Die Stille, die auf ihr Geständnis folgte, war grässlich. Sie kroch Lucia wie tausende kleine Ameisen unter die Haut. Mit einem riesigen Klos in der Kehle saß sie da und spürte wie ihr die Tränen über die Wangen liefen. Sie presste die Lippen zusammen und wartete auf den Sturm, der auf diese Ruhe unweigerlich folgen würde.
Zuerst glaubte Lucia sie würde halluzinieren. Ihr Bruder lachte? Ihre Gefühle wichen für den Moment der absoluten Verwirrung, selbst die Tränen versiegten. War er verrückt geworden? Er konnte sich einfach nicht über dieses Arrangement freuen! Oder etwa doch?! Ihr Bruder musste wahrhaft wahnsinnig geworden sein und sie war schuld! Da hockte er sich neben sie und eine eiskalte Faust schloss sich um ihr Herz. Ihr ohnehin schon blasses Gesicht verlor jede Farbe, so dass die Tränenspuren wie auf Marmor zu schimmern schienen. Ihre noch immer glasigen Augen wirkten größer als sie waren und ihre zusammengepressten Lippen schienen ebenso bleich wie das restliche Gesicht werden zu wollen. So schlimm war es also. So schlimm, dass sich Lepidus sicher war, sie würde ihn hereinlegen. Lucia wagte es nicht noch ein weiteres Wort zu sagen, doch ihr erstarrtes Schweigen sprach wohl lauter, als es Worte je gekonnt hätten.

Cubiculum | Lucius Tiberius Lepidus
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Mit viel Witz hätte dieser Abend wohl zu Ende gehen können. Da saß Lepidus nun da und lachte immer noch, erfreut über diese ganze Situation, die doch urkomisch schien, doch so ein Lachen hält sich nicht ewig durch, ganz besonder dann, wenn überhaupt niemand mitlachte. Je länger seine Schwester schwieg, desto leiser wurde die Freude, die Lepidus ausstrahlte, bis auch sein Gesicht sich in der völligen Regungslosigkeit Lucias wieder verfinsterte. "Du hast doch einen Scherz gemacht, richtig?", sprach er dann so ungläubig wie eh und je. "Alles nur ein kleiner Streich, hab ich recht?"
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Im selben Grad wie ihr Bruder stiller wurde, schwand dieses grässliche Schuldgefühl, das sich in Lucias Brust festgesetzt hatte. Ja, sie würde jemanden ehelichen, den ihr Bruder als so unmögliche Wahl sah, dass er es für einen Scherz hielt. Aber sie tat dies ja nicht aus irgendeiner kindischen Schwärmerei heraus. Im Gegenteil! Sie schluckte einen Teil des Kloses in ihrem Hals herunter und richtete sich ein wenig auf. Sie war noch immer blass, wie eine frisch gekalkte Wand, aber sie hatte sich wieder gefangen, als ihr Bruder abermals ungläubig nachfragte. Sie atmete schwer ein und lies die Luft mit einem leisen Seufzen entweichen, ehe sie ihren Rücken komplett durchdrückte und ihrem Bruder fest in die Augen sah. „Nein, ich meine es ernst. Es tut mir wirklich leid, dass ich hier nicht nach deinen Wünschen handele – das tut es wirklich! – aber ich werde Titus Duccius Vala heiraten.“ Ihre Worte klangen fester, als sie es für möglich gehalten hätte, flatterte ihr doch ihr Herz wie ein kleiner Vogel in der Kehle.
