Fort - Wohin die Wege führen

  • [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/180327/wtxhbjfw.jpg]


    Amir


    Carbo schritt gleich zur Tat. Er schaute sich genau den Boden an, als ob er daraus lesen könne, wer da als letztes gewandelt war. Amir hatte den Eindruck, dass dies zu Anfang für den Noriker gar nicht so einfach war. Doch er staunte nicht schlecht, als der junge Mann plötzlich die Fußspuren von Thula und den Germanen identifizieren konnte. Ganz fasziniert davon, verfolgte der Syrer, was Carbo in die Spuren hineininterpretiert. Er selbst, da war er sich ganz sicher, hätte daraus nichts erkennen können. „Aha, ähm, ich weiß nicht. Ach, was du nicht sagst! Ähm, wie groß ihre Füße sind? “ Darüber hatte sich der Syrer bislang noch nie Gedanken gemacht. Sie war ja ziemlich groß und dürr… „Also, ich denke mal, ihre Füße sind groß,“ antwortete er und war gespannt, was Caro noch aus den Spuren lesen konnte.
    Seine Blicke folgten Carbos Fingerzeig. „Und das kannst du alles hieraus lesen?“ So sehr sich Amir auch bemühte, an Carbos Fähigkeiten kam er kaum heran. „Dann ist sie also wirklich entführt worden?“ Er atmete erleichtert auf. Genau auf diese Aussage hatte er die ganze Zeit gewartet. Sie war nicht geflohen! Wie schade, dass er diese neue Erkenntnis seinem Dominus nicht sofort mitteilen konnte, da er am Morgen mit mehreren Kohorten die Castra verlassen hatte.
    „Ja und dann? Diese Germanen haben doch dann sicher die Stadt verlassen, oder was meinst du? Denkst du, du könntest sie dort draußen finden?“ Das war wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.

  • Carbo lächelte, als Amir verblüfft über seine Fähigkeiten als Spurenleser war. "Ich war zuhause in Noricum oft auf der Jagd. Wenn du beim Verfolgen einer Hirschkuh nicht einmal weißt wohin sie gelaufen ist, verhungerst du ziehmlich schnell ohne Geld für Essen vom Markt oder einer erlegten Beute." Dass hatte Carbo nur bildhaft gesprochen. Dass er dank seines Ziehvaters nie hatte Hunger leiden müssen war jetzt nicht wichtig für diese Sache, aber so verstand Amir wenigstens, woher er seine Fähigkeiten hatte und zwar von der Jagd.


    Als der Sklave ihn jedoch nach der Chance fragte, ob er sie finden könnte seufzte Carbo. Das war jetzt der schwere Teil. "Jein. Die Spur verliert sich spätestens am Weg zum Tor, da vom Markt aus die Entführer mit dem Wagen gefahren sind, genauso wie hunderte andere hier in Mogontiacum. Bis zum Stadttor helfen uns die Spuren nichts mehr und auch nicht, wenn sie auf gepflasterten Straßen gefahren sind. Wenn du sie wiederfinden willst bräuchten wir jemanden, der unseren gesuchten Wagen gesehen hat, oder weiß wer die Leute waren und wohin sie gefahren sind. Das würde uns jetzt am besten weiterhelfen. Ich empfehle wir spüren den Bettler auf, von dem du gesprochen hast. Er ist unser einziger weiterer Anhaltspunkt. Eine andere Idee von mir ist, dass wir die Wache am Tor fragen, ob sie gestern einen Wagen mit Germanen aus der Stadt gelassen haben und in welche Richtung sie gefahren sind. Sind sie nämlich früher schon von der Straße ab, hätten wir draußen am freien Land wieder Wagenspuren, denen wir einwandfrei folgen könnten. Aber jetzt hängt es davon ab, ob wir den Bettler finden und was die Wache sagt. Wer weiß, die Entführer könnten genauso gut auch noch innerhalb der Stadt sein, was ich jedoch bezweifle. Möglich wär es aber."

  • [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/180327/wtxhbjfw.jpg]


