Unerwarteter Besuch in stürmischen Zeiten

  • Von dem Besuch Calvenas erfuhr sie in dem Moment, als sie beinahe über ihren Bruder und Rufus stolperte. Als sie ins Atrium kam sah sie mit einiger Verwunderung wie sich die beiden Jungs gerade balgten und der eine dem anderen eine blutige Nase verpasste. Dort wo sich Vic zuvor versteckt hatte, lehnte nun sie an der Säule und sah den beiden zu, wie sie da auf dem Boden herum rollten. Aber als Blut floss, hörte das wilde Spiel der Beiden auf. Irgendwie fand sie es spannend den Beiden bei ihrem Kräftemessen zuzusehen. Da sie sich nicht einmischen wollte, hielt sie sich zurück, sonst hätte sie laut ihren kleinen Bruder angefeuert. Irgendwie hatte er ja dann auch gewonnen, die blutige Nase hatte Rufus, nicht Vic. Das machte sie Stolz.


    „Wir wäre es, wenn du dir das Blut aus dem Gesicht wäscht … sonst gibt es nachher Ärger“, riet sie dann, als die Jungs nun auf dem Boden saßen und so etwas wie einen kurzzeitigen Waffenstillstand schlossen. Bestimmt hatten sie nicht bemerkt, dass sie die ganze Zeit über beobachtet worden waren. Noch immer lehnte Sabina gegen eine Säule. Leise grinste sie vor sich hin.

  • Rufus fing an sich zu schämen, als Victorius ihm bestätigte was er lieber nicht gehört hätte. Er war also auch ein Blödmann. Victorius schien überrascht zu sein, dass Rufus ihn gefragt hatte und schien nun auch selber nachzudenken und vielleicht würde auch er erkennen, wie doof er doch war.
    Schließlich kam auch für Rufus ein wenig überraschend die Einsicht bei Victorius, auch wenn der es wohl nicht wahr haben wollte. Und ob er auch blöd war. Kurz überlegte er, ob er es ihm noch einmal bestätigen sollte, aber er entschied sich dagegen. Am Ende würden sie sich ja doch nur wieder hauen. Kurz übte er sich im Schweigen und dachte bereits darüber nach, ob er sich vielleicht entschuldigen sollte, weil er Victorius Tunika zerrissen hatte und wollte das gerade auch tun, als Victorius große Schwester ankam und störte. Rufus wusste nicht ob er Sabina mochte oder nicht und blickte sie daher etwas misstrauisch an. Es war doof, dass sie jetzt kam und das Kräftegleichgewicht zu seinem Nachteil veränderte. Wahrscheinlich würde Victorius das zum Anlass nehmen und wieder anfangen ihn zu ärgern. Ausserdem würde sie bestimmt auch für Victorius Partei ergreifen, sollte es Ärger geben. Dann wäre er der Böse, der bestraft würde. Dennoch, er hörte sich an, was sie von sich gab.
    Er sollte sich das Blut abwaschen? Ja, das war eine gute Idee und auch ein Vorwand dieser Situation hier zu entfliehen. Langsam stand er auf und schlurfte schweigend und etwas beschämt zum Impluvium vor dessen Rand er schließlich niederkniete. Dabei kehrte er Sabina und Victorius den Rücken zu und versuchte zu vergessen, dass sie da waren. Er wollte jetzt am Liebsten allein sein. Langsam fing er dann an sich das Gesicht mit dem kalten Wasser zu waschen und das Blut weg zu spülen. Das Wasser fühlte sich gut an und sorgte auch dafür, dass die Nase aufhörte zu bluten.

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    Victorius
    Die beiden Jungen schauten sich schweigend an. Man konnte geradezu sehen, wie Rufus nachdachte. Gerne hätte Victorius seine Gedanken gewusst. Er selbst nahm sich vor, etwas netter zu dem Vetter zu sein. Nur zur Probe natürlich. Wenn der ihm wieder so blöd kam, dann war es vorbei damit, dann konnte der sehen, wo er bleibt. Jawohl.


