Beiträge von Lucius Petronius Crispus

    In den Häusern nobler Herrschaften waren immer Sklaven anwesend - aber sie waren praktischerweise darauf getrimmt, unauffällig zu sein und so registrierte Lucius das Mädchen auch erst, als er beiläufig von den Schwertern aufsah. Sein Blick blieb aber sofort hängen, denn das Mädchen war auffallend hübsch, wohlgeformt... der Tribun hatte sofort Ideen, was er mit ihr anstellen könnte.


    Als dann aber der Octavier eintrat, wandte er den Blick wieder einem der Schwerter zu, was dieser sofort kommentierte.

    "Ave - die Einladung freut mich sehr. Dein Cousin, mein Klient Octavius Maro, war der Meinung, dass ich dich unbedingt einmal kennenlernen sollte."
    Das war zwar nicht 100% korrekt, aber der wahre Kontext der Einladung war doch so profan, dass man ihn lieber nicht aussprach. Und irgendwie stimmte es ja auch so, selbst wenn es eigentlich ziemlich unverblümt um Wahlunterstützung gegangen war.


    Nachdem Macer wieder auf die Schwerter verwies, sah Lucius auch noch einmal genauer hin. Die Erklärung war natürlich überflüssig, wenn man Lucius' Beruf und seine Herkunft berücksichtigte - Spathae wurden ja auch von der römischen Kavallerie genutzt und da er nicht selten zu Pferd agierte, hatte er natürlich auch eine. Und dass er hier eine germanische Klinge vor sich hatte, war für einen gebürtigen Mogontiner auch nicht schwer zu erkennen.

    "Das musst du mir nicht erzählen - ich stamme aus Mogontiacum in Germania Superior und ich hab' selbst so ein Ding zu Hause."
    platzte es daher aus ihm heraus - Höflichkeit und Taktgefühl waren nicht unbedingt die Stärke des Tribuns, auch nicht nach Jahren in Rom. Aber zum Glück hatte er hier auch niemanden vor sich, den vor den Kopf zu stoßen allzu riskant für ihn war... noch nicht zumindest...

    Wie erwartet tat der ganzen Mannschaft der Ausflug sichtlich gut. Das Wetter hielt auch einigermaßen, auch wenn es zwischendurch auch mal deutlicher nieselte. Teil des consiliums zu sein, war nicht etwas, in dem Maro oft involviert war, aber es war auch nichts, was ihn schrecken könnte.


    "Selbstverständlich, Tribun. Vielen Dank. Irgendetwas außergewöhnliches?"

    "Nein - kennst du dich ein bisschen mit dem Recht aus?"

    Der Petronier hatte als Jugendlicher in Mogontiacum ein bisschen Recht studiert - der Alte hatte es für sinnvoll gehalten, er selbst hatte sich nie wirklich dafür interessiert - das war einfach keine exakte Wissenschaft, sondern im Wesentlichen Herumgerede und sprachliche Winkelzüge. Aber natürlich musste er zugeben, dass es nützlich war, sich ein bisschen auszukennen... schon als Subpraefectus in Alexandria war er ja auf Gerichtsreisen unterwegs gewesen, jetzt als Tribun musste er sogar selbst Recht sprechen und wenn er eines Tages zu den wirklich lukrativen Ritterposten in der Verwaltung kam, würde das noch viel mehr werden.

    "Ich denke, die Fälle sind einigermaßen klar, sonst kannst du dich ja einfach an mich halten."

    Der Tribun betrat das Haus der Octavier mit unverhohlener Neugier. Sein Kommandeur hatte sich bisher kaum in der Castra sehen lassen und seine Offiziere auch noch nicht zu sich eingeladen - insofern hoffte Lucius auch, etwas mehr über Octavius Victor zu erfahren, als er durch das Atrium schlenderte.


    Leider war er kein großer Historiker und erkannte die Feldherren nicht - er hielt sie für irgendwelche Ahnen der Familie, mit denen man sich in der Aristokratie ja so gerne schmückte (wobei Lucius das absolut unlogisch fand, denn erstens waren Eltern kein Verdienst und zweitens erbten mehr als genug Leute wesentlich mehr Geld als Eignung für höhere Aufgaben).


    Die Schwerter fand Lucius wieder interessanter, auch wenn sie ihn erinnerten, dass er heute sein eigenes Gladius mit dem schönen Namen Pythagoras zu Hause gelassen hatte. Er war ordentlich gekleidet, trug eine warme Tunica mit dem Angustus Clavus seines Standes und darüber eine rostrote Synthesis, dazu passte natürlich keine Waffe.


    Offensichtlich wollte der Gastgeber ihm Zeit geben, sich alles anzuschauen, denn sehen konnte er ihn nicht! Also schaute er sich die Schwerter genauer an, die wirklich eine extravagante Dekoration für ein Triclinium waren... das hätte sich nicht mal der Petronier getraut!

    Etwas zu spät und in Begleitung Armins kam der Petronier zur Casa Octavia, um ein Gratis-Essen abzustauben und möglicherweise auch ein paar nützliche Kontakte zu knüpfen.

