Zurück nach Rom

  • RE: KRETA - und was nun?

    Wir hatten uns eine Taberna ausgesucht um zuerst einmal eine gute Mahlzeit zu uns zu nehmen. Während wir auf unsere Bestellung wartete beantwortete ich Charis Frage. „Ob man die Wolken zähmen kann?“ Ein wenig wehmütig wiederholte ich die Frage von Charislaus. „Obwohl der Wunsch auf ihnen zu reisen noch immer besteht, habe ich einmal erfahren, dass dieser Wunsch niemals in Erfüllung geht. Es war in den Alpes, von dem Gebirge hast du sicher schon gehört. Wenn man nach Germanien möchte durchqueren wir es meist. Es war auf einem der hohen Berge wir hatten die Bergspitze fast erreicht, die Wolken hingen an dem Tag sehr tief. Da wir auf den Weg achten mussten beobachtete ich natürlich eher selten den Himmel. Plötzlich war waren wir in einem sehr feuchten Nebel eingehüllt und sahen den Weg kaum noch. Wir schafften es dennoch und waren dann auch bald auf der Bergspitze. Was denkst was ich dann sah als ich talwärts schaute. Unter mir war eine Wolke, die den Berg auf dem wir standen umwand. Wir waren doch wirklich durch eine Wolke gegangen. Ich war hin und hergerissen, einmal weil ich so etwas erleben durfte, dann aber auch, weil meine Vorstellung zerstört worden war. Wie so vieles im Leben", traurig kam das Letzte von mir. „Ja es wäre wunderbar alles von oben betrachten zu können“, meine Antwort kam traurig, doch das ankommende Essen vertrieb diese Traurigkeit schnell.


    Chari zog mich voll Entdeckerfreude mit sich, kaum das wir auf der Straße waren. „Ja Korinthus“, lachte ich. „Nein ich kam nie dazu diese Stadt und all die berühmten Städte, so wie mein Plan war, als ich mein Elternhaus verließ, zu sehen. Du muss wissen Griechenland und seine Kultur ist tausende Jahre älter als Rom. Hier lebten schon Menschen, als die Götter noch auf der Erde wanderten.“ Ich überlegte kurz, dann viel mir ein brauchbares Beispiel ein. Du kennst doch Herakles oder Herkules wie er auch genannt wird. Er ist der Sohn von Zeus wie wir Griechen ihn nennen oder wie er in Rom genannt wird Iuppiter und einer Menschen Frau. Ihr Name war Akimene. Herkules war somit ein Halbgott, wie es viele gab. Ich kann mich nicht erinnern gehört zu haben, dass zu unserer Zeit noch ein Gott auf Erden weilte. Ich hatte mir vorgenommen, eine Rednerschule zu besuchen, ebenso mich einem berühmten Philosophen anzuschließen, doch leider waren die Sklavenjäger schneller. Doch genug davon, ich möchte mich endlich wieder wohl in meiner Haut fühlen, auf zur nächsten Therme. Vorher wollen noch ein paar neue Kleidungsstücke kaufen.“

    Wie eines Herrn, wie des unseren würdig, frisch gebadet, rasiert und gut eingekleidet wanderten wir durch die Stadt. Auf einem Markt hörten wir wie ein Händler seinem Kunden, der wohl auch ein guter Bekannter von ihm war, erzählte er wolle in zwei Tagen nach Italia aufbrechen um neue Waren an zu sehen und zu ordern. Als Händlersohn wusste ich doch, dass dies hier die größte oder sogar die wichtigste Handelsmetropole in Griechenland war. Ich hegte keinen zweifel an dem Gerede. Als der Kunde weg war einigten wir uns mit dem Händler und durften ihn auf seinem Schiff nach Brundisium begleiten. Jetzt hatten wir noch einen Tag Zeit um uns auf die Reise vorzubereiten und Briefe ab zu schicken und noch einmal in einem Bett zu übernachten.

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    SCRIBA PERSONALIS - HERIUS CLAUDIUS MENECRATES

  • Sie saßen gemütlich in einer Taberna und warteten auf ihr Essen. Endlich hatte sie die Normalität zurück, aber was war schon normal? Chari hatte auf ihrer Reise gelernt, dass nichts so lief, wie man es sich erhofft hatte und planen konnte man das Leben nicht. Wer hätte schon gedacht, dass sie in so eine Sache hineinstolpern würden? Mehr noch, wer hätte geglaubt, dass sie aus der Sache mit heiler Haut wieder herauskommen würden? Chari selbst hatte es kaum zu hoffen gewagt.


