Syrakus

Aus Theoria Romana

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Daten der Stadt
Name:Syracusae
Gründung:griechisch
Rechtsform:Colonia
Provinz:Sicilia
Heutige Stadt:Siracusa (Italien)

Syrakus befindet sich an der südöstlichen Küste Siziliens. Die Kernstadt liegt auf der Insel Ortigia (auch: Ortygia). Die geographischen Koordinaten sind 37° 4' Nord und 15° 18' Ost. Die Stadt war seit ihrer Gründung durch griechische Siedler im achten Jahrhundert v. Chr. durchgängig bewohnt. Heute liegen nur die äußersten westlichen und nordwestlichen Teile der antiken Stadtanlage, die eine Gesamtausdehnung von ca. 13 km² erreichte, frei von moderner Bebauung. Syrakus verfügt mit dem "großen Hafen" westlich der Halbinsel Ortygia und dem Lakkios auf deren Ostseite über die beste natürliche Hafenanlage auf ganz Sizilien.

Inhaltsverzeichnis

Griechische Zeit

Syrakus wurde als Pflanzstadt Syrakusai (griech.: Συ�?άκουσαι) 734 v. Chr. durch griechische Siedler aus Korinth gegründet, die die Gegend "Sirako" (d.h. Sumpf) nannten. Der Stadtstaat wurde zu einer größeren Macht im Mittelmeer; Ovid schreibt sogar von mehreren Häfen. Erhalten sind aus der frühen Zeit noch der Apollontempel und der Athenetempel (heute zur Kathedrale umgebaut). Zwischen 600 und 400 v. Chr. beherrschte Syrakus nicht nur ganz Sizilien, sondern besiegte gar 474 v. Chr. die Etrusker in der Seeschlacht vor Cumae. Zuvor stand Syrakus bereits in voller kultureller Blüte: Dramatiker wie Aischylos, Lyriker wie Pindar, Bakchylides und Simonides versammeln sich in Syrakus. Im peloponnesischen Krieg (427 - 424, 415 - 413) kann sich Syrakus gegen Athen behaupten. Gegen Karthago verliert das Heer Syrakus' 406 v. Chr. In den punischen Kriegen steht Syrakus, das zuvor sich der Hilfe des Pyrrhos' bedient hatte, auf der Seite Roms. Im zweiten punischen Krieg jedoch kämpfte Syrakus auf Seiten Karthagos. Nach Sizilien fällt Syrakus, trotz der Werke Archimedes', dem hier seine Erfindungen (Archimedische Schraube und Satz vom Auftrieb) gelangen, 212 v. Chr. in römische Hand: Syracusae wird römische Provinzhauptstadt und unter Augustus in den Status einer Colonia erhoben.

Römische Zeit

Das bereits in griechischer Zeit angelegte rechtwinklige Straßennetz mit langgezogenen Häuserblocks wurde in römischer Zeit beibehalten und ist noch im heutigen Straßensystem nachweisbar. Über die Wohnbebauung von Syracusae lassen sich nur wenige allgemeine Aussagen treffen, da die Funde für die Analyse zusammenhängender Häuserblocks zu gering sind. Eine Ausnahme bildet ein etwa 20 mal 20 m großer Baukomplex aus der Via d'Arsenale, der als private Badeanlage zu interpretieren ist. Das Straßenraster setzt sich über die Halbinsel hinaus zunächst auch auf dem Festland fort.

Forum

In diesem Raster befindet sich etwa 750 m westlich der Landzunge, die die Halbinsel mit dem Festland verbindet, das römische Forum der Stadt. An dieser Stelle befand sich zuvor auch die hellinistische Agora, nachdem die ursprünglich auf der Halbinsel Ortygia gelegene erste griechische Agora den Ansprüchen der wachsenden Stadt nicht mehr genügte. In republikanischer Zeit wurde vermutlich die hellenistische Agora zunächst unverändert weitergenutzt, bevor in hadrianischer oder antoninischer Zeit eine völlige Umgestaltung der Anlage erfolgte.

