Parcae

Aus Theoria Romana

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Die Parzen (lat. Fatae oder Parcae, griech. Moirai bzw. Mören) sind die Göttinnen des Schicksals in der griechisch-römischen Mythologie. Als solche sind sie personifizierte Abstraktionen, welche, ähnlich wie die germanischen Nornen, als Weberinnen dargestellt werden. Homer ging von nur einer Moira aus und stellte sie als unpersönliches Schicksal dar, welches oft von den olympischen Göttern ausgeführt wird. Allgemein aber wurden aber ab der Zeit des Hesiod als drei sehr alte Frauen dargestellt, welche auf Latein Nona, Decuma und Morta heißen. Die Parzen erscheinen bei der Geburt eines jeden Menschen, wo sie den Lebensfaden des Individuums spinnen, ausmessen und abschneiden. So bestimmen sie die Länge und die Qualität eines jeden Lebens.

Die Parzen sind darüber hinaus zuständig für die Vorherbestimmung von komplexen Geschehnissen, sogar jene des Laufes des Kosmos. Auch bestimmten sie das Schicksal der Götter.

Inhaltsverzeichnis

Die einzelnen Parzen

Nona

Nona ist jene Göttin, die die Lebensfäden spinnt. Nona bedeutet „die Neunte“. Die Zahl neun bezieht sich auf die neun Monate, die die Schwangerschaft normalerweise andauert. Somit ist steht ihr Name im direkten Bezug auf die Geburt. Bei den Römern war Nona zusammen mit Decuma ursprünglich eine Göttin der Geburt, doch später wurde sie unter dem Einfluss der griechischen Kulter auf das Konzept der Moirai, der Parzen, übertragen. Nona wird oft mit der Vergangenheit in Verbindung gebracht. Auf griechisch ist diese Göttin als Klotho bekannt, was „Spinnerin“ heißt.

Decuma

Decuma (stellenweise auch Decima genannt) ist zuständig für die Zuteilung der Lebensfäden auf die Menschen. Der Name Decuma kommt von Decima, „die Zehnte“. Dies bezieht sich auf Zehnmonatskinder. Zusammen mit Nona war sie zunächst eine römische Göttin der Geburt, bevor sie als Parze identifiziert wurde. Decuma stellt unter den Parzen die Gegenwart dar. Die Griechen verehrten Decuma als Lachesis, die „Zuteilerin“.

Morta

Der Name der Göttin Morta bezieht sich auf den Tod. Dies bezieht sich auf ihre Funktion als Abschneiderin des Lebensfaden, und somit personifiziert sie das Ende des Lebens. Zudem repräsentiert Morta die Zukunft. Sie wird von Hesiod als die Älteste und Kleinste der Parzen beschrieben. Morta ist keine urrömische Göttin wie Nona und Decuma, sondern wurde erfunden, um die Dreifaltigkeit der Parzen zu vervollständigen. Das Konzept dieser Göttin kommt aber vermutlich von der alten römischen Gottheit Parca, eine Göttin der Geburt, von der die Parzen ihren Namen übernahmen. In der griechischen Mythologie heißt diese Göttin Atropos, die „Unabwendbare“, was sich auf die Unabwendbarkeit des Todes bezieht.

Mythologie

Elternschaft

Die Elternschaft der Parzen ist mysteriös und kann nicht leicht festgestellt werden. Viele Quellen geben unterschiedliche Eltern an. Hesiod benennt die Parzen als Töchter des Zeus (Iuppiter), der aus diesem Grund auch Moiragetes, der Vater der Moirai, genannt wird. Als ihre Mutter nennt er Themis, die bei den Römern als Iustitia bekannt war. An anderer Stelle jedoch deutet er eine Vaterschaft von Nox, der Nacht, an. Cicero bestätigt in der römischen Tradition die zweitere Ansicht. Andere Autoren benennen Necessitas oder Chaos als ihre Eltern.

Die Parzen und Iuppiter

Die Rolle und die Macht, welche die Parzen in der göttlichen Ordnung der Römer haben, ist nicht restlos geklärt. Insbesondere ihre Beziehung zu Iuppiter ist mysteriös.

Manchmal werden die Parzen als Göttinnen dargestellt, die dem Göttervater Iuppiter unterworfen sind. Hesiod deutete die Ehrerbietung, die die Parzen dem Göttervater entgegenbrachten, hervor, und Pausanias beschrieb Iuppiter als den einzigen Gott, dem die Parzen gehorchten.