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Es hatte lange gedauert Lepidus klar zu machen, was ihm seine Schwester hier tatsächlich erzählen wollte. Doch nach dieser erneuten Bestätigung und der nach wie vor vorhandenen Ernsthaftigkeit seiner Schwester, schien er es nun endgültig begriffen zu haben, zumindest so ungefähr: Denn auch wenn er die Wahrheit ihrer Worte nicht bezweifelte, so glaubte er doch nun gleichsam, dass seine Schwester völlig durchgeknallt war. Lepidus erhob sich sofort wieder, seine Augen weit aufgerissen, lief er durch das Zimmer, wie er das eben so tat. Dass Lucia offensichtlich durch ihre festen Worte hierauch noch die Fassung behielt, machte ihn nur noch wütender. Nein, der Tiberier verlor wahrlich selten die Contenance, doch dass Schwester begriff ganz klar ihre eigenen Worte nicht. So etwas Frevelhaftes konnte er nicht dulden. "Hast du denn völlig den Verstand verloren?! Funktioniert in deinem Kopf überhaupt noch irgendetwas richtig?" Nun war es vorbei mit der lieben geschwisterlichen Rhetorik. Es war schon viel zu spät, als dass er sich so einen Blödsinn geben konnte. Nein, hier musste eindeutig eine Linie gezogen werden. "Duccius Vala heiraten?! Du musst komplett wahnsinnig geworden sein! Weißt du überhaupt wer Duccius Vala ist? Er ist ein gemeiner Homo Novus! Dieser Mann ist doch quasi gerade erst aus einem germanischen Wald entlaufen!!! Von allem, was man hier in Rom finden kann, kommt dieser einem widerlichen Barbaren am nächsten! Und sowas möchtest du heiraten? Oh, Lucia, ich nehme sämtliche Komplimente zurück, die ich dir für dein tadelloses Verhalten in der Gesellschaft gegeben habe, denn eine Frau aus gutem Hause kann es sich nicht leisten in der Art und Weise zu denken!" Nicht, dass er gegen Vala auch nur irgendetwas persönlich gehabt hätte, aber hier ging es um klare Standesgrenzen, um Prinzipien, die sich nicht einfach aufweichen ließen. Er jeder hatte seinen Platz in der Gesellschaft und selbstverständlich sollte sich jeder Tiberier weit über jeden Duccier fühlen. Kopfschüttelnd blickte er auf seine Schwester. Wider erhob er seine Stimme "Schlag dir das sofort aus dem Kopf! Egal, was für romantische Hirngespinste du hegst oder wie nett dir dieser Duccier auch vorkam! Du heiratest auf keinen Fall!"
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Jetzt kam sie endlich, die Reaktion mit der Lucia schon von Anfang an gerechnet hatte. Was sie nicht erwartet hatte war, dass sie selbst wütend wurde. Auf ihren blassen Wangen bildeten sich hektische, rote Flecken und sie erhob sich von ihrem Hocker. Bei dieser schnellen Bewegung schwindelte es ihr, doch sie wollte verdammt sein, wenn sie jetzt wieder auf den Hocker zurückfiel! Mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie die tanzenden Sterne zu vertreiben und wahrte grade so ihre Balance.
„Ich weiß genau wer Duccius Vala ist!“, zischte sie giftig zurück. „Du bist so ein Idiot!“, die liebe geschwisterliche Rhetorik beherrschte sie auch noch ganz gut. Mit verstellter Stimme höhnte sie: „Oh, ich bin der große Lucius Lepidus, seht mich an! Ich bin blind und blöd und ohnehin an allem schuld!“ Jetzt hatte Lucia tatsächlich noch einen Sündenbock für ihre prekäre Lage gefunden und das tat unglaublich gut. Sie trat einen Schritt auf ihren Bruder zu und wollte ihn am liebsten mit den Fäusten gegen die Brust trommeln. Gewalt war halt doch der nächste Weg, wenn einem keine Worte mehr einfallen wollten. -
"ICH? Ich bin an allem schuld? Was hab ich denn damit zu tun? Weil ich dich etwa zum Duccier mitgenommen habe? Du solltest eine gute Gesellschaft sein und dich nicht gleich jedem x-beliebigen an den Hals werfen! Ich konnte ja nicht ahnen, dass man dich nicht einmal vor die Tür lassen kann, ohne dass du gleich mit einem Verlobten zurückkommst!" Für Lepidus war das alles in höchstem Maße lächerlich. Nein, den Schuh brauchte er sich sicherlich nicht anziehen. Lucia wusste wie man sich zu verhalten hatte. Ihre Erziehung sollte es sie gelehrt haben. Und Lepidus hatte sicherlich alles andere getan, als sie irgendjemandem direkt in die Arme zu führen. In dem Maße, wie sie sich ihm näherte, legte er wieder Abstand zwischen sie, auf dass er von ihren furienartigen Ausfällen hoffentlich verschont blieb.