    Der Gedanke war noch nicht zuende gedacht, da tauchte hinter einer Säule plötzlich Sabina auf. Victorius verzog das Gesicht. Es war nicht so, dass er seine Schwester nicht mochte. Sie spielte oft mit ihren jüngeren Geschwistern oder las ihnen etwas vor. Das war immer sehr schön. Aber oft genug ließ sie den kleinen Bruder spüren, dass sie älter und vor allem stärker war als er. Das war dann total doof. Und jetzt, jetzt störte sie einfach. Denn jetzt musste er wieder aufpassen, was er sagte und tat. „Salve, Sabina“, meinte er ein wenig ungnädig, ohne Rufus aus den Augen zu lassen, der nun zum Impluvium ging und sich kurzerhand dort wusch. Ob das Wasser im Becken jetzt rosa wurde? Er reckte den Hals ein wenig, um es zu sehen, konnte es aber nicht richtig erkennen. „Hat Mama Dich geschickt?“, fragte der Junge seine große Schwester.

  • Anscheinend störte sie. Sogar ganz gewaltig, wenn sie die Blicke der Jungen richtig deutete. Rufus wirkte ganz geknickt und Vic verdächtigte sie direkt, dass sie geschickt worden war um nach ihnen zu sehen. „Nein, Serrana schickt mich nicht. Ich wollt mir eigentlich nur kandierte Früchte holen … wollt ihr auch welche?“ fragte Sabina und sah von einem zum anderen. So ein bisschen wollte sie die Beiden bestechen, damit die Jungs sie nicht so finster anschauten. Schließlich hatte sie nichts Böses im Sinn. Schließlich war sie über die Beiden mehr oder weniger gestolpert. Im Atrium hatten sie sich ja gerangelt. Früher oder später hätte man sie dabei entdeckt und dann wohl auch eingemischt.
    Rufus versuchte sich derweil das Blut aus dem Gesicht zu waschen, was ihm nur mäßig gelang. Das er verloren hatte, schien ihm ganz schön zuzusetzen. Armer kleiner Bursche. Vorsichtig machte sie einen Schritt auf ihn zu. Jungen waren ja meistens ganz schön stolz und wollten in der Regel keine Hilfe von anderen. Aber sie konnte es ja mal versuchen. „Zeig doch mal her“, schlug sie vor. "Sieht bestimmt nur schlimmer aus, wie es ist!"

  • Rufus wollte nur seine Ruhe haben und das Erlebte erst einmal verdauen. Er hatte beinahe gegen Victorius verloren und eine Verwundung davon getragen. Und was noch wichtiger für ihn war, war die Tatsache, dass er auch durch seinen Habitus daran Schuld hatte, dass er und Victorius sich nicht mochten. Jeder von ihnen Beiden wusste nun, dass jeder ebenso Schuld hatte. Die Ruhe rief ihm schließlich noch etwas in Erinnerung, nämlich dass er ja eigentlich bockig war. Schlagartig schlug seine Stimmung um und seine Wut über die Situation kehrte wieder. Er wollte nicht hier sein und alles war doof hier. Schuld daran war nun nicht mehr Victorius allein, sondern auch eine gehörige Portion Trotz. Seine Mutter hatte gegen seinen Willen gehandelt und das fand er doof. Folglich war die Folge daraus auch doof, oder so etwas.
    Seine Ruhe währte nicht lange, weil es schlichtweg keinen Rückzugsort für ihn gab. Sabina kam und wollte sich seine Nase ansehen. Das wollte er nicht. Zum einen aus Stolz und Eitelkeit, er war schließlich ein Junge, kannte keinen Schmerz und seine Verwundung war ja auch nicht der Rede wert, zum anderen aus seiner Bockigkeit heraus. Dementsprechend energisch wehrte er Sabina Versuch ab. "Lass mich doch in Ruhe!", fuhr er sie an und zeigte ihr die kalte Schulter. Sie sollte ja wegbleiben. Er wollte weg von hier. Und ausserdem: Hätte er etwas von ihr gewollt, dann hätte er sie darum gebeten. Jawohl!

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    Victorius


    Was wollte sie dann, wenn Mama sie nicht schickte? Victorius konnte sich nicht vorstellen, dass seine Schwester einfach so Interesse an den beiden Jungen hatte. An Vina vielleicht noch, aber an ihnen beiden? Kandierte Früchte klang natürlich verlockend. „Wo gibt’s denn kandierte Früchte? Kann doch keiner raus?“ Das Misstrauen war deutlich zu hören. Aber gleichzeitig war es eine große Versuchung, schließlich gab es nicht oft kandierte Früchte.


