Beiträge von Gaius Terentius Primus

    Primus preschte mit Bandulf im Gefolge auf den Lagerplatz. Vor den beiden Ofizieren glitt er aus dem Sattel. Worte waren nicht nötig. Seine Miene sprach Bände. Atius, lass die Männer antreten.
    Dann zog er Lucius auf die Seite.
    Lucius,...alter Freund, ...es ist soweit.
    Mit einer mühsam beherrschten Geste nahm er den Helm ab und sah in Richtung Mogontiacum.
    Ein tiefer Atemzug und ein halb unterdrückter Seufzer.
    ...ich habe mich mit dem Annaer überworfen,...ich verschwinde.
    Lucius starrte ihn nur abwartend an.
    Im Hintergrund erklangen die Sammelsignale und während das Gerödel losging legte Primus die Hand auf Lucius Schulter.
    ...ich werde gehen Lucius,...
    Lucius erwachte aus der Starre und entgegnete,
    ...ich komme mit,...sollen wir Ocellus...?
    Einerseits erfreut andererseits beunruhigt entgegnete Primus,
    Danke, Lucius,...Ocellus werden wir eine Nachricht übermitteln,...ich denke der Annaer wird mir Häscher auf den Hals schicken,...wir werden zunächst untertauchen müssen.
    Er wußte noch nicht wohin er gehen sollte, Fakt war nur, daß es schnell gehen musste.
    Ein kurzes Nicken und Lucius stapfte in Richtung Zelt davon.
    Primus setzte sich auf sein Pferd und klopfte ihm sacht auf den dunklen Hals. Langsam ritt er an die Stelle des Lagers, an welcher ihn die Männer alle sehen konnten.
    Sein Blick glitt über die Männer der Ala II Numidia. Allesamt prächtige Burschen. Es fiel ihm schwer sich zu beherrschen.
    Equites,...ich habe heute mein Kommando aufgegeben!
    Er ließ die Worte kurz wirken,...und bevor die Männer mehr tun konnten als sich nur anzusehen fuhr er fort.
    ...das Kommando bis zu einem neuen Praefecus Alae hat Decurio Atius Scarpus! Mögen die Götter in den folgenden Zeiten mit euch sein!
    Dann zog er Orcus herum und ritt zu seinem Zelt.
    Lucius kam ihm entgegen und half ihm aus der Rüstung. Er selbst war bereits in seine leichte Lederrüstung gewandet.
    Sie arbeiteten wortlos unter den großen Augen des Burschen.
    Es kostete Primus alle Überwindung distanziert zu bleiben und nach kurzer Zeit traten die beiden vor das Zelt.
    Er winkte Atius heran und meinte,
    Mit etwas Glück wirst du der neue Praefect Atius,...wer weiß? ...führe die Männer gut und ...
    Was sollte er dem treuen Capsarius noch sagen?
    ...lebt alle wohl!
    Dann schwang er sich auf Orcus und ritt mit Lucius und zwei Packpferden aus dem Lager.

    Nun platzte Primus entgültig der Kragen.
    Er stieß sich leicht von der Wand ab und trat an den Tisch. Vor ihm tat sich eine Lücke auf aus teils unverschämt grinsenden, teils betreten dreinschauenden Männern. Er musterte den Annaer inmitten seiner Speichellecker. ...ich bin nicht dein Filius Annaeus Modestus, du hast weder das Recht noch sonst etwas mich hier vor den Kommandeuren permanent zu diskreditieren.
    Er warf einen Blick in die Runde, dann fixierte sein Blick wieder den Annaer.
    Wenn du mich aufforderst den Raum zu verlassen kannst du das aufgrund welcher Autorität?...du bist ebenso wie deine beiden Tribune und einige Andere hier vogelfrei, deines Amtes enthoben vergiss das nicht! Von daher sollte es dann nicht dein Bestreben sein uns gleich zu behandeln...wo wir doch alle nur ein Ziel haben den Erhalt des Imperiums nach den Gesetzen der Väter?
    Seine Fäuste ballten sich bis die Knöchel weiß hervortraten.
    Dieses arrogante Lotiolentus.
    Ich langweile mich nicht Annaeus Modestus,...im Gegenteil ich finde es faszinierend daß du aufgrund der Aussage von, wie du selber betontest, unerfahrenen Männern Zigtausende Legionäre aufs Spiel setzt.
    Er musterte den Annaer.
    Claudius hier hat mehr Erfahrung und militärischen Sachverstand im kleinen Finger als deine neuen Tribune hier im Doppelpack...mit welcher Begründung lehnst du seinen Vorschlag ab?
    Langsam richtete er sich auf. Sein Blick fiel auf Claudius. Eine Spur von Wehmut spielte in seine Augen.
    Claudius,...es wäre mir eine Ehre gewesen an deiner Seite in den Kampf zu ziehen für eine bessere Zukunft.
    Wieder fiel sein Blick auf den Annaer.
    ...mit dir Annaeus Modestus ...nicht!
    Dann wandte er sich um und verließ den Raum.

