Waffen

Aus Theoria Romana
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Die Bewaffnung der römischen Armee unterteilt sich grob in Angriffs- und Schutzbewaffnung und lässt sich nach diversen Truppentypen unterscheiden.

Angriffsbewaffnung

Blankwaffen

Die übliche Blankwaffe des antiken Kämpfers ist das Schwert. In der römischen Armee ist zwischen dem Gladius als Kurzschwert und der Spartha als Langschwert zu unterscheiden, da sie von unterschiedlichen Truppentypen verwendet wurden und unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten boten. Das Kurzschwert kommt als Stichwaffe im engen Formationskampf zum Einsatz, während das Langschwert als Hiebwaffe in offenen Formationen oder vom Pferd herab zum Einsatz gebracht wird. Zusätzlich kommt mit dem Pugio ein Stossdolch hinzu, der aber nicht zur Grundausstattung eines Soldaten gehörte.

Blankwaffen werden von den Soldaten in einer Scheide steckend am Gürtel oder einem Schwertgurt getragen. Auch der ungerüstete Soldat im leichten Arbeitsdienst führte in der Regel seine Blankwaffe mit sich. Lediglich wenn sie im schweren Arbeitsdienst störte, wurde sie abgelegt. Prätorianer tragen ihre Blankwaffen in der Stadtuniform verdeckt unter der Toga oder einem Mantel.

Stangenwaffen

Hasta

Bei der Hasta handelt es sich um eine Stosslanze mit einem etwa 2m langem Holzschaft und einer 10 - 20 cm langen, blattförmigen scharfen Spitze. Die Hasta wurde, ähnlich wie der Gladius, in Formationskämpfen eingesetzt.

Zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem frühen zweiten Jahrhundert n. Chr. verschwand diese Waffe in die Ränge der Schockkavallerie und einiger Hilfstruppen. Danach nahm sie den Rang der Hauptwaffe bei der regulären Infanterie ein.

Pilum

Das Pilum ist der von der Legion verwendete schwere Wurfspeer mit einem etwa 1,5 m langem Holzschaft. Auf dem Schaft ist die etwa 40 - 50 cm lange Spitze montiert, die aus einer dünnen Eisenstange (die sogenannte "Klinge", obwohl sie nicht geschärft ist) und einer dickeren, pyramidenförmigen Spitze aus gehärtetem Eisen besteht. Die Klinge ist vorne ungehärtet und sollte sich nach dem Wurf beim Auftreffen auf ein Hindernis möglichst verbiegen. An der Verbindung zwischen Spitze und Schaft kann ein Bleigewicht angebracht werden, um das Pilum zusätzlich zu beschweren. Antike Autoren berichten, dass die Legionäre ein leichtes und ein schweres Pilum mit sich führten, wobei nicht ganz klar wird, ob jeder Legionär über zwei Pila verfügte oder lediglich diese beiden Typen insgesamt Verwendung fanden.

Pila wurden aus der Formation heraus vermutlich auf Distanzen von 30 - 50 m geworfen und dienten dazu, den Schwung eines feindlichen Angriffs zu brechen. Beim Wurf aus der Masse heraus kam es daher vor allem auf eine vernünftige Flugbahn und nicht so sehr auf punktgenaues Zielen an, was sich in der Praxis mit Rüstung und Schild allerdings schon als relativ schwierig erweist. Wenn das Pilum einen Schild durchschlagen hat, sollte die verbogene Spitze verhindern, dass das Pilum entfernt werden kann. Der Getroffene Gegner steht vor der Wahl, seinen Schild wegzuwerfen und ungeschützt in den Nahkampf zu gehen (wobei er dort einem mit dem Scutum geschützten Legionär dann weit unterlegen ist) oder den Angriff mit der störenden Stange im Schild fortzusetzen (was seine Bewegeungsfähigkeit enorm einschränkt und einem Legionär die Möglichkeit gibt, ihm durch einen gezielten Tritt auf den Pilumschaft den Schild dennoch zu entreissen). Auch sonst verhindert eine verbogene Spitze, dass das Pilum einfach vom Gegner wiederverwendet werden kann.