    Dass Rufus sich von ihr nicht gerne helfen ließ, konnte Victorius sogar verstehen. Sie waren doch keine Säuglinge mehr! Auf keinen Fall sollte sie sich unterstehen, an seiner Tunika herum zu fummeln. Es war doch sowieso keine von den neuen. Und irgendeine Sklavin würde den Riss schon nähen. Nichts Schlimmes also. Solange Mama es nicht sah. Oder Papa.


    Rufus schaute schon wieder total finster. Victorius verdrehte die Augen. Wollte der jetzt den ganzen Tag so gucken und nix machen? „Sag mal, Sabina, weißt Du, warum wir nicht nach draußen dürfen? Calvena und Rufus sind doch auch hergelaufen, warum können wir dann nicht raus? Das ist total langweilig. Hier muss man immer so doof aufpassen, nichts kaputt zu machen.“ Was oft im Eifer des Spiels in Vergessenheit geriet. „Nicht mal richtig rennen kann man hier.“ Ein lustiges Fangen oder Verstecken konnte man vielleicht sogar mit Rufus aushalten. Der kleine Germanicus schaute zu seinem Vetter, um zu sehen, ob der sich wirklich für gar nichts interessierte.

  • „In der Küche! Ich hab dort welche Verstecken lassen“, weihte sie ihren Bruder mit einem verschwörerischen Lächeln ein. „Aber verrat das nicht Laevina, die würde uns das nicht gönnen“, zwinkerte sie ihm noch zu. Vic konnte ja durchaus Geheimnisse für sich behalten, besonders wenn sie dann mit ihm teilte. Außerdem ließ er sich mit den kandierten Früchten locken.
    Rufus war bockig. „Wie du meinst“, meinte sie schlicht und rollte mit den Augen. Jungs! Die waren immer so stur. Wenn Rufus nicht wollte, dass man ihm half, dann musste er eben allein zurechtkommen. Sabina zuckte mit den Schultern.


    Warum sie nicht das Haus verlassen durften, wusste sie. Sie fand es auch nicht so toll den lieben langen Tag im Haus eingesperrt zu sein. Viel lieber hätte sie sich mit ihren Freunden getroffen, anstatt auf ihrem Zimmer zu hocken und zu lesen oder irgendwelche Handarbeiten zu machen. Die Frage war nur, ob sie ihrem jüngeren Bruder das erklären sollte. „Naja … ich weiß das schon …“ Puh! Wie sollte sie ihm das nur erklären. „Naja Calvena ist erwachsen und fällt ihre eigenen Entscheidungen und wenn sie uns mit Rufus besuchen möchte, dann darf sie das auch. Du weißt schon, dass ist wieder so ne Sache zwischen erwachsenen. Uns wird etwas verboten und sie dürfen tun was sie wollen“, sie zog eine kleine unzufriedene Grimasse. Vic würde schon wissen was sie meinte. Er fand ja so etwas auch ungerecht. „Der Grund warum wir nicht raus dürfen ist, dass man über Rom einen Notstand verhängt hat. Und ganz viele Soldaten auf den Straßen sind, die die Leute nach Hause schicken … Stimmt doch, Rufus? Ihr seid doch sicherlich Soldaten begegnet?“ versuchte sie ihren kleinen Vetter aus der Reserve zu locken. "Dein Vater ist sicherlich auch auf den Straßen und sorgt für Ordnung! Hast du ihn gesehen?"

