Bibliotheca Ulpia - Officium des Bibliothekars

  • Einen Kommentar verfassen war das eine, diesen bekannt machen war aber wiederum etwas gänzlich anderes. Und wo könnte man besser den Kommentar bekannt machen, als in der Sammlung der Bibliothek, auf die auch die Prätoren zugriffen. So nahm machte ich mich morgens mit einer von mir selbst angefertigten Abschrift meines Kommentars über die Mancipatio auf den Weg zur Bibliothek. Meiner Bitte, den Bibliothekar zu sprechen, entsprachen die Bibliothekssklaven natürlich nicht. Es kostete mich einige Diskussionen und ein paar Münzen, bis mir schließlich ein Termin verschafft wurde.


    Man führte mich in das Officium des Bibliothekars und schloss die Türe hinter mir. Vor mir saß an einem Tisch mit diversen Schriftrollen ein Mann mittleren Alters, der ins Lesen vertieft zu sein schien. Ich blieb also stehen und wartete geduldig und betrachtete den Raum. Es gab einige Regale mit Schriftrollen, dazu ein Schreibpult. Das Fenster gestattete den Blick in Richtung Forum Romanum, wenngleich dieser durch Gebäude versperrt war. Das Licht im Raum war angenehm und gut zum Lesen geeignet. An sich ein recht ansehnlicher Raum, auch wenn ich mehr erwartet hätte. Ich musste mir wieder einmal vergegenwärtigen, dass dies nicht das Museion war und dieser Mann nicht der Epistates. Nach einer gefühlten Ewigkeit blickte mich der Mann an.


    "Du hast dich wohl gefragt, wie lange ich dich warten lassen würde, Bürger?" fragte er. Dass ich Bürger war, konnte man an meiner Toga unschwer erkennen, also bedurfte dies keiner Bemerkung.


    "Ehrlich gesagt fragte ich mich eher, wie ich dich richtig anspreche. Epistates ist vermutlich falsch?"


    Der Mann sah mich einen Moment lang an. "In der Tat, dazu bist du etwas zu weit westlich unterwegs."


    "Das vermutete ich," erwiderte ich, "doch fehlt mir damit noch immer eine Anrede."


    "Rate doch, Bürger." Der Mann lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah mich fragend an.


    Ich überlegte ob seines Akzents, eine griechische Anrede zu wählen. "Philologos ist vermutlich niemals falsch bei einem Mann der Bücher."


    Er grinste. "Du hast mich überrascht. Interessant. Die meisten Römer versuchen es mit Magister. Aber Philologos gefällt mir. Wie ist dein Name?"


    "Aulus Iunius Tacitus," antwortete ich.


    Er nickte. "Timon."


    "Also ein Grieche," bemerkte ich, "Ist das nicht schon beinahe zu stereotyp?"


    "Meinst du, ja? Was treibt dich zu mir?"


    In dem Mann war nur schwer zu lesen. Amüsierte es ihn? Hatte ich ihn vielleicht verärgert? "Ich habe einen juristischen Kommentar verfasst und würde ihn gerne der Bibliothek zur Verfügung stellen."


    Timon lachte leise. "Wer ist denn hier der größere Stereotyp? Der gebildete Römer, der sich mit Jura beschäftigt, oder der griechische Bibliothekar?"


    "Das könnte man glatt zum Gegenstand einer philosophischen Diskussion machen. Doch bin ich nicht deshalb hierher gekommen."


    "Ganz der Römer," sprach Timon. Während er mir direkt in die Augen sah, sprach er weiter. "Und warum glaubst du, dass dein Kommentar irgendwen interessiert?"


    Ich hielt seinem Blick stand und sah ihm genauso in die Augen, wie er mir. "Weil ich hervorragend ausgebildet bin und eine Lücke fülle. Denn einen vergleichbaren Kommentar sah ich noch nicht."


    Timon deutete auf die Schriftrolle in meiner Hand. "Ist das der Kommentar?"


    "Ja." Ich legte die Schriftrolle auf den Tisch.


    Er entrollte sie etwas. "Mancipatio, soso. Viel römischer geht es nicht. Wer hat dich ausgebildet?"


    "Der Philosophos Alexios und die anderen Priester des Apollon und der Musen am Museion in Alexandreia," antwortete ich stolz.


    Timon zog eine Augenbraue hoch. "Alexios? Etwas älter als ich, ungefähr so groß," er hielt die rechte Hand etwa so hoch wie mein Kinn, "grüne Augen, langer Bart, erzählt nach etwas Wein von Attika. Dieser Alexios?"


    Ich bemerkte, dass ich meine Selbstbeherrschung kurz verlor und ziemlich verdutzt aussehen musste. "Äh, ja."


    "Mit seinen Vorträgen über Platon ging er mir wirklich auf die Nerven. Doch er hat einen scharfen Verstand. Du kennst ihn?"


    "Ich war sein Schüler und forschte jahrelang mit ihm."


    "Verstehe." Timon nickte. "Wenn du gut genug warst, um sein Schüler zu sein, will ich mir deinen Kommentar durchlesen."


    "Danke, ich..."


    Er signalisierte mir, zu schweigen. "Aber ich kann nichts versprechen. Wenn ich deinen Kommentar für gut genug befinde, wird er den Weg in die Sammlung finden. Wenn nicht, werde ich ihn dir zurückschicken."


    Ich nickte. "Selbstverständlich, Philologos."


    Mit einem Winken zeigte er mir, dass ich gehen konnte. Dies tat ich auch unverzüglich.


    Nachdem ich die Bibliothek verlassen hatte, atmete ich erstmal tief durch. Mein Kommentar war zwar nicht angenommen, aber auch nicht abgelehnt. Der Bibliothekar würde ihn prüfen. Mehr konnte ich nicht erwarten. Ich ging in Richtung der Trajansmärkte, um eine Kleinigkeit zu essen. Immerhin, sollte mein Kommentar angenommen werden, bekäme ich den nächsten leichter unter.

  • Inspririert vom Erfolg des Iuniers hatte Tiberius sich überlegt es Tacitus gleich zu tun und seine Einführung zum tradtionellen römischen Zivilrecht bei der Basilica Ulpia zur Begutachtung für die Aufnahme in die Kommentarsammlung einzureichen. Mal sehen, ob es den Herren zusagte.

    "Bitte sehr, Kollegen. Es ist schon ein bisschen länger draußen. Aber wenn sich die Leute schon mehr dafür interessieren, sollte ich die Gelegenheit nutzen."


    Sim-Off:

    Das Ding hat zwei Teile. Ihr müsst ab dem Link ein bisschen hoch scrollen. Da ist der erste Teil.

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