Fernwaffen

Iaculi

Iaculi sind leichte Wurfspeere mit einer Länge von etwa einem Meter, die mit einer kleinen, meist blattförmigen Spitze versehen sind. Sie wurden insbesondere von der Reiterei verwendet und konnten entweder wie ein Speer geworfen oder sich selbst überschlagend geschleudert werden.

Schleudergeschosse

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römische Schleuder und Schleuderbleie,
Rekonstruktion

Als Schleudergeschosse kamen geeignet geformte kleine Steine oder speziell angefertigte, an zwei Enden spitz zulaufende Bleigeschosse mit Gewichten zwischen 20 und 50 g zum Einsatz. Eingesetzt werden sie mit einer einfachen Schleuderschlaufe, in die ein Geschoß eingelegt, mit kreisenden Bewegungen in Schwung versetzt und durch Loslassen von einem der beiden Enden der Schlaufe im richtigen Augenblick abgeworfen wird. Die effektive Reichweite lag bei 200 - 300 m und die Wirkung eines Masseneinsatzes von Schleudergeschossen ist nicht zu unterschätzen.

Bekannt für ihre Treffgenauigkeit waren Schleuderer von den Balearen, aus denen ganze Auxiliarcohorten aufgestellt wurden. Es ist aber anzunehmen, dass sich manchmal auch Legionäre in ihrer Freizeit mit der Schleuder übten.

Pfeil und Bogen

Die in der römischen Armee eingesetzten Bögen gehen auf den skythischen Kompositbogen zurück. Sie sind etwa 1 m groß und bestehen aus einem Holzkern mit einer auf der einen Seite aufgeleimten Hornschicht und auf der anderen Seite aufgeleimten Sehnen. Die Pfeile wurden mit zwei-, drei- oder vierkantigen Spitzen versehen, die über Widerhaken verfügen konnten. Spitzen für den Einsatz von Brandladungen waren ebenfalls bekannt. Die Kampfreichweite lag bei etwa 200 m, auf die leichte Panzerung noch durchschlagen werden konnte.

Bogenschützen wurden in der Regel in eigenen Auxiliareinheiten zusammengefasst und stammten vornehmlich aus dem Osten des Reiches. Der Umgang mit Pfeil und Bogen wurde allerdings in allen Truppengattungen geübt.

Schutzbewaffnung

Schilde

Scutum

Scutum.jpg
römisches Rechteckscutum, Rekonstruktion
Vorderansicht und Innenansicht

Das Scutum ist der schwere, gewölbte Schild der Legion. Er ist in der Kaiserzeit vierkantig, etwa 1 m bis 1,2 m hoch, 50 - 60 cm breit und 8 - 10 kg schwer. In der Republik war er oben und unten halbrund und dadurch etwas höher. Er wird mit der linken Hand am langen Arm an einem waagerechten Handgriff und ohne Schildfessel getragen. Auf der Außenseite ist durch die Schildbemalung die Einheit des Trägers zu erkennen.

Das Scutum besteht aus einem etwa 6 mm starken Kern aus mehreren Lagen versetzt verklebter Holzstücke (quasi Sperrholz), der innen von dünnen Holzleisten verstärkt wird. In der Mitte wird ein kreisrundes Loch für den Handgriff ausgespart und die dort durchlaufende Leiste dafür verstärkt. Der Kern wird sowohl innen als auch aussen mit Leinen oder Rohhaut bespannt und an allen Kanten mit einem dünnen Metallrahmen eingefasst, so dass sich eine Gesamtdicke von etwa 10 mm ergibt. Die lederne Außenschicht solle ein Aussplittern des Schildes verhindern, wenn er von einem Pfeil oder einem Speer durchschlagen wird, während der Rahmen sowie die kreuzweise Verleimung des Holzes tiefgehende Spaltschläge mit Schwerter oder Äxten verhindern soll. Zur Schutz der Tragehand wird vorne über dem Griffloch ein metallener Schildbuckel (lat.: umbo) montiert.