    Primus lehnte an der Wand. Er betrachtete die heroische Haltung der vor ihm aufgereihten Kommandeure. Er fragte sich wieviele von ihnen mit ihren Männern in den Kampf ziehen würden und wieviele sich möglichst nahe bei dem Kopf dieser Rebellion, dem Annaer aufhalten würden.
    Leicht grinsend stellte er fest, daß sich die meisten der Kommandeure wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern können, was es hieß im Freien zu leben.
    Je mehr er den Hauptrednern zuhörte, besonders dem Aurelier, umso mehr wurde ihm klar, daß deren Hauptaugenmerk offensichtlich nicht in der Sicherung dessen was man hatte bestand.
    Deren Vorschläge grenzten am Prinzip der verbrannten Erde.
    Die Krönung war eigentlich der Vorschlag die Münze in Lugdunum zu sichern.
    Sicherlich würde die nur darauf warten...ungesichert...die zur Sicherung geschickte Ala würde höchstwahrscheinlich massakriert werden.
    Wenn nicht gleich, dann nach Einnahme der Münze.
    Er wagte zu bezweifeln, daß die Kampfverbände der eigenen Truppen sie vor den Kaisertreuen erreichen würden. Auf diese Weise verlöre man eine Ala,...und einen unsicheren Kommandeur.
    Ihn...? Man würde auch seine Kräfte aufsplitten und so geschwächt nach Süden ziehen.
    Oder wollte sie mit dem gesamten Verband einen Schwenker nach Westen machen?
    Das spräche gegen den Faktor Zeit und sicherlich käme das dem Gegner zupaß.
    Kopfschüttelnd mit ernstem Blick stellte er fest, daß diese Wortakrobaten glaubten ein kämpfender Mann sei an seinem Sold interessiert. Ob die schon einmal versucht hatten Münzen zu essen?
    Das Hauptbestreben eines kämpfenden Mannes ist es am Leben zu bleiben nicht seinen Sold mit sich herum zu. schleppen.
    Zu seinen Hauptinteressen zählt möglichst wenig Feindkontakt zu haben, ein trockenes Lager und vor allem stärkende Verpflegung...niedere Gelüste nach Beute oder Plünderungen würden sicher bei einem erfolgreichen Feldzug folgen...und wurden von der Führung auch als Delegationsinstrument genutzt.
    Je mehr er darüber nachdachte umso mehr kotzten ihn diese Kerle an.
    Die Münze sichern...wahrscheinlich um später Senatoren zu kaufen oder sonstiges mieses Politikergeschacher. Die Männer würden nichts davon zu sehen bekommen, ob es ihnen zustand oder nicht,...da würde sich sicher eine gefeilte Rede über Wiederaufbau und gemeinsames Ziel finden. Die vor Geld stinkenden, würden die nach Blut und Tod stinkenden wieder einmal benutzen und mit Moral füttern...so wie immer.
    Primus rief sich zur Ruhe. Wieder schossen Gedanken durch seinen Kopf...
    Statt dessen sollten man lieber bei jedem Bauern die Hälfte seine Viehbestandes und ein Drittel seiner Vorräte requirieren. Der Bauer würde diese Vorgabe akzeptieren, im Gegenzug zu dem Schutz durch die Auxilliare.
    Es galt einen Pakt mit der Bevölkerung zu schließen, sie für die Sache zu gewinnen, weniger ihr in Aussicht zu stellen, daß sie erst von den Römern beraubt und anschließend von plündernder Barbaren geschlachtet würden.
    Jeder requirierte Hof würde auch Nährboden für einen Symphatisanten der Barbaren werden.
    Das Mißtrauen würde wachsen und das Imperium weit mehr kosten als bisher. Ein Kampf in den Alpen kam für die Alen ohnehin kaum in Frage, es sei denn man wollte die Equites als Fußtruppen einsetzen und sich so ihres taktischen Vorteils berauben.
    Je länger Primus in diesem Raum war umso mehr gelangte er zu der Ansicht, daß die Verteidigung der Ostgrenze für die Herren aus Roma kein Thema war. Im Gegenteil, hier standen massive Eigeninteressen im Vordergrund. Es ging den Kerlen weniger um Gerechtigkeit, sondern um den eigenen Vorteil und Ämterschacher bei einem anderen Kaiser als dem Vescularier, bei dem sie aus welchen Gründen auch immer verspielt hatten.
    Primus bezweifelte, daß er genug Spucke aufbringen würde um sie allesamt anzuspucken.
    Er sah Claudius an,...fragte sich wie er in dieses Bild paßte. Hob ihn der uralte Adel, seine offensichtliche Integrität über die Dinge?
    War er einer derjenigen die sich primär um das Imperium sorgten?
    Primus hoffte es...