    Er ließ sich von seinem Sklaven anmelden und hereinbitten.

    Dieser Charislaus war ein schräger Vogel und bewies einfach, dass manche Leute zum Sklaven geboren waren. Zwar interessierte Lucius nicht, was seine Gastgeber betrauerten, aber das mit dem Erbe war natürlich interessant...

    "Was erben sie denn? Ist es viel?"

    fragte er deshalb und rollte sein Buch zusammen - Gesellschaft störte immer beim Sternegucken!

    Eine Gerichtsreise war nichts Ungewöhnliches auf Italias Straßen und einer der häufigsten Gründe, Soldaten zu begegnen - immerhin erstreckte sich der Jurisdiktionsbezirk des Praefectus Urbi auf eine 100-Meilen-Zone rund um Rom und damit auf eine ganze Menge Kommunen darin. Manche Gerichtstermine nahm er selbst wahr, vieles delegierte er aber auch - nicht zuletzt an Offiziere der CU wie in diesem Fall: Tribun Petronius und zwei Contubernia unter dem Kommando von Centurio Octavius Maro schlugen die Via Latina ein, die sich langsam die Albaner Berge hinaufschlang und zu ihrem Ziel Tusculum führte.

    "Es sind ein paar Wirtschaftsfälle. Octavius, wärst du interessiert, am Consilium teilzunehmen? Ich denke ich werde den Aedil von Tusculum dazu nehmen, aber ein Platz wäre noch frei."

    Lucius nahm nicht an, dass Maro eine juristische Ausbildung hatte, aber es war nicht ungewöhnlich, dass Centurionen solche Aufgaben in kleineren Fällen übernahmen - und sicherlich waren solche Erfahrungen wertvoll für eine weitere Karriere!

    Sim-Off:

    Die Mannschaften können ratschen, singen, was auch immer - für euch kommt dann schon noch Arbeit beizeiten ;)

    Lucius vermied es, sich viel in der Casa Leonis aufzuhalten - genaugenommen kam er normalerweise erst spät am Abend aus der Castra Praetoria oder der Stadt nach Hause und zog sich direkt in sein Zimmer zurück und ging morgens nach dem Aufstehen. Das Frühstück ließ er auch oft aus oder ließ es sich auf sein Zimmer bringen, sodass er kaum mit den anderen Bewohnern des Hauses in Kontakt kam. Außer natürlich den Sklaven, denn die Massagen von Charislaus waren ein Service, den er gerne in Anspruch nahm.


    Heute kam er aber ein wenig früher aus der Castra und nachdem er gegessen hatte, beschloss er ein wenig den Himmel zu beobachten. Er ging also mit seinem Astrologie-Handbuch hinaus in den Garten und blickte zum Himmel.

    Sim-Off:

    Wer will, darf sich zu mir gesellen :)

    Der Tribun kam in Reisekleidung. Es ging nach Tusculum, was nur eine Tagesreise entfernt war, sodass Lucius einen Tag Anreise, einen Tag Gerichtstag und einen Heimreise kalkuliert hatte. Die Männer mussten natürlich - ganz wie normale Legionäre - ihre Ausrüstung selbst tragen, Lucius hatte dagegen ein eigenes Maultier, die ordentliche Klamotten für die Gerichtsverhandlungen und ein paar persönliche Gegenstände tragen durfte. Als sparsamer Mensch hatte der Petronier wenig eingepackt - er würde sowieso bei einem der Duumviri übernachten dürfen, was zwar unendlich langweilig war (er mochte ja keine Politiker), aber im Winter sicherlich besser als im Zelt zu campieren. Für die Männer würde Lucius noch einen Unterschlupf organisieren - im Umland gab es ja jede Menge Riesenvillen reicher Römer, da würde schon jemand die Ehre auf sich nehmen, 20 Soldaten für zwei Nächte aufzunehmen.

    "Centurio!"

    begrüßte der Tribun den Kommandeur seiner Abordnung, als er auf dem Exerzierplatz erschien. Sein Knecht führte das Pferd des Petroniers hinterher. Zwar ritt Lucius nicht wahnsinnig gerne, aber für einen Tagesmarsch war es doch angenehmer, ab und an auf dem Pferderücken sitzen zu können.

    Lucius war kein Politiker - als junger Mann hatte er zwar einmal in Mogontiacum ein öffentliches Amt bekleidet, aber das war auch nur deshalb gewesen, weil sein Vater das von ihm verlangt hatte. Er fand es einfach zu unlogisch, wie dieses Geschäft ablief: Reden, beeinflussen, Klein-klein und faule Tauschgeschäfte! Natürlich wusste er, dass man mächtige Verbündete brauchte - darum hatte er ja auch den Patron gewechselt, nachdem sein früherer Mentor sich nicht mehr um ihn gekümmert hatte. Aber er beschäftigte sich doch so wenig damit, wie er konnte.

    "Naja, kennenlernen könnte ich ihn schon einmal. Er kann mich gerne einmal zum Essen einladen."