Andere Quellen, vor allem römische, beschrieben Iuppiter als vom Schicksal gebunden. Laut Quintus Smyrnaeus muss sich Iuppiter unweigerlich den Parzen unterwerfen. Ovid bestätigte, dass kein Gott die Macht der Parzen brechen mag, und Nonnus beschrieb Iuppiter, wie er beklagt, dass er gegen das Schicksal nicht ankämpfen kann. Womöglich betrachteten die Griechen Zeus eher als ungebunden und die Römer Iuppiter eher als gebunden vom Schicksal.

Die Parzen waren die Verteidigerinnen von Iuppiters Recht, über die Götterwelt zu herrschen. Im Krieg der Titanen und der Giganten, sowie beim Kampf gegen das Monster Typhoeus, standen die Parzen Iuppiter bei.

Eigenschaften

Verstöße gegen die Ordnung der Parzen

Es gab einige Verbrechen, allem voran Mord, die als Verbrechen gegen die Ordnung der Parzen gewertet wurde. Homer beschreibt Mord als Tat, welche der Lebensfäden der Parzen zum Trotz ausgeführt wird, und somit gesühnt werden muss. Somit betrachteten die Römer Mord nicht nur als Verstoß gegen die menschliche, sondern auch die göttliche Ordnung. Ein derartiges Verbrechen wurde von den Furien geahndet, welche Rache nehmen an den Verbrechern. Statius beschreibt auch Selbstmord als Verstoß gegen die vom Schicksal geregelte Ordnung.

Manchmal entscheiden sich die Parzen auch dafür, vor ihrer Zeit ermordete Menschen ins Leben zurückzuführen. Ein Beispiel dafür bietet der von seinem Vater ermordete Pelops, der von den Parzen wiederbelebt wurde.

Flexibilität des Schicksals

Obwohl die Parzen allgemein als hart, inflexibel und gestreng beschrieben wurden, ist aus vielen Sagen der Antike erkenntlich, dass sie durchaus über ein großes Maß an Flexibilität verfügten. Optionen oder Bedingungen kommen in den Parzenlegenden oft vor.

Achilles, zum Beispiel, wurde vorherbestimmt, entweder ein kurzes und glorreiches, oder ein langes und unbedeutendes Leben zu führen. Dies bedeutete, dass Achilles entweder nach Troja gehen und dort ruhmreich sterben würde, oder zu Hause bleiben und dort ein gewöhnliches Leben führen würde. Achilles entschied sich für die erste Option.

Laios, um ein anderes Beispiel zu nehmen, wurde vorhergesagt, dass er, wenn er einen Sohn zeugen würde, von jenem getötet werden würde. Er entschied sich im betrunkenen Zustand dafür, einen Sohn zu zeugen – Oedipus. Obwohl beide, Vater und Sohn, alles versuchten, ihr Schicksal zu vermeiden, tötete Oedipus schließlich unwissentlich seinen Vater und heiratete seine Mutter.

Es war auch möglich, mit den Parzen zu verhandeln. Ein Beispiel bietet die Geschichte des Admetos. Apollo gelang es, die Parzen dazu zu überreden, Admetos von seinem Schicksal zu befreien, wenn jemand anderer für ihn, wenn seine Zeit gekommen war, freiwillig sein Schicksal übernehmen würde. Als Admetos sterben sollte, war tatsächlich seine Frau Alcestis bereit, für ihn zu sterben. Allerdings schickte sie Proserpina, gerührt von Alcestis‘ Mut, sie wieder heraus aus der Unterwelt.

Die Parzen als Prophetinnen

Da die Parzen über die Zukunft entscheiden, müssen sie unweigerlich die Zukunft auch kennen. Aus diesem Grund werden sie oft als Prophetinnengöttinnen bezeichnet, zum Beispiel von Ovid und Plato. Diese Funktion erfüllen sie in der Legende des Meleager. Die Parzen erschienen bei seiner Geburt, um ihm seine Zukunft vorherzusagen. Allerdings waren auch die Schicksale anderer Helden der griechisch-römischen Mythologie bekannt, allerdings ohne einen derartig dramatischen Auftritt; oft wurde ihr Schicksal von einem Orakel verkündet.

Parzenkult

Die Parzen wurden in vielen Städten vor allem in Griechenland verehrt, zum Beispiel in Korinth, Theben, Sparta, Olympia, und anderen Stätten. Den Parzen waren weiße Tauben heilig.


Quellen:
Theoi.com
Encyclopedia of Myths
GZA
Hes. theog.
Paus.
Ov. met.
Plat. rep.
Stat. Theb.
Q. Smyrn.


Literatur:
William Hansen: A Handbook of Classical Mythology (2008)
William Smith: Dictionary of Greek and Roman Biography and Mythology (1849)
Encyclopaedia Britannica

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