Titus. Hier haben wir es mit einem Landkrieg und insbesondere mit einem Belagerungkrieg zu tun. Trotzdem kamen die umsichtigen Feldherrn auch hier nicht ohne die Unterstützung von Auxiliaren aus, die auch in der Belagerung eingesetzt werden konnten. In Jerusalem wurde beispielsweise nach der Eroberung des Tempels ein kombinierter Angriff auf die obere Altstadt durchgeführt: Legionstruppen griffen von der Westseite an und errichteten dort Erdarbeiten, um die Wälle zu erreichen, während Auxiliartruppen einen identischen Angriff zeitgleich von der Ostseite her führten. Auch in Masada verließ sich der Kommandeur der Belagerung nicht alleine auf eine Legion und Abordungen weiterer Legionen, sondern setzte ebenfalls 4000 Auxiliare mit ein, um die gewaltige Belagerungsrampe an dieser Höhenfestung zu errichten.


    Doch auch außerhalb von Feldzügen gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Truppentypen und wenn wir ehrlich sind, dann sind diese auch die viel alltäglicheren Formen. Zunächst einmal wäre dort natürlich jegliche Art von Truppentransport durch die Classis zu nennen sowie die Versorgung von Lagern über Flüsse. Viele Lager entlang von Rhein und Donau werden auf diese Weise versorgt, aber auch in anderen Provinzen macht die Classis Flüsse zu Lebensadern. Von tatsächlichen militärischen Operationen kann hier aber noch nicht gesprochen werden. Bleiben wir jedoch in der Gegend des germanischen und raetischen Limes, dann finden wir auch im alltäglichen Dienst die Zusammenarbeit mehrerer Einheiten. Der Alarmplan für den Fall eines Angriffs auf den Limes sieht nämlich wie folgt aus: die Wachtürme werden normalerweise von Infanteristen der Hilfstruppen besetzt, die im übrigen auf kleine Kastelle entlang der Grenzlinie verteilt sind. Entdecken diese einen Übergriff, werden die an den Hauptstraßen hinter dem Limes liegenden Reitereinheiten informiert, um diese schnell in Bewegung zu setzen. Weitere Nachrichten gehen an die noch weiter entfernt stehenden Legionen. Die Hilfstruppeninfanterie, die unmittelbar aktiv werden kann, hat dementsprechend die kürzeste Reaktionszeit, aber auch die geringste Wirkung. Im Falle eines recht koordinierten Angriffs ist sie den Feinden weder in der Ausrüstung noch zahlenmäßig entscheidend überlegen. Die Reiterei hat eine längere Reaktionszeit, von der sie einen Teil durch ihre Geschwindigkeit wieder wettmachen kann und schon eine beträchtliche Schlagkraft, die in der Regel ausreicht, einen Angriff abzuwehren. Die Legionen schließlich benötigen die längste Zeit für ihre Mobilisierung, stehen dann aber als weit überlegene Einheit zur Verfügung. Zum Einsatz kommen sie allerdings nur in AUsnahmefällen, so wie beispielsweise dem letzten großen Angriff auf den Limes, oder um flüchtenden Gegnern direkt nachzusetzen und einen unmittelbaren Gegenangriff einzuleiten. In diesen Fällen sollte dann aber schon wieder die bisher besprochene normale Operationsplanung greifen, in der die Legion auf ihrem Weg ins Feindesland von leichter Infanterie als Plänkler und Reiterei für die Flanken begleitet wird.


    Damit möchte ich diese Vorlesung zum Examen Tertium nun beenden, die uns von grundlegenen Überlegungen zum Start einer Operation über die Planung von Logistik, Marschweg und Kommunikation sowie die Kampfweisen in Schlacht, Belagerung und Kleinkrieg bis hin zur Zusammenarbeit im Alltag geführt hat. Wie angekündigt, steht euch neben der schriftlichen Prüfung noch ein taktisches Planspiel bevor, doch zuvor stehe ich noch für eure Fragen zur Verfügung."

