1. Jüdischer Krieg

Aus Theoria Romana
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Der Erste Jüdische Krieg gegen Rom war die Folge von Unruhen, die seit der Unterwerfung Iudaeas unter die direkte römische Kontrolle im Jahre 6 v.Chr. andauerten und durch das Streben nach nationaler Unabhängigkeit und den messianischen Eifer der Juden stets wieder entfacht wurde. Die Bestechlichkeit und die Grausamkeit der letzten zwei Prokuratoren Iudaeas, Albinus (62-64 n.Chr.) und Gessius Florus (64-66 n.Chr.), waren weitere Faktoren, die zum Ausbruch führten. Gessius Florus z.B. beschlagnahmte im Frühling 66 n.Chr. eine große Geldsumme aus dem Tempelschatz und richtete danach unter den aufgebrachten Einwohnern Jerusalems ein schreckliches Blutbad mit vielen Kreuzigungen an. Die zwei wichtigsten auslösenden Ereignisse waren die Besetzung der Festung Masada durch die Revolutionäre und die Weigerung Eleasars, des Sohnes des Hohenpriesters Ananias, für den römischen Kaiser Opfergaben darzubringen. Als die politischen Führer in Jerusalem, die von König Agrippa II. unterstützt wurden, die Aufständischen mit friedlichen Mitteln nicht zu überzeugen vermochten, wandten sie Gewalt an, doch ohne Erfolg. Während des brudermörderischen Kampfes in Jerusalem wurden jüdische Gemeinden in palästinischen Städten mit gemischter heidnisch-jüdischer Bevölkerung (Caesarea, Ptolemais, Geba, Samaria, Aschkelon) und in der Dekapolis, in Syrien und Ägypten (Alexandria) massakriert. Dem Statthalter von Syrien, Gestius Gallus (63-66 n.Chr.), gelang es nicht, den Aufstand in Jerusalem niederzuwerfen. Er wurde im Oktober 66 n.Chr. auf seiner Rückreise bei Bet-Horon von den Juden in die Flucht geschlagen.

Militärbezirke[Bearbeiten]

Das Land wurde in militärische Bezirke unterteilt, deren Befehlshaber von Flavius Josephus in seinem Buch "Der Jüdische Krieg" (II, 563-568) aufgelistet werden. Jerusalem wurde dem ehemaligen Hohenpriester Ananus, Sohn des Ananus und dem Joseph, Sohn des Gorion anvertrat. Die zwei Oberpriester Jesus, Sohn des Sapphias und Elesar übernahmen Idumaea. Die Region um Jericho wurde Joseph, dem Sohn des Simon, Transjordanien (Peraea) Manasse unterstellt. Der Norden und Wesen Iudaeas (die Bezirke von Thamna, Lydda, Joppa und Emmaus) wurde von Johannes, dem Essener verwaltet. Johannes, der Sohn des Ananias wurde der Befehlshaber von Nordostiudaea (Gofna und Akrabeta); Ober- und Untergalilaea und das Gebiet von Gamala in der Gaulanitis wurden Josephus, dem Sohn des Matthias zugeteilt.

Die Befestigung Galilaeas und des Golans (66 n.Chr.)[Bearbeiten]

Im Winter 66/67 n.Chr. begann Josephus sogleich, die Verteidigung der ihm unterstellten Gebiete zu sichern, trotz des bewaffneten Widerstandes, den ihm der Extremist Johannes aus Gischala entgegensetzte. In der Gaulanitis stimmte Josephus der Instandsetzung der Mauern von Gamala zu und befestigte Seleuzia und Sogane. In Obergaliläa wurden Mauern um Jamnit, Merot und Akchabaron errichtet. In Untergaliläa wurden die drei Städte Tericheä, Tiberias und Sepphoris und eine Reihe von Dörfern befestigt: Bersabe, Selame, Jotapata, Kafarekcho, Jafa, Sigof, die Höhle von Arbela und der Berg Tabor (Josephus, Leben 187f; Krieg II, 573f). Diese Festungen sollten den römischen Stützpunkten in Ptolemais (Sigof, Kafarekcho) und Skythopolis (Berg Tabor), den feindlich gespinnten Phöniziern im Nordwesten (Bersabe, Selame, Merot) und der Festung des Agrippa in Cäsarea Philippi (Jamnit, Seleuzia, Sogane) den Weg versperren. Andere dienten dem Schutze großer Bevölkerungszentren (Taricheä, Tiberias, Sepphoris, Jafa). Die übrigen Festungen waren natürliche Bollwerke (Jotapata, Akchabaron und Gamala).

Die Römer greifen Galilaea an (67 n.Chr.)[Bearbeiten]

Im Frühjahr 67 n.Chr. sandte Kaiser Nero den Statthalter Vespasian zur Niederwerfung des Aufstandes nach Palaestina. Dieser maschierte von Antiochia aus über Ptolemais, wo sein Sohn Titus aus Alexandria zu ihm stieß, nach Galilaea. Sie befehligten zusammen insgesamt 60.000 Legionäre und Hilfstruppen, was allein die jüdischen Truppen schon demoralisierte. Sepphoris trat sofort auf die Seite der Römer über. Das Herr von Josephus war in Garis versammelt, aber seine ungeschulten Männer zerstoben, bevor die Legionen des Vespasian sichtbar wurden. Ganz Untergalilaea erlag ohne Kampf und Josephus floh mit dem Rest seines Heeres zuerst nach Tiberias, dann zur Festung von Jotapata. Diese wurde im Frühsommer 67 n.Chr. von Vespasian eingenommen und Josephus ergab sich. Die anderen Festungen öffneten entweder ihre Tore (Tiberias und Gischala) oder wurden schnell gestürmt. Nur Gamala leistete erbitterten Widerstand, doch war im Winter 67 n.Chr. der ganze Norden Palaestinas in römischen Händen.

