• Am Lacus Venetus >>>

    ÜBER DEN SEE


    Aulus Passienus Lollianus, der Tribunus Classis der auf dem See stationierten Flotte, mochte in Corvus Augen ein aufgeblasener Wichtigtuer sein, aber hielt Wort.
    Am Morgen, nachdem die Männer der Legio II die Boote der Fischer konfisziert und im Hafen von Arbor Felix versammelt hatten, erreichten auch die Schiffe der Classis, aus Brigantium kommend, den Hafen. Ein halbes Duzend Kriegsschiffe ankerten in der Bucht, dazu gut zwei Duzend mehr oder weniger große Transportkähne, von denen jedoch nur drei im ohnehin schon überfüllten Hafen anlegen konnten.


    Passienus Lollianus ließ sich von seinem Flagschiff mit einem kleinen Boot an Land rudern und begrüßte Corvus, der bereits auf ihn wartete, mit gewohnt guter Laune:
    “Was habe ich gesagt? Auf die Classis ist immer Verlass.“, dröhnte er und klopfte dem Tribunus Angusticlavius auf die Schulter, wie einem guten, alten Freund.
    Der nahm es hin und nickte: “Das kann man sagen. Das Wetter ist mit uns, was meinst du?“
    “Gar kein Problem. Deine Leute können sofort mit dem einladen beginnen.“
    “Sehr gut.“


    Corvus blickte sich suchend um und rief dann: “Centurio! Die Erste Kohorte geht auf die Fischerboote. Sieh zu, dass keine der Nussschalen überladen wird. Sie sollen dann die Stege frei machen und in Ufernähe ankern, damit die Frachtkähne anlegen können und die Fuhrwerke und Pferde verladen werden können.
    Die Zweite Kohorte kümmert sich so lange darum, das versprochene Getreide unter der Bevölkerung zu verteilen.“

  • Wie du befiehlst, Tribun!


    antwortete Titus und ging dann selbst zu Optio Cyprianus.


    Optio, sorge dafür, dass die I. Kohorte auf die Fischerboote verteilt wird, aber so, dass keines untergeht!


    danach machte er sich auf sich um das versprochene Getreide zu kümmern.
    Die Fischer, die am Rande des Dorfes das Schauspiel beobachtet hatten kamen nun heran um sich, das ihnen versprochene, Getreide abzuholen.

  • Nun war es also so weit. Wir mussten tatsächlich auf diese Seelenverkäufer um den See zu überqueren. Ich hasste es schon jetzt, doch Jammern würde auch nicht helfen.


    Vorsichtig und mit einem unguten Gefühl in der Magengegend trat ich auf eine dieser Nussschalen, welche sofort begann ein wenig zu schaukeln. Mir wurde bereits in diesem Moment fast schlecht, wie sollte dies also erst auf dem See aussehen?


    Als ich mich aber gesetzt hatte und einige andere beobachtete bemerkte ich, dass ich nicht der einzige mit einem mulmigen Gefühl war. Sogar einige Centuri schauten recht skeptisch mit wechselndem Blick zwischen dem Boot und dem davon umgebenden Wasser hin und her.........


  • "Zu Befehl Centurio!" er wandte sich an die Soldaten:"Also dann ihr Landratten rein in die Boote! Und zwar so das keines untregeht! Ich will für euch hoffen ihr bekommt das hin, sonst dürft ihr über diesen See schwimmen!"

  • Lucius und ein paar andere Reitersoldaten, die den Tag über zum Spähen abkommandiert worden waren, erschienen auf einem der Hügel in der Nähe.
    Sie zügelten ihre Tiere und sahen sich das Schauspiel der in die Boote steigenden Legionäre eine Weile schweigend an. ,,Wer hält das da für eine gute Idee?'' wollte Marcus dann etwas angesäuert wissen. ,,Niemand!'' antwortete ihm Publius, der sein Tier links von ihm zum Stehen gebracht hatte. ,,Wir werden alle noch ersaufen...'' Lucius schüttelte den Kopf und grinste Publius an. ,,Ich nicht. Ich kann schwimmen...''

  • Gemeinsam mit einigen anderen Milites betrat ich einen kleinen Fischkutter. Als das Boot zu schwanken begann, wurde mir etwas mulmig. Zwar konnte ich schwimmen, doch war das in voller Montur schon etwas anderes. In voller Ausrüstung zu schwimmen bedeutete in fast jedem Fall der sichere Untergang, denn niemand wird es wohl schaffen mit diesem zusätzlichen Gewicht zu schwimmen.