In der geschlossenen Formation deckt das Scutum einen Legionär etwa von der Nase bis zu den Unterschenkeln. In der Idealstellung überlappen sich die Schilde der nebeneinander stehenden Legionäre leicht und werden auf der Innenseite jeweils von der linken Schulter und vom linken Knie mit gestützt. Durch die leichte Wölbung des Schildes ist diese Stellung auch in Bewegung vergleichweise gut zu halten. In einer etwas lockereren Formation kann das Scutum auch offensiv eingesetzt werden, indem der Legionär den metallenen Schildbuckel als wirksame Stoßwaffe einsetzt.

Beim Marsch wurde das Scutum mit Hilfe eines Trageriemens auf der Schulter getragen. Ausserhalb von Kampf und Parade wurde das Scutum von einer Lederhülle geschützt. Durch die Verklebung mit Knochenleim, der wasserlöslich ist, ist das Scutum anfällig gegen Nässe. Auf dem Marsch diente das Scutum in der Nacht zudem als Schlafunterlage.

Parma

Die Parma ist der ovale Schild der Auxilia. Wie das Scutum besteht sie aus mit Leinen oder Rohhaut bespannten Schichtholz und hat einen Schildbuckel auf der Vorderseite. Die Parma ist aber nicht gewölbt, sondern flach und zudem etwas schmaler und wiegt somit bei gleicher Stärke lediglich 5-6 kg. Auch sie war in der Regel auf der Außenseite mit einem Emblem der Einheit bemalt.

Unteroffiziere (Signifer, Cornicen) und evtl. auch Centurionen trugen die runde Parma. Sie ist noch etwas kleiner und leichter als eine Ovalparma und konnte praktisch nur zum Selbstschutz eingesetzt werden.

Helme

Infantriehelme

Helm weisenau.jpg
römischer Infantriehelm (Typ Weisenau) mit
aufwändiger Verzierung, 1. Jh. n. Chr.,
Rekonstruktion nach einem Original aus Mainz

Der typische Infantriehelm der römischen Kaiserzeit ist aus Eisen oder Bronze gefertigt und von halbkugeliger oder ovaler Form. Das Gewicht liegt je nach Material meist zwischen 1,8 und 2,5 kg. Seitlich am Helm befestigt sind zwei Wangenklappen, so dass das Gesicht weitgehend umschlossen ist. Zwei Aussparungen für Augen und Mund ermöglichen trotzdem ein uneingeschränktes Sichtfeld und die Möglichkeit zur Weitergabe von Befehlen durch Zuruf. Nicht alle bekannten Helmtypen verfügen auch über Aussparungen an den Ohren, um dem Soldaten die Aufnahme der Kommando zu erleichtern. Das Metallblech, aus dem die Helmkalotte geschmiedet wird, wird am hinteren Ende zu einem breiten Nackenschirm ausgeschmiedet, der einen geduckt laufenden Soldaten vor Schlägen in den Nacken schützt. An der Stirn ist ein zusätzlicher Schlagschutz angebracht, der das Abrutschen von Schwerthieben auf den Helm ins Gesicht verhindern soll und der zudem die Helmform stabilisiert. Im Zuge der Dakerkriege wurden Helme zeitweise durch zusätzliche Eisenbügel verstärkt, um Spaltschläge zu verhindern.

Festgehalten wurde der Helm auf dem Kopf durch einen Kinnriemen. Die Helme waren grundsätzlich mit einer Polsterung aus Filz, Leder, Rosshaar o.ä. versehen, um optimale Passforum und optimalen Schutz zu gewährleisten.

Reiterhelme

Kaiserzeitliche Reiterhelme waren vor allem ab dem 2 Jahrhunder n. Chr. deutlich aufwändiger verziert als herkömmliche Infantriehelme. Die Grundform mit Helmkalotte und Wangenklappen war identisch, dagegen war der Nackenschirm deutlich reduziert und der Schlagschutz auf der Stirn entfiel ganz. Dafür konnte der Helm mit einer zweiten Schale aus kunstvoll verziertem dünnen Blech überzogen werden. Bei Paraden wurde der Helm um einen Gesichtsmaske ergänzt, die nur kleine Sehlöcher freilässt.

