[officium turmae] decurio Titus Decimus Cursor

  • Die Stirne runzelnd sah der decurio seinen Neuen an.


    "Eine Reitausbildung für die Legion hast du noch nicht mitgemacht.
    So, so ...
    Das hört sich ja fast so an, als hättest du bereits eine Reitausbildung hinter dir. Wenn dem so ist, erzähl` mal. Vielleicht erübrigen sich dann Teile der Ausbildung und wir sparen Zeit. Und ... "


    er forschte weiter,


    "warum fragst du nach einem ausgebildeten Pferd? Soll ich das dahingehend verstehen, daß sich deine Fähigkeiten nicht nur auf das Reiten, sagen wir mal beschränken, sondern du auch in der Lage bist, Pferde auszubilden und junge Pferde zuzureiten?"


    Gespannt wartete er auf die Antworten.

  • Mit Vorsicht musste Antias an die Erklärung gehen. Sein thrakisches zu Hause entsprach einer römischen Villa Rustica. Er hatte ein römische Ansiedlung als Herkunftsort angegeben und vorgegeben auf in einer Villa Rustica gearbeitet zu haben.
    „Ein guter Freund meines verstorbenen Onkels, züchtet Pferde. Ich habe dort in der Villa Rustica gelebt und gearbeitet, bevor ich nach Mantua kam. Ich habe bei ihm Reiten gelernt, die Pferde auf der Weide beaufsichtigt, Fohlen eingefangen und markiert, alles was an Arbeiten nötig war. Naja und mit Reitspielen, die Zeit vertrieben.“ Sein erstes Pferd, eine Stute hatte er unter Aufsicht seines Vaters zugeritten. Später hat er gelegentlich ein Pferd zugeritten, sich aber mehr auf Streitwagengespanne spezialisiert.


    „ Gelegentlich, habe ich das getan, wenn viele Pferde gebraucht wurden. Es hätte sein können, dass zur Zeit kein ausgebildetes frei ist und ich warten muss. Deshalb habe ich gefragt.“ Antias würde sich auch fürs erste mit einem Packpferd anfreunden.

  • Aber der decurio wollte von seinem neuen eques noch mehr erfahren.


    "Ich sehe schon, du hast bereits ein gewisses Reiterleben hinter dir. Es scheint mir, daß ich in deinem Fall die Ausbildung abändern kann und wir uns mehr mit der Praxis beschäftigen können."


    Er wiegte bedächtig sein Haupt.


    "Aber wie war das mit dem Freund deines Onkels? Du hast bei ihm das Reiten gelernt. Das Reiten erstreckt sich bekanntlich auf drei Gebiete: auf das Erlernen von Sitz, Gefühl und von Einwirkungen. Von diesen kann man nicht das eine onder das andere als das wichtigste bezeichnen, weil sie alle drei untrennbar miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Somit kann man auch nicht etwa zunächst einen guten Sitz erlernen und danach unabhängig davon alles andere.


    Soviel erst einmal zum Thema Reiten. Doch war dieser Freund bei der Armee und konnte von daher das Reiten, so wie ich es dir zu erklären versuchte oder war das nur ein Reiten nach dem Motto >ich setze mich drauf und los geht`s>?"


    Und wieder wartete er gespannt auf die Antwort.

  • Sie züchteten Pferde seit mindestens 2 Generationen, was dachte der Decurio, so hopp la hopp auf ein Pferd. Als Berittener brauchte man freie Hand. Schild und Schwert hielten sich nicht von alleine. Das Pferd und der Reiter mussten eins sein, dazu gehörte Vertrauen und Verstehen. Das konnte er ihm nicht erzählen, er musste bei der Geschichte, Hilfe bei den Pferden bleiben.
    " Er hat es mir richtig beigebracht. Zum Arbeiten mit dem Pferd braucht man freie Hände. Ein Seil , eine Stange oder eine Fackel halten sich schlecht mit den Händen am Zügel."
    Er hatte es von seinem Vater richtig gelernt, er wollte zur Reiterei. Das hatte Antias letzten Endes auch geschafft.

  • "Das ist richtig,"


    bestätigte der decurio,


    "zum Arbeiten zunächst einmal am und erst dann mit dem Pferd braucht man mitunter freie Hände. Dann muß jedoch der Reiter in der Lage sein, sein Pferd nur mit dem Rückgrat und den Schenkeln zu führen. Aber du hast meine Frage nicht beantwortet."


    Auf der Stirn des decurio bildeten sich einige Falten. Er war es gewohnt auf klar gestellte Frage ebensolche Antworten zu erhalten und nicht mit ablenkenden Ausflüchten abgespeist zu werden. Warum wollte ihn der eques hinhalten?


    "Noch einmal! War der Freund deines Onkels bei der Armee und vielleicht sogar eques? Ich höre."