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„Ja, DU!“ Lucia schlug in ihrer Wut blind Richtung Lepidus. Dieser war zum Glück etwas zurückgewichen, so dass ihre Hand nur sinnlos durch die Luft wischte. „Du verstehst aber auch gar nichts!“ Jetzt wollten Lucia tatsächlich schon wieder die Tränen kommen, doch diesmal waren es bittere Zornestränen, die sie störten – mehr als störten. Sie machten sie zusätzlich noch wütend auf sich selbst. Wieso musste sie nur immer weinen!? Ungeduldig wischte sie sich mit dem Unterarm über die Augen und versuchte in der gleichen Bewegung nochmal ihren Bruder irgendwie mit einer nur halb zur Faust geschlossenen Hand zu erwischen. Dass sie ihn wieder verfehlte und sie ihrer verzweifelten Wut dadurch keine Luft machen konnte, trieb sie fast in den Wahnsinn. Warum mussten Männer in solchen Situationen nur immer so … so… Ihr Bruder war so… Er verstand einfach nicht… Sie bekam noch nicht mal ganze Sätze in ihren Gedanken hin geschweige denn gesprochen. Ein unartikulierter, frustrierter Laut entrang sich ihren Lippen, den man am besten mit „Waarrrgh!“ umschreiben konnte. Lucia blieb unvermittelt stehen und stampfte mit dem Fuß auf. Sie musste diesen verfluchten Duccius heiraten, warum verstand Lepidus das nicht und warum machte er es ihr so schwer!? Tobend griff sie nach dem erstbesten, was sie in die Finger bekam, und warf Ovids Metamorphosen nach ihrem Bruder.
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Jetzt warf sie schon mit Schriftrollen um sich. Damit überhaupt nicht rechnend, konnte der Tiberier überhaupt nicht ausweichen und so traf ihn 'Ovid' direkt an die Schulter. "Verdammt nochmal, Lucia! Reiß dich zusammen!" Wie sie schon wieder anfing zu heulen, dabei war eindeutig ER hier das Opfer. Schließlich arbeitete seine Schwester gut daran, ihn hier auch noch den letzten Nerv zu rauben und dabei nicht einmal in verständlichen klaren Sätzen zu sprechen. "Wenn hier einer mit Gegenständen werfen sollte, dann bin ja wohl ich das! Du gehörst eigentlich windelweich geprügelt! Danke lieber meiner ausgeglichenen Natur, dass ich darauf nicht zurückgreife!" Lepidus hatte in der Tat nicht vor sie zu schlagen, auch wenn er körperliche Gewalt prinzipiell für die sinnvollste Methode fand, jemanden zur Besinnung zu bringen, aber das war ja dann doch irgendwie seine Schwester, weshalb seine Skrupel dann doch noch etwas weitreichend waren. "Offensichtlich bist du die einzige, die hier nichts versteht! Denn ich verstehe sehr gut: Du willst unseren guten Namen beschmutzen! Alles, wofür wir Tiberier stehen einem kleinen Germanen in die Hände treiben! Das könnte dir so passen! Ich werde nicht zulassen, dass du den Ruf unserer Familie für deine einfältigen Neigungen aufs Spiel setzt... törichtes Weib!"
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Sie sollte sich zusammenreißen?! ZUSAMMENREIßEN?! „Zusammenreißen!?!“, giftete Lucia und griff nach dem nächstbesten Gegenstand: Ein Sitzkissen folgte dem Ovid. Sie gehörte geprügelt? Das war ja wohl unerhört! „Ausgeglichene Natur, HA!“ Lucia warf theatralisch die Hände in die Luft. Die hektischen, roten Flecken auf ihren Wangen breiteten sich aus und verliehen ihr einen äußerst ungesunden Teint. Sie hatte sich schon lange nicht mehr so aufgeregt, eigentlich sogar nie. Um ehrlich zu sein hatte sie nicht den Hauch einer Ahnung, wie man sich bei so etwas verhielt, damit man nichts tat, was man nachher bereuen könnte. Es war beispielsweise unglaublich befriedigend Dinge nach ihrem blöden Bruder zu werfen. Ihre Hände griffen schon wie von selbst zu den vor dem Bett stehenden Schuhen. Und Lepidus verstand einfach überhaupt nichts! „Ich will NICHT!“ Sie warf den ersten Schuh. „Verflucht nochmal, ich MUSS!“ Der zweite Schuh folgte, auch wenn Lucia in ihrer Wut kaum mehr zum Zielen fähig war. „Du bist so ein Idiot!“ Sie brauchte etwas Neues! Aufgeregt wirbelte sie um die eigene Achse, um neue Wurfgeschosse zu finden.