    Doch nun saßen sie hier, warteten auf ihr Essen und all das was geschehen war, wirkte wie ein böser Traum. Bald würden sie zurück bei ihren Herren sein. Chari schob den Gedanken beseite und konzentrierte sich auf das hier und jetzt. Im Moment fühlte er sich wohl und das sollte auch so bleiben.


    Entspannt lauschte Charislaus den Worten von Linos. Sein Freund hatte tatsächlich eine Wolke berührt, aber so wie Linos die Wolke beschrieb, war sie ganz anders als sich Chari die Wolken vorgestellt hatte. Wie weiche Wolle hatte Chari geglaubt fühlte sich eine Wolke an, möglicherweise sogar noch zarter. Etwa wie Seide hauchfein und von unglaublicher Qualität.


    "Das ist vielleicht ein Erlebnis Linos, Du kannst von Dir mit Recht behaupten, eine Wolke berührt zu haben. Sogar mehr, Du bist durch eine Wolke gewandert. Das sie aus Nebel sind, ist mir neu. Sieht man sie hoch oben am Himmel ziehen, wirken sie so unheimlich weich. Meine Vorstellung war immer, dass sie sich wie Wolle oder sogar wie Seide anfühlen müssen. Manchmal habe ich mich auch gefragt, woraus sie wohl gemacht sind. Dank Dir weiß ich es, sie sind aus Nebel.


    Sei nicht traurig Linos, Du hattest etwas anderes erwartet von der Wolke genau wie ich. Aber Du hast auch ein unvergleichliches Erlebnis gehabt und die wahre Natur der Wolken ergründet. Das kann Dir keiner nehmen Linos. Du bist schon viel in der Welt herumgekommen, ich hingegen war vorher noch nie weit weg. Nichts was sich zu erwähnen lohnt", versuchte Chari Linos aufzumuntern.


    In dem Moment kam ihr Essen und Charislaus rieb sich hungrig die Hände. Das Essen war vorzüglich und Chari fühlte sich durchgewärmt und endlich wieder richtig satt. Sie waren in Korinthus wirklich angekommen.


    Nachdem sie aufgegessen hatten und Chari Linos mit sich gezogen hatte, machen sie sich daran die Stadt zu entdecken. Erneut lernte Charislaus etwas von Linos. Die griechische Kultur war viel älter als die römische.


    "Schon wieder habe ich etwas gelernt, Danke Linos. Die griechische Kultur muss die älteste der Welt sein, wenn Ihr schon auf der Welt wart als die Götter selbst noch auf ihr wandelten. Linos ich hatte einen Freund, er war ebenfalls Grieche und auch Sklave. Er hatte eine sehr hohe Ausbildung. Frage doch Deinen Herrn, ob Du eine Ausbildung machen darfst. Du hast gesagt, er ist ein guter Herr. Dann erlaubt er Dir das vielleicht. Denn davon hat er auch etwas. Frage ihn ob Du eine Rednerschule besuchen darfst. Philosophen kenne ich leider nicht, aber es könnte sein, dass Du dort trotzdem Unterricht nehmen darfst, wenn Dein Herr es Dir erlaubt. Ein Versuch ist es doch wert", schlug Charislaus hoffnungsvoll vor.


    Bei der Erwähnung der Therme seufzte Charislaus auf.

    "Oh ja, endlich wieder sauber und rein".


    Gesagt und getan, gestärkt und gereinigt wanderten sie durch die Stadt. Linos wurde auf einen Händler aufmerksam. In zwei Tagen wollte der gute Mann nach Italia aufbrechen. Linos schaffte es ihn davon zu überzeugen, sie beide mit zu nehmen. Das Glück war wieder auf ihrer Seite und Charislaus grinste von einem Ohr zum anderen, als Linos den Handel fest machte. Schon bald würden sie in Brundisium sein, Chari war gespannt auf die Stadt.


    Ein Tag um Briefe zu schreiben und zu übernachten. Gut gelaunt hielt Charislaus nach einem passenden Verkäufer Ausschau. Als er diesen gefunden hatte, kaufte er alles nötige ein und verstaute es in seiner Tasche. Den Brief würde er auf dem Schiff schreiben und in Brundisium abgeben, sollte er am Abend nicht dazu kommen.


    "Linos spürst Du es auch? Das Glück ist wieder auf unserer Seite. Alles wird gut", sagte Charislaus und seine Worte erfüllten ihn selbst ebenso mit neuer Hoffnung.


  • Ja ich hatte das Glück gespürt genauso wie Charislaus es gesagt hatte. Das obwohl es in ihm nagte, dass er den Auftrag des Claudius nicht zur Gänze erfüllt hatte. Er hatte ihn zwar schnell, schneller als im lieb war gefunden aber genauso schnell verloren. Abends in Ruhe hatte immer wieder überlegt was mit dem Tiberier los war. Er wirkte gehetzt, getrieben aber auch verletzt, einsam und unverstanden. Für jeden mochte er als kaltblütig und mordlüstern wirken, auch für ihn selber, schließlich hatten sie es selber erlebt, doch war er das wirklich? Genug jetzt zwang ich mich selber, mich von diesen Gedanken zu trennen.

    Wenn wir so durch die Straßen gingen sahen wir nicht das alte, das ursprüngliche Korinthus, es war der von den Römern aufgebaute Teil. Der Teil den die Menschen bestimmt wieder gerne sehen würde, der in dem die Götter noch unter ihnen weilten, war längst vergangen. Nur die Ruinen zeugten noch von der großen Vergangenheit.

    Wir sind aber im hier und jetzt mahnte ich mich genoss, einen wahren Freund an meiner Seite zu haben, das Wetter, das gute Essen und vor allem die Aussicht bald wieder zu Hause zu sein. Mit genau diesen Gedanken betrat ich das Schiff. Wenn ich Chari so betrachtete, glaubte ich zu wissen es ginge ihm ähnlich. Wir hatten

    ein gemeinsames Erlebnis, das wir bestimmt nicht mehr vergessen würden. Schnell hatten wieder einmal einen geschützten Winkel auf einem Schiff gefunden.

    Es stellte sich bei der Überfahrt raus, das wir froh über den Einkauf von den Decken und warmen Mäntel sein konnten. An der Küste entlang war ja noch alles soweit gut aber mitten auf dem Mare lonium wehte der Wind zeitweise doch recht kalt und heftig. Kälter war es als auf der Hinfahrt. Doch unser Ziel so nahe vor Augen, hielten wir durch ohne herum zu jammern.

    Dann war sie da Die Küste von Brundisium. Schnell hatten wir unsere Sachen gepackt und standen bald darauf an Land. „Wie schön jetzt bekommen wir bald wieder Landbeine“, lachte ich. „Weiß du worüber ich noch froh bin, dass keiner von uns Seekrank wurde und ständig die Fische füttern musste. Auf lass uns die Stadt ansehen und ein Quarier für die Nacht suchen.“

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  • Die Stadt hatten sie genossen, die älter war als die Zeit selbst. Oder jene Zeit, die Charislaus kannte. So hatte er am Ende sicher doch viel zu erzählen, worüber sein Herr staunen würde. Uralte Ruinen, eine Stadt die mit Farben, Gerüchen und Geräuschen lockte und dennoch verspürten Linos und er den Ruf der Heimat. Es hieß Zuhause war es am Schönsten. Doch diese Stadt hatte etwas ganz besonders. Korinthus, ein Name den er sich merken würde und eine Stadt, die eine Erzählung wert war.


    Linos und er erreichten das Schiff nach Brundisium. Kalt war es geworden, auch die geschützte Ecke in die sie sich verzogen hatten, änderte kaum etwas daran. Das gute Essen zeigte jetzt seine Wirkung und vor allem die warmen Mäntel.


    "Nichts ist so wichtig wie Wärme, dass wir einem erste bewusst, wenn die Kälte nach einem greift und der Wind jede noch so kleine Lücke in der Kleidung sucht", erzählte Charislaus, während er sich ganz fest in seinen Mantel gewicktelt hatte. Im Grunde schaute nur seine Nasenspitze heraus.


    Dann landeten sie in Brundisium an und sie hatten wieder festen Boden unter den Füßen. Charislaus streckte sich und schaute sich gut gelaunt um.


    "Brundisium wir kommen!", rief er fröhlich und grinste über beide Ohren. Charislaus zog den Mantel um sich und war sicher, dieses Kleidungsstück würde er nie wieder hergeben. Der Mantel hatte ihm gute Dienste erwiesen.


    "Landbeine? Stimmt auf dem Schiff waren meine Beine auch ständig am Wabbeln. Als wären sie aus Puls. Vielleicht waren sie sogar weicher. Das Essen was wir bezahlt haben Linos, haben wir standhaft in uns behalten. Ja sehr gerne, schauen wir uns ein bisschen Brundisium an und suchen wir uns eine Herberge für die Nacht. Ich freue mich, dass wir es bis hierhin geschafft haben. Eigentlich hatte ich arge Zweifel, ob wir es schaffen würden. Ob wir überhaupt vom Fleck kommen würden. Aber wie Du siehst, haben wir es auch ohne Waffen geschafft. Einfach weil wir durchgehalten haben Linos", sagte Charislaus und folgte seinem Freund in die neue Stadt die es zu entdecken galt.

  • Natürlich war gutes Essen , ein Bad und ein Bett unsere erste Sorge. Es war als ob einen wie ein Magnet anzöge. Je näher wir kamen um so ungeduldiger wurden wir. Zumindest empfand ich das so. In einer Caupona schlugen wir uns den Bauch mit dem jeweiligen Lieblingsessen voll. Dort saßen am Nachbartisch Händler die gerade gerade eine Reise nach Rom planten. Sie wollten natürlich die meist benutzte Handelsstraße von Nord nach Süden benutzen die Via Appia.

    Später meinte ich zu Charislaus, wir sollten uns ihnen anschließen, gerade weil die Straße so benutzt wird sind Reisende und Kaufleute dort sicher. Es ist bestimmt jederzeit mit einer Militärpatrouille zu rechnen, vielleicht nimmt uns der ein oder andere ein stück weit mit auf seinem Wagen. Morgen in der frühe gehen wir einfach zu ihrem Treffpunkt und schließen uns ihnen an.


    In Brundisium herrschte ein reges Treiben, Handelsschiffe aus vielen Gebieten des Reiches legten hier an und wurden be- und entladen. Händler feilschten, Gerüche umnebelten einen und die Farbenpracht war zeitweise überwältigend. Zu sehen gab es soviel, dass wir abends vollkommen erschöpft auf unsere Betten sanken.

    Irgendwann stand ich wieder auf, setzte ich mich hin und begann einen Brief zu schreiben in welchen ich einen Reisebericht anfertigte, indem unsere ganze Erlebnisse, Erfahrungen und meine Rückschlüsse auf bestimmte Situationen standen. Erst danach legte ich mich zu Schlafen hin, schlief ruhig und fest, denn jetzt hatte ich endlich meinen Inneren Frieden gefunden.

    Am nächsten Morgen lud ich Charislaus zu einem guten Frühstück ein. Es war wie ich fand die beste Gelegenheit ihm mein vorhaben zu erklären. Als wir da saßen und auf unser Frühstück warteten schaut ich ihn an um zu erforschen ob es ihm gut ging. „Hast du du gut geschlafen und bist gerüstet für die Heimreise?“ Unruhig rutschte ich auf meinem Platz hin und her. In dem Augenblick wo ich das Gespräch eröffnen wollte, war mir äußerst unwohl, einen Gesprächsanfang fand ich nicht, obwohl ich es sorgfältig geplant hatte.

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  • Die Reise verging wie im Flug, so als wären sie genau jene Wolke, über die sie vor einiger Zeit nachgedacht hatten. Mehr noch, schöne Tagträume mit einer einmaligen Erfahrung und trotzdem ein klein wenig Wehmut ob dieser Erkenntnis waren es gewesen. Reisen wie eine Wolke, gefühlt waren sie genauso schnell unterwegs und es geschah ihnen auch nichts. Charislaus freute sich schlicht, dass sie nun auch einmal ein Glück gehabt hatten. Auf ihrer Reise hatteen sie viele gute Menschen kennengelernt, die ihnen beigestanden hatten und ihnen Hilfe anboten. Eine schreckliche Erfahrung wurde durch andere wett gemacht. Die Welt war mehr als nur diese eine Begegnung und Chari freute sich, an Orten gewesen zu sein, von denen er nicht einmal gewusst hatte, dass es sie gab. Schon bald würde er wieder Zuhause sein, sich um seine Herren kümmern und durfte ihnen vielleicht von seiner Reise erzählen.


    Sie schlemmten und schwelgten in den Genüssen der Stadt, speisten gut und ausgiebig und erneut kamen sie an wichtige Informationen und zwar die ihrer Weiterreise. Linos schien sich hier ebenfalls gut auszukennen, was Charislaus beruhigte. Die Stadt war groß und voller Trubel, aber war dies Rom nicht ebenso? War Rom nicht die Stadt? Vermutlich die größte auf der Welt? So musste es sein, denn sie war das Machtzentrum des Imperiums, dass wusste Charislaus. Wer etwas auf sich hielt, kam nach Rom. Oder so ähnlich ging der Spruch, den einst sein alter Herr Viridomarus von sich gegeben hatte.


    Brundisium hieß diese Stadt, die sie mit ihren Eindrücken fast erschlagen wollte. Sie hatten sich gerade zum Schlafen hingelegt, als Linos noch einmal aufstand. Charislaus wollte ihn fragen, ob er Sorgen hat oder gar schlecht geträumt, doch sein Freund setzte sich hin und schrieb einen Brief. Chari lächelte und schwieg, sollte Linos sich seine Gedanken von der Seele schreiben. Vielleicht notierte er auch all das Schöne, was sie erlebt und gesehen hatten.


    Am Morgen wachten sie erholt auf und Linos fragte ihn, ob er bereit für die Heimreise war. Charislaus lächelte bei der Vorstellung wie weit sie es geschafft hatten.


    "Guten Morgen Linos, ja ich habe gut geschlafen. Danke der Nachfrage, ich hoffe Du ebenso. Ja ich bin bereit, Du auch? Wir haben es fast geschafft Linos. Wir beide haben es tatsächlich geschafft", freute sich Chari und schaute dann Linos an. Irgendwie wirkte er beunruhigt.


    "Linos, was ist los?", hakte Charislaus nach. Hoffentlich hatte Linos keine schreckliche Entdeckung gemacht. Oder war er vielleicht unpässlich, vielleicht gar krank? Chari betrachtete Linos genauer.

    "Ist alles gut mit Dir?", fragte er besorgt.

  • Charislaus, der wohl sofort bemerkt hatte, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war, fragte dann auch sehr schnell nach und wollte wissen ob etwas los wäre. Jetzt zögerte ich nicht lange und begann mit dem Bericht
    über meinem Zustand. „Ja du hast es natürlich erkannt, ich habe in den letzten Tagen immer mehr gelitten. In der letzten Nacht habe ich noch einen langen Brief an meinem Herrn geschrieben. Seit Kreta nagt Heimweh an mir, jeden Tag an dem wir uns weiter entfernten, wuchs es. Gestern Abend stand für mich fest, ich würde dafür Sorgen, dass du mit sicherem Geleit nach Rom zurückkehren könntest, ich aber wollte die nächste Möglichkeit ergreifen um nach Kreta zurück zu reisen. Deshalb auch der Brief. In der Nacht, im Schlaf jedoch ist etwas geschehen. Was, weiß ich selber nicht. Ich erinnerte mich heute am frühen Morgen, dass ich noch niemals mein Wort gebrochen habe. Das gab ich einst meinem Herrn, in dem ich ihm versprach niemals zu fliehen. Jetzt ist es soweit, ich halte es und fliehe nicht. Ich kehre nach Rom zu ihm zurück.“

    Ich lächelte Chari an: „So nun weiß du es, ich bin froh, dass ich es Aussprach. So sollte es sein, Freunde sollten sich alles sagen können und sich nicht bei dem kleinsten Problem von einem abwenden und einander bis zum Ende zuhören. Du bist ein Freund denke ich, deshalb danke ich dir und bitte entschuldige, dass ich so lange zögerte um mit dir zu sprechen, doch ich musste zunächst mit mir selber ins Reine kommen.“ Zögernd und fragend schaute ich Charislaus an. „Brechen wir nun auf, zu dem Platz an dem die Händler sich sammeln, um nach Hause zu reisen?“

  • Charislaus hörte Linos aufmerksam zu und überlegte, wie lange sich sein Freund schon mit den Gedanken herumquälte.


    "Bei mir musst Du Dich nicht entschuldigen Linos. Du hast Dir die Sache lange durch den Kopf gehen lassen. Deine Sehnsucht nach Deiner Heimat, stand Deinem Treueschwur gegenüber. Was machst Du richtig, was machst Du falsch? All das wird Dich verwirrt haben und Du musstest Deine Gedanken und Gefühle erst einmal entwirren, um über sie sprechen zu können.


