Hispania Tarraconensis

Aus Theoria Romana
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Lage und Geografie[Bearbeiten]

Hispania Tarraconensis, später einfach Tarraconensis, war eine römische Provinz im heutigen Spanien und Portugal. Sie umfasste den Norden und den Osten der Halbinsel und Nordportugal bis zum Douro. Südspanien, das heutige Andalusien, war die Provinz Baetica, Zentral- und Südportugal mit den östlich angrenzen Regionen, inklusive Salamanca, aber ohne Toledo, die Provinz Lusitania.

Die Küstenregion im Osten der Provinz ist mediterran geprägt, während das Hochland gebirgig und von zahlreichen Metallvorkommen geprägt ist.

Vorrömische Geschichte[Bearbeiten]

Die einheimische Bevölkerung teilte sich in die iberischen Stämme in der Küstenregion und die keltiberischen Stämme im Hochland auf, die jeweils in zahlreichen kleinen Siedlungen wohnten. Mit dem Beginn des zweiten Punischen Krieges drangen von Süden her die Karthager unter Hamilkar Barkas, Hasdrubal und Hannibal nach Norden bis an den Hibernus (heute Ebro) vor, bevor ab 216 v. Chr. beginnend in Emporion (heute Ampurias) eine römische Gegenoffensive unter Gnaeus Cornelius Scipio Calvus einsetzte, die Hispania letztlich komplett unter römische Kontrolle brachte.

Römische Geschichte[Bearbeiten]

Die Provinz im Nordosten der Halbinsel trug zunächst den Namen Hispania citerior, als Abgrenzung zum südlich gelegenenen Hispania ulterior, und umfasste nur die Küstenregion bis zum Beginn des Hochlandes. Die Provinz unterstand der Kontrolle des Senates und der entsandte proconsul hatte seinen Sitz in Tarraco (heute Tarragona).

In mehreren langwierigen Feldzügen wurde in den beiden folgenden Jahrhunderten auch das Hochland bis zum Atlantik und dem Kantabrischen Meer (heute die Biskaya) erobert. Herausragend dabei war insbesondere die Belagerung von Numantia (nahe des heutigen Soria), die im Jahr 133 v. Chr. als Höhenfestung in fast 1100 Metern Höhe als letzte Stadt im 10jährigen bellum Numantinum durch Publius Cornelius Scipio Aemilianus erobert wurde.

Auch danach war die Region bis zum Atlantik zwar weitgehend, aber noch nicht vollständig befriedet. Die Provinzreform des Augustus benannte die Provinz von Hispania citerior in Hispania Tarraconensis um und war gleichzeitig der Auftakt für die Eroberung der noch fehlenden Gebiete im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Zwischen 26 und 19 v. Chr. wurden die dort siedelnden Cantabrer besiegt und das Gebiet der Provinz zugeschlagen.

In der gesamten Provinz wurde schon in der ausgehenden Republik damit begonnen, gezielt römische Kolonien an alten Siedlungsplätzen anzulegen und damit für eine rasche Romanisierung des Landes zu sorgen. Unter Claudius wurde das Gebiet zudem in sieben Gerichtsbezirke oder "Landtage" eingeteilt, die nur noch zum Teil Rücksicht auf ehemalige Stammesgrenzen nahmen. Einheimische Sprachen und Dialekte scheinen zu dieser Zeit bereits weitgehend verdrängt worden zu sein. Gaius Plinius Secundus Maior berichtet für die Mitte des 1. Jh. n. Chr. von fast 300 Städten oder Zentralorten, von denen 114 auf dem Land liegen. Etwa 100 Jahre später berichtet Ptolemaios über knapp 250 Städte, von denen nur noch lediglich 27 als Landgemeinden zu betrachten sind. Es kann daher von einer starken Urbanisierung der Provinz ausgegangen werden.

Der Nordwesten der Provinz wurde unter Caracalla als eigenständige Provinz Gallaecia ausgegliedert, ebenso der Südteil, der unter Diocletian als neue Provinz den Namen Carthaginiensis mit Carthago Nova als Hauptstadt erhielt. Alle Provinzen der iberischen Halbinsel waren in der dioecesis Hispaniarum zusammengefasst.

Seit der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. hatte die Provinz unter den Einfällen germanischer Stämme zu leiden, die zur Zerstörung zahlreicher Siedlungen führten. Zu Beginn des 5. Jh. n. Chr. kam es dann wieder zu vermehrten Aufständen innerhalb der Provinz, insbesondere im Nordwesten durch die Basken und Cantabrer. Die Einfälle der Westgoten beendeten schließlich die römische Herrschaft in der Provinz.

Strategische und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Abgesehen von den Kämpfen gegen die Karthager zu Beginn der Eroberung der Provinz und der Unterwerfung der einheimischen Stämme spielte Hispania Tarraconensis strategisch keine bedeutende Rolle. Eine sehr viel größere Bedeutung kommt jedoch der Wirtschaft der Provinz zu. Die reichen Metallvorkommen der Provinz wurden systematisch ausgebeutet und noch in der Provinz zu Halb- und Fertigprodukten für den Export verarbeitet. Neben Gold, Silber und Blei wurden auch Kupfer und Eisen gefördert. Insbesondere Schwertklingen aus Bilbilis (südlich des heutigen Zaragoza) und Toletum (heute Toledo) waren geschätzt. Auch das im Mittelmeerraum seltene Zinn konnte in Minen im Nordwesten der Provinz gefördert werden.

Neben den Bodenschätzen spielte jedoch auch der Export landwirtschaftlicher Güter eine gewichtige Rolle. Wein, Getreide und insbesondere Olivenöl von der Mittelmeerküste wurden in großen Mengen nach Rom transportiert.

Literatur: Tilmann Bechert, Die Provinzen des römischen Reiches, Mainz, 1999