  • Irgendwann beschloss er schließlich, dass er sauber genug war und trocknete sich die Hände an seiner Tunika ab, die wieder etwas dreckiger wurde. Danach ließ er sich neben dem Impluvium auf den Boden nieder, lehnte sich an den Rand und verschränkte die Arme. Noch immer ignorierte er Victorius und versuchte es jedenfalls bei Sabina. Die Beiden konnten ihm doch gestohlen bleiben mit ihren doofen kandierten Früchten. Er war nicht freiwillig hier und wollte auch nicht ihre Gesellschaft, dennoch zwängten sie sich ihm auf. Erst beleidigte ihn Victorius und nun bemutterte ihn Sabina. Das war doch doof und sorgte bei ihm auch nicht für bessere Laune.
    Ein klein wenig war er allerdings auch neidisch auf die Beiden. Victorius hatte eine tolle Schwester, die auch mal für ihn Partei ergriff, während er ganz allein war. Er hatte nur Sontje. Irgendwie wünschte er sich auch so eine Schwester. Das Ganze ließ ihn gleich noch ein wenig schlechter gelaunt werden und seine Züge verfinsterten sich zusehens. Beleidigt linste er dann doch mal kurz zu Victorius und kreuzte kurz dessen Blick. Etwas erschrocken blickte er schnell wieder woanders hin.
    „Ich habe meinen Papa seit Wochen nicht mehr gesehen“, kam dann irgendwann eine Antwort von ihm. Vielleicht würde Sabina ihn ja in Ruhe lassen, wenn sie wusste was sie wollte. Wie vorhin auch fuhr er sie dabei ein wenig an, um sie weg zu ekeln. Er wollte jetzt einfach allein sein. „Lass mich jetzt in Ruhe!“ Wütend holte er aus und schlug mit der Hand ins Wasser des Impluviums und spritzte dabei Sabina voll. Das machte dann doch ein wenig Spaß, so dass seine finstere Miene kurz einem frechen Grinsen wich.

  • Der Weg vom Cubiculum ihrer Eltern zum Atrium war nicht weit und als wenn sie sich alle versteckt hätten, war ihr bis dahin auch kein Sklave über den Weg gelaufen. Oder hatte sie ihn oder sie womöglich übersehen? Als Laevina minor das Atrium erreichte, erblickte sie gleich ihren Bruder Vic und ihre um einige Jahre ältere Schwester Sabina. Wie es schien war Rufus auch zu Besuch. 'Oh fein, dann können wir alle zusammen spielen!' freute sich Vina bereits. Ob Rufus mit ihr Hochzeit spielen würde? Voller Vorfreude ging sie auf den Vetter zu, der aus irgend einem Grund vor dem Impluvium saß. „Salve Rufus.“ begrüsste sie ihn artig und noch immer mit dem Seidentuch als Schleier über dem Kopf, so dass er ihr erfreutes Grinsen nicht sehen konnte. „Spielst du mit mir Hochzeit?“ schoss sie sofort die Frage hinterher, die ihr untern den Nägeln brannte. Nicht alle Jungs mussten so doof sein wie ihr Bruder und hatten keine Lust mit ihr zu spielen.

  • Sie hatte welche in der Küche verstecken lassen? Ungläubig blickte Victorius seine große Schwester an. Er kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe herum, denn er vermutete, dass sie log, um ihn zur irgendwas zu überreden, was nachher Ärger einbrachte. Andererseits war Rufus auch dabei. Würde sie lügen, wenn jemand anderer es hörte? Unwahrscheinlich. Auch wenn es sich nur um ein Kind handelte. Also nickte er schließlich. „Ich verrate nix.“ Ohja, er konnte Geheimnisse für sich behalten. Wenn er wollte.


    Sein Blick kreuzte sich kurz mit dem von Rufus. Für einen Augenblick hatte Victorius sogar eine böse Bemerkung auf den Lippen, als der Quintilier sagte, er habe seinen Vater schon seit Wochen nicht gesehen. Doch dann schluckte er sie doch runter. Er würde seinen Vater nicht wochenlang entbehren wollen. Aber Mitleid zeigen? Nein, niemals! Außerdem würde Rufus ihn dafür nur noch mehr hassen. Mit Recht auch noch. Als Rufus dann mit Wasser nach Sabina spritzte, kicherte Victorius und schlug sich schnell die Hand vor den Mund, damit Sabina nicht beleidigt war. Sie brachte es fertig, ihn aus Rache in das Impluvium hinein zu werfen. Wäre nicht das erste mal.


    Jetzt erschien auch noch Vina im Atrium, die reinste Familienversammlung hier. Victorius verdrehte die Augen. Natürlich fing sie gleich wieder mit der doofen Hochzeit an. "Ochnö, nicht schon wieder", stöhnte er entnervt und schaute fast schon neugierig zu Rufus. Würde der etwa solche Mädchenspiele mitmachen wollen?