Öffentliche Bauten

400 m westlich des Hauptforums befindet sich eine Tempelanlage mit theaterartigem Anbau. In der Mitte des 70 mal 60 m großen Bezirks liegt ein 15 mal 15 m großer, vermutlich tetrastyler Antentempel. Eingelassen in das Podium des Tempel befindet sich eine knapp 4 mal 5 m große Krypta mit einem kleinen Wasserbassin. Die Rückseite des nach Südosten gerichteten Tempels diente als Rückwand für die Bühne des dahinter liegenden kleinen Theaters oder Odeons. Welcher Gottheit der Tempel und die gesamte Anlage geweiht war, ist nicht sicher, aber die Nutzung für östliche Mysterienkulte wie beispielsweise der Kult für Isis und Serapis oder für Dea Syria scheit plausibel. In jedem Fall belegt die Anlage das Interesse der Stadtbevölkerung an Neubauten für kultische Zwecke und die Stadt erweist sich als offen für Einflüsse als anderen Provinzen.

700 m nördlich der Tempelanlage befindet sich das Amphitheater der Stadt. Die Verwendung des vor allem in augusteischer Zeit verwendeten opus reticulatum an einigen Stellen datiert die erste Bauphase zuverlässig in die frühe Kaiserzeit und legt somit eine Errichtung im Zusammenhang mit der Einrichtung der Colonia nahe. Spätere Bauphasen oder Reparaturen am Bauwerk sind in das zweite oder dritte Jahrhundert n.Chr. zu datieren. Das Vorhandensein eines Amphitheaters belegt in hohem Maße die schnell fortschreitende Romanisierung der griechischen Stadt und unterstreicht den wichtigen Status, der ihr als Provinzhauptstadt zukommt. Ein Circus, dem eine ähnliche Bedeutung zukommen würde, ist für die Stadt nur durch eine schriftliche Quelle der späten Kaiserzeit belegt und konnte noch nicht archäologisch erfasst werden.

Nahe des Amphitheaters, an der west-östlichen Hauptstraße in die Neapolis, liegt ein kleiner freistehender Triumphbogen aus der frühaugusteischen Zeit der Coloniegründung. Etwas nordwestlich des Amphitheaters, auf der anderen Seite des großen griechischen Altars des Hieron liegt das ebenfalls aus hieronischer Zeit stammende Theater. Es gehörte mit 138 m Durchmesser zu den größten der griechischen Welt und verdankt seinen guten Erhaltungszustand der Tatsache, dass die Sitzreihen der Cavea weitgehend in den Fels geschnitten sind. Für die römische Zeit lassen sich drei wichtige Umbauten feststellen. Die Erneuerung des Bühnengebäudes, die zu einer für römische Theater typische Verbindung von Bühne und Cavea führte und die Neuanlage von Zugängen zu Orchestra und Bühne erforderlich machte, könnte aus augusteischer, oder aber erst aus flavisch-traianischer Zeit stammen. Die Neuanlage der Zugänge ermöglichte damit gleichzeitig die Hinzufügung der im griechischen Theater unbekannten Tribunalia über diesen Zugängen. Ebenfalls eine römische Hinzufügung ist die gedeckte Galerie am oberen Ende der Cavea, für die ein Teil der westlich hinter dem Theater liegenden Stoa entfernt werden musste.

In unmittelbarer Nähe zu Theater und Amphitheater liegt vor dem Altar des Hieron eine Platzanlage von 175 mal 45 m Größe. Drei Seiten werden von einer Porticus mit 14 mal 64 Säulen gefasst, die vierte Seite bildet der Altar selber. Den Haupteingang bildet ein Propylon in der Mitte der Langseite der Säulenhalle. Auf dem Platz befanden sich Reihen von Bäumen und in der Mitte der Anlage liegt ein rechteckiges Wasserbecken mit Trittstufen. Das Bauwerk erinnert damit stark an eine Palaestra, ist aber aufgrund des Fehlens von angeschlossenem Gymnasion oder Bad nicht mit herkömmlichen griechischen oder römischen Stätten der körperlichen Betätigung vergleichbar und seine Nutzung damit unklar.