  • Mir war zwar noch immer ein bischen schwindelig, aber ich betrat trotzdem, mit einigen anderen Probati das Boot. Ich nickte ihnen zu und es schaukelte. Ich setzte mich auf eine kleinere Bank am Rand und schluckte mehrere Male, denn es roch zwar nach Fisch, aber wenn dann noch mein Kotze dazu kam... Das wollen wir nicht wirklich hoffen. Also warteten wir, bis wir in See stechen konnten. :D

  • Tja, nun war es soweit. Aber auch gut, ich wollte das Ganze endlich hinter mich bringen. Wasser mochte ich nur, wenn ich es trinke. Ich betrat auf Anweisung der Führung die Nussschale, welcher ich zugewiesen wurde. Dieser wackelte als ich drauf trat. Ich schnappte mir ein Paddel und wartete danach auf Startbefehl.

  • Die recht kleinen Boote der Fischer legten eines nach dem anderen ab. Deutlich konnte man sehen, dass die Männer an die Riemen ungeübte Ruderer waren. Unnütze Bögen schlagend, im Zickzack oder zumindest unter lauten Verwünschungen kamen sie aber schließlich an die Stelle, wo sich die Schiffe sammeln sollten. Rumpf an Rumpf lagen sie nun da in der sanften Dünung des großen Sees.
    Schließlich legten auch die deutlich größeren Schiffe der Classis ab, die bereits einen Platz im Hafen gefunden hatten.
    Inzwischen hatten andere Schiffe der Flotte schon an den frei gewordenen Anlegestellen festgemacht und wurden mit Karren und Pferden beladen.


    Einige Neugierige hatten sich am Strand neben dem Ort eingefunden und beäugten das Treiben im Hafen und in der Bucht. Was sie sahen, musste ihnen wie ein heilloses Durcheinander vorkommen, doch schwere Zwischenfälle hatte es bisher nicht gegeben und erstaunlicherweise war auch noch keines der Fischerboote unter der unüblichen Last gesunken.


    Doch das sollte nicht so bleiben.
    Als eines der letzten Fischerboote legte ein besonders wurmstichiger, gräulicher Kahn ab, der einstmals, bevor die Farbe fast gänzlich verblichen und abgeblättert war, grün gewesen sein mochte.
    Kaum hatten die Legionäre das letzte Tau gelöst und ein paar Ruderschläge getan, da kränkte die Nussschale beängstigend und legte sich beträchtlich weit auf die rechte Seite. 'Steuerbord' nannten Seeleute diese, aber Seeleute waren keine an Bord. Schon ergoss sich Wasser über die niedrige Bordwand ins Innere…

  • Außgerechnet darin saß ich. Wie immer einer der letzten, wie immer einer der Pechvogel. Ich versuchte auf mich aufmerksam zu machen. Ich wunk und winkte und rief: "Hilfe!" Das war auch wieder einer der fehler in meinem noch so jungen Leben, denn die anderne Probati und Legionäre fingen nun auch an Panik zu schieben, so dass das Boot noch stärker wackelte und schwankte.

  • Titus befand sich ebenfalls in einer der "Nussschalen", so nannten die meisten Legionäre die Boote, die schon weiter draußen lag und dort auf den Rest wartete.



    *Warum dauert denn das so lange?* fragte sich Titus, der Wasser nun ganz und gar nicht ausstehen konnte und deswegen schnellstmöglich von diesem "Schiff" herunter wollte.

  • Ganz am Schluss standen die Reiter der Ala II noch am Ufer und warteten darauf, dass sie und ihre Tiere an Bord gehen konnten.


    Gaius saß auf seinem Pferd und befand sich in der Nähe des Tribunen,


    Wie lange denkst du, dass es noch dauern wird, bis alle auf den Schiffen, bzw. über den See sind? fragte der Decurio den Tribunen.

  • Zitat

    Original von Titus Germanicus Traianus
    Titus befand sich ebenfalls in einer der "Nussschalen", so nannten die meisten Legionäre die Boote, die schon weiter draußen lag und dort auf den Rest wartete.



    *Warum dauert denn das so lange?* fragte sich Titus, der Wasser nun ganz und gar nicht ausstehen konnte und deswegen schnellstmöglich von diesem "Schiff" herunter wollte.