  • Anscheinend wollte Vic ihr nicht so einfach glauben. Da würde ihr kleiner Bruder aber ganz große Augen machen, wenn er sah, dass sie tatsächlich kandierte Früchte hat verstecken lassen. Nach einer ganzen Weile, war er schließlich gewillt dieses kleine Geheimnis für sich zu behalten. Wäre ja noch schöner, wenn sie sich etwas anderes einfallen lassen müsste um die begehrten Süßigkeiten zu verstecken. Außerdem hatte sie vor mit ihm und auch Rufus zu teilen. Nur bekam sie irgendwie keine Gelegenheit ihren süßen Schatz zu holen.
    Denn Rufus war bockig. Genervt rollte sie mit den Augen, da versuchte sie sich ehrlich um ihn zu bemühen und dann stellte er sich quer. Ein bisschen Mitleid bekam sie ja dann mit ihm, als er meinte er habe seinen Vater schon lange nicht mehr gesehen. Sie wusste gar nicht was sie dazu sagen sollte. „Das ist bestimmt doof“, versuchte Sabina es trotzdem. Hätte man ihr nicht verboten das Haus zu verlassen, hätte sie Rufus nun bei der Hand genommen und würde glatt einfach mal Valerian suchen gehen. Doch die Gelegenheit bekam sie nicht, der freche Knirps schien seine Meinung zu ändern und spritzte sie plötzlich nass „EY!“ kurz setzte sie eine grimmige Miene auf. Vic fand das auch witzig. „So nicht“, rief sie lachend aus und begann dann abwechselnd Rufus und Vic nass zu spritzen. Schließlich hatte ihre Bruder schadenfroh gegrinst, das hatte sie gesehen.

    Unterbrochen wurde sie, als Vina dazu kam und spielen wollte. Hochzeit, ausgerechnet das, was Jungs keinen Spaß machte. „Ich weiß ein besseres Spiel!“ sie sah von einem zum anderen.
    „Frieden?“ fragte sie vorher um nicht gleich wieder nass gespritzt zu werden. „Wir spielen Soldat und Prinzessin! Vina ist die Prinzessin und wurde von Barbaren entführt! Ihr Beide müsst sie befreien!" Sabina schnappte sich ihre kleine Schwester die in den Kleidern Serranas steckte und wirbelte sie einmal herum. „Ich hab sie entführt!“ rief Sabina aus. „Ihr müsst mich fangen!“ fragend sah sie in die Runde. Sabina fand ihren Vorschlag gut, so konnten alle miteinander spielen und keiner musste sich langweilen. „Aber ihr müsst mir Zeit geben, mich zu verstecken! Und wenn ihr mich gefunden habt, gibt es kandierte Früchte für alle!“

  • Sabina ließ seinen Angriff nicht auf sich sitzen und spritzte zurück, was Rufus schon bemerkenswert fand. Sie war schließlich nur ein Mädchen und Mädchen machten so etwas nicht. Es kam aber noch besser, denn sie spritze nicht nur ihn voll, sondern auch Victorius. Als den ein Schwall Wasser traf war die schlechte Laune vergessen und Rufus begann zu kichern und spritzte noch einmal, allerdings in Richtung Sabina. Gegen Victorius hatte er heute schon einmal gekämpft und nicht sonderlich Lust noch einmal die Muskeln spielen zu lassen. Auch wenn es letztlich nur Sabina war, die er nass spritzte, machte es dennoch ein Heidenspaß und er hätte nur zu gerne weiter gemacht, aber es musste ja so kommen wie es kam. Laevina tauchte auch noch auf und Victorius und seine Geschwister standen vollständig vor ihm.
    Jedenfalls hatte auch Sabina ihre Schwester bemerkt und bettelte um Frieden. Rufus als gnädiger Kämpfer nahm diesen dann auch an, bevor er auch noch total durchgeweicht war. „Na gut, Frieden!“, meinte er und sank kichernd am Rand des Impluviums zu Boden und atmete erst einmal durch. Das ganze Gespritzte hatte ihn ganz schon außer Puste gebracht.
    „Salve Laevina.“, begrüßte er seine Base und hörte sich wenig begeistert an, was sie wollte. Sie war ein Mädchen und Mädchen waren doof. Was sie wollte war auch doof, so doof, dass er sogar lieber mit Victorius gespielt hätte. Hochzeit wollte sie spielen. „Ähhh nein, das geht nicht, weil ich schon mit Victorius etwas spielen wollte. Ein Spiel für Jungs, also das nur Jungs spielen.“, redete er sich heraus und hoffte, dass Laevina darauf hereinfallen würde. „Ist doch so oder Victorius?“, fragte er dann noch seinen Vetter und blickte ihn bettelnd an. Er hoffte, dass ihm das Hochzeitspielen auch zu wider war und er mitspielen würde.
    Dann machte Sabina allerdings einen Vorschlag, der das Ganze sinnlos werden ließ. Sie schlug ein gemeinsames Spiel vor, dass er nicht ganz verstand. Er sollte mit Victorius Soldat sein, während Laevina irgendwelches doofes Mädchenzeug machen sollte. Dann sollten sie aber auch Sabina fangen.
    Etwas verwirrt sprang Rufus auf. Das war ihm zu kompliziert. „Nein! Zuerst fängst du mich!“, rief er kurzerhand und machte sich so schnell er konnte aus dem Staub. Er wusste nicht wie schnell Victorius war und er wollte nicht schon wieder verlieren. Das der mitmachen würde war irgendwie klar, denn Hochzeit würde er bestimmt nicht spielen wollen.
    An der Tür angekommen stoppte er dann, denn er hörte, dass dort etwas vor sich ging. Etwas, das interessant zu sein schien.