    Amir


    „Tut mir leid, aber mit der Jagd kenne ich mich nicht aus,“ meinte Amir mit zuckenden Schultern. Er war als Sklave in einem Stadthaus mitten in Damaskus geboren worden und war nie darauf angewiesen gewesen, sein Essen selbst erjagen zu müssen. „Dann warst du sicher ein guter Jäger? Womit hast du deine Beute erlegt?“ Der Noriker hatte es tatsächlich geschafft, Amirs Interesse zu wecken. Er wäre selbst auch gerne einmal zur Jagd gegangen. Der Kampf zwischen Mensch und Tier – das faszinierte ihn. Natürlich wäre er aber nie auf die Idee gekommen, seine Wünsche laut zu äußern. Schon gar nicht vor einem Fremden. Außerdem ging es ja hier nicht um sein Vergnügen, sondern um die Suche nach Thula. Amir konnte es bereits an Carbos Tonfall hören, dass dieses Unterfangen sehr schwer werden würde. Zumindest ohne weitere Informationen. Was Carbo sagte, klang einleuchtend und nachvollziehbar.
    „Einen Moment, lass mich nachsehen!“ Der Syrer lief ein paar Schritte und sah sich um, ob der Bettler auch heute wieder an seinem gewohnten Platz saß. Wie schon am Tag zuvor fand er ihn in seiner Häusernische. Natürlich kannte der Bettler ihn noch, da er für seine Dienste ja auch eine Belohnung bekommen hatte. Der Syrer bat ihn, kurz mit zu Carbo zu kommen, um ihm dort Rede und Antwort zu stehen.
    „Es geht noch einmal um die Germanen, die die Sklavin angesprochen haben. Kannst du dich noch erinnern, wie sie aussahen?“ , fragte Amir ihn, als die zu dem Noriker kamen. Der Bettler überlegte einen Augenblick bevor er zu sprechen begann. „Ja, wenn ich mich recht entsinne, waren sie alle blond, außer der Frau. Die hatte rotes Haar. Ach nein, einer der Männer hatte braunes Haar. Aber der ist nicht mit den anderen gegangen. Der Mann, der mit der Sklavin sprach hatte kurze blonde Haare, die so nach hinten gekämmt waren. Der Ältere, der den Sack davontrug, war dunkelblond. Ja, genauso war es! Die Männer trugen germanische Kleidung. Aber die Frau, das war irgendwie komisch! Sie trug eine römische Tunika, aber irgendwie hat das nicht gepasst! Ihre Haare und so!“

  • Carbo studierte noch den Boden, als Amir ihn über Details über die Jagd ausfragte. Jagd, das war früher eines seiner Lieblingsthemen gewesen, ehe es durch seinen Umzug in die große Stadt so sehr in den Hintergrund getreten war. "Manchmal vermisse ich sie schon" seufzte er. "Ich habe mir als Junge einmal einen eigenen Bogen gemacht. Du weißt schon mit einem guten federnden Holz als Griff und einer strammen Hirschsehne zum Abschießen der Pfeile. Leider ist er mir in den Bergen einmal kaputt gegangen, als ich in einer Schlucht festsaß. Das war kurz, bevor ich Noricum verlassen hatte." Achja... gute alte Zeiten.


    Als Amir dann den bettler entdeckte und herbeiholte, klatschte Carbo in die Hände. "Na also! Es waren doch Germanen!" Soweit hatten sich seine Fähigkeiten also schon einmal ausgezahlt. "Gut dann müssen wir jetzt zur Stadtwache und dort nachfragen, ob sie einen Wagen mit Germanen aus der Stadt gelassen haben. Wärst du gegen ein paar Münzen bereit mit uns zu kommen und im Fall der Fälle die Germanen zu identifizieren?" fragte er mit einem Seitenblick auf den Bettler.

  • [Blockierte Grafik: http://fs1.directupload.net/images/180327/wtxhbjfw.jpg]


    Amir


    Amir konnte nichts vermissen, was er noch nie getan hatte. Doch der junge Mann hatte Träume und Wünsche, obwohl er wusste, dass sich diese wahrscheinlich nie erfüllen würden. Einer seiner Träume war es, einmal in seinem Leben ein Abenteuer zu bestehen, auszubrechen aus dem Alltagstrott und so etwas wie Freiheit zu spüren. Dass ausgerechnet Thulas Verschwinden ihm dies ermöglichen sollte, dämpfte seine Freude darüber. Er hatte am Abend zuvor um Erlaubnis gebeten, den Noriker begleiten zu dürfen und er hatte sie erhalten, da der Venicier die kommenden Tage eh nicht in der Castra sein würde.
    Doch bevor es soweit war, brauchte Carbo zuerst noch mehr Informationen. Dass es Germanen waren, half nicht wirklich weiter. Schließlich befanden sie sich in Germanien und diese Kerle konnten überall abgeblieben sein. Womöglich waren sie schon längst hinter der Grenze. Aber der Noriker schien genau zu wissen, wie er weiter vorgehen musste. Auf zur Stadtwache! Auch der Bettler schien nicht abgeneigt zu sein, sich noch ein Paar Münzen mehr zu verdienen „Aber natürlich, Herr!“, entgegnete er und lächelte ein halb zahnloses Lächeln.

  • Carbo gab dem Bettler ein paar Münzen. "Hier für dich. Mehr gibt es, wenn wir unser kleines Abenteuer zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen haben. Gut, dann kommt jetzt!" Und so setzte er sich in Bewegung in Richtung Stadttore. Unterwegs an den Bettler gewandt fragte er: "Was ist dir eigentlich passiert, dass du all dein Habe verloren hast und jetzt auf der Straße leben musst?"


    Es herrschte vom Forum weg ein fürchterliches Gedränge und Geschiebe in den Straßen, Carbo war froh, dass er nicht länger auf Spuren angewiesen war für ihren nächsten Schritt. Recht viel lesen hätte er aus diesem zertrampelten Boden nämlich sowieso nicht können. Nicht lange und schon bald erschien vor ihnen das Stadttor von Mogontiacum.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!