  • Antias zuckte mit den Schultern. " Hat er nie erwähnt. Er züchtet in zweiter Generation Pferde. Ist schon möglich." Ein Krieger der im Notfall nicht beide Hände vom Zügel nehmen konnte, lebte gefährlich. Antias wusste darum, es hatte ihm trotzdem nichts genutzt. Umzingelt hatte sie keine Chance. Er schüttelte die Bilder ab. Das wollte er nie wieder erleben.
    Ein Moment der Zweifel. Wirklich wieder die Reiterei? Es schien sein Schicksal zu sein.

  • "Dann lassen wir`s dabei,"


    obwohl Reiten und Züchten nichts miteinander zu tun haben mußten und er somit eine andere Antwort erwartet hatte verzog der decurio keine Miene.


    "Bevor wir uns auf dem campus der praktischen Ausbildung widmen, wie sieht es mit deinem Allgemeinwissen über die Reiterei in der legio aus? Was wurde dir in der Grundausbildung beigebracht? Was kannst du mir in ein paar Sätzen über die Reiterei sagen?"


    Er hatte nicht vor, seinem Neuzugang allzu viel Theorie dazuverlangen. Er legte auf die Praxis den größeren Wert.

  • Der Decurio war sehr wissbegierig und Antias zum Nachdenken angehalten. " Mmhhhh...30 Eques und das mal 4 ....120 Eques aufgeteilt auf 4 Turmae gehören zu einer Legion. Sie werden vorwiegend als Meldereiter und für die Aufklärung eingesetzt. In der Schlacht können sie als Flankenschutz eingesetzt werden. " viel mehr wusste er nicht. Außerdem war Theorie grausam für Antias. " Die Ränge sind Eques, Vexillarius und Decurio."

  • "Na ja, das ist zwar nicht viel, aber schon etwas,"


    meinte der decurio mit einem Unterton von Ironie,


    "alles Weitere werden wir uns auf dem campus zu Gemüte führen. Wie werden dort Theorie und Praxis miteinander verbinden und du wirst dann beweisen müssen, was das mit deinen Vorkenntnissen auf sich hat und wie weit diese verwendbar sind.


    Den Rest des Tages hast du frei. Morgen früh zur zweiten Stunde auf dem campus, abi!"

  • " Zur zweiten Stunde." Wiederholte Antias. " Ja, Decurio." Er strahlte. Den Rest des Tages frei. Für einen Besuch zu Hause reichte es nicht mehr, für einen Besuch in der Therme auf alle Fälle. Er grüßte und verließ das Officium.

  • Er hatte diese Arbeit lange hinausgezögert. Die Realität war schon bitter genug, wozu nun, er fand es wie einen Hohn, die schriftliche Bestätigung.


    Der decurio nahm die Bestandsmeldung seiner turma zur Hand und strich langsam, gerade so, als ob er es immer noch nicht wahrhaben wollte, die Namen der equites, die vor dem Feind geblieben waren.



    Bestandsmeldung turma prima









    Stand : PRIDIE ID MAI DCCCLXII A.U.C. (14.05.2012/109 n.Chr.)
    iussu
    Titus Decimus Cursor
    decurio



    Er hatte den dritten Teil seiner turma verloren. Seine Neuen hatte sich tapfer geschlagen, doch ohne Ausbildung hatten sie keine Chance. Wie dem auch sei! Es mußte weitergehen, und dazu brauchte Ersatz. Und für den wollte er beim praefectus castrorum vorsprechen.

  • Ein namenloser Mitarbeiter des Kommandostabes kam eines Tages zu dem decurio, klopfte, trat ein, salutierte und überbrachte die folgende Meldung:
    "Salve decurio,
    du sollst heute abend nach Beendigung des Tagesgeschäfts den praefectus Iulius in seinem officium aufsuchen!"

    damit war die Arbeit des Boten schon getan, der, während er auf die Erlaubnis wartete wegzutreten, noch feststellte, dass jene Meldung wohl implizierte, dass das Tagesgeschäft im Kommandostab länger ging, als jenes im Kommandostab. Nun, seit der Iulius den Befehl dort an sich gerissen hatte mochte das stimmen. Die Sekretäre wünschten sich zum Teil einen neuen senatorischen tribunus. Denen konnte man leichter ein X für ein V vormachen.

  • Der decurio überging geflissentlich das unaufgeforderte Eintreten des Boten, sah diesen aber trotzdem mißbilligend an.


    "Richte dem praefectus aus, daß ich kommen werde,"


    meinte er dennoch freundlich,


    "abi!"


    Er ging zu seinem Schreibtisch zurück und widmete sich abermals der Bestandsmeldung seiner turma, die er aktualisiert hatte.

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