    Auch der Optio war an Bord:"Centurio! Eines der Boote scheint gerade abzusaufen!" Er zeigte auf die Stelle, wo die Legionäre um Hilfe winkten

  • Titus drehte sich in die Richtung in die der Optio zeigte.
    Sie selbst waren schon zu weit weg um den Schiffsbrüchigen zu helfen.


    Schnell! Ein paar Boote da rüber! Nehmt die Männer auf, aber passt auf, dass ihr nicht selber absauft! rief der Cneturio und die Boote die noch etwas näher an dem gekänterten dran waren machten kehrt und versuchten den mittlerweile im Wasser schwimmenden, insofern sie es auch konnten, Legionären zu helfen.

  • Ich konnte von Glück sprechen, dass ich zur Reiterei gehörte. Denn unsere Pferde mussten zwangsläufig auf die größeren Transportschiffe und wir mit ihnen.
    Als ich mir so die kleinen Fischerboote betrachtete war ich sehr froh darüber nicht in einem solchen zu sitzen. Besonders nicht in dem, das gerade Schlagseite hatte.

  • Zitat

    Schnell! Ein paar Boote da rüber! Nehmt die Männer auf, aber passt auf, dass ihr nicht selber absauft!


    Wir, zwei Legionäre und meine Wenigkeit, waren mit unserem Boot noch in der Nähe der Unglücklichen. Wir wendeten unser Boot, so gut es unsere seefahrerischen Unkenntnissen zuließ. Wir wussten, dass hier jede Minute kostbar war und so versuchten wir so schnell es ging zu den Verunglückten zu gelangen. Aber, den Göttern sei dank, schafften wir es mit einigen anderen Booten rechtzeitig zu der Unglücksstelle zu gelangen, wo die vier Milites im Wasser trieben.


    Dort versuchten wir die Kameraden ins Boot zu ziehen, ohne selbst verunglücken. Doch war das leichter gesagt, als getan. Immer wenn wir einen ins Boot ziehen wollten, überwog das Gewicht auf der einen Seite und uns drohte ebenfalls ein Unglück. So mussten zwei Männer das Gleichgewicht ausgleichen, während ich einen Miles rausfischte. Was schlussendlich gelang ...

  • Das Bott war dann schließlich doch gekentert. Diese Soldaten hatten mal wieder eine glazleistung voll bracht. Wenn ich nicht gewesen wäre, dann wäre so etwas gar nicht passiert. Immerhin, war ich es, der die Miles mit Panik ansteckte. Immerhin war ich es, der dann das Boot schließlich zum Kentern brachte. Wir konnten ja zum Glück alle schwimmen, aber mit den Uniformen? Ich fiel in das eiskalte Wasser, als ich über einen dieser komischen Stricke stolperte. Ich versuchte in Panik mich von der Uniform zu befreien, die mich ein Stückweit nach unten zog. Ich musste mich nach oben strampeln und dachte schon an den sicheren Tod, als ich sah, dass ein paar Legionäre uns zu Hilfe kamen. Ich war gerade über Wasser und schnappte nach Luft, doch die Kleidung zog mich wieder nach unten. Ich versuchte hinten die Riemen irgendwie auf zu knoten. Allerdings hatte ich nur wenig Zeit, dann musste ich wieder mich nach oben ziehen. Ich schnappte wieder nach Luft und wollte schreien, aber solangsam nahm das Wasser überhand. In der Panik griff ich nach meinem Gladius. Ich fragte mich wiso ich nicht früher darauf gekommen bin und versuchte die Riemen durch zu schneiden. Es war sehr schwer, aber gelang schließlich doch einiger maßen gut. Ich war in zwischen relatief :D gesunken und musste mich so wieder nach oben schlagen, mit dem Gladius in der Hand. Ich hoffte darauf, dass oben endlich die Legionäre wären. Dabei rutschte mir das Gladius aus der Hand. Ich griff nach ihm, leider an die Schneide. Ich schrie die letzte Luft aus mir und ließ es erschrocken los. Das Gladius sank nach unten, ich steig unter großer Anstrengung nach oben. Nur noch ein Riemen musste ich lösen. Dieser war aber genau an der Stelle, wo man ihn schwer erreichen konnte: Zwischen den Schulter blättern. Ich konnte nur noch auf eine Rettung hoffen.