    Gleich wie Du Dich entscheidest Linos, ich verrate Dich nicht. Deine Gedanken sind bei mir sicher, Dein Herr wird nichts davon erfahren. Und solltest Du Dich doch noch für Kreta entscheiden, so ist auch diese Entscheidung bei mir sicher. Höre auf Dein Herz, mehr kann ich Dir nicht raten.


    Du hast so gut und liebevoll von Deiner Heimat gesprochen Linos. Jedoch hast Du genauso über Deinen Herrn gesprochen. Noch sind wir nicht da, also hast Du noch etwas Zeit um eine endgültige Entscheidung zu treffen.


    Wo bist Du glücklich Linos? Das ist die Frage, die Du Dir beantworten musst. Ich danke Dir für Dein Vertrauen mein Freund. Lass uns zur letzten Etappe unserer Reise aufbrechen.


    Vielleicht reist Du weiter, vielleicht kommst Du an",
    antwortete Charislaus freundschaftlich.

  • Die Händler hatten sich versammelt und Linos und Charislaus hatten sich zur passenden Zeit eingefunden. Endlich nach langer Zeit, nach alle dem was sie hinter sich hatten, traten sie die Heimreise an. Und dann endlich - Rom! Sie waren wieder Zuhause, in der Stadt der Städte. Jener die den Nabel der Welt darstellte und wo ihre Reise vor gefühlt einer Ewigkeit begann und dann fast im Nirgendwo geendet wäre.


    Charislaus schaute sich um und atmete tief durch. Rom verströmte keine Wohlgerüche, aber heute war dieser Gestank der heimatliche Willkommensgruß.


    Chari schaute Linos an.

    "Zuhause Linos. Hier trennen sich nun unsere Wege. Ich hoffe Du fällst die Entscheidung, mit der Du leben kannst. Wohin immer Dich Dein Weg verschlägt, alles Gute und pass auf Dich auf. Falls Du in Rom und bei Deinem Herrn bleibst, Du bist in der Taberna zum lallenden Löwen jederzeit willkommen. Mach es gut Linos", sagte Charislaus.


    Mit einem letzten Winken verabschiedete sich Chari, dann rannte er nach Hause was seine Beine hergaben.



    >>> RE: ~ Porta ~ | Casa Leonis

  • Lange noch hatte ich da gestanden und meinem Freund hinterher gestarrt. Ob er noch mein Freund sein will? Wenn nicht kann ich das durchaus verstehen. Ich habe ihm wohl, wenn auch unbeabsichtigt die erschreckendsten und grauenvollsten Stunden seines Lebens beschert. Im guten Glauben, ihm etwas schönes, neues, unbekanntes zu bieten, hatte ich Charislaus zu einer Reise mit mir überredet. Jetzt konnte er im Gegensatz zu mir nicht schnell genug nach Hause laufen. „Lebewohl mein Freund und hab Dank für deine Begleitung“, flüsterte ich ihm hinterher.

    Ich selber war noch nicht in der Lage das Stadttor zu durchschreiten, nicht bevor ich mit mir selber ins Reine gekommen war. Mein innerer Kampf war noch lange nicht ausgefochten und so schritt ich erst einmal am Stadttor vorbei. Zurück in meine Heimat auf Creta wollte ich noch nicht. Auch nicht nach Hause in die Villa Claudia, wohin ich als gehorsamer Sklave wohl gehen sollte. Mein Vorhaben war zunächst in dem näheren Umland von Rom zu verweilen. Dort wollte ich den nächsten Schritt überdenken.

    Tagelang war ich durch die Gegend gezogen, kam und kam nicht ins Reine mit mir. Wenn ich hier blieb, musste ich mein Innerstes weiter verbergen und mich den Gegebenheit anpassen. Nur in meiner Heimat konnte ich so leben wie ich wollte und allem was in mir brodelte und aufsteigen wollte nachgeben.

    Nach einer wiederholt mit Alpträumen durchbrachten Nacht, hatte ich einen Entschluss gefasst. Wie der Zufall es wollte, war ich bei meinen Wanderungen um Rom am Tiber Strand angekommen. In Erinnerung an meinen früheren Freund Phaeneas,
    warf ich einen sehnsüchtigen Blick in die Ferne, in dem wohl mein ganzer Schmerz lag und wandte mich hastig ab.. Es musste sein, ich musste zurück zur Villa. Mein Wort musste ich halten und über das Ergebnis, meiner mir aufgetragenen Suche berichten.

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    SCRIBA PERSONALIS - HERIUS CLAUDIUS MENECRATES

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