Körperpanzerung

Lorica Segmentata

Die Lorica Segmentata ist eine aus vielen Metallschienen gefertigte Form der Körperpanzerung, die in der römischen Armee etwa zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. eingeführt wurde. Der komplette Panzer besteht aus zwei Bauchteilen (links und rechts), die vorne und hinten durch Lederriemen miteinander verbunden werden, sowie zwei Schulterstücken, die untereinander durch Schnallen verbunden sind und die mit den Bauchteilen durch Schnallen oder Haken verbunden werden. Im täglichen Gebrauch wird der Panzer nicht in diese vier Teile zerlegt, sondern lediglich vorne geöffnet und kann dann wie eine Weste an- und ausgezogen werden. Die Metallschienen der einzelnen Teile sind mit insgesamt etwa 200 Nieten auf Lederstreifen aufgenietet und dadurch sehr beweglich. Mit wenigen Ausnahmen ist man von einem gut sitzenden Panzer in der Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt. Je nach Dicke des verwendeten Eisenblechs wiegt ein Panzer 8 bis 15 kg.

Die Herstellung des Panzers ist einfach und schnell, weshalb er bei großen Truppenaushebungen gerne verwendet wurde. Die Schutzwirkung des Panzers ist sowohl gegen Schläge als auch gegen Stiche und Pfeilbeschuss extrem hoch. Dagegen ist der Panzer im Alltag sehr wartungsanfällig, da die großen Metallflächen ständig vor Rost geschützt werden müssen und eine beschädigte Schnalle oder ein gerissener Lederriemen häufiger das Lösen mehrerer Nieten und eine Neuvernietung nötig macht.

Lorica Hamata

Die Lorica Hamata ist das aus vielen Tausend Einzelringen gefertigte Kettenhemd, dessen Herstellungstechnik die Römer von den Kelten übernommen haben. Je nach Größe der Ringe besteht ein Kettenhemd aus 20.000 bis 50.000 Ringen, die entweder geschlossen oder einzeln zugenietet sind. Das Kettenhemd ist grundsätzlich einlagig und kann um Schulterbereich durch eine zweite, getrennte Kettenlage verstärkt werden. In Abhängigkeit von der Ringgröße wiegt es 8 bis 15 kg. Es kann wie ein T-Shirt über den Kopf an- und ausgezogen werden und schränkt die Bewegeungsfreiheit nicht ein - zur Not braucht man es nicht einmal zum Schlafen auszuziehen.

Die Herstellung ist zeitaufwändiger als die eines Schienenpanzers und daher teurer. Die Schutzwirkung ist geringer als die eines Schienenpanzers, da die Kettenglieder nur die schneidende Wirkung eines Schwerhiebes aufnehmen, nicht aber die kinetische Energie. Ohne starke polsternde Unterkleidung sind daher Prellungen und Knochenbrüche möglich. Zudem können Ringe durch Stiche oder Pfeilbeschuss geöffnet werden. Dagegen ist das Kettenhemd im Alltag praktisch wartungsfrei, da es durch das ständige Reiben der Ringe aneinander keinen Rost ansetzt. Beschädigte Ringe können jederzeit problemlos ausgetauscht werden.

Lorica Squamata

Die Lorica Squamata ist der in römischer Zeit selten vorkommende Schuppenpanzer. Dabei sind einige Tausend kleine Metallschuppen an einen Träger aus Leinen, Leder oder sogar Kettengeflecht befestigt. Das Gewicht ist dementsprechend stark unterschiedlich. Ein solcher Panzer könnte je nach Bauart entweder wie ein T-Shirt über den Kopf gezogen werden oder an den Seiten geöffnet werden.

Die Schutzwirkung ist vor allem gegen Stiche und Pfeilbeschuss höher als die des Kettehemdes, erreicht aber bei vergleichbarem Gewicht nicht die des Schienenpanzers. Auch im Wartungsbedarf liegt der Schuppenpanzer zwischen Kettenhemd und Schienenpanzer.