Gebet

Aus Theoria Romana

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Die Gebete der Römer folgten einem genau definierten Wortlaut und einer festen formalen Struktur, welche jedoch äußerst vielseitig war. Sie wurden an eine oder mehrere Gottheiten gerichtet und für gewöhnlich laut ausgesprochen. Die Handflächen zeigten während des Gebets nach oben, eine Körperwendung nach Rechts schloss die Bitte ab. Die Handflächen zeigten nicht bei jeder Gottheit nach oben, so wird ein Gebet für Neptun durch das Ausstrecken der Hände in Richtung Meer abgegeben, zur Tellus berührte man gar mit den Händen den Boden. Viele Gebete wurden zudem durch kleine Opfergaben begleitet, wie auch das Gebet ein essentieller Bestandteil des Opfers war.

Nur von sehr wenigen Gebetstexten ist der genaue Wortlaut überliefert. Es lässt sich daraus jedoch, auch in Verbindung mit den Gebeten der griechischen Religon, ein bestimmter Rahmen für Gebetstexte bestimmen:

  1. Anrede des Gottes
    Von der Art des Anliegens hing es ab, an welche Gottheit der Betende sich wandte, da die Götter für unterschiedliche Bereiche zuständig waren.
  2. Berufung auf die Macht des Gottes
    Konkret wurde sich dabei auf frühere vergleichtbare Machtbeweise berufen, in deren Sinn der Gott nun wieder um Hilfe gebeten wurde.
  3. Berufung auf die eigene Frömmigkeit und die eigenen früheren Leistungen an Opfern
    Dies entsprach dem Sinn des do ut des - ich gebe, damit du gibst.
  4. Die Bitte selbst
    Die Wortwahl der Bitte lag vermutlich irgendwo zwischen Zauberspruch und Hymnos.
  5. Versprechen künftiger Leistungen
    Auch dies gehörte zum Prinzipt des do ut des, war es doch eine Art Gelübde für weitere Leistungen, wenn das Gebet erhört wurde.


Literatur:
Jörg Rüpke: Die Religion der Römer, C.H. Beck, München 2001
Fritz Graf: Kult, Kultus, Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd.VI, Hrsg. Hubert Canick & Helmuth Schneider, Stuttgart/Weimar 1999
Gigon, O.: Gebet, LAW 1 (2001), Sp.1028-1030.
Marquardt, Joachim: Römische Staatsverwaltung, Bd. 3, Leipzig 1878.

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