Domus Aeliana - Cubiculum Claudianus Marcellus

  • In einer ruhigen Stunde hatte ihr Gatte Adria von einer kleinen spontanen Entscheidung seinerseits erzählt. Die Überraschung war groß gewesen, denn es war in den Augen Adrias keineswegs unwesentlich, aber des Herren Entscheidung sollte nicht angezweifelt werden.
    Sie hatte schon von ihm gehört, immerhin war er auch schon Quästor gewesen, aber persönlich hatte sie noch nicht das Vergnügen, schon gar konnte sie sich erinnern, ihn jemals zuvor in diesem Haus gesehen zu haben. Umso mehr verwunderte sie die ganze Geschichte noch immer.
    Aber nun war es einmal an der Zeit, einen ersten positiven Eindruck von ihm zu bekommen.
    Mit dem Kind am Arm klopfte sie an die Tür.

  • Marcellus war gerade dabei die letzten Kisten mit einigen Büchern und Schriftrollen auszuräumen und diese in ein großes und geräumiges Regal zu ordnen. Es war nun – den Göttern sei Dank – endlich alles dort angelangt, wo es auch hingehörte. Die Kisten, die in die Villa nach Ostia gebracht werden sollten, waren bestimmt mittlerweile dort alle eingetroffen und auch der Umzug in den Domus Aeliana war nun vollbracht. Nicht gerade erfreut über die Störung und in der Annahme, dass es sich bestimmt nur um einen Haussklaven handeln würde, der noch etwas vorbei brachte, sah Marcellus auf und rief mit einer eher unfreundlich klingenden Stimme


    "Herein!"

  • Die erste Möglichkeit, einen positiven Eindruck auf Adria zu machen, hatte der neue Gast im Haus soeben mit dem Tonfall seines einen Wortes verspielt.
    Sie öffnete die Tür und ihre Blicke kundschafteten ihn und sein Gepäck um ihn herum aus.
    "Salve! Ich störe doch nicht?", dabei versuchte sie einen halbwegs freundlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen.
    Auch wenn sie sich noch immer nicht damit abfinden konnte, plötzlich einen erwachsenen Sohn zu haben, der sie sogar zur Großmutter gemacht hatte. Auch wenn alles nur formal war, es missfiel ihrem Ego doch ein wenig.

  • Es trat jedoch nicht einer der erwartete Haussklaven ein, sondern eine Frau in Marcellus Alter, die ein Kind im Arm trug. Er brauchte nicht lange überlegen, da nicht viele Familienmitglieder hier im Domus wohnten und es nur eine gab, die vor kurzem ein Kind bekommen hatte. Es musste sich also hier um Quartos Frau Adria handeln, von der Marcellus bisher gehört, sie aber noch nicht persönlich kennen gelernt hatte. Im ersten Moment musterte er sie jedoch kurz, bevor er etwas sagte. Natürlich hatte er erfahren, dass Quarto um einiges älter als seine Gemahlin war und auch dass sie ungefähr in seinem Alter war, doch hatte er nicht damit gerechnet, das es sich dabei um eine solch hübsche und graziöse Frau handelte, wie sie persönlich nun vor ihm stand. Er ließ die Bücher wieder zurück in die Kiste fallen und richtete sich auf, um Adria entgegen zu treten. Mit einem knappen Kopfnicken begrüßte er sie in seinen neuen Räumlichkeiten.


    "Salve! Ich nehme an du bist Adria. Es freut mich dich kennen zu lernen."

  • Sie quittierte seine freundliche Begrüßung mit einem Lächeln.
    "Ich möchte dich in unserem Haus willkommen heißen." Eigentlich sogar in der Familie, aber das wollte ihr nicht einfach über die Lippen gehen.
    "Dich und deine Tochter. Sie ist wohl auch bereits dabei, sich in ihrem Zimmer einzurichten, ich werde sie später begrüßen."
    Sie sah sich wieder um, betrachtete sein Gepäck und was er bereits eingerichtet hatte. Dabei versuchte sie das gar nicht unauffällig zu tun, denn als Hausherrin und "Adoptivmutter" sah sie es als ihr Recht an, neugierig zu sein und wissen zu wollen, wer er war und was er tat.
    "Ihr habt euch also von eurer Familie entfernt, den patrizischen Claudiern? Eine ungewöhnlicher Schritt."
    Quarto hatte ihr schon kurz von den Hintergründen berichtet, aber sie mochte natürlich mehr darüber erfahren.

  • "Ich danke dir für deinen freundlichen Empfang. Es bedeutet mir und meiner Tochter sehr viel, dass dein Gemahl uns in die altehrwürdige Familie der Aelier aufgenommen hat."


    Damit waren wohl zunächst einmal die offiziellen Willkommensworte erledigt. Adria machte mit ihrem Nachsatz deutlich, dass sie keinen großen Wert auf solche formellen Floskeln legte, sondern lieber gleich zum Punkt kam. Eine Eigenschaft, die auch Marcellus an sich selbst und an seinen Gesprächspartner äußerst schätzte. Dennoch kam er nicht darum herum, einen Moment über die Direktheit der Hausherrin zu schmunzeln, wurde doch auf Grund des angesprochenen Themas sofort wieder ernst.


    "Nun wehrte Adria, als so ungewöhnlich sehe ich diesen Schritt gar nicht. Es stimmt zwar, dass wir uns dadurch von unserer Gens etwas entfernt haben, aber unsere herausgehobene Herkunft bleibt dennoch bestehen. Die Frage ist nur, was sie heut zu Tage noch bedeutet. Wie ich auch bereits deinem Mann erklärt habe, so sehe ich den Stand der Patrizier mit äußerst gemischten Gefühlen. Hier und da gibt es zwar noch einige vereinzelte religiöse Ämter, die sie sich sichern konnten, doch im Ganzen betrachtet haben die bisherigen Kaiser alles getan, um den Einfluss und die Macht des patrizischen Adels immer mehr zu beschneiden und ihre Mitglieder in den Hintergrund zu drängen. Ein Eques zu sein, bedeutet in der heutigen Zeit einiges mehr, als einem patrizischen Adelsgeschlecht zu entstammen.


    Ich sehe also durch die Adoption in die Gens Aelia nur Vorteile, sowohl für mich und meine Tochter, als auch für euer Haus und ich denke, dass dein Gemahl es ähnlich sieht und meinem Wunsch daher letztendlich auch entsprochen hat. Eine Adoption aus politischen Gründen wenn du so möchtest, die unter anderem beiden Seiten erlaubt, ihre Macht und ihren Einfluss weiter auszubauen."


    Natürlich waren dies nicht all seine Gedanken zu diesem Thema, doch genug, um Adria eine ausreichende Antwort zu geben. Quarto hatte bestimmt, so wie Marcellus selbst, durchaus auch andere Beweggründe für diese Entscheidung gehabt, die zum Beispiel das Wohlergehen seiner Familie Miteinschließen. Man durfte nicht vergessen, auch wenn seine Gemahlin ihm erst vor kurzem ein Kind geschenkt hatte, so machte sich der Consular bestimmt bereits Gedanken um sein Alter und vor allem, wie lange er noch da sein konnte, um seiner Familie den nötigen Schutz und ein angenehmes Leben zu bieten. Einen bereits erwachsenen Sohn zu haben, der im Fall der Fälle seinen Platz einnehmen konnte, war da bestimmt eine äußerst beruhigende Absicherung.

  • Die Antwort von Marcellus konnte gar nicht anders, als einen Eindruck von ihm zu hinterlassen, der nur so von Egoismus und Karrieregeilheit strotzte. Eine Adoption und ein Abschied aus einer patrizischen Gens um der eigenen Zukunft Willen. Einen Eques über einen Patrizier stellen! Auch wenn es vielleicht in der Realität der Postenvergabe so aussah, so war dies doch eine Einstellung, die jeder ihr bekannten römischen Einstellung widersprach.


    Sie wollte auch schon die Worte bezüglich ihres Gatten verteufeln, aber vielleicht hatte Marcellus in diesem Punkt doch Recht. Aber auch wenn sie nicht einer Meinung mit den beiden Männern war, sie hatte gerade keine Lust auf Grundsatzdiskussionen. Stattdessen murmelt sie nur ein verständnisvollklingend.
    "Hast du auch schon Pläne für deine Tochter?"

  • Etwas verwundert nahm Marcellus zur Kenntnis, dass er Adrias Wissensdurst zu diesem Thema mit dieser einen Antwort wohl auch schon gestillt hatte. Es kam ihn geradewegs so vor, als ob er sie damit ein wenig schockiert hätte. Andererseits waren solche Adoptionen schon seit je her Brauch bei römischen Familien, die an der politischen Front tätig waren und so ihre interfamiliären und politischen Allianzen verstärken konnten. Marcellus selbst, war dadurch in die privilegierte Situation geraten, sowohl seine Herkunft als Patrizier einer Gentes Maiores, als auch die Stellung seiner neuen Familie als Mitglied der Nobilitas nutzen zu können. Als Adria jedoch nach seiner Tochter fragte, verschwanden die Gedanken zu diesem Thema sofort wieder und ein Lächeln trat ins Gesicht.


    "Dolabella hat mir vor kurzem offenbart, dass sie in den Cultus Deorum eintreten möchte. Ebenfalls etwas, dass ihr noch vor kurzem verwährt geblieben wäre. Ich habe ihr versprochen, mit ihr in den nächsten Tagen zur Regia des Cultus zu gehen und dort einmal nachzufragen."

  • Cultus Deorum, das klang schon ein wenig beruhigend. Eine der ersten Ängste Adrias als sie von den beiden erfuhr, war die vor einem jungen wilden Mädchen, auf das man aufpassen musste. Sie hatte schon von mancher Frau gehört, die von ihrem pubertierenden weiblichen Nachwuchs und vor allem die damit zusammenhängenden männlichen Jungen nahe der Verzweiflung gebracht wurde. Und schon gar nicht wollte sie ein Gerede über solche Sachen unter den anderen Leuten. Jetzt wollte sie diese Sorgen nur noch in geeignete Worte für Marcellus packen.
    "Sehr löblich. Ich hoffe sie bekommt eine gute Einführung dort und lässt sich nicht zu irgendwelchen obskukren Kulte verführen. Davon soll es ja auch immer wieder welche geben." Ihr wollte gerade nicht einfallen, von welchem sie erst vor kurzem gehört hatte und als sie darüber nachdachte, fiel ihr auf, wie spießig sie geworden war. Mit einem leichten Kopfschütteln verwarf sie den Gedanken und blickte wieder zu Marcellus.
    "Sie ist ein junges hübsches Ding. Ich hoffe, du kommst mit ihr gut zurecht.", was so etwas bedeuten sollte wie 'du hast sie unter Kontrolle'.

  • "Ich teile selbstverständlich deine Sorgen, da auch ich ebenfalls über derartige Vorgänge und dubiose Kultpraktiken gehört habe, zu denen man vor allem junge Menschen recht leicht verleiten kann. Aber ich werde natürlich das wachsame Auge eines Vaters auf die Ausbildung meiner Tochter werfen und mich persönlich über die Ehrbarkeit ihrer Ausbilder erkundigen.


    Ansonsten habe ich ein durchaus gutes Verhältnis zu meiner Tochter. Sie hat die Erziehung einer Patrizierin genossen und auch wenn sie nicht unbedingt nach mir kommt, so weiß sie sich zu benehmen und ihrer Familie keine Schande zu bereiten. Sie würde sich bestimmt darüber freuen, dich bald kennen zu lernen."

  • Das war, was Adria hören wollte. Er hatte es damit tatsächlich geschafft, ihre Befürchtungen zu zerstreuen und ein ehrliches Lächeln erschien auf ihren Lippen.
    "Ich freue mich ebenso darauf.


    Dann werde ich dich nicht weiter stören. Richte dich ein falls du etwas brauchst, kannst du jederzeit zu mir kommen."

  • Dolabella fasste sich an diesem tag ein Herz. Sie musste nocheinmal mit ihrem Vaterv reden wegen der Gottheit der Venus.So ging sie recht früh am Morgen , wo sie ihn noch in seinen Räumen wusste zu ihm und klopfte an die Tür. Sie war ziemlich aufgeregt

  • Zitat

    Original von Aelia Adria
    Das war, was Adria hören wollte. Er hatte es damit tatsächlich geschafft, ihre Befürchtungen zu zerstreuen und ein ehrliches Lächeln erschien auf ihren Lippen.
    "Ich freue mich ebenso darauf.


    Dann werde ich dich nicht weiter stören. Richte dich ein falls du etwas brauchst, kannst du jederzeit zu mir kommen."


    "Ich danke dir Adria und werde bei passender Gelegenheit bestimmt darauf zurück kommen!"


    Auch wenn er von Quarto in die Familie adoptiert wurde, so hielt Marcellus es für äußerst unangebracht zu einer Frau gleichen Alters Mutter zu sagen. Er hoffte, dass sie ähnlich dachte und es nicht als Beleidigung ansah, dass er sie nun mit ihrem Namen angesprochen hatte. Zum Abschied verneigte er sich kurz, sah jedoch gleich wieder auf und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.

  • Zitat

    Original von Aelia Claudiana Dolabella
    Dolabella fasste sich an diesem tag ein Herz. Sie musste nocheinmal mit ihrem Vaterv reden wegen der Gottheit der Venus.So ging sie recht früh am Morgen , wo sie ihn noch in seinen Räumen wusste zu ihm und klopfte an die Tür. Sie war ziemlich aufgeregt


    Marcellus war gerade dabei, sich für seinen Amtstag vorzubereiten. Einer der Haussklaven half ihm gerade, seine Beamtentoga anzulegen, die mit ihren mehreren Metern Stoff nicht nur ein ganz schönes Gewicht hatte, sondern ohne Hilfe auch unmöglich anzulegen war. Als es an der Türe klopfte, versicherte er sich selbst noch einmal mit einem strengen Blick nach unten, dass sie nun halbwegs so saß wie sie es sollte und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Zimmertüre.


    "Herein."

  • Wie immer wenn Dolabella die Räume ihres Vaters betrat, steckte sie zuerst ihren dunklen Schopf zur Tür hinein und strahlte ihn an. Das war fast wie ein kleines Ritual. Von jeher betrat sie auf diese Art seine Räume, ob in Achaia, in Rom oder jetzt auch hier.



    Salve Vater, hast Du ein paar Minuten Zeit für Deine Lieblingstochter? fragte sie dann mit einemverschmitztem lächeln im Gesicht. Sie hoffte seine Stimmung war gut für das was sie vorhatte.

  • Als ihr Vater so zögerte und sie nicht hereinbat, verließ sie fast der Mut, aber er schien so in Gedanken das er gar nicht verstanden hatte was sie ihn bat und so ging sie erstmal ganz in den Raum und schloß die Tür. Ein paar Schritte aiuf ihn zu, auf Zehenspitzen gestellt, die Hände um seinen Hals geschlungen und ehe er sich versah bekam Marcellus einen feuchten Kuß auf seine Nasenspitze. Dolabella löste sich dann leicht und grinste ihn an

  • Der Frischgebackene Präfekt hatte gerade genervt auf den Sklaven geblickt, als seine Tochter das Zimmer betrat und nahm sie im ersten Moment gar nicht wahr. Erst als sie direkt vor ihm stand und ihm einen saften Kuss auf die Nase gab, besann er sich ihrer Anwesenheit und lächelte.


    "Verzeih mir Dolabella, aber dieser Sklave ist anscheinend unfähig mir die neue Magistratentoga richtig anzulegen. Ich sehe eher aus wie ein Sack, als wie der neue Praefectus Annonae. Aber zu dir - was kann ich für dich tun?"

  • Dolabella trat einen Schritt zurück und musterte ihren Vater von oben bis unten. Wie in einem Sack sah er wahrhaft nicht aus, eher das Gegenteil war der Fall. Ein stattlicher Mann in den besten Jahren, so manche Lady wird sich alle 10 Finger nach ihm lecken , dachte sie grinsend. Dann sah sie ihm wieder in die Augen.


    Der neue Praefectus sieht herrvorragend aus! Ich wette es gab noch nie einen der besser ausgesehen hat. sagte sie lächelnd
    Ich beglückwünsche Dich dazu Vater, ich bin wieder einmal sehr stolz Deine Tochter zu sein kam es dann ernster von ihr, denn bis dahin hatte sie ja nicht um seine neue Stellung gewússt.
    Ich wollte nocheinmal mit Dir darüber sprechen das ich Venuspriesterin werden möchte. Es ist mir wiirklich ausserordentlich wichtig, aber noch wichtiger wäre mir Dein Einverständnis dazu weiter schaut sie ihm ernst in die Augen und versucht seine Reaktion auszumachen

  • Der Besuch seine Tochter war also nicht ganz so uneigennützig, wie er es vorerst gedacht hatte. Eine wirklich schwierige Entscheidung, vor die sie Marcellus stellte. Aber vor allem wusste er, dass sie ohnehin früher oder später ihren Dickschädel durchsetzen würde und ihren Willen bekam – also warum hinauszögern. Es war ohnehin so, dass er damit gerechnet hatte und sich bereits im Vorfeld seine Gedanken dazu machen konnte.


    "Nun gut Dolabella. Ich hatte schon erwartet, dass du wieder damit anfangen wirst. Du darfst Priesterin der Venus werden, wenn es wirklich dein fester Wille ist."

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