    Nachdem der Petronier noch immer kein eigenes Haus hatte, sondern in der Casa Leonis logierte, war es etwas schwierig, einen Senatorensohn zu sich einzuladen - und außerdem wollte Octavius Gracchus ja etwas von ihm und nicht umgekehrt, da sparte er sich gleich die Kosten für das Essen!

    Der Petronier nickte und wandte sich schon der Vorbereitung seiner Gerichtsmission zu, als Maro ein komplett neues Thema ins Spiel brachte - eines, das er ganz sicher nicht erwartet hatte!


    Er runzelte die Stirn. Normalerweise unterstützte ein Patron einen Klienten und nicht dessen Cousin oder was auch immer. Dass auch noch ein entfernt Verwandter für den Sohn seines Vorgesetzten warb, war ebenfalls irgendwie schräg. Vor allem hatte er aber seine Zweifel, dass Menecrates der Typ war, der auf eine Empfehlung seiner absolut unpolitischen und wenig vertrauten Klienten für jemanden, den Lucius selbst nicht einmal kannte, eingehen würde!

    "Ich weiß nicht."

    antwortete er daher nach sichtlich kritischem Überlegen.

    "Claudius Menecrates wird schon etwas mehr über deinen Verwandten wissen wollen, wenn ich ihn empfehle - ich kenne ihn ja gar nicht!"

    "Na dann weiß ich ja, an wen ich mich wenden muss, wenn ich etwas von ihm brauche..."

    bemerkte Lucius und lächelte - natürlich war das ironisch gemeint, denn als Tribun schätzte er sich selbst wohl als wichtig genug ein, dass der Stadtpräfekt ihm Gehör schenkte. Trotzdem - vielleicht bekam man hier und da interessante Informationen aus dem privaten Umfeld seines Chefs...


    Sie gingen in die Richtung, die Maro gewiesen hatte. Natürlich war der Petronier kein Garten-Fan - aber grundsätzlich war es natürlich nicht unpraktisch, sich ins Grüne setzen zu können, vor allem mitten in dieser dreckigen Stadt!

    "Wirklich recht großzügig! Ich bin wirklich gespannt, was der Spaß kostet!"

    Der Tribun ließ des Centurio und Klienten gleich vor und begann ohne Umschweife:

    "Octavius, ich brauche einen Trupp Männer, der mich zu einer Gerichtsreise begleitet: Morgen früh geht's nach Tusculum, dort soll ich eine Gerichtssitzung im Auftrag des Präfekten übernehmen."

    Es war nicht ungewöhnlich, dass Offiziere der CU den Stadtpräfekten auch bei seinen jurisdiktionellen Aufgaben unterstützten, die sich ja auf eine 100-Meilen-Zone um Rom erstreckten. Tusculum war ein nobles Feriendomizil für reiche Römer - und obendrein nicht sehr weit weg!

    "Wenn es deine Zeit erlaubt, könntest du auch mitkommen."

    Lucius beugte sich über das Bassin, um einen Blick aus dem Impluvium zu riskieren - durch die Öffnung zeigte sich ein grauer Winterhimmel. Die Idee, Regenwasser vom Dach in ein Wasserdepot zu leiten, hatte ihn schon immer fasziniert!


    Trotzdem hörte er zu und nickte.

    "Dann hoffen wir, dass er es möglichst loswerden will!"

    Er beugte sich herunter und begutachtete den Boden des Bassins. An einer Stelle zeichnete sich ein Riss ab, der aber wohl gekittet worden war.


    Dass Maros Cousin Octavius Victor war, hatte der Petronier nicht gewusst. Er sah überrascht zu dem Centurio:

    "Der neue Präfekt ist dein Cousin! Wow!"

    Das Netzwerk eines Consulars war sicherlich sehr, sehr, sehr nützlich! Vielleicht konnte er sich das auch zunutze machen... dafür hatte man ja Klienten!

    "Gibt es übrigens auch einen Garten?"

    "Warum hat er dann hier ein leerstehendes Haus?"

    fragte der Petronier verwirrt. Taktisch war es sicherlich praktischer, andererseits stellte sich tatsächlich die Frage, warum er das hier loswerden wollte...


    Er ging weiter ins Atrium und sah sich um. Pflanzen waren nicht so sein Fall, aber annehmbar war es auf jeden Fall...

    "Wie bist du eigentlich an das Haus geraten?"

    Ich habe hier noch einen Verschreiber gefunden: VIII - Ritter - Imperium Romanum (imperium-romanum.info)


    In der Übersicht unter dem 3. grünen Kasten ist in der Stufe III von einem Praefectus Legionis die Rede. Diese Position gibt es aber nicht. Der müsste Legatus Legionis heissen. ;)

    Als Autor des Textes der Hinweis: Unseren Recherchen zufolge war der Titel des ritterlichen Legionslegaten (den es nur in Aegyptus gab, wo keine Senatoren einreisen durften) Praefectus Legionis... ist aber eigentlich egal, da Aegyptus ja nimmer bespielt ist...