  • Sev hört dem Vortrag konzentriert zu. Er erinnert sich noch gut an die Feldzüge in Hispania und Germania, so dass er die neuen Erkenntnisse mit seinen dortigen Erfahrungen vergleicht. Dadurch werden ihm einige neue Zusammenhänge klar, über die er sich bislang garkeine Gedanken gemacht hat. Über diese Überlegungen vergisst er allerdings fast ganz sich weiter Notizen zu machen, so dass die Tabula zum Schluss gewohnt sparsam beschriftet ist. Fragen fallen ihm vorerst keine ein. Sev ahnt allerdings, dass ihm das noch später bevorsteht, wenn der Dozent weg ist, oder wenn er dann mit der Beantwortung der Prüfungsfragen zu kämpfen hat.

  • Am nächsten Tag ließ Macer die Studenten wieder im Hörsaal zusammen kommen. Diesmal stand jedoch keine Vorlesung auf dem Plan, sondern das angekündigte Planspiel, das Teil der Prüfung sein sollte. Der Saal war morgens im vorderen Bereich etwas umgeräumt worden und dort, wo normalerweise der Dozent seinen Platz hatte, lag jetzt eine große, flache, bemalte Platte, um die alle bequem drumherum stehen konnten.


    "Wie angekündigt, werden wir das theoretische Wissen der Vorlesung nun in einem Planspiel erproben. Hier auf der Platte seht ihr ein recht stilisiertes Modell einer Landschaft.



    Stellen wir uns einmal vor, das wäre unser Operationsgebiet. Wir - die Römer - kommen von Süden und sollen diese beiden Städte am Fluss und in den Bergern erobern. Wir wissen, dass der Gegner über etwa 4000 Fußsoldaten und die gleiche Menge an Reitern verfügt.


    Wie fangen wir an?"


    Abwartend blickte Macer in die Runde, wo es die erste Wortmeldung gäbe.


    Sim-Off:

    Nein, keine Panik, wir werden hier kein rundenbasiertes Hexfeld-Taktikspiel spielen. :D Ich habe die Felder nur mal drauf gemalt, damit man später besser darüber reden kann, wie lange Truppen für eine Strecke brauchen usw.

  • Sev steht zwischen den anderen Studenten und sieht sich die Karte genau an. An die viele Farbe muss er sich erst gewöhnen. Die üblichen Exemplare, die ihm sonst so unterkommen, sind eher schlicht gehalten. Doch es dauert nicht lange bis er sich eingedacht glaubt und erste Strategien zu überlegen beginnt.


    "Also ich denk mal, dass der Feind den größten Teil seiner Truppen wohl eher bei der Stadt am Fluss haben wird, weil die Versorgung da besser ist. Also würd ich vorschlagen, dass wir uns auch zuerst um diese Stadt kümmern. Der Fluss gibt dabei nach Westen hin für die Stadt nen ganz guten natürlichen Schutz ab. Trotzdem könnte man in Zusammenarbeit mit der Classis auch hier einen Teil des Angriffs ablaufen lassen. Je nachdem, wie das Ufer beschaffen ist, das müsste man wohl noch auskundschaften. Für die Kerntruppen, die schwere Infanterie, dürfte das freie, flache Gelände in der Mitte am Günstigsten sein."


    Er überlegt kurz, da fallen ihm doch noch ein paar Fragen ein und er wendet sich jetzt an den Dozenten.


    "Das was hier auf der Karte zu sehen ist, ist auch das, was wir bislang aufgeklärt haben? Wieviel Mann haben wir insgesamt dabei? Was für Soldaten sind es?"

  • Nachdenklich betrachtet Tiberius Vitamalacus auf das aufgestellte Model der Landschaft. In seinem Kopfbilden sich die ersten Möglichen Stragetie, welche allerdings noch von einigen Faktoren abhängen.


    "Natürlich stellt saich auch mir zunächst die Frage, welche Truppen und Truppenstärke uns zuverfügung steht. Aber es ist auch die Frage, in welchen Umfeld, diese Operation abläuft ? Hat der Feind Entzsatz Truppen in Aussicht ? Oder müssen wir anderen Einheiten schnellstmöglich nachrücken ?"


    Er macht eine kleine Pause, bevor er weiter ausführt.