    Die Zurechtweisung des LAPP empfand Primus als nicht allzu tragisch. Er würde mit seinem Verhalten wohl immer anecken. Seine Stunde würde kommen.
    Während die honoren Herren in dieser Runde das Wohl Romas auf ihre Fahnen schrieben war sein primäres Denken allein auf die Grenzregion gerichtet.
    Er nickte zustimmend und trat wieder vom Tisch zurück. Seine Lücke wurde von hämisch grinsenden Rüstungsträgern geschlossen, welche kurz darauf heischend an den Lippen des LAPP hingen. Wer weiß was sie sich davon versprachen.
    Er hatte lange mit seinen Freunden über die Situation gesprochen.
    Während Lucius im Grunde egal war wer in Roma herrschte sprach sich Ocellus dafür aus vorsichtig zu sein. Der Vescularier hat sich auf das Testament seines Vorgängers berufen und sei vom Senat inthronisiert worden. Solange man ihm einen Betrug nicht nachweisen konnte war er rechtmäßiger Herrscher. Die Rebellion der Provinzen war bestenfalls rechtswidrig, ebenso rechtswidrig wie die mutmaßliche Usurpation des Vesculariers.
    Wer war also im Recht, wer hatte die Moral auf seiner Seite?
    Bis der Betrug faktisch bewiesen war blieb es bei waffenklirrender Entrüstung.
    Den Preis würden wieder einmal die Legionen zahlen.
    Wenn sich Primus die versammelte Prominenz hier ansah traut er jeden Opportunismus zu.
    Jeder der hier versammelten Senatoren hatte seine ganz persönlichen Gründe gegen den Kaiser vorzugehen.
    Sei es weil der Vescularier sie auf seiner persönlichen Abschußliste hatte oder weil sie sich aus dieser Rebellion eigene Interessensbefriedigung versprachen. Die meisten von ihnen waren sogar von ihm in ihre Ämter eingesetzt worden als er noch PU und Vertreter des Kaisers war.
    Für ausgemachte Gutmenschen hielt er hier niemanden.
    Sein Blick strich über die Versammelten Senatoren.
    Allesamt hatten sie viel zu verlieren. Sollte der Vescularier auf die Idee kommen sie zu enteignen und zu verbannen. Sie hatten nur den Schwanz in der Hand und machten jede Menge Gewese.
    Was sollten sie auch anderes tun. Seiner Kenntnis nach standen der Aurelier und der Duccier auf der schwarzen Liste...
    Einzig Claudius stimmte ihn versöhnlich.
    Mal sehen was die übrigen Kommandeure noch zum Besten gaben.

    Warum in die Ferne schweifen...?
    Mit deutlich vernehmbarer Stimme brachte sich Primus ein.
    Bei all euren Vorschlägen solltet ihr eines nicht ausser Acht lassen!
    Er trat an den Tisch und sein Zeigefinger lief an Limes und Rhenus entlang.
    Wenn wir die Ostgrenze entblößen,...und das sehen alle bisherigen Vorschlage vor,...laden wir zunächst einmal übermütige junge Krieger und solche die es werden wollen dazu ein, kleinere Grenzstädte , Gehöfte und Handelssattionen zu überfallen. Die noch verbliebenen Auxilliare werden Mühe haben dieser Sache Herr zu werden, solltet ihr planen die Alen mit nach Süden zu nehmen.
    Sein Finger strich über Rhenus und Mosella.
    Die Classis aus CCAA wird ein Übersetzen von kleineren Gruppen kaum verhindern können und bei dem grenzübergreifendem Handel wird sicherlich auch der eine oder andere Schwachpunkt des Limes erkundet und weitergegeben worden sein.
    Er stütze sich mit beiden Händen auf die Tischplatte und sah den Claudier ernst an,...ihn kannte er, ihm sprach er den höchsten militärischen Sachverstand zu.
    Der Limes steht nicht umsonst,...nicht umsonst haben wir an dieser Grenze eine so hohe militärische Präsenz. Bedenkt dies bei euren Plänen,...der Verlust der germanischen Provinzen wird auch den rechtmäßigen Imperator nicht begeistern.
    Das Imperium darf vor den Barbaren keine Blöße zeigen. Diese werden unsere Situation ausnutzen, zwar unkoordiniert und wenig taktisch,...aber niemand weiß wieviele in terra incocnita nur darauf warten sich die Schätze der Provinzen zu holen...und mögen sie auch schlecht bewaffnet sein, mögen sie auch in kleineren Verbänden agieren,...sie werden die Fußtruppen der Auxilliare binden und die schiere Masse wird sie über kurz oder lang überrennen.

    Neben Sold und Nahrung stand viel mehr auf dem Spiel.

    Primus rieb sich die Nasenwurzel. Hier wurde zuviel geredet. Für und wider. Sold, und jeden Menge Vielleicht. Seine Laune erfuhr einen wahren Jungbrunneb als sich Duccius ganz offen dazu äußerte, daß der gute Aurelier dessen Ideen als die seinen verkaufte.
    Schneid hatte der Duccier ja den Aurelier dermaßen bloßzustellen und das vor versammelter Mannschaft. Er schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme.
    Er kam sich vor wie bei einer Sitzung in der Curia in Confluentes, ...jeder hatte eine Meinung an der er unabweichlich festhielt. Für sich betrachtet leuchtete auch das eine oder andere ein, vor allem weil es sich mit der eigenen Einschätzung deckte.
    Im allgemeinen blockierte das ganze Gerede aber nur den Blick auf das Wesentliche. Natürlich gab es Variablen, wie bei jeder Planung...ceteris paribus...sobald sich auch nur ein Faktor änderte war der schöne Plan hinfällig.
    Seine Einschätzung, daß die beiden Senatoren eine Gefahr für Germania darstellten schob er ein wenig zurück. So wie die Dinge lagen hatten sich die beiden nach der Sitzung entweder besonders viel oder aber gar nichts mehr zu sagen.
    Der Aurelier hätte die Quelle seiner Informationen besser vorher zum Schweigen gebracht,...nun war sie ersteinmal versiegt und er hatte einen Gegner mehr.
    Den Duccier schätzte er nicht so ein, daß er so etwas durchgehen lassen würde.
    Sein Blick suchte den des Claudiers, nachdem alle übrigen Anwesenden offenbar ihren Gedanken zu dieser Posse nachgingen.
    Was für ein Theater.
    Wichtig empfand er die Ansicht des einmonatigen Vorsprungs des Vesculariers.
    Ein Monat würde reichen um Schlüsselpositionen zu besetzen und Truppen entscheidend zu positionieren.
    Diesen Monat einzuholen würde angesichts der bevorstehenden unsicheren Wetterlage in Germania eine Herculesaufgabe sein.

    Primus folgte dem Claudier nicht an den Tisch sondern blieb an seiner Position stehen. Von dort hatte er einen guten Überblick auf die Karte.
    Intensiv lauschte er den Ausführungen des Claudiers und stimmte ihnen weitestgehend zu. Geschwindigkeit war von jeher die Stärke der Legionen und über die gut ausgebauten Strassen dürfte ein zügiger Marsch problemlos möglich sein. Das Problem sah er aber an anderer Stelle.
    In der Entblößung der Ostgrenze. Das Imperium hatte hier nicht ohne Grund seine militärische Präsenz derart ausgebaut. Der Furor teutonicus schlummerte und die Ereignisse dürften sich inzwischen auch jenseits des Limes und des Rhenus herumgesprochen haben. Niemanden wäre gedient wenn diese Grenze fallen würde.
    In seinen Augen war es ein Fehler die Grenzsicherung von Auxilliarcohorten durchführen zu lassen.
    Ferner fragte er sich wie man ein Heer von etwa 50000 Mann verpflegen wollte. Die Grenzregionen in Süden boten zwar Nahrung, jedoch wenn im Zuge des Wartens auf den Gegner die Nahrung knapp wurde?
    Auf beiden Seiten würde Requirierungen zwangsläufig die lokale Bevölkerung gegen die Legionen aufbringen. Freiwillig gab niemand etwas ab und wenn man den Bauern das Saatgut abnahm um den Soldaten die Getreiderationen zu gewähren würde das zwangsläufig zu einer Hungernot führen, nicht nur in Roma...
    Er atmete tief ein und aus.
    Claudius hatte Recht,...es musste schnell gehen. Alle im Imperium mussten von der Rasanz überrascht werden. Er fragte sich ob man nicht zeitgleich in der Grenzregion jenseits des Limes Lebensmittel requirieren und die Gehöfte verheeren sollte.
    Das würde die Stämme zu Allianzverhandlungen treiben und bei deren Diskussionsbedarf ebenfalls wieder genügend Zeit schaffen.
    Doch eines war ihm im Umkehrschluss klar, die Gewinner würden weder Vescularius noch der Gegenkaiser sein.
    Sein Blick glitt wie beiläufig über den Duccier.
    Die Gewinner würden die Kaufleute sein.

    Primus ignorierte die provokante Taxierung und den Spott des Aureliers.
    Salve,...entschuldige, du vergast dich vorzustellen,...Terentius Primus,...Praefectus Alae,...Tribunus Laticlavus... Was deutlich machte, daß er militärisch ein paar Stufen über dem nach Respekt heischenden Aurelier stand.
    ...ich kann nichts für die Zufälle der Geburt, Aurelius, meine Schulen und Academien haben mich vieles gelehrt, das meiste jedoch lehrte mich der Umgang mit anderen Menschen. Deshalb bin ich geneigt an Teilen deiner Ausbildung zu zweifeln, denn offensichtlich fehlt es dir nicht nur an Respekt gegenüber höheren Offizieren,...du versäumst es ganz klar in Zeiten wie diesen Vorsicht walten zu lassen... Gegner und Freunde in einer fremden Umgebung durch Arroganz für sich einnehmen zu wollen erachte ich als gewagt. Niemand lebt ewig Aurelius,...in Zeiten wie diesen stehen wir schneller vor unseren Vätern als uns womöglich lieb ist...und deine Väter werden sicher begeistert von deiner Noblesse sein...werden sie müssen, denn von deiner Virtus ist momentan wenig zu erkennen.
    Der fast schon väterlich mahnende Blick des Annaers wurmte ihn den Bruchteil einer Sekunde. Er war gerade in Stimmung.
    Sein Blick fiel auf den Aurelier der nun offiziell vorgestellt wurde.
    Der Senator kam ihm selbstherrlich und unberechenbar vor, wie eine Strassenkatze die um ein Objekt ihrer Begierde kreist.
    Ein verwöhnter Egozentriker,...versehen mit den Insignien der Mächtigen, zu allem bereit,...alle Mittel ausschöpfend.
    Kein Wunder, daß Claudius ihn in sein Herz geschlossen hatte.
    Der taxierende Blick sprach Bände…ebenso das fast schon anbiedernde Verhalten gegenüber dem Annaer.
    Primus dachte sich, daß dies genau die Sorte Mann war die zu meiden ihn sein Vater immer angehalten hatte.
    Falls das nicht möglich war stellte sich die Spitze eines Schwertes als ultimative Lösung dar. Primus schmunzelte leicht...vor allem weil er wußte, wie überaus beliebt und entsprechend angesehen die politischen Tribune bei der Truppe waren. Wenn dieser dann auch noch ein solch gewinnendes Wesen wie der Aurelier hatte, war es sicher, daß er in causa bellum besser mit einem offenen Auge schlief.
    Man konnte dieses Schmunzeln als freudige Reaktion auf die Neuigkeiten über die weiteren Anti Vescularius Legionen werten.
    Bevor er sich in diesen Gedanken weiter vertiefen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit von den taktischen Planungen mit der Legio Prima gefesselt. Er nickte dem Claudier zu und war gespannt auf dessen taktikschen Vortrag. Der Aurelier war vergessen,...vorerst...man sah sich immer zweimal...mindestens...

    Primus machte sich keine Gedanken um die Unterbringung der Offiziere, sie würden wie er selbst im Lager bei den Männern bleiben. Die Zeit der bequemen Unterkünft war für die Ala ohnehin zunächst einmal gezählt.
    Ich denke bei diesem Bramborium hier wird es keine Fragen der Dauer sein, sondern eine Frage des was und des wohin.... Der Raum füllte sich und die Gefühlslage des Claudiers wechselte mit dem letzten Zugang auf Messers Schneide. Sein Kommentar zu jenem Aurelius Lupus stand adäquat zu seiner eigenen Einschätzung.
    Der Name Aurelius war ihm geläufig,...und mit Nennung des Namens verlor sich Primus´Interesse an einem früheren Zusammentreffen. Wenn ihm dieses Gesicht bekannt vorkam, konnte er es mit dem Namen und einem bewußten Zusammentreffen nicht mehr vereinbahren.
    Was ihn nur ein wenig abstieß, gesteigert durch des Claudiers offensichtliche Antipathie war diese Mischung aus selbstgefälligem Auftreten und das tragen einer Rüstung ohne die Meriten eines militärischen Führers erfahren zu haben.
    Mehr sich selbst beruhigend meinte er.
    ...es war noch nie Roma´s Prinzip die fähigsten Köpfe mit einer Konfliktbewältigung zu betrauen...vielmehr zählt Herkunft, Geld und... Er musste lächeln ob der Vorstellung. bei unserem Aurelier hier ganz offensichtlich ein geneigter Schmied.
    Das Lächeln erreichte sogar seine Augen.
    ...wer weiß´welche Aufgabe der LAPP ihm zugesteht,...eine größere Einheit wohl kaum, er wird ihn an sich binden wollen. So wie ich ihn einschätze wird er ihn als Mann für spezielle Aufgaben... so etwas wie ein kleiner Praefectus Praetorio für unseren LAPP spielen, ...in Zukunft mit schicker Rüstung, welche seinen offensichtlichen Ansprüchen und Selbstdarstellungsbedürfnis mehr dient und mörderischem Durchsetzungsvermögen.
    Der LAPP würde versuchen möglichst viel Prominenz um sich zu scharen und sie mit Titeln zu binden. Das wiederrum ließ Rückschlüsse auf dessen Pläne zu. Würde er sich von "seinen" Kommandeuren zum Gegenkaiser ausrufen lassen? Primus atmete tief ein und rief sich zur Ruhe.
    Er war gespannt wie sich die Situation entwickeln würde und welcher dieser Herren hier nachher noch Leben und vor allem weiterhin dem LAPP folgen würde. Die meisten hier sahen so aus als malten sie sich ihre Zukunft in schillernden Farben aus...

    Noch ein neues Gesicht in dieser Runde. Jedoch kam ihm dieses Gesicht bekannt vor. Irgendwo hatte er dieses Gesicht schon einmal gesehen.
    Nicht hier in Germania,...eher in Misenum oder in Roma selbst.
    Seinen allgemeinen Gruß entgegnete er mit einem sichtbaren Nicken.
    Irgendwie hatte er das Gefühl der LAPP sammele allerlei flüchtige Widersacher des Usurpators um sich. Wie konnte es anders sein? Jener neu eingetroffene wirkte auf ihn wie jemand in einer gestohlenen Uniform, wie jemand der vorgab etwas zu sein und dies noch durch unverhältnismäßige Vertraulichkeiten gegenüber dem Annaer sucht hervorzubringen. Ein Blick auf Claudius suchte nach einer Erklärung für diese neuen Gesichter. Jedoch verstand er es, daß der Claudier im Moment nicht in einem Getuschel mit ihm gesehen werden wollte.
    Wenn auch alle in diesem Raum klar auf Seiten des Gegenkaisers standen. In des Annaers Augen stand Primus nicht dort und insgeheim hoffte er, daß der LAPP die ALA II Numidia auflösen und in die beiden Alen Thrakum und Scubulorum eingegliedert würde, als daß der LAPP sie seinetwegen für ein Himmelfahrtskommando empfehlen würde.
    Innerlich schalt er sich einen Tor,...seinen Geist mit derlei Unsicherheiten zu vergiften.

    Zitat

    Original von Herius Claudius Menecrates
    Bereits bei seinem Eintreten hatte er Primus erkannt, nun trat er zu ihm.
    "Salve Primus, ich wollte kaum glauben, als ich erfahren habe, dass du ebenfalls geladen bist." Ein sachtes Lächeln legte sich auf sein Gesicht. "Und ich zerbreche mir den Kopf, warum du große Teile deiner Einheit nach Mogontiacum verlegen solltest."


    Primus wandte sich dem Claudier zu. Ein leichtes Grinsen überflog seine Mundwinkel.
    Salve Claudius,...nun,...ich bin nicht weniger überrascht...
    Er wandte sich dem inzwischen eingetroffenen LAPP und seinen ihm auf den Schritt folgenden Kommandeuren zu, nickte ebenfalls grüßend und murmelte, ...sieh an, die beiden Kollegen derThrakum und Scubulorum sidn wieder einmal so nah am LAPP, daß sie beinah als Körperteile des Annaers durchgehen könnten.
    Wieder überflog ein leichtes, diesmal jedoch melancholischen Lächeln seine Züge. ...wer weiß Claudius?...vielleicht wird die Ala II Numidia aufgelöst und den Beiden übertragen?
    Sicherlich hatte der LAPP Pläne mit der ALA II Numidia. Er wähnte sich ja als großen Feldherrn. Dazu war es sein gutes Recht Einheiten zusammenzulegen, Kommandeure auszutauschen...ein Gefühl der Müdigkeit machte sich in ihm breit, er war es einfach satt zwischen den Stühlen zu stehen. Doch wollte er die Wiedersehensfreude mit Claudius nicht damit belasten. Er wußte den Claudier an seiner Seite.
    ...ach...hat es mit dem Quartier geklappt?...Nach dem Befehl mit meiner Einheit hierher zu kommen und der kurzen Zeit zu seiner Umsetzung war es nicht möglich groß zu planen.
    Indeß kam ein Mann in den Raum den er noch nicht kannte.
    Langhaarig, bärtig mit einer für die Gegend unüblichen Hautfärbung.
    Ein neuer Stern am Himmel des Annaeus Modestus?

