Militärmusik

Aus Theoria Romana
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Die Römer hatten bereits ein äußerst ausgeprägtes Wesen für Militärmusik. So ist überliefert, dass die Musik zur Signalgebung genutzt wurde. Es gab Soldatenlieder und es gibt auch Belege aus der Kaiserzeit dafür, dass bereits Musik zum Marschieren verwendet wurde.

Im Römischen Heer[Bearbeiten]

Das römische Heer verfügte über eine sehr ausgebildete und ausgeprägte Signalmusik als Element der Truppenführung. So waren Musiker zu Fuß und zu Pferd fest in die Gefechtsordnung eingebunden. Die Römer hatten nachweislich eine Abneigung gegenüber dem Gegner verständlicher Signale, daraus lässt sich schließen, dass wahrscheinlich die Signale auf dem Feld regelmäßig einem Wechsel unterlagen, dennoch gab es wahrscheinlich festgelegte Melodie- und Rhythmusfolgen für einzelne Befehle. Die Musik war also im Heer überaus wichtig und verfolgte damit bereits die Ziele der modernen Militärmusik „die Möglichkeit der Steigerung des Lebensgefühls, des Mutes, der Lust durch die Musik“. Bereits in der Schlacht bei Zama war die Musik des römischen Heeres so machtvoll, das die Kriegselefanten der Karthager scheu wurden und sich gegen ihre Herren wanden. Die Römer setzten auf Blasmusik, wie Quintilian sagte: „Die Notwendigkeit eines nationalen Bekenntnis, da der größeren Lautstärke der römischen Instrumente ihr größter Ruhm unter den Völkern entspreche“.

Die Instrumente[Bearbeiten]

tuba: Die tuba war hierbei das römische Kriegsinstrument schlecht hin. Es war eine Bronzene in die Länge gezogene Trompete, die für allerlei Signale genutzt wurde, aber auch eine schöne frühzeitige Fanfaren-Wirkung hatte, denn sie klang sehr rau und mächtig. Der Klang galt der Aufmunterung der Männer und Einschüchterung des Feindes. Aufmarsch, Aufbrechen, Angriff und Rückzug ohne tuba waren undenkbar im römischen Heer. Auch Exerzieren, der Ruf zur Arbeit oder das Verkünden der Nachtwache waren von den Klängen der römischen tuba geprägt. In der Schlacht wurde der tubabefehl des Feldherrn von den tubicines der einzelnen Einheiten übernommen und wiederholt. Nach der Schlacht bei Triumphzügen und bei Begräbnissen waren die tubicines stets dabei.

lituus: Auch die lituus hatte ihren festen Platz, nämlich bei der Kavallerie. Es handelte sich um eine mittelgroße Trompete (ca. 80 cm), die schrill und hart ihre Signale von sich gab und wahrscheinlich die tuba der Infanterie ersetzte, obwohl auch von tubicines der Kavallerie in Überlieferungen die Rede ist.

cornu: Die Infanterie hatte noch ihre cornu, ein gebogenes Blasinstrument aus Horn oder Metall, aus der sich wahrscheinlich mit der Zeit die Posaune entwickelte und einen rauen und dumpfen Lärm von sich gab. Bürger in Rom wurden von diesem dumpfen Lärm zu Versammlungen oder als Angeklagte zur Gerichtsversammlung gerufen. Im Heer hingegen waren die Aufgabe dieses Instruments der cornicines die Befehle „In Bewegung setzen“, „Halt machen“, „Standarte aufstellen“, “Nachtwachen schichtende“.

Und wenn dann mal cornu und tuba zusammen das classicum bliesen, dann galt dies dem Angriff oder dem Rückzug des Heeres.

bucina: Es ist auch von einer bucina die Rede, die wohl sehr ähnlich wie das cornu war und einen schrecklichen Ton hatte. Die bucinatores dienten in der Reiterei, bei den Prätorianern und vereinzelt in den Legionen und Auxiliakohorten. Die bucina signalisierte im Feldlager und wahrscheinlich auch in den römischen Kasernen die Tageszeiten für die Wachablösungen, sodass Dienstpläne bestimmte bucinatermine nutzen konnten, indem die Zeiteinteilung einfach durchnummeriert wurde. Es ist sogar von Kriegslisten die Rede, dass Befehlshaber in heimlich geleerten Lagern die bucinatoren weiter die Nachtstunden ankündigen ließen, um dem Feind ein volles Lager vorzugaukeln.

Die Zuteilung verschiedener Instrumente zu verschiedenen Truppengattungen lässt den Schluss zu, dass einzelne Truppenteile und Waffengattungen eigene Signale kannten. Überliefert ist zum Beispiel aus der Entscheidungsschlacht in Afrika, dass Scipio den Lanzenträgern separat zum Rückzug blasen ließ.

Im Bewusstsein des römischen Soldaten war die Musik der Bläser so sehr mit Krieg verbunden, dass selbst in Friedenszeiten beim Ertönen der tuba zu den Waffen gegriffen wurde.

Stellung im Heer[Bearbeiten]

Im Römischen Reich gab es bereits Berufsmusiker, die eine besondere Anerkennung genossen, aber auch im Militär genießen Musiker einen hohen Stellenwert, denn noch viel stärker als die Signalgebung im Heer wussten die Römer bereits um den mächtigen psychologischen Effekt der Musik auf dem Schlachtfeld (auch die Germanen kannten Kriegsgesang) zur Motivation der eigenen Truppen und Einschüchterung des Feindes. Und wer einmal vor einem ausgezeichneten Fanfarenzug stand, weiß mit welcher Macht es dort vonstattengeht. Wer seine Augen schließt und sich ein in der Sonne glitzerndes Heer vorstellt, der weiß wohl welche Macht die Truppen spürten, wenn die Töne in Mark und Seele übergingen.

Seit Augustus gehörten Bläser, die bei großen Feierlichkeiten mitwirkten, dem Ritterstand an und im Heer zu den Unteroffizieren. Die tubicen standen hierbei über den cornicen die wiederum den bucinatores übergestellt waren. Befehle wurden wahrscheinlich von aeneatoreas an die Bläser der Untereinheiten weitergeben.

Marsch[Bearbeiten]

Des Weiteren mochten es die Römer sehr wahrscheinlich, die Musik zum Marschieren zu nutzen. Virgil und Caesar kann ein Gleichschritt der römischen Legionen nachgewiesen werden, was die Voraussetzung für Marschmusik darstellt. Die vor Arminius fliehenden Römer retteten sich durch Trompeter vor der Vernichtung, die ein trochäisches Stück bliesen und so die Verfolger glauben ließen, dass eine neue Abteilung des römischen Heeres anrückte. Auch von gleichsam in Musik begleitetem Rückmarsch durch Lagertrompeter statt wilder Flucht ist in einigen Überlieferungen die Rede. Somit mussten die Römer mehrere Werke der Marschmusik gekannt haben, obwohl kein solches Stück überliefert ist. Man kann einen römischen Marsch wahrscheinlich nicht mit den heutigen Märschen vergleichen.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur:

  • Günther Wille: Musica Romana. John Benjamins Publishing, 01.01.1967 - S. 800f.
  • Jana Sperling: Kaiserzeitliche Staatsreliefs und römische Militärmusiker: Die Säulen des Traian und des Marcus Aurelius in Rom. Diplomica Verlag, 2015 - S. 116f.

Weblinks: