​[Officium] Centurio Legionis XV Apollinaris

  • Bellutus sah auf, im Gegensatz zu seinem Offizierskameraden war er noch im Dienst und brütete über den Einsatzbericht.

    Er erhob sich und reichte dem Tiberier den Unterarm.

    Salve Tiberius,...nimm doch kurz Platz,...ich habe gleich Zeit für dich.

    Er bot ihm einen der beiden Scherenstühle an und schenkte ihm einen Becher voll Posca ein. Lächelnd stellte er den Becher auf den kleinen Beistelltisch und machte sich daran seinem Schreibtisch ein wenig zu ordnen.

    Kurz darauf setzte er sich mit einem gefüllten Becher zu prostete Tiberius zu,

    ... bene tibi sit vita!

    Denn darum ging es doch wohl.

  • Coriolanus nahm den Gruß an und reichte dem Kollegen ebenso den Unterarm. Mit einer festen Antwort auf den Gruß, löste er den Griff und blickte mit einem salzig-müden Lächeln in den Raum. Bellatus arbeitete tatsächlich noch. Gut, wenn er in seiner Position war und wieder eine Einheit führte, würde ihn selbst ähnliches erwarten. Coriolanus hatte einen gleichen Anspruch an gute Abläufe, Arbeit und Drill, wie Bellatus selbst. "Keine Hektik," sagte Coriolanus und nahm auf dem angebotenen Stuhl platz. Endlich. Posca. Mit einem mutigen Griff suchte er den Becher und hob diesen an aber wartete noch auf den üblichen Prost. "Et tu," antwortete der Tiberius. "Ad fundamentum!" Es war üblich den ersten Trunk im Stoß herunter zu trinken und danach einen weiteren Becher zu füllen. Dieser Stoßtrunk sollte Glück bringen und dem Prostwunsch besondere Kraft verleihen. Ein üblicher römischer Aberglaube unter Soldaten. Mit einem großen Schluck verschwand die gesamte Flüssigkeit aus dem Becher, bevor Coriolanus diesen absetzte. "Würzig süßer Posca," kommentierte er und lächelte. Coriolanus war froh, dass der Rahmen dieses Gespräches weniger formal war und beide Offiziere kameradschaftlich und offen sprechen konnten. Doch noch wartete Coriolanus mit dem Gesprächsthema, da es immer dem älteren Gedienten überlag, das erste Gesprächsthema zu wählen, wenn es keine dienstliche Notwendigkeit gab oder eine andere Dringlichkeit.

  • Bellutus nickte und füllte den Becher erneut. Er setzte sich und sah den Tiberier kurz an. Was hatte ihn wohl hierher verschlagen? Ruhm und Ehre? Er nippte an seinem Becher.

    Nun, Tiberius,...ich denke du bist nicht aus Langeweile hier,...was treibt dich hierher?

    Insgeheim hoffte Bellutus der Tiberier hatte sich beruhigt und würde es bei einer Verwarnung belassen. Cerretanus jetzt zu disziplinieren wäre angesichts der Leistung beim vergangenen Gefechts und seinem Ruf bei den Kameraden im Castellum nur schwer vermittelbar. Hast du dich eingerichtet?

  • Fragen. Persönliche Fragen, die Coriolanus überraschend trafen. Er hatte mit wenigen über seine Vergangeheit gesprochen und mit den wenigsten davon ehrlich. Der Kaiser hatte es verboten und seine persönliche Sicherheit war davon abhängig, dass die geheimen Pläne und Absprachen niemals in die Öffentlichkeit gelangten. Doch war Coriolanus auch nur ein Mensch, der unter der harten Fassade zutiefst verletzt war; Ängste und Sorgen lagen tief in ihm verborgen. Es mangelte ihm an ehrlicher und menschlicher Courage, sondern er hatte sie durch militärische und brutale Tapferkeit ersetzt. Er diente einer Welt, wo Dinge entweder getan wurden oder eben nicht. Es gab nichts zu begründen, zu überlegen oder entsprechend darüber nach zu sinnen, warum man hier lebte. Er war einfach hier.


    Doch in seinem Herzen suchte er nach echter Courage, das eigene Leben zu gestalten und anderen Menschen wirklich zu helfen. Doch auch er war nur ein Gefangener von selbstgeschaffenen Mauern, die oft noch von Sorgen und Ängsten bewacht wurden. Denn am Ende war auch er allein. Seine Handlungsmacht war äußerst gering und somit war die Frage äußerst fremd für Coriolanus. "Es hat seine Gründe. Du magst dich sicherlich wundern, warum ich mit meinem Namen als Centurio diene und nicht als Tribun," begann er und stellte fest, dass er Bellatus fast auf das Geheimnis aufmerksam machte. Er konnte nicht einschätzen, ob er Bellatus vertrauen konnte. Zwar konnte man den meisten Soldaten in Hinsicht des Drills vertrauen aber auf einer persönlichen Ebene? Vertrauen war etwas, was Coriolanus nicht einfach vergab. "Es ist auch nicht eine militärische Karriere, die mich an diesem Ort hält. Ich bin durch besondere Umstände an diesem Ort gelandet und ich bin auch froh, dass sich diese Umstände hier nicht zeigen. Ich bin ein Soldat Roms und habe nicht immer die freie Wahl über mein Schicksal," sagte er und drehte den Becher nervös in seiner Hand. "Keine Sorge, ich habe nicht gegen die Gesetze der Ehre verstoßen oder ein Verbrechen begangen, um an diesen Ort verbannt zu werden. Es sind eigentlich recht klare Umstände, die ich dir aber aus Verschwiegenheit nicht nennen kann," erklärte er dann doch, in der Hoffnung, dass Bellatus verstand. Römische Politik war manchmal ein offenes Geheimnis, über das man dennoch nicht sprach. Ein bisschen Ehrlichkeit konnte helfen, dass er das grundlegende militärische Vertrauen zwischen Offizieren nicht zerschnitt. Misstrauen war Gift in jeder Hierachie und musste immer vermieden werden.


    "Ich bin nicht aus Überzeugung Soldat geworden, sondern machte einfach das Beste aus der Lage und wurde sogar recht gut darin. Meine Position ist durch Fleiß erworben und wo anderen etwas geschenkt wurde, musste ich mich mehrfach anstrengen, um aufzuholen. Mein Name ist eher Hindernis als Segen, da viele Milites gerne höhnisch über einen Patrizier in den caligae denken. Ich arbeite sehr hart daran, ein guter Offizier zu sein," meinte er und trank dann einen großen Schluck. Es war nicht einfach über seine eigene Befindlichkeit zu sprechen. Besonders nicht mit seiner Geschichte. "Ich habe mich eingerichtet, auch wenn ich sagen muss, dass es der neuen Truppe, die ich übernehmen soll, an Disziplin mangelt. Ich werde schleifen müssen." Er nickte Bellatus mit einem salzigen Lächeln zu. "Scheinbar macht diese ferne Provinz der Moral zu schaffen und die Truppe ist nicht ausgelastet," deutete er an und versuchte damit sanft von sich auf reguläre Themen zu lenken. "Es wartet eine Menge Arbeit auf mich aber ich habe bereits Erfahrung darin. Diese Männer brauchen Aufgaben," fügte er direkt an.

  • Bellutus hatte sich gefragt was ein Patrizier hier zu suchen hatte. Zumal noch in dieser Position. Doch er brachte die Antwort selber auf. Niemand verschlug es freiwillig hierher. Trotzdem hörte er aufmerksam zu, wie es seine Art war um sich ein Bild von seinem Kameraden zu machen.

    Ihm war es völlig gleich aus welchem Stall der Soldat kam. Er hatte im Gefecht zu funktionieren um nicht sich oder seine Kameraden in Gefahr zu bringen.

    Aus den Äußerungen des Tiberius schloß Bellutus,

    Nun Tiberius, ich danke dir für deine ...Offenheit...doch sei versichert, hier stellt niemand eine Frage nach dem Wieso oder Warum. Du hast auch keinerlei Einfluss auf die Dinge die man über dich verbreiten wird. Jetzt im Moment bist du der verwöhnte Patrizier der einen Helden des Castellums zur Räson bringen will, weil er seine Pflicht etwas zu sehr ausgelegt hat. Bellutus hob kurz die Schultern. Tiberius entsprach somit zunächst einmal dem Klischee und hatte der Latrinenparole Tür und Tor geöffnet.

    Die Männer hier sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Einige wurden hierher versetzt, andere suchen hier nach Vergessen. Die Legio XV ist ein Auffangbecken für,...nun ...sagen wir mal,...nicht Systemrelevante, für Unbequeme, für grenzwertige Raufbolde, aber auch für ganz normale Legionäre.

    Ein kleiner Schluck Posca.

    Es gibt sicherlich viel zu tun, man kann das mit Disziplinierung und Regeln angehen...doch bedenke,...die Kerle sind schon immer, von Kindesbeinen an verprügelt und bestraft worden. Doch inzwischen sind sie Legionäre,...ausgebildete Kämpfer. Teilweise bösartig und durchtrieben. Wir als Offiziere bewegen uns hier in einer Schlangengrube. Da ist es schwer einen Fuß in die Türe zu bekommen.

    Er stellte den Becher ab und sah den Tiberier an.

    Hier verläuft die Zeit anderes,...andere Sitten. Wir sind kein Mustercastellum Tiberius und ich glaube dir, daß du eine Geschichte hast, doch die hat hier jeder.

    Er nickte dem Kameraden zu.

    Hier kannst du entweder alles richtig oder alles falsch machen. Doch wenn du dir den Respekt dieser Männer erworben hast und sie dazu bringst freiwillig und als Einheit deine Befehle auszuführen, dann kannst du in jeder Einheit dienen und deinem Ideal als guter Offizier genügen.

    Ein tiefer Blick in die Augen des Tiberiers setzte das Ausrufezeichen, denn wenn er meinte so weiter zu machen wie bei seiner Ankunft würde er in einer dunklen Ecke enden.

  • "Ausgelegt?" Coriolanus zeigte sich etwas verblüfft aber hielt sich mit einer konkreten Nachfrage zurück. Einem Soldaten Posca zu verbieten, war einfach nur unlauter und selbstgerecht. Coriolanus sah keinen Grund und ebenso wenig eine Begründung darin. "Ich muss dir zustimmen, was deine Beschreibung der Legio angeht," schloss er an und nickte. "Ideale sind es nicht, die mich hier antreiben. Meine Ideale liegen fern von hier und mein Ziel eines guten Offiziers ist ein harte Fakten geknüpft. Ich träume nicht und habe keine idealisierten Vorstellungen vom Militär," antwortete er. "Handlungen und Befehle zeichnen einen guten Offizier aus. Diese sind immer überprüfbar und orientieren sich immer an den Gegebenheiten. Den Respekt der Männer, darunter sicherlich auch Aufmüpfige, erwirbst du aber nicht durch kumpelhafte Nähe, sondern durch handlungssichere Distanz und entsprechende Härte. Wenn die Männer dreihundert Ellen laufen sollen, läufst du selbst sechshundert Ellen. Du musst in allen Belangen besser sein und dich stets beweisen, damit sie nicht glauben, dass du es dir leicht machst. Aus dieser Härte kannst du agieren," erklärte er. "Ja, Respekt wird durch Handlungen, nicht durch Worte erworben." Und es war ihm auch egal. Er hatte nie um den Militärdienst gebeten, sondern war durch den Kaiser und die damaligen Umstände hineingedrängt worden. Aufgrund seines Standes und der Taten seines Vaters konnte er als Centurio dienen, dies sogar recht gut aber nicht mit jener Lebenszufriedenheit, die andere im Militär fanden. Coriolanus gehörte wohl niemals an diesen Ort. Eigentlich passte er nirgendwo so ganz hin, da er nicht als Patrizier lebte, nicht als Hochgeborener, und auch nicht als guter Soldat. Wie viele Tiberii war er verloren zwischen den Zeiten und Schicksalen, die sie zu verfolgen schienen. "Ich werde daran arbeiten," versicherte er, da er sich selbst sicher war, stets an sich zu arbeiten, denn dies war sein Überleben.

  • Bellutus lauschte den Ausführungen des Tiberiers. Seine Miene wurde hart. Mit diesem Kerl war sicher nicht gut Kirschen essen.

    Ein paar seiner Ideale machten sicherlich Sinn,andere ließen sich jedoch auf Dauer kaum sinnvoll umsetzen.

    Offziere waren keine Götter. Sie schufen zwar eine gehörige Distanz zwischen sich und ihren Soldaten, welche sie durch Disziplin und Strafen vertieften, doch letztendlich war die Kunst ein Band zwischen sich und den Männern zu bilden.

    Respekt und Vertrauen Tiberius...Der Offizier ist der Kopf, das Hirn, die Legionäre sind der Körper, zusammen funktionieren sie, fehlt das Gegenüber, funktioniert nichts.

    Er strich sich mit Daumen und Zeigefinger am Hals entlang.

    Die Kunst ist es die Männer bei der Stange zu halten, ihrem Dasein und unseren Befehlen einen Sinn zu geben. Blinder Gehorsam erfordert ein funktionierendes Gehirn. Formaldienst und Disziplin schaffen Gemeinsamkeit, alle wissen was zu tun ist. Wann es zu tun ist und es sinnstiftend umzusetzen ist unsere Aufgabe. Das klappt am besten wenn Vertrauen da ist. Manus manum lavat, Tiberius.

    Mag sein, daß sein Offizierskollege das grundsätzlich anders sah, jedoch blickte Bellutus auf eine lange Zeit als kämpfender Offizier zurück. Er hatte seine Erfahrungen gemacht und dies war sein Fazit. Ob es der Tiberier umsetzte oder auch nur in Erwägung zog war ihm jedoch gleichgültig. Die Zeit würde zeigen ob man sich auf ihn verlassen konnte.

    Ein Teil der XV. wird nach Germania zur neu ausgehobenen XXII versetzt...ich werde ebenfalls dorthin gehen.

    Es war zwar unwichtig ob der neue Heißsporn ihn ins Herz schließen würde, er empfand es aber als wichtig, daß der Tiberier es erfuhr.

    Ich denke du wirst dich hier einfinden und deinen Weg gehen Tiberius.

    Bellutus beugte sich ein wenig vor und goß ein wenig Posca nach. Irgendwie freute er sich schon auf den Met in Germania.

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