    Primus betrat den Raum zu welchem ihn der Miles geführt hatte. Er war der Erste. Langsam nahm er seinen Helm ab und legte ihn auf einem der seitlich stehenden Tische. Dann trat an den Tisch auf welchem eine große Karte ausgebreitet war. Interessiert betrachtete er die einzelnen Positionen der Karte. Ihm fielen die vielen Verbandswimpel auf. Standen diese alle auf Seiten der,...ja,...was waren sie nun?...Rebellen?
    Er war so vertieft in das Studium der offensichtlich neu angefertigten Karte, daß er nur am Rande mitbekam, daß sich die Türe öffnete...

    Primus entgegnete, ...gut,danke Centurio...Duplicarius,...du kannst dann bei den anderen warten,...
    Er wandte sich dem Miles, zu welchen ihn führen sollte und folgte diesem dann. Gelinde ein wenig überrascht, daß er seine Waffen nicht wie üblich abgeben musste. Er schloß daraus nichts besonderes,...zu oft hatte der LAPP ihn eines besseren gelehrt.

    Primus band seinen Schimmel vor der Regia an und trat mit seinem Begleiter auf die Wachsoldaten zu.
    Salvete Kameraden,...Terentius Primus, Praefectus Alae,...ich habe einen termin beim Legaten!

    Primus ritt mit zwei Turmae in Kampfausrüstung auf die Porta zu. Spätestens jetzt waren wohl sämtliche Zweifel aus dem Weg geräumt, daß irgendetwas im Busch war.
    Die Equites der Turma Prima und Secunda waren durch die Bank Germanen, groß und stattlich anzusehen in ihren polierten Rüstungen und blitzenden Waffen. Wie ihr Kommandeur hatten sie als Zeichen der Trauer einen Bart stehen lassen, was sie umso verwegener aussehen ließ.
    Primus grüßte die Wachposten.
    Salvete Kameraden,...es kommen im Abstand von etwa 3 Stunden weitere 9 Turmae und der Tross der Ala II Numidia,...sie sollen auf der Wiese hinter dem Castellum lagern,...leitet sie um, ich möchte nicht, daß sie durch die Stadt reiten!

    Hierauf wandte er sich an die Decurionen der beiden Turmae und schickte diese bis auf den Duplicarius Bandulf bereits vor zum Castellum, sie sollten sich dort einweisen lassen.
    Während die beiden Turmae den Weg um die Stadt nahmen ritt Primus mit seinem Begleiter in die Stadt ein.

    Es war schon fast Morgen als die Secunda in das Lager einritt. Primus gab den Männern frei bis zum Wecken. Die Wachen kümmerten sich um die Pferde. Doch nur die wenigsten Männer fanden tatsächlich Schlaf. Vielmehr bauten sie ihre kleinen Altäre auf und beteten zu ihren Laren.
    Primus betrat das einfach Zelt, welches er sich mit Lucius teilte.
    Dieser half ihm aus der einfachen Rüstung die eher an einen decurio als an einen Praefecten erinnerte und meinte,
    Tja,...das war es also,...unser letztes Castellum...
    Primus tart an den Tisch und warf einen Blick auf die Karten. Dann entgegnete er,
    Wo immer du dein Haupt bettest, Lucius, ...wo immer du unter deinen Kameraden bist,...dort bist du zu Hause.
    Er wandte sich zu seinem Freund um.
    Morgen wird sich entscheiden, ob ich neben meinem Castellum noch mehr verloren habe.
    Dann legte er sich auf die Liege und schlief augenblicklich ein.
    Kurz nach Sonnenaufgang wurde er von den Hornstößen der Cornicen geweckt. Sein Bursche brachte ein karges Feldfrühstück, rasierte ihn anschließend und half ihm in die Paraderüstung die ihn deutlich als kommandierenden Offizier auswies.
    Er verließ das Zelt und fand das Lager im Aufbruch.
    Einer der decurionen kam auf ihn zu und meldete den Status quo. Hinter Primus kam auch Lucius zum Vorschein und während Primus den Decurio mit Anweisungen wegtreten ließ sagte er zu Lucius,
    Die Prima und die Secunda begleiten mich nach Mogontiacum,...du kümmerst dich um den ordnungsgemäßen Abzug hier und die Errichtung des Lagers vor der Castellumswiese der Leg. Sec....
    Er legte seinem Freund die Hand auf die Schulter und nickte ihm melancholisch zu.
    Mögen die Götter mit uns sein Lucius,...honor ruborque!
    Dann wandte er sich ab und ritt kurze Zeit später mit zwei Turmae in Richtung Mogontiacum.