  • Schon war die blutige Nase vergessen, nun konnte ihr kleiner Vetter doch noch lachen. Wohl auch, weil sie keinen Unterschied machte, sondern auch Victorius mit nass spritzte. Nur das Klein-Laevina dazu kam, drückte die Stimmung kurz. Die beiden Jungs suchten auch nach ausreden um nicht Hochzeit spielen zu müssen.
    Wie gut dass Sabina ein Spiel fand, welches ihnen allen Spaß machen würde. Nur das Rufus derjenige war, der gefangen werden wollte. Sabina war es recht, ihr war es wichtiger, dass sich niemand ausgeschlossen fühlte. Es war total doof, wenn man nicht mitmachen durfte. „Wie du willst! Du bekommst einen Vorsprung! Ich zähl bis fünf! Eins! Zwei! Drei! Vier! Fünf! Wir kommen!“ rief sie und gab dem kleinen Quintilier die Gelegenheit sich ein versteck zu suchen. „Vic, Vina! Los Rufus suchen gehen!“ forderte sie ihre beiden jüngeren Geschwister auf.

  • Von der Porta kommend betrat die kleine Gruppe das Atrium und kam sogleich in den Riesentrubel hinein. Die Kinder schienen ja einen Riesenspaß zu haben. Mal abgesehen von Rufus, der ausgesprochen bockig zu sein schien. Staunend erkannte Valerian, wie groß Sabina geworden war. Fast schon eine junge Frau! Er war zu lange nicht mehr hier gewesen. Zumindest nicht zu Zeiten, in denen er dem Mädchen begegnet wäre. Die Zwillinge waren sichtlich quirlig wie sein eigener Sohn auch.


    "Annaeus", sprach er seinen Tiro an, "dieser Trubelhaufen ist meine Familie beziehungsweise die Familie meiner Frau. Ich hoffe, Du siehst uns diesen Trubel nach." Er lächelte, denn eigentlich war er sehr stolz auf die Lebhaftigkeit der Seinen.


    Seinen Sohn hatte er keinesfalls vergessen, er beugte sich zu dem bockigen Kind herunter und schaute ihn ernst an. "Nun zu Dir, junger Mann. Also, was ist los mit Dir? Und wo ist Deine Mutter?" Er legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes und drückte sie leicht. Das Blut schien wirklich nicht weiter der Rede wert zu sein. Etwas Nasenbluten, das passierte schnell bei einer Rangelei. Wie man bei Victorius sehen konnte, war er wohl der Gegenpart gewesen, denn auch seine Kleidung war von ein bißchen Blut verziert und wies einen Riß auf.