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Elende Wurfgeschosse. Reflexe waren nicht gerade des Tiberier Stärke, weshalb erst nach Kissen und erstem Schuh überhaupt dem zweiten ausgewichen werden konnte. Selbstverständlich verstand Lepidus auch rein gar nichts. Das war ihm alles viel zu kryptisch. "Wer soll auch aus deinen Worten schlau werden?! Was soll das heißen, du MUSST?" Erneutes Kopfschütteln, pure Verständnislosigkeit und immer noch keine Ahnung, warum seine Schwester so dumm, um von einer Hochzeit mit dem Duccier zu faseln. "Du bist eine Tiberia! Du musst überhaupt nichts! Du bist für deine Dummheiten selbst verantwortlich!" Das war alles, was ihm dazu einfiel. Nicht, dass sie jetzt noch mit sowas kam, wie: 'Die Götter verlangen es', denn nur mit sowas konnte Lepidus überhaupt rechnen. Da hatte sie aber den falschen Pontifex in seinem Cubiculum überfallen!
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Wenn sie nicht unglaubliche Kräfte entwickeln und mit dem Bett weitermachen wollte, hatte Lucia keinen direkten Zugriff auf weitere brauchbare Dinge zum Werfen. Ihre Finger bewegten sich unruhig, sie brauchten irgendetwas zu tun. Sie griff noch eben nach der Bettdecke und zog es in einer sinnlosen Geste auf den Boden. Doch danach war sie zur relativen Ruhe gezwungen, auch wenn ihr Blick weiter suchend umherschweifte. In ihren Ohren rauschte es und sie brauchte eine Weile, um Lepidus Worte zu verstehen. „Wie, was heißt hier ich muss? Wer ist hier der Rhetoriker, du oder ich?! Müssen heißt keine andere Wahl haben!“ Lucias Tonfall konnte kaum mehr giftiger werden. „Das hat nichts mit Dummheit zu tun… oder Verantwortung! Wenn man muss, dann muss man. Nicht können, nicht dürfen, MÜSSEN!“ Sie trat nach der Decke und ballte die Hände zu Fäusten, doch ihr übersprudelnder Zorn flaute langsam ab. Ihre Wut ließ dabei kaum nach, sie wurde nur dumpfer und mehr nach innen gerichtet.
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"Du hast immer eine Wahl! Deshalb gibt es hier kein MÜSSEN!" Das fehlte noch, dass sie ihn hier über Rhetorik belehren wollte. Und genau deshalb, weil sie in jedem Fall eine Wahl haben musste, war dieser Ausdruck einfach völlig sinnlos. Denn der Tierier wusste ja schließlich immer noch nicht viel mehr, als dass, was er sich eben so denken konnte. Dass Lucia einfach irgendwie diesem Duccier verfallen war und demzufolge nicht Gebieterin über ihre Neigungen war. "Was soll das denn nun alles bedeuten? Ich verliere langsam wirklich die Geduld! Entweder du machst langsam mal einen Punkt oder du verlässt auf der Stelle mein Gemach!"
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Wollte Lepidus sie einfach nicht verstehen? Lucia funkelte ihren Bruder böse an, hatte aber einfach keine Energie mehr, um noch weiteren Terz zu machen. Wieder steckte die Decke einen Tritt ein, denn irgendetwas musste sie tun. Doch ihr Fuß verhedderte sich dabei und sie stolperte nach hinten. Dort stand zum Glück immernoch das Bett, wodurch sie relativ sanft auf ihrem Hosenboden landete. Ein weiterer giftiger Blick wurde zu Lepidus geworfen, ehe Lucia schimpfte: „Du verstehst mich einfach nicht! Ich habe keine Wahl! Diesmal nicht! Er lässt mir keine! Da brauchst du es mir nicht auch noch schwerer machen, verflucht nochmal!“ Sie hieb mit der noch immer geballten Faust auf das Bett. Doch die Götter schienen endgültig genug von ihrer Wut zu haben, denn sie traf dabei die Kante. Es tat weh! „Stinkende Kuhscheiße!“, packte Lucia ihr gesamtes Fluchvokablular aus und rieb sich die betroffene Handkante. Hatte sich denn jetzt wirklich ALLES gegen sie verschworen?
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Lepidus empfand kaum Mitleid mit seiner stolpernden und polternden Schwester. Die Götter schubsten gern mal hier und da jemanden herum, der sich den Sitten gegenüber so falsch verhielt. So blieb er denn auch eiskalt. "Ehrlich Lucia, du hast bisher nichts hervorgebracht, um die zu erklären. Was soll ich denn da auch verstehen?" Er war ganz sicher nicht derjenige, der hier alles schwerer machte, das machte die Furie schon ganz alleine. "Und so sage ich es noch einmal: Verlass entweder mein Gemach, bevor du hier alles kaputt trampelst und meine Nerven übermäßig strapazierst oder sag mir endlich, woher diese absurde Verlobung kommt. Ich kann mir beim besten Wille nicht erklären, weshalb du einen niederen Germanier heiraten müsstest, ohne eine Wahl zu haben. Das ist mir absolut schleierhaft."