    "Wäre dieses der Fall, würde ich eine möglichst rasche Attake auf die Stadt am Fluss in betracht ziehen, in der Hoffnung, das jene Truppen in Stadt in den Bergen der Stadt am Fluss zur Hilfe eilen und uns so den Angriff bergauf erschweren. Doch dieses Vorgehen ist nur sinnvoll, wenn wirklich eile geboten ist, denn es birgt das Risiko von schweren eigenen Verlusten bei der Erstürmung der Stadt."


    Zu gut sind ihm die letzten Schlachten in Germania in Erinnerung.


    "Steht uns aber Zeit zu Verfügung, so würde ich ein Belagerung beider Städte vorziehen, denn gerade wenn neben den Truppen auich noch die Zivilbevölkerung sich in den Städten befindet, kann so die Versorgungslagerdes Gegners schnell kritisch werden, und kombiniert mit einem ständigen Artellieriebeschuss, könnten wir ihn so zu einer offenen Feldschlacht zwingen."


    Mit Blick auf die grosse Ebene, ergänzt er noch : "Denn grössten Gefallen würde der Gegner uns machen, entsprechende eigene Truppenstärke vorrausgesetzt, wenn er gleich zu beginn auf eine offene Schlacht eingeht. Vielleicht könnte man ihn dazu zwingen, indem man eine kleinere eigeneTruppenstärke vortäuscht. Abner das sind alles nur die ersten, groben Ideen. Wichtig wäre es für mich auch, die bewaldeten Geländeareale ständig von den Hilfstruppen überwachen zu lassen, um so Angriffe aus dem Hinterhalt zu verhindern.Ach, noch eine Frage : Gehe ich recht in der Annahme, das Ufer westlich der Stadt ein Sumpfgebiet darstellen soll ? "

  • Erfreut über die rasche rege Beteiligung nahm Macer die ersten Wortmeldungen entgegen. Die letzte Frage von Vitamalacus konnte er als erstes beantworten: "Genau richtig, westlich der Stadt und des Flusses liegt ein Sumpfgebiet.


    Valerius Severus, zu deiner Frage nach der Aufklärung: wir kennen das Gebiet, so wie wir es hier sehen. Wir wissen wo die Städte sind und wir kennen die Geländeformationen, aber wir wissen nicht, welche Truppen der Gegner wo hat.


    Ihr beide habt gefragt, welche Arten von Truppen in welchem Umfang zur Verfügung stehen. Dies ist genau die richtige Frage, die ich aber gleich an euch und die anderen Studenten zurück geben möchte: welche Truppen würdet ihr mitnehmen wollen?"

  • Da gab auch Sophus eine Meldung zu Wort:


    "Wollen wir diese Frage beantworten, sollten zuvor Punkte ausgesucht werden, deren Einnahme besondere Priorität haben muss, weil sie einerseits die Möglichkeiten eigener Manöver vervielfältigen, andererseits einer zügellosen Entfaltung des Feindes entgegenwirken. Hierbei scheint mir ein Faktor sehr wesentlich, nämlich die Etablierung gesicherter Versorgungsrouten, die Fundament einer jeden militärischen Operation sind. In dieser Frage ist uns meiner Ansicht nach das Gelände sehr zuträglich, denn zwischen dem Flusslauf im Westen und dem unübersichtlichen Waldgebiet im Osten eröffnet sich auf den ersten Blick - Genaueres muss freilich eine sorgsame Begutachtung des Geländes ergeben - ein breiter Korridor, der nahezu ideal für die Verlegung auch schwerer Infanterie der Legionen ist. Ferner stünde, zunächst mit einem Fragezeichen versehen, der Fluss als ergänzende Versorgungsroute zur Verfügung. Nun zur Auswahl der Primärziele: Einem jeden Heerführer muss hier die Stadt am Fluss ins Auge stechen, denn unübersichtliches Gelände reicht nahe an sie heran, was in Anbetracht der Reitereireserven des Feindes eine Gefährdung für die Belagerungsstellen ergibt. Notwendig erscheint mir somit einer große Anzahl Hilfstruppen, wenn möglich teilberittener Infanterie, die im bewaldeten Gebiet den Flankenschutz für schwere Infanterie übernimmt und wichtige Punkte entlang der Versorgungsrouten besetzt, um der permanente Bedrohung von Norden und Osten aus Herr zu werden. Ein solches Gebiet wäre etwa die kleine Anhöhe ganz im Osten. Bringen Materialüberlegenheit und Angriffsstärke der schweren Infanterie in der Hafenstadt den Sieg, ist das Gelände im Norden gesichert und gesäubert, scheint mir ein massiver Fußtruppenangriff auf die erhöhte Stellung im Nordosten ohne alternative, es sei denn, Zeit und Lage des Feldzuges erlauben eine Einkesselung des Gebietes. Aus jenen Ausführungen ergibt sich ferner anschaulich, dass auf zusätzliche Reitereireserven verzichtet werden kann - weil ihre Kampfstärke nur punktuell von Nutzen wäre und Aufklärungsoperationen von teilberittenen Hilfstruppen übernommen werden können."