Wasserversorgung

Unmittelbar nördlich des Theaters sowie einige Meter weiter östlich münden zwei Aquädukte in die Stadt, die die Wasserversorgung der Bevölkerung sichern sollen. Das größere von beiden – das sogenannte Galermi – versorgt die Stadt über eine Strecke von 30 km mit frischem Wasser aus der Bottiglierie-Quelle südlich von Sortino. Die Wasserleitung verläuft zum Teil als in den Fels geschlagene Rinne mit Abdeckung auf flachen Steinplatten und zum Teil auf einem aufgeschütteten Wall mit runder Abdeckung. Die Reste einer Bogenkonstruktion bei Sortino erlauben eine Datierung frühestens in augusteische Zeit, da Aquäduktbrücken in den Provinzen zuvor unbekannt sind. Insbesondere hier erscheint wiederum eine Verbindung mit der Coloniegründung plausibel, um den mit dem Bevölkerungszuwachs einhergehenden erhöhten Bedarf an sauberem Trinkwasser zu decken.

Katakomben

Im nordöstlichen Bereich der Stadt liegen – zum Teil innerhalb eines griechischen Gräberfeldes - drei römische Katakomben, die allein durch ihre Größe die Bedeutung von Syracusae in spätantiker Zeit belegen. Die San Giovanni-Katakomben sind mit einer Länge des Haupttunnels von über 100 m, fünf Quertunneln sowie weiteren kleineren Gängen die größten der drei Katakomben. Der Haupttunnel entstand durch das Ausweiten eines ehemaligen unterirdischen Wasserlaufs auf 2,70 m Höhe und 2,5 bis 4 m Breite. Alle Anlagen wurden vermutlich nach dem Toleranzedikt des Jahres 313 n. Chr. angelegt und erreichten nach ca. 50 Jahren ihre endgültige Größe. Bestattungen könnten dort allerdings bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. hinein oder sogar darüber hinaus stattgefunden haben.

Nach-römische Zeit

450 n. Chr. plündern die Vandalen die Stadt und gliedern sie später mit fast ganz Sizilien ihrem Reich ein. 535 n. Chr. fällt die Stadt an das nunmehr zum Byzantinischen Reich gewordenen Römische Reich zurück. Unter Kaiser Konstans II. wird Syrakus von 661-78 n. Chr. sogar dessen Regierungssitz, da die Stadt strategisch günstig zur Sicherung der Seeherrschaft im gesamten Mittelmeer gegenüber den Arabern lag, doch machte der Nachfolger des Kaisers diesen Schritt wieder rückgänig und kehrte an den Bosporus zurück. Der erste Eroberungsversuch der Araber 728 n. Chr. schlägt wegen des Ausbrechens der Pest fehl. 878 n. Chr. wird die Stadt schließlich durch arabische Truppen erobert. Wenig später erobern die Normannen die Insel.

Literatur:
R.J.A. Wilson, Sicily under the Roman empire. The archaeology of a Roman province 36 B.C.-A.D. 535, 1990
M.I. Finley, Das antike Sizilien, München 1979
M.A.S. Goldsberry, Sicily and its cities in hellenistic and roman times, 1973
T. Bechert, Die Provinzen des Römischen Reiches, Mainz 1999
F. Coarelli und M. Torelli, Sicilia, 1984
F. Cavallari und A. Holm, Topografia archaeologica di Siracusa, 1883
L. Polacco und C. Anti, Il teatro antico di Siracusa, 1981

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