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Er fragte sie, er wollte es eindeutig genau wissen. Aber der Ton, die Art und Weise, wie er sie fragte, erweckten in ihr abermals den Wunsch nach ihm zu schlagen. Sie rieb sich noch immer die schmerzende Handkante und entschied, dass dieser Wunsch wohl unerfüllt bleiben müsste. Aber tödliche Blicke konnte sie noch wunderbar zuwerfen. Es war wirklich ein wunder, dass Lepidus nicht einfach umfiel, oder ihretwegen auch versteinerte. „Benutz doch mal deinen Verstand!“, fauchte sie und strampelte mit den Beinen, um ihre Füße aus der Decke zu befreien. „Du bist doch angeblich so ein helles Köpfchen!“ Die Füße endlich frei, stand Lucia auf und straffte die Schultern. Es hatte anscheinend überhaupt keinen Sinn hier mit Lepidus zu reden, überhaupt keinen! Sie warf ihm noch einen weiteren vernichtenden Blick und rang mit sich, ob sie nun gehen sollte, oder nicht.
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Bei den Göttern! Diese Frau, die er für seine Schwester hielt, machte ihn wirklich fertig. Vielleicht wird es 100 Thermenbesuche brauchen, bis Nerven sich wieder regeneriert hatten, die sie ihm heute geraubt hatte. Der Tiberier war immer noch um keine Vermutung schlauer. Nein, aus dem bisher gesagten konnte er sich nichts zusammenreimen und ihm kamen leider auch keine göttlichen Eingebungen. Völlig erschöpft von den sich immer gleich anfühlenden Phrasen seiner Schwester, ließ er sich auf sein Schlafgemach niederfallen und rieb sich die Schläfe, als wenn er sich Kopfschmerzen wegreiben wollte. "Du machst mich fertig! Kurz vorm Schlafen gehen musst du mir solchen Kummer bereiten. Nein Lucia, mein Verstand kommt nicht darauf, wie etwas so Absurdes möglich sein kann - das liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft." Stumm blieb er liegen, nur mühsam sich sammelnd.
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Jetzt reichte es! Lucia war sich sicher, Lepidus versuchte nicht mal sie zu verstehen. Auf Anhieb konnten einem doch sicherlich ein halbes Dutzend Gründe einfallen, wieso sie den Duccier heiraten musste! Doch sie machten ihn fertig… Ja klar! „Ich mach dich fertig? ICH? Du bist es doch!“ Lucia hatte keine Kraft mehr, um nochmal auf ihren Bruder loszugehen. Tatsächlich befürchtete sie in jedem Moment wieder in Tränen auszubrechen und das wollte sie zumindest kein zweites Mal. „Du bist einfach unmöglich! Es hat überhaupt keinen Sinn es noch weiter zu versuchen!“ Mit diesen giftigen Schlussworten stürmte Lucia hinaus, natürlich nicht ohne die Tür ordentlich zuknallen zu lassen.
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Lepidus hatte gerade ein wenig die Augen zugemacht, allerdings nicht um zu schlafen, sondern schlicht um ein wenig Ruhe zu haben und nachzudenken. Als er von der erneuten Ankunft von Verus erfuhr, unterbrach er seine ruhigen Minuten, richtete sich auf und begrüßte den Neuankömmling. "Salve Verus, freut mich dich wieder in der Villa begrüßen zu können"
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Verus näherte sich seinem Verwandten zum römischen Händedruck, der etwas sehr Brüderliches zum Ausdruck brachte. "Salve, Lepidus," war die höfliche Antwort, die jedoch von einem breiten Grinsen begleitet wurde. "Ich bin auch nur auf der Durchreise, wenn man so will." Der junge Tiberius richtete sein Cingulum mit einer hektischen Bewegunhg. "Ich hoffe, dass ich dich nicht störe?"
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"Setz dich doch", bot der Tiberier seinem Gast einen Schemel an. "Nein, du störst nicht - du hast dich ja sogar ein wenig angekündigt und derzeit bin ich tatsächlich etwas weniger gestreßt als sonst" Zwar nur minimal weniger, aber immerhin. "Nur auf der Durchreise also. Wie kommts? In deinem Brief erwähntest du etwas von 'dienstlichen Gründen'."
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