    Sim-Off:

    Ansonsten hätte ich mal gerne ein paar Königstiger, Jagdpanzer vom Typ "Hetzer" und natürlich die gute alte Dora. Ach, das erinnert mich an die blutige Schlacht um Washington...das waren noch Zeiten! :D

  • Es war die Folge seiner bereits seit Beginn des Kurses festgestellten Unaufmerksamkeit, die Claudius nun den Start dieses Planspiels verpassen ließ. Nun aber war er bei der Sache und folgte zunächst den Wortmeldungen der anderen.
    'Hm', dachte er. Vielleicht war er nun besonders kleinlich, aber er brauchte mehr an Informationen, bevor er sich konkret über mögliche Taktiken Gedanken machte. Für ihn galt folgende Reihenfolge: Informationen über das zu erobernde Gebiet -> Taktiküberlegungen -> Entscheidungsfindung bezüglich der benötigten Mannstärke und Klärung, welche Truppen zum Einsatz kommen sollen.



    "Ich habe weitere Fragen: Welche Jahreszeit haben wir? Wie ist das aktuelle Wetter? Da nicht jedes Volk dieselbe Kampfweise ausübt und über dieselben Waffen verfügt … Wer sind also unsere Gegner? In welcher Entfernung liegen weitere Städte sowie mögliche Militärlager?


    Gedanken habe ich mir natürlich dennoch gemacht. Da bei der gestellten Aufgabe für mich weder eine reine Belagerung in Frage kommt noch eine offene Feldschlacht möglich ist, schließt sich der Einsatz alleiniger Legionstruppen aus. Ich sehe keinen Grund, von dem bewährten Verhältnis 50:50 zwischen Legions- und Hilfstruppen abzuweichen, da einerseits der von meinem Vorredner angesprochene Korridor groß genug ist, um einen sinnvollen Einsatz schwerer Infanterie zu ermöglichen. Andererseits die Anzahl der Hilfstruppen auch nicht minimiert werden kann, weil sie sowohl für die Auskundschaftung als auch für den Flankenschutz bei der Bewegung der Legionstruppen unabdingbar sind. Nicht zuletzt favorisiere ich sie beim Vormarsch in dem hügeligen Gelände, wo Stadt 2 angesiedelt ist.


    Ansonsten: Das Primärziel - so sehe ich das ebenfalls - muss die Eroberung der Stadt am Fluss sein. Befindet sie sich in unserer Hand, bedeutet sie nicht nur einen gesicherten Nachschub, der allerdings auch gesichert sein muss, sondern wir haben eine nahezu perfekte Rückendeckung durch die geographischen Besonderheiten, die nicht nur der Fluss sondern auch das Sumpfgebiet stellt. Aus dieser Position heraus, in der wir nach Süden und Westen hin gesichert sind, ist dann eine Eroberung der Stadt in den Bergen mit geringerem Risiko für die eigenen Truppen möglich.


    Ich schlage also vor, dass wir uns zunächst mit der Einnahme der Stadt am Fluss befassen. Hier dürfen unsere Einheiten der Classis, die ich einbeziehen möchte, auf keinen Fall zwischen die Verteidigungsfront jener Stadt und das Sumpfgebiet geraten. Die Aufmerksamkeit der Verteidiger muss also auf das Festland gezogen werden, womit unsere Infanterie gefragt ist."

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!