  • Ich war mitten in einer der "Nussschalen" und befand mich in der Nähe der Unglücks. "Beim Juppiter, da scheint uns Einer abzusaufen!!". Ich war mit 3 weiteren Legionären auf dem Boot und befahl ihnen, das Gleichgewicht zu halten. Die Schreie des Probatus klangen sehr laut, und herausziehen würde schwer werden. Ich zog meine Rüstung aus und Befahl meinen Kameraden, auf mein ganzes Zeug aufzupassen. Ich schaute mich mit scharfem Blick im Wasser um, damit ich Rufus´ ungefähre Postition ausfindig machen könnte. Dem würde sicher bald die Luft ausgehen.
    Ich schrie aus ganzer Kehle, so dass er es hören musste. "Halte durch, ich komme!!"
    Nun stand ich nur mit Tunika und Sandalen auf dem Bott, welches leicht wackelte. "Haltet das Gleichgewicht und mach euch bereit, uns raus zu helfen!". Die anderen Legionäre nickten. Den Gladius nahm ich jedoch mit, auf ihn sollte man sich immer verlassen. "Ich hoffe, ich werde das nicht bereuen... die Schmerzen kümmern mich zurzeit wenig."


    Ich holte ganz kräftig Luft, dann sprang ich in das eiskalte Wasser und tauchte in Rufus´ Richtung. Ich kam zu ihm an, und half ihm mit der Rüstung. Ich trennte mit meinem Gladius die Riemen seiner Rüstung durch, so dass er herausschlüpfen konnte. Blieb nur noch zu warten, dass er sich bewegen würde. Lange konnte ich dort nicht verweilen. Die Kälte war unangenehm und das Wasser eisig kalt.

  • Mit einem kräftigen "Blubb" stieg ich nach oben wieder auf. Irgendjemand hatte mir wohl die Rüstung gelöst, die schöne teure Rüstung, das Gladius, alles weg. Ich sog die Luft, die mir endlich wieder kam förmlich auf und spuckte Wasser aus. Dann wurde mir auf einmal schwarz vor Augen.


    Sim-Off:

    Bin "nur" ohnmächtig, nicht tot ;) Also weder Exilium noch Elysio ;)

  • Auch ich kam rauf und schnappte nach Luft. Rufus schien es nicht gut zu gehen, was mir Sorgen bereitete. Ich fühlte ihm an den Hals, um seinen Puls zu spüren. Er schien zu Leben, dennoch war er ohnmächtig. "Du wirst uns jetzt nicht ertrinken, hörst du?!", rief ich, doch er hörte es eh nicht. Ich bemühte mich, Rufus rauf zu kriegen, damit er an der Wasseroberfläche blieb.
    Ich schrie meinen Bootskameraden zu: "Manius! Gaius! Decimus!! Holt uns raus, bei den Göttern!!", es wurde langsam schwierig - und immer kälter- mich und Rufus an der Wasseroberfläche zu halten. Erst ließ ich ihn reintragen. Einer zog Rufus rauf, während die anderen Zwei das Gleichgewicht hielten, und dafür sorgten, dass das Boot während des hinauftragens nicht umkippte. Dann konnte auch ich endlich hinaufgezogen werden. Mit einem kräftigem Schwung fand ich mich schon bald in der Nussschale wieder. Da lag ich nun im Boot, fast bei lebendigem Leibe erfrohren. Zitternd und bibbernd zog ich mir meinen warmen Umhang um und setzte mich auf die rechte Seite, so dass wir das Gleichgewicht halten konnten. Rufus lag in der Mitte und wir konnten langsam weiter paddeln. Rufus´ Gesicht schaute mit geschlossenen Augen in Richtung Himmel. Diese Flussüberquerung war das reinste Chaos. Und bereite Sorgen, dass jemand wieder umkippen könnte, und diese Legionäre in ihrer Verzweiflung versuchen würden, in unser ohnehin schon volles Boot zu steigen. Dann würden wir alle wieder schwimmen dürfen. Ohne uns von diesem Gedanken einschüchtern zu lassen, paddelten wir langsam weiter. Mein Herz klopfte zwar immernoch und ich zitterte, aber das würde sicher bald wieder gut werden. Ich schnappte wieder meine Ausrüstung und Rüstung und konnte langsam wieder weiter paddeln.
    "Ich wusste ich würde es bereuen, aber ich konnte eben nicht anders..."

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