Die Eroberung Peraeas und Iudaeas (68-69 n.Chr.)[Bearbeiten]

Die zweite Phase des Krieges umfasste die Zeit zwischen der Unterwerfung Galilaeas und der Belagerung Jerusalems. Auf jüdischer Seite war sie durch einen blutigen Bürgerkrieg gekennzeichnet, der zwischen den fanatischen Nachfolgern des Johannes von Gischala, der mit den Idumaeern verbündet war und den aristokratischen Führern des Aufstandes, denen man ihren schwachen Widerstand gegenüber Rom vorwarf, wütete. Vespasian überließ die jüdischen Parteien in Jerusalem ihrer gegenseitigen Zerstörung und wandte sich Peräa zu, wo er die ganze Gegend besetzte und südwärts bis zur Festung Machärus vordrang. Im Spätfrühling hatte die Römer sich auch der Städte Antipatris, Lydda und Jamnia bemächtigt. Bei Emmanus wurde eine Legion stationiert. Nach einem Marsch durch Samaria drangen die römischen Soldaten auch in Jericho ein. Vespasian reiste dann nach Caesarea, um die Belagerung Jerusalems vorzubereiten. Dort erreichte ihn aber die Nachricht von Neros Selbstmord. Er unterließ alle kriegerischen Handlungen für fast 12 Monate und wartete auf den Ausgang der inneren Streitigkeiten um die Nachfolge Neros. Diese endeten mit seiner Ernennung zum Kaiser am 1.Juli 69 n.Chr. Kurz voher nahm er Unruhen des Simon bar Giora, eines neuen Anführers der Aufständischen, zum Anlass, die Eroberung Judäas zu Ende zu führen, indem er Gofna, Akrabeta, Bet-El, Efraim und ebenso Hebron im Süden unterwarf. Nur Jerusalem, Machärus, Masada und das Herodeion blieben in jüdischen Händen, als er Palästina verließ, um zuerst nach Alexandria und schließlich nach Rom zu reisen. Die Beilegung des Jüdischen Krieges überließ er seinem Sohn Titus.

Die Einnahme und Zerstörung Jerusalems (70 n.Chr.)[Bearbeiten]

In Jerusalem hielt der Kampf zwischen den drei Parteien an, die von Simon bar Giora, Johannes von Gischala und Eleasar, dem Sohn des Simon angeführt wurden. Die dritte Partei wurde bald aufgelöst, aber die Feindschaft zwischen Simon und Johannes währte hartnäckig. Gleichzeitung wüteten die Kämpfe gegen die Römer vom Pessachfest bis in den August/September 70 n.Chr. In dieser Zeit kam ein großer Teil der Bewohner Jerusalems durch Hunger oder Massaker um. Bei der Eroberung der Stadt brannte der Tempel nieder. Die Überlebenden wurden gefangengenommen und in die Bergwerke geschickt oder 71 n.Chr. auf dem Triumphzug des Titus in Rom zur Schau gestellt.

Masada - Die letzte Zuflucht der Zeloten[Bearbeiten]

Lucilius Bassus, Der Statthalter von Palästina (71-74 n.Chr.) wandte sich den verbliebenen Zentren des Widerstandes zu. Das Herodeion, das Herodes südlich von Jerusalem erbaut hatte, ergab sich ebenso wie Machärus am östlichen Ufer des Toten Meeres nach einigem Widerstand. Nur Masada, ein prächtiger, zu einer Festung umgebauter Wüstenpalast des Herodes, hielt den Römern unter der Führung von Eleasar, eines Nachkommen Judas des Galiläers, des Begründers der Partei der Zeloten, längere Zeit stand. Im Frühjahr 74 n.Chr. fiel die Festung schließlich in die Hände der Römer, nachdem sie von den Truppen des neuen Statthalters von Judäa, Flavius Silva (73-81 n.Chr.) belagert worden war. Die Zeloten sollen - so erzählt Josephus - sich vorher gemeinsam den Tod gegeben haben.

Politisch-messianische Gestalten im Palästina des 1.Jhs.n.Chr.[Bearbeiten]

Josephus berichtet uns von einer ganzen Reihe von pseudoprophetischen Gestalten, die die Macht beanspruchten einen göttlichen Eingriff in die Geschichte herbeiführen zu können. Der bekannteste war wohl ein ägyptischer "Prophet", der die Mauern Jerusalems durch ein Wort einfallen lassen wollte. Im Gegensatz zu den meisten seiner Anhänger gelang es ihm, sich der römischen Besatzungsmacht zu entziehen. Als Paulus im Tempel verhaftet wurde, hielt ihn ein römischer Offizier für diesen ägyptischen Propheten (Apg. 21,38). Daneben traten während der letzten Phase der Belagerung Jerusalems noch andere, erfolglose Propheten auf.


Literatur: Herders Grosser Bibelatlas, Seite 176-177