  • Ehe er sich versah stand er schon wieder im Atrium. Wieder gegen seinen Willen und wieder schlecht gelaunt und bockig. Diesesmal war es allerdings nicht mehr Mama, die Schuld an seiner schlechten Stimmung hatte, sondern sein uneinsichtiger Papa. Warum konnte der denn nicht sehen, dass Rufus mehr als ein blödes durchs Haar wuscheln wollte? Vor allem wenn man an die lange Zeit dachte, die er von seinem Vater getrennt war. Er wollte seinen Papa auch einmal für sich haben. Oder dass er wenigstens im Ansatz versuchte wieder gut zu machen, dass er nicht da war, und wenn es nur tröstende Worte waren.
    Und wieder verlangte sein Vater von ihm Antworten. Und wieder schwieg Rufus und blickte seinem Vater stattdessen stolz und entschlossen direkt in die Augen. Mittlerweile war es für ihn eine Frage des Stolzes und der Ehre geworden. Sein Vater sollte erkennen, dass er nicht erwarten brauchte einfach seine Achtung und Zuneigung zu bekommen, wenn er denn mal ankam und sie einforderte. Er sollte sie sich verdienen. Und ihm eine Antwort zu geben war für Rufus eine Art Achtung. So einfach würde sich Rufus nicht geschlagen geben.

  • Das hätte Victorius auch gewundert, wenn Rufus sich auf das Hochzeitsspiel von Vina eingelassen hätte. Vor allem, da er sich bestimmt denken konnte, dass Victorius ihn für den Rest ihres Lebens damit aufgezogen hätte. Als Sabina ihn bespritzte, quietschte Victorius erschrocken auf und wollte sich schon auf die Schwester stürzen. Aber dann machte sie einen tollen Vorschlag. Das Wasser war vollkommen vergessen, die paar Spritzer waren schließlich auch nicht der Rede wert. Rufus zu jagen, war deutlich besser! Sabinas Aufforderung folgend stürzte Victorius los. Allerdings wurde nicht viel aus dem Spiel, denn Rufus, der zuerst wie von Furien gejagt davonrannte, unterbrach das Spiel. Victorius hatte gesehen, wie er sich zur Tür wandte, weil da etwas los war. Als dann zuerst Urgroßmutter hereinstürmte und ohne jemanden zu beachten davon rauschte und schließlich die beiden Soldaten hereinkamen, war auch für Victorius das Spiel vergessen. Echte Soldaten! Das eine war Rufus' Vater, den erkannte Victorius gleich. Ein Centurio! „Salvete“, grüßte der junge Germanicer höflich und strahlte Valerian an. „Onkel Valerian! Du warst aber schon lange nicht mehr da!“ Das klang nicht mal wie ein Vorwurf. Der Junge freute sich einfach, dass der bewunderte Onkel da war. Die Bockigkeit von Rufus konnte Victorius so gar nicht verstehen. Eben hatte er sich seinen Vater doch noch herbeigesehnt?


    Da Valerian sich leider mehr für seinen Sohn als für seinen Neffen interessierte, schaute sich Victorius den anderen Soldaten an. Ein junger Mann. Kein Centurio, das konnte man gleich sehen, aber immerhin ein echter, richtiger, starker Soldat mit Rüstung und Schwert. Das war doch fast so gut wie ein Centurio. „Salve! Wer bist Du denn?“ Neugierig fragte er den ihm unbekannten Annaeus.

  • So wirklich zum spielen kamen sie nicht, die Aufruhr an der porta unterbrach sie. Ihr kleiner Vetter vergaß direkt, dass sie miteinander hatten spielen wollen, stattdessen verschwand er in Richtung Tür um zu schauen, was da los war. Auch sie lugte neugierig um die Ecke, doch erst einmal rauschte ihre Großtante mit einer Gewittermiene an ihnen vorbei. Verdutzt sah sie dieser nach. Nur zu gern hätte sie gewusst, was Laevina dermaßen die Laune verhagelt hatte. Noch seltsamer war, dass ihr Quadrata nicht folgte.


    Einen Moment später stand dann auch schon Valerian im Atrium, den kleinen Rufus vor sich herschiebend. Rufus zog ein ähnliches Gesicht wie Laevina. „Salve Valerian! Was machst du denn hier? Du hast doch nicht etwa Laevina nach Hause begleitet?“ zählte sie eins und eins zusammen. Das würde die Laune ihrer Großtante erklären. „Salve!“, grüßte sie die Begleitung des Centurios. Kurz musterte sie den Soldaten. Dieser machte einen ganz schön stattlichen Eindruck in seiner Uniform. Sie lächelte ihm zu.