    Primus rückte tief in der Nachts mit der Secunda ab. Zurück blieb ein Castellum, welches rein baulich den Ansturm von Kriegerhorden eine Weile standhalten würde. Die knapp 120 Mann starke Besatzung würde noch durch ein paar zustoßende Veteranen verstärkt werden, aber Alles in Allem verließ Primus seinen Posten mit einem bitteren Beigeschmack. Er hatte für die Bevölkerung eine Illusion hinterlassen und hoffte daß sie bis auf weiteres Bestand haben würde.

    Primus nickte Ocellus zu und entgegnete,
    Na schön,...ich möchte die Bevölkerung nicht beunruhigen,...wir ziehen nicht mit der gesamten Ala ab,...immer nur 2 Turmae im Abstand von 3 Stunden,...dann schaffen wir die Illusion von Patrouillenritten.
    Lucius, der seinen Blick krampfhaft von Ocellus fernzuhalten bemüht war entgegnete,
    Ja,...gute Idee,...wir könnten uns in unserem Übungslager treffen, das liegt knapp die Hälfte der Wegstrecke nach Mogo,...
    Primus sah von Lucius zu Ocellus, wobei dieser nur traurig nickte.
    Na schön,...dann also alles wie besprochen Ocellus,... an Lucius gewandt meinte er,
    Lucius,...du wäschst dich und rückst mit der Prima und einem Teil des Trosses in drei Stunden aus,...am Lager machst du Halt und setzt es ggf. instand. Im Abstand von zwei Stunden werden die übrigen Turmae mit den Trosseinheiten zu dir stoßen,...ich rücke mit der Secunda als letztes aus. Wir übernachten im Lager und brechen bei Sonnenaufgang auf Richtung Mogontiacum.
    Lucius salutierte halbprächtig und grinste Ocellus verunsichert an, dann verließ er, fast schon ein wenig hastig, das Officium.
    Ocellus sah ihm nach.
    Du hast es ihm gesagt? die Frage war im Grunde überflüssig, jedoch brauchte Ocellus die Antwort um ganz sicher zu gehen. Irgendwie beruhigte es ihn zu wissen daß Lucius nun Bescheid wußte.
    Primus stierte auf einen Punkt an der Wand und entgegnete,
    Ja,...er weiß Bescheid,...und...
    Sein Blick fiel auf den kranken Freund.
    ...es hat ihn sehr mitgenommen,...er,...Primus schüttelte vom immer noch übermächtigen Erstaunen leicht den Kopf.
    ...er,...er hat geweint Ocellus...Lucius hat geweint...Ocellus trat zu Primus, der ebenfalls mit seinen Gefühlen kämpfte.
    ...schon gut mein Freund!...ich wußte immer schon, daß unter seiner rauhen Schale ein weicher Kern liegt,...ich danke dir, daß du mir die Aufgabe abgenommen hast ihn zu informieren.
    Er lehnte sich an den Schreibtisch dessen Platte von Primus immer noch fixiert wurde und verschränkte die Arme.
    ...ich,ähem,...ich werde also Kommandeur,...des Castellums! er grinste fadenscheinig.
    ...und das auf Lebenszeit,...na,... wenn das meine alte Mutter wüßte!
    Primus löste seinen Blick vom Schreibtisch. Wie zweideutig das klang,...auf Lebenszeit. Wenn ihn nicht zuerst seine Krankheit dahinraffte, würde er höchstwahrscheinlich gegen marodierende Banden fallen. Primus´Blick fiel auf den Freund. Bei allen Göttern,...lass ihn in Ehren sterben,...dieser Mann hat es verdient!
    ...tja,...sie wäre sicher stolz auf dich! Aber etwas anderes,...ich lasse Brigio bei dir im Castellum,...Atius hofft, daß er in ein paar Tagen wieder auf den Beinen ist. Mach´ ihn zu deinem Vertreter,...Ocellus nicktre und machte sich eine unvermeidliche Notiz.


    Primus sah sich im Officium um. Vielleicht das letzte Mal, daß er es bewußt tat. Da fiel ihm Atius ein,...die zwei Stunden waren fast rum!