    „Ich würde mal vermuten irgendwo mit Serrana im Haus“, mischte sie sich dann in das Vater-Sohn-Gespräch an. „Garten, Tablinum, Oben vielleicht …“, riet sie. „Sitzen vermutlich zusammen und tratschen“, schmunzelte Sabina. War für sie das Naheliegenste. Schließlich tat sie das selbe mit ihren Freundinnen.

  • Milo folgte seinem Centurio ins Atrium. Dort angekommen konnte er nun die Ursache des Trubels erkennen, den er an der Tür schon mitbekommen hatte. Das Haus war voller Kinder, die gerade dabei waren zu spielen. Milo mochte Kinder und er musste unwillkürlich lächeln. Der Quintilier wandte sich kurz an Milo, worauf dieser mit einem kurzen Nicken bestätigte, dass er verstanden hatte. "Centurio Quintilius, es freut mich deine Familie kennen zu lernen. So viele Kinder im Haus sind eine unglaubliche Belebung für das alltägliche Leben. Der Trubel macht mir überhaupt nichts aus." Irgendwann wollte Milo selbst Kinder haben und seine Großfamilie haben. Doch zunächst wollte er seine militärische Karriere weiter verfolgen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Der Centurio widmete sich nun wieder seinem Sohn, der immer noch die Aufmerksamkeit seines Vaters auf sich ziehen wollte und ganz auf diesen fixiert war, auch wenn er etwas trotzig wirkte. Ehe es sich Milo versah kamen schon zwei Kinder auf ihn zu und schienen seine Uniform zu bewundern. "Salvete, Kinder!!!!", wandte er sich lächelnd an sie, "mein Name ist Faustus Annaeus Milo und ich bin Tiro bei den Cohortes Urbanae. Centurio Quintilius ist mein Ausbilder". Er hoffte, dass die Kinder mit dem Namen Centurio Quintilius etwas anfangen konnten, denn bei ihnen wurde er sicher nur Valerian genannt. "Und wer seid ihr?", fragte er dann noch nach.

  • Was war denn nur mit dem Jungen los? Valerian verstand seinen Sohn nicht. Warum schwieg er so beharrlich? „Hast Du Deine Zunge verschluckt oder was ist los?“, fragte er daher kopfschüttelnd und erwiderte dabei den direkten Blick seines Sohnes. „Lucius, ich habe nicht viel Zeit. Willst Du sie wirklich damit verschwenden, daß Du mich anschweigst?“ Sabina beantwortete seine Fragen und er blickte zu ihr herüber. „Danke, Sabina. Sie ist also hier, das beruhigt mich ungemein.“ Er nickte ihr dankbar zu, schaute kurz zu seinem Tiro, der aber ganz gut klar zu kommen schien, und wandte sich dann wieder seinem Sohn zu. „Also, Lucius? Was ist los mit Dir?“

  • Lucius, ich habe nicht viel Zeit., sagte er. Hatte er die denn je? Nein, er hatte nie viel Zeit und verschwenden tat er sie auch nie. Vor allem nicht mit ihm. Immer ging er gleich zu Mama. Auch dass er jetzt nach ihr fragte bewies doch, dass es bestimmt jetzt auch so war.
    Fast hätte Rufus dann doch den Mund aufgemacht, als sein Vater den Blickkontakt erwiederte. Er wirkte leicht böse. Nicht dass er am Ende überhaupt nichts mehr von ihm wissen wollte. Bevor er aber Antwort geben konnte kam ihm Sabina zuvor. Trotzdem schien für seinen Vater die Sache noch nicht abgeschlossen. "Du gehst doch eh gleich wieder...", meinte er endlich ein wenig traurig und schaute zu Boden. "...so wie immer.", beendete er dann leise. Im Grunde war es wirklich immer das Selbe. Sein Vater kam selten und blieb immer nur kurz. So kurz, dass Rufus nur selten einmal Zeit mit ihm verbringen konnte, wenn überhaupt.
    "Du willst immer gleich zu Mama.", warf er dann noch leicht vorwurfsvoll ein. Vielleicht würde sein Vater ja jetzt einmal verstehen, dass Rufus auch einmal Zeit mit ihm verbringen wollte. Aber das lag nicht in seiner Hand und war die Entscheidung seines Vaters. Er musste sich dessen Willen unterwerfen, ob es ihm